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Kommentar zum 2. Kapitel Verse 54 & 55

Was sind die verschiedenen Bedeutungen von Pratyahara? Warum sollte man Pratyahara üben? Und was sind die Folgen von Pratyahara? Das sind die Themen dieses Kommentars zum 54. und 55. Vers im 2. Kapitel des Yoga Sutra.

Patanjali schreibt:

„Wenn die Sinne nicht in Kontakt mit den Objekten treten, und gleichsam in die Natur des Geistes eingehen, dann entsteht Pratyahara – Zurückziehen der Sinne. So entsteht die höchste Meisterschaft über die Sinne.“

Pratyahara im Kontext des Yoga Sutra

Im Yoga Sutra wird in der 2. Hälfte des 2. Kapitels „Ashtanga Yoga“ beschrieben, also die 8 Stufen des Yoga. Dort gibt es

  • Yama: Ethik im Umgang mit anderen
  • Niyama: Der persönliche Lebensstil, manchmal auch genannt die Disziplin im Alltag
  • Asana: Sitzhaltung, geistige Einstellung, Körperhaltung im Alltag & die Yogastellungen
  • Pranayama: Die Atemübungen

Dann folgt Pratyahara, und Pratyahara ist der Abschluss des 2. Kapitels. Über Dharana, Dhyana und Samadhi schreibt Patanjali mehr im 3. Kapitel des Yoga Sutra. Und so ist Pratyahara so etwas wie ein Bindeglied zwischen dem 2. und 3. Kapitel. Pratyahara hat einige Gemeinsamkeiten auch mit Santosha (Zufriedenheit) und Tapas (persönliche Disziplin, auch Askese, bewusstes Tun von dem, was man nicht will). Pratyahara hat aber auch einiges zu tun mit Asana. Asana heißt ja die Sitzhaltung, und Patanjali sagt auch: Durch Meisterung von Asana entsteht das Nicht-Angreifen der Dvandvas. Man lernt, sitzen zu bleiben, auch wenn  es heiß wird, wenn es kalt wird, wenn es gut riecht, schlecht riecht, wenn es zieht oder nicht zieht – man bleibt einfach ruhig sitzen. Und das ist auch eine Form von Sinneskontrolle.                                                                                                            Pratyahara ist auch ein Ausbau von Pranayama. Patanjali hat auch von Pranayama gesagt: Es hilft fähig zu werden für die Konzentration. Und Pratyahara heißt ja auch Fähigkeit zur Konzentration.  – Was auch wieder heißt: Durch Pranayama kann man auch Pratyahara üben, denn es braucht ja Pratyahara für Dharana.

Und so ist es nicht ein einfaches Schreiten auf Stufen, von unten nach oben, sondern letztlich kann man sagen: Wir üben die unteren 6 Ashtangas, die unteren 6 Angas, und dann folgen irgendwann das 7. und 8. Alle Yamas haben Wirkung auf die anderen Ashtangas, und so kann man sagen, dass jeder dieser Teile sich mit der Kraft der anderen verbindet, um irgendwann zu Samadhi zu kommen.

Aber Patanjali hat ja schon bei „Ishvara Pranidhana“ gesagt: Es führt zu Samadhi. Patanjali hat schon gesagt, dass die Übung der Yamas an sich zur Überwindung von Avidya und Schmerzen führt. Damit könnte man sagen: Yama selbst führt schon zur Erlösung, Erleuchtung, Befreiung. Und so wirkt jedes einzelne Glied zur Befreiung, und die einzelnen helfen sich auch gegenseitig. Und der ganzheitliche Yogaweg hilft, indem wir alle Aspekte des Yoga praktizieren.

Was heißt Pratyahara?

Pratyahara heißt wörtlich „Rückzug“. Pratyahara hat tatsächlich verschiedene Bedeutungen.

  • Im Militärischen ist der Rückzug der Truppen Pratyahara. Eine Rückzugs – Bewegung.
  • Pratyahara bedeutet auch z.B. dass man sich zurückzieht aus dem Leben, so etwas wie ein Retreat. Retreat ist ja ein englisches Wort, und heißt auch „Rückzug“. Retreat ist im Englischen ähnlich doppeldeutig, wie Pratyahara, der Rückzug der Truppen heißt nämlich auch Retreat. Und eine Zeitlang intensiv zu praktizieren, und vielleicht zu schweigen, mindestens nicht in Kontakt zu treten mit der Außenwelt, ist Pratyahara, ist ein Retreat. So ist Pratyahara auch eine Zeit des Rückzugs, wo man nicht in Kontakt tritt mit Außenobjekten.
  • Pratyahara ist aber konkret auch der Rückzug der Sinne. D.h. die Fähigkeit, seine Sinne abzuziehen vom Außen. Normalerweise wollen die Augen etwas sehen. Normalerweise wollen die Ohren etwas hören. Die Nase will etwas Angenehmes riechen. Der Mund will etwas Angenehmes schmecken. Die Haut will eine angenehme Berührung haben, seien es angenehme Temperaturen, sei es angenehme Kleidung, ein schönes Bett, Zärtlichkeit usw. Die 5 Sinne wollen das. Viele Menschen haben dort Reiz-Reaktions-Mechanismen. Man geht irgendwo vorbei, man riecht etwas Gutes, was gut schmeckt, rennt hin und isst es. Man hört irgendetwas, was man nicht mag – es ändert die Stimmung. Man sieht etwas, und will es gleich haben. Man fühlt, es ist kalt, rennt zum Fenster und schließt es. Letztlich ist das alles ein würdeloses Betragen. Irgendwelche Knöpfe werden gedrückt, und Mensch rennt gleich. Pratyahara hat hier erstmal eine Ähnlichkeit mit Tapas, und mit Santosha: Santosha, Zufriedenheit, und Tapas eben Askese. Das ist schon mal wichtig. Und auch wie Asana: Eine Haltung, sich nicht so schnell beeinflussen zu lassen.

Pratyahara hat noch eine weitere Bedeutung. Pratyahara bedeutet auch, seinen Geist in eine meditative Stimmung zu versetzen, wo der Kontakt der Sinne zur Außenwelt nicht mehr von Bedeutung ist.

Was schreibt Patanjali dazu tatsächlich? „Wenn die Sinne nicht in Kontakt mit den Objekten treten, gleichsam in die Natur des Geistes eingehen, entsteht Pratyahara.“

Jetzt besteht das Yoga Sutra aus vielen Sanskrit-Worten, die tausend verschiedene Bedeutungen und Unterbedeutungen haben. So kann man erstmal sagen, was ist Pratyahara? Pratyahara ist „anukara indriyanam“, also es ist Nachahmung, anukara, „gleich/sowie indriyanam svarupa, in die eigene Natur von citta“.

 

Und es heißt, dass sie nicht „asamprayoga“, nicht in Berührung kommen mit den Objekten. Pratyahara hat also etwas mit den „indriyas“zu tun, das spielt also eine Rolle. Die Sinne wollen nicht in Berührung kommen mit den „visaya“, den Objekten. Darum geht es bei Pratyahara.

Wie erreicht man es, dass die Sinne nicht in Berührung kommen mit den Objekten? Es ist mehr als Tapas und Santosha. Tapas und Santosha heißt, wir beherrschen uns. Wir lernen, Zufriedenheit zu üben, nicht den Reiz-Reaktions-Ketten zu folgen. Pratyahara ist noch mehr. Vollständig heißt Pratyahara, wir merken gar nicht, dass da etwas Äußeres ist. Man könnte sagen, Pratyahara ist manchmal die Konsequenz von Dharana. Angenommen, du bist sehr konzentriert, z.B. beim Lesen eines Buches, und dann merkst du gar nicht, dass vielleicht aus der Küche angenehme Gerüche kommen, weil dein Partner/deine Partnerin gekocht hat. Und du hörst noch nicht mal, wenn dein Partner/deine Partnerin dich ruft. Volle Konzentration des Geistes heißt, du hörst nichts. In anderer Form kennst du das natürlich auch, z.B. wenn du schläfst. Dann merkst du auch nicht unbedingt, wenn etwa die Temperatur im Raum etwas sinkt oder erhöht ist, oder wenn da irgendwelche Geräusche sind. Menschen können lernen, auch an Autobahnen zu schlafen, ohne dadurch allzu sehr gestört zu sein. Also, wenn du konzentriert bist, oder dein Gemütszustand auf einer anderen Ebene ist, dann kommen deine Sinne nicht in Kontakt mit den Objekten.

Und das bewusst herbeiführen zu können, das ist dann Pratyahara. Angenommen, du gehst irgendwo an einem Naturkostladen vorbei, und du weißt, der hat deine Lieblings-Süßigkeit, und du merkst plötzlich, wie der Wunsch kommt, sie zu kaufen, wie vielleicht sogar die Gier kommt. Wenn du dann in der Lage bist, erstmal zu erkennen „Nein, will ich nicht!“, das wäre eine Art viveka. Dann eine Selbstbeherrschung, Tapas. Vielleicht auch innere Zufriedenheit zu entwickeln, Santosha. Und dann richtest du deinen Geist auf etwas anderes, dass du gar keinen Frust spürst, dann ist das Pratyahara. Und das ist etwas, was du im Alltag üben kannst. Nicht nur Tapas und Santosha, und nicht nur als Einstellung Asana, also eine von Ruhe und Gelassenheit geprägte Einstellung, sondern bewusst Lernen, den Geist abzuziehen von den Objekten, auszurichten auf etwas Spirituelles. In dieser Hinsicht ist z.B. auch Mantra etwas sehr Effektives, um Süchte zu überwinden. Wenn die Gier nach etwas kommt, nimmst du es wahr. Du  nimmst dir vor, der Gier nicht zu folgen – Tapas. Dann wiederholst du ein Mantra, und du richtest deine Aufmerksamkeit auf etwas Höheres. Das wäre dann Pratyahara in Verbindung mit Dharana.

Eine nächste Möglichkeit – und das ist dann auch eine praktische Pratyahara-Technik – wäre: Wenn du irgendwie gestört wirst durch das, was du siehst, dann konzentriere dich auf deine Augen. Wenn du gestört wirst, durch das, was du hörst, dann konzentriere dich auf die Ohren. Ziehe also die Energie der Sinne auf ihr Zentrum zurück. Auch das wäre eine Interpretation dieses Verses. Z.B. auch in bestimmten Formen der „Abheda Bodha Vakya Meditation“, oder auch in der Laya Meditation wird genau diese Pratyahara-Technik geübt. Ziehe also deinen Geist zurück in die Sinne selbst! Und wenn du merkst, dass der Wunsch entsteht, etwas Gutes zu essen, bringe die Konzentration in deinen Mund hinein. So ziehst du die Energie des Geschmacksorgans zurück in das Organ selbst.

Hier siehst du also mehrere Techniken für den Alltag:

  1. Wahrnehmen, sich Beherrschen, den Geist nach innen richten, den Geist auf eine höhere Bewusstseinseben bringen.
  2. Bewusstsein in den entsprechenden Sinn bringen.

Diese oder andere Pratyahara-Techniken kannst du im Alltag üben, und so sagt eben auch Patanjali im 55. Vers: „So entsteht die höchste Meisterschaft über die Sinne.“

Übe also nicht nur Tapas oder Santosha, Askese und Zufriedenheit, das Nicht-befolgen von Wünschen, sondern gehen weiter, um den Geist auf eine höhere Ebene zu bringen, dass überhaupt kein Frust entsteht, dass du dir deinen Wunsch versagt hast.

Diese Verse über Pratyahara werden auch noch in zwei anderen Kontexten wiederholt oder verwendet. Zum einen ist das ein Vers über Tiefenentspannung. Im Hatha Yoga gibt es ja die Haupttechniken Asana, Pranayama und Tiefenentspannung. Zu Asana gibt es Verse im Yoga Sutra, zu Pranayama gibt es Yoga Sutra Verse, und Tiefenentspannung ist eben auch eine Form von Pratyahara.

Tiefenentspannung heißt, du legst dich ruhig hin, und du lässt dein Bewusstsein subtiler werden, sodass dein Geist nicht mehr von irgendwelchen Sinnen abhängt. Und es entsteht trotzdem ein Gefühl der Leichtigkeit. Es gibt einige empirische Studien, die sagen: Wer Tiefenentspannung übt, dem fällt es leichter, sich von Süchten zu lösen. Wer Tiefenentspannung übt, dem fällt es leichter, auch im Alltag seinen Geist zu beherrschen. So ist also Tiefenentspannung auch eine Form des Rückzugs des Geistes.

Und hier sind wir auch in der modernen Forschung. Heute wird Tiefenentspannung manchmal als „vegetative Umstellung bezeichnet. D.h. im normalen Alltag ist es so, dass der Geist nach außen geht, er ist in Stress, geht öfter in die Stressreaktion hinein. Das Gehirn hat hohe Beta-Wellen, der Sympathikus ist aktiviert, Stresshormone (Adrenalin) werden ausgeschüttet usw. Die entgegengesetzte Reaktion, Pratyahara, Rückzug, ist dann die Entspannungsreaktion, erzeugt durch Tiefenentspannungstechniken. Tiefenentspannung führt dann dazu, dass die Beta-Wellen im Gehirn weniger werden, die Alpha-Wellen werden höher. Manchmal werden sogar Delta- oder Theta-Wellen höher. Andere Hirnregionen werden aktiv, die selektive Aktivierung einer Hirnregion in der Stressreaktion wird heruntergefahren, Stresshormone werden abgebaut, Glückshormone ausgeschüttet. Der ganze Organismus zieht sich nach innen zurück. Das ist wirklich Pratyahara. Dadurch werden Reparatur-Vorgänge verbessert, es werden Krankheitserreger besser vernichtet, das Immunsystem wird verbessert. Die innere Kreativität wird verbessert. In diesem Sinne heißt Tiefenentspannung ein Rückzug nach innen, und der gesamte Organismus kann sich besser regenerieren. So ist Tiefenentspannung Pratyahara. Und diese Tiefenentspannung ist so wichtig, auch wichtig, um dann im Alltag seine Sinne wieder gut nutzen zu können.

Die nächste Bedeutung von Pratyahara ist das Erzeugen eines meditativen Gemütszustandes in der Meditation. Wenn du meditierst geht das ja in 3 Schritten:

  • Asana: ruhig hinsetzen
  • Pranayama: Pranaregulierung durch Atmung
  • Pratyahara: den Geist hineinversetzen in eine meditative Stimmung, sodass die Indriyas nicht nach außen gehen

Die Indriyas gehen nach außen in einem bestimmten Modus des Geistes, und das ist der Alltagsmodus. Aber z.B. im Tiefschlaf gehen die Sinne nicht nach außen. Du hast im Tiefschlaf keinen Hunger, du hast im Tiefschlaf keinen Durst. Angenommen du fastest, und du bist vielleicht am 3. Tag des Fastens - für ungeübte Fastende oft der Tag, wo du doch ein bisschen frustriert bist, dass du mehr essen willst, dass du Fantasien hast, was du gerne essen willst…- aber wenn du im Tiefschlaf bist, nicht mehr. Im Tiefschlaf bist du in einem Modus, wo die Sinne nicht nach außen gehen. Aber diesen Modus, dass die Sinne nicht nach außen gehen, gibt es eben nicht nur im Tiefschlaf. Das geht ja auch im Alltag, wenn du gerade absorbiert bist in deine Arbeit. Dort spürst du weder die Temperatur, noch den Geruch, noch Hunger, noch stört dich die Autobahn, noch stören dich irgendwelche Computergeräusche. Du wirst sogar etwaige Fiepser und Piepser deines Computers oder des Smartphones deines Kollegen nicht hören. In bestimmten Modi des Geistes geht der Geist also nicht zu den Sinnen hin. Der Geist hat verschiedene Modi, man könnte sagen: Funktionszustände, und nur in einem konkreten gehen die Sinne nach außen.

Und so ist Pratyahara das Erzeugen eines Gemütszustandes, in dem die Sinne keine Bedeutung mehr haben. Und da gibt es eine Menge von Techniken. Z.B.:

  • Gebet: Zu Anfang der Meditation kannst du dich an Gott wenden mit einem Gebet.
  • Visualisierungen: Du kannst dir vorstellen, das Licht in dich hineinströmt, dass du Licht zu allen Wesen schickst. Du kannst dir ein spitrituelles Symbol vergegenwärtigen, oder du kannst dir vorstellen, dein Meister sitzt oder steht vor dir oder über dir, und segnet dich mit Licht.
  • Positive Affirmationen: Du kannst dir bewusst werden, wofür Meditation gut ist.
  • Bodyscan: Du kannst durch deinen Körper hindurchgehen, von unten nach oben.
  • Tiefenentspannung üben zu Anfang der Meditation

Also: Übe zu Beginn der Meditation etwas, was deinen Geist in einen meditativen Zustand bringt. Dann brauchst du dir keine Gedanken mehr zu machen über Ablenkungen. Erzeuge einen meditativen Gemütszustand, relativ zügig zu Anfang der Meditation. Dann geht es mit Dharana, der Konzentration, leichter, dann wirst du nicht so schnell abgelenkt.

Als Übung formuliert kann das heißen:

  1. Lerne es, im Alltag deinen Geist nach innen zu richten, Reiz-Reaktionsketten nicht einfach zu folgen, deine Wünsche zu beherrschen, und dein Bewusstsein noch mehr abzuziehen. Wenn es dir gelingt, Wünsche nicht zu befolgen und dabei keinen Frust zu haben, weil du dein Bewusstsein auf eine andere Ebene bringst, hast du Pratyahara gemeistert.
  2. Übe Tiefenentspannung noch bewusster, sodass dein Geist in einen anderen Modus kommt. Sei dir bewusst: Du brauchst Tiefenentspannung für Gesundheit und auch für Regeneration des Geistes.
  3. Überprüfe deine Meditation im Hinblick auf das Üben einer effektiven Pratyahara-Technik nachdem du dich hingesetzt hast (Asana), nachdem du den Atem gesteuert hast (Pranayama), und bevor du zu einem eigentlichen Meditationsthema kommst (Dharana).

 

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 2. Kapitel, Verse 49 bis 53

Was ist Pranayama im Yoga Sutra? Welche Arten von Atemübungen empfiehlt Patanjali? Warum sollte man Pranayama üben? Welche Wirkung hat Pranayama? Das sind einige Themen, die Patanjali behandelt, und die Sukadev hier kommentiert. Die Verse über Pranayama, die Atemübungen, können auch deiner Pranayama-Praxis neue und wichtige Impulse geben.

Hier zunächst die Verse des Patanjali:         

„Die nächste Stufe, nach Asana, ist Pranayama, die Beherrschung der Bewegung von Einatmung und Ausatmung.                                                                                           Pranayama ist Einatmung, Ausatmung und Anhalten des Atems.  Es wird durch Ort, Zeit und Dauer reguliert, fortschreitend verlängert und verfeinert. Die 4. Art des Pranayama geht über den Bereich von Einatmung und Ausatmung hinaus. Dadurch wird der Schleier, der das Licht verhüllt, entfernt. So wird der Geist tauglich für Dharana, für die Konzentration.“

Das sind eine Menge Verse über Pranayama. Letztlich sind es 5 Verse die Patanjali über Pranayama schreibt, und das ist außergewöhnlich. Keine der letzten 6 Ashtangas bekommt so viele Verse hintereinander, in denen diese Stufe so genau beschrieben wird. Daran können wir erkennen, für wie wichtig Patanjali Pranayama hält.

Pranayama hat ja verschiedene Aspekte. Sukadev hat zu Pranayama schon ganze Vortragsreihen gegeben:

  • Atemkurs für Anfänger
  • Pranayama-Kurs für Mittelstufe
  • Pranayama für Fortgeschrittene

Diese 3 Kurse zusammen sind vermutlich über 100 Videos zum Thema Pranayama. Es gibt auch die Vortragsreihe zur Hatha Yoga Pradipika, wo Pranayama ebenfalls sehr ausführlich beschrieben wird. Darum bezieht sich Sukadev in diesem Beitrag besonders darauf, was Patanjali selbst sagt.

Vers 49:

Zunächst noch einmal die Aspekte von Pranayama:

  1. Pranayama ist die Atmung in der Meditation: Wenn du dich hinsetzt – Asana – kannst du als nächstes den Atem regulieren – Pranayama. Und da gibt es eine Menge Atemtechniken, die du machen kannst, um dein Prana unter Kontrolle zu bringen und besser meditieren zu können. Gerade im Mantra-Meditationskurs gibt Sukadev auch einige Pranayamas an, mit denen du meditieren kannst. Oder auch in den Pranayama-Kursen, insbesondere Pranayama-Mittelstufe/-Fortgeschrittene gibt er einige Tipps, wie du mit speziellen Atemübungen den Geist zur Meditation führen kannst. Es gibt also eine Menge, was du machen kannst, nachdem du dich hingesetzt hast, um den Geist zur Konzentration vorzubereiten.
  2. Pranayama sind die Atemübungen, für die du eine bestimmte Zeit am Tag brauchst. Die bekanntesten sind Kapalabhati und Wechselatmung, und wahrscheinlich übst du diese Atemübungen. Wenn nicht, ist es jetzt Zeit, damit anzufangen. Dann gibt es verschiedene weitere Atemübungen, wie Shitali, Sitkari, Murchha, Plavini, Ujjayi, Surya Bheda, Bhastrika – das sind jene, die Svatmarama in der Hatha Yoga Pradipika erwähnt. Es gibt dann noch die verschiedenen Variationen von Sukha Pranayama, es gibt Kevala-Kumbhaka und noch viele andere.
  3. Pranayama kannst du im Alltag üben. Du kannst auch im Alltag über Atemübungen von innerer Unruhe zur Gelassenheit kommen. Du kannst den Ärger transformieren zu positiver Schaffenskraft. Du kannst Atemübungen im Alltag nutzen, um neue Energie zu bekommen.

Dies sind, wie gesagt, einige Aspekte von Pranayama, und. Hier hast du nun diese 3 Aspekte von Pranayama: Atmung in der Meditation, Atemübungen, für die du eine bestimmte Zeit brauchst als tägliche Abhyasa oder Sadhana / spirituelle Praxis, und Atemtechniken im Alltag.

Vers 50:

„Pranayama ist Einatmung, Ausatmung und Anhalten des Atems. Pranayama wird durch Ort, Zeit und Dauer reguliert, fortschreitend verlängert und verfeinert.“

Wenn du also dein Prana beherrschen willst, geht das über Atemübungen, sagt Patanjali hier. Und die Atemübungen beinhalten 3 Dinge: Einatmung, Ausatmung und Anhalten. Eigentlich ist das ein ganz genial einfacher Vers, er beschreibt, wie man alle Pranayamas unterscheiden kann.     

Alle Pranayama-Übungen bestehen irgendwo aus Einatmung, Anhalten und Ausatmung. Du kannst natürlich auch noch Anhalten nach dem Einatmen, Anhalten nach dem Ausatmen. Und dann gibt es verschiedene Formen von Pranayama. Dort gibt es zunächst einmal Desha, das ist der „Ort“. Du kannst durch das linke Nasenloch ein- und ausatmen und durch das rechte, durch beide Nasenlöcher, du kannst durch den Mund ein- und ausatmen. „Ort“ ist des weiteren auch: Wo atmest du? Du kannst mit dem Bauch atmen, mit dem Brustkorb, mit Bauch und Brustkorb, in die Lungenspitzen. Alle Pranayama-Übungen unterscheiden sich darin: Atmest du nur über den Bauch? Füllst du den Bauch vollständig oder nur teilweise, leerst du ihn vollständig oder auch nur teilweise? Beziehst du die Brustatmung mit ein? Beziehst du die Lungenspitzenatmung mit ein? Verbindest du auch die Atmung durch Anspannungen an verschiedenen Orten des Körpers, eben z.B. durch Mula Bandha, Jalandhara Bandha, Uddiyana Bandha, oder auch noch durch Finger-Mudras, Zungen-Mudras, Augen-Mudras usw.? Der Desha hat also einiges zu sagen. Atemübungen unterscheiden sich durch verschiedene Deshas, verschiedene Orte.

Sie unterscheiden sich auch durch Kala, und Kala heißt hier die „Zeit“. Du kannst eben längere Zeit Pranayama üben, du kannst kürzere Zeit Pranayama üben.

Und dann gibt es noch Sankhyabhih. Sankhyabhi heißt zum einenZahl“, „Dauer“, „Aufzählung“; man könnte es aber auch mit Rhythmus interpretieren. Z.B. das Verhältnis von Einatmen zu Anhalten und Ausatmen. Bekannt ist bei der Wechselatmung: 4 Sekunden einatmen, 16 anhalten, 8 Sekunden ausatmen, also im Verhältnis 1:4:2.  Oder auch bei Murccha: sehr viel länger ausatmen, als du einatmest. Kapalabhati: doppelt so schnell ausatmen, wie du einatmest, bei der schnellen Ein- und Ausatmung. Bhastrika: genauso schnell ein- und ausatmen, usw. So also unterscheiden sich die Atemübungen: Wo du ein- und ausatmest, dann auch, wie lange du das ganze machst, und in welchem Rhythmus du das ganze machst. Pranayama unterscheidet sich also durch Desha, Kala und Sankhya.

Und dann wird es schrittweise „dirgha“, d.h. verlängert. Du beginnst deine Pranayama-Übungen mit kurzem Pranayama, und du intensivierst sie. Was zum einen heißt, du verbringst mehr Zeit mit Pranayama, und zum zweiten auch dies: Normalerweise wirst du merken, dass du länger die Luft anhalten kannst, und auch einen langsameren Rhythmus üben kannst. Also dirgha, du verlängerst das Ganze.                                                                Jetzt kannst du z.B. auch überlegen: Hast du in letzter Zeit die Zeit für Pranayama verlängert? Wenn nicht, wäre es Zeit, sie wieder schrittweise zu verlängern. Und bemühst du dich auch, den Rhythmus zu verlangsamen? Es gibt ja manchmal auch die Frage: Wie langsam soll ich den Rhythmus in der Wechselatmung machen? Antwort: So langsam, wie es für dich angenehm ist. Die meisten werden ja anfangen mit 4-4-8: 4 Sekunden einatmen – 4 anhalten – 8 ausatmen. Dann geht es zu 4-8-8, dann zu 4-12-8, dann zu 4-16-8. Und geht 4-16-8 gut, dann gehe zu 5 Sekunden einatmen, 20 anhalten, 10 ausatmen. Dann 6-24-12, 7-28-14, 8-32-16. Das kannst du steigern, bis du auf 16-64-32 kommst. Nicht alle Menschen kommen so weit. Viele gehen bis 6-24-12, oder es gibt auch solche, die nicht über 5-20-10 kommen. Aber verlangsame im Laufe der Zeit den Atem, so weit, wie es eben geht.

Noch wichtiger ist dann „Sukshma“. Sukshma heißt subtil, verfeinert. Schrittweise ist der Atem subtiler. Irgendwann, wenn du Pranayama übst, ist nicht mehr der Atem wichtig, sondern du spürst tatsächlich Prana. Wenn du links einatmest, ist es nicht nur so, dass du links einatmest, sondern du atmest Prana ein. Du hältst die Luft an: Du spürst Prana nach oben steigen in die höheren Chakras. Du atmest aus, und du spürst, wie Prana mehr ausstrahlt. Und irgendwann wird es noch subtiler: Es ist nicht mehr Prana, sondern du spürst göttliche Inspiration, und du spürst, dass nicht mehr das Atmen wichtig ist, noch nicht mal mehr Prana, sondern du spürst göttliche Gegenwart. Pranayama wird so immer subtiler und verfeinert.

Vers 51:

„Die 4. Art des Pranayama geht über den Bereich von Einatmung und Ausatmung hinaus.“

Also dieses Caturthah ist das, was wir im Hatha Yoga als „Kevala Kumbhaka“ bezeichnen. Das heißt, Ein- und Ausatmung verschwindet. Pranayama wird so subtil, dass es kein Einatmen, kein Anhalten und auch kein Ausatmen mehr gibt. Manchmal fällt der Geist von selbst in dieses Caturthah hinein, in dieses Kevala Kumbhaka; ist der Geist konzentriert, kann es geschehen, dass der Atem fast aufhört. Wenn das geschieht, freue dich und behalte diese Konzentration bei.                                                                                                          Manchmal machen Menschen sich Sorgen. Sie sagen „Oh, ich habe gerade meditiert, und dann habe ich festgestellt, ich konnte nicht mehr atmen. Ist das gefährlich?“ – Es ist vollkommen ungefährlich. Es ist ein Zeichen der tiefen Meditation. Ist die Meditation tief, kann es geschehen, dass der Atem fast aussetzt. Und dann: Freue dich darüber, aber nicht zu intensiv. Wenn du dich sehr intensiv darüber freust, ist wieder die Identifikation da, „Ach, ich hab’s geschafft!“ Und in dem Moment, wo du sagst „Ich hab’s geschafft“, ist die Konzentration wieder weg. Dankbar zur Kenntnis nehmen, Geist weiter konzentrieren, in Dhyana führen, in Samadhi führen. Das wäre das Gute.                                                               Oder du könntest eben auch bewusst Kevala Kumbhaka erzeugen, indem du bei der Meditation die Menge an Luft, die du ein- und ausatmest, reduzierst. Und da gibt es ja auch einige Videos, die sich „Kevala Kumbhaka Meditation“ nennen, wo du dazu angeleitet wirst. Das ist auch eine Technik, um in die Tiefe der Meditation zu kommen.

Und wozu das Ganze? Das sagt Patanjali im 52. Und 53. Vers:

„Dadurch (tatah) wird aufgelöst (ksiyate) der Schleier, der das Licht verhüllt (prakasha avaranam).“

Also, wenn du Pranayama übst, dann wird dieser graue Schleier, der über deinem Geist ist, beseitigt. Patanjali hat das schon einmal über Tapas gesagt: Durch Tapas entsteht Sattva. Durch intensive spirituelle Praxis kommt Reinheit. Und hier ist es so ähnlich. Wenn du intensiv Pranayama übst, dann spürst du inneres Licht. Dann spürst du ein Strahlen, dann spürst du auch innere Freude. Yoga hat ja die optimistischste Weltanschauung und das optimistischste Menschenbild. Yoga sagt: Tief im Inneren bist du rein. Tief im Inneren bist du Freude. Tief im Inneren bist du Licht. Und wenn du intensiv Pranayama übst, dann wird der Schleier weggenommen, der das Licht verhüllt. Es wäre so ähnlich wie: Wenn vor der Sonne Wolken sind, und diese Wolken vertrieben werden, dann siehst du die Sonne strahlen. Nimm an, du bist irgendwo in einem Zimmer, und da ist es rauchig, du bläst den Rauch weg, und nachher strahlt und leuchtet es. Und so hilft intensives Pranayama, den Grauschleier zu vertreiben. Dann spürst du das Licht, dann spürst du die Freude des Selbst, Reinheit usw. Pranayama ist so machtvoll.

Vers 53:

„Dadurch wird der Geist (manas) geeignet (yogyata) für Dharana (dharanasu).“

Dein Geist wird zu Dharana befähigt durch Pranayama. Wenn du also jemand bist, dem es schwer fällt, sich zu konzentrieren, dann übe Pranayama. Es gibt Menschen, die haben eine natürliche Begabung für Meditation. Dann brauchen sie vielleicht nicht unbedingt so viel Pranayama zu üben. Aber, wenn du zu denen gehörst, denen es schwer fällt, den Geist eine halbe Stunde oder eine Stunde konzentriert zu halten in der Meditation, wenn du entweder in der Meditation wegnickst, oder wenn du in der Meditation einen sehr unruhigen Geist hast, dann übe viel Pranayama. Sei es, dass du zusätzlich zu deinen Asanas und Meditation viel Pranayama übst, sei es, dass du während der Meditation einige Pranayamas mit einbeziehst. Manche Menschen profitieren z.B. von dem Sukha Pranayama, wo du langsam einatmest, die Luft anhältst und ausatmest, während du bewegungslos sitzt für die Meditation. Andere Menschen können besonders gut meditieren durch die Ujjayi-Atmung, z.B. 8 Sekunden einatmen, 4 anhalten, 8 ausatmen, 4 anhalten. Und es gibt noch weitere Pranayama-Techniken in der Meditation, wozu natürlich auch z.B. Plavini gehört, oder auch Murccha, oder auch andere Techniken. Es gibt also einige Pranayama-Techniken in der Meditation, oder übe einfach viel Pranayama.                                                              Sukadev ist z.B. so dazu gekommen, sehr viel Pranayama zu üben: Er hat im Alter von 15 Jahren mit Meditation begonnen, seit er 16 war, übt er täglich Meditation. Er hatte Schwierigkeiten, seinen Geist zu konzentrieren, er wusste nur: Um die Erleuchtung zu erlangen, braucht es Meditation. So hat er viele Menschen gefragt, was er tun könne, um besser zu meditieren. Irgendwann hat ihm jemand gesagt: Übe viel Pranayama! Das hat er dann getan. Und so ist er über viel Pranayama in die Lage versetzt worden, sich in der Meditation zu konzentrieren, und er konnte eben auch erfahren: Viel Pranayama entfernt den Schleier, der das Licht verhüllt, und führt zu einer Erfahrung von viel Licht, viel Freude.

So kannst du jetzt gleich einen Moment nachdenken, ob du genügend Pranayama übst, oder ob du  noch einiges tun könntest, um Pranayama entweder zu verlängern oder auch subtiler zu machen.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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YVS516 Asana im Patanjali Yoga Sutra II 46-48

Kommentar zum Yoga Sutra 2. Kapitel, Vers 46 bis 48

Was ist Asana im Yoga Sutra? Welche Wirkungen hat Asana? Warum solltest du Asana üben, und wie übst du Asana? Das sind Fragen, auf die Patanjali in Vers 46 bis 48 im Yoga Sutra eingeht.

Asana gehört im Yoga Sutra zu den Ashtangas, zu den 8 Stufen des Yoga. Asana ist die 3. Stufe der Ashtangas. Asana ist wie der Übergang zu dem, was man als Meditation  bezeichnen kann.

  • Yama ist die Ethik im Umgang mit anderen.
  • Niyama ist die persönliche Lebensführung.
  • Asana ist die Sitzhaltung, oder auch die Haltung/Körperhaltung.
  • Pranayama ist die Atmung bzw. Herrschaft über den Atem, oder auch die Herrschaft über das Prana, die Lebensenergie.
  • Pratyahara ist der Rückzug der Sinne und der Rückzug des Geistes nach innen.
  • Dharana ist die Konzentration.
  • Dhyana ist die Meditation.
  • Samadhi ist das Überbewusstsein.

Eine der Interpretationen der unteren 6 sind die verschiedenen Stufen der Meditation.

  • Asana: Setze dich hin, gerader Rücken, entspanne, bewege dich nicht.      
  • Pranayama: Steuere deinen Atem, um in der Meditation dein Prana zu konzentrieren.
  • Pratyahara: Übe Bewusstseinsübungen, um den Geist nach innen zu führen in einen        meditativen Bewusstseinszustand.                                                                              
  • Dharana: Führe den Geist zur Konzentration , das eigentliche Meditationsthema.
  • Dhyana: Gehe tief in die Meditation, in die Absorption.                                    
  • Samadhi: Gehe ins Überbewusstsein, wo Zeit, Raum und letztlich Identifikation schrittweise

So sind wir nun bei Asana angekommen, und in den nächsten Versen wird Patanjali auch Pranayama, Pratyahara, Dharana und Dhyana beschreiben.

Zunächst einmal die Verse über Asana:

  1. Vers: „Die Asana soll fest und bequem sein“.
  2. Vers: „Die Asana wird gemeistert durch das Loslassen von Spannungen und durch     Meditation auf das Unendliche“.                                                                                  
  3. Vers: „Durch Meisterung von Asana wird man frei von den Angriffen der Gegensatzpaare.“

Diese drei Verse haben eine sehr tiefe Bedeutung. Auf einige davon soll hier eingegangen werden.

Zunächst sagt Patanjali: „Sthira sukham asanam“ – sthira sukha asana. Asana (Die Sitzhaltung) sollte „sthira“ (bequem) und „sukha“(stabil) sein.

Asana hat etwas mit Sitzen zu tun, hat etwas mit Haltung zu tun. So hat Asana in vielen Kontexten eine Bedeutung.

  1. Meditationssitz
  2. Die verschiedenen Körperstellungen im Hatha Yoga
  3. Die Körperhaltung auch im Alltag
  4. Eine Einstellung den ganzen Tag über / spirituelle Lebenseinstellung

Zu all dem kann man den 46. Vers so interpretieren:

  1. Die Sitzhaltung für die Meditation sollte „sukha“ sein, und sukha heißt bequem, angenehm, man sagt auch manchmal entspannt. Was heißen soll: Wenn du meditieren willst, dann solltest du eine Asana finden, also eine Sitzhaltung, die für dich angenehm und entspannt ist. Natürlich muss man manchmal auch eine Zeit des Unangenehmen in Kauf nehmen, bis der Körper sich daran gewöhnt. Aber langfristig solltest du eine Sitzhaltung finden, in der du entspannen kannst. „Sthira“ heißt fest, sthira kann auch gedeutet werden als aufrecht. Sthira heißt also fest und aufrecht. Was heißen soll: Wenn du meditierst, halte deinen Rücken gerade. Und dann bewege dich nicht. Wenn du meditierst, versuche zwar, die Schultern zu entspannen, Kiefergelenke, zu entspannen, Augen zu entspannen, die Beine zu entspannen usw., aber bleibe bewegungslos. Und das ist etwas Wichtiges. Nicht die Finger bewegen, nicht den Kopf bewegen usw. Manchmal geschieht es, während du bewegungslos sitzt, dass die Finger sich von selbst bewegen. Es kann geschehen, dass irgendwelche Reinigungserfahrungen kommen, sodass du ein wenig zuckst oder so ähnlich – das mag auch sein, und muss dich nicht weiter interessieren. Langfristig solltest du den Körper absolut sthira halten, unbewegt, fest, aufgerichtet, und sukha: entspannt und angenehm.
  2. Die zweite Bedeutung von Asana ist ja auch die Körperübungen im Hatha Yoga. Kopfstand, Schulterstand, Vorwärtsbeuge, Kobra und so weiter. All das soll heißen: Mache die Stellung so, dass du sie sthira halten kannst. Eine Asana ist eben nicht eine Bewegung. Du könntest von „Yoga Flow“ sprechen – das sind aber keine Asanas, es sei denn, du gehst von einer Asana zur nächsten über mit verschiedenen Zwischenbewegungen, aber die Asana heißt: unbewegt. Wenn du nicht mindestens 10 Atemzüge in einer Stellung bist, ist es eben keine Asana. Asana muss notwendigerweise sthira sein. Die Asana sollte gehalten werden. Und du solltest die Asana auch bequem machen, du solltest jetzt in keine Quälerei gehen. Wenn du die Vorwärtsbeuge machst, sorge dafür, dass dein Rücken sich angenehm anfühlt. Du kannst auch mal in die Asana gehen, wo es anstrengend ist, und auch mal über unangenehme Dinge hinauswachsen, das wäre dann Tapas. Aber langfristig sollten die Asana angenehm, entspannt und fest sein.
  3. Eine dritte Bedeutung ist auch Haltung im Alltag. Wenn du sitzt, dann sitze eben auf deinem Bürostuhl so, dass du relativ aufgerichtet bist, und auch, dass es angenehm ist. Gut, die moderne Forschung sagt, du solltest nicht zu lange am Computer sitzen, öfters mal aufstehen. Bei Yoga Vidya gibt es auch Menschen, die haben einen Ball, auf dem sie sitzen – das führt schon dazu, dass man nicht zu lange ruhig sitzt. Manche haben sowohl ein Stehpult, wie auch ein Pult zum Sitzen, was sich verstellen lässt. So können die Positionen gewechselt werden. Achte aber darauf, dass du aufrecht bist, dass deine Körperhaltung angenehm ist, dass sie nicht verspannt ist.
  4. Du kannst auch die allgemeine Lebenseinstellung als Asana bezeichnen, als innere Haltung. Dort ist auch eine gewisse Festigkeit gefragt. Vorsätze fassen, ein Ziel im Leben haben, und das dann auch umsetzen, eine gewisse Festigkeit. Aber keine verkrampfte, sondern eben sukha, eine angenehme und entspannte Festigkeit. Festigkeit ist also wichtig, aber eben nicht starr. Ebenso ist es auch in der Kindererziehung: eine gewisse Festigkeit bedeutet eine angenehme und entspannte Haltung in der Erziehung einzunhemen.

Da ist ergibt sich manchmal natürlich auch eine Polarität zwischen sthira und sukha – fest und bequem. Das was Festigkeit im Handeln meint ist da nicht immer auch bequem.

Im 47. Vers heißt es:

„Asana wird gemeistert durch das Loslassen von Spannungen und Meditation auf das Unendliche.“

Zum einen kann man also sagen: Will man in einer Asana Vollkommenheit erlangen, dann gilt es natürlich erst einmal aufgerichtet zu sein. Der nächste Schritt wäre dann die Entspannung.

Wenn Sukadev eine Meditation anleitet, beginnt er z.B. so: „Sitze ruhig und gerade für die Meditation, Wirbelsäule aufgerichtet.“ – Damit haben wir sthira, und irgendwo auch sukha: „Finde deine angenehme Haltung.“ Dann sagt er weiter: „Entspanne deine Schultern, entspanne die Kiefergelenke, entspanne die Augen.“

Wenn du dich also hinsetzt, setze dich gerade und bewegungslos hin. Und dann übe Entspannen, „Shaithilya“, das heißt Entspannung und Loslassen. Lass also „Prayatna“, Spannung und Anstrengung, los. Setze dich gerade hin, mache dich bewegungslos und dann lasse los.                                          

Dann geht es bei Patanjali um die Meditation auf das Unendliche. „Ananta samapatti bhyam“. Im Buddhismus gibt es zwei Grundmeditationen. Es gibt die „Vipassana – Meditation“ und zweitens die „Samapatti-Meditation“. Samapatti ist die konzentrierte Meditation, während Vipassana im Buddhismus als die Beobachtungs-Meditation / Achtsamkeits-Meditation bezeichnet wird. Bei Patanjali ist „Samapatti“ allgemein die Meditation.

„Bhyam“ zum Schluss heißt „durch“. Durch Ananta Samapatti, durch endlose Meditation, oder eben durch Konzentration auf das Unendliche, und durch Entspannung und Loslassen, entsteht die Meisterung des Geistes. Was also heißen soll: Halte dich nicht zu lange auf mit einer Asana während z.B. der Meditation, sondern setze dich ruhig hin, mach den Körper gerade und bewegungslos. Dann übe ein paar Entspannungs-Techniken, und dann fahre fort mit der Meditation. Die Asana wird dann perfekt, wenn dein Geist voll konzentriert ist.

Im Hatha Yoga bedeutet das:

Achte nicht nur darauf, wie jetzt deine Körperhaltung ist. Patanjali würde empfehlen: Sorge dafür, die richtige Stellung zu machen, mache sie bewegungslos, entspanne dich in der Asana, und dann richte deinen Geist auf etwas Höheres aus. Überlege also nicht die ganze Zeit, wie halte ich jetzt meine Hände genau, und wie sind meine Finger, und welcher Muskel muss angespannt werden – sondern wenn du deine Stellung eingenommen hast, dann konzentriere dich auf etwas Höheres.

Das ist ja das, was wir gerade im Yoga Vidya Stil besonders machen, diese subtilen Konzentrationsformen, auch in der Vorwärtsbeuge, auch in der Kobra, im Drehsitz, in Kopfstand, Schulterstand, Fisch und so weiter. Meisterung der Asana ist eben nicht nur das Körperliche, sondern auch die psychische Meisterung.

Das lässt sich auch in den Alltag hineinbringen. Die richtige innere Haltung, zwischendurch loslassen, und auch zwischendurch dir bewusst werden: es gibt das Unendliche und das Ewige. Im engeren Sinne könnte man auch sagen: Ökologisches Bewusstsein heißt, global Denken und lokal Handeln. Vielleicht ist das eine etwas übertriebene und weit hergeholte Interpretation das Verses, aber man könnte auch sagen: Deine Lebenseinstellung sei so geprägt, dass du global denkst, im kosmischen denkst, und aus diesem weiten Denken heraus hast du dann die Haltung für deinen Alltag.

So hast du nun diese Verse schon einmal sehr weit interpretiert.

Der 48. Vers lautet:

„Durch die Meisterung von Asana wird man frei von den Angriffen der Dvandvas.“

 Dvandva bedeutet Gegensatzpaar. Das ist interessant: „Tato dvandva-an-abhighatah“.

„Tato“ heißt letztlich „dadurch“ – „durch“ die Beherrschung von Asana – „kommt an“-abhighata, also „die Freiheit von Angriffen durch die Dvandvas“. Das ist sehr bildlich und drastisch. Du kennst ja verschiedenste Gegensatzpaare. Z.B. Kälte und Wärme, Lob und Tadel, Vergnügen und Schmerz, und es gibt noch sehr viele mehr. Oder auch viel Energie und wenig Energie, und das Leben pulsiert zwischen diesen Gegensatzpaaren. Und viele Menschen werden in diesem Sinne immer wieder angegriffen davon. Ist es ein paar Grad zu warm, rennen sie zum Fenster: Fenster auf. Ein bisschen zu kalt: Schnell zum Fenster, Fenster zu, Heizung an. Irgendjemand spricht ein großes Lob aus: Man fühlt sich gleich ganz fantastisch. Irgendeiner missachtet einen oder sagt: Was du gemacht hast, war unmöglich – und sofort kollabiert der andere. Oder, es riecht gut: Das findet man toll. Irgendwo herrscht schlechter Körpergeruch: Dramatisch, schlimm, wie geht sowas! Und so weiter.                                           

In einer Asana lernst du: Du bleibst einfach in der Stellung. Du sitzt in der Meditation, und du merkst: Es ist zu kalt, ich habe vergessen, das Fenster zu schließen – Du bleibst ruhig sitzen. Du erträgst das. Oder, du sitzt zusammen mit anderen, und plötzlich riecht es schlecht – anstatt aufzustehen und das Fenster zu öffnen, bleibst du ruhig sitzen. Du bist in der Meditation, und plötzlich hörst du, wie jemand sich räuspert oder hustet, oder ganz rücksichtslos klingelt irgendwo das Telefon – du hältst die Augen geschlossen und tust nichts.

Auch bei Yoga Vidya macht die Handy-Bewegung weitere Fortschritte, und ab und zu, schätzungsweise in jedem 4. oder 5. Satsang, den Sukadev anleitet, klingelt während der stillen Meditation ein Telefon. Es ist erstaunlich: Die Hälfte der Leute guckt den Menschen an, bei dem das Telefon klingelt. Es klingelt das Telefon – was soll’s?! wir bleiben ruhig sitzen und tun nichts. Wir lassen uns nicht davon beeindrucken. Dem Menschen ist das schon ausreichend peinlich. Sukadev hat nicht beobachtet, dass dem gleichen Menschen das nochmal passiert ist. Es gibt keinen Grund, dorthin zu schauen. Oder, wenn jemand hustet, muss man den jetzt nicht anschauen. Bewegungslos sitze, sthira sukham asanam - die Stellung ist bewegungslos. Und manchmal, wenn man meditiert, lässt sich plötzlich irgendwo eine Fliege nieder, auf der Nase, auf der Wange. Was machen wir? Wir bleiben bewegungslos sitzen. Plötzlich hören wir irgendein Summen – wir bleiben bewegungslos sitzen. Ein Knie tut weh – wir bleiben bewegungslos sitzen. Es juckt irgendwo – wir bleiben bewegungslos sitzen.                    

Natürlich gibt es auch eine Grenze. Angenommen, der Feueralarm wird ausgelöst, dann werden wir aufstehen. Angenommen, ein Knie tut sehr weh – gut, dann müssen wir das Knie ausstrecken. Angenommen, der Rücken tut sehr weh – dann muss man die Sitzhaltung wechseln. Angenommen, du meditierst, und dein Kind schreit sehr verzweifelt – dann wirst du aufstehen müssen. Aber in einem gewissen Rahmen lernst du: Du bleibst ruhig und bewegungslos. Und was auch immer kommt, du lernst Hitze und Kälte, leichtere Schmerzen, Geruch usw., alles auszuhalten. Du lernst, ruhig zu sitzen. Und das an sich ist etwas ganz großartiges, du brichst aus den Reiz-Reaktionsketten aus. Du brichst aus diesen unwürdigen Automatismen heraus. Man sagt einem Menschen etwas Freundliches, und die Brust schwillt mit einem Lächeln. Du sagst jemandem etwas, was nicht so freundlich ist - er kollabiert oder wird wütend. Das Wetter wird ein bisschen wärmer, und alles freut sich. Es wird noch wärmer – alles ist traurig. Es ist erstaunlich, wie würdelos so viele Menschen sind. Durch Asana lernst du, dich frei zu machen von diesen Dvandvas, diesen Gegensatzpaaren. Und mindestens ist das große Würde.

In diesem Sinne: Übe also deine Meditation noch mehr so, dass du dir fest vornimmst „Ich werde so … lange sitzen“ – und du bleibst sitzen, was auch immer geschieht! Mit Ausnahmen, wenn es extrem wird. Und wenn du in einer Hatha Yoga Asana bist, dann halte die Stellung eine gewisse Zeit lang bewegungslos. Lasse Spannungen los und meditiere über das Unendliche. Und auch im Alltag: Habe eine gewisse Haltung der Festigkeit und der Ruhe, lasse los und lerne, frei zu werden von den Angriffen der Gegensatzpaare.

Verharre jetzt nochmal einen Augenblick und überlege: Wie kannst du Asana weiter vervollkommnen? Als Sitzhaltung in der Meditation, als Hatha Yoga Asana oder als Einstellung im Alltag.

Nochmals die Verse:

  • Asana soll fest und bequem sein.
  • Asana wird gemeistert durch das Loslassen von Spannungen und Meditation auf das Unendliche.
  • So wirst du frei von Angriffen der Gegensatzpaare.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 2. Kapitel, Vers 45

Patanjali schreibt:

„Ishwara Pranidhana, Hingabe an Gott, führt zur Fähigkeit, Samadhi zu erreichen.“

Ein sehr kurzer Vers. Samadhi ist der überbewusste Zustand. Samadhi gibt es in verschiedenen Stufen. Schon in den Kommentaren zu den letzten Versen des 1. Kapitels vom Yoga Sutra wurde dies behandelt. Im 1. Kapitel hat Patanjali auch schon gesagt, dass die Gottverwirklichung, oder auch Kaivalya, Befreiung, schnell für die kommt, die Ishvara Pranidhana haben. Und das wiederholt er hier nochmal. Er sagt: Durch Hingabe an Gott kommt die Fähigkeit, Samadhi zu erreichen.                                                                                     

Wenn du also zügig zu Samadhi kommen willst, dann übe Hingabe an Gott. Und was Hingabe an Gott alles bedeuten kann, findest du in der Vortragsreihe von Sukadev zum Thema Bhakti Yoga. Weil das eine sehr ausführliche Vortragsreihe ist, sei hier nur kurz gesagt: Übe alle möglichen Bhakti-Praktiken, Gebet, Verneigen, Mantra, Kirtan/Mantrasingen, Rituale wie Arati, Puja, Homa, deine persönlichen Rituale, Vergegenwärtigung der Gegenwart Gottes, immer wieder Bewusstmachen der Gegenwart Gottes. Übe diese Praktiken, übe sie nicht mit dem Ziel, dir Gott gewogen zu machen, auch nicht mit dem Ziel, dass du etwas bekommst, sondern übe diese spirituellen Praktiken, auf dass du mehr Pranidhana spürst, also mehr Hingabe zu Gott, mehr Bhakti spürst. Praktiken dienen dazu, Liebe in dir zu kultivieren. Praktiken dienen dazu, Hingabe zu kultivieren. Bhakti-Praktiken sollen dir helfen, dein Herz zu öffnen, Liebe zu Gott zu spüren. Und in dem Maße, in dem deine Liebe zu Gott stärker wird, hast du auch die Fähigkeit, in höhere Bewusstseinsebenen zu kommen, also in Samadhi.

 

Wenn dich mehr zum Thema Hingabe an Gott interessiert, dann gehe auf www.yoga-vidya.de, und gib ins Suchfeld ein Bhakti Yoga. So erfährst du mehr dazu.

Und jetzt halte einen Moment inne, und überlege: Wie stark spüre ich Gottes Gegenwart? Wie intensiv ist Pranidhana, Hingabe an Gott? Wieviel Bhakti habe ich, wieviel Gottesliebe? Dann überlege: Sollte ich vielleicht die Bhakti-Praktiken erhöhen? Und wenn ja, welche, sodass ich Gottes Gegenwart mehr erfahre, und über Gottes Gegenwart ins Überbewusstsein komme?

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 2. Kapitel, Vers 44

Patanjali schreibt:

Svadhyaya, Selbststudium, führt zur Verbindung zum persönlichen Gott.“

Ein interessanter Vers, und die Verse zu den Yamas und Niyamas geben manchmal interessante und überraschende Einsichten. Svadhyaya heißt Selbststudium, und Selbststudium kann man auf viele verschiedene Weisen interpretieren.                            

 

Svadhyaya gehört ja zu den 5 Niyamas, und man kann es zum einen nehmen als Introspektion: Man schaut in sich hinein, man überlegt: Was sind die Motive meines Handelns? Wodurch werde ich geprägt? Swami Sivananda schreibt immer wieder „Scrutinize your motives!“ – Analysiere deine Motive, sei dir bewusst: Warum und wie handle ich? Welchen Reiz-Reaktionsketten bin ich zum Opfer gefallen? Welche Schwierigkeiten habe ich? Welche Vorurteile habe ich? Wo bin ich zu voreiligen Schlüssen gekommen? Was motiviert mich in der Tiefe? Dieses Verstehen seiner selbst ist wichtig!

 

Zu Svadhyaya würde man auch sagen: mache dir bestimmte Vorsätze. Fasse Vorsätze, und schaue dann: Wie hast du sie umgesetzt? Führe ein spirituelles Tagebuch. Schreibe auf, was du erreichen willst, schreibe auf, woran du arbeiten willst. Welche Praktiken, welche geistige Identifikation, welche geistigen Reiz-Reaktionsketten willst du durchbrechen? Wo willst du lernen, anders zu reagieren? Dann schreibe auch auf: Was habe ich heute gelernt? Was konnte ich umsetzen? Welche Einsichten habe ich bekommen? Das ist alles eine Form von Svadhyaya, die man interpretieren kann. Und vielleicht magst du auch einen Moment innehalten und überlegen: Wie viel von dieser Introspektion habe ich?                                 

Die Erfahrung zeigt leider, dass Menschen zu Anfang des Weges oft sehr bewusst den spirituellen Weg gehen. Wenn sie einige Jahre den Weg gegangen sind, dann ist dort weniger diese Fähigkeit zur Selbstkritik, Selbstreflexion, Nachdenken, Überlegen, und Menschen haben dann oft auch weniger Vorsätze als vorher. Sie machen aus dem spirituellen Weg eine Art Lebensstil. Man macht halt, was man für gewöhnlich macht. Aber es verliert etwas die transformierende Wirkung, wenn man sie nicht mit echtem Svadhyaya verbindet.

 

Wir kommen nun zum nächsten Aspekt von Svadhyaya, denn manchmal wird auch gesagt, Svadhyaya, wie es eben beschrieben wurde, ist eigentlich Svadhyaya als Kriya Yoga, was Patanjali im 1. Vers des 2. Kapitels sagt. Hier sagt er:

„Svadhyaya, Selbststudium, führt zur Verbindung zu „ishta devata samprayoga“. „Yoga“ selbst heißt schon „Verbindung“, „sam“ hat etwas zu tun mit „mit“, und „pra“ mit „hin zu“. „Sam“ heißt also: Mit „ishta devata“, mit der persönlichen Gottheit, entsteht eine Vereinigung, und zwar durch Svadhyaya.                                                                                                        

Hier könnte man zum einen interpretieren: Durch intensives Selbststudium erfährst du, dass du letztlich eins bist mit Gott. Wenn du erkennst: Ich bin nicht der Körper. Ich bin nicht die Psyche. Ich bin nicht die Persönlichkeit, ich bin nicht die Emotionen – dann erkennst du: Wenn ich von allem abstrahiere, was ich alles nicht bin, dann bleibt letztlich Atman Purusha übrig. Und dann bist du eins mit Gott.

 

Eine Interpretation wäre auch: In Svadhyaya ist der gesamte Jnana Yoga enthalten. Du kannst also lernen, herauszufinden, wer du  nicht bist, und wer du wirklich bist. Und durch solch intensives Adhyaya, Studium, von Sva, deinem wahren Selbst, erfährst du dich selbst als eins mit Gott.

 

Eine weitere Bedeutung von Svadhyaya ist eigenes Studium der Schriften. Wenn du die Bhagavad Gita liest, wenn du die Upanishad liest, wenn du Bhakti Sutra liest, und dieses mit großer Ehrerbietung tust, dann erfährst du die Einheit mit Gott, die Verbindung mit Gott. In den großen heiligen Schriften der Menschheit ist letztlich die Kraft Gottes enthalten. Wenn du die Bhagavad Gita liest, oder auch die Bibel liest, oder den Koran liest, oder die Upanishaden liest, dann ist das nicht einfach nur ein intellektuelles Studium. In den heiligen Schriften steckt spirituelle Kraft. Und wenn du die Heilige Schrift liest, kannst du auch zunächst dich an Gott wenden. Es ist auch eine Weise, wie du eine spirituelle Schrift liest. Du könntest natürlich die Bhagavad Gita auch ideengeschichtlich lesen.

 

Sukadev erzählt hierzu gerne aus der Zeit, als er ein Yogazentrum in Los Angeles leitete und zu einer Indologie-Vortragsreihe an einer Universität eingeladen wurde. Er war damals ganz erstaunt: Die Menschen dort hatten das Yoga Sutra behandelt, sie hatten die Bhagavad Gita behandelt, sie hatten die Veden  behandelt, und eine ganze Menge mehr. Sie hatten sich also das ganze Semester über intensiv mit diesen Schriften befasst. – Aber nicht als heilige Schriften, sondern als philosophische, ideengeschichtliche Schriften aus grauer Vergangenheit. Ein solches Studium, wo man letztlich nur vergleichende Religionswissenschaft und vergleichende Philosophie praktiziert, führt eben nicht zu tieferen spirituellen Erfahrungen.                                                                                                                                                                     

Darum, wenn du eine Schrift liest, lese sie erst einmal mit Ehrerbietung. Wenn du die Bhagavad Gita öffnest, und vielleicht auch Patanjali öffnest, verneige dich vorher. Sprich vorher ein OM oder ein Gebet. Bitte darum, dass das Lesen dieser Schrift dich in Verbindung führen möge mit Gott. Und dann studiere die Schrift mit der Sehnsucht, spirituell zu wachsen. Und danach lass los, und bringe alles Gott dar. So führt dich dann das Studium der Schrift zur Verbindung zum persönlichen Gott.

 

Übrigens, hier gibt es auch noch mehrere andere Aspekte. Zum einen, gibt es Gemeinsamkeiten unter den Religionen. Wir finden z. B. im Christentum, dass das Lesen der Bibel das Lesen von Gottes Wort ist. Und es wird angenommen, dass man durch das Lesen der Bibel Gott nahe kommt. Im Lutheranischen Christentum z. B. ist das nochmal ganz besonders stark. Luther hat ja auch einiges formuliert. Er hat gefragt: Wie wird der Mensch gerechtfertigt vor Gott? Wie erreicht der Mensch die Erlösung? Und hier sagt er: Sola gratia, d. h. allein durch die Gnade Gottes. Und wie erfährt der Mensch die Gnade Gottes? Sola fide, allein durch den Glauben. Und wie kann der Mensch seinen Glauben erhöhen? Sola scriptura, allein durch das Studium der Schrift, weniger durch die Kirche etc. So sagt letztlich Martin Luther: Studiere die Heilige Schrift! Dadurch wird dein Glaube gestärkt. Und wenn die n Glaube gestärkt ist, dann erfährst du Gott.                 

So ist also das Studium der Schrift eine spirituelle Praxis an sich, die dazu führt, dass du Gott erfährst. So sagt es Martin Luther, und so ist das praktisch eines der besonders wichtigen Prinzipien des Lutheranischen Christentums.

 

Wir finden das auch im Islam. Dort ist das Studium des Korans auch nicht nur irgendeine Beschäftigung, sondern durch das Studium des Korans verbindet man sich mit Allah, und erfährt letztlich die Gegenwart von Allah. Das Studium des Korans ist etwas Heiliges. Und es ist mehr, als nur die intellektuellen Gebote zu studieren. Vielmehr heißt es, dass der Koran Offenbarung Gottes ist, und wenn man den Koran studiert, z. T. vielleicht sogar auf Arabisch anhört, z. T. vielleicht sogar ohne jeden Vers hundertprozentig zu verstehen, erfährt man die Gegenwart Gottes.

Ähnlich finden wir es im Judentum mit dem Studium der Tora, also der Heiligen jüdischen Bibel, oder auch des Tanach, wo ja zu der Tora noch einige andere Schriften gehören. Hier kann man noch weiter gehen: Wir finden Ähnlichkeiten von den Aussagen von Patanjali hier, und auch, was Martin Luther gesagt hat.

Und eines, was Martin Luther gesagt hat, ist: „Jeder Christ sollte die Bibel lesen, und zwar so, dass er sie versteht.“ Vor Martin Luther war es eher üblich, dass nur die Priester die Bibel lasen. Das gemeine Volk war letztlich auf die Interpretation des Priesters angewiesen. Martin Luther wusste, dass nicht jedermann Latein und Griechisch und Hebräisch studieren konnte, um die Bibel im Original zu lesen. Also hat er sie ins Deutsche übersetzt, und hat alle aufgefordert: Lies selbst die Bibel! Und durch das Studium der Bibel erfährst du Gott. Das war erst mal recht revolutionär. Die Katholiken sind mit ein paar Jahrhunderten Verspätung auch dazu gekommen, und haben auch gesagt, jeder katholische Christ soll auch selbst die Bibel auf Deutsch lesen. Und es wäre wohl auch gut, wenn auch der Christ Hebräisch, Griechisch und Latein lesen würde, um so genauer zu wissen, was dort tatsächlich steht. Denn die Übersetzungen sind ja auch immer wieder Interpretationen. Aber damit auch der „normale“ Christ die Bibel lesen kann, ist es gut, dass sie in die jeweilige Muttersprache übersetzt ist.

 

So ähnlich war es aber auch vor Patanjali durchaus das Privileg von Brahmanen, die eigentlichen Schriften (also die Veden und die Upanishaden) zu lesen. Brahmanen, die männlich waren, und eine bestimmte Zeit beim Guru verbracht hatten (12 Jahre), und dabei die Einweihung bekommen hatten. Man brauchte, zumindest in bestimmten Teilen des Hinduismus, im sogenannten Brahmanismus (manchmal auch genannt die „brahmanische Orthodoxie“) letztlich die Erlaubnis, die Veden zu lesen. Man musste erst mal irgendwie dazu geboren sein, man musste zweitens eine bestimmte Zeit des Studiums haben, drittens ein bestimmtes Abschlussritual vollzogen haben, um dann die Erlaubnis zu bekommen, die Schrift überhaupt lesen zu können, insbesondere die Veden. Andere durften höchstens die Itihasas und die Puranas, Ramayana, Mahabharata und die verschiedenen Shiva-Purana, Bhagavatam und so weiter studieren. Und da die wenigsten Menschen Sanskrit kannten – und diese Schriften sind in Sanskrit; schon zu Patanjalis Zeiten war Sanskrit dem gemeinen Volk nicht zugängig – brauchten sie also die Vermittlung durch diejenigen, die Sanskrit kannten. Solche, die wirklich die heiligen Schriften lesen konnten, sogar die Bhagavad Gita, waren nicht viele. Und noch weniger waren es, welche die Veden, insbesondere die wichtigen Teile der Veden, also die Upanishaden studieren konnten.

 

Patanjali fordert hier auf: Jeder Aspirant sollte die Schriften selbst studieren. Und so gehört ja auch Yoga Sutra jetzt ideengeschichtlich nicht zur „brahmanischen Orthodoxie“, sondern Patanjali Yoga Sutra steht in der Tradition der sogenannten Shramana-Spiritualität. Patanjali  und Buddhismus und Jainismus sind in dieser Hinsicht ähnlich. Sie sagen: Wende dich nicht an einen Brahmanen, du brauchst keine Priester, um Gott zu erfahren. Studiere selbst. Interessanterweise spricht Patanjali nicht einmal über die Notwendigkeit eines Gurus. Wir finden das an keiner Stelle. Er sagt nur einmal: Ishwara selbst ist dein Guru. Und damit gibt er dem einzelnen Aspiranten eine sehr große Verantwortung.

 

Natürlich, Patanjalis Yoga Sutra ist sehr kryptisch geschrieben. Du brauchst letztlich doch die Vermittlung durch einen Lehrer. Aber Patanjali sagt eben, du brauchst keinen Mittler, du brauchst keinen Priester, studiere die Schriften selbst. Und das ist dann unabhängig von deiner Herkunft und unabhängig von Erlaubnis, studiere die Schriften selbst. Wenn du die Schriften selbst studierst, dann erfährst du die Gegenwart Gottes, oder, wie er hier sagt: Ishta devata samprayoga.

Hier ist aber nochmal interessant: Er sagt jetzt nicht, dass du die Selbstverwirklichung erfährst, sondern du erfährst die Verbindung mit Gott. Und so gibt es einige Verse, wo auch von Ishwara Pranidhana gesprochen wird, Hingabe zu Gott, und der nächste Vers ist ja auch ein Vers über Ishvara Pranidhana.

Das Studium der Schriften führt also dazu, dass du Gott wahrnimmst, und zwar in seiner Ishta-Manifestation, die Liebe Gottes. Du kannst Gott abstrakt sehen, und Patanjali spricht mehrheitlich von Purusha, also dem Bewusstsein an sich, ganz abstrakt, oder auch Atma, auch den Ausdruck gebraucht er an einigen Stellen. Manchmal spricht er aber von Ishwara, Ishwara, Herr des Universums, und hier von Ishta devata, etwas, was gerade im Bhakti Yoga sehr wichtig ist, die persönliche Gottesbeziehung. Du wirst also zu deinem persönlichen Aspekt Gottes, zu dem du tiefe Liebe hast, starke Verbindung spüren, wenn du mit der richtigen Einstellung spirituelle Schriften liest.

 

Weitere Informationen findest du auf www.yoga-vidya.de. Du findest auch all diese Niyamas beschrieben in dem Buch „Die Yoga-Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“ – das Yoga Sutra mit einem Kommentar von Sukadev Bretz. Dort sind die Kommentare vielleicht etwas kürzer und prägnanter. Es gibt auch das gesamte Yoga Sutra mit verschiedenen Kommentaren, Audios und Videos und Rezitationen, und Originaltext auf Sanskrit und Deutsch, und in Devanagari-Schrift, Umschrift wie auch Wort-für-Wort-Übersetzung auf schriften.yoga-vidya.de. Dort findest du ein Menü, und dort klickst du auf Patanjali Yoga Sutra, und dann kannst du beispielsweise ins Suchfeld eingeben „2 44“, und dann erfährst du mehr über diesen Vers, und du kannst dir jeden anderen Vers aussuchen. Mehr über die verschiedenen Aspekte von Niyama auch auf wiki.yoga-vidya.de/Niyama.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 43. Vers des 2. Kapitels vom Patanjali Yoga Sutra

Was ist Tapas? Wozu dient Tapas? Was sind die Wirkungen von Tapas? Dazu spricht Patanjali in dem einen Vers ganz kurz.

Patanjali schreibt:

„Durch Tapas werden Unreinheiten aufgelöst und Kräfte des Körpers und der Sinne herbeigeführt.“

 

Tapas ist das dritte der Niyamas. Niyamas sind Empfehlungen für die persönliche Lebensführung, so wie Yama die Ethik im Umgang mit anderen ist.

 

Die Niyamas sind noch einmal:                                                                                                                                           

Shaucha – heißt Reinheit                                                                                                                     

Santosha – heißt Zufriedenheit                                                                                                                

Tapas – ist ein vielschichtiger Begriff, heißt Askese, Selbstzucht, spirituelle Praxis, Disziplin

Swadhyaya – ist Selbststudium                                                                                                             

Ishvara Pranidhana – Hingabe an Gott

 

Patanjali sagt hier: Durch Tapas kommt Reinheit. Er hat ja vorher über die Wirkung von Shaucha gesprochen, und hat Shaucha über alle Maßen gelobt. D. h. durch Shaucha kommt man zur geistigen Klarheit, Konzentration, letztlich auch zum Glück, und schließlich auch zur Selbstverwirklichung, „Atmadarshana“. Und wie kommen wir zu diesem Shaucha? Natürlich durch Kultivierung von Sattva, durch einen sattvigen Lebensstil. Aber auch durch die richtigen Tapas-Übungen.

 

Und was heißt jetzt Tapas?

Tapas hat zunächst einmal etwas zu tun mit einem Wort, das für Hitze steht. Tapas ist letztlich auch Intensität, Hitze, das, was verbrennt usw. Und es gibt verschiedene Aspekte von Tapas.                                                                                                                                                                  

Tapas sind zunächst einmal allgemein spirituelle Praktiken. Wir finden z. B. in vielen der „Puranas“, „Itihasas“ solche Aussagen, dass ein Yogi in den Wald gegangen ist, um Tapas zu üben. Und das heißt: um intensiv spirituelle Praktiken zu üben. Oder es heißt auch, man sollte jeden Tag Tapas üben, d. h. jeden Tag spirituelle Praktiken üben. Man spricht auch z. B. von Swami Sivanandas  Tapasya-Zeit. Das war so die Zeit von 1923 bis 1934, etwa 12 Jahre, in denen Swami Sivananda den größten Teil des Tages verbracht hat mit Meditation, Asana, Pranayama, Mantra-Rezitation und auch speziellen weiteren Tapas-Übungen. Die eine Bedeutung von Tapas ist also spirituelle Praxis. Intensive spirituelle Praxis führt natürlich zu Sattva.

 

Angenommen, du machst mal bei Yoga Vidya eine Intensiv-Woche mit, sei es ein Intensiv-Retreat, Meditations-Retreat, oder eine Asana-Woche, oder auch eine Kundalini Yoga-Woche, oder ein 2-wöchiges Sadhana Intensiv, dort übst du dann jeden Tag viele Stunden Praktiken. Und du fühlst dich am Ende dieser Woche so voller Reinheit und Leichtigkeit! Da fällt es wirklich leicht, Sattva zu spüren Reinheit zu spüren. Die spirituellen Praktiken im Yoga sind konkret darauf ausgerichtet, Reinheit zu erfahren.                              

Im kleineren Maße erfährst du das ja auch. Angenommen, du hattest einen schwierigen Tag, und dein Geist ist durcheinander (also im Rajas), oder irgendwie frustriert (etwas zwischen Rajas und Tamas), oder niedergeschlagen, müde (im Tamas) – dann gehst du einfach in eine Yogastunde, und nach der Yogastunde fühlst du dich so leicht, so lichtvoll, rein usw. Du bist ins Sattva gekommen. Yoga-Praktiken an sich führen also zu Sattva und Shaucha. Das heißt natürlich auch: Übe jeden Tag deine spirituellen Praktiken. Übe einmal pro Woche mehr, und gehe nach Möglichkeit einmal oder mehrere Male im Jahr in einen Yoga Vidya Ashram, wo du längere Zeit praktizierst.

 

Eine zweite Bedeutung von Tapas ist auch „bewusste Askese-Übungen“. D. h., du übst bestimmte Askese-Übungen, die auch Reinheit erzeugen. Und hier gilt natürlich auch, dass die Askese-Übungen so sein müssen, dass sie gesund sind. Wir finden es in Indien, wir finden es im mittelalterlichen Christentum (z. T. auch bis heute, wir finden es in Strömungen im Islam, und auch in anderen Richtungen, wo Menschen ihren Körper gequält haben. Krishna spricht ja in der Bhagavad Gita von sattvigem, rajassigem und tamassigem Tapas. Und wir sollen nicht den Körper quälen. Vielmehr ist eine Askese-Übung dann sattvig, wenn sie auch gesund ist für den Körper und die Psyche. Man könnte auch sagen: Patanjali sagt, man soll Tapas so führen, dass es zu Sattva führt, zu Reinheit.

 

Beispiele für sattviges Tapas (was auch gesund für den Körper und damit empfehlenswert ist):                                                                                                                                        

Einen Monat lang auf Salz verzichten, also keinen Salzstreuer benutzen, und wenn du selbst kochst, die Speisen ohne Salz zubereiten. Typischerweise enthalten Früchte und Gemüse von sich aus genügend Salz. Und wenn es nicht gerade ein heißer Sommer ist und du nicht gerade Ausdauertraining machst, brauchst du kein zusätzliches Salz über die Nahrung. Im Gegenteil, man weiß heute, den Salzgehalt zu reduzieren bzw. fast nicht zu salzen ist sehr gesund für das Herz-Kreislauf-System. Ausnahme wären Leistungssport oder ein heißer Sommer. Wenn du also z. B. sagst: Im Winter verzichte ich einen Monat auf gesalzene Speisen – das wäre eine gute Tapas-Übung.                                                                                                   

Oder du sagst: Einen Monat verzichte ich auf jeglichen Industriezucker. Die Steigerung wäre: Einen Monat verzichte ich vollständig auf Süßungsmittel, also auch auf Rohrzucker, auf Honig, auf Dicksaft, auch auf Birkenzucker oder was auch immer, einen Monat verzichte ich auf das Süßen von Speisen.                                                                                                                                           

Oder eine Woche Fasten. Oder einmal pro Woche Fasten.                                                                   

Kalt duschen, nicht warm, sondern nur kalt. Abschwächend wäre, am Ende des Duschens 20 Sekunden lang kalt duschen. Das ist ausgesprochen gesund, gut für die Gesundheit des Körpers, und gut für den Geist.                                                                       

Zusätzlich könnte man auch sagen, man heizt im Winter nur auf 15 Grad. Oder zieh dich nicht so warm an. Deine Mutter hat immer gesagt „Zieh dich warm an, mein Junge/mein Mädchen!“ Das ist Unsinn! Man wird weniger erkältet sein, wenn man sich weniger warm kleidet. Im Gegenteil, es stärkt die Abwehrkräfte, wenn man im Winter dünner angezogen ist. Es sind eben nicht die leicht gekleideten, die eine Erkältung bekommen, sondern jene, die sich übertrieben warm halten. Das kann sogar als empirisch nachgewiesen gelten. Eine Erkältung kommt auch nicht durch Zugluft, wie manche Menschen denken. 

Das sind alles Dinge, die erst einmal unangenehm sind, also Tapas, die aber gesund sind.

 

Tapas in einem noch weiteren Sinne heißt: Bewusst Dinge tun, die du  nicht magst. Der Meister von Sukadev hatte ihm ziemlich am Anfang seines spirituellen Weges eine allgemeine Aufgabe gegeben. Er hatte gesagt: „Wenn es irgendetwas gibt, das du  nicht magst, tue es so lange, bis du es magst – sofern es sattvig ist.“ Sukadev fand dies eine genial einfache Sache. Das gibt einem so viel Freiheit. Viele Menschen denken „ich mag nicht dieses, ich mag nicht jenes …“, und sie versuchen natürlich immer, das nicht zu tun, was sie nicht mögen. Der Ansatz ist ein anderer. Wenn du Kräfte haben willst, und da geht es auch um Siddhis, also auch geistig stark sein willst, dann geht es darum, dass du  nicht denkst, dein Glück hängt ab davon, dass du dieses oder jenes nicht tust.    

 

Angenommen z. B., du magst es nicht, Staub zu saugen, und du lebst mit einem Partner zusammen, und ihr habt es euch vielleicht bisher so aufgeteilt, dass dein Partner Staub saugt, und du machst etwas anderes – dann wäre Sukadevs Tipp: Ändere das, lerne du Staub zu saugen, solange, bis du es magst.                                                                             

Angenommen, du lebst in einer spirituellen Gemeinschaft, dann überlege „Was mag ich nicht?“ und melde dich dafür freiwillig. Tu es, und zwar so lange, bis du es magst. Wenn du das ganz systematisch machst, hast du eine unglaubliche Stärke des Geistes. Du brauchst niemals mehr Angst zu haben, etwas tun zu müssen, was du nicht magst, weil es nichts mehr gibt, was du nicht magst. Und du brauchst auch keine Angst zu haben, dass Dinge eintreten, die dich zwingen, etwas zu tun, was du nicht magst.                                                                 

Langfristig geht es natürlich darum, dass du deine Fähigkeiten, Talente und Kräfte nutzt, und natürlich ist es klüger, das zu machen, wo du mehr Fähigkeiten hast und mehr bewegen kannst. Aber löse dich aus der Versklavung an deine Wünsche.

 

So kannst du also Unreinheiten auflösen, und du bekommst geistige Kraft. Es gibt aber noch etwas, was du erreichen kannst: kaya indriya siddhi – Kräfte und Fähigkeiten. Durch intensives Tapas bekommst du intensive Kräfte und Fähigkeiten. Es wird manchmal auch gesagt, dass Swami Sivananda deshalb so viel bewegen konnte, weil er 12 Jahre lang intensives Tapas geübt hatte. Und damit kommt auch die Empfehlung, mindestens einmal im Leben (besser öfter als einmal im Leben) einige Wochen, vielleicht sogar Monate mit ganz intensiven spirituellen Praktiken zu verbringen.

Sukadev hat mehrmals in seinem Leben Phasen gehabt, wo er sehr intensiv praktiziert hat. Es gab mehrere Jahre, wo er jeden Tag mehrere Stunden Pranayama geübt hat, und es gab zweimal Phasen von etwa 3 Monaten, wo er letztlich am Tag 14 Stunden spirituelle Praktiken geübt hat, ohne Lesen miteinzubeziehen. Und dabei hat Sukadev sehr viel Prana bekommen, sehr viel geistige Stärke auch. Darum würde er auch empfehlen, das zu machen. Mache das nicht als erstes, aber verbringe vielleicht mal ein oder zwei Wochen mit intensiver spiritueller Praxis. Und intensiv heißt schon: viele Stunden. Es heißt jetzt nicht „gemütlich spirituell praktizieren“. Und heißt auch nicht „mal sehen, wie es kommt“. Moderne Aspiranten sagen zuweilen „Ja, ich schau mal, stehe auf, wie ich es spüre, dann übe ich die Praktiken, die ich gerne mache, mache sie so lange, wie ich mache, und dann schaue ich weiter.“ Tapas ist das nicht. Tapas würde heißen, du nimmst dir das vor. Nimmst dir z. B. vor, um 4 Uhr morgens aufzustehen, ob du es magst oder nicht.

 

Möglicher Tagesablauf mit intensivem Tapas:

  • 4 Uhr Aufstehen
  • 30 bis 6.30 Uhr Pranayama üben, ob du es magst oder nicht
  • 30 bis 8 Uhr Meditieren
  • 8 bis 10 Uhr Asanas üben
  • 10 bis 11 Uhr Pranayama
  • 11 bis 11.30 Uhr vielleicht noch eine halbe Stunde Meditation
  • 30 Uhr Brunch, danach vielleicht Zeit für einen kurzen Spaziergang, vielleicht ein kurzes Mittagsschläfchen
  • 30 bis 15 Uhr Meditation
  • 15 bis 17 Uhr vielleicht Asanas
  • 17 bis 18.30 Uhr Pranayama
  • 30 Uhr Abendessen, vielleicht danach noch eine Viertelstunde Tiefenentspannung / Yoga Nidra
  • 20 Uhr eine Stunde Meditation
  • 21 Uhr eine Stunde Pranayama.

 

Das ist intensive Praxis. Und die kannst du beim ersten Mal eine Woche lang üben. Und wenn dir das gutgetan hat, ein halbes / ein Jahr später 2 Wochen lang. Wenn dir das gutgetan hat, ein halbes / ein Jahr später mal 4 Wochen lang. Und wenn du merkst, dass dir das guttut, dann vielleicht mal 2 oder 3 Monate. Aber beachte den Tipp: mache nicht die erste intensive Praxis gleich 3 Monate lang. Einige, die sich das vorgenommen haben, halten es nicht durch, und nachher kommen andere Wünsche, die stärker werden. Aber übe intensiv Tapas.

Natürlich ist es auch gut, immer wieder Neues zu lernen, auch gut, Ausbildungen zu machen, Weiterbildungen usw. Aber manchmal lassen sich ernsthafte Aspiranten davon auch ein wenig ablenken, immer wieder etwas Neues, immer wieder etwas lernen … so gibt es manche Menschen, die Jahre auf dem spirituellen Weg sind, und wenn man sie fragt „Hast du mal eine Periode gehabt, wo du 2 oder 4 Wochen mindestens 14 Stunden am Tag praktiziert hast?“ – dann ist da oft betretenes Schweigen.                                                                 

 

Angenommen, du bist jetzt am Anfang des spirituellen Weges, dann komm natürlich erst mal in eine regelmäßige Praxis hinein. Aber wenn dein Ziel die Erleuchtung ist, wenn dein Ziel wahrhaftig Gottverwirklichung ist, dann warte nicht zu lange. Wenn du jetzt in deinen 30er, 40er oder 50er Jahren bist, dann verschiebe es nicht zu sehr, sondern überlege jetzt: wann will ich das nächste Mal eine Woche, zwei Wochen, vier Wochen mich ganz der spirituellen Praxis widmen?

Nun hast du einige Interpretationen des Wortes Tapas:

  • Einfache spirituelle Praxis
  • Bewusste Askese-Übungen, und zwar solche, die gesund und gut für dich sind
  • Bewusstes Tun von Dingen, die du nicht magst, sofern sie sattvig sind
  • Intensive spirituelle Praxis, wo du ein paar Tage, ein oder mehrere Wochen bis maximal 3 Monate widmest der intensiven spirituellen Praxis bei absolut sattvigem Leben

Jetzt halte einen Moment inne und überlege, was davon du umsetzen willst.

Mehr Informationen unter www.yoga-vidya.de.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum Patanjali Yoga Sutra 2. Kapitel, 42. Vers

Patanjali schreibt:

Von Zufriedenheit (Santosha) kommt unübertroffenes Glück.   

„santoshat anuttamas sukhalabhah“                                                                                               

 „sukha“ heißt hier Glück, und „labhah“ heißt Gewinn, Erreichen von.

 

Wie kommen wir zum höchsten Glück? Durch Zufriedenheit. Das ist die große Aussage von Patanjali in diesem Vers. Die meisten Menschen denken ja, man bekommt „sukha“, was ja eigentlich auch Vergnügen heißt, was auch Glück heißt, indem man Wünsche befriedigt. Gutes Essen, mehr Geld, schöne Erlebnisse, Komplimente durch andere, irgendwo zärtliche Stunden mit jemand anderem – das ist so das, wovon Menschen denken, es ist „sukha“, Vergnügen und Glück.                                                                                                                                

Patanjali dreht das um. Er sagt: Durch Santosha kommt Glück, und zwar nicht irgendein Glück, sondern „anuttama“, unübertroffenes Glück, großartiges Glück. Kleines Glück kommt vielleicht durch Sinnesvergnügen und so weiter. Aber unübertroffenes Glück kommt durch die Kultivierung von Zufriedenheit.

 

Es gibt ja auch eine mathematische Darstellung von Glück:

Glück  =  erfüllte Wünsche/ unerfüllte Wünsche

Also angenommen, du hast 100 unerfüllte Wünsche, und jetzt hast du 1 erfüllten Wunsch, dann ist dein Glück 1%1 %. Angenommen, du erfüllst dir 10 deiner Wünsche, dann hast du 10 % Glück. Und erst wenn du alle Wünsche erfüllt hättest, hättest du 100 % Glück. Aber jetzt kannst du überlegen: Wie viele Wünsche hast du? Meinst du, du könntest diese wirklich erfüllen? Dann gibt es nämlich noch ein Problem: Je mehr Wünsche du erfüllst, umso mehr Wünsche kommen. Es gibt z. B. eine empirische Studie, die besagt, dass Menschen meinen, sie bräuchten 60 % mehr Geld, dann wären sie glücklich. 60 % mehr Geld – das ist irgendwie anscheinend eine empirische Konstante in Studien aus 2016/17. Aber, angenommen, jemandem gelingt es, diese 60 % mehr Geld zu haben: 1 Jahr später denkt er wieder „Ich bräuchte 60 % mehr“! Durch die Erfüllung der Wünsche also bekommen wir kein Glück, da bleibt unser Glück immer „stecken“.                                                                                                     

Wenn man aber die Anzahl der Wünsche reduziert, wenn man Zufriedenheit kultiviert, dann geht es sehr schnell, zufriedener zu sein. Denn man kann sehr wohl, wenn man 100 Wünsche hat, Zufriedenheit kultivieren und sagen „Ich brauche gar keine Wunscherfüllung“. Angenommen, es bleibt letztlich nur noch ein Wunsch übrig, und man erfüllt den, dann ist das Glück schon 100 %. Und wenn man gar keinen Wunsch mehr hat, dann ist das Glück im Unendlichen. Deshalb, wenn man „anuttama sukha“ haben will, kann das schon rein mathematisch nur funktionieren, indem man die Wünsche auf null reduziert.

 

Die Wünsche auf null zu reduzieren, ist natürlich auch nicht so einfach. Aber wir können uns bewusst machen: Wünsche zu haben, heißt Unglück, Wünsche zu reduzieren, heißt Glück. Das müssen wir uns erst mal bewusst machen. Denn in der westlichen Kultur besteht ja die irgendwo unreflektierte Vorstellung, man soll seine Bedürfnisse kennenlernen, und dann soll man seine Bedürfnisse befriedigen. Und je mehr Bedürfnisse man befriedigt, umso glücklicher ist man. Und letztlich beruht dann die ganze westliche materialistische Weltanschauung darauf, dass es sogar darum geht, dass man immer mehr Bedürfnisse kennenlernt. Die Wirtschaft funktioniert nur dadurch, dass es den Unternehmen gelingt, immer neue Bedürfnisse im Menschen überhaupt zu entdecken zu schaffen.

Das ist dann wie ein „rat race“ (engl.: Rattenrennen), so wie eine Maus oder ein Hamster sich im Hamsterrad immer wieder dreht. Und so ist es letztlich diese Weltanschauung, diese unreflektierte Lebenseinstellung, Wünsche zu erfüllen, die Menschen ins Unglück treibt. Man will immer mehr – man kriegt immer mehr. Man will noch mehr – man kriegt mehr. Einer will noch mehr – man kriegt es nicht, vieles kriegt man ja auch nicht … im Fernsehen wird einem immer vorgeführt, was es alles noch geben würde, die Werbung zeigt, was es noch geben würde. Die Werbung verspricht einem alles mögliche von irgendwelchen Dingen, die man kauft – Glück kommt so nicht.

 

Wie bekommen wir Glück? Durch die Kultivierung von Santosha.

Darum denke nun mal ein bisschen nach: Welche Wünsche hast du? Was denkst du, was du alles noch brauchst, um glücklich zu sein? Hinter was rennst du her? Vermutlich rennst du nicht ganz so hinter Geld und Sinnesbefriedigung her, wie andere. Aber vielleicht denkst du trotzdem „Ja, ich bräuchte ein größeres Appartement. Ja, ich bräuchte ein besseres Smartphone. Ja, ich bräuchte irgendwie dieses und jenes.“ Oder: „Mein Partner sollte netter zu mir sein. Mein Chef sollte netter zu mir sein. Ich bräuchte bessere Kollegen. Meine Mitarbeiter …“ und so weiter. Oder: „Meine Kinder sollten etwas gesünder leben. Meinen Eltern geht es nicht so gut, die sollten gesünder sein.“ Und so fort.

Mache dein Glück nicht abhängig von äußerem. Karma kommt. Und zwar für dich, wie auch für andere. Ja, du kannst einiges ändern und tun. Aber, Bhagavad Gita würde sagen: Finde heraus, was deine Aufgabe ist, und erfülle dein „Svadharma“, deine Aufgabe, so gut, wie du kannst.                                                                                                                                                              

Patanjali spricht auch von „maitri“, Mitgefühl und Barmherzigkeit, woraus dann natürlich auch kommt: Gute Werke tun, versuchen, anderen zu helfen. Das sind deine Aufgaben. Aber denke nicht, dass die Erfüllung von Wünschen dich glücklicher macht. Und verlasse diese moderne Weltanschauung, dass Bedürfniserfüllung glücklich macht. Das ist der größte Irrtum der modernen Weltanschauung.                                                                                                           

 „Aus Santosha kommt unübertroffenes Glück.“ Wenn du diese Überzeugung hast und daran arbeitest, ist schon viel gewonnen. Dann kannst du entspannter mit deinen Wünschen umgehen. Und du kannst eben auch spielerisch sagen „Ab und zu mal einen Wunsch zu erfüllen, ist ja auch schön“! Es muss ja nicht nur „anuttama“ Glück sein, sondern es gibt ja auch das „laghu sukha“, das kleine Glück. Man kann ja die kleinen Dinge auch genießen. Aber das „anuttama sukha“ wird „labha“ – erreicht -, wenn du Zufriedenheit kultivierst. Mache das zu deiner Aufgabe.

So weit zu Santosha, Zufriedenheit, die zu Glück führt.

 

Mehr über all diese Aussagen von Patanjali findest du im Buch „Yoga Sutra“. Sukadev hat dazu auch einen Kommentar geschrieben: „Die Yoga-Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“. Dieser Beitrag ist Teil der Reihe zum Yoga Sutra, und auch Teil der ganzheitlichen Yoga Vidya Schulung, sowie Begleitmaterial zur Yogalehrer-Ausbildung von Yoga Vidya. Mehr Informationen unter www.yoga-vidya.de.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Warum soll man sich reinigen, und welche Konsequenzen hat Reinigung?

Einige faszinierenden Einsichten und einige zum Teil herausfordernden Aussagen von Patanjali

Warum sollte man sich reinigen? Welche Wirkung hat Reinigung? Wie kann man mittels Reinigung auch die Identifikation mit dem eigenen Körper überwinden? – Das sind einige Fragen, auf die Patanjali eingeht im 2. Kapitel, 40. & 41. Vers.

Wir sind bei den Niyamas im Yoga Sutra, und insbesondere bei Shaucha, Reinigung, und Sattva, Reinheit.

 

Wiederholung: Die Ashtangas, die 8 Stufen im Yoga sind ja

  1. Yama : das sind die Empfehlungen im Umgang mit anderen, man könnte auch sagen die yogische Ethik
  2. Niyama: das ist die persönliche Lebensführung – von welchen Grundsätzen aus sollte man sein Leben führen?
  3. Asana: das ist sowohl die Sitzhaltung, wie auch die Haltung im Alltag und auch die Yoga-Asanas
  4. Pranayama: die Herrschaft über das Prana mittels Atemübungen
  5. Pratyahara: das Zurückziehen
  6. Dharana: das ist die Konzentration
  7. Dhyana: die Meditation
  8. Samadhi: das Überbewusstsein

 

Es gibt 5 Niyamas:

  1. Shaucha: Shaucha heißt Reinheit, was dann auch Sattva mit beinhaltet, und Patanjali nennt auch ausdrücklich Sattva „die reine Lebensführung“
  2. Santosha: das heißt Zufriedenheit
  3. Tapas: heißt Askese und spirituelle Praxis
  4. Swadhyaya: heißt Selbststudium
  5. Ishvara Pranidhana: das ist die Hingabe an Gott

 

Wenn du die Beiträge aus dieser Reihe mitverfolgt hast, fällt dir vielleicht auf, dass am Anfang des 2. Kapitels Patanjali schon einmal Tapas, Swadhyaya und Ishwara Pranidhana verwendet hat im Kontext zum Kriya Yoga. Tapas. Swadhyaya und Ishwara Pranidhana zusammen sind der Kriya Yoga, das ist der Yoga der Tat. Das ist, was die Kleshas mindert, also was hilft, weniger Leiden zu haben, hat Patanjali gesagt. Und es führt zur Fähigkeit, zu Samadhi zu kommen. Diese 3 letzten Niyamas gelten auch als eigenständige spirituelle Praktiken.

 

Um das Ganze noch einmal in den Kontext zu bringen:

Es gibt eine Interpretation, die besagt, im Yoga Sutra gibt es verschiedene Stufen der spirituellen Praktiken. Unter anderem folgten z. B. Swami Krishnananda und Shri Karthikeyan dieser Interpretation, also zwei Lehrer von Sukadev (neben seinem Hauptlehrer). Diese beiden haben gesagt, die ersten 3 Verse vom Yoga Sutra sind gerichtet an „erstklassige“ Aspiranten: Übe jetzt Yoga, Yoga heißt das Zu-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist, dann erfährst du deine wahre Natur. Also, Gottverwirklichung geht ganz einfach: Nimm dir vor, jetzt Yoga zu üben, bring deine Gedanken vollkommen zur Ruhe, steigere deine Bewusstheit, dann bist du gottverwirklicht. Für erstklassige Aspiranten braucht es nicht mehr als das. Diese sind aber sehr selten; auch Sukadev sagt, er habe noch keinen solchen getroffen, aber es mag solche Aspiranten geben.                                                                                 

Dann beschreibt Patanjali im 1. Kapitel noch weitere Formen genauer, wie man zu Samadhi kommen kann. Er beschreibt natürlich auch, wie man seinen Geist zur Ruhe bringt, um das Ganze ein bisschen mehr auszuführen. Aber dann im 2. Kapitel geht es letztlich um „zweitklassige“ Aspiranten. Das sind solche, die üben Kriya Yoga, Tapas, Swadhyaya und Ishwara Pranidhana, und kommen dadurch zu Samadhi. Sie erkennen erst mal die Kleshas, im Sinne von: Leiden kommt durch Nicht-Wissen, Identifikation, Wünsche und Abneigungen, und letztlich Angst vor dem Vergehen. Wenn man das erkannt hat, dann übt man Viveka Khyati, d. h. die dauernde Unterscheidungskraft, und mit dieser im Hintergrund, kann man dann mittels Tapas, Swadhyaya und Ishwara Pranidhana alle Hindernisse überwinden.

Hier übt man Tapas im Sinne von spirituellen Praktiken und Bemühen, dann Swadhyaya, Selbststudium, im Sinne von Introspektion, Sich-Bewusst-Werden, Nachdenken, Überlegen – aber dann eben auch zu Erkenntnissen kommen aus dieser Introspektion. Dann folgt bedingungsloses Ishwara Pranidhana. Und wenn man so an sich arbeitet, also Praktiken übt, Selbststudium, Hingabe an Gott, führt das zu dauerhaftem Viveka Khyati, also dauerhafter Unterscheidungskraft, und dann überwindet man alle Verhaftungen. Man überwindet alle Wünsche, Abneigungen, Identifikation, Unwissenheit, und erreicht die Gottverwirklichung.

Dann geht es um die „drittklassigen“ Aspiranten, solche, denen das nicht ausreicht. Hier sagt Patanjali: Um Viveka Khyati, also diese dauernde Unterscheidungskraft, zu erlangen, dazu übt der Yogi die Ashtangas, die 8 Stufen. Patanjali sagt, Yama ist absolut notwendig. Wenn man kein Yama übt, dann bleibt man in Unwissenheit, in dauerhaftem Leid. Also gilt es, die 5 Yamas zu entwickeln. Die Yamas sind insbesondere die Ethik im Umgang mit anderen. Niyama ist so etwas wie eine persönliche Lebensführung.

 

Die Niyamas im Kontext des Ashtanga Systems

Wie solltest du dein Leben führen? Da gilt als erstes: Shaucha, und das heißt, ein reines Leben führen, ein sattviges Leben führen. Interessanterweise sagt Patanjali gar nicht, was das heißt. Er sagt nicht: Dies ist sattviges Leben, dies ist ein reines Leben. Er spricht nur über die Konsequenzen von einem sattvigen Leben. Also geht er davon aus, dass du weißt, was ein sattviges Leben ist. Und natürlich ist ein sattviges Leben in unterschiedlichen Lebensumständen und vielleicht auch in unterschiedlichen spirituellen Systemen und zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Das ist ja die Genialität des Yoga Sutra, weshalb Sukadev gerne sagt: Yoga Sutra ist die einzige Schrift, wo er sagen kann, er hat kein einziges Wort und keinen einzigen Satz gefunden, den er heute für überholt halten würde. Auch dadurch, dass Patanjali eben nicht zu konkret wird, ist es nie überaltert.                                                  

Wie man jetzt Shaucha, reinen Lebensstil, definiert, das ist dann wieder unterschiedlich. Es gibt eine ganze Vortragsreihe darüber, wie die Definition bei Yoga Vidya, in der Tradition von Swami Sivananda und damit der Yoga Vedanta Tradition ist. Gerade im Kontext von „Der spirituelle Weg“ ist Sukadev dort recht ausführlich auf Sattva eingegangen, und im Rahmen der Bhagavad Gita Vorträge wird Sattva, Reinheit, ebenfalls etwa ein Dutzend Mal genauer beschrieben.

Patanjali geht als Nächstes auf Santosha ein: Kultiviere Zufriedenheit in deinem Alltag.            

Viele Lehrer sagen, Tapas heißt an dieser Stelle: spirituelle Praktiken üben. Es heißt aber auch: bewusst Dinge tun, die du nicht magst. Man könnte auch sagen, Santosha heißt: bewusst auf Dinge verzichten, die du magst, sei zufrieden mit dem, was kommt. Und Tapas würde heißen, auch bewusst Dinge zu tun, die du nicht magst, natürlich alles unter dem Oberbegriff Shaucha, Reinheit.                                                                                

Swadhyaya wird an dieser Stelle von Patanjali definiert als Studium der Schriften. Oft wird gesagt: Im Kontext des Kriya Yoga ist Swadhyaya Introspektion, Nachdenken, Kultivieren von Unterscheidungskraft. Und im Kontext der Niyamas ist gerade das eigene Studium von Schriften von besonderer Bedeutung.                                                                                             

Schließlich Ishwara Pranidhana: Verehrung Gottes. Manche sagen auch, über Swadhyaya kommt der ganze Jnana Yoga ins Yoga Sutra hinein, über Ishwara Pranidhana kommt der ganze Bhakti Yoga ins Yoga Sutra hinein, durch die Yamas kommt Karma Yoga hinein, und wenn es später zu Asana und Pranayama kommt, kommen letztlich Kundalini Yoga und Hatha Yoga ins Yoga Sutra. So ist zwar das Yoga Sutra die Grundlage des Raja Yoga Systems, schließt aber die anderen Yoga Wege mit ein.

Soweit die Niyamas im Kontext des Ashtanga Systems. Bevor es um die eigentlichen Praktiken geht, die ja Patanjali sehr viel detaillierter beschreiben wird – Asana, Pranayama, Pratyahara, und dann ganz besonders Dharana und Dhyana und Samadhi – geht es also erst mal um Yama, Ethik im Umgang mit anderen, und Niyama, einen spirituellen Lebensstil.

 

Spiritueller Lebensstil

Was heißt es, ein spirituelles Leben zu führen? Es heißt, ein reines Leben zu führen. Es heißt lernen, Zufriedenheit zu üben, heißt, bereit zu sein, Dinge zu tun, die du nicht magst, und regelmäßige spirituelle Praktiken zu üben (das waren Shaucha, Santosha, Tapas). Spirituelle Schriften zu lesen, und es heißt, Hingabe an Gott zu üben. Das ist die Grundlage eines spirituellen Lebensstils, auf dessen Grundlage überhaupt die nächsten Schritte bis zur Verwirklichung möglich sind.

 

Und was sagt jetzt Patanjali konkret über Shaucha und Sattva?

  1. Vers, 2. Kapitel:

 „Durch die Reinigung entsteht Ekel gegenüber dem eigenen Körper, und eine Abneigung gegenüber physischem Kontakt mit anderen.“ - Das ist vielleicht der “schwierigste” Vers des gesamten Yoga Sutra.                                                                                                                                    

 

Der 41. Vers klingt etwas positiver:                                                                                                                           „Durch die Reinigung entstehen geistige Klarheit, heiteres Gemüt, Konzentrationsfähigkeit, Kontrolle der Sinne und Eignung für die Verwirklichung des Selbst.“ – Hier sagt er also eine ganze Menge, und hier lobt er praktisch Sattva und Shuddhi über alle Maßen.

Betrachtet man den 40. Vers genauer, so steht dort „jugupsa“, was man übersetzen kann als Abscheu. Aber man könnte auch sagen, die Fähigkeit der Loslösung. Die meisten Menschen identifizieren sich ja mit ihrem Körper, und identifizieren sich auch mit den körperlichen Bedürfnissen. Viele Menschen haben eine große „Besessenheit“, dass sie unbedingt sich um ihren Körper kümmern müssen, und sie haben auch die „Besessenheit“, mit anderen in physischem Kontakt zu sein. Patanjali sagt: Wenn man sich reinigt, dann kann man sich lösen vom Körper.

Es gibt ja manchmal die umgekehrte Aussage, wo man sagt: Ich identifiziere mich nicht mehr mit meinem Körper – und das heißt dann, dass ich ihn vernachlässige. Man findet das z. B. auch in manchen religiösen und spirituellen Traditionen: Menschen sagen „Ich identifiziere mich nicht mehr mit dem Körper“, und dann lassen sie die Haare einfach wachsen, sie waschen sich nicht mehr, sie kümmern sich nicht um ihre Kleidung, sie verdrecken.                                                                                                                                            

Diese Tradition gibt es auch in Indien, es gibt sie auch in den Klöstern, oder außerhalb, bei den Wanderasketen, in den verschiedenen Religionen. Aber Patanjali würde sagen, wenn man das macht, dann ist man letztlich doch stärker identifiziert mit dem Körper. Wenn du deinen Körper reinigst, dann wird der Körper durchlässiger. Und Reinigung kann ja sehr viel heißen: Es heißt physische Reinigung, es heißt reine Nahrung, es heißt Kriyas zu üben (Yoga-Reinigungsübungen). So könnte man sagen: Transzendierung des Körperbewusstseins kann leichter geschehen, wenn du deinen Körper reinigst. Wenn du eine sattvige Ernährung hast, und eben verzichtest auf Fleisch, Fisch, Alkohol usw., und außerdem verzichtest auf zu viele Fertigprodukte, wenn du einen hohen Rohkostanteil hast, wenn du nicht zu häufig isst, wenn du also auf deine Nahrung achtest, dann fühlt sich dein Körper leicht an, und dann fällt es leichter z. B. in der Meditation den Körper zu transzendieren. Dann fällt es auch leichter, dein Bewusstsein zu erheben.                                                                                                                                     

Und genauso auch, wenn du so deinen Körper transzendiert hast, dann fällt es dir auch leichter, mit einem anderen in die Tiefe seines Wesens zu gehen. Wenn du also mit einem anderen Menschen zusammen bist, dann interessiert dich weniger sein Körper, du wirst weniger von äußerer Schönheit, oder äußerem Erscheinungsbild geprägt, und auch nicht so sehr, welche Kleidung der Mensch gerade trägt. Es heißt ja oft „Kleider machen Leute“, und viele Menschen lassen sich sehr stark von der Kleidung eines anderen beeinflussen. Wenn du dich innerlich gereinigt hast, dann gelingt es dir, dich zu lösen von Äußerlichkeiten, Kleidung und Frisur, Brille und vielem anderen. Und die innere Reinigung führt dazu, dass du dich öffnen kannst für die Tiefe eines anderen, und letztlich auch, dass du deinen eigenen Körper transzendieren kannst.

 

Swami Sivananda war ja in späteren Jahren etwas übergewichtig. Und dann gibt es manche Aspiranten, die relativ neu sind, die fragen dann: „Warum waren die übergewichtig?“, und bezweifeln, dass man überhaupt eine Meisterin/ein Meister sein kann, wenn man übergewichtig war. Man sieht einfach nur aufs Äußere. Das ist ein sicheres Zeichen: Man hat sich nicht ausreichend gereinigt. Meister können untergewichtig sein, sie können übergewichtig sein. Sie können eine bürgerliche Kleidung tragen oder sie können eine asketische Kleidung tragen. Sie können indisch oder europäisch gekleidet sein, es spielt keine allzu große Rolle.

 

Menschen, die nicht selbst gereinigt sind, legen Wert auf Äußerlichkeiten. So könnte man dieses „jugupsa“ auch interpretieren – und das ist eine legitime Interpretation vom Standpunkt des Yoga Sutra – dass Reinheit dazu führt, dass man auf Äußerlichkeiten wie Körper und Kleidung nicht mehr so viel Wert legt. Aber die ursprüngliche Bedeutung, „jugupsa“ als Ekel gegenüber dem Körper, kann auch heißen, dass man sich eben nicht mehr so sehr um seinen Körper kümmert. Das heißt, man reinigt den Körper – reine Ernährung, reine Kleidung, reine Umgebung, reine Sprache usw., aber es hilft einem, sich davon zu lösen, und aufzuhören, sich mit dem Körper zu identifizieren. Also: Nicht-Identifikation entsteht durch Reinigung. Und damit auch die Fähigkeit, dass man den körperlichen Kontakt mit anderen nicht mehr so braucht, weil man reiner ist und deshalb den Seelenkontakt hat.

 

Im 41. Vers verspricht uns Patanjali alles Mögliche durch die Reinigung. Wenn wir uns also reinigen, haben wir geistige Klarheit. Dann auch heiteres Gemüt, gute Konzentration, Fähigkeit der Sinneskontrolle, und wir können Atmadarshana, die Selbstverwirklichung erreichen. Umgekehrt könnte man sagen: Wenn du irgendwo das Gefühl hast, dass du geistig unklar bist, dann reinige dich. Überlege erst mal, wie ist das mit dem Sattva? Man könnte auch sagen: Bevor du zu einer wichtigen Entscheidung kommst, mache dein Leben sattvig.                                                                                                                                                                      

Sukadev kannte einige Menschen, die immer gesagt haben, wenn eine wichtige Entscheidung vor ihnen stand, haben sie ein paar Tage gefastet. Das sind natürlich Menschen, die es gewohnt sind, zu fasten. Das erstmalige Fasten wird vielleicht nicht unbedingt zu geistiger Klarheit führen, es wird eher zu Reinigungserfahrungen führen. (Zum Thema „Fasten“ gibt es auch schon eine Vortragsreihe von Sukadev.) Aber wer regelmäßig fastet, der kann durch eine Fastenperiode Klarheit des Geistes erlangen. Und du kannst eben auch sagen: vor einer wichtigen Entscheidung alle Ernährungsregeln sehr sattvig halten.                  

Er sagt auch, heiteres Gemüt wird erreicht. Wenn du also leicht depressiv bist, oder Ängstlichkeit, innere Unruhe hast, kannst du auch überlegen: Ist mein Leben sattvig? Sollte ich mein Leben sattviger gestalten?

Oder, du bist unfähig zur Konzentration, lässt dich leicht ablenken. Überlege: Wie kann ich meinen Geist sattviger gestalten?

Wenn du irgendwo merkst, dass du hilflos deinen Wünschen und Begierden ausgesetzt bist, kannst du auch überlegen: Wie kann ich mein Leben sattviger gestalten?

Atmadarshana kann man auch so interpretieren – natürlich als Selbstverwirklichung, damit greift es sehr hoch – dass du dich selbst irgendwo nicht mehr wahrnimmst, dass du nicht mehr weißt „Was bin ich überhaupt, und worum geht es mir wirklich?“ Die Intuition ist nicht da. Dann gilt es immer, sattvig zu sein.

 

In diesem Sinne: Wenn du jemals in dir wahrnimmst, dass dein Gemüt nicht heiter ist, dass deine Konzentrationsfähigkeit nicht gut ist, dass du deine Sinne nicht beherrschen kannst, dass du dich irgendwo selbst verloren hast, dann überlege: Wie kann ich mein Leben sattvig gestalten? Und dann schau nach auf den Internetseiten von www.yoga-vidya.de, z. B. wiki.yoga-vidya.de/Sattva, und dann findest du viele Empfehlungen aus dem Yoga, wie man ein sattviges Leben führen kann. Oder gehe eben zu einem dieser Vorträge im Rahmen der Yoga Vidya Schulung, wo es um „Sattviger Lebensstil als Teil des spirituellen Weges“ geht.

Ein letzter Tipp: Wenn du dein Leben wirklich gründlich sattvig machen willst, die einfachste Möglichkeit wäre: Komme ein paar Tage oder Wochen in den Yoga Vidya Ashram, entweder Bad Meinberg, Allgäu, Westerwald oder Nordsee. Da ist alles auf Sattva ausgerichtet, vom Essen bis zum Zimmer, bis zu den Worten, mit denen man sich unterhält, bis zu der Gestaltung des Tagesablaufs, Reinheit auch durch die ganzen spirituellen Praktiken. Reinheit auch dadurch, dass diese Ashrams alle in der Natur sind, eine hohe reine sattvige Schwingung da ist. Du kannst also, wann immer du dein Sattva erhöhen willst, einfach ein paar Tage in einen Yoga Vidya Ashram gehen. Und  nimm dann die Sattva-Regeln ganz besonders ernst.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 2. Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali, 39. Vers

Patanjali schreibt, ist Aparigraha fest begründet, versteht man den Sinn des Lebens. Aparigraha heißt Unbestechlichkeit. Aparigraha heißt auch nicht annehmen von Geschenken. Heißt das Aufgeben von Gewinnsucht, auch das nicht horten von Dingen, letztlich auf Englisch non covetousness, das heißt den Nichtwunsch immer mehr an zu horten. Aber im engeren Sinne ist Aparigraha Unbestechlichkeit. Unbestechlichkeit kann in vielen Kontexten vieles bedeuten. Ich habe ja auch schon einige Vorträge darüber gegeben, auch schon Videovorträge, Audiovorträge. Auch schon darüber gesprochen im Rahmen der Yoga Vidya Schulungsreihe. Deshalb erst mal eine kurze Wiederholung, Bestechung im engeren Sinne heißt jetzt nicht, dass du keine Geschenke annehmen darfst. Also im Grunde genommen, um Liebe zu haben, gilt es natürlich auch anderen etwas Gutes zu tun. Wenn du anderen etwas Gutes tust, dann werden auch andere dir etwas Gutes tun wollen. Wenn du Geburtstag hast, werden andere als Zeichen ihrer Liebe und Respekt dir etwas geben. Und wenn andere Geburtstag haben, gibst du ihnen etwas. Das heißt letztlich zwischenmenschliche Beziehungen zu vertiefen und Liebe zu haben.

 

Bestechlichkeit heißt, es kann zwei Dinge heißen, erstens dass du in deinem ethischen Verhalten eingeschränkt wirst, weil du etwas bekommen hast. Du bist also nachher nicht mehr in der Lage, das ethisch korrekte zu machen. Es gibt zum Beispiel viele Beispiele von Mafioses. Irgendjemand war in der Not und dann kommt irgendein Mafioso zu dir und sagt: Ich kann dir die Not lindern, du musst jetzt nichts mehr tun, aber irgendwann werde ich kommen und dich um einen Gefallen bitten. Wenn du so etwas tust, dann hast du gegen Aparigraha verstoßen. Oder wenn dir jemand etwas gibt, aber eine starke Bedingung daran knüpft und die nachher nicht mehr ethisch ist. Also nimm keinen Gefallen an, der dich nachher zu etwas verpflichtet, was gegen deine ethischen Prinzipien ist. Das ist der eine Aspekt von Aparigraha.

 

Zweiter Aspekt von Aparigraha heißt: Nimm keine persönlichen Geschenke an, um jemand anderen im Namen einer Institution, die du vertrittst, Vorteile zu verschaffen. Das ist ja die klassische Definition von Bestechlichkeit. Klassisches Beispiel. Jemand auf dem Bauamt im Kreis oder in der Stadt bekommt einen persönlichen Gefallen, ein Geldgeschenk von einer Firma und deshalb bekommt diese Firma den Auftrag. Oder bekommt diese Firma auch weniger Auflagen, um den Auftrag auszuführen. Oder zweites Beispiel, ein Einkäufer in einem Unternehmen bekommt vergünstigte Kleidung oder wird zum Urlaub eingeladen und so weiter und dafür gibt er der Firma, die ihn diese Vergünstigungen gibt, im Namen seiner Firma vermehrt Aufträge. Also jemand gibt einem Menschen zum Beispiel im Wert von 5.000 EURO und dafür kriegt diese Firma einen Auftrag über 500.000 EURO. Das ist ein typisches Beispiel für Bestechlichkeit. Diese Art von Bestechlichkeit solltest du nicht haben.

 

Ein dritter Aspekt von Aparigraha, den Swami Sivananda gerne beschreibt, ist auch die Abwesenheit von der Gier immer mehr für dich zu haben. Er sagt, dann versteht man den Sinn des Lebens. Patanjali sagt ja, wenn du in diesem Aparigraha verankert bist, wenn du also nicht ständig mehr für dich haben willst, dann verstehst du auch, was deine Aufgabe ist, was der Sinn deines Lebens ist, was deine Pflicht ist. So wie du aufhörst zu überlegen, was du brauchst, was du willst, weißt du was zu tun ist. Aber das gilt sogar im beschränkten Sinn. Wenn du niemanden bestichst und selbst nicht bestochen werden kannst, dann fällt es dir leichter, das ethisch richtige zu tun. Und dann verstehst du leichter den Sinn, warum das, was geschieht, tatsächlich auch geschieht. Jetzt kannst du selbst nochmal darüber nachdenken, was dieser Vers alles bedeutet. Ist Aparigraha fest begründet, versteht man den Sinn des Lebens.

 

Ich will mit Om und Shanti schließen, dazwischen das Patanjali Mantra wiederholen und danach kannst du ja selbst nochmal nachdenken, wo verstößt du vielleicht gegen Aparigraha und wie könntest du Aparigraha noch mehr umsetzen.

Om. Om. Om.

Yogena Chittasya Padena Vacham '

Malam Sharirasya Cha Vaidyakena

Yo'pakarot Tam Pravaram Muninam '

Patanjalim Pranjalir Anato'smi

Om Shanti, Shanti, Shanti.

Om Frieden, Frieden, Frieden.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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YVS509 Brahmacharya - Yogasutra II 38

Kommentar zum 38. Vers des 2. Kapitels des Yoga Sutra von Patanjali

Ist Brahmacharya fest begründet, erlangt man große Lebenskraft. Oder wie es Patanjali schreibt: „Brahmacharya Pratishthayam Viirya Labhah“ Also fest begründet, Pratishtha. Und zwar was Brahmacharya, dann folgt Virya, Lebenskraft, und Labhah, sie wird erlangt.

In diesem Sinne: wie bekommst du große Virya, Vitalität, Lebenskraft und Stärke durch Brahmacharya? Was heißt jetzt Brahmacharya? Brahmacharya kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Oft wird es bezeichnet als sexuelle Mäßigung und Enthaltsamkeit. Und hier gibt es auch einige Aussagen, dass durch Enthaltsamkeit, also Verzicht auf Sexualität in Verbindung mit spirituellen Praktiken, letztlich Ojas erzeugt werden kann, also spirituelle Energie. Durch bewussten Verzicht auf Sexualität und dabei spirituelle Praktiken wird die sexuelle Energie, eine besondere Form von Apana Vayu umgewandelt in spirituelle Energie, Ojas. Wenn man so anschaut, so viel, was Menschen tun, ist auch irgendwo von Sexualität motiviert und führt dann natürlich zu allen möglichen Schwierigkeiten. Man kann jetzt Brahmacharya definieren als sexuelle Mäßigung, was man machen könnte, wenn man erst mal eine Weile zusammen ist, dann geschieht es ja fast von selbst. Und dann kann man das nochmal bewusst annehmen und kann bewusst dann die Energie nach oben ziehen. Wenn eine Beziehung zu Brüche gegangen ist, anstatt sich in die nächste zu stürzen, könnte man ja sagen, jetzt lebe ich mal mindestens ein Jahr sexuell enthaltsam. Das hilft auch der nächsten Beziehung. Menschen, die von einer Beziehung zur nächsten hineinstürzen, haben dann auch oft in der nächsten Beziehung wieder Schiffbruch. Besser man gönnt sich eine Zeit sexueller Enthaltsamkeit. Gut, oder du könntest Swami werden, Mönch über den Umweg von Brahmacharya, im Sinne von einem Novize, einer Novizin. Ich will das jetzt nicht zu weit ausbauen. Es gibt ja auch mehrere längere Vorträge von mir über das Thema Sexualität und Yoga, wo ich die verschiedenen Aspekte der Sexualität auch beschrieben habe.

 

In jedem Falle, das Minimum, und als solches gelten ja die Yamas als für alle gültig, ist Brahmacharya Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens. Was sexuelles Fehlverhalten ist, wird in unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedlich gedeutet. Es gab zum Beispiel in Europa eine Phase, da galt Geschlechtsverkehr vor der Ehe als unethisch. Es gab eine Phase, zum Beispiel im Judentum, da war es erlaubt, dass ein Mann mehrere Frauen hat. Zum Beispiel, ich glaube, Jakob hatte mehrere Frauen, Isaak in jedem Fall, Abraham. Es gab eine Zeit im alten Indien, zum Beispiel zurzeit von Krishna, der Bhagavad Gita, da war es durchaus o.k., wenn Männer mehrere Frauen haben oder eine Frau mehrere Männer. Da gab es sogar solche Dinge wie Männer haben mehrere Frauen und die eine Frau hat mehrere Männer und das war wie so ein ganzer Sozialverband, die miteinander ehelich verbunden waren. Würden wir heute etwas schräg finden. Obgleich es so etwas heutzutage auch gibt, aber ohne ehelichen Bund. Ich möchte jetzt nicht so weiter ausbauen.

 

Heutzutage gibt es natürlich sexuelles Fehlverhalten und sexuelles Fehlverhalten ist sicherlich jede Form von Sexualität, die mit Gewalt verbunden ist, Sexualität mit Minderjährigen. In jedem Land ist das etwas unterschiedlich geregelt. In Deutschland in jedem Fall verboten, dass ein Erwachsener sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen unter 16 hat. Aus sehr guten Gründen verboten. Natürlich ist es auch verboten, oder ist es letztlich auch Verstoß gegen Brahmacharya, wenn man anzügliche Bemerkungen macht, wenn man letztlich als Mann Frauen unsittlich berührt, wie das leider sehr viel der Fall ist. Es ist gerade das Jahr 2017. Ein Jahr wo viel Fehlverhalten an die Öffentlichkeit tritt, was bekannte Schauspieler, bekannte Politiker, bekannte Regisseure und Produzenten und so weiter an den Tag gelegt haben. Allgemein deine Stellung auszunutzen für sexuelle Kontakte, all das ist sexuelles Fehlverhalten. Man könnte natürlich sagen, am einfachsten könnte man sexuelles Fehlverhalten unter Ahimsa summieren. Was also heißen würde, alles, was andere verletzt ist auch Verletzung von dem Prinzip von Brahmacharya. Und natürlich auch, wenn du in einer Beziehung bist, wo die Treue ihr euch gegenseitig versprochen habt, dann ist sexuelle Untreue auch ein Verstoß gegen Brahmacharya. Und hier würde auch wieder heißen, wenn man einfach Sklave seiner sexuellen Wünsche ist und seiner sinnlichen Wünsche, dann führt das natürlich dazu, dass man Lebenskraft verliert.

 

Die indischen Schriften sind auch voll von Beispielen, wo Männer oder Frauen durch große Treue, große Lebenskraft bekommen haben. Das heißt ja nicht immer Enthaltsamkeit. Es gibt zum Beispiel die Mutter von Dattatreya. Von ihr heißt es, dass sie eine extreme Treue zu ihrem Mann hatte, ihr Mann war öfters weg und es kamen dann immer wieder andere Männer, die mit ihr irgendetwas haben wollten, sie verführen wollten oder zum Teil sogar fast gewaltsam nehmen wollten. Und sie hatte eine solche Stärke, dass keiner ihr etwas anhaben konnte. Und durch ihre große Hingabe an ihren Mann, der übrigens die gleiche Hingabe an sie hatte, hatte sie eine Stärke, eine Lebensenergie, eine Kraft und Siddhis bekommen. Und so ist auch die Treue etwas, was große Lebenskraft erzeugt.

 

In diesem Sinne also Brahmacharya verschieden zu verstehen. Brahmacharya kann das Noviziat sein, um zum Swami, zum Mönch, Nonne zu werden. Brahmacharya kann heißen sexuelle Enthaltsamkeit. Brahmacharya aber als etwas universelles Verhalten heißt Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens.  Und mindestens daran solltest du dich halten. Wenn du mehr wissen willst über Yoga und Sexualität, dann geh einfach auf unsere Internetseite www.yoga-vidya.de und gib dort in das Suchfeld ein Yoga und Sexualität und so kannst du nachlesen oder auch mal einen anderen längeren Vortrag anhören über Sexualität vom Standpunkt des Yoga und für die spirituelle Entwicklung. Da gibt es tatsächlich im Yoga verschiedene Konzepte.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 37. Vers des 2. Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali

Patanjali schreibt, ist Asteya fest begründet, kommen alle Kostbarkeiten wie von selbst. Das ist auch ein Gesetz der Entsagung. Wenn du alles möglich nimmst, dann wird es vor dir fliehen. Wenn du aber nichts mehr nimmst, dann wird es dir hinterherrennen. Eine Analogie ist der Schatten. Wenn du dem Schatten willst, rennt er vor dir weg. Wenn du den Schatten ergreifen willst, rennt er weg. Solltest du aber den Schatten nicht weiter beachten, folgt er dir. So ähnlich auch, wenn du Dinge haben willst, wirst du nie genug haben. Wenn du aber aufhörst, Dinge haben zu wollen, wird dir alles zufallen.

Jesus hat ja auch in den Evangelien gesagt „Strebe zuerst nach dem Königreich Gottes, dann wird euch alles andere von selbst zu fallen.“ Gut, hier ist es noch etwas konkreter. Er sagt „Asteya Pratishtha Savva Ratna Upa Sthanam“, dann treten alle kostbaren Dinge in Erscheinung. Wenn du andere belügst, betrügst und du dir Dinge nimmst, die dir nicht zustehen, dann schaffst du natürlich auch ein negatives Karma und du minderst deine Gedankenkraft. In dem Moment, wo du aufhörst irgendetwas, was dir nicht zusteht, haben zu wollen und in irgendeiner Form dir Dinge zu nehmen, die dir nicht zustehen, kriegst du alle Kostbarkeiten, die du brauchst.

 

Das heißt jetzt nicht, dass du zum Milliardär wirst. Aber es heißt, dass du alles bekommst, was du brauchst. Denke also nicht, um zu bekommen, was ich brauche, muss ich notfalls etwas betrügen, was ist da so schlimm, der andere hat so viel Geld, der kann mir ruhig etwas abgeben. Der macht es nicht freiwillig und ich nehme es jetzt. Und es ist ungerecht, wie es zugeht und außerdem kann ich das Geld viel besser verwenden als andere. Sondern, Asteya verankern. Unter keinen Umständen unrechtmäßiges wegnehmen, unter keinen Umständen Menschen etwas wegnehmen, was dir nicht gehört. Niemanden betrügen. Dann wird dein Geist stark und du bekommst alle Kostbarkeiten. Also nochmal der Vers ist: Nicht stehlen fest begründet kommen alle Kostbarkeiten wie von selbst.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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YVS507 Satya im Yoga Sutra – YS II 36

Kommentar zum 2. Kapitel, 36. Vers

Patanjali schreibt, wenn Wahrhaftigkeit fest begründet ist, erlangt man die Frucht der Handlung ohne zu handeln. Hier beschreibt Patanjali, was passiert, wenn du im Satya bist, Wahrhaftigkeit. Wenn du nicht lügst in Gedanken, Wort und Tat. Er sagt, dann bekommst du die Frucht der Handlung ohne zu handeln. Wenn du wahrhaftig bist, wird dein Geist so stark, dass das, was du denkst und das, was du sagst, Wirklichkeit wird. Und die indischen Schriften, die Puranas, die Itihasas. Die Itihasas sind voll von Geschichten, wo jemand der in dieser vollkommenen Satya wahr, wenn er dann irgendetwas gesagt hat, wenn es mal ausnahmsweise nicht gestimmt hat, dann ist es zur Wirklichkeit geworden. Die Geisteskraft wird umso stärker, je wahrhaftiger du bist.

 

Im Raja Yoga heißt es, Gedanken sind geistige Kräfte. Jeder Gedanke ist nicht nur irgendeine Hirnfunktion, nicht eine Aktivierung von Hirnpotentialen, sondern es ist eine Kraft an sich. Und die Gedankenkraft ist vielleicht die stärkste Kraft im Universum überhaupt. Und um diese Gedankenkraft zu stärken ist es wichtig, dass du nicht lügst. So wie du lügst und scheinheilig bist und etwas vorgibst, was du nicht bist, wenn du die Unwahrheit sagst, um etwas zu bekommen. All das macht deinen Geist schwach. Und wenn dein Geist schwach ist, dann wirkt er nicht mehr. Wenn du dagegen das Prinzip hast, die Wahrheit zu sagen, dann wird dein Geist so stark, dass du bekommst, was du willst ohne zu handeln. Und dass das eintritt, was du denkst oder sagst auch ohne dass du selbst handeln musst. Also die Kraft von Satya ist riesengroß. Die scheinbaren Vorteile des Lügens sind nur scheinbar. Sie schwächen deinen Geist und führen sogar auf einer materiellen Ebene dazu, dass du weniger hast und weniger bist. Also sei wahrhaftig.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 2. Kapitel, 35. Vers

Patanjali schreibt, wenn nicht Verletzen fest begründet ist, wird Feindschaft in der Gegenwart des Yogis aufgegeben. Oder anders ausgedrückt, wer in Ahimsa fest beständig ist, begegnet keiner Feindseligkeit. Ein interessanter Vers und damit beginnen die einzelnen Verse, die über die Wirkung der verschiedenen Yamas und Niyamas sprechen. Patanjali beschreibt nicht so genau, was Ahimsa genau heißt. Er hat ja gesagt, die Yamas, die er beschreibt, sind gültig für alle Wesen. Aber wie sie es umsetzen, ist wiederum unterschiedlich.

 

Ein Polizist hat bestimmte Aufgaben und das Festnehmen eines Verbrechers wird durchaus vom Verbrecher nicht gerne gesehen. Das ist aber seine Aufgabe. Und einen Schullehrer, eine Schullehrerin wird auch manchmal Kinder zu Recht weisen müssen. Dagegen zum Beispiel ein Yogalehrer, Yogalehrerin wird vielleicht etwas milder sein können als ein Lehrer in einer Brennpunktschule. In diesem Sinne, wie Ahimsa genau gelebt wird, das ist für jeden etwas unterschiedlich. Oder auch verschiedene der Yamas können ja auch miteinander in Konflikt sein. Patanjali lässt sich jetzt nicht darauf ein, das zu sehr auszubauen. Dafür gibt es dann andere Schriften, und das ist ja auch in jedem Zeitalter anders.

 

Gerade weil Patanjali sich enthält, ganz konkrete ethische Empfehlungen zu geben, ist Patanjali bis heute hochaktuell. Und es gibt eigentlich keinen einzigen Vers in Yoga Sutra, wo man sagen würde, vor dem Licht heutiger Erkenntnisse und unserer heutigen Ethik müsste man diesen Vers anders formulieren. Das zeichnet das Yoga Sutra im hohen Maße aus. Und so sagt er hier, wer begründet ist in Ahimsa trifft auf keine Feindschaft. Was heißt das jetzt?

 

Es heißt zwei Dinge. Zum einen, ein friedfertiger Mensch neigt normalerweise dazu, dass andere Menschen ihn friedfertiger behandeln. Es gibt zum Beispiel Menschen, wenn die irgendwo in einer Gruppe sind, dann sind alle etwas friedfertiger. Aber wenn dieser Mensch nicht mehr da ist, dann streitet sich alles wieder. Ein friedfertiger Mensch führt zu mehr Frieden in seiner Umgebung. Aber absolut stimmt das auch nicht.

Auch ein Jesus Christus wurde an das Kreuz genagelt, gegen Buddha gab es mehrere Mordanschläge, auch gegen Swami Sivananda gab es ein Mordattentat. Mahatma Gandhi und Martin Luther King sind erschossen worden. So kann man nicht sagen, dass jemand, der verankert in Ahimsa nie irgendwelche Feindschaft trifft, aber auf einer anderen Ebene stimmt es. Ein Mensch, der voller Wohlwollen, Einfühlungsvermögen ist und gegenüber keinem Menschen Feindschaft hegt, hat auch nicht das Gefühl, dass irgendjemand anderes Feindschaft gegen ihn oder sie hegt. Swami Sivananda, als ein Mordanschlag auf ihn verübt wurde, hat nicht gesagt, ich vergebe meinem Feind, sondern er hat gesagt: Gott ist zu mir gekommen in Gestalt dieses Menschen. Nicht dieser Mensch war bösartig, sondern Gott ist zu mir gekommen in dieser Gestalt.

 

Jesus hat zwar in der Bergpredigt gesagt „Liebt eure Feinde.“, das ist aber eine Vorstufe. Jesus selbst hat keine Feinde gekannt. Am Kreuz hat er gesagt „Vater vergib Ihnen, denn wissen nicht, was sie tun.“ Er hatte nicht das Gefühl gehabt, dass irgendjemand ihn gegenüber feindselig gestimmt ist. Er hatte das Gefühl gehabt, er erfüllt seine Aufgabe. Jesus wusste, dass seine Aufgabe sein würde, am Kreuz zu sterben. Und die, die ihn an das Kreuz gebracht haben und diejenigen, die ihn gefoltert haben, gemartert haben, waren nicht böse. Er hat nicht das Gefühl gehabt, auf Feindschaft zu treffen.

In diesem Sinne, wenn du fest verankert bist in Ahimsa und damit auch in Liebe und Mitgefühl, dann wirst du Menschen so tief verstehen, dass du noch nicht mal das Gefühl hast, dass Feindschaft da ist, selbst jemand dir schlimmstes antut. Und das ist letztlich auch ein Zeichen, dass du in Ahimsa verankert bist. Dass du nicht das Gefühl hast, dass irgendwelche Menschen böse sind oder dir böse wollen. Vielleicht sind sie missgeleitet, so wie Jesus gesagt hat „Sie wissen nicht, was sie tun.“ Vielleicht schaffen sie sich schlechtes Karma, vielleicht sind sie verletzt, vielleicht sind sie unwissend. Aber du brauchst Ihnen nicht böse zu sein. Bist du in Ahimsa fest verankert, siehst du keine Feindschaft mehr? Denke mal darüber nach.

 

Eventuell kannst du auch überlegen: Gibt es Menschen, die du irgendwo ansehen würdest als deine Feinde? Versuche sie vom Herzen her zu lieben. Versuche vielleicht auch, sie mitfühlend zu betrachten. Sei dir bewusst, wenn sie wirklich schlechtes tun, schaffen sie sich schlechtes Karma. Sie sind Instrumente, dass du dein Karma erfährst. Aber sie selbst schaffen sich schlechtes Karma. Also solltest du Mitgefühl mit Ihnen haben und keine negativen Gefühle. Ja, soweit für heute. Wenn du das nachlesen willst, kannst du machen in dem Buch „Die Yoga Weisheit des Patanjali von Menschen von heute.“

Mehr zum Yoga Sutra findest du auch auf unseren Internetseiten. Wenn du einen anderen Kommentar noch hören oder lesen willst, dann gib einfach „Patanjali Yoga Sutra 2/35“ ein und dann kommst du auf diesen Vers Sanskrit, Deutsch, Wort für Wort Übersetzung und verschiedene Kommentare.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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Kommentar zu den Versen 30-34 aus Patanjali, Yoga Sutra

Was sind die Yamas und die Niyamas? Warum sollte man sich ethisch verhalten im Alltag? Und wie kann man das erreichen? Das sind die Themen des Yoga Sutra ab Vers 30 im 2.Kapitel.

 

Die Yamas bestehen aus Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya, Aparigraha. Yamas zunächst wird oft übersetzt mit Selbstbeschränkung. Yama ist aber de facto Ethik im Umgang mit Anderen. Ahimsa, Nicht-Verletzen, himsa heißt verletzen, a, kurzes a vor einem anderen Wort heißt meistens das Gegenteil davon, Ahimsa also Nicht-Verletzen. Satya heißt Wahrhaftigkeit. Das was in Sat, der Wahrheit, gegründet ist und zur Wahrheit hinführt. Asteya heißt nicht stehlen, steya heißt stehlen, Asteya heiß nicht stehlen. Brahmacharya heißt wörtlich Verhalten das zu Brahman führt. Brahmacharya übersetze ich am liebsten als Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens. Aparigraha heißt nicht annehmen, Unbestechlichkeit und auch Abwesenheit von Gier. Das sind also die fünf Grundprinzipien.

 

Über die einzelnen Yamas wird es ja auch später einzelne Vorträge geben. Jetzt geht es erst noch mal um das Grundlegende und das sagt Patanjali im 31. Vers. Diese Grundregeln sind nicht durch soziale Schicht, Ort, Zeit oder Umstände bedingt. Sie gelten für alle Ebenen und bilden das große, universelle Gelübde. Es gibt ja auch eine situative Ethik. Zum Beispiel gibt es die Berufsethik eines Arztes wozu die Schweigepflicht zum Beispiel gehört. Es gibt die Berufsethik eines Rechtsanwaltes, wo auch die Schweigepflicht gehört und auch das er sich immer für das Wohl seines Mandanten einsetzt. Und so gibt es verschieden Schichten. Kinder haben bestimmte Pflichten, Jugendliche, Erwachsene, Rentner und natürlich Politiker haben bestimmte Pflichten und so weiter. Banker haben bestimmte Pflichten und natürlich auch heutzutage im 21. Jahrhundert sieht man bestimmte Dinge anders als im 20. Jahrhundert und unterschiedlichen Orten der Welt.

Aber diese 5 Yamas kann man sagen, sind die allgemeine menschliche Ethik. Ahimsa, Nicht-Verletzen, würde man auch so deuten, anderen Wesen so wenig Leid wie möglich antun. In der Bibel wird ja auch gesagt nicht töten und himsa im engeren Sinne heißt ja auch töten. Ahimsa ist wenigstens nicht töten. Aber im weiteren Sinne heißt es auch Gewaltlosigkeit. Satya – Nicht-Lügen, Asteya – Nicht-Stehlen, Brahmacharya – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten. Unterschiedliche Zeiten interpretieren als sexuelles Fehlverhalten etwas anderes, aber allgemein gilt es, sexuelles Fehlverhalten zu vermeiden. Und Aparigraha ist letztlich Unbestechlichkeit.

 

Eine Gesellschaft wird ruiniert, das Zusammenhalten der Gesellschaft wird ruiniert, wenn Menschen in Verantwortungspositionen bestechlich sind. Und so solltest du dir den großen Vorsatz fassen, deshalb auch Mahavrata, der große Vorsatz „Ich will mich an diese 5 Yamas halten. Ich werde mich daran halten. Ich werde nicht zum Wohl von irgendetwas, also für eigene egoistische Zwecke lügen. Und ich werde nicht um meinen Vorteil zu bekommen, einfach Menschen verletzen, werde nicht für größeren Geldgewinn andere Bestechen. Und ich werde nicht für größeren Lustgewinn sexuell unethisch handeln. Ich werde erst recht nicht stehlen.“ Das sind also die Vorsätze, die du dir fassen solltest. Und wenn du als spiritueller Aspirant wachsen willst, fasse dir diesen Vorsatz. Und wenn du ihn bisher noch nicht gefasst hast, dann unterbrich jetzt diesen Vortrag einen Moment und  mache Mahavrata, das große Gelübde, den großen Vorsatz, dich von diesen Prinzipien leiten zu lassen.

 

  1. Vers, die Niyamas bestehen aus Shaucha, Santosha, Tapas, Swadhyaya, Ishvara Pranidhana. Das sind die fünf Niyamas. Shaucha heißt eben Reinheit. Santosha heißt Zufriedenheit, Tapas wird oft übersetzt als Askese, Selbstsucht, heißt aber allgemein auch spirituelle Praktiken, Swadhyaya – Selbststudium, was sowohl heißt Introspektion wie auch lesen von Schriften und spirituellen Werken, besuchen von spirituellen Vorträgen mit dem Wunsch mehr über dich selbst und den spirituellen Weg herauszufinden, Ishvara Pranidhana ist die Hingabe an Gott. Das sind die fünf Niyamas.

Man könnte sagen, das sind im Raja Yoga Sinn die fünf spirituellen Praktiken, die du im Alltag üben solltest. Also ein reines Leben führen im ganzheitlichen Yoga würden wir auch sagen den Sattva-Regeln folgen. In Shaucha ist dann letztlich die Ernährungsratschläge enthalten, dort ist enthalten das du reine, sattvige Regeln befolgst auch bei Kleidung, bei Sprache, im Umgang mit Anderen und so weiter. Also in Shaucha ist letztlich das ganze Sattva Element „mache dein Leben rein.“

 

Dann kommt Santosha. Santosha, die Zufriedenheit, Kultivierung der Zufriedenheit, überwinden von Raga und Dvesha, Mögen und Nicht Mögen, Gier und so weiter, auf der dann Ärger und so weiter beruht. Santosha, Zufriedenheit.

 

Und dann würde man sagen Tapas sind die regelmäßigen spirituellen Praktiken und bedeutet auch, bewusst deinen Geist kontrollieren. Öfter etwas tun, was dein Geist nicht mag. Öfter auch etwas nicht tun, was dein Geist mag.

 

Swadhyaya also Introspektion. Immer wieder hat Swami Sivananda gesagt „Scrutinise your motives.“, das heißt „Analysiere deine Motive.“ Sei dir bewusst aufgrund welcher Motive du handelst und immer wieder sorge dafür, dass die höheren Motive überwiegen. Und damit das gut funktioniert, lies spirituelle Bücher. Der eigene Geist verirrt sich leicht immer etwas. Heutzutage ist es jetzt üblich, dass Menschen ihre Weisheit aus Facebook holen und ich bekomme jetzt immer wieder auch irgendwelche Sachen geschickt als Messenger, irgendwelche Facebook-Sachen die irgendjemand gepostet hat, als ob das der Weisheit letzter Schluss ist. Menschen verbringen so viel Zeit und das ist manchmal Weisheit und manchmal Teil-Weisheit. Gut ich verbreite auch viel Dinge über Facebook. Aber auf die Schriften zurückzukommen. Yoga Sutra, Bhagavad Gita, Hatha Yoga Pradipika, Upanishaden. Manche Menschen verkaufen dann, das was irgendwelche Psychologen und Halbpsychologen sagen als Weisheit letzter Schluss und ziehen dann vieles infrage was in den Schriften steht. Lies die Schriften selbst. Und das hilft dir auch immer wieder, dich richtig auszurichten oder man könnte auch sagen die einzuordnen.

 

Und schließlich Ishvara Pranidhana, Verehrung Gottes. Also auch alles, was du tust, um Gott zu verehren ist gut.

 

Und so bezieht Patanjali letztlich auch alle Yoga Wege mit ein. Man könnte sagen in Ahimsa, Nichtverletzen ist letztlich Karma Yoga mit einbezogen. Die ganze Ethik im Alltag ist ja letztlich Karma Yoga. Dann über Shaucha ist auch vieles vom Hatha Yoga einbezogen, wo es ja auch um Prana geht. Dann natürlich über Tapas ist das ganze Kundalini Yoga miteinbezogen, wo es ja um intensive spirituelle Praktiken geht. In Swadhyaya, Studium der Schriften und Selbststudium ist Jnana Yoga einbezogen. Und Ishvara Pranidhana ist ja letztlich Bhakti Yoga.

  1. Vers, störende Gedanken können durch das Denken an ihr Gegenteil überwunden werden. Also wenn du Vitarkas hast, man könnte auch sagen andere Gedanken als die Yamas und Niyamas, die dich stören, diese können überwunden werden, wie nämlich durch Bhavana, durch Hervorbringen von Pratipaksha, eben die gegensätzliche Stimmung. Also wenn du zum Beispiel entdeckst, dass in dir Gier ist, dann bringe die Stimmung von Zufriedenheit hervor. Wenn du irgendwie Wut hast und anderen es heimzahlen willst, dann kultiviere Geduld, Vertrauen, Großzügigkeit oder Zufriedenheit.

Also Patanjali sagt hier werde dir bewusst, wenn Gedanken und Gemütszustände kommen die nicht den Yamas und Niyamas entsprechen und dann erzeuge diese innere Einstellung, die den Yamas und Niyamas entspricht. Das ist deine Verantwortung. Sage nicht der andere bringt mich zur Weißglut, sondern du kannst höchstens sagen, in der Gegenwart des Anderen kommt ein unerwünschter Gemütszustand und ich werde einen anderen Gemütszustand erzeugen. Patanjali gibt dir hier die volle Verantwortung für deinen Gemütszustand. Es ist schon eine große Verantwortung und es liegt an dir deinen Gemütszustand zu ändern. Es liegt an dir diese auch umzusetzen. Swami Sivananda hat gerne gesagt „Sei nicht nachlässig im Umgang mit deinem Geist. Lass nicht nach in der Bemühung deinen Geist zu beherrschen.“

 

  1. Vers, negative Gedanken und Emotionen, wie Gewalttätigkeit, ob man sie selbst in die Tat umsetzt, andere tun lässt oder negatives Tun billigt oder geschehen lässt, ob durch Gier, Ärger oder Verblendung verursacht, ob mild, mittelmäßig oder stark resultieren in endlosen Schmerz und Unwissenheit. Deshalb sollte man die gegenteilige Ansicht, die entgegengesetzte Gefühlseinstellung kultivieren. Also er hat im vorigen gesagt Pratipaksha Bhavana, bringe den negativen Gedanken entgegengesetzte Grundstimmungen hervor.

Also wenn du merkst, da ist irgendetwas Negatives in dir, insbesondere eben Himsa, Steya, Asatya und so weiter dann denke über das Gegenteil nach. Erzeuge die entgegengesetzte Grundstimmung. Warum solltest du das tun? Auch die Frage, warum sollten wir ethisch handeln? Und es gibt ja verschiedene Begründungen für die Ethik. Es gibt zum einen manche Religionen die sagen, handle ethisch, das ist ein Gebot Gottes. Weil Gott es so will, handle ethisch. Aber wenn du dich nicht an Gottes Gebot hältst, wird Gott dich in die Hölle bringen. Ein Grund für Ethik.

 

Ein anderer Grund könnte auch sein, in der Zeit der Aufklärung gab es ja einige Philosophen der Ethik und die haben gesagt, ohne ethisches Verhalten, ohne ethische Grundsätze gäbe es so viel Gewalt. Jeder gegen jeden. Dann könnte kein Mensch glücklich sein. Und so ist es wichtig, dass man Menschen erzieht zu einem ethischen Verhalten. Damit eine Gesellschaft überhaupt funktionieren kann, braucht es Ethik. Aber da die Menschen eine Neigung haben unethisch zu sein, braucht es Polizei und Richter und Gefängnis und Staatsanwälte und so weiter. Eine andere Begründung der Ethik.

Die modernen Evolutionsbiologen oder auch die sogenannten  Paläonto-Psychologen, die vieles was den Menschen betrifft, aus der Steinzeit ableiten, sagen gerne auch der Menschen ist eigentlich gepolt auf Kooperation. Er ist glücklich, wenn er kooperiert. Letztlich wird er unglücklich, wenn er unethisch ist. Hier sind wir sehr ähnlich zum Beispiel an der Begründung der Ethik von Aristoteles.

Aristoteles hat ein Werk geschrieben, das heute genannt wird die Nikomachische Ethik und dort beschreibt er das sogenannte gute Leben und er sagt, das gute Leben sei ein glückliches Leben. Und er sagt auch, damit ein Mensch glücklich sein kann, muss er ethisch sein. Es ist nicht möglich für einen Mensch langfristig glücklich zu sein, wenn er unethisch ist. Und dort ist er fast ähnlich, wie die modernen Evolutionsbiologen, die eben sagen, der Mensch ist auf Kooperation getrimmt. Wenn er gegen Ethik verstößt, ist er unglücklich.

 

Patanjali folgt hier einem ähnlichen Ansatz. Er sagt, wer unethisch sich verhält, das resultiert in endlosem Schmerz. Und Aristoteles sagt auch, um Philosoph zu sein, um Wissen zu bekommen, musst du auch ethisch sein. Unethisches Denken und Handeln führt dazu, dass du nicht zur Wahrheit kommst.  Und hier sagt es auch Patanjali. Unethisches Verhalten führt zu Schmerz und Unwissenheit. Natürlich Patanjali hat höhere Ideale als Aristoteles. Patanjali will durch zur Erleuchtung führen, zur Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung, Kaivalya, zur Erlösung, zur Befreiung. Und da bedeutet, Avidya, Unwissenheit noch mehr als was Aristoteles darunter verstanden hätte. Also er sagt, warum Ethik, damit du aus dem Schmerz herauskommst. Warum Ethik, damit du zum Wissen und zur Erleuchtung kommen kannst.

 

Es mag sein, das du durch unethisches Verhalten schneller reich werden, das du schneller Vorteile haben kannst, nur glücklich wirst du nicht werden dadurch. Man wird wahrscheinlich sagen können, dass ein großer Teil der ganz reichen Menschen auf dieser Welt, nicht mit Yamas und Niyamas reich geworden ist. Also wenn man sich diese Menschen anschaut, wie sie im Alter aussehen, dann weißt du, nein, so willst du nicht sein. Es gibt ja durchaus dann noch einige, die dann im Alter einen großen Teil ihres Vermögens gemeinnützigen Stiftungen überschrieben haben, zum Teil auch um ihr schlechtes Gewissen irgendwo zu beruhigen. Und es hat Ihnen dann eben auch geholfen, im Alter wieder ethisch zu werden. Und es mag auch einige Vermögende geben, die ihr Vermögen erreicht haben durch ethische Mittel. Aber Unethik resultiert in Leid und Unwissenheit. Deshalb brauchst du auch keine unethischen Menschen, die reich werden, beneiden. Aber vielleicht dich einsetzen, dass es eine gerechtere Wirtschaft und Sozialordnung gibt. Denn Patanjali sagt jetzt hier auch. Unethik ist nicht nur, wenn du selbst etwas aktiv machst. Er setzt und jetzt sehr hohe Ethik.

Er sagt erst, unethisches Verhalten ist erst mal, wenn du es selbst in die Tat umsetzt. Zweitens, wenn du andere dazu verleitest unethisches zu tun. Und drittens, wenn du es billigst, dass jemand unethisches tut. Und viertens, wenn du es geschehen lässt, obgleich du dich hättest einsetzen können dafür das es nicht geschieht. Das ist tatsächlich stark. Das ist sehr viel.

 

Patanjali ist eben nicht wirklich derjenige, der einen nur zur Meditation veranlasst. Dieser Vers ist wie eine Anleitung zu großes gesellschaftliches Engagement. Sei selbst ethisch, lass andere nichts unethisches Tun, billige negatives tun nicht und lass auch nicht zu, das es Geschehen kann, wenn es sich irgendwo vermeiden lässt. Und dann sagt es auch, und egal ob du es jetzt tust, aus Gier heraus, aus Ärger oder Täuschung. Manche Menschen werden unethisch um etwas zu erreichen, weil sie gierig sind. Gar nicht mal wenige Menschen werden unethisch aus Ärger heraus, Kränkungen heraus. Sie sind beleidigt worden. Oder jemand hat ihnen etwas angetan und jetzt in ihrem Ärger oder einfach aus Täuschung, moha, heraus, sind sie verblendet. Und dann sagt es, das Ganze kann mild sein, es kann mittelmäßig sein und es kann stark sein. In diesem Sinne, sei dir bewusst, wie steht es um deine Ethik, bist du wirklich ethisch oder verlässt du manchmal die Ethik aus Gier, Ärger oder Täuschung. Veranlasst du andere unethisches zu tun. Lässt du unethisches zu? All das führt zu Leid und Unwissenheit. Willst du spirituelle Erleuchtung erfahren, dann gilt es dich ethisch zu verhalten und für das Gute in der Welt zu engagieren.

Hari Om Tat Sat.

 

Soweit zum Patanjali Yoga SutraDie Yoga Weisheit für Menschen von heute.“ Gerade zu diesen Versen habe ich auch sehr lange Kommentare geschrieben in dem Buch die Yoga Weisheit des Patanjali für Menschen von heute. So das du noch sehr viel mehr Anregungen bekommen kannst, Ethik in den Alltag umzusetzen. Ja dies war ein Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe zum Yoga Sutra, ein Teil der Vortragsreihe zur Yoga Vidya Schulung, ganzheitlicher Yoga Vidya Weg zur Kultivierung aller Aspekte des Menschen mit der Ausrichtung zur Erleuchtung zur kommen. Auch Begleitmaterial zur 2-jährigen Yoga Vidya Yogalehrer Ausbildung, wo ich in diesen Teilen noch tiefer gehe, als was in den Vorträgen behandelt werden kann. So das gerade Interessierte noch tiefer in die Yoga Vidya Spiritualität eintauchen können.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Es ist ein Kurzvortrag. Es ist letztlich eine Wiederholung. Dies ist ein Vortrag über das zweite Kapitel des Yoga Sutra.

Patanjali schreibt hier Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi sind die acht Glieder des Yoga.

Also Yama, gerne genannt als die Ethik im Umgang mit Anderen. Wenn du Yoga, Einheit erreichen willst, geht es auch darum ethisch umzugehen mit anderen Menschen, das ist Yama. Dann geht es auch darum, eine innere Disziplin zu haben, das ist Niyama. Man könnte sagen, Niyama ist deine persönliche Disziplin.

 

Dritter Aspekt ist Asana. Asana hat verschiedene Bedeutungen. Asana heißt zum einen Sitzhaltung für die Meditation, zum zweiten ist Asana auch eine Körperhaltung im Alltag, so kannst du auch deinen Gemütszustand modulieren durch Modulieren deiner Körperhaltung. Wenn zum Beispiel selbstbewusster sein willst, dann richte dich auf, wenn du vielleicht etwas niedergedrückter sein willst, dann sinke etwas zusammen. Asanas sind natürlich auch die Hatha Yoga Stellungen, also Kopfstand, Schulterstand, Vorwärtsbeuge, Drehsitz und so weiter. Und Asana ist auch eine innere Haltung.

 

Das vierte ist Pranayama. Pranayama also Atemübungen, auch Atemherrschaft, aber auch Herrschaft über die Lebensenergie. Pranayama ist zum einen die Regulierung des Atems in der Meditation. Es sind aber auch die Atemübungen, die dir helfen mehr Energie zu bekommen und Konzentration des Geistes zu bekommen. Du kannst auch mit einfachen Atemübungen im Alltag deinen Gemütszustand beeinflussen. Und du kannst mit fortgeschrittenen Hatha Yoga Pranayama die Kundalini erwecken und damit höhere Bewusstseinsebenen erreichen.

 

Das nächste, das fünfte, ist Pratyahara. Pratyahara, wörtlich zurückziehen der Sinne, Pratyahara ist auch die Fähigkeit deinen Geist nach innen zu richten. Die natürliche Tendenz des Geistes nach außen zu gehen, zu widerstehen, nach innen zu gehen.

Pratyahara heißt zum einen, dass du in der Meditation deinen Geist abziehen kannst von äußeren Ablenkungen. Dass es dich also nicht mehr stört, wenn dein Nachbar hustet oder wenn irgendwo ein Autogeräusch hörbar ist oder mal in einem Raum ein Handy klingelt, obgleich diese natürlich in allen Meditationsräumen normalerweise abgeschaltet sein sollten. Aber falls es passiert, dass doch jemand das vergessen hat, du hältst Ruhe. Pratyahara noch mehr würde heißen, du denkst auch nicht, was im Alltag so alles geschieht. Pratyahara heißt auch im Alltag in der Lage zu sein, deine Sinne zurückzuziehen. Wenn du zum Beispiel irgendwo vorbeigehst an einem Kleiderladen und du siehst etwas Schönes, was die gefällt, dann gehst du einfach weiter. Und wenn du irgendwo spürst, oh, ich müsste da doch noch hingehen, bist du in der Lage deine Sinne davon zurückzuziehen. Oder wenn du irgendwo an einem Restaurant vorbeigehst und du riechst da irgendwie etwas ganz Tolles, du musst dem nicht gleich folgen und dir kaufen. Pratyahara, also die Sinne zurückziehen können. Also allgemein sich zurückziehen können.

In einem noch weiteren Sinne heißt Pratyahara auch die Fähigkeit mal eine Weile dich zurückzuziehen, zum Beispiel in einen Ashram, zum Beispiel um eine Schweigephase zu haben, in ein Schweige-Retreat zu gehen. Das ist auch eine Form von Pratyahara. Der Ausdruck Retreat ist ja auch genauso doppelseitig wie Pratyahara. Retreat kann auch heißen, dass zum Beispiel Soldaten den Rückzug antreten und genauso Pratyahara kann auch Rückzug eines Heeres zum Beispiel sein, um eine Niederlage zu vermeiden. So ist Retreat aber auch letztlich der Rückzug zu intensiver spiritueller Praxis. All das schwingt auch in Pratyahara mit.

 

Dharana ist die Konzentration, letztlich die Fähigkeit einen Gedanken festzuhalten im Geist. Dharana kommt von Dhri, das heißt festhalten, die Fähigkeit bei einem Geistesinhalt zu bleiben. Dharana wird deshalb gerne auch als Meditation bezeichnet, das Training dieser Konzentrationsfähigkeit. Dharana heißt aber auch Konzentration im Alltag.

 

Das nächste ist Dhyana. Dhyana hat letztendlich auch etwas mit Dhi zu tun und das heißt etwas mit Erleuchtung und tief von etwas erfüllt sein, ergriffen sein. Dhyana wird manchmal übersetzt als Meditation, Kontemplation, ich übersetze es gerne auch als Absorption. Wenn du dich also hinsetzt in die Meditation und vollständig darin aufgehst und nicht abgelenkt bist, große Freude erfährst, dann ist das Dhyana. Auch im Alltag kannst du in den Dhyana Zustand rutschen, wenn du in das sogenannte Flow-Erlebnis kommst. Das ist das Gefühl ganz absorbiert zu sein, nicht du bist es mehr, der etwas tut, sondern es geschieht durch dich. Du bist nicht mehr nur Beobachter, du bist auch nicht derjenige der überlegt, du bist vollkommen absorbiert, Dhyana.

 

Und schließlich gibt es Samadhi, der überbewusste Zustand. Samadhi, wo du durch vollkommene Ruhe des Geistes zur Erleuchtung kommst. Das sind die acht Glieder des Yoga.

 

Ja, soweit für heute. Wenn du das alles nachlesen willst, kannst du auch mein Buch anschauen „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ und natürlich haben wir bei Yoga Vidya auch Raja Yoga Seminare. Es gibt das Wochenende Raja Yoga 1 über das erste Kapitel des Yoga Sutra, Raja Yoga 2 über das zweite Kapitel, Raja Yoga 3, du errätst es, geht über das dritte Kapitel, Raja Yoga 4 über das vierte Kapitel. Wir haben auch 9tägige Yogalehrerweiterbildung zum Raja Yoga. Und noch wichtiger ist, du setzt diese Prinzipien um.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Dies ist der Abschluss der Reihe zur Hatha Yoga Pradipika.

Das 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika wird ja oft nur stiefmütterlich behandelt. Es geht hier um Dhyana und Samadhi.

Hatha Yoga Pradipika beleuchtet Hatha Yoga, den körperbetonten Yoga, mit der Ausrichtung auf Raja Yoga (Geisteskontrolle) und Samadhi. Das ganze 4. Kapitel beschreibt verschiedene Meditationstechniken.

Viele der Meditationstechniken, die Swami V. gelehrt hat, stammen letztlich aus der Hatha Yoga Pradipika. Im 2. und 3. Kapitel gibt es schon einige Hinweise zur Meditation, z. B. die Kevala-Kumbhaka-Meditation und die Ausdehnungs-Meditation, aber gerade im 4. Kapitel werden einige Techniken beschrieben, die man auch mit Mantra verbinden kann.

Svatmarama, der Autor der Hatha Yoga Pradipika, beginnt das 4. Kapitel mit den Worten: „Gegrüßt sei Shiva, der Guru. Wer sich Shiva hingibt, erreicht den vollkommenen Zustand, frei von Maya.“

Dies soll auch heißen, dass Hatha Yoga nicht nur technisch wirkt – wir brauchen auch Hingabe und Demut. Egal, wie wir Gott sehen, ist es gut, demütig zu sein.

 

Im 2. Vers sagt er: „Ich werde dir den vollkommenen Prozess des Samadhi erläutern, der wirklich vollendet ist. Samadhi hilft dir, Tod und Vergänglichkeit zu überwinden, führt zu ewiger Glückseligkeit und zur Vereinigung mit Brahman.“

Im 5. Vers sagt er: „Wie sich ein in Wasser gestreutes Salzkorn mit dem Wasser vermengt und eins wird mit diesem, so ist die Vereinigung von Geist und Atman im Samadhi. Mache Prana ruhig, dann wird der Geist ruhig, dann erreichst du Samadhi, und dann kommt die Einheit von Jivatman und Paramatman.“

 

Er bezieht sich hier an mehreren Stellen auf das Yoga Sutra. Patanjali sagt ja im zweiten Vers des Yoga Sutra: „Yoga ist das Zur-Ruhe-bringen der Gedanken im Geist, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Und so sagt Svatmarama: „Wenn der Geist ruhig ist, dann kommt Samadhi, dann kommt die Erfahrung der göttlichen Einheit von Jivatman und Paratman.“

Wie erreichst du die Ruhe des Geistes? Indem du Prana zur Ruhe bringst, Kundalini erweckst.

Er sagt auch, dass wir die Gnade des Gurus brauchen und Vairagya (Gleichgültigkeit gegenüber weltlichen Vergnügen). Nur so können wir die höchsten Samadhi-Zustände erreichen.

So sagt er, dass nicht allein die reine Praxis ausreicht. Es braucht Hingabe, und es braucht Gnade.

Vom 10. bis zum 27. Vers sagt er mehr oder weniger: „Samadhi kommt von selbst, wenn die Kundalini erwacht.“

Übe also die Erweckung der Kundalini mit Asanas, Pranayama und Mudras, dann kommt die Meditation von selbst, dann erreichst du Samadhi.

 

Als Nächstes spricht er über Laya Yoga. „Laya Yoga ist der Zustand der vollkommenen Ruhe des Geistes.“

Wie kommst du zu Laya Yoga? Hier gibt er jetzt einige konkrete weitere Meditationstechniken.

 

Shambhavi Mudra

Dies ist die Konzentration des Geistes mit einer bestimmten Augenbewegung.

Er erwähnt drei Haupt-Shambhavi-Mudras: Mit offenen Augen auf einen Gegenstand schauen, zur Nasenspitze schauen oder zum Punkt zwischen den Augenbrauen schauen. Dies verbindet man mit verschiedenen Konzentrationsarten, und das ist dann Shambhavi Mudra, und diese Shambhavi Mudra kann zur Erweckung der Kundalini und zu Samadhi führen.

 

Khechari Mudra

Darüber hat er schon im 3. Kapitel gesprochen, hier erwähnt er jetzt noch einmal Khechari Mudra als Meditationstechnik: Den Kopf leicht nach hinten geben, die Zunge nach hinten und durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schauen und den Geist nach oben ausrichten – das erweckt die Kundalini, das führt zur tiefen Einheit.

 

Ausdehnungs-Meditation

Akasha, sich ausdehnen in den weiten Raum. Das Individuum ist nur noch ein Topf – Bewusstsein ist unendlich.

 

Nada Yoga (der Yoga des Klanges)

Auch Anahata Nada Dhyana genannt, die Meditation auf den inneren Klang. Er gibt verschiedene Techniken, wie wir uns auf den inneren Klang konzentrieren können, und verschiedene Stufen, wie wir auf den inneren Klang meditieren können. Wir können es über verschiedene Chakras machen, über Shambhavi Mudra oder Yoni Mudra oder auch Khechari Mudra zur Nada-Meditionen kommen. Wir können uns auf immer subtileren Klang konzentrieren, wir können auch Yoni-Mudra oder Karna-Mudra mit Nada-Meditation verbinden – irgendwann kommt aus dem Nada ein sehr subtiler Klang, irgendwann löst der sich auf, und dann folgt Laya. Über dieses innere Auflösen aller Gedanken kommt dann Samadhi.

 

In den letzten Versen der Hatha Yoga Pradipika schreibt Svatmarama über die Wirkung von Samadhi, Unmani Avastha, Moksha. Er sagt: „Alle Sehnsüchte des Menschen werden dann erfüllt, wenn du Moksha erreichst, Mukti erreichst, zum Jivanmukti wirst.“

 

„Solange du nicht diese höchste Erfahrung gemacht hast, ist alles andere nur Gerede.“

Deshalb möchte ich hier mit dem Gerede aufhören und dich motivieren: Praktiziere! Praktiziere! Praktiziere! Es ist es wert. Was sonst sollte es wert sein? Alles andere, was du in dieser physischen Welt erreichst, ist relativ und vergänglich. Höhen und Tiefen kommen, Mögen und Nicht-Mögen kann sich immer wieder verändern. Du wirst mit nichts zufrieden sein. Du hast die Sehnsucht nach dem Höchsten – folge ihr und höre auf, dich über Kleinigkeiten aufzuregen. Höre auf, dich mit Menschen über Nichtigkeiten zu streiten. Höre auf, dir zu viel Sorgen um die Zukunft zu machen. Alle Sorgen, Streitigkeiten und Probleme sind verschwunden, wenn du Moksha erreicht hast. Es ist wert, nach Moksha zu streben. Richte dein Leben danach aus. Lebe ein sattwiges Leben, ein ethisches Leben. Praktiziere Asanas, Pranayama, Mudras und Meditation, komme öfters mit anderen spirituellen Aspiranten zusammen, übe uneigennütziges Dienen. Bitte Gott um Führung und habe Ehrerbietung zu Gott und Meister, und sei dir bewusst: Hinter allem ist die höchste göttliche Wirklichkeit. So schreitest du gut voran.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Das 3. Kapitel hat folgende Hauptthemen:

  • Kundalini
  • Kundalini-Erweckung
  • die 10 Mudras

 

Svatmarama spricht davon, dass letztlich die Kundalini entscheidend ist für alle Yogapraktiken. Die Kundalini muss erweckt werden, um zu Samadhi zu kommen, um die höchste Erkenntnis zu bekommen, damit der Geist ruhig wird und du Unmani Avastha erreichst.

Wie erweckst du die Kundalini? - Indem du diese 10 Mudras übst:

  1. Maha Mudra
  2. Maha Bandha
  3. Maha Veda
  4. Khechari
  5. Uddiyana
  6. Mula Bandha
  7. Jalandhara
  8. Viparita Karani
  9. Vajroli
  10. Shakti Chalini

 

Er spricht einige Verse über die Maha Mudra (großartige Mudra). Sie soll helfen, dass die Energie in die Sushumna tritt und die Kundalini erwacht. Alle Mudras – so sagt er am Ende des 3. Kapitels – wollen letztlich die Kundalini erwecken.

Es gibt die Mudras, die wie eine Mudra-Reihe sind, wie Maha Bandha, Maha Veda und Shakti Chalini. Diese drei, die letztlich zusammenhängen, übt man eine nach der anderen.

Khechari Mudra erwähnt Svatmarama über viele Verse. Im 4. Kapitel sagt er ja dann, dass die Khechari Mudra auch einleitend zur Meditation geeignet ist und in Samadhi führt.

Von besonderer Wichtigkeit sind die drei Bandhas, die auch einzeln als Mudras bezeichnet werden: Uddiyana, Mula und Jalandhara Bandha. Er erwähnt auch, dass wir die Umkehrhaltung (Viparita Karani Mudra) bis zu drei Stunden halten können, um uns gänzlich zu erneuern und zu regenerieren.

Die Vajroli Mudra hat noch zwei Untervariationen: Sahajoli und Amaroli. Deren genaue Bedeutung beschreibt er erst einmal von einem rottantrischen Aspekt aus und danach im übertragenen Sinne, was sie als spirituelle Praxis bedeuten.

Am Ende des 3. Kapitels beschreibt er nochmals, dass es wichtig ist, Kundalini zu erwecken: „Der Yogi, der sein Leben an Brahman ausrichtet, der eine gemäßigte und reine Nahrung befolgt, der kann innerhalb von 40 Tagen Vollkommenheit erlangen und die Kundalini erwecken.“

Er sagt hier also, dass es relativ schnell geht.

Aber die Vorbereitungen, die ein Yogi, der Brahmachariya übt (was sowohl Enthaltsamkeit für einen gewissen Zeitraum heißen kann – hier ja 40 Tage -, als auch ausgerichtet an Brahman), und dann die Mudras intensiv praktizieren.

Also: Mudras üben!

 

Weiterhin sagt er, dass es gilt, die Kundalini zu erwecken und dafür Bhastrika zu praktizieren. Man muss aber auch im Yama (ethische Regeln) gefestigt sein. Ethik ist wichtig, und so können wir Zeit und Tod und alles überwinden. Dann erreicht man die Vollkommenheit, egal durch welche Mudra. Indem wir so Kundalini erwecken, kommen wir zu Raja Yoga (königlichen Vereinigung), zur Ruhe des Geistes.

Dann sagt er noch: „Man bekommt zum einen durch die Mudras die Siddhis (außergewöhnliche Kräfte), und wir bekommen die Fähigkeit, über alle Sterblichkeit hinauszuwachsen.“

So möchte ich dich noch einmal ermutigen, auch die Mudras zu üben. Bei Yoga Vidya lehren wir insbesondere die Chakra-Mudra-Reihe sowie die Bhastrika-Mudra-Reihe – zwei Mudra-Reihen, die besonders machtvoll sind und am Ende des Pranayama nochmals viel bewirken können.

Übe Pranayama, übe Mudras – dann wird die Meditation fast von selbst kommen.

Ich wünsche dir viel Inspiration. Praktiziere Hatha Yoga vom spirituellen Standpunkt aus, und du wirst tiefe Wirkung erfahren.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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In diesem Kapitel geht es um

  1. Prana
  2. die Theorie des Prana
  3. Pranayama (Atemübungen)
  4. die Kriyas (die Reinigungsübungen im Hatha Yoga)

 

Der 1. Vers des 2. Kapitels lautet:

„Nachdem sich der Yogi in den Asanas vervollkommnet hat, sollte er in Übereinstimmung mit den von seinem Guru dargelegten Anweisungen Pranayama praktizieren, seine Sinne unter Kontrolle halten und dabei durchwegs eine zuträgliche und maßvolle Ernährung einhalten.“

Hier erwähnt Svatmarama einiges:

Es gilt schon, Asanas zu üben. Vollkommenheit in den Asanas heißt natürlich nicht, dass du sehr flexibel sein musst oder den Kopfstand beherrschen musst. Es heißt, dass du die Asanas so weit beherrschst, dass du in der Asana entspannen kannst, bewusst atmen kannst und konzentriert bist, dass du durch die Asanas eine innere Stärke und Leichtigkeit bekommen und eine gewisse Entspannung erfahren hast. All das ist wichtig, damit Pranayama wirkt.

 

Dann sagt er, dass du von deinem Lehrer Pranayama lernen musst. Allein durch das, war er im Buch sagt, kannst du Pranayama nicht lernen. Es reicht auch nicht aus, nur Pranayama zu üben – auch ansonsten solltest du deine Sinne beherrschen, und die sattvige Ernährung ist gerade für die Wirkung von Pranayama wichtig. Nicht umsonst sagen wir bei Yoga Vidya, dass es zwar einfache Atemübungen gibt, die du machen kannst, egal wie du dich ernährst, aber die fortgeschrittenen Pranayamas – insbesondere wenn du sie mit den drei Bandhas oder den Bija-Mantras verbindest, oder Energie-erweckende Übungen wie Bhastrika oder die Mudras – darfst du nur machen, wenn du dich wirklich an die sattvige Ernährung hältst. Das sollte dich jetzt nicht davon abhalten, fortgeschrittenes Pranayama zu üben, sondern es sollte dich motivieren, wirklich kein Fleisch, keinen Fisch, keinen Alkohol, keine bewusstseinsverändernden Drogen und kein Nikotin zu dir zu nehmen.

In den nächsten Versen erwähnt Svatmarama, dass der Geist erst dann ruhig wird, wenn das Prana ruhig und subtiler geworden ist und letztlich, wenn das Prana in die Sushumna (den mittleren Energiekanal) eingeht. Lebendigkeit heißt viel Prana.

Nur wenn das Prana fließt, wenn die Nadis gereinigt sind und dann das Prana in die Sushumna (die feinstoffliche Wirbelsäule) geht, dann kannst du in tiefe Meditation kommen, dann kommst du in Unmani Avastha, den Zustand jenseits des Geistes, in Samadhi.

Als Nächstes beschreibt er die Wechselatmung. Er will dich motivieren, wirklich regelmäßig Wechselatmung zu üben. Sie ist die machtvollste Übung, die Nadis wirklich zu reinigen.

 

Mein Tipp wäre:

  • Praktiziere jeden Tag mindestens 20 Minuten die Wechselatmung.
  • Praktiziere vorher 3 Runden Kapalabhati.
  • Übe jeden Tag 20–30 Minuten Asanas.
  • Praktiziere jeden Tag 20–30 Minuten Meditation.

 

Wenn du das ein halbes Jahr lang machst, dann spürst du Prana, du spürst eine gewisse Leichtigkeit und Reinheit, und dein Geist hat eine Stärke, die unbeschreiblich ist. Praktiziere!

Svatmarama sagt sogar, dass es gut sei, für eine gewisse Zeit viermal am Tag die Wechselatmung zu üben. Wenn du das ausprobieren willst, dann mache mal das „Sadhana intensiv“ mit, welches wir bei Yoga Vidya in der zweiten Junihälfte haben, dort lernst du tatsächlich, viermal am Tag Wechselatmung zu üben, und du merkst wie intensiv das wirkt.

So hat er die Wechselatmung und deren Wirkungen beschrieben:

  1. als eine Übung, die dich von allen körperlichen, energetischen und geistigen Beschwerden befreit hat,
  2. die Nadis sind gereinigt.
  3. Du strahlst und leuchtest, du bist voller Freude
  4. Du bist sehr viel gesünder.

Dann sagt er: „Wenn du trotz Wechselatmung noch nicht gereinigt bist, dann übe die Kriyas. Wenn du in irgendeiner Form krank bist, wenn du irgendeines der drei Doshas (Vata, Pitta oder Kapha) zu viel hast, dann ist es wichtig, dass du die Kriyas (Reinigungsübungen) übst.“

 

Er beschreibt die sechs Reinigungsübungen:

  1. Dhauti – Magenreinigung
  2. Basti – Enddarmreinigung
  3. Neti – Nasenreinigung
  4. Trataka – Augenreinigung
  5. Nauli – Darmreinigung, vor allem Dünndarmreinigung
  6. Kapalabhati – Lungenreinigung

 

Er spricht über die Wirkungen und sagt auch, dass diese so wirkungsvoll sind, dass man es kaum beschreiben kann, wie wirkungsvoll es ist – also übe sie. Wer diese 6 Kriyas übt, hat sehr schnell Erfolg, wenn er Pranayama übt. Wenn du also bisher Pranayama geübt hast und noch nicht so sehr die tiefen Wirkungen gespürt hast, dann solltest du vielleicht doch erst die Kriyas üben.

Dann erwähnt er noch Gaja karani Kriya – auch das ist eine Übung, die Teil der gesamten Kriyas ist.

Danach sagt Svatmarama: „Jetzt ist Zeit, die fortgeschrittenen Pranayamas zu üben. Wird das Prana beherrscht und sind die Nadis gereinigt, dann kann das Prana in die Sushumna eintreten, und dann kommst du in Samadhi, Unmani Avastha.“

 

Dann geht er auf die acht Kumbhakas ein, also auf die acht fortgeschrittenen Pranayamas. Diese sind:

  1. Surya Bheda
  2. Ujjayi
  3. Sitkari
  4. Shitali
  5. Bhastrika
  6. Murccha
  7. Plavini
  8. Bhramari

 

Er beschreibt die Wirkungen und die Ausführungen.

Von all diesen Übungen gibt es natürlich sanftere und fortgeschrittene Variationen. Wenn du sie in ihren sanften Variationen kennenlernen willst, dann kannst du das z. B. im Pranayama-Kurs Mittelstufe lernen. Dort habe ich diese Pranayama-Übungen so beschrieben, wie man sie mit Mittelstufen-Teilnehmern üben kann, wie du sie auch üben kannst, selbst wenn du nicht so fortgeschritten bist. Wenn du lernen willst, wie du dieses Pranayama in seinen fortgeschritten Variationen üben kannst, dann mache entweder eine Kundalini-Yoga-Intensiv-Mittelstufen-Woche mit, oder eine Kundalini-Intensiv-Praxis-Woche, oder eben das Sadhana-Intensiv. Oder mache den 8-wöchigen Kurs „Fortgeschrittenes Pranayama und Kundalini-Yoga“ als Videokurs auf unseren Internet-Seiten mit.

Ich werde jetzt nicht auf die einzelnen Pranayamas eingehen. In besonderem Maße lobt er Bhastrika (den Blasebalg) – das ist die wichtigste aller fortgeschritten Pranayamas. In einem bestimmten Stadium der Praxis kann man Bhastrika sehr häufig machen, also sehr viel häufiger als nur ein- oder zweimal am Tag. „Die Bhastrika erweckt die Kundalini. Sie beseitigt alle Beschwerden, die durch ein Übermaß an Vata, Pitta oder Kapha kommen. Bhastrika steigert Agni (das Verdauungsfeuer). Sie ist sehr angenehm, reinigt die Nadis, öffnet die Sushumna, beseitigt den Schleim am Mund der Sushumna. Bhastrika lässt die Granthis (die Knoten) öffnen, und letztlich kommt dadurch tiefe Meditation.“

 

Nach den 8 Maha Khumbhakas, den 8 großen Atemübungen, beschreibt er Kevala Kumbhaka, die vollkommene Ruhe des Atems, welche dann in die Meditation führt. „Am Ende vom Pranayama sollte man immer meditieren, den Geist von allem abziehen und so Raja Yoga erlangen.“

Er beschreibt noch die Wirkung von Pranayama und will uns so motivieren, Pranayama zu üben. Und dazu möchte auch ich dich nochmals ermutigen: Übe wirklich regelmäßig Pranayama. Die Wirkung von Pranayama kann nur in hohen Höhen gelobt werden – probiere es aus, und probiere es immer wieder aus und intensiviere die Praxis: Zum einen, indem du sie bewusster machst, zum Zweiten, indem du sie mit großer Konzentration machst, und zum Dritten, indem du tatsächlich auch immer wieder mehr übst.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Ich habe schon über jeden Vers der Hatha Yoga Pradipika gesprochen und habe auch die gesamte Hatha Yoga Pradipika zusammengefasst – hier jetzt noch einmal einiges über das 1. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika.

 

Svatmarama fängt an, Shiva (Adinatha) zu grüßen, den ursprünglichen Lehrer des Hatha Yoga. Er sagt: „Shiva hat Parvati Hatha Vidya (die Weisheit des Hatha Yoga) gelehrt. Im Hatha Yoga geht es darum, zum Raja Yoga zu kommen, zur höchsten Erfahrung des Selbst.“

So will er uns zum Anfang eine gewisse Einstellung geben: Wann immer du Hatha Yoga praktizierst, dann grüße zunächst Gott und grüße deinen Meister, und sei dir bewusst, warum du Yoga übst: Um zur Erleuchtung zu gelangen.

Im 3. Vers sagt er: „Hatha Yoga ist ein Licht für all diejenigen, die etwas verwirrt sind inmitten verschiedenen Weltanschauungen. Allen Menschen, die nicht in der Lage sind, ihren Geist zur Ruhe zu bringen, kann Hatha Yoga helfen.“ Damit will er sagen, dass Hatha Yoga weltanschaulich neutral ist. Du kannst Hatha Yoga üben, egal welcher Weltanschauung oder welcher religiösen Anschauung du folgst oder auch welcher philosophischen Strömung du angehörst, oder auch wenn du einfach nur verwirrt bist. Letztlich geht es darum, zu üben – dann erfährst du, und über Erfahrung weißt du, worum es wirklich geht.

 

Im 10. Vers sagt Svatmarama: „Hatha Yoga ist eine beschützende Zuflucht und für alle, die an irgendetwas leiden. Egal ob du körperliche, energetische, geistige, emotionale oder spirituelle Leiden hast – Hatha Yoga ist immer hilfreich. Egal, welche spirituelle Praxis du machst – Hatha Yoga ist eine gute Basis.“ Also auch, wenn du buddhistische Meditation übst oder Bhakti Yoga (Gottesverehrung) praktizierst, oder auch wenn du dem Vedanta Weg (der höchsten Erkenntnis) folgst – Hatha Yoga ist immer eine gute Basis. Hatha Yoga kann wie die Schildkröte sein, die die Welt trägt, also eine Grundpraxis, die jeder anderen Praxis eine feste Basis gibt.

Er erwähnt, was du machen kannst, wenn du für dich selbst praktizierst: „Wann immer du praktizierst – die Zeit der Praxis sei ganz für dich.“ Wenn du praktizierst, dann sage allen anderen Menschen Bescheid, dass du nicht gestört werden willst, sodass du für dich allein bist. Menschen haben viel zu tun, aber du brauchst vielleicht täglich eine oder zwei Stunden für deine spirituelle Praxis, wo dich niemand stören soll.

 

Dann spricht er über die Yamas und Niyamas im Hatha Yoga. Er spricht von 10 Yamas und 10 Niyamas, weitet also die Yamas und Niyamas des Yoga Sutra aus. Du kannst natürlich davon ausgehen, dass Svatmarama das Yoga Sutra des Patanjali gekannt hat, er bezieht sich ja an mehreren Stellen darauf. Es geht ihm aber darum, dass keine Zweideutigkeit da ist. So spricht er nicht nur von Ahimsa (keinen Schaden zufügen), sondern auch von Mitgefühl, Mitleid und gutem Tun für andere. Er spricht nicht nur davon, dass man praktizieren soll, sondern dass man auch geradewegs voranschreiten soll. Er spricht nicht nur allgemein über Shauchas, sondern auch über richtige Ernährung, d. h. er nimmt die Ernährung in die Yamas und Niyamas auf. Und er spricht auch nicht nur (wie Patanjali) über die Hingabe an Gott, sondern auch über die Verehrung der Gottheit, die Wiederholung des Mantras und auch über den Glauben an Gott. Und da manche Menschen sich vielleicht überfordert fühlen von all dem, was Yoga von einem verlangt, erwähnt er auch Frohsinn als einen wichtigen Niyama: „Freue dich, schreite mutig voran, lächle.“ Oder wie Swami Sivananda immer sagte: „Freue dich, tanze vor Freude.“ Svatmarama spricht nicht vom Tanzen, aber „Freue dich, du bist auf dem spirituellen Weg. Schreite voran, mache dir nicht zu viel schlechtes Gewissen, wenn du nicht so vollkommen bist, wie du denkst, dass du sein müsstest. Praktiziere, schreite voran, vergiss die Vergangenheit, und mache dir immer wieder neue Vrata (gute Vorsätze).“

 

Dann erwähnt er die Asanas (Körperstellungen). Er erwähnt einige Asanas, sie sind jedoch vielleicht der Teil vom Hatha Yoga, den Svatmarama am wenigsten beschreibt. Er geht letztlich davon aus, dass du die Asanas sowieso von deinem Lehrer lernen musst, und spricht mehr über ihre Wirkungen. Sie sollen einen stark machen und frei von Beschwerden, sie sollen zu einem Gefühl von Leichtigkeit führen. Frei von Beschwerden heißt auch frei von Spannungen – über Asanas willst du eine Entspannung erlangen. Damit nachher Prana fließen kann, brauchst du einen entspannten Körper.

Asanas wollen auch den Körper stark machen: Wenn die Kundalini erwacht, dann muss der Körper darauf vorbereitet sein, und dafür dienen die Asanas.

 

Asanas wollen dich subtil machen. Es gibt einen Unterschied, ob du ins Fitness-Studio gehst und dort Kraft, Ausdauer und Flexibilität trainierst und nachher zur Entspannung in die Sauna gehst (dann hast du auch den ganzen Körper trainiert), oder ob du eine Stunde Asanas und Tiefenentspannung geübt hast. Asanas lassen dich leicht fühlen. Es hilft dir, dich zu öffnen und Zugang zu finden zu subtileren Energien.

Er spricht weiter über die Wirkungen von Asanas insbesondere auf Vata, Pitta und Kapha, auf Agni und Ama, und er erwähnt auch, dass du dich bei den Asanas darauf konzentrieren kannst, was energetisch passiert.

Etwas ausführlicher spricht er über die Vorwärtsbeuge, den Drehsitz und den Pfau. Dann erwähnt er auch noch Siddhasana, Padmasana, Simhasana und Vajrasana als die Sitzhaltungen, denn wenn es nachher zum Pranayama geht ist es wichtig, dass man gut sitzt.

 

Zum Ende dieses Kapitels spricht er nochmals ausführlich über die Ernährung.

Was heißt gesunde Ernährung?

  • Nicht zu viel essen.
  • Bewusst essen.
  • Dankbar sein und das ganze Essen Gott darbringen.
  • Gesunde Nahrung zu essen.
  • Weglassen, was nicht gut ist.

 

Er macht noch weitere Empfehlungen, was du nicht tun solltest, wenn du intensiv praktizierst – während der intensiven Praxis gilt es, verschiedene Dinge zu beachten.

Die allerletzten Verse ermutigen noch einmal zum Üben: „Jeder, der aktiv Yoga praktiziert, wird ein Siddha, ein Vollkommener – nicht jemand, der faul ist, der einfach nur liest, der viel redet oder der sich einfach nur kleidet wie ein Yogi. Unermüdliches Praktizieren ist das Geheimnis des Erfolgs.“

Im 67. Vers sagt er: „Praktiziere die Asanas, die Atemübungen und die Mudras so lange, bis du Raja Yoga erreicht hast, die königliche Vereinigung, die vollkommene Einheit.“

 

Das war die Essenz des 1. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika.

Die ganze Hatha Yoga Pradipika mit allen Versen, Sanskrit-Devanagari-Umschrift, Rezitationen, Wort-für-Wort-Übersetzungen und verschiedenen Kommentare findest du auf schriften.yoga-vidya.de

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Ich habe jetzt einige Dutzend Vorträge über die Verse der Hatha Yoga Pradipika gehalten. Hier noch einmal ein paar zusammenfassende Worte zur gesamten Hatha Yoga Pradipika und dann zu den einzelnen Kapiteln.

Hatha Yoga Pradipika ist die bekannteste klassische Schrift des Yoga. Sie ist vermutlich im 14. Jhd. n. Chr entstanden und auf einen Yogi namens Svatmarama zurückzuführen. Dieser gilt als ein selbstverwirklichter Meister. Er heißt nicht nur Svatmarama, sondern er ist derjenige, der sein Selbst erfahren hat: Sva (das Eigene) Atma (Selbst) Rama (sich daran erfreut), also ein Selbstverwirklichter. Svatmarama hat die Hatha Yoga Pradipika geschrieben. Pradipika heißt „Licht, Leuchte“ – das Licht auf Hatha Yoga.

 

Zum Anfang des 1. Kapitels sagt er, dass er die Hatha Yoga Pradipika geschrieben hat, um Menschen zum Raja Yoga zu führen. Das Wort Raja Yoga hat mehrere Bedeutungen. Heute kennen wir es hauptsächlich als den Yogaweg des Patanjali, als den psychologischen Yogaweg der Selbstbeherrschung. So gilt die Hatha Yoga Pradipika als Hilfsmittel, um die Selbstbeherrschung zu erlangen. Hatha Yoga Pradipika ist aber auch eine Schrift, die Raja Yoga i.S.v. „Königlicher Vereinigung“ erreichen will – Raja heißt auch „königlich“, und Yoga „Vereinigung“. An manchen Stellen der Hatha Yoga Pradipika wird Raja Yoga gleichbedeutend mit Samadhi gebraucht. Hatha Yoga ist also ein Übungssystem, um zur Befreiung, zur Einheit zu kommen.

 

Hatha Yoga hat verschiedene Wurzeln.

Man kann Hatha Yoga üben

  1. für die Gesundheit, wie es im Ayurveda gemacht wird
  2. um Siddhis (außergewöhnliche Kräfte) zu erlangen
  3. um Ausstrahlung zu bekommen,
  4. für die Gelassenheit und Ruhe des Geistes

 

Svatmarama geht auch auf all diese Wirkungen ein. Aber besonders wichtig – so sagt er – ist die Übung von Hatha Yoga, um zur Selbstverwirklichung zu kommen, zu Moksha, zur Befreiung.

Wie kommen wir dorthin? „Durch Üben“, sagt Svatmarama. Es gilt zu üben, nicht so viel zu reden oder zu überlegen, nicht so sehr auf Kleidung zu achten – es gilt zu praktizieren.

Was gilt es zu praktizieren? Zunächst gibt es vorbereitende Praktiken. Dies sind Yama und Niyama, also bestimmte Ethik und bestimmte persönliche Disziplin.

 

Svatmarama erwähnt die 5 Yamas von Patanjali:

  1. Ahimsa – nicht verletzen
  2. Satya – Wahrhaftigkeit
  3. Aparigraha – die Abwesenheit von Gier, Unbestechlichkeit
  4. Brahmacharya – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten
  5. Asteya – nicht stehlen

Satya (Wahrhaftigkeit) ist ein besonders wichtiger Vers. Es gilt auch, ehrlich und offen zu sein.

Svatmarama erzählt dann auch noch etwas über die persönliche Disziplin, er schließt aber auch uneigennützige Nächstenliebe, Mitgefühl, Erfüllen seiner Pflichten und das Beschäftigen mit spirituellen Schriften in die Yamas und Nyamas mit ein. Von besonderer Wichtigkeit ist ihm, dass man nicht so viel schwätzt und Klatschgeschichten erzählt, dass man keine schlechte Gesellschaft pflegt, dass man also darauf achtet, wie man mit anderen umgeht.

Auch die Ernährung ist ihm besonders wichtig:

  • kein Fleisch
  • kein Fisch
  • kein Alkohol
  • keine bewusstseinsverändernden Drogen
  • keine Zigaretten, Tabak
  • keine vergorene Nahrung zu sich nehmen
  • nichts zu sich nehmen, was zu salzig, sauer oder bitter ist

Weiterhin sagt Svatmarama, dass Hatha Yoga Weltanschauung-übergreifend ist. Du musst keiner besonderen Glaubensrichtung angehören.

Dann gilt es zu praktizieren.

 

Im 1. Kapitel erwähnt Svatmarama das Üben von Asanas.

 

Im 2. Kapitel erwähnt er, dass Prana und Geist eng zusammenhängen. Daher gilt es, Prana (die Lebensenergien) zu steuern. Wie können wir die Lebensenergien steuern? Indem wir Pranayama (Atemübungen) üben.

Er erwähnt hier zunächst Nadi Shodana, die Reinigungsübungen für die Nadis. Die Nadis müssen gereinigt werden, weil nur dann die eigentlichen Pranayamas gut wirken.

Danach spricht er über die Kriyas, die körperlichen Reinigungstechniken – in der Sprache der Naturheilkunde also die ausleitenden Verfahren. Er erwähnt die 6 Hauptkriyas und dann noch eine zusätzliche Kriyas.

Danach sagt er, wer mit seinen Doshas (Bioenergien) in Harmonie ist, diese also in Prakriti sind, dann braucht man die Kriyas nicht. Wer jedoch Unruhe in den Doshas hat oder krank ist, oder auch träge oder verschleimt ist, der solle die Kriyas machen. Er hat aber auch einen Trost für diejenigen, die Kriyas nicht mögen: Man kann auch alle Unreinheiten allein durch Pranayama beseitigen!

So empfiehlt er Pranayama, er erwähnt die 8 sog. Maha Kumbhakas (große Weisen, die Luft anzuhalten), also die 8 Übungen des Pranayama. Er erklärt ihre Wirkungen und sagt: „Übe Pranayama. So wird dein Prana ruhig. Ist dein Prana ruhig, dann ist auch dein Geist ruhig, dann kannst du meditieren.“

 

Hauptthema des 3. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika sind Kundalini und Mudra.

Durch die Erweckung der Kundalini ist Meditation und Samadhi möglich. Es gilt, die Kundalini zu erwecken. Aber um die Kundalini zu erwecken, muss man zuerst einen starken Körper haben (durch Asanas). Es gilt die Nadis zu reinigen (durch Asanas, richtige Ernährung, Ethik und Pranayama). Wenn man das geübt hat, ist man für die Mudras bereit.

Er erwähnt dann die 10 Hauptmudras und sagt, wie wir mit ihnen üben können.

Am Ende des Kapitels sagt er dann: „Wenn du durch die Übung der Mudras die Kundalini erweckt hast, dann kommt Samadhi fast von selbst.“

 

Hier sind wir schon im 4. Kapitel. Dieses hat als Thema „Dhyana und Samadhi“.

Svatmarama sagt: „Letztlich geht es im Hatha Yoga darum, den Geist zur Ruhe zu bringen, ins Überbewusstsein zu kommen und dann Mukhti (Befreiung) zu erreichen.“

 

Wie geht das?

Zum einen: Ist die Kundalini erwacht, dann führt sie einen von selbst zu Samadhi.

Er stellt aber auch spezielle Meditationstechniken vor, insbesondere Shambhavi Mudra, auch Khechari Mudra kann in die Meditation und Samadhi führen. Von besonderer Wichtigkeit für ihn ist Laya Yoga (der Yoga der Auflösung) und Nada Yoga (der Yoga des Klanges). Er empfiehlt insbesondere Anahata Nada Dhyana, die Meditation über den inneren Klang. Er verbringt viele Verse damit, uns verschiedene Formen von Anahata Nada Dhyana nahezulegen.

Zum Abschluss dieses Kapitels beschreibt er die Wirkungen: Was geschieht, wenn du über eine der Meditationstechniken den Geist in Laya (vollkommene Ruhe) gebracht hast? - du erreichst Samadhi, du erreichst Mukti (die Befreiung), und du wirst zum Jivan Mukhta, zum lebendig Befreiten. Dann hast du alle Ziele deiner Bestrebungen erlangt – alle Sehnsüchte des Menschen gehen letztlich in Richtung Samadhi. So ermutigt er uns, zum höchsten Samadhi zu kommen.

An ein paar Stellen hat Svatmarama ein paar kleine Seitenhiebe gegenüber Menschen, die es sich zu einfach machen. Er sagt: „Einfach nur ein paar Worte über Vedanta zu sagen – das reicht nicht aus. Nur ein bisschen überlegen, um zur Erkenntnis zu kommen – das reicht nicht aus. Es muss lebendige Erfahrung sein. Nur jemand, der Samadhi erfahren hat, nur der kann auch Dhyma haben. Und nur wer Samadhi erfahren hat, hat vollkommene Bhakti. Letztlich: Hingabe, Wissen, Samadhi und vollkommene Freiheit – alle bedingen einander. Es gilt zu praktizieren.“

Dazu will uns Svatmarama immer wieder ermutigen: praktiziere, praktiziere, praktiziere!

 

Er weiß, dass es nicht nur Menschen gibt, die Erleuchtung erlangen wollen. Deshalb lockt er mit Versprechen: Mit Hatha Yoga Übungen kann man auch Krankheiten heilen. Man kann seine Doshas wieder in ihr natürliches Gleichgewicht bringen. Man kann Agni, das Verdauungsfeuer, erhöhen und alle Amas (Blockaden, Verspannungen und Stoffwechselprodukte und Schlacken) beseitigen. Wir können einen gesunden und schlanken Körper haben und jugendlich sein. Es gilt, Asanas, Pranayama, Mudras und die Kriyas zu praktizieren. Er macht uns den Mund wässrig und will uns letztlich motivieren, indem er auch an einigen Stellen sagt, dass durch die Hatha Yoga Übungen die sexuelle Anziehungskraft steigt. Er sagt aber natürlich auch, dass Brahmacharya wichtig ist – er spielt damit ein bisschen.

 

An manchen Stellen will er uns auch etwas vor den Kopf schlagen. Manchmal gebraucht er eine anzügliche Sprache, oder er sagt Dinge, die offensichtlich nicht so schön sind, löst dies aber dann ein paar Verse später auf. Dies ist ein Zeichen dafür, dass ein Lehrer seine Schüler auch auf die Probe stellen muss.

 

Er sagt an einigen Stellen auch, dass wir Siddhis (außergewöhnliche Fähigkeiten) erreichen können, z. B. ganz klein oder ganz groß zu werden, auf Astralreise zu gehen und vieles andere. Indem er darüber spricht, will er uns etwas ködern.

Er verspricht uns auch Ruhe des Geistes. „Menschen versuchen ihren Geist zu beruhigen – aber durch Hatha Yoga erreichst du es wirklich.“ Er spricht davon, dass wir große Kräfte und geistige Stärke bekommen. „Indem wir auf diese Weise unseren Geist und unser Prana beruhigen, brauchen wir uns über nichts mehr aufzuregen. Ein Yogi, der einen gewissen Grad erreicht hat, wird unabhängig davon, was andere Menschen über ihn denken und sagen und mit ihm tun. Er wird unabhängig von allem Karma und nicht mehr beeinflusst von den Höhen und Tiefen des Lebens.“ Die Bhagavad Gita würde sagen: Ein Yogi kennt nachher sein Karma.

„Er tut, was zu tun ist, aber er ist nicht mehr gezwungen, ist nicht mehr besessen von etwas – sondern er ist frei (Moksha, Mukti). Darum geht es, und das kannst du erreichen – praktiziere, praktiziere, praktiziere. Das ist das Geheimnis des Erfolges. Egal ob du jung, alt oder sehr alt bist, ob du gesund, kränklich oder krank bist, ob du flexibel bist oder steif: Egal, was dein geistiger, körperlicher oder energetischer Zustand ist – mit regelmäßiger Praxis von Hatha Yoga kannst du Erfolg haben.“

Das sagt uns Svatmarama immer wieder: „Darüber besteht kein Zweifel, also übe und praktiziere.“

Hari Om Tat Sat

Om Shanti Shanti Shanti

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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