Sukadev Bretzs Beiträge (5991)

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Geschichte zu meinem Geburtstag

Ich erhielt folgende Geschichte von Peter zu meinem Geburtstag. Ich möchte sie mit euch allen teilen. Danke dir, Peter

 

Lieber Sukadev,

jetzt hast Du morgen Geburtstag und ich habe mir überlegt, womit man Dir vielleicht eine Freude machen könnte.

Und da ist mir eingefallen, dass Du doch so sehr Geschichten magst, und Deine Lieblingsgeschichten sind die Froschgeschichten - Frosch im Brunnen-Geschichten.

So möchte ich Dir berichten, dass Deine Frosch-Geschichte verfilmt wurde. Leider wurde die Geschichte von Disney-Studios stark verfälscht, nennt sich Rapunzel und läuft zur Zeit im Kino.

Den Brunnen haben sie nicht in die Erde, sondern in die Luft gebaut und nennen es Turm. Darin wohnt nicht ein Frosch, sondern ein hübsches Mädchen mit dem Namen Rapunzel. Sie kennt nur diese Welt im Turm, denn draussen in der Welt soll es sehr gefährlich sein, hat man ihr gesagt.

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Als Kind eines Königspaares wurde sie früh von einer Zauberin entführt und in diesen Turm eingesperrt. Immer zu ihrem Geburtstag liess das Königspaar Tausende von Lampions in den Himmel steigen, in der Hoffnung, eines Tages könnte die Tochter zurückkommen.

Wenn Rapunzel in ihrem Turm sass und aus dem Fenster guckte, dann sah sie an jedem Geburtstag die vielen Lichter am Himmel, aber sie wusste nicht, was sie bedeuteten. Sie hatte nur irgendwie das Gefühl, dass diese Lichter etwas mit ihr zu tun haben könnten. Zu ihrem achtzehnten Geburtstag nahm sie endlich allen Mut zusammen, verliess den Turm und ging auf die Suche nach dem Ursprung der Lichter.

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So fand sie dann ihr Glück, ihren Ursprung, ihre Eltern.

.... so fand sie ... Licht und Liebe ...

Ich musste mir diesen Film nun schon das zweite Mal mit meiner neunjährigen Tochter ansehen und jedes Mal musste ich an "Deinen" Froschbrunnen denken und wie yogisch doch diese Disney-Verfilmung ist.

Überhaupt, seit ich Yoga mache (erst seit zehn Monaten) sehe ich unbewusst vieles aus einer anderen - aus einer guten - Sicht.
Ich möchte mich daher bei Dir bedanken, wie Du mit Deinen vielen Geschichten, Vorträgen und Weisheiten meinen Lebensstil, mein Leben positiv verändert hast. Ja, klar, mein Leben habe ich verändert, aber Du gabst mir die Hinweise, wie ich es machen kann.

Ich wünsche Dir für Deinen morgigen Geburtstag alles Liebe und Gute.

Möge ein jeder sein Licht finden.


Peter

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Über Santosha, Zufriedenheit

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute werde ich über eine der fünf Niyamas sprechen: Sanstosha. Santosha heißt Zufriedenheit. Und Patanjali sagt im Yoga Sutra, Santosha führt zum höchsten Glück. Wenn wir zufrieden sind, dann sind wir auch glücklich. Das sind praktisch zwei gleichbedeutende Worte. Was heißt jetzt aber Zufriedenheit?

Es gibt verschiedene Formen von Zufriedenheit. Im Yoga unterscheidet man gerne sattvige, rajasige und tamasige Zufriedenheit. Tamasig wäre die träge Zufriedenheit. Man sagt: „Ich muss mich damit abfinden. Ich kann halt nicht viel und keiner mag mich und so wird es eben für den Rest meines Lebens sein.“

Das ist nicht wirklich Zufriedenheit, sondern eine tamasige Zufriedenheit, in der man nicht weitergeht. Dann gibt es eine rajasige Zufriedenheit. Rajasig kommt aus dem Ego und ist schon besser als tamasig, aber es ist auch nicht das, was wirklich zufrieden macht. In der rajasigen Zufriedenheit sagt man Dinge wie: „Ja, ich bin halt ein besserer Mensch als du.“ oder „Ich bin besser als andere.“ Das ist eine Art Selbstzufriedenheit. Über die spricht Jesus in vielen Gleichnissen.

Manche, die die Bibel kennen, erinnern sich an die Stellen, in denen jemand betet und sagt: „Lieber Gott, danke, dass Du mich besser gemacht hast als den, der gerade dort neben mir kniet.“ Das ist eine rajasige Zufriedenheit. Vermutlich kommt das heute seltener vor als früher, denn Menschen haben heute sehr hohe Ansprüche an sich. Ich glaube, diese alte Art Kastendünkel ist schon seltener geworden. Aber leider hat sich aus der Tatsache, dass die rajasige Zufriedenheit seltener geworden ist, nicht eine sattvige Zufriedenheit entwickelt, sondern meistens eher eine rajasige Unzufriedenheit. Viele positive Entwicklungen unserer Zeit, haben die Menschen letztlich unzufrieden gemacht.

Menschen, die früher wussten, dass sie an ihrem Schicksal nicht übermäßig viel ändern konnten und die deshalb eine Art tamasige Zufriedenheit entwickelt haben, sind vielleicht etwas weniger geworden. Aber die rajasige Zufriedenheit ist auch weniger geworden, und das führt letztlich dazu, dass viele Menschen unzufriedener sind, als sie es früher waren. Das muss aber nicht schlecht sein. Ich glaube sogar, dass es gut ist, aus der rajasigen und aus der tamasigen Zufriedenheit herauszukommen, selbst wenn es dann erstmal eine Unzufriedenheit ist, die den Menschen irgendwo fragen lässt: „Was will ich eigentlich und worum geht es in meinem Leben? Was kann ich tun und wie kann ich an mir selbst arbeiten? Wie kann ich meine Situation verbessern?“

Aus dieser Art von Unzufriedenheit kommt dann hoffentlich irgendwann eine sattvige Zufriedenheit. Und die sattvige Zufriedenheit ist das, was wirklich zum Frieden führt. Man lebt in Frieden mit sich selbst, man lebt in Frieden mit seinen Mitmenschen, man lebt in Frieden mit seiner Umwelt. Diese Zufriedenheit mit sich selbst heißt zunächst mal, dass man weiß: „Alles, was in mir drin ist, alles, was in mir wirkt, ist gut. Ich arbeite an mir selbst und ich weiß, das wird eine Weile dauern, aber ich tue das Beste, was ich kann und ich bin auf einem guten Weg.“ Diese Art von Zufriedenheit ist für einen Aspiranten schon eine gute Zufriedenheit. Wenn man sagen würde: „Ich habe mich jetzt soweit entwickelt, wie man sich entwickeln kann, das wird nicht weitergehen und jetzt bin ich damit zufrieden.“, dann ist das wieder eine Art tamasige Zufriedenheit. Aber wenn wir wissen: „Ich bin auf einem guten Weg und ich arbeite an mir selbst. Ich weiß aber auch, ich bin unvollkommen, ich bin noch nicht selbstverwirklicht, ich habe noch nicht Nirvikalpa Samadhi erreicht.“, dann können wir die sattvische Zufriedenheit erfahren.

Selbst die Menschen, die Nirvikalpa Samdhi erreicht haben, sind durch die körperliche Unvollkommenheit weiterhin begrenzt in dem, was möglich ist. Trotzdem kann man immer eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst haben. Auch mit den Menschen in seiner Umgebung kann man in Frieden sein, indem man erkennt: „Auch die Menschen um mich herum bemühen sich, die Dinge so gut wie möglich zu machen. Sie geben mir genau die Herausforderungen, die ich brauche.“ Vielleicht geben sie einem auch die Erfahrung, dass wir vielleicht die Umstände ändern sollten. Oder die Erfahrung, zu lernen, anders mit den Dingen umzugehen.

Wir können aber immer davon ausgehen: „Die Umstände, in denen ich bin, sind kein böses Schicksal, das mich immer wieder ärgert. Das, was kommt, ist geschickt, damit ich daran wachse. Und alles, was auf mich zukommt, hilft mir dabei. Ich weiß nicht genau, wie und warum, aber ich weiß, ich bin die letzten Jahre gerade oft auch durch Umstände gewachsen, die ich zunächst mal als unangenehm empfunden habe.“ Wenn man so zurückschaut und sieht, dass man gelernt hat und gewachsen ist, dann kann man zum Frieden mit den Umständen kommen. Das, meine ich, ist dann die sattvige Zufriedenheit.

Natürlich gehen wir davon aus, dass ein Selbstverwirklichter noch eine andere Art von Zufriedenheit hat. Sarvam Kalvidam Brahman: Er weiß, dass alles wahrhaftig Brahman ist. Wenn alles göttlich ist und man das nicht nur denkt und wiederholt, sondern es jederzeit erfährt, dann kommt die höchste Zufriedenheit.

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3
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Gedicht zu meinem Geburtstag

Unter den vielen Glückwünschen und Geschenken erhielt ich folgendes Gedicht zugeschicht: Leben Wo nicht Wahrheit wohnt im Herzensgrund, ist das tiefste Wesen nicht gesund. Wo nicht Liebe lenkt das ganze Sein, ist das Leben nur ein leerer Schein. Wo der Geist nicht leitet, führt und treibt, alles Dasein tote Form nur bleibt. Wer in Gott nicht seinen Ursprung fand, noch nicht seinen Zwiespalt überwand. Nur wo Gott sich in ein Herz ergoss, Zeit und Ewigkeit zusammenfloss. Wo die Ewigkeit ragt in die Zeit, wird das Leben zur Unsterblichkeit. Und nur dieses Leben ist allein einzig wert, von uns gelebt zu sein.
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Erfolg und Misserfolg

sukadev_satsang_podcast.jpg?width=150Enthusiastisch und verhaftungslos leben, Teil 10. Sukadev geht auf Fragen der Teilnehmer ein, insbesondere zum Thema Erfolg und Misserfolg: Wie kann man enthusiastisch auch bei Misserfolgen sein. Ein wichtiges Prinzip: Verhaftungslosigkeit ist der Schlüssel für Enthusiasmus auch bei Misserfolgen. Mitschnitt aus dem Abschluss-Workshop des Seminars “Enthusiastisch und verhaftungslos leben”.



 

Nimm dir ein bisschen Zeit, über das hier von Sukadev im Podcast gehörte  nachzudenken. Weitere Infos findest du über diese Hinweise:

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Über die verschiedenen Aspekte von Yoga

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute will ich etwas mehr allgemein über Yoga sprechen.

Yoga heißt Einheit, Harmonie, Verbindung. Yoga ist dabei gleichzeitig ein Zustand, und auch ein Weg dorthin. In diesem Sinne ist ein Yogi zum einen derjenige, der in der Einheit ist, der in Harmonie mit sich selbst ist und in Harmonie mit seinen Mitmenschen, mit der Umwelt. Zum anderen ist ein Yogi auch jeder, der irgendeine Yogapraxis tut, um etwas mehr Harmonie zu spüren, etwas mehr Einheit, etwas mehr Verbindung.

Vom Praktischen her kann man sagen, Yoga besteht aus fünf Hauptpraktiken, neben so vielen anderen Praktiken. Was die meisten Menschen, die Yoga üben, manchen, das sind Körperübungen: Asanas, Atemübungen, Pranayama, Tiefenentspannung, Shavasana, richtige Ernährung, Mitahara, und Meditation, Dharana und Dhyana. All diese Praktiken, diese fünf Hauptpraktiken, können wir sagen, die Menschen im Alltag üben, haben Wirkungen auf den verschiedensten Ebenen.

Die meisten Menschen, die mit Yoga beginnen, fangen erstmal mit den Asanas an. Und Asanas sind ja auch etwas ganz Fantastisches und ganz etwas Tolles. Die Asanas helfen einem, dass man sich besser entspannt. Sie führen dazu, dass man mehr Bewusstsein für sich selbst bekommt. Sie führen dazu, dass sich mehr Energie verbreitet. Das ist ein Unterschied zwischen Yoga Asanas und den meisten Sportarten. Wenn man Yoga übt, fühlt man sich anders. Es gibt auch forderndere Asanas. Man kann auch viele Sonnengebete üben, man kann anstrengende Stehhaltungen machen, man kann Muskelkraftübungen machen. Yoga kann durchaus auch anstrengend sein, aber Yoga ist nie nur anstrengend. Im Yoga wird neben dem, was körperlich passiert, immer auch einiges auf der Pranaebene in Bewegung gesetzt. Und auch das ist natürlich ein Grund, weshalb viele Menschen mit Asanas beginnen und dann weitermachen.

In unserer heutigen Zeit braucht man Energie, wir brauchen neue Kraft. Und Swami Vishnu hat auch gerne gesagt, wenn Menschen, die schon länger auf dem Weg waren und vielleicht etwas sehr spiritualisiert waren, die Asanas ein bisschen vernachlässigt haben: „Wenn du irgendwo Mangel an Energie hast, dann schaue erstmal, ob du noch genügend Asanas machst. Und: Machst du sie auch konzentriert? Machst du sie bewusst? Oder ist es für dich vielleicht einfach nur Pflichtprogramm geworden?“

Mache die Asanas bewusst. Atme bewusst in den Stellungen. Spüre die Körperteile, die gedehnt werden oder konzentriere dich auf die Chakras. Asanas sind auch ganz wunderbar, um nicht nur körperliche Spannungen abzubauen und körperliche Energien zu aktivieren. Asanas helfen auch, emotionale Spannungen abzubauen. Manche Menschen haben vielleicht vor ein paar Jahren oder ein paar Jahrzehnten verschiedene Spannungen gehabt. Die Spannungen können schon beginnen vor der Geburt im Mutterleib, oder bei der Geburt entstanden sein. Manche haben verschiedene traumatische Erfahrungen, manche hatten große Stressperioden in ihrem Leben, manche hatten irgendeinen Unfall. All das manifestiert sich als langfristige tiefere Verspannungen im Körper. Und diese tieferen Verspannungen hängen dann oft mit emotionalen Verspannungen zusammen.

Wenn wir Yoga üben, dann werden die äußeren Verspannungen erstmal gelöst. Relativ schnell kommt man dann an die tieferen Verspannungen, was manchmal dazu führt, dass, wenn man Yogapraxis beginnt oder auch intensiviert, man nach einer schönen Phase von Entspannung und mehr Energie plötzlich vielleicht mal mehr Verspannungen spürt. Diese tieferen Verspannungen lösen sich auf, wenn man beständig weiter praktiziert, und dann kann das zu einer stärkeren auch psychischen Öffnung führen, zu einer psychischer Befreiung, zu psychischer Leichtigkeit. So helfen die Asanas auch auf der emotionalen Ebene, das längst Vergangene zu lösen. Sie helfen einem, dass man freier wird, dass man auch dieses größere Gefühl von Leichtigkeit bekommt. Asanas helfen darüber hinaus der Klarheit des Geistes. Sie machen kreativer. Das werden viele kennen, die schon eine Weile Yoga üben. Da bekommt man plötzlich gute Ideen.

Manchmal ist das auch eine Schwierigkeit. Eigentlich will man ganz im Hier und Jetzt sein, dann ist man gerade im Schulterstand und hat plötzlich eine tolle Idee, was man noch umsetzen will. Wenn man allein ist, kann man gut ein Stück Papier neben sich liegen haben, wenn man Asanas übt. (Nur im Schulterstand sollte man besser nicht schreiben).

Asanas helfen dadurch, dass sie entspannen und dass Energie fließt, dadurch, dass man sich leichter fühlt, dadurch, dass Festigkeit sich löst. Jetzt hat man plötzlich Freiheit, und dann kann die Intuition fließen. Dann kommt man zu einem noch tieferen Teil von sich, zu noch tieferen Schichten des Selbst. Schließlich gelangt man an das Selbst in seinem tiefsten Aspekt. Und dieser tiefste Aspekt wird im Yoga als Satchidananda bezeichnet. Das heißt Sein und Verbundenheit mit allen Wesen. Das heißt Chid, gesteigerte Bewusstheit. Und Ananda, große Freude. Und wenn man regelmäßig Asanas übt, kann man auch dieses spüren. Man findet in der Asana selbst ein Gefühl von Verbundenheit, ein Gefühl von Liebe mit der Schöpfung und auch mit den Mitmenschen. Man merkt in den Asanas gesteigerte Bewusstheit seiner Selbst und bekommt Zugang zu immer tieferen Wissen.

Hari Om Tat Sat

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Über Vedanta, das Ende des Wissens

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute will ich ein paar Worte über Vedanta sprechen. Vedanta heißt wörtlich das „Ende des Wissens“. Vedanta heißt auch „Ende der Veden. Veden“, der uralten indischen Schriften, in denen die ganze Weisheit des Yoga enthalten ist. Vedanta ist der Höhepunkt von all dem. Vedanta ist das Ende des Wissens, im Sinne von: Wenn man das kennt, dann gibt es nichts anderes zu kennen.

In alten Zeiten gab es große Meister, die haben das Höchste verwirklicht. Zu diesen Meistern kamen dann Schüler. Und diese Berichte, wie die Schüler zu den Meistern kamen und deren Antworten, die stehen heute in den so genannten Upanishaden. Da gibt es Fragen wie: „Meister, sage mir das oder lehre mich das, nach dessen Erkenntnis es nichts mehr zu erkennen gibt. Meister, lehre mich das, nach dessen Erfahrung keine Wünsche mehr offen bleiben. Meister, lehre mich die Unsterblichkeit.“

Das sind immer große Wünsche, große Ideale. Heute kommen Schüler mehr zum Meister und sagen: „Meister, ich habe Kopfweh. Was kann ich machen?“ Das ist natürlich auch wichtig, und sehr häufig ist das der Beginn des Yoga. Übrigens, das war damals vermutlich genauso. Nur die Fragen und die Antworten der Schüler und Meister haben es dann nicht in die Upanishaden geschafft. So ist also für viele ein erster Schritt im Yoga, zu lernen, mit Kopfweh, mit Herzproblemen, mit Diabetes, mit Knieproblemen, Rückenproblemen, Schulterproblemen, Hautproblemen, Augenproblemen, Nasenproblemen – ich könnte noch ewig weitergehen – umzugehen. Für viele ist es auch einfach der Wunsch, mehr Energie zu haben, sich besser zu fühlen, mehr Lebensfreude zu genießen. Das Schöne ist: Wer Yoga übt, der erfährt eine Menge davon. Man kann nicht sagen, dass Yoga alle Krankheiten heilt, aber Yoga hat eine positive Wirkung auf sehr viele Krankheiten.

Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass das Ende des Lebens immer der Tod ist. Egal, was wir anstellen, irgendwann sterben wir. Das Schöne am Yoga ist auch, dass es uns darauf vorbereitet. Es hilft uns, das zu erfahren, was nicht sterblich ist. Und egal, wie sehr Yoga uns helfen mag, mit uns selbst und mit anderen besser zurechtzukommen und mehr Lebensfreude zu haben, dauerhaft befriedigen kann uns das nicht. Dauerhafte Befriedigung können wir finden, wenn wir unsere wahre Natur finden, unser wahres Selbst, unser höchstes Bewusstsein. Und so können wir sagen: Das Schöne am Yoga ist, es wirkt auf allen Ebenen. Yoga ist Therapie für den Körper, Therapie für die Psyche, aber auch Herzensöffnung, Bewusstseinserweiterung, Erfahrung der Einheit.

Hari Om Tat Sat

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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute lese ich etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Vairagya“. Vairagya ist ein schwer zu übersetzendes Wort. Raga heißt Mögen und Ragya ist ein Verhalten, das auf Mögen beruht. Vairagya ist ein Verhalten, das nicht auf Mögen beruht. Swami Sivananda sagt: „Es gibt einen Weg zur unsterblichen Wohnstatt. Es gibt einen Weg zum höchsten Glück. Es gibt einen Weg zur vierten Dimension. Und dieser Weg ist Vairagya. Beschreite diesen Weg! Beschreite diesen Weg!“

Vairagya kann man auch Wunschlosigkeit nennen. Aber das trifft es nicht wirklich. Solange man Mensch ist, wird man Wünsche haben, das ist letztlich ein Teil des Menschseins. Auch selbstverwirklichte Meister wie Swami Sivananda hatten ihr Lieblingsessen, eine Temperatur, die sie besonders gerne hatten und ein gewisses Mögen und Nicht-Mögen von Umständen. Der Unterschied ist nur, dass sie nicht daran verhaftet sind.
Vairagya ist kein Verhalten, das aus persönlichem, individuellem Mögen entsteht, sondern ein Verhalten, das aus etwas Tieferem kommt. Mögen und Nicht-Mögen sind ja letztlich – man kann sagen – Daumenregeln der Natur, was gut für einen selbst und das Überleben ist und was nicht. Zum Beispiel brauche ich mir nicht überlegen, ob ich jetzt diese Uhr hier essen sollte oder nicht. Da hat die Natur gesagt, Plastik ist nicht essbar, also hat man auch kein Mögen dafür. Allerdings: Nicht alles, was ich mag, sollte ich regelmäßig essen, denn gerade mit unserer modernen Zivilisation ist es uns ja gelungen, alle möglichen Dinge, die in der Natur nicht vorkommen, so zusammenzustellen, dass man sie mag.

Mögen und Nicht-Mögen ist erstmal nichts Schlechtes. Es ist der Ausdruck einer Intelligenz, die man – man kann sagen – den ersten Grad von Intelligenz nennen kann. Relativ häufig ist diese viel klüger als manche andere Intelligenzen. Nur wenn wir davon abhängig sind, wird es schwierig.

Angenommen, ich hätte einen großen Wunsch nach Mangos. Ich würde denken: „Ich will heute Abend unbedingt Mangos essen.“ Was wäre das Problem? Es gibt vielleicht gerade keine Mangos. Die Geschäfte hätten erst am nächsten Morgen um acht Uhr wieder auf. Wenn ich jetzt denken würde, ich bräuchte die Mangos jetzt unbedingt, dann würde ich anfangen zu leiden. Wenn ich aber sage: „Gut, ich mag Mangos, vielleicht habe ich auch irgendeinen Bedarf nach dieser besonderen Süßigkeit und das ist ja ganz schön.“ Und wenn ich die Mangos trotzdem nicht unbedingt haben will, dann kann ich anders damit umgehen. Ich kann gucken, ob ich die Mangos morgen bekommen kann. Und wenn nicht, dann kann ich gucken: „Was mag ich denn noch?“ Oder ich kann lernen, etwas zu tun, was nicht davon abhängig ist, ob ich Mangos habe.
Das Gleiche gilt auch im Umgang mit anderen Menschen. Manchmal mögen wir es, wie andere Menschen sich verhalten und manchmal nicht. Oder wir haben eine Vorstellung davon, wie die Dinge auszugehen haben. Oder wir haben eine Vorliebe dafür, wie unser Körper sich verhält. Diese Art von Mögen ist auch eine instinktive Intelligenz, sie mag ihren Sinn haben und manche Menschen müssten vielleicht ab und zu mal etwas mehr auf diese Art von Intelligenz hören. Aber wenn wir davon abhängig sind, dann führt es uns ins Leiden.

Und so ist die Einstellung eines Yogis letztlich das bedingungslose Annehmen. Und das ist Vairagya. So können wir die verschiedenen Intelligenzen, die wir haben, nutzen. Wir haben die Instinkte, die sich als Mögen und Nicht-Mögen entwickelt haben. Wir haben unser Erfahrungswissen, das sich auch als Mögen und Nicht-Mögen entfaltet. Wir haben unser Bauchgefühl, das vielleicht etwas anderes ist als Mögen und Nicht-Mögen. Wir haben unsere Vernunft, wir haben eine Intuition, wir haben vielleicht einen Zugang zu einer höheren Wirklichkeit.

Freiheit heißt, von nichts von dem wirklich abhängig zu sein. Dahin kommen wir, wenn wir uns für das Göttliche öffnen. Aber selbst dabei müssen wir ein bisschen aufpassen. Es gibt viele Leute, die denken, sie wären vom Göttlichen inspiriert. Und dann schaffen sie furchtbare Dinge. Es gilt darum immer, eine gewisse Freiheit zu haben und dann das zu tun, was wir tun können - im Dienst an anderen und als Instrument im besten Wissen und Gewissen.

Swami Sivananda schreibt dazu auch: „Vairagya ist ein Mittel, um die Weisheit des Selbst zu erlangen. Vairagya ist nicht das Ziel an sich. Ein Jivanmukta, ein verwirklichter Weiser, hat weder Ragya, noch Vairagya. Wenn man ihm ein trockenes Brot gibt, ist er zufrieden. Wenn man ihm etwas Köstliches gibt, wird er auch zufrieden sein. Er hat Gelassenheit des Geistes, denn er oder sie findet Freude im Selbst, im Göttlichen hinter allen Dingen.“

Hari Om Tat Sat

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Om Namah Shivaya. Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute will ich etwas über Jnana und Vijnana sagen, über die intellektuelle und die praktische Erkenntnis.

Jnana und Vijnana sind zwei verschiedene Aspekte des Wissens. Das eine ist die Erkenntnis, im Sinne von intellektueller Erkenntnis und das andere ist ein Verstehen, im Sinne von Verwirklichung. Ein Arzt kann etwas verstehen und empfiehlt seinen Patienten, sie sollen nicht rauchen. Allerdings, die Ärzte gehören zu der Berufsgruppe mit der höchsten Raucherquote. Psychotherapeuten haben auch Empfehlungen für ihre Klienten, die Selbstmordrate unter den Psychotherapeuten ist aber höher als beim Durchschnitt der Bevölkerung.

Eines zu erkennen und zu wissen und es dann umzusetzen, das sind zwei verschiedene Dinge. Und allein über den Intellekt funktioniert es nicht. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass beides zusammengehört.

Wir können im Yoga sehr gut erklären: Warum machen wir Asanans, die Körperstellungen? Warum machen wir Pranayama? Warum machen wir Tiefenentspannung? Warum meditieren wir? Warum singen wir Mantras? Warum machen wir Arati? Wir können auch intellektuelles, als Jnana Yoga üben und fragen: „Wer bin ich? Was ist wirklich? Was ist unwirklich? Worum geht es wirklich im Leben? Was könnte ein Sinn im Leben sein?“ Im Yoga stellen wir uns auch intellektuelle Fragen und wir müssen das auch mit Erkenntnissen der modernen Wissenschaft konfrontieren, was ja nicht immer ganz so einfach ist.

Aber diese intellektuelle Beschäftigung reicht nicht aus, denn das ist einfach nur Wissen. Wissen an sich ist hilfreich, aber es muss dann zu praktischem Wissen werden. Und praktisches Wissen, im Sinne von Verwirklichung, wird es, indem wir praktizieren. Es ist eine Sache, zu erkennen, dass es gut ist, sich gesund zu ernähren und es ist eine andere Sache, es zu tun.

Das Schöne ist: Die Yogapraktiken helfen auch, Zugang zu finden zu der inneren Intuition. Viele Studien gibt es, die zeigen, dass Menschen, die täglich ihre Asanas, Pranayama, Entspannung üben oder meditieren, einen gesünderen Lebensstil pflegen als andere. Und zwar kann man schon einen Kausalzusammenhang feststellen. Das heißt, bevor die Menschen anfangen zu meditieren, hatten sie einen ähnlichen Lebensstil wie andere. Wenn jemand mal ein halbes Jahr meditiert hat, dann wird der Lebensstil besser, und nach ein paar Jahren haben die Menschen, die meditieren auch subjektiv das Gefühl, dass sie sehr viel mehr das tun, was sie finden, was richtig ist, als vorher.

So helfen uns die Yoga Praktiken, die wir üben, von einer reinen intellektuellen Erkenntnis zu deren Verwirklichung zu kommen. Allerdings, reine Praxis reicht auch nicht aus. Es gibt Menschen, die fangen einfach an zu praktizieren, dann machen sie eine Tiefenentspannung und fühlen, dass sie ihren Körper verlassen und sich von oben angucken. Jemand, der jetzt nicht irgendwie eine Erklärung hat, was das sein könnte, der könnte leicht ein bisschen verwirrt sein, um es milde auszudrücken. Oder angenommen, jemand meditiert und hat dann alle möglichen Lichterfahrungen. Wenn er dort jetzt kein Deutungsmuster dafür hat, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder er kann sich davor ängstigen oder er kann denken, er hätte jetzt gerade Gott gesehen und sei der Ausgewählte, der anderen Leuten erzählt, wo es lang geht.

Dann ist es gut, auch intellektuelles Wissen zu haben. Wir Spirituelle Praxis kann auch zu religiösem Wahn oder zu Ängsten führen. Man braucht einen Deutungskontext, dann passt beides zusammen, Jnana und Vijnana, die eigene Erfahrung und die intellektuelle Erkenntnis. So wird letztlich Einheit erzeugt, in dem, was wir erfahren, in dem, was wir leben, in dem, was wir erkennen. Und dann kommt es zur höchsten Verwirklichung.

Hari Om Tat Sat
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Wie die Bhagavad Gita entstand

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute erzähle ich die Geschichte, wie die Bhagavad Gita und die ganze Mahabharata entstanden ist.

Es gab einen großen Meister namens Vyasa. Dieser Vyasa hatte die Inspiration, die Mahabharata zu schreiben. Die Mahabharata ist aber ein riesengroßes Werk und es heißt, in der Intuition war Vyasa die gesamte Mahabharata klar. Er brauchte nur jemanden, der dieses große Werk schreiben würde, denn Vyasa selbst war schon ein bisschen älter und konnte nicht mehr so schnell schreiben. Und da kam Vyasa auf Ganesha.
Ihr kennt alle Ganesha, den Elefantengott, der alle Hindernisse beseitigt. Der war der schnellste Schreiber seiner Zeit. So bat Vyasa den Ganesha, ob er nicht die Mahabharata niederschreiben könnte. Und der Ganesha sagte: „Okay, aber weißt du, ich habe nicht viel Zeit. Ich schreibe das nur unter der Bedingung, dass du niemals aufhörst, zu diktieren. Du musst also das ganze Werk in einem durch diktieren.“

Vyasa überlegte einen Moment. Immerhin wollte er die Mahabharata sehr ausführlich und noch dazu im Sloka-Versmaß niederschreiben. Das war schon eine besondere Herausforderung. Dann sagte er: „Gut, das ist grundsätzlich möglich, aber du musst verstehen, was ich dir diktiere. Und wann immer etwas kommt, das du nicht verstehst, musst du innehalten, bis du es verstehst.“ Ganesha sagte: „Gut, so machen wir es.“ Und so kam es dann, dass Vyasa dem Ganesha die Mahabharata diktierte und immer dann, wenn er nicht mehr genau wusste, wie es weiterging, diktierte er dem Ganesha ganz komplexe philosophische Verse. Da musste Ganesha ein paar Momente nachdenken und so hatte Vyasa Zeit, um weitere flüssige Verse zu komponieren.
Und darum, sagt die Geschichte, ist die Mahabharata heute zum großen Teil ein Epos, in dem sehr viele Dramen passieren und gleichzeitig eine sehr philosphische Schrift. In früheren Zeiten wurden solche dramatischen Werke ja üblicherweise gelesen, sondern erzählt und auswendig gelernt. Dann kamen eben die Menschen abends zusammen und haben dem Geschichtenleser gelauscht.

Damals wie heute faszinieren die Menschen solche menschlichen Konflikte und Schwierigkeiten. Ab und zu mal sind in der Mahabharata ganz komplexe philosophische Verse eingeschoben. Über die muss man manchmal erst mal nachdenken.

Und welcher Teil der Mahabharata ist besonders komplex? Natürlich die Bhagavad Gita. Das sind etwa 800 Verse aus der Mahabharata und darin steckt die Yoga Philosophie in Reinstform, über die man auch immer wieder nachdenken kann. Und so will ich hier zum Schluss noch einen Vers der Bhagavad Gita lesen, 12. Kapitel, 14. Vers:

„Wer stets zufrieden ist, beständig in der Meditation, selbstbeherrscht und mit fester Überzeugung und dessen Geist und Verstand auf Gott gerichtet sind, er, der Gott verehrt, ruht in der Liebe.“

Hari Om Tat Sat

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Warum wir im Leben entspannen können

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Das Mantra „Satchidananda Rupa Shivoham Shivoham“ bedeutet soviel wie: Was auch immer geschieht, meine wahre Natur ist Sein, Wissen, Glückseligkeit. Ich bin Shiva, reines Bewusstsein.

Das ist eine der wichtigen Grundlagen im Yoga. Es ist wie ein fester Grund, auf dem wir stehen können, inmitten von allen Wechselfällen des Lebens. Wir bleiben stets Satchidananda. Selbst wenn wir Fehler machen, selbst wenn wir Dummheiten machen, es ändert nichts daran, dass wir Satchidananda sind: Sein, Wissen und Glückseligkeit. Jnana Yoga führt zu einer gewissen Heiterkeit, man kann auch sagen, zu einer grundentspannten Haltung im Leben. Wir wissen: „Egal, was passiert, meine wahre Natur ändert sich nicht.“
Das heißt nicht, dass wir uns nicht um den Alltag kümmern sollten. Es gibt ja auch eine berühmte Schrift von Patanjali, das Yoga Sutra, in dem es verschiedene Verse über den Sinn des Lebens gibt. Darin wird zum einen gesagt, dass es darum geht, Erfahrungen zu machen. Dafür sind wir hier, dafür hat sich Purusha in die Prakriti begeben, also das Bewusstsein in diese Welt. Zum anderen geht es darum, dass sich die Kräfte, die in uns stecken, entfalten wollen. Unser Ziel ist es, die Kräfte zu erkennen, die im Universum sind. Zum Dritten geht es auch darum, die Konsequenzen unserer Handlungen zu erfahren. Aber schließlich geht es auch darum, dass wir zur vollen Erfahrung von Satchidananda kommen. Die Erfahrungen des Alltags sind wichtig und es gehört auch dazu, dass wir uns im Alltag engagieren und unsere Kräfte, Talente und Fähigkeiten entfalten. Wir können auch vieles tun, damit das Leben schöner ist, indem wir Hatha Yoga üben und Energiepraktiken machen, um mehr Prana zu haben. Wir können all die Techniken des Raja Yoga nutzen, um Gedankenkraft und positives Denken zu entwickeln. Wir können im Karma Yoga lernen, liebesfähig zu werden und in beiden Richtungen zu empfangen und zu geben. All das ist im Alltag wichtig.

Aber Jnana Yoga hilft uns, das alles ohne Leistungsdruck und Leistungszwang zu tun. Mit Jnana Yoga kann das Leben spielerischer werden. Wir wissen: „Meine wahre Natur bleibt, egal, was ist.“ Alles, was wir im Alltag machen, ist letztlich Lila, göttliches Spiel. Das ist irgendwo etwas Heiliges, aber es bleibt eben ein heiliges Spiel. Im Grunde genommen können wir nichts abgrundtief falsch machen. Wir können auch niemandem etwas abgrundtief Schlimmes zufügen, denn tief innen bleiben wir alle Satchidananda, egal, was wir machen. Natürlich soll das jetzt kein Freibrief sein für verbrecherische Handlungen. Es heißt so schön: Der Teufel kann die Schriften zitieren. Und was in einem Kontext gut ist, das kann in einem anderen unsinnig sein. Die yogische Ethik, das sind Ideale, an die wir uns so gut wie möglich halten.

Aber das Schöne an Vedanta ist: Es hilft uns, grundlegend zu entspannen. Und daraus können wir dann an allem anderen arbeiten. Wir können uns im Leben einbringen, wir können Erfahrungen machen, wir können unsere Natur leben, wir können unsere Talente zum Vorschein bringen, wir können in Beruf, Familie, Hobby, politischem Engagement, Umweltengagement oder was auch immer, unserer Bestimmung folgen. Letztlich auch Bhoga, das Leben genießen und die verschiedenen Herausforderungen und Leiden und schlimmen Erfahrungen, die kommen, annehmen. Was auch immer geschieht, wir wissen: „Meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.“

Hari Om Tat Sat


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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute erzähle ich euch die Geschichte von einem jungen Aspiranten. Das war ein ungelehrter Aspirant, der wollte unbedingt eine Mantra Einweihung von einem bestimmten Meister haben.

Es gibt solche und solche Meister. Dieser hier war einer, der hatte noch einige Probleme und Fehler. Einer davon war, dass er sich dachte: „Ich nehme nur Schüler an, die lesen und schreiben können und die eine gewisse Gelehrtheit haben. Ich gebe nur denen die Mantraweihe, die die Schriften kennen.“

Unser junger Schüler hatte nicht die Gelegenheit gehabt, Lesen und Schreiben zu lernen. Er musste dafür sorgen, dass die Familie überlebte. Er hatte zwar immer ein paar Minuten Zeit, um ein Mantra zu wiederholen und zu meditieren, aber er hatte mal gehört, dass die Mantrawiederholung viel effektiver ist, wenn man eine Einweihung hat. Zwei Mal fragte er unseren Meister, ob er nicht doch die Einweihung bekommen könne und der Meister sagte beide Male: „Das geht leider nicht.“

Unser Schüler war aber pfiffig. Er beobachtete die Gewohnheiten des Meisters und sah, dass der jeden Morgen um vier Uhr, zu Brahmamuhurta, zum Ganges runter ging und ein Bad nahm und vor dem Ufer des Ganges meditierte. Brahmanmuhurta ist die Stunde von Brahman, die besonders geeignet ist für Meditation. In Indien ganz besonders, denn da ist es tagsüber unerträglich warm und tagsüber schläft man dort besser etwas, um die Nacht etwas zu verkürzen und die kühle Zeit zu nutzen.

Der Meister ging also frühmorgens zu seiner Meditation am Ganges. Außerdem hatte er die Angewohnheit, morgens vor Aufgang der Sonne nicht zu sprechen und nur seine Mantras zu wiederholen. Unser Schüler legte sich also auf die Stufen zum Ganges, und als der Meister kam, trat er auf unseren jungen Aspiranten.

Er dachte sofort, er sei auf jemand Schlafendes oder gar auf einen Kranken getreten und sofort sagte er: „Om Namah Shivaya, Om Namah Shivaya, Om Namah Shivaya.“ Er berühte mit seiner Hand die Stirn des jungen Aspiranten. Der junge Aspirant hatte Gaben mitgebracht, die man typischerweise für eine Mantraweihe nimmt. Er gab dem Meister Blumen, Früchte und ein wenig Geld, das er sich vom Mund hatte absparen können. Dann verneigte er sich vor dem Meister.

Der Meister verstand nicht, was das alles sollte, aber offensichtlich war der junge Mann gesund. Also ging er weiter zum Wasser und badetet sich. Unser junger Aspirant achtete darauf, dass er ein paar Wasserspritzer von dem Bad des Meisters abbekam. Dann kam der Meister aus dem Bad und setzte sich zum Meditieren nieder. Unser junger Aspirant setzte sich ebenfalls und meditierte. Nach einer Weile war unser Meister etwas verwundert. Seine Meditation war viel tiefer als sonst. Er drehte sich um und sah, wie der junge Aspirant da saß wie eine Eins. Von ihm ging eine starke und reine Schwingung aus. Da erkannte der Meister, wie eingebildet er auf sein brahmanisches Wissen gewesen war. Ihm wurde bewusst, dass ein würdiger Schüler manchmal schneller weiter kommen kann, als ein unvollkommener Meister.

Für den Schüler war nur wichtig, dass er die Mantraweihe von dem Meister hatte. Er hatte sie sich zwar erschlichen, aber dadurch, dass er so ein großes Vertrauen hatte, war es diese Mantraweihe, die es ihm ermöglichte, zu größerer Tiefe zu kommen. Der Meister konnte an der Tiefe der Hingabe des Schülers sehen, was wirkliche Hingabe ist. So wurde auch er davon berührt und konnte seinen spirituellen Weg mit einer tieferen Erkenntnis weiter gehen.

Hari Om Tat Sat


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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute erzähle ich die Geschichte, wie das Mantra „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“ zur Menschheit kam. Das ist die Geschichte von einem Heiligen namens Ramanuja, der im indischen Mittelalter gelebt haben soll.

Ramanuja ging, wie es damals üblich war, als Junger in die Lehre zu einem Guru. Das was so damals, im Alter von zehn, elf, zwölf sind die Kinder zum Guru gegangen und haben also das Elternhaus verlassen. Bei dem Guru haben sie zum einen Lesen und Schreiben gelernt und ihren Beruf, zum anderen haben sie spirituelle Praktiken gelernt. Sie blieben etwa zwölf Jahre lang bei diesem Lehrer, danach sind sie zurückgekommen und haben eine Familie gegründet und haben sich um alles gekümmert, was zu kümmern war. Wenn diese Kinder älter wurden und dann selbst zu anderen Gurus gingen, wurden diejenigen unter den älteren Paaren, die eine besondere spirituelle Ausstrahlung hatten oder eine besondere Gabe mit Kindern, die Gurus von den neuen Brahmacharies.

Im Dorf von Ramanuja gab es einen großen Meister, der war nicht nur irgendwer, sondern ein Meister, der sehr viel wusste und sehr tiefe Spiritualität lebte. Bei ihm ging Ramanuja in die Lehre, zusammen mit ein paar anderen Schülern. Am Ende ihrer Lehrzeit sagte der Meister zu ihnen: „Jetzt habe ich etwas ganz Besonderes für euch. Es gibt ein Mantra, das hilft euch, wirklich tief nach innen zu gehen und Gott zu erfahren, gesund zu sein, Ausstrahlung und einen starken Geist zu haben. Das will ich euch lehren. Aber eines ist wichtig, ihr dürft es niemand anderem sagen. Wenn ihr das Mantra weitergebt, dann kommt ihr in die Hölle. Jeder von euch, der dieses Mantra im Stillen wiederholt, der kommt zur Gotteserfahrung und wird gesund, stark und vieles andere.“
So gingen die Schüler also nach Hause. Ramanuja hatte jetzt aber ein kleines Problem. Er dachte: „Wenn dieses Mantra so machtvoll ist, dann sollte das doch jeder kennen. Andererseits, wenn ich das jemand anderem sage, dann komme ich in die Hölle.“ Als er zu Hause im Dorf ankam, hatte er einen Entschluss gefasst. Er sagte: „Ich werde das Mantra allen Leuten geben. Dann können alle die Gotteserfahrung machen. Dafür gehe ich gerne in die Hölle.“ Im Dorf angekommen, ging er auf das Dach von einem Haus und sagte: „Oh Dorfbewohner, kommt hierher. Ich habe was ganz Großartiges für euch.“ Sie kamen alle neugierig, was dieser junge Mann zu sagen hatte. Da sagte er: „Ich habe ein Mantra bekommen, das will ich euch jetzt sagen. Es lautet: „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“. Ihr könnt das immer für euch wiederholen. Mein Meister, der eine so machtvolle Ausstrahlung hat, hat gesagt, wer dieses Mantra wiederholt, der erfährt Heilung von diversen Krankheiten, hat psychische Freude und geistige Stärke. Wiederholt es alle mit mir!“

Also wiederholten sie alle: „Om Namo Bhagavate Vasudevaya, Om Namo Bhagavate Vasudevaya“. Jetzt waren aber manche der Mitschüler von unserem Aspiranten im gleichen Dorf. Sie rannten zum Meister und sagten: „Meister, dieser Ramanuja, der ist aufs Dach geklettert und hat das ganze Dorf das geheime Mantra wiederholen lassen.“

Zornentbrannt ging der Meister in das Dorf. Ramanuja sah den Meister von weitem kommen, stieg runter von dem Dach, verneigte sich vor dem Meister und sagte: „Oh Meister, es ist eine große Ehre, dass du mich besuchst.“ Der Meister sagte: „Du Scheinheiliger! Ich habe euch das Mantra gegeben und keiner sollte es weitergeben. Jetzt verneigst du dich vor mir und eben noch hast du meinen Worten zuwider gehandelt.“ Da sagte der Ramanuja: „Oh Meister, ich weiß, ich werde in die Hölle gehen, ich bin mir dessen voll bewusst. Aber schau Meister, so viele in diesem Dorf werden jetzt Gotteserfahrungen machen, so viele werden ihre Krankheiten heilen, geistige Stärke bekommen, Freude im Herzen und im Geist haben. Dafür gehe ich gerne in die Hölle. Und die Jahre, die mir noch vergönnt sind, bis ich dann in die Hölle gehe, will ich gerne weiter allen Menschen das „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“ wiederholen.“

Der Meister schaute seinen Schüler an, sah das weite Herz und die Opferbereitschaft des Schülers und nickte: „Oh Ramanuja, du bist ein größerer Heiliger als ich. Lehre das Mantra weiter. Ich kann dir versichern, jemand, der so selbstlos ist wie du, der wird nicht in die Hölle gehen. Da du anderen so sehr helfen und dienen willst und bereit bist, dafür alles auf dich zu nehmen, wirst du sicherlich mit Gott verschmelzen.“

Hari Om Tat Sat


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Om Namah Shivaya. Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute möchte ich euch die Geschichte erzählen, wie aus dem Räuber Ratnaka der große Heilige Valmiki wurde. Das ist eine Geschichte, die auch den Ursprung der Ramayama miterzählen will.

Es war einmal auf einer alten indischen Handelsstraße ein Räuber namens Ratnaka. Dieser hatte sich darauf spezialisiert, Leute zu überfallen, indem er von oben von einem Baum auf sie herunter sprang und ihnen ein Schwert vor die Gurgel setze. Dieser Ratnaka war eine ziemliche Plage. Der König sandte mehrmals Patrouillen aus, um ihn zu fangen, aber keinem gelang es.

Eines Tages kam ein Weiser namens Narada des Weges. Narada war immer in Gottesbewusstsein. Er hatte eine Vina und tänzelte so durch die Gegend und sang: „Om Namo Narayanaya Om Namo Narayanaya“. Plötzlich sprang ihm der Ratnaka direkt vor die Nase und steckte ihm das Schwert an die Gurgel. Mit etwas Mühe faltete Narada seine Hände vor dem Herz, so wie es angemessen ist, wenn man jemanden trifft und sagte: „Om Namo Narayanaya. Was kann ich für dich tun?“ Das hatte Ratnaka noch nie gesehen. „Hast du keine Angst vor mir?“ fragte er. „Om Namo Narayanaya“, sagte Narada ganz erstaunt. „Warum sollte ich Angst haben?“ Da sagte Ratnaka: „Weißt du nicht, wer ich bin?“ Narada antwortete: „Wir haben uns noch nicht miteinander vertraut gemacht. Mein Name ist Narada. Wer bist du?“ - „Ich bin Ratnaka, der größte Räuber aller Zeiten.“ - „Schön dich zu treffen!“ - „Weißt du nicht,“ sagte der Ratnaka, dass es eine Regel auf dieser Straße gibt?" - "Lieber Ratnaka, um Regeln kümmere ich mich nicht so. Ich gehe so des Weges und singe, und die Menschen geben mir manchmal etwas und manchmal nicht. Wenn ich dabei versehentlich eine Regel übertrete, haben die Menschen die Neigung, mir das zu vergeben. Welche Regel gilt denn hier?“ Ratnaka sagte: „Du musst mir entweder 100 Goldmünzen geben, oder ich schlage dir die rechte Hand ab.“ „Oh, das ist natürlich ein Problem. Ich trage nie Geld bei mir. Ich habe natürlich meine rechte Hand bei mir und wenn du willst, kannst du sie gerne haben. Vielleicht willst du ja auch die Vina haben und ich zeige dir, wie man sie spielt. Denn was willst du mit meiner Hand anfangen?“

Inzwischen war Ratnaka hoffnungslos durcheinander. Da lächelte Narada ihn an und sagte: „Weißt du, einen armen, alten, wehrlosen Mann wie mich hier zu bedrohen, das gereicht dir nicht zur Ehre. Ich kenne einen, der ist stärker als du, den könntest du mal zu besiegen versuchen.“ „Stärker als ich? rief da Ratnaka. „Das gibt es nicht. Ich bin der Stärkste überhaupt.“ Da sagte Narada: „Doch, ich kenne jemanden. Das ist dein eigener Geist.“ „Mein was?“ „Dein eigener Geist. Sag mal deinem Geist, dass er eine Minute lang an nichts denken soll und dann guck, wer ist stärker, du oder dein Geist.“

Ratnaka probierte das eine Minute lang, schloss die Augen und sagte seinem Geist: „Denke an nichts!“ Ihr wisst alle, was passiert, wenn man seinem Geist sagt, er soll an nichts denken. Er produziert eine außergewöhnliche Fülle von kreativen Neuigkeiten in unserem Kopf. Ratnaka machte die Augen wieder auf, schaute Narada an und sagte: „Gibt es einen Trick?“ Er wusste ja, dass es für alles einen Trick gibt. Da sagte Narada: „Ja, es gibt einen Trick. Wiederhole ein Mantra. Über ein Mantra kriegst du deinen Geist unter Kontrolle. Für dich wird das Mantra Rama besonders gut sein.“

Ratnaka schaute ihn entsetzt an. „Rama? Das ist doch irgend so ein Gottesname. Ich will nichts Religiöses werden, ich will meinen Geist besiegen.“ Also überlegte Narada einen Moment und sagte dann: „Dann wiederhole eben Mara.“ „Gut, Mara kann ich wiederholen. Und das bringt was?“ „Ja, probiere es aus. Konzentriere dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, mache den Atem sehr ruhig und konzentriere dich und wiederhole mit mir zusammen: „Mara, Mara, Mara, Marama, Rama. Und jetzt wiederhole das weiter für dich!“

Ratnaka war nicht irgendwer, sondern ein erfolgreicher Räuber, der große Kontrolle hatte über seinen Geist. Er konnte oben auf dem Baum stundenlang verharren und punktgenau herunter springen. Er hatte die Kontrolle über seinen Körper schon bekommen. Mit dieser Willenskraft, Konzentration und Hingabe, wiederholte er jetzt: „Mara, Mara, Marama, Rama“ und relativ schnell erreichte er eine tiefe Konzentration. Er fiel in höhere Bewusstseinsstufen. Eine Stunde blieb Narada noch bei ihm und meditierte mit ihm, dann dachte er bei sich: „Der kann jetzt allein weiter meditieren.“ Und er ging weiter.

Nach einer Woche kam er zurück und wollte mal schauen, was mit seinem neuen Schüler passiert war. Niemand sprang ihm von oben her an. Da rief er also: „Ratnaka, wo bist du?“ Niemand antwortete. Da sah er, dass Ratnaka sich irgendwo hingesetzt hatte und dass, von seiner positiven Schwingung angezogen, Ameisen gekommen waren, die einen Ameisenhaufen um ihn herum gebaut hatten. Da sagte Narada laut: „Om Shri Ramaya Namah“ und so erwachte Ratnaka aus seinem tiefen Samadhi. Er war gänzlich transformiert und Narada gab ihm den Namen Valmiki. Das bedeutet: Der aus dem Ameisenhaufen Entstandene, oder der Wiedergeborene.

Valmiki hatte während dieser tiefen Meditation Zugang gefunden zu einem höheren Bewusstsein. Er hatte Rama geschaut und dessen Geschichte aufgeschrieben. Daraus entstand dann die Ramayana. Diese Geschichte soll zwei Dinge verdeutlichen. Erstens: Was auch immer wir tun, wenn wir es gut tun, dann stärkt es unseren Geist. Und mit der Stärke unseres Geistes können wir in die Spiritualität hinein gehen. Zweitens: Wenn man ein Mantra wiederholt – egal, ob man die Bedeutung kennt oder nicht, egal, ob man es will oder nicht – dann kommt man in einen tieferen Zustand und kann gänzlich transformiert werden.

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Was ist Samadhi?

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen

Ich lese etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Samadhi“. Samadhi ist der überbewusste Zustand. Samadhi ist der Zustand von Einheit. Samadhi ist der tiefe Zustand der Meditation.
Ich lese die ersten Sätze aus dem Kapitel:
„Samadhi ist Einheit. Samadhi ist überbewusste Erfahrung. Samadhi ist Adhyatmic Anubhava, die Verwirklichung des wahren Selbst.“
In diesen drei Sätzen steckt eigentlich schon fast alles drin. Samadi ist Einheit, ist eine Erfahrung. Samadhi ist kein Glaube, sondern Samadhi ist die Erfahrung die man macht, wenn alle Gedanken zur Ruhe gekommen sind,wenn man dabei vollkommen bewusst ist, wenn man die Grenzen transzendiert hat von Zeit, Raum, Kausalität, von Subjekt-Objekt, die Grenzen transzendiert hat von „Ich nehme etwas wahr.“. Sondern einfach reine Bewusstheit da ist, jenseits aller Grenzen, erfahren wir die Einheit. Das ist die Erfahrung aller großen Meister aller Traditionen. Nicht nur im Yoga, im Buddhismus, in der christlichen Mystik, auch in der islamischen Mystik, dem Sufismus, in Naturreligionen, wo auch immer.

Wann immer es Menschen gelungen ist, sei es zufällig oder über spirituelle Praktiken, den Geist zur Ruhe zu bringen, erfahren sie Einheit. In all den großen spirituellen Traditionen wird gesagt, es gibt nur ein einziges Bewusstsein. Im Deutschen gibt es kein Plural von Bewusstsein, es gibt nicht Bewusstseine oder Bewusstseins, es gibt nicht Consciousnesses, sondern es gibt nur eine einzige Bewusstheit und die beruht aus dieser Erfahrung. Wenn Bewusstsein losgelöst ist von Worten und Bildern, ist es reine Erfahrung, Einheit. Das wird überbewusste Erfahrung genannt. „Überbewusst“ trifft es jetzt natürlich nicht wirklich, es ist reine Bewusstheit. Es ist über das hinausgehend, was wir jetzt im Alltag erfahren. Im Alltag spürt man: „Ich bin hier, die anderen sind dort.“ und da gibt es noch alles Mögliche, was wir erfahren können. Über dieses Alltagsbewusstsein hinausgehend gibt es die Möglichkeit, die eine unendliche Erfahrung zu machen.

Im dritten Satz beschreibt Swami Sivananda hier die Verwirklichung des wahren Selbst. Schon im alten Griechenland hieß es: „Gnothi seauton. Erkenne dich selbst.“ Diese Erkenntnis des Selbst suchen die Menschen. Viele wollen sich selbst verwirklichen, im Sinne von, herausfinden: „Was ist meine Persönlichkeit? Was ist in mir an Talenten da?“ Man will ein authentisches Leben führen, nicht ein fremdbestimmtes Leben. Wenn man das auf einer relativen Weise probiert, wird man feststellen, dass das wie eine Chimäre, der man hinterher jagt. Alle menschlichen Handlungstendenzen, alle menschlichen Vorstellungen, Talente, Fähigkeiten sind irgendwo doch über Erziehung, Genetik, Evolutionspsychologie usw. erklärbar, begründbar. Sie sind ein persönliches Erbe letztlich auch der Evolution. Aber „Was bin ich wirklich, jenseits von all dem?“ Das ist dieses Bewusstsein, welches sich widerspiegelt in Körper, Persönlichkeit, Psyche usw. In Samadhi können wir tatsächlich erfahren, wer wir sind.

Im nächsten Satz scheibt Swami Sivananda: „Samadhi ist Ekstase, wonnevolle Vereinigung.“ Damit beschreibt er auch, dass es nicht nur um eine abstrakte Bewusstheit geht, sondern um Wonne, wahre Freude. Hier können wir sagen, der Mensch strebt danach, glücklich zu sein. Das klingt banal, viele Schlager haben dies zum Thema gehabt und haben es auch heute noch. Aber was ist Glück? Es gibt relatives Glück, welches uns niemals zufrieden stellen wird. Was auch immer der Mensch erreicht, er strebt nach mehr. Was auch immer man für schöne Erfahrung hat, sie vermag es nicht, einen dauerhaft zufrieden zu stellen. Tief im Inneren wissen wir, dass es mehr gibt. Es gibt unendliche Wonne, unendliches Glück. Dieses Glück ist erfahrbar in Samadhi.

 

Und so können wir sagen, bewusst oder unbewusst strebt jeder Mensch nach Samadhi. Wir streben nach Verbundenheit, was auch ein Ausdruck von Liebe ist. Wir streben nach Selbsterkenntnis. Wir streben nach Freude. All das ist erfahrbar in Samadhi.


Hari Om Tat Sat

 

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Das Universum ist die absolute Wirklichkeit

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichenInspirationen!
Heute lese ich aus dem Viveka Chudamani von Shankaracharya, Vers 225.Shankaracharya, der große Vedanta-Meister schreibt hier:
„Die unendliche, absolute Wirklichkeit ist Wahrheit und Erkenntnis, rein, erhaben, in sich vollendet. Ihrem wahren Wesen nach Glückseligkeit. Identisch mit der eigenen Seele, ewig, siegreich.Diese absolute Wahrheit ist die höchste Alleinheit, weil es nichts anderes gibtals dieses eine allumfassende Selbst, es gibt wahrlich nichts anderes, wenn man die Wirklichkeit des höchsten Wesens erkennt.

Aus Unwissenheit erscheint die ganze Welt vielgestaltig, doch ist dieses Universum die absolute Wirklichkeit allein, frei von der Unvollkommenheit des Denkens. Alles, was existiert ist eine Wirkung dieser höchsten absoluten Wirklichkeit, nichts als die höchste Wahrheit und nicht verschieden von ihr. Wer behauptet, es gäbe einen Unterschied, ist in Unwissenheit und redetunverständlich.

Ein berühmtes Wort aus der heiligen Schrift des Atarvan, aus dem Veda lehrt,das Universum ist die absolute Wirklichkeit. Dieses Universum ist nichts anderes als Manifestation der absoluten Wirklichkeit. In dieser absoluten Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied zwischen dem, was der absoluten Wirklichkeit zugeschrieben wird und der tatsächlichen absoluten Wirklichkeit.“


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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichenInspirationen!
Heute lese ich etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“, aus dem Kapitel„Vedanta“. Vedanta heißt, das Ende des Wissens. Swami Sivananda schreibt hier: „Vedanta ist Brahma Vidya, das Wissen von Brahman. Vedanta ist Moksha Shastra, die Wissenschaft von der Befreiung.“


Im Vedanta geht es darum, Brahman zu erfahren. Was ist Brahman? Brahman kannnicht erläutert werden, Brahman ist der Ausdruck für die höchste Wahrheit. Diehöchste Wirklichkeit, die gleich bleibt in Vergangenheit, Gegenwart undZukunft, die hinter dem ganzen Universum steht, für das, was schon da war,bevor das Universum gab und das, was weiter da ist, wenn das Universum nichtmehr da ist.
Brahman kann auch beschrieben werden als Satchidananda, absolutes Sein,absolute Bewusstheit, absolute Seligkeit. Absolut heißt losgelöst. Losgelöstvon allen Konzepten. Losgelöst von Subjekt-Objekt-Trennung. Losgelöst von allem,was wir uns vorstellen können. Deshalb wird es im Buddhismus als Nirwanabeschrieben, als nichts von dem, was wir uns vorstellen können. Shunyata, leervon allen Vorstellungsinhalten. Man kann es auch Purna nennen, die Fülle ansich.

Wie die verschiedenen Farben entstehen, weil ein Teil des ganzen Lichtesweggenommen wird, so entsteht die Welt, weil sich das Ganze teilt. Weiß, istkeine echte Farbe. Weiß enthält das volle Spektrum. Wenn man einen Teil davonwegnimmt, entstehen rot, grün, blau und gelb. Brahman ist alles, ist Purna, dieFülle. Wir können sagen, wenn von Brahman durch das Prisma unseres Geistes einTeil weggenommen wird, entsteht dieses Universum. Die Quelle von allem Lichtist das Vollspektrum-Licht. Die Quelle von jeder Materie, jeder Erfahrung istBrahman.

 

So geht es zu einem darum, zu erkennen, was Brahman ist. Esgeht darum, sich loszulösen von dem Relativen. Das heißt nicht, dass wir nichtim Relativen leben sollten. Wir können auch im Relativen leben, aber wir könneneben auch im Absoluten leben. Das ist Moksha Shastra, die Wissenschaft von derBefreiung.


Letzlich geht es also um die Befreiung von der Identifikation mit dem, was wirnicht sind. Identifikation von Selbstbildern, mit Fremdbildern, mit all dem,was wir denken, was wir sind, aber nicht wirklich sind. Das Konzept desAbsoluten ist der Schlüsselbegriff der Vedanta-Philosophie, schreibt SwamiSivananda. Es geht darum, zu einer höheren, absoluten Wirklichkeit zu kommen. Diegroßen Meister sagen auch, das sei nicht einfach ein Konzept, keine intellektuelleGymnastik, nicht etwas für Philosophen an irgendwelchen Universitäten. Vedantaist nicht etwas, worüber man spricht, sich unterhält, Bücher schreibt, Vorträgehört. Vedanta gilt es zu erfahren.

Deshalb sagt Swami Sivananda Moksha Shastra: Es geht um Befreiung. Bewusst oderunbewusst strebt jeder Mensch nach diesem Moksha. Wir sind nicht zufrieden mitder Tatsache, dass der Körper irgendwann stirbt. Wir wissen intuitiv, dass es etwasmehr geben muss als den sterblichen Körper. Vielleicht im mittleren Alter, alsodreißig bis siebzig, denkt man manchmal, „Ich will meinen Körper länger gesundhalten.“ Man will sein Leben endlos ausdehnen. Die 70-Jährigen wollen dasmeistens nicht mehr, weil sie wissen, ab siebzig ist die Vorstellung, dass mannoch mal jung sein wird, illusorisch. Dennoch, das intuitive Wissen gibt es:„Es muss mehr geben und ich will jenseits dessen sein, was ein beschränkterKörper überhaupt ermöglicht.“ Menschen wollen nicht nur etwas Glück erfahren,sondern höchstes Glück, und diese Sehnsucht ist in jedem drin. In manchenMenschen ist sie umso stärker.

Vedanta sagt, dass der Mensch seiner wahren Natur majestätisch ist. Die vonVedanta gelehrte Botschaft ist die Einheit allen Seins. Vedanta proklamiert dieWirklichkeit des Unteilbaren, Innewohnenden und Transzendenten. Dabei wirdnichts ausgeschlossen, beim Vedanta wird alles eingeschlossen.

 

Hari Om Tat Sat

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Über sattwige und unsattwige Freuden im Leben

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichenInspirationen!

Es gibt eine alte Schrift, die nennt sich Katha-Upanishade,die spricht über das Angenehme und das Gute. Nicht über das Gute und dasSchlechte, sondern über das Angenehme und das Gute. Es gibt Shreyamarga undPreyamarga. Shreya, das Gute, Preya, das Angenehme. Die alten Lateiner habenauch schon gesagt: „Iucundus non senta bonum est. Das Angenehme ist nicht immergut.“ Manchmal ist das Angenehme nicht gut, manchmal ist das Gute nichtangenehm. Manchmal macht man Dinge, die weder gut, noch angenehm sind. Glücklicherweiseist oft das Angenehme auch gut und das Gute auch angenehm. Alle Verbindungensind irgendwie möglich. Das Angenehme kann natürlich auch neutral sein, dasGute kann auch weder angenehm noch unangenehm sein. Die Wirklichkeit istkomplex.

In der Bhagavad Gita spricht Krishna davon, dass es sattvige Freuden, rajasigeFreuden und tamasige Freuden gibt. Rajasige Freuden sind das, was am Anfang wieNektar ist und nachher wie Gift. So nennt es Krishna. Rajasige Freuden kommenaus dem Kontakt der Sinne mit den Sinnesobjekten. Eine Tafel Schokolade essenzum Beispiel. Das ist zunächst wie Nektar, eine Stunde später ist derBlutzuckerspiegel runter. Man hat ein Sugarlow oder langfristiger bringt es dieBlutzuckerregulation insgesamt durcheinander und es gibt alle möglichenKrankheiten. Das sind die rajasigen Freuden. Dann gibt es die tamasigenFreuden. Die sind weder am Anfang, noch am Ende wirklich Freude, aber derMensch kann sie trotzdem nicht lassen. Da würden die ganzen Süchte dazugehören,bei denen die Menschen wissen: „Eigentlich sollte ich das nicht machen, ich kannes trotzdem nicht lassen.“ Man erhält eine gewisse Befriedigung, aber eigentlichfühlt man sich schlecht, und zwar vorher, während man es macht und danach auch.Das sind die tamasigen Freuden, die nicht wirklich Freuden sind.


Die sattvigen Freuden fallen in zwei Kategorien, wobei Krishna da besonders dieerste Kategorie erwähnt. Sattvige Freude ist das, was zuerst wie Gift ist undnachher wie Nektar. Für Menschen, die es nicht gewohnt sind, frühmorgensaufzustehen und zu meditieren, ist das erstmal wie Gift, wenn morgens um 6 Uhrder Wecker klingelt. Man kommt irgendwie zur Meditation und fühlt sich aufeinmal gut. Es ist wie Nektar. Den ganzen Tag fühlt man sich besser, als wennman nicht meditiert hätte. Wer regelmäßig meditiert, weiß, der Tag verläuft anders,wenn man morgens meditiert. Der Tag verläuft anders, wenn wir morgens Pranayamaüben. Dann haben wir Kraft und Energie, die strahlt irgendwo den ganzen Tagaus.


Vielleicht überlegt man sich auch manchmal, lange zu schlafen und dann einschönes Croissant und Café au lait zum Frühstück zu essen. Wenn man stattdessenVollkornmüsli zu sich genommen hat, fühlt man sich allerdings um 11:00 Uhranders, als wenn man Kaffee und Croissant gegessen hätte.

Das Schöne ist ja, dass diese sattvigen Freuden, die zuerstwie Gift und nachher wie Nektar werden, irgendwann zur sattvigen Freude zweitenGrades werden. Das heißt, sie sind vorher wie Nektar, während man sie macht wieNektar und nachher auch wie Nektar. Die meisten, die regelmäßig morgensmeditieren, freuen sich schon beim Aufwachen: „Ach, bald kommt wieder dieMeditation.“ Angenommen, jemand hat eine Weile vegetarisch gelebt. Dannschüttelt einen schon die Vorstellung, dass da irgendwo ein Schnitzel auf demTeller sein könnte. Jemand, der längere Zeit nicht geraucht hat, fühlt sich anOrten, an denen geraucht wird nicht mehr wohl. Aber die Vorstellung irgendwo zusein, wo man von Zigarette und Fleisch frei ist, fühlt sich gut an. Es giltalso Viveka zu üben, die Unterscheidungskraft.
Manchmal muss man auf etwas verzichten, was zuerst wie Nektar ist, dann wieGift. Manchmal muss man vorübergehend das machen, was zuerst wie Gift erscheintund dann wie Nektar ist. Wenn man den Geist regelmäßig übt, wird manschließlich das mögen, was gut für einen ist. Ab und zu mal wird es die sogenannten kleineren Sünden geben, das gehört zu einem gesunden und harmonischgelebten spirituellen Leben dazu. Manche rajasigen Freuden sind auch ganzharmlos und würzen den Alltag, solange man gelernt hat, die sattvigen Freudenim besonderen Maße zu genießen.


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Sünde und Negativität gibt es nicht

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichenInspirationen!
Ich lese etwas aus dem Buch „Sadhana“ von Swami Sivananda. Das ist dieFortsetzung von dem, was ich gestern gelesen hatte aus dem Kapitel „Sadhana desSivananda Upadeshamritam“.

 

Swami Sivananda schreibt hier:
„Entschlossenheit und Selbstvertrauen sind überaus notwendig, um in der Selbstverwirklichung erfolgreich zu sein. Inder Mundaka-Upanishade steht, dieser Atman kann nicht von jemandem erreichtwerden, der ohne Kraft danach strebt und auch nicht durch schwache Bemühungen.Wenn aber ein Weiser mit großer Anstrengung danach strebt, geht er in Brahmanein.
Mut ist eine wichtige Eigenschaft für den Strebenden. Abhayam steht an ersterStelle unter den Daivi Sampati, den göttlichen Eigenschaften, die in derBhagavad Gita genannt werden. Ein zaghafter, ein furchthafter Mensch stirbtviele Male, bevor er wirklich stirbt. Wenn du dich für geistige Praktikenentschieden hast, halte beharrlich um jeden Preis daran fest. Komme, was wolle.
Sei unerschrocken, erhebe dich, verwirkliche die Wahrheit, verkündige sieüberall. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Das Schicksal ist deineeigene Schöpfung. Du hast dein Schicksal durch Gedanken und Handlungengeschaffen. Du kannst es durch richtiges Denken und Handeln verändern. Und auchwenn die äußeren Umstände oder eine negative Kraft dich zu beeinflussenscheint, kannst du ihre Kraft verringern, indem du die Existenz des Bösenentschlossen leugnest oder deinen Geist entschieden davon abwendest.“


In Indien gibt es einen weit verbreiteten Aberglauben, dass es irgendwelcheGeister gibt, die einen negativ beeinflussen oder irgendwelche ungünstigen astrologischenKonstellationen,  oder dass Menschen miteinem bösen Blick einen beeinflussen. Auch im Westen und sogar in Yogakreisengibt es oft die Vorstellung, dass irgendjemand eine negative Schwingung hat. Vielleichtmag das auch in dem ein oder anderen Fall so sein. Swami Sivananda sagt zu solchenInterpretationen hier: „Du kannst dieseKraft verringern, indem du die Existenz des Bösen entschlossen leugnest oderdeinen Geist entschieden davon abwendest.“

 

Je mehr man sich damit beschäftigt, was jemand vielleichtNegatives über einen denkt, desto stärker wird diese Kraft. Wenn wir davonausgehen, dass jeder Mensch irgendwo in sich das Positive will und dass das,was er macht, nicht wirklich negativ ist, sondern nur eine Herausforderungenfür uns, dann ist diese Kraft nicht so stark.

„Der eine Gedanke: „Ich bin dasunsterbliche Selbst, der Atman.“ wird alle negativen Kräfte und schlechteEinflüsse aller Planeten aufheben und dir Mut und innere geistige Krafteinflößen.“
Hier geht es um diese Bewusstheit: „Ich bin nicht beschränkt auf Körper, ichbin nicht beschränkt auf Denken, ich bin nicht beschränkt auf die Emotionen,sondern ich bin das Bewusstsein hinter allem. Ich bin das unsterbliche Selbst.Ich bin Satchidananda.“
„Falsches Denken ist die Ursache allenmenschlichen Leidens. Pflege richtiges Denken und richtiges Handeln. Arbeiteselbstlos im Sinne der Einheit mit Atmabhav.“


Atmabhav heißt die Vorstellung, dass es ein Selbst hinter allen Wesen gibt. Wirsind alle miteinander verbunden. Wenn wir da heraus handeln, dann entsteht Liebe.

„Dieses ist rechtes Handeln. Rechtes Denkenist, „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“ So etwas wie Sünde gibtes nicht. Sünde ist nur ein Versehen. Sünde ist eine Schöpfung im Geist. DieKindseele muss im Lauf der Entwicklung Fehler machen. Fehler sind die bestenLehrer. Die Vorstellung von Sünde wird sich in Luft auflösen, wenn du denkst:„Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“


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Du bist Göttliche Natur, werde dem gerecht

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Das Kapitel „Sadhana des Sivananda Upadeshamritam“passt vom Thema her gut zu der Essenz von Skanda-Shasti, der Entwicklung von Mut und Vertrauen.

Swami Sivananda schreibt hier:
„Du bist göttlicher Natur. Werde dem gerecht. Fühle und erkenne diese göttliche Natur. Du bist Meister deines Schicksals. Verliere nicht den Mut, wenn sich Sorgen, Schwierigkeiten und Kummer im Kampf des täglichen Lebens einstellen. Schöpfe Mut und spirituelle Kraft von innen. Im Inneren ist ein großer, unerschöpflicher Speicher von Kraft und Wissen. Lerne die Methoden, die Quelle anzuzapfen.
Tauche tief ein. Versinke, tauche ein in die heiligen Wasser der Unsterblichkeit. Du wirst sehr erfrischt, regeneriert und belebt sein, wenn du an die göttliche Quelle gehst und feststellst: „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“ Verstehe die Gesetze des Universums. Bewege dich feinfühlig. Lerne die Geheimnisse der Natur. Erlerne die besten Methoden, um den Geist zu beherrschen. Kontrolliere deinen Geist. Den Geist zu beherrschen heißt tatsächlich, Natur und Welt zu beherrschen.

Die Beherrschung deines Geistes versetzt dich in die Lage, zur Quelle der Seelenkraft zu gelangen und du wirst feststellen: „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“ Murre nicht, grolle nicht, wenn Schwierigkeiten und Sorgen auf dich zukommen. Jede Schwierigkeit ist eine Gelegenheit, den Willen zu erwecken und stark zu werden. Heiße sie willkommen. Schwierigkeiten stärken den Willen, steigern das Durchhaltevermögen und lenken den Geist auf Gott. Begegne ihnen mit einem Lächeln. In deiner Schwäche liegt deine wahre Stärke. Nichts kann dir wirklich etwas anhaben. Überwinde eine Schwierigkeit nach der anderen. Das ist der Anfang eines neuen Lebens, eines Lebens des Weiterwerdens, eines Lebens des göttlichen Glanzes. Strebe, bewege dich, entwickle dich, wachse, werde weit. Baue alle in dir schlummernden positiven, tugendhaften Eigenschaften auf. Die Daivi Sampati, die göttlichen Kräfte in dir, Kraft, Geduld und Mut. Beginne so ein neues Leben.

Gehe den spirituellen Weg und erkenne: „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“ Ändere deinen Blickwinkel. Rüste dich aus mit Frohsinn, Heiterkeit und innerem Verständnis. Eine großartige Zukunft erwartet dich. Begrabe die Vergangenheit. Du kannst Wunder vollbringen. Du kannst Erstaunliches leisten. Gib die Hoffnung nicht auf. Du kannst etwaige schädliche Einflüsse ungünstiger Planeten durch deine Willenskraft zunichte machen. Du kannst über alle äußeren Kräfte hinauswachsen. Du kannst ungünstige Umstände zu den bestmöglichen machen. Viele haben es getan, auch du kannst es. Mach es, erkenne, fordere dein Geburtsrecht jetzt. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.“

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Die Geschichte vom Schafslöwen

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen!
Diese Geschichte war vermutlich Swami Vishnudevanandas Lieblingsgeschichte. Viele von euch haben sie schon öfters gehört. Gerade weil sie so wichtig ist, ist es gut, sie öfters zu hören und noch wichtiger danach zu handeln. Das ist die Geschichte von Schafen und Löwen:

Es war einmal vor langer, langer Zeit eine Löwin und sie war trächtig. Als sie gerade das Kind geboren hatte, starb sie bei der Geburt. So war das Löwenbaby ohne Mutter. Das Löwenbaby schrie ganz herzerbarmend und suchte nach der Mutter. Zur gleichen Zeit gab es eine Schafsmutter, deren Baby gestorben war. So schrie die Schafsmutter vor Schmerz und das Löwenbaby hörte eine Mutter. Die beiden fanden sich und so adoptierte die Schafsmutter unser Löwenbaby. Das Löwenbaby saugte seine erste Milch von der Schafsmutter.

Später fing es an, Gras zu fressen, wie die anderen Schafe. Der kleine Löwe fing an, zu blöken wie die Schafe und dachte, er wäre ein Schaf. Irgendwie merkte er, er war ein bisschen anders als die anderen Schafe. Deshalb dachte er, er wäre ein minderwertiges Schaf. Er wuchs auf mit Minderwertigkeitskomplexen und mangelndem Selbstwertgefühl.

Eines Tages kam der Berglöwe, der König des Waldes. Der wollte mal nach dem Rechten schauen und sah die Schafsherde. In der Mitte der Schafsherde sah er einen großen Löwen, ein Mitglied seiner königlichen Familie. Er fraß dort gerade Gras und wurde von den Schafen hin und her geschupst. Offensichtlich war er ganz verschüchtert: „Was für eine Unehre für die königliche Familie.“ Er hatte kein Auge mehr für die Schafe, er wollte nur gucken: „Was ist das für ein komischer Löwe?“ Er rannte dort runter, die Schafe stoben in alle Richtungen weg. Unser Berglöwe packte den Schafslöwen am Schlafittchen und fragte: „Was machst du hier?“ Da sagte der kleine Löwe: „Bäh, bäh, bäh. Ich bin der einzige Sohn meiner Mutter.“ „Deine Mutter, wo ist denn deine Mutter?“ „Ja, die rennt da hinten, aber die kriegst du nicht mehr.“ „Aber das ist doch ein Schaf.“ „Bäh, bäh, bäh. Natürlich, ich bin ja auch ein Schaf.“ „Was erzählst du? Du bist kein Schaf, du bist ein Löwe. Noch dazu bist du jünger als ich, eigentlich bist du stärker als ich. Du könntest einfach mal laut brüllen und ich würde gleich abhauen. Eigentlich, bist du viel größer und stärker.“ „Bäh, bäh, bäh. Ich glaube dir ja alles, aber bitte lass mich in Ruhe.“ „Ich werde dir beweisen: du bist kein Schaf, sondern ein Löwe.“ Unser Berglöwe zog ihn am Nackenfell zu einem See und sagte: „Was siehst du?“ „Bäh, ich sehe gar nichts.“ „Öffne gefälligst deine Augen! Ich tue dir schon nichts. Was siehst du jetzt?“ „Ich sehe Wellen.“ „Ja, schnauf nicht so viel. Mache deinen Atem ruhig! Drei bis vier Sekunden lang einatmen, drei bis vier Sekunden lang ausatmen. Was siehst du jetzt?“ „Ich sehe dich zweimal.“ „Schau genauer hin!“ Erstmals schaute unser Schafslöwe genauer hin, er bewegte seinen Kopf ein bisschen nach rechts, nach links. Schließlich schaute er unseren Berglöwen an, fragend, und der nickte und sagte: „Tat Tvam Asi. Das bist du.“ Unser Löwe erkannte: „Aham Simhasmi. Ich bin dieser Löwe.“ Und zum ersten Mal in seinem Leben brüllte er laut wie ein Löwe und hatte niemals mehr Angst vor irgendetwas.

Ich glaube, ihr wisst, was die Geschichte bedeutet. Wir sind alle wie Schafslöwen. Im Unterschied zu der Geschichte sind wir nicht nur Löwen unter Schafen, sondern wir sind alle Schafslöwen. Wir identifizieren uns mit etwas, was wir nicht sind: „Ich heiße sowieso, ich bin der und der. Das kann ich nicht und geht auch nicht. Bäh, bäh, bäh. Das ist zu viel und ist schwierig. Bäh, bäh, bäh.“ irgendwann kommt ein Berglöwe, der Meister, und sagt: „Du bist nicht dieses kleine, schwache Menschlein. Du bist das unsterbliche Selbst. Du bist der Atman. In dir ist alle Kraft drin. Was auch immer in mir ist, ist in dir und überall. Du bist das unsterbliche Selbst.“ Was sagen wir? „Oh Meister, du bist das unsterbliche Selbst, ich bin ein armer Schlumpf. Ich stelle gerne dein Bild auf den Altar, bete für meine Rückenbeschwerden und gib, dass meine Frau endlich Einsicht hat. Bäh, bäh, bäh.“ Der Meister sagt: „Nein. Du bist das unsterbliche Selbst, genau wie ich.“ Dann bringt uns der Meister zu einem See, der See ist die Meditation. Und dann sagt der Meister: „Jetzt meditiere! Was erfährst du?“

„Meister, meine Knie tun weh, mein Rücken tut weh, meine Schultern tun weh.“ Dann sagt der Meister: „Okay, praktiziere Asanas, dann wirst du besser sitzen können. Sitze regelmäßig.“ Nach einer Weile können wir vielleicht einigermaßen sitzen und der Meister sagt wieder: „Schau nach innen! Was siehst du?“ „Meister, ich sehe nur Gedanken. Ich denke an das, was in der Vergangenheit war. So viel aus der Vergangenheit kommt hoch. In bin inmitten von lauter Prozessen, Reinigungserfahrungen und so viel von der Vergangenheit.“ Der westliche Mensch suhlt sich geradezu in Vergangenheitssachen. „Was siehst du noch?“ „Ich sehe noch die Zukunft und was noch alles Schlimmes passieren kann.“ Dann sagt der Meister: „Du musst dein Prana kontrollieren. Übe Pranayama! Dann, in der Meditation, mache den Atem ruhig. Ist der Atem ruhig, wird dein Prana ruhig, wird das Prana ruhig, wird der Geist ruhig.“ Schließlich fragt der Meister: „Was hast du in der Meditation erfahren?“ „Meister, du bist mir in der Meditation erschienen und das war so großartig. Danke, für deine Gnade, dass du so großartig dich in mir manifestiert hast.“ Und dann sagt der Meister: „Tat Tvam Asi. Das bin nicht ich, das bist du. Diese Freude, die du in dir erahnt hast, diese Schönheit, diese Großartigkeit, das, was in dir die Unendlichkeit ist, kann wahrgenommen werden, Tat Tvam Asi, Das bist du.“ Und schließlich erkennen wir: „Aham Brahmasmi. Ich bin dieses Brahman.“ und wir brauchen niemals mehr Angst vor irgendetwas zu haben.

Beim Swami Vishnu und schon bei Swami Sivananda war diese Geschichte ein geflügeltes Wort. Er hat uns öfters gesagt, wenn wir gesagt haben: „Swamiji, das kann ich nicht.“: „Hör auf, zu blöken wie ein Schaf! Brülle wie ein Löwe von Vedanta!“ Da könnt ihr öfters daran denken, wenn ihr euch wieder erwischt…

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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