Sukadev Bretzs Beiträge (6007)

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Lerne, zu unterscheiden

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute lese ich etwas aus dem Buch „Licht, Kraft und Weisheit“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Lerne, zu unterscheiden“:

„Erkenne die Dinge in ihrem wahren Licht. Erkenne die Gesetze des Weltalls. Bewege dich taktvoll in dieser Welt. Lerne die Geheimnisse der Natur. Lerne, zu unterscheiden zwischen wahrem Glück und dem Vergänglichen, zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Ficht diesen inneren Kampf immer wieder aufs Neue aus. Mögest du alle Zeit im göttlichen Licht und unerschöpflichen Reichtum des Atman Jnana, der Erkenntnis des höchsten Selbst leuchten, der das allgemeine Besitztum aller Menschen ist. Erwache aus dem tiefen Schlummer der Unwissenheit. Denke richtig, handle recht und führe ein tugendhaftes Leben, so wirst du das Ziel des Lebens erreichen.“


Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Die Bedeutung des Mantras Shuddhosi-Buddhosi

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute sage ich etwas zur Bedeutung des Mantras: Shuddhosi Buddhosi Niranjanosi Samsara Maya Prariva Chidhosi.

Das war ein Wiegenlied der heiligen Medalasa, auch Mandalasa genannt. Diese große Heilige lebte vor vielen tausend Jahren, heißt es in den Upanishaden. Sie hatte das Höchste verwirklicht und sie hatte eine Reihe von Kindern. Ihren Kindern sang sie dann immer ein Wiegenlied. Das war nicht so die typischen Wiegenlieder, wie man sie in sonstigen Sprachen kennt, sondern es hieß: „Shuddhosi Buddhosi.“ Du bist rein: Shuddhosi. Du bist Manifestation der kosmischen Intelligenz: Buddhosi. Niranjanosi: Du bist unberührt von allem, was auf dieser Welt geschieht, du bist ewig rein. Chidhosi: Du bist reines kosmisches Bewusstsein, jenseits von Samsara, dem Kreislauf von Geburt und Tod, jenseits von Maya, Täuschung und Illusion, jenseits von Pariva, dem Wandern in dieser Welt.

Diese Aussagen können einem ein gewisses Urvertrauen, ein Grundvertrauen ins Leben geben. Wenn man wirklich tief in die Meditation hineingeht, wenn der Geist zur Ruhe kommt, dann erfährt man sein eigenes Selbst als Bewusstsein an sich. Jenseits von Körper, jenseits von Emotionen, jenseits von Gedanken. Und dieses reine, unendliche Bewusstsein ist das Bewusstsein, das sich auch in jedem anderen Menschen und jedem Wesen manifestiert, es ist letztlich das Bewusstsein hinter dem gesamten Universum. Wenn wir uns darauf immer wieder besinnen, dann bekommen wir dadurch Kraft, Ruhe und Stärke. Natürlich, wir müssen uns auch um diese Welt kümmern. Wir sind in diesem Universum und wir haben einen Körper.Der Körper hat Bedürfnisse, man muss sich um den Körper kümmern, damit er gesund ist. Wir müssen geschickt mit unseren Emotionen umgehen. Und es gilt, die zwischenmenschlichen Beziehungen gut zu gestalten. Wir wollen etwas bewirken in dieser Welt und so sagt ja auch die Bhagavad Gita, dass wir eine bestimmte Mission im Leben haben. Es gilt, unsere Aufgabe zu erfüllen und daran zu wachsen.

Patanjali sagt, wir haben bestimmte Kräfte in uns und es gilt, diese Kräfte in uns zu manifestieren. Oder modern ausgedrückt, es gilt, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, zu entfalten, immer mehr von dem, was in einem ist, auch zum Ausdruck zu bringen, zu erfahren, sich als autonome Person zu begreifen, die vielleicht nicht in jeder Hinsicht autonom ist, aber als Individuum eine eigene Botschaft hat.

Für all das gibt es eine gute Grundlage und das ist, man kann sagen, der Fels, auf dem wir begründet sind oder das, wohin wir immer wieder zurückkehren können, wenn wir uns aus dem Alltag und dem Stress des täglichen Lebens und den Herausforderungen wieder zurückziehen wollen. So wie ein Kind hoffentlich zu seinen Eltern Urvertrauen aufbaut und aus diesem Urvertrauen in diese Welt hineingehen kann, so können wir ein noch tieferes Urvertrauen aufbauen. Ein Urvertrauen, das auf dieser Erfahrung gründet: Shuddhosi Buddhosi Niranjanosi Samsara Maya Prariva Chidhosi. Was auch immer geschieht, du bleibst das reine, unsterbliche Selbst. Du bleibst die Intelligenz hinter dem gesamten Universum. Du bist verankert in diesem unendlichen, ewigen Bewusstsein. Aus dieser tiefen Verankerung kannst du dein ganzes Leben gestalten und erfahren.

Hari Om Tat Sat


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Wer ist Shiva?

Om Namah Shivaya. Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute erzähle ich etwas über Shiva.

Shiva verkörpert in der Mythologie die verschiedenen Polaritäten, um die sich das Leben dreht. Shiva ist zum einen der Meditierende, zum anderen der Tanzende. Shiva steht als Meditierender dafür, dass es notwendig ist, sich jeden Tag ein paar Minuten zurückzuziehen - vielleicht sogar ein paar Minuten mehr - jeden Tag vielleicht zwanzig, dreißig Minuten zu meditieren, Asanas und Pranayama zu üben, sich zurückzuziehen, um Kraft zu sammeln. Und das nicht nur dann, wenn man gerade viel Zeit hat, sondern insbesondere dann, wenn man wenig Zeit hat. Es gibt die Aussage eines Mystikers, jeder sollte eine Stunde am Tag seinen spirituellen Praktiken widmen, es sei denn, man ist sehr beschäftigt. Dann sollte man mindestens zwei Stunden den spirituellen Praktiken widmen. Das war auch ein Grundsatz, den Mutter Theresa in ihren Klöstern vertrat. Wenn man intensiver selbstlosen Dienst macht, dann muss man auch längere Zeit haben, um spirituell zu praktizieren. Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, spirituell zu praktizieren, dann verlieren wir uns relativ schnell im Äußeren und dann kann es sein, dass wir ausbrennen und weniger Kraft haben und dass man das, was wir tun, mit weniger Liebe und mit weniger Freude tun. Darum ist es wichtig, dass wir uns jeden Tag etwas Zeit nehmen, um nach innen zu gehen.

Das wird auch symbolisiert durch den Shiva, der sitzt und meditiert. Gerade wenn es eine Phase gibt, in der wir etwas mehr zu tun haben oder sich das äußere Leben verändert und die Energie etwas mehr nach außen geht, dann müssen wir uns mit unserer Viveka und unserer Unterscheidungskraft dazu motivieren, etwas mehr zu praktizieren.

Aber es gilt natürlich nicht nur, sich zu zurückzuziehen, sondern Shiva hat auch einen anderen Aspekt. Die bekannteste Darstellung von indischer Mythologie ist Shiva tanzend in einem Feuerkranz. Und dieses Tanzen in einem Feuerkranz, das heißt, dass wir etwas mit Enthusiasmus tun können, wenn wir es in der äußeren Welt tun. Gerade weil Shiva meditativ ist, ist auch wichtig, dass der zweite Aspekt von ihm so etwas Feuriges ist. Das soll auch einem Vorurteil vorbeugen, das spirituelle Aspiranten manchmal über den spirituellen Weg haben: Dass man denkt, wenn man meditiert, dann sollte man immer nur ruhig und mäßig durchs Leben gehen. Je nach Temperament mag es Menschen geben, für die das auch möglich ist, aber die meisten großen Meister, die man kennt, die hatten auch großes Temperament. Sie hatten eine große Fähigkeit, nach innen zu gehen, aber auch die Fähigkeit, wenn sie im Äußeren etwas gemacht haben, das mit Feuer und Enthusiasmus zu machen.

Krishna sagt zu Arjuna: Yoga ist für den, der Feuer hat. Shiva verkörpert starkes Feuer und gleichzeitig die Fähigkeit, loszulassen. Damit haben wir eine weitere der vielen Polaritäten von Shiva. Die abstrakte und die konkrete Gottesverehrung. Der Shiva Lingam symbolisiert die abstrakte Gottesverehrung. Es ist die Verbindung aus dem Himmlischen und dem Irdischen, dem Senkrechten und dem Waagrechten. Man kann auch sagen, der Shiva Lingam ist die Eins. Linga heißt auch Licht. Wir finden Shiva schließlich auch dargestellt mit Parvati, Ganesha und Sharavanabhava. Für den Aspiranten sind auch diese beiden Formen von Gottesverehrung hilfreich. Zum einen, Gott zu verehren als abstrakte, unendliche, ewige Wirklichkeit, als ein namenloses, höheres Prinzip, als kosmisches Licht und Intelligenz. Und dann auch als etwas sehr Konkretes. Sei es, dass wir Gott in konkreter Gestalt verehren, wie Shiva oder Krishna oder Jesus. Oder auch, dass wir Gott im Konkreten, im Manifesten verehren. In der Schönheit der Dinge, im Guten in jedem Menschen, mit dem wir zu tun haben, in der Kraft hinter allen Naturereignissen.

Und so können wir Gott in Form von Shiva sowohl als das verehren, was jenseits dieser Welt ist, als auch als das, was in dieser Welt ist und sich als alles in dieser Welt manifestiert. Gott ist derjenige, der über alles hinaus geht und zugleich der, zu dem ich beten kann, an den ich mich richten kann, den ich um Hilfe bitten und dessen konkrete Hilfe ich immer wieder spüren kann.

Hari Om Tat Sat


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Praktische Tipps für die spirituelle Praxis

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute sage ich etwas zu den vier großen S: Sadhana, Sattva, Seva und Satsang.


Wenn man diese vier Grundlagen beachtet, dann kann man praktische spirituelle Fortschritte machen. Natürlich, man muss sie auch mit der richtigen Einstellung machen, dann wirken diese Praktiken umso besser.
Sadhana im engeren Sinne heißt, man nimmt sich eine gewisse Zeit, in der man nur spirituelle Praktiken macht und nichts anderes. Das ist die tägliche Praxis. Im ganzheitlichen Yoga unserer Tradition gehören die drei Hauptpraktiken dazu: Meditation, Asanas und Pranayama, also stille, sitzende Meditation, die Atemübungen und die Körperübungen. Das ist ein wichtiger Aspekt und wahrscheinlich von all den vieren der wichtigste. Damit hat man eine regelmäßige spirituelle Praxis.


Das zweite sind die so genannten Sattva Regeln. Sattva ist eine reine Lebensführung. Das, was eher ungesund ist, das, was träge macht, das, was die Klarheit des Geistes mindert, das, was das Bewusstsein trübt oder zu erdend macht, das, was anderen Lebewesen schadet, also das Tamasige wird damit reduziert. Also all das ist, was der Erfahrung von Einheit und Erhabenheit entgegengesetzt ist. Sattva heißt auch, über die Ernährung niemanden zu töten, was heißt, auf Fleisch zu verzichten. Es heißt auch, keine Getränke zu sich zu nehmen, die einen benebeln oder zum Alkoholiker werden zu lassen. Dazu gehören noch eine Reihe von anderen Dingen, die die meisten von euch kennen.


Sattvig meint auch eine Ethik im Alltag, das heißt, gute Umgangsformen mit anderen Menschen. Es heißt auch, in der Kleidung und in der Wohnung auf ökologisches Verhalten zu achten. Es heißt, dass das, was wir tun, mit Rücksicht auf alle getan wird. Sattva ist also ein sehr weiter Begriff.


Das dritte ist Seva. Seva heißt uneigennütziges Dienen, etwas für andere zu tun. Das Konzept des Karma Yoga geht da nochmal weiter und sagt, dass wir alles, was wir tun, für andere tun und dass wir alles, was wir tun, als Dienst Gottes tun. Seva ist da durchaus konkret gemeint. Wir tun etwas, wofür wir keinen normalen Lohn bekommen. Seva ist etwas ganz Konkretes. Wir tun etwas, wofür wir keinen äußeren Lohn bekommen. Seva ist etwas anderes als Karma Yoga. Wenn zum Beispiel ein Yogalehrer sich seine Tätigkeit entlohnen läßt, damit er leben kann, dann kann das Karma Yoga sein. Aber es gilt auch, jeden Tag etwas im Seva-Gedanken zu tun, wofür man keine materielle Entlohnung bekommt. Dann ist das Seva. Auch das ist etwas ganz Praktisches und sehr Wichtiges. Das vierte S ist Satsang. Satsang im weiteren Sinne heißt gemeinsame spirituelle Praxis. Im engeren Sinne, in unserer Tradition, heißt Satsang Meditation, Mantrasingen, Om Tryambakam, Arati, also eine bestimmte rituelle Form der gemeinschaftlichen spirituellen Praxis, mit der wir uns aufeinander einstimmen, indem wir uns auf die Kraft unserer Meister einstimmen und natürlich auf das Göttliche. Ihr könnt das Konzept von Satsang auch im Weiten definieren. Das heißt, es ist wichtig, dass ihr regelmäßig mit anderen zusammen praktiziert. Buddha wurde mal gefragt: „Stimmt es, dass die Hälfte des spirituellen Weges die richtigen Freunde sind?“ Und er sagte: „Nein. Hundertprozent des spirituellen Weges sind die richtigen Freunde.“


Da ist ein bisschen indische Übertreibung dabei, von der auch Buddha nicht frei war, aber die Essenz ist wichtig. Auch Aristoteles hat mal gesagt, der Mensch sei ein Zoon Politikon, ein geselliges Wesen. Wenn wir nur für uns selbst praktizieren, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man kapselt sich ab und das Herz geht zu oder man passt sich zu sehr an die Denkweise der Menschen in der Umgebung an. Und es reicht auch nicht aus, nur mit Menschen zusammen zu sein, die spirituell praktizieren und dann Klatschgeschichten zu verbreiten. Da ist man zwar mit anderen spirituellen Aspiranten zusammen, aber Satsang ist das nicht. Gemeinsam und ehrlich zusammen spirituell zu praktizieren, das ist wichtig. Da ist es gut wenn ihr ab und zu mal an einen Ort geht, an dem man gemeinsam spirituell praktiziert, meditiert, nach dem Höchsten strebt, sich gegenseitig inspiriert.
Sadhana, tägliche spirituelle Praxis, Satsang, gemeinsame spirituelle Praxis, mindestens ab und zu, Sattva, einen reinen Lebensstil pflegen und schließlich Seva. Seva ist der uneigennützige Dienst, jeden Tag etwas zu machen, für das ihr keine materielle Entlohnung bekommt. Wenn ihr diese vier S beachtet, dann könnt ihr sicher sein, dass ihr guten spirituellen Fortschritt macht.


Hari Om Tat Sat
Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3>

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Über den Umgang mit Karma und Schicksal

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Ich will heute ein paar Worte über Karma sprechen. Karma, das heißt Handlung, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Karma ist das, was uns erklären will, warum das, was geschieht, geschieht und letztlich auch, was unsere Aufgabe ist. Bezüglich Karma gibt es eine niedere Ebene und eine höhere Ebene des Verständnisses. Oft hört man, Karma, als Gesetz von Ursache und Wirkung, bedeutet, dass man, wenn man Gutes tut, auch etwas Gutes zurück bekommt und wenn man etwas Schlechtes tut, bekommt man etwas Schlechtes. In vielen Religionen findet man das wie eine Art moralischer Imperativ, im Sinne von: „Wenn du nicht willst, dass dir etwas Schlechtes passiert, dann tue nur Gutes!“


So finden wir das im alten und im neuen Testament immer wieder angedeutet Dort steht dann so etwas wie: Wenn etwas Schlimmes kommt, dann ist es die Strafe Gottes für Fehler, die man gemacht hat. Und so findet man das auch in der indischen Kultur. Das ist eine Ebene des Verständnisses und das kann den Menschen helfen, sich moralisch und gut zu verhalten.


Es gibt aber eine höhere Stufe des Verständnisses und die hat Jesus an allen möglichen Stellen im Neuen Testament aufgeführt. Insbesondere haben diese Patanjali und Krishna erwähnt. Patanjali sagt im zweiten Kapitel des Yoga Sutra, für nicht-spirituelle Menschen ist Karma entweder schwarz, weiß oder grau. Das heißt, entweder gut, schlecht oder gemischt. Für einen Yogi gibt es letztlich nur Aufgaben, an denen man wachsen kann. Ein Yogameister würde niemals sagen, das ist gutes Karma, das ist schlechtes Karma, sondern alles sind Aufgaben, an denen wir wachsen können.


Patanjali sagt desweiteren, das das, was auf uns zukommt zum einen ein Resultat von dem ist, was wir früher gemacht haben. Aber Karma ist auch dazu da, dass wir das erfahren, was wir erfahren wollen. Letztlich sagt er auch, dass der Sinn, dass wir überhaupt in dieser Welt sind, ist, der ist, dass wir Erfahrungen machen - Erfahrungen, die wir gerne machen wollten. Das heißt auch: Man sollte vorsichtig sein mit dem, was man gerne will. Es könnte sich irgendwann manifestieren. Manchmal Jahre, nachdem wir das gewollt haben. Dann begreift man das oft als Ironie des Schicksals: „Vor ein paar Jahren wäre ich darüber glücklich gewesen, aber muss das heute sein?“


Ein nächster Aspekt von Karma, den Patanjali erwähnt, ist: Wir sind auch auf dieser Welt, um die Kräfte zu erfahren, die in uns und in der Prakriti liegen. Das heißt, Situationen sind auch dazu da, dass wir daran wachsen. Wenn wir Yoga üben, dann geht es nicht darum, sich aus allem zurückzuziehen und zu hoffen, dass man sich als eine kleine Maus verkriechen kann, in der Hoffnung, dass man so die Stürme des Lebens übersteht oder gar nicht erst abkriegt. Im Yoga geht es darum, innere Kräfte zu entfalten, Talente zu entfalten, auf vielen Ebenen zu wachsen. Deshalb sind wir in diesem Leben. Das, was auf uns zukommt, ist auch dazu da, dass wir daran stärker werden, dass wir unsere Kräfte entfalten. Und dazu, dass wir lernen zu sehen, was für Kräfte im Universum wirksam sind.


Es gibt große Kräfte, die dem entgehen stehen, was man denkt oder was man irgendwo arrangieren will. Dadurch können wir auch lernen, in Hochachtung vor den kosmischen Kräften zu leben. Und so können wir unsere Kräfte am besten entfalten. Darum kommen manchmal Dinge auf uns zu, die uns nicht so angenehm erscheinen. Damit wir über uns selbst hinauswachsen, dass wir Kräfte, die in uns da sind, entwickeln und entfalten und positive Eigenschaften und Fähigkeiten zum Vorschein bringen. Gerade an besonderen Herausforderungen, bei denen man denkt: „Muss das jetzt sein? Ich war doch so ein freundlicher Mensch. Warum schickt mir jetzt das Schicksal diese Sache? Warum mir und nicht irgendjemand anderen?“, wächst man am meisten. Diese Dinge geschehen, damit wir zur Befreiung kommen, damit wir spirituell wachsen. Wir können alles, was kommt, vor diesem Hintergrund interpretieren. Wir wissen nicht, warum und wieso. Aber wenn wir zurück blicken, dann erkennen wir oft, dass Schicksalsschläge von vor einigen Jahren das Beste waren, was uns passieren konnte für das spirituelle Wachstum.


Und so können wir davon ausgehen: Auch wenn einem Schicksalsschläge passieren, bei denen man momentan denkt: „Warum muss das jetzt sein?“, wird man langfristig feststellen, dass das genau das war, was man gebraucht hat, um spirituell zu wachsen. Das ist die höchste Ebene des Verständnisses von Karma: „Was auch immer geschieht, es ist irgendwo gut für mein spirituelles Wachstum. Ich weiß jetzt in diesem Moment nicht, warum und wieso. Ich bin auch als spirituelles Aspiräntchen nicht so vermessen, zu denken, ich müsste das alles verstehen. Aber ich gehe davon aus, dass es gut ist und ich nehme mein Schicksal als solches an. Ich versuche nach bestem Wissen und Gewissen die Herausforderungen anzunehmen, die darin liegen und bete dabei zur höheren Kraft, zu Gott, zur kosmischen Mutter, zur kosmischen Intelligenz. Ich bitte das Universum, mir zu zeigen, was darin meine Aufgabe ist, sodass ich daran wachsen kann und mein Bewusstheit immer mehr erweitern, mein Einheitsgefühl und meine Liebe verstärken kann.“


Hari Om Tat Sat


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Mache alles was du tust von Herzen

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute spreche ich ein paar Worte über Rama. Rama hat immer das, was er gemacht hat, so gut wie es ging gemacht. Beim Swami Vishnu war das auch sehr charakteristisch. Was auch immer Swami Vishnu gemacht hat, er hat seine ganze Energie, sein ganzes Herz und seine ganze Kraft hinein gegeben und er hat auch seine Schüler dazu veranlasst. Halbherzigkeit konnte es bei ihm nicht geben. Er hätte nie gesagt: „Ich schau mal und probier mal so ein bisschen.“ Gut, so konnte man anfangen, das war für ihn auch okay. Aber wenn man eine Aufgabe übernommen hat, dann hat er gesagt: „Gib dein ganzes Herz und deine ganze Seele hinein.“

Swami Vishnu war kein äußerer Perfektionist. Ob die Sache nachher gut ging oder nicht, das war zweitrangig, auch wenn er manchmal schimpfen konnte, weil Sachen nicht richtig gemacht waren. Aber das tat er hauptsächlich dann, wenn man sie halbherzig gemacht hat. Er hat einen immer dazu gebracht, sein Herz weiter hinein zu geben und sein ganzes Wissen und seine ganze Konzentration zu gebrauchen. So hat er uns auch gelehrt, im Hier und Jetzt zu sein.

Wenn der Swami Vishnu einem eine Aufgabe gegeben hat, dann wusste man, das muss man jetzt mit ganzem Herzen machen und so gut, wie es geht. Und damit man auch wirklich hundertprozentig im Hier und Jetzt war, hat er einen manchmal noch ein bisschen unter Zeitdruck gesetzt.

Irgendwann habe ich mal gesagt: „Swamiji, ich brauche eine Woche.“ Da hat er gesagt: „Tomorrow it`s done. Morgen muss es gemacht sein.“ Da habe ich gesagt: „Aber Swamiji, ich muss auch schlafen.“ Da hat er gesagt: „Make sure you sleep enough.“ Dann habe ich noch gesagt: „Und wie soll ich das bis morgen fertig kriegen?“ Da hat er mich einfach angeguckt und es kam so ein Feuer aus seinen Augen. Und er hat gesagt: „Was sitzt du da noch?“
Ihr könnt sicher sein, ich habe dann die nächsten Stunden nicht gedacht: „Bin ich gut genug? Kann ich das, kann ich das nicht? Wie hätte ich das früher gemacht? Wie könnte ich das machen, wenn ich anderes wäre? Was wird dabei rauskommen und habe ich genügend Mittel dazu?“ Das ging dann alles nicht. Ich konnte einfach nur jetzt, mit dem, was möglich war, so gut, wie möglich, von ganzem Herzen alles in die Sache hinein geben. Und nachher kam sogar etwas dabei heraus, das ganz in Ordnung war. Es kam nicht so raus, wie wenn ich eine Woche Zeit gehabt hätte. Dann wäre ich da aber vielleicht auch sehr stolz drauf gewesen. Nach einer Woche hätte ich vielleicht gesagt: „Ah, so toll habe ich das gemacht. Es gibt niemanden im ganzen Universum, der das hätte besser machen können als ich.“
So habe ich es mit Intensität gemacht, mit all meinem Herzen und hatte nachher, als es dann fertig war, doch noch die Gelegenheit, demütig zu sein. Ich muss zugeben, ich weiß gar nicht mehr, was es war. Das war beim Swami Vishnu häufig gar nicht so wichtig. Aber in dem Moment, in dem er einem was gegeben hat, war es wichtig. Auch wenn es das nachher nicht mehr war.

Und das ist auch so ein bisschen die Eigenschaft von Rama. Was er macht, das macht er richtig. Das missverstehen viele Menschen. Sie denken: „Was man macht, das macht man richtig, heißt, dass es nachher 100 Prozent vollkommen aussehen muss. Das war nicht das, was uns Swami Vishnu beibringen wollte. „Was man macht, macht man richtig“, das heißt, man gibt Herz und Seele hinein. Und dann bringt man es Gott dar und lässt es los, in aller Demut.
Swami Vishnu war selbst das beste Beispiel dafür und es war für mich auch immer wieder interessant, wie er gerade seine engeren Schüler darin geschult hat, so über alle Ängste hinaus zu gehen. Vieles machen wir gar nicht erst, weil wir denken: „Was passiert, wenn das schief geht? Was passiert, wenn ich es nicht gut genug mache?“ Kennt ihr diese Fragen?
Viele Menschen sind ein Bündel von Ängsten. Rama hatte keine Angst vor irgendetwas. Rama steht für Mut. Auch Hanuman hatte keine Angst vor irgendetwas. Das sind jetzt mythologische Gestalten und wer weiß, wenn sie heute vor uns stehen würden. Außerdem sind Rama und Hanuman Inkarnationen Gottes. Da können wir leicht sagen: „Schön und gut. Aber ich bin keine Inkarnation Gottes, ich bin ein armer Mensch.“ Aber dann haben wir auch Menschen wie Swami Vishnu. Der war keine Inkarnation von Gott, keiner seiner Schüler behauptet, er war ein Avatar. Er hat nie behauptet, er wäre vollkommen. Im Gegenteil, er hat seine Unvollkommenheit fast sichtbar vor sich hergetragen. Die konnte man eher sehen als seine tiefe Entwicklung. Da gab es einfach nicht die Ausrede, Swami Vishnu sei eben schon selbstverwirklicht.
E hat immer gesagt: „Ja, ich habe diese und jene Fehler“. Er hat das selbst gelebt, an sich selbst gezeigt. Das kann eine große Ermutigung für uns alle sein, mutig die Dinge anzugehen und das zu tun, was unser Dharma ist, unsere Aufgabe, das, woran unser Herz hängt. Die Lektion von Swami Vishnu lautete: „Mach, was du machst intensiv, aber kümmere dich auch um das, was du brauchst, damit du es auch in ein paar Tagen noch intensiv machen kannst. Dann lass los und es kommt dabei raus, was herauskommen soll.“
Hari Om Tat Sat


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Was uns wirklich satt macht

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Ich will heute etwas lesen aus der Bergpredigt, aus dem Matthäus-Evangelium. Jesus sagt dort: „Selig sind, die da hungert und durstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“

Das ist ein Vers, der nicht einfach zu verstehen ist, denn angenommen, man schaut in dieser Welt nach Gerechtigkeit, was wird man feststellen? Es gibt keine Gerechtigkeit. Diejenigen, die Gutes tun werden krank, die, die Schlechtes tun sind vielleicht auch gesünder und so weiter. Wenn man wirklich nach Gerechtigkeit geht, dann wird man feststellen, da scheint keine Gerechtigkeit zu herrschen.

Natürlich, wir können dann in die Richtung Karma gehen und können sagen, vielleicht gibt es noch ein früheres Leben und künftige Leben und so ist dann irgendwo die Gerechtigkeit wieder hergestellt. Man kann das aber auch noch auf andere Weisen verstehen. Zum einen: „hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit“ heißt letztlich auch, die Sinnfrage zu stellen. Wenn wir fragen: „Warum ist das Ganze so?“, dann bringt es natürlich wenig, wenn wir nur sagen: „Warum bekomme ausgerechnet ich, zu dem Zeitpunkt, wo ich mich zu etwas Gutem entschlossen habe, diesen Unfall oder diese Krankheit? Oder irgendjemand anderes wirft mir irgendwelche Steine in den Weg.“ Das bringt uns nicht weiter. Aber insgesamt zu fragen: „Gibt es da nicht einen höheren Sinn dahinter?“ Wenn wir dieses Hungern und Dursten haben, dann sind wir auf der richtigen Fährte.

Wenn wir dort noch weitergehen, dann entdecken wir, dass Gerechtigkeit, das, was dort im Griechischen steht und was vielleicht Jesus im Aramäischen gesagt hat, mehr ist, als der deutsche Begriff „Gerechtigkeit“, sondern da geht es noch etwas tiefer. Es geht darum, zum Heil zu kommen. Selig sind die, die da hungert und durstet nach etwas Höherem - das wäre dann das, was wir im Yoga als Mumukshutwa bezeichnen. Mumukshutwa ist der Wunsch nach Befreiung.

Vielleicht hat der ein oder andere von euch auch mal in irgendwelchen Zeitungen oder Fernsehen oder Internet gelesen, dass die christlichen Kirchen sich immer mit der so genannten Rechtfertigungsfrage beschäftigen. Der theologische Begriff „Rechtfertigung“ heißt: Wie kommen wir zum Heil? Wie kommen wir zur Erlösung? Wie kommen wir zu Gott? Und damit ist auch hier klar: Nach Gerechtigkeit zu streben, das ist nicht wirklich die irdische Gerechtigkeit, auch wenn dort jeder sich bemühen muss. Aber von einer höheren Ebene aus ist das Streben nach dem Höchsten eine der ganz wichtigen Aspekte auf dem Weg.

Patanjali sagt auch: „Verwirklichung kommt schnell für die, deren Streben intensiv ist.“ So ist jetzt vielleicht auch so ein Moment, in dem man sich fragen kann: „Strebe ich weiter nach dem Höchsten? Dieser Wunsch nach Befreiung oder Wunsch nach Gottverwirklichung oder Wunsch, die Einheit zu erfahren, ist dieser Wunsch stark genug in mir?

Man kann nach Höherem streben, man kann nach Einfacheren streben. Wir können Yoga machen, um ein bisschen mehr Energie zu haben, wir können Yoga machen, um ein bisschen besser zu entspannen, wir können Yoga machen, um ein bisschen gesünder zu sein. Es gibt Menschen, die machen Yoga, um besser auszusehen. Es gibt Menschen, die machen Yoga, um kreativer zu werden, um im Job etwas erfolgreicher zu sein. Und Yoga hilft ja auch bei all dem. Aber das wird uns nicht dauerhaft satt machen. Was uns satt macht, ist, wenn wir wirklich nach dem Höchsten streben. Das Höchste mag schwer zu erreichen sein, aber es macht uns dauerhaft satt. Nichts anderes wird uns dauerhaft satt machen. So können wir jetzt noch einmal einen Moment lang in die Meditation gehen, in die innere Stille, und uns fragen: „Was ist wirklich das tiefste Ziel in meinem Leben? Wozu bin ich auf der Welt? Was ist mein wirklich starkes Streben?“

Hari Om Tat Sat

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sukadev_satsang_podcast.jpg?width=150Verhaftungslos sein, verhaftungslos handeln: Enthusiasmus muss gekoppelt werden mit Loslassen. So kannst du deinen Enthusiasmus inmitten der Hochs und Tiefs des Lebens behalten und wachsen lassen. Sukadev spricht hier über die Karma Yoga Empfehlungen Krishnas aus der Bhagavad Gita – und wie man sie im Alltag umsetzen kann.


11. und letzter Teil der Podcast Serie als Mitschnitte aus dem gleichnamigen Seminar “Enthusiastisch und verhaftungslos leben“. Seminare zu diesem und anderen Themen findest du unter Raja Yoga und positives Denken. Eine Auswahl an weiterführenden Links und Empfehlungen:

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Vom Nutzen des Japa

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute lese ich etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Japa“. Japa heißt Wiederholung eines Mantras. Swami Sivananda schreibt darüber: „Die Wiederholung eines Mantras heißt Japa. Japa ist ein wichtiges Anga, ein wichtiges Glied, ein wichtiger Teil im Yoga. Japa ist spirituelle Nahrung für die hungrige Seele. Japa ist der Stock in der Hand des blinden Sadhakas, um sich auf der Straße zur Verwirklichung voranzuschleppen.“

Das ist ein schöner Vergleich. Wir sind Sadhakas, wir sind spirituelle Aspiranten, wir wollen etwas Hohes erreichen. Wir sind aber blind, denn wir wissen nicht wirklich, was wir erreichen wollen. Wir haben Sehnsucht nach einem Höchsten, wir haben eine Ahnung von einem Göttlichen, wir haben Schriften gelesen, wir haben Vorträge von Meistern gehört, wir haben vielleicht in der Meditation schon mal Wonneerfahrungen gehabt oder davon gehört. Wir wissen nicht genau, wo es hin geht. Wir sind wie Blinde. Wir sind auf der Straße zur Verwirklichung, aber wir schleppen uns manchmal mehr voran, als dass wir gehen.

Diejenigen, die schon länger auf dem Weg sind, kennen vielleicht die Phasen, in denen man weniger das Gefühl hat, dass man enthusiastisch und mutig voranschreitet und jeden Tag ein tieferes spirituelles Erlebnis hat, sondern dass man sich eher so dahin schleppt. Dann ist ein Mantra der Stock in unseren Händen, und der Stock hat zwei Aufgaben. Zum einen können wir uns damit unseren Weg bahnen und suchen. Und zum zweiten können wir uns darauf abstützen. Und so können wir sagen, wenn wir ein Mantra wiederholen, dann gibt uns das die Richtung vor und hilft uns auf dem Weg.

Angenommen, man steht vor einer wichtigen Entscheidung. Man weiß nicht: „Soll ich das machen oder soll ich das andere machen?“ Dann wiederholt man das Mantra mit tiefer Inbrunst und Hingabe und kann dann sicher davon ausgehen, dass, wie man sich entscheiden wird, das Richtige sein wird. Man kann das Japa auch mit einem Gebet verbinden. Ein Mantra hilft, dass wir in die richtige Richtung gehen und dass wir Kraft dafür haben. Auch und gerade in den Phasen, in denen die spirituelle Entwicklung scheinbar stockt und in denen wir scheinbar nicht die Kraft haben, weiterzugehen, ist das Mantra eine große Hilfe.

„Japa ist der Stein des Weisen, das göttliche Elixier, welches Gottgleichheit schenkt.“
Der „Stein des Weisen“ ist in der Alchemie ein Stein, der alles in Gold verwandelt, was mit ihm in Berührung kommt. Wörtlich verstanden wäre das sicher etwas Grässliches. Angenommen, ihr hättet so einen Stein und alles, was ihr berührt, würde zu Gold. Es soll ja auch in der griechischen Mythologie einen König namens Midas gegeben haben, der hat irgendwie die Gabe bekommen, dass alles, was er berührt hat, zu Gold wurde. Er ist deshalb verhungert, denn schließlich hat er nur noch Gold gehabt und konnte nichts mehr essen. Also wörtlich genommen, macht das keinen Sinn, aber im übertragenen Sinne macht es Sinn. Gold ist nämlich etwas Wertvolles. Der Stein der Weisen bedeutet, dass, was auch immer man berührt, dadurch wertvoll wird. So ist ein Mantra etwas, das hilft, egal, was wir tun, zu spiritualisieren und damit in eine spirituelle Lektion umzuwandeln.
Man kann essen und ein Mantra wiederholen, dann ist es eine spirituelle Handlung. Man kann Staub saugen und ein Mantra wiederholen, das ist eine spirituelle Handlung. Man kann spazieren gehen, Zähne putzen, duschen. Man kann so viele andere Dinge machen. Wenn man dabei ein Mantra wiederholt, dann wird es zu einer spirituellen Handlung. Und die einfachste Weise, auch im Umgang mit anderen Menschen positive Kraft zu entwickeln, geht mit einem Mantra. Wir können einem anderen Menschen innerlich ein Mantra schicken und uns dann vorstellen, dass dieser Mensch eine Manifestation des Göttlichen ist. Wenn man das regelmäßig macht, dann erhalten wir Gottgleichheit. Im Genesis, also im ersten Buch Moses, finden wir den Satz, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde gemacht hat. Jesus hat gesagt: „Seid vollkommen wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“

Natürlich, auf einer physischen Ebene können wir nicht vollkommen sein, auf einer physischen Ebene ist diese Vollkommenheit nicht möglich. Aber Gott hat auch einen Körper, das ist die ganze Welt, und dahinter steckt Bewusstsein. Wir haben genau so einen Körper, aber in Wahrheit sind wir das Bewusstsein dahinter. Und wenn wir ein Mantra wiederholen, dann kann uns das zu dieser Erkenntnis verhelfen. Im nächsten Satz sagt Swami Sivananda:„In diesem eisernen Zeitalter ist Namasmarana, die Wiederholung eines Mantras der einfachste, rascheste und sicherste Weg, um zu Gott zu kommen und Unsterblichkeit und ewige Freude zu erlangen.“

Also, Swami Sivananda lobt ja das Mantra über alles. Es heißt, wir befinden uns gerade im eisernen Zeitalter, dem Kali Yuga, im dunklen Zeitalter. Es ist ein materialistisches Zeitalter, in dem Menschen denken, der Sinn des Lebens liege darin, viele Besitztümer und viel Ansehen zu haben und nur zu tun, was sie wollen. Das ist das dunkle Zeitalter, denn langfristig verspricht das keinen Erfolg. Wenn Reichtum glücklich machen würde, wären alle Milliardäre glücklich. Dabei gibt es genügend Studien, die zeigen, dass Milliardäre nicht glücklicher sind als andere. Wenn Ruhm glücklich machen würde, dann müsste man die Leute anschauen, die viel Ruhm haben und fragen, sind sie glücklich? Studien zeigen, sie sind nicht glücklicher. Wenn Sinnesbefriedigung glücklich machen würde, müsste man die Leute fragen, die allen Sinnesbefriedigungen nachgehen, die ihnen in den Kopf kommen. Aber jeder weiß, wenn man den Sinnesgenüssen immer mehr nachgibt, dann wird man krank. Das ist sicherlich nichts Schönes.

In diesem eisernen Zeitalter sind wir aber auch beeinflusst von den Gedanken anderer. Ich glaube, die Mehrheit von euch weiß, die meisten Menschen, mit denen man es im Alltag zu tun hat, wenn man nicht gerade ein Yogazentrum leitet oder in einem Yogaashram lebt, sind weniger von spirituellen Idealen durchdrungen. Wie kann man da die spirituelle Schwingung aufrechterhalten? Da ist das Mantra eine gute Technik. Egal, wo man ist, man wiederholt das Mantra. Man kann sich so mit Gott verbinden und Freude erlangen. Das ist eine Freude, die wir im Herzen spüren. Dann können wir erfahren: „Ich bin die unsterbliche Seele.“ Vom Subjektiven her weiß ich: „Ich bin nicht dieser sterbliche Körper, ich bin die unsterbliche Seele überall.“ Und indem man ein Mantra mit Hingabe wiederholt, entwickelt man auch ein Gefühl dafür.

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3
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Om Namah Shivaya. Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute geht es um das Üben von Yoga. Swami Vishnu hat gerne gesagt, die drei wichtigsten Dinge im Yoga sind Üben, Üben und Üben. Er hat gesagt: „Practise makes perfect. Die Praxis führt zur Vollkommenheit.“

Wir können vieles im Yoga üben, wir können an Vielem arbeiten. Natürlich, zunächst mal ist das A und O, dass man täglich spirituelle Praktiken übt. Ein anderer Meister wurde mal in einem Vortrag gefragt: „Was kann ich tun, wenn ich keine Zeit für Meditation und Yoga Übungen habe?“ Und hat er gesagt: „Ich verstehe deine Frage nicht. Wenn du keine Zeit dafür hast, hast du auch kein Interesse. Wenn du kein Interesse hast, warum verschwendest du meine Zeit?“

Das ist vielleicht ein bisschen brutal, aber letztlich ist es so. Oder ist es jemanden von euch schon mal so gegangen, dass er keine Zeit gefunden hätte, zu schlafen oder zu essen? Manchmal hat man weniger Zeit zum Schlafen, manchmal hat man weniger Zeit zum Essen, aber man findet irgendwie immer Zeit zum Essen oder zum Schlafen. Und so ist es auch, wenn man wirklich Interesse an Yoga und Meditation hat. Dann wird man auch Zeit dafür finden. Es wird mal mehr Zeit geben, es wird mal weniger Zeit geben.
Ideal ist es, dass man jeden Tag zur gleichen Zeit einschläft und jeden Tag zur gleichen Zeit aufwacht. Der Mensch ist ein zyklisches Wesen, und so ist es auch ideal, wenn man zur gleichen Zeit meditiert und jeden Tag und zur gleichen Zeit seine Yoga Übungen macht.

Gut, die heutige Zeit ist so, wie sie ist. Nicht alle können so regelmäßig ihren Tag gestalten, und so werden viele zu unterschiedlichen Zeiten schlafen und vielleicht auch zu unterschiedlichen Zeiten praktizieren. Aber man sollte jeden Tag praktizieren und muss dann schauen, wie viel man hinkriegt und wie viel man braucht, um eine spirituelle Entwicklung zu haben. Wenn man irgendwo unzufrieden ist mit seinem spirituellen Fortschritt, dann kann man auf verschiedene Weise schauen. Man kann sich fragen: „Könnte ich etwas mehr praktizieren?“ Und manchmal kann man auch überlegen: „Wäre es vielleicht gut, eine Weile etwas weniger zu praktizieren?“
Allerdings: Angenommen, ihr praktiziert nur jeden dritten Tag, dann braucht ihr nicht zu überlegen, ob es angemessen wäre, etwas weniger zu praktizieren. Dann wäre es klüger, zu überlegen: „Wie kann ich vielleicht täglich etwas praktizieren?“

Als Minimum würde man sagen, ist es wichtig, jeden Tag etwas und einmal die Woche etwas mehr zu praktizieren. Damit hat man schon eine gewisse Grundlage. Und wenn man etwas praktiziert, dann kann man schauen, ob man das nach einer Weile noch vertiefen möchte. Aber angenommen, ihr praktiziert zwei, drei oder vier Stunden spirituelle Praktiken jeden Tag, dann kann es auch mal sein, dass man etwas verkürzt in der Dauer, aber dafür in der Intensität erhöht, also mit größerer Bewusstheit übt. Dann wird sich die Praxis von selbst wieder weiter ausdehnen, denn denn man ist mit großem Herzen dabei. Dann will man einfach mehr machen, denn man stellt fest, wenn man erst mal verankert ist, dass es gibt eigentlich nichts Schöneres als diese spirituelle Entwicklung gibt. Warum sollte man sich dieser schönen Sache berauben?

Eine weitere Sache, die wir auch praktizieren können außer den täglichen Praktiken, ist das, was Swami Chidananda gerne gesagt hat: „Practise the presence of God. Praktiziere die Gegenwart Gottes.“
Das ist etwas paradox, denn Gott ist allgegenwärtig, allmächtig, allwissend, so sagen es alle religiösen und spirituellen Traditionen der Welt. Aber wir sind uns vielleicht nicht immer jederzeit dessen bewusst. Wir können es aber praktizieren, uns diese Gegenwart immer wieder bewusst zu machen. Das ist etwas, was das Leben sehr stark bereichert und dass uns mit viel Freude und Sinn erfüllen kann. Man kann einfach am Tag zwischendurch immer wieder anhalten und kann diese einfache Frage stellen: „Lieber Gott, wenn es dich gibt, bitte lass mich dich jetzt spüren.“ Oder: „Kosmisches Bewusstsein, bitte lass mich deine Gegenwart jetzt fühlen. Bitte lass mich deiner jetzt bewusst sein.“

Es braucht dazu nichts Besonderes, man kann einfach einen Moment lang innehalten. Man kann nach innen schauen, ins Herz spüren und spüren: „Ist Gott jetzt spürbar?“ Oder man kann etwas anschauen: die Natur, die Schönheit einer Pflanze, einer Blume und fragen; „Ist Gott jetzt spürbar?“ Man kann einen Menschen anschauen und überlegen und spüren: „Ist Gott in diesem Menschen jetzt spürbar?“ Wenn man dies immer wieder macht, wenn es irgendwann keine halbe Stunde gibt, in der man nicht bewusst die Gegenwart Gottes spürt, dann wird man auch einen großen Schritt auf dem spirituellen Weg vorankommen. Dann wird dies als Kraft von Wonne, als Kraft von Zufriedenheit und Erhebung und letztlich von tiefem Sinn deinen ganzen Tag durchströmen.

Hari Om Tat Sat

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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute geht es um Vedanta, den Pfad der Weisheit, ein recht hohes und abstraktes Thema. Swami Sivananda schreibt in der göttlichen Erkenntnis:

„Im Vedanta wird durch die Kraft des Intellekts nach der Wahrheit gestrebt. Im Bhakti wird durch die Kraft von Gefühl und Liebe nach Gottverwirklichung gestrebt. Jnana und Vairagya sind die zwei Flügel und unentbehrlich für die Seele, damit sie sich zu ihrer ewigen Heimat von Freiheit, Frieden und unsterblicher Wonne erheben kann. Alle spirituellen Wege sind dazu da und alle Praktiken sind dazu da, um den Menschen in die Lage zu versetzen, den Schleier der Unwissenheit zu beseitigen und den nächsten, wie sich selbst, zu lieben. Wenn die Sonne von Jnana, wirklicher Weisheit und höchster Erkenntnis, im Herzen aufdämmert, dann verschwindet Ajnana, Täuschung, von selbst. Unwissenheit besteht so lange, wie Ichdenken vorhanden ist. Sowie das Ichdenken verschwindet, kommt die höchste Befreiung. Ichdenken ist letztlich Verwirrung.“

Das ist in etwas eine Beschreibung der Essenz der Spiritualität. Es gilt, nach dem Höchsten zu streben. Manchmal sagen wir gerne: „Das Höchste ist kaum zu erreichen, ich strebe lieber nach etwas Handfestem.“ Aber alles Handfeste wird einen nicht dauerhaft zufrieden machen. Alles Handfeste wird irgendwann wieder vergehen. Dagegen das Höchste, die Erfahrung, die Verwirklichung der Einheit, die Erfahrung und Verwirklichung des reinen Bewusstseins die Kraft hinter allem, die uns eines Tages dauerhaft zufriedenstellen wird. Und sie wird uns nicht nur dauerhaft zufriedenstellen, wenn wir sie endlich erfahren haben, sondern auch schon vorher.
Viele Mensch strebt danach, Sinn im Leben zu haben. Aber wie soll der aussehen? Wenn man überlegt, könnte man so viele andere Sinne im Leben haben. Man könnte im Sinn haben, ein Unternehmen aufzubauen. Das kann irgendwann Bankrott gehen. Man kann als Sinn haben, eine Familie aufzubauen. Dann kann irgendjemand sterben, irgendjemand die Familie verlassen, weil er eine eigene Familie gründen will, und unser Sinn wäre gefährdet.

Auf einer relativen Ebene hat das alles eine gewisse Bedeutung, aber nur dann, wenn man es unter, sagen wir, dem Stern einer höchsten Bedeutung nimmt. Wenn man es vor dem Hintergrund sieht, dass wir das Höchste erfahren, das Höchste verwirklichen wollen, dann sind alle anderen Dinge, die wir im Leben machen, untergeordnet. Sie können uns auf dem Weg helfen.

Das ist die eine wichtige Botschaft, die Swami Sivananda für uns hat. Mache dir bewusst: „Was ist mein wirkliches Ziel im Leben, wonach strebe ich wirklich?“ Dann gilt es immer wieder zu schauen, dass alle anderen Ziele, die wir haben, alle anderen Wünsche irgendwo unter dem Dach des höchsten Zieles Sinn machen.
Swami Sivananda spricht hier auch von zwei Hauptflügeln: Jnana und Vairagya. Jnana ist das Wissen. Dann gibt es noch Jnana und Bhakti – Wissen und Hingabe. Jnana ist das Streben nach höchster Erkenntnis, Bhakti ist die Liebe. Beides muss zusammengehen. Blinde Liebe führt einen in Verwirrung. Und herzlose Erkenntnis ist trocken und kalt. Beides gehört dazu. Wir können herausfinden wollen, wer wird sind. Wir können mit einem klaren Verstand nach dem Höchsten streben und trotzdem auch die Intuition entwickeln und nutzen.

Jnana ist schlecht ins Deutsche zu übersetzen, denn Jnana ist sowohl die intellektuelle Erkenntnis, das Gebrauchen der Vernunft, als auch die Intuition, die intuitive Weisheit dieser Erkenntnis. Und Bhakti, die Liebe, ist sowohl die Liebe zu anderen Menschen als auch die Frucht, die wir daraus ernten. Jesus sagt: „An ihren Früchten müsst ihr sie erkennen.“ Die Liebe zu anderen Menschen, Nächstenliebe, ist ein Aspekt von Bhakti, der andere ist die Gottesliebe. Und wenn wir dieses entfalten und danach streben, dann kommen wir zum Höchsten.

Hari Om Tat Sat

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Praktiziere die Gegenwart Gottes

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute schreibe ich ein paar Worte über ein bekanntes amerikanisches Buch zum Thema „Mystik“. Der Titel lautet: „Practise the presence of God“. Auf Deutsch zu übersetzen mit: „Praktiziere die Gegenwart Gottes“.

Gott ist allgegenwärtig, allmächtig, allwissend. Diese Aussagen finden wir in allen Religionen, Kulturen, Philosophien. Nur, wie können wir uns dieser Allgegenwart Gottes bewusst werden? Da gilt es, das zu praktizieren.

Eine Technik dazu ist zum Beispiel, am frühen Morgen zu meditieren. Das können wir mit verschiedenen Meditations-Techniken. Wir können den Atem beobachten, wir können uns ganz bewusst werden, was gerade alles in uns abläuft, wir können uns lösen von unseren Reiz-Reaktionszwängen, wir können uns von ständigem Nachdenken, Analysieren, Beurteilen lösen. Das ist ein wichtiger Aspekt der Meditation. Wir können aber auch sagen, wir meditieren, um uns während der Meditation der Gegenwart Gottes bewusst zu werden.

Die Gegenwart Gottes zu spüren und uns ihrer bewusst zu werden, das sind zwei verschiedene Sachen. Das eine ist: Wir selbst wollen uns der Gegenwart Gottes bewusst werden. Das andere: Es ist irgendwo eine Gnade, ein Segen, das tatsächlich zu erreichen. Die meisten von euch sind schon längere Zeit auf dem Weg. Manche mögen vielleicht den Ausdruck „Gott“ nicht mögen und sagen lieber: Urmutter, die kosmische Energie, das höhere Bewusstsein, die höhere Wahrheit. Manche haben einen tiefen Bezug zu dem Ausdruck „Gott“. Und alle wissen, es ist nicht so, dass wir einfach sagen können, dass wir erkennen wollen, und schon erkennen wir. Mal spüren wir das Göttliche, mal spüren wir es nicht. Aber wir können immer wieder entscheiden: „Ich will mich an Gott wenden und dann bitte ich darum, Gott zu erfahren.“ So können wir auch die Meditation beginnen, indem wir sagen: „Lieber Gott, lass mich Dich heute Morgen in der Meditation spüren.“ Und dann schauen wir, ist es heute Morgen möglich? Wenn es nicht möglich ist, können wir mindestens unsere Gedanken beobachten, wir können uns auf ein Chakra konzentrieren, ein Mantra wiederholen.

Wir können lernen, uns nicht mit allem zu identifizieren, was dort abläuft und zwischendurch können wir wieder sagen: „Lieber Gott, liebe höhere Wirklichkeit, wenn es möglich ist, lass mich Dich erfahren.“ Wir können das während der Asanas wiederholen. Und immer wieder können wir es entweder spüren oder, wenn es jetzt nicht sein soll, dann konzentrieren wir uns auf die Atmung, richten das Bewusstsein zur Kehle oder zum Herzen oder zum dritten Auge und spüren die Dehnung. Wir können beobachten: „Wo habe ich jetzt noch Verspannungen? Wie könnte ich die lösen und wie komme ich noch ein bisschen weiter?“

Später am Tag, wenn wir essen, können wir uns bewusst sein, dass das Essen nicht einfach nur Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff in bestimmten Konsistenzen ist, sondern das auch das Essen ein heiliger Akt ist. Wir können es mit Dankbarkeit, mit Bewusstheit verbinden. Essen ist ja auch irgendwo ein Wunder: Man hat etwas zu Essen, man schluckt es, es verwandelt sich zum Körper, es schmeckt, es entsteht alles Mögliche daraus. Und auch dabei können wir uns bewusst werden: „Ja, da ist die Gegenwart Gottes.“ Wenn wir es gerade weniger spüren, dann können wir mindestens bewusst essen, wir können Dankbarkeit empfinden. Wir können die Nahrung bewusst auswählen, wir können jeden Bissen dreißig Mal kauen, wir können darauf achten, dass wir nicht zu schnell essen. Und zwischendurch wieder die Gegenwart Gottes spüren.

Wenn man spazieren geht, kann man zwischendurch schauen: „Was für ein großartiger, wundervoller Himmel!“ Wir können uns diese Schönheit anschauen und uns Gottes Gegenwart bewusst machen. Wenn wir einen Menschen sehen, können wir uns bewusst machen, dass Gott im Herzen aller Wesen wohnt. Wir können einen Moment lang Gott in dem Herzen des Menschen spüren.

Und so ist dieses Prinzip: „Practise the presence of God“ eine wunderschöne, freudevolle und liebevolle Übung. Immer vor dem Hintergrund, dass zwei dazu gehören, um die Gegenwart Gottes zu spüren: Das Individuum, das darum bittet und Gott, der sich spüren lässt. Das können wir mit Demut immer wieder am Tag praktizieren und so unser Leben immer mehr mit Momenten göttlicher Gegenwart füllen. Bis wir irgendwann dazu kommen, dass wir morgens aufwachen und Gott spüren und abends einschlafen und Gott immer noch spüren. Bis wir Gott den ganzen Tag lang spüren können.

Hari Om Tat Sat

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Mit Ungeduld zur Selbstverwirklichung

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute will ich etwas zum Thema Geduld sagen. Auf dem spirituellen Weg ist sowohl Geduld wichtig, als auch Ungeduld. Beides hat seinen Platz. Es ist gut, geduldig zu sein und zu sagen: „Gut, wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann nächstes Jahr. Und wenn es dieses Jahrzehnt nicht klappt, dann nächstes Jahrzehnt.“ Und vor zehn Jahren haben wir gesagt, „Wenn es in diesem Jahrtausend nicht klappt, dann halt im nächsten Jahrtausend.“

Auf der einen Seite ist es gut, eine gewisse Geduld zu haben. Auf einer anderen Seite ist es aber auch gut, nicht zu geduldig zu sein, denn zu geduldig sein heißt auch, die Dinge in die Zukunft zu verschieben und sich mit weniger zufrieden zu geben. Und so ist es gut, sich bewusst zu machen: „Ja, ich würde gerne diese göttliche Erfahrung noch in diesem Jahr machen. Besser noch heute. Noch besser jetzt und in diesem Moment.“

Denn letztlich ist die höchste spirituelle Erfahrung immer in diesem Moment. Jemand, der gesagt hat: „Ich habe diese hohe Erfahrung von reiner Wonne gemacht.“, der sagt nicht: „Ich habe sie in der Zukunft gemacht.“ Als er sie gehabt hatte, war es in der Gegenwart. Und so ist meine Empfehlung, dass man immer wieder am Tag fragt: „Ist es vielleicht möglich, heute diese Erfahrung zu machen?“ Spiritualität ist ja nicht einfach nur eine Glaubenssache, sondern es geht um dieses Leben. Da sollten wir die hohen Erfahrungen nicht immer nur in die Zukunft verschieben. Angenommen, wir würden jetzt alle sagen: „Wir wollen Gott jetzt erfahren.“ Werden wir ihn alle jetzt erfahren? Es heißt, wenn wir es wirklich ganz intensiv vom Herzen wollen, dann ja. Aber realistisch gesehen, wollen das nicht alle wirklich so intensiv. Die meisten von uns wünschen sich diese Erfahrung eher so mittel intensiv.

Selbst wenn wir es mittel intensiv wollen, dann können wir es jetzt probieren, denn es heißt ja immer, die spirituelle Erfahrung sei eine Mischung von eigener Anstrengung und göttlicher Gnade. Wenn also unser Wunsch vielleicht nur fünfzigprozentig ist, aber Gottes Gnade zweihundertprozentig, dann kommt hundert Prozent heraus. Das reicht dann. Nur wissen wir nie, wann das so weit ist. So können wir zum einen immer wieder einen Moment lang innehalten und fragen: „Wenn es möglich ist, will ich jetzt die göttliche Gegenwart erfahren. Und wenn es möglich ist, spätestens in diesem Jahr, in diesem Jahrzehnt.“

Und dann können wir natürlich auch etwas machen und nicht einfach nur Gott darum bitten. Mantrasingen, Pranayama, Asanas, Meditation. Diese Praktiken können uns reinigen, sie können uns transformieren, sie können uns Energie und Positivität geben, sie können uns Liebe geben. Und dann gilt es, immer wieder mit Achtsamkeit und mit dem Wunsch nach dem Höchsten, im Hier und Jetzt nach der höchsten Erfahrung zu fragen, darum zu bitten oder zu beten.

Hari Om Tat Sat


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Über das OM

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute lese ich einen Absatz aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „OM“: „Denke an OM. Erkenne die Wahrheit. Meditiere über OM. Entspanne völlig die Muskeln und Nerven. Konzentriere dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Stille den Geist. Wiederhole geistig OM, mit Shuddha Bhavana oder Brahma Bhavana, mit einer reinen Einstellung oder der Einstellung, dass alles eine Manifestation von Brahman, von Bewusstsein ist. Wiederhole OM oder dein Mantra mit einem starken, intensiven Gefühl. Mit dem Gefühl, dass du diese unendliche, alldurchdringende, reine Intelligenz bist. Bloßes Wiederholen eines Mantras wird nicht die gewünschten Ergebnisse bringen. Wenn du an OM denkst, denke an Brahman, an Das, was durch das Mantra verkörpert wird. Die Verbindung mit OM ist das Einswerden mit Brahman. Daher, versuche dich mit dem höchsten, wonnevollen Selbst zu identifizieren, wenn du über OM meditierst. Bewahre auch das Gefühl von Brahman und von OM während des ganzen Tages bei dir. So wirst du dein Swarupa, deine wahre Natur, dein wahres Bewusstsein verwirklichen. Werde so eins mit dem Unendlichen.“ Hari Om Tat Sat
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sukadev_satsang_podcast.jpg?width=150Enthusiastisch und verhaftungslos leben, Teil 10. Sukadev geht auf Fragen der Teilnehmer ein, insbesondere zum Thema Erfolg und Misserfolg: Wie kann man enthusiastisch auch bei Misserfolgen sein. Ein wichtiges Prinzip: Verhaftungslosigkeit ist der Schlüssel für Enthusiasmus auch bei Misserfolgen. Mitschnitt aus dem Abschluss-Workshop des Seminars “Enthusiastisch und verhaftungslos leben”.


 

Nimm dir ein bisschen Zeit, über das hier von Sukadev im Podcast gehörte  nachzudenken. Weitere Infos findest du über diese Hinweise:

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Geschichte zu meinem Geburtstag

Ich erhielt folgende Geschichte von Peter zu meinem Geburtstag. Ich möchte sie mit euch allen teilen. Danke dir, Peter

 

Lieber Sukadev,

jetzt hast Du morgen Geburtstag und ich habe mir überlegt, womit man Dir vielleicht eine Freude machen könnte.

Und da ist mir eingefallen, dass Du doch so sehr Geschichten magst, und Deine Lieblingsgeschichten sind die Froschgeschichten - Frosch im Brunnen-Geschichten.

So möchte ich Dir berichten, dass Deine Frosch-Geschichte verfilmt wurde. Leider wurde die Geschichte von Disney-Studios stark verfälscht, nennt sich Rapunzel und läuft zur Zeit im Kino.

Den Brunnen haben sie nicht in die Erde, sondern in die Luft gebaut und nennen es Turm. Darin wohnt nicht ein Frosch, sondern ein hübsches Mädchen mit dem Namen Rapunzel. Sie kennt nur diese Welt im Turm, denn draussen in der Welt soll es sehr gefährlich sein, hat man ihr gesagt.

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Als Kind eines Königspaares wurde sie früh von einer Zauberin entführt und in diesen Turm eingesperrt. Immer zu ihrem Geburtstag liess das Königspaar Tausende von Lampions in den Himmel steigen, in der Hoffnung, eines Tages könnte die Tochter zurückkommen.

Wenn Rapunzel in ihrem Turm sass und aus dem Fenster guckte, dann sah sie an jedem Geburtstag die vielen Lichter am Himmel, aber sie wusste nicht, was sie bedeuteten. Sie hatte nur irgendwie das Gefühl, dass diese Lichter etwas mit ihr zu tun haben könnten. Zu ihrem achtzehnten Geburtstag nahm sie endlich allen Mut zusammen, verliess den Turm und ging auf die Suche nach dem Ursprung der Lichter.

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So fand sie dann ihr Glück, ihren Ursprung, ihre Eltern.

.... so fand sie ... Licht und Liebe ...

Ich musste mir diesen Film nun schon das zweite Mal mit meiner neunjährigen Tochter ansehen und jedes Mal musste ich an "Deinen" Froschbrunnen denken und wie yogisch doch diese Disney-Verfilmung ist.

Überhaupt, seit ich Yoga mache (erst seit zehn Monaten) sehe ich unbewusst vieles aus einer anderen - aus einer guten - Sicht.
Ich möchte mich daher bei Dir bedanken, wie Du mit Deinen vielen Geschichten, Vorträgen und Weisheiten meinen Lebensstil, mein Leben positiv verändert hast. Ja, klar, mein Leben habe ich verändert, aber Du gabst mir die Hinweise, wie ich es machen kann.

Ich wünsche Dir für Deinen morgigen Geburtstag alles Liebe und Gute.

Möge ein jeder sein Licht finden.


Peter

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Über Santosha, Zufriedenheit

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute werde ich über eine der fünf Niyamas sprechen: Sanstosha. Santosha heißt Zufriedenheit. Und Patanjali sagt im Yoga Sutra, Santosha führt zum höchsten Glück. Wenn wir zufrieden sind, dann sind wir auch glücklich. Das sind praktisch zwei gleichbedeutende Worte. Was heißt jetzt aber Zufriedenheit?

Es gibt verschiedene Formen von Zufriedenheit. Im Yoga unterscheidet man gerne sattvige, rajasige und tamasige Zufriedenheit. Tamasig wäre die träge Zufriedenheit. Man sagt: „Ich muss mich damit abfinden. Ich kann halt nicht viel und keiner mag mich und so wird es eben für den Rest meines Lebens sein.“

Das ist nicht wirklich Zufriedenheit, sondern eine tamasige Zufriedenheit, in der man nicht weitergeht. Dann gibt es eine rajasige Zufriedenheit. Rajasig kommt aus dem Ego und ist schon besser als tamasig, aber es ist auch nicht das, was wirklich zufrieden macht. In der rajasigen Zufriedenheit sagt man Dinge wie: „Ja, ich bin halt ein besserer Mensch als du.“ oder „Ich bin besser als andere.“ Das ist eine Art Selbstzufriedenheit. Über die spricht Jesus in vielen Gleichnissen.

Manche, die die Bibel kennen, erinnern sich an die Stellen, in denen jemand betet und sagt: „Lieber Gott, danke, dass Du mich besser gemacht hast als den, der gerade dort neben mir kniet.“ Das ist eine rajasige Zufriedenheit. Vermutlich kommt das heute seltener vor als früher, denn Menschen haben heute sehr hohe Ansprüche an sich. Ich glaube, diese alte Art Kastendünkel ist schon seltener geworden. Aber leider hat sich aus der Tatsache, dass die rajasige Zufriedenheit seltener geworden ist, nicht eine sattvige Zufriedenheit entwickelt, sondern meistens eher eine rajasige Unzufriedenheit. Viele positive Entwicklungen unserer Zeit, haben die Menschen letztlich unzufrieden gemacht.

Menschen, die früher wussten, dass sie an ihrem Schicksal nicht übermäßig viel ändern konnten und die deshalb eine Art tamasige Zufriedenheit entwickelt haben, sind vielleicht etwas weniger geworden. Aber die rajasige Zufriedenheit ist auch weniger geworden, und das führt letztlich dazu, dass viele Menschen unzufriedener sind, als sie es früher waren. Das muss aber nicht schlecht sein. Ich glaube sogar, dass es gut ist, aus der rajasigen und aus der tamasigen Zufriedenheit herauszukommen, selbst wenn es dann erstmal eine Unzufriedenheit ist, die den Menschen irgendwo fragen lässt: „Was will ich eigentlich und worum geht es in meinem Leben? Was kann ich tun und wie kann ich an mir selbst arbeiten? Wie kann ich meine Situation verbessern?“

Aus dieser Art von Unzufriedenheit kommt dann hoffentlich irgendwann eine sattvige Zufriedenheit. Und die sattvige Zufriedenheit ist das, was wirklich zum Frieden führt. Man lebt in Frieden mit sich selbst, man lebt in Frieden mit seinen Mitmenschen, man lebt in Frieden mit seiner Umwelt. Diese Zufriedenheit mit sich selbst heißt zunächst mal, dass man weiß: „Alles, was in mir drin ist, alles, was in mir wirkt, ist gut. Ich arbeite an mir selbst und ich weiß, das wird eine Weile dauern, aber ich tue das Beste, was ich kann und ich bin auf einem guten Weg.“ Diese Art von Zufriedenheit ist für einen Aspiranten schon eine gute Zufriedenheit. Wenn man sagen würde: „Ich habe mich jetzt soweit entwickelt, wie man sich entwickeln kann, das wird nicht weitergehen und jetzt bin ich damit zufrieden.“, dann ist das wieder eine Art tamasige Zufriedenheit. Aber wenn wir wissen: „Ich bin auf einem guten Weg und ich arbeite an mir selbst. Ich weiß aber auch, ich bin unvollkommen, ich bin noch nicht selbstverwirklicht, ich habe noch nicht Nirvikalpa Samadhi erreicht.“, dann können wir die sattvische Zufriedenheit erfahren.

Selbst die Menschen, die Nirvikalpa Samdhi erreicht haben, sind durch die körperliche Unvollkommenheit weiterhin begrenzt in dem, was möglich ist. Trotzdem kann man immer eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst haben. Auch mit den Menschen in seiner Umgebung kann man in Frieden sein, indem man erkennt: „Auch die Menschen um mich herum bemühen sich, die Dinge so gut wie möglich zu machen. Sie geben mir genau die Herausforderungen, die ich brauche.“ Vielleicht geben sie einem auch die Erfahrung, dass wir vielleicht die Umstände ändern sollten. Oder die Erfahrung, zu lernen, anders mit den Dingen umzugehen.

Wir können aber immer davon ausgehen: „Die Umstände, in denen ich bin, sind kein böses Schicksal, das mich immer wieder ärgert. Das, was kommt, ist geschickt, damit ich daran wachse. Und alles, was auf mich zukommt, hilft mir dabei. Ich weiß nicht genau, wie und warum, aber ich weiß, ich bin die letzten Jahre gerade oft auch durch Umstände gewachsen, die ich zunächst mal als unangenehm empfunden habe.“ Wenn man so zurückschaut und sieht, dass man gelernt hat und gewachsen ist, dann kann man zum Frieden mit den Umständen kommen. Das, meine ich, ist dann die sattvige Zufriedenheit.

Natürlich gehen wir davon aus, dass ein Selbstverwirklichter noch eine andere Art von Zufriedenheit hat. Sarvam Kalvidam Brahman: Er weiß, dass alles wahrhaftig Brahman ist. Wenn alles göttlich ist und man das nicht nur denkt und wiederholt, sondern es jederzeit erfährt, dann kommt die höchste Zufriedenheit.

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Gedicht zu meinem Geburtstag

Unter den vielen Glückwünschen und Geschenken erhielt ich folgendes Gedicht zugeschicht: Leben Wo nicht Wahrheit wohnt im Herzensgrund, ist das tiefste Wesen nicht gesund. Wo nicht Liebe lenkt das ganze Sein, ist das Leben nur ein leerer Schein. Wo der Geist nicht leitet, führt und treibt, alles Dasein tote Form nur bleibt. Wer in Gott nicht seinen Ursprung fand, noch nicht seinen Zwiespalt überwand. Nur wo Gott sich in ein Herz ergoss, Zeit und Ewigkeit zusammenfloss. Wo die Ewigkeit ragt in die Zeit, wird das Leben zur Unsterblichkeit. Und nur dieses Leben ist allein einzig wert, von uns gelebt zu sein.
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Erfolg und Misserfolg

sukadev_satsang_podcast.jpg?width=150Enthusiastisch und verhaftungslos leben, Teil 10. Sukadev geht auf Fragen der Teilnehmer ein, insbesondere zum Thema Erfolg und Misserfolg: Wie kann man enthusiastisch auch bei Misserfolgen sein. Ein wichtiges Prinzip: Verhaftungslosigkeit ist der Schlüssel für Enthusiasmus auch bei Misserfolgen. Mitschnitt aus dem Abschluss-Workshop des Seminars “Enthusiastisch und verhaftungslos leben”.



 

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