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Kommentar zum 3. Kapitel, Verse 25-29

Im 3. Kapitel geht es um die Mudras, die kombinierten Energieerweckungs- und -lenkungsübungen. In der Hatha Yoga Pradipika sind die Mudras nicht wie im indischen Tanz die Fingerhandbewegungen, sondern es sind kombinierte Energielenkungsübungen. Mudras kombinieren Körperhaltung, Atmung, Bewusstseinslenkung und verschiedene kleinere Mudras, bei denen man etwas mit den Beckenbodenmuskeln, der Zunge und vielen anderen Körperteilen macht.

Mahavedha gehört zu den 10 wichtigsten Mudras, die die Hatha Yoga Pradipika im 3. Kapitel beschreibt.

Vers 25 in Sanskrit Rezitation: „Rupa Lavanya Sampanna, yad hast tripura shamvina, mahamudra mahabandhau, nishphalau vedha vajitau.“ Genau wie eine Frau voll Schönheit und Charme ohne Mann keine Kinder bekommen kann, so ist auch Mahamudra und Mahabandha fruchtlos ohne Mahavedha.“

Hier gebraucht er ein etwas anderes Beispiel. Svatmarama hat ja keine Hemmungen öfters durchaus mal eine vulgäre Sprache zu gebrauchen. Hier heißt es wörtlich: so wie eine schöne und anmutige Frau ohne Frucht bleibt, letztlich also kein Kind bekommen kann, so ähnlich werden auch Mahabandha und Mahamudra nicht fruchtbringend sein, also nicht die volle Wirkung haben, ohne Mahavedha. Man könnte sagen: Mahamudra bringt Schönheit, Mahabandha bringt Anmut, Liebreiz und dann mit Mahavedha bekommt man die eigentliche Frucht, weshalb man diese Mudras eigentlich übt.

Vers 26: „Nun Mahavedha. Der Yogi, der in Mahabandha sitzt und mit konzentriertem Geist eine Einatmung vollzogen hat, soll die Bewegung des Lebenshauches (Vayu) anhalten und den Kehlverschluss (Kantha Mudra – also Jalandhara Mudra) setzen.

Vers 27: „Mit beiden Händen parallel zueinander auf dem Boden soll er den Po langsam aufsetzen, sodass er die Energie (Vayu), die durch zwei Energiekanäle fließt, durchbricht und in den mittleren Energiekanal geht.“

Abgrenzung von Mahavedha und Shakti Chalini

Dieser Vers wird öfters anders beschrieben. Es gibt auch verschiedene Variationen. An einer späteren Stelle spricht er auch über Shakti Chalini. Gemeinhin wird Mahavedha so ausgeführt, dass man zunächst in den vollen Lotus geht, wenn dies irgendwie möglich ist. Dann gibt man die Handflächen auf den Boden, hebt dann das Becken leicht und macht alle drei Bandhas. Es wird aber eigentlich nicht das Becken gehoben, sondern der Brustkorb und so wird das Becken nicht mehr ganz den Boden berühren. Das Gesäß, der Po berührt den Boden ganz leicht. Dadurch wird die Wirbelsäule auseinandergezogen. Letztlich zieht das Gewicht des Beckens die Wirbelsäule lang, so wird diese gerade gerichtet und dann kann das Prana durch die Sushumna nach oben fließen.

Gemeinhin praktiziert man erst die Mahamudra: Man streckt ein Bein aus. Als Nächstes übt man Mahabandha, darauf folgt Mahavedha. Und, wenn man will, kann man anschließend Shakti Chalini Mudra üben d.h. das Becken heben und senken und mehrmals hintereinander auf den Boden kommen lassen.

 

Variationen von Mahavedha

Manchmal wird als Mahavedha auch Shakti Chalini beschrieben. Wir kommen öfters gerade bei den Mudras darauf, dass die gleiche Übung zwei Namen hat und manchmal der gleiche Name zwei Übungen bezeichnet. Es gibt also zwei Mudras, die als Mahavedha bezeichnet werden können: Das eine wäre das Becken mit den Handflächen leicht heben, oder vielen fällt es auch mit den Fäusten leichter. Oder auch das Becken ganz heben und die Ellbogen fast durchdrücken. Dabei kann man den Kopf gerade halten oder auch großes Khechari machen. Dies sind also die verschiedenen

 

Variationen von Mahavedha Nr. 1.

Manchmal wird als Mahavedha das Heben und Senken des Beckens bezeichnet, was wir bei Yoga Vidya eher als Shakti Chalini Mudra bezeichnen.

Schauen wir, wie Svatmarama auch noch Mahvedha in einer anderen Übersetzung beschreibt. Santadayet (schlage auf den Boden) Shanaye (langsam). So würde man durchaus sagen, dass in der Hatha Yoga Pradipika das Heben und Senken als Shakti Chalani Mudra bezeichnet wird. In der Yoga Vidya Tradition ist dies nur das Becken heben. Das Becken heben und senken bezeichnen wir als Shakti Chalani Mudra.

Dadurch verlässt das Prana Ida und Pingala und fließt durch die Sushumna. Indem man gleichzeitig Mahabandha (alle drei Bandhas) übt und das Becken hebt, öffnet sich die Sushumna und das Prana fließt von Ida und Pingala im Muladhara Chakra in die Sushumna.

 

Aktivierung des Kanda

Übt man Shakti Chalani, die Variation von Mahavedha, in der man das Becken hebt und senkt, aktiviert dies Kanda (die Wurzelknolle) über die er an einer anderen Stelle spricht, der Bereich zwischen Geschlechtsorganen und Anus, also Perineum bzw. der hintere Bereich der Scheide. Im Kanda Punkt beginnen alle Nadis und das Heben und Senken des Beckens sollte so sein, dass man es am Kanda Punkt besonders spürt. Es ist nicht so sehr das Gesäß, das erheblich ist oder die Pobacken, sondern die sanfte Massage des Kanda Punktes, wenn man die mittleren Beckenbodenmuskeln anspannt und dann das Becken hebt und senkt. Die Aktivierung des Kanda Punktes hilft noch mehr, dass die Energie vom Muladhara Chakra durch die Sushumna noch oben fließt.

Vers 28: „Damit erfolgt die Vereinigung von Sonne, Mond und Feuer und der Nektar der Unsterblichkeit tritt hervor. Und ein Zustand ähnlich dem Tod stellt sich ein. Danach sollte der Yogi langsam ausatmen.“

Sonne (Pingala), Mond (Ida) und Feuer (Sushumna) sind natürlich die Bezeichnungen für die drei Nadis. Indem sich die drei Nadis im Muladhara Chakra vereinen und dann die Energie durch die Sushumna nach oben strömt, kommt man über die Dualität hinaus. Solange das Prana durch Ida und Pingala geht, sind wir in der Dualität: Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Mögen und Nicht-Mögen, Gut und Böse usw.

Ist aber das Prana in der Sushumna sind wir jenseits aller Dualität, jenseits von Zeit und Raum. Dieser letzte Zustand ist jener der Unsterblichkeit. Dies kannst du durchaus spüren, wenn du intensives Pranayama übst, anschließend die Mudras übst, insbesondere mit großer Konzentration und Achtsamkeit Mahavedha und Shakti Chalini. Dann wirst du einen Zustand der absoluten Ruhe des Geistes erreichen, das Gefühl der Einheit und der vollkommenen Verbundenheit.

 

Die Atmung während Mahavedha

Was er dann noch zum Schluss sagt: Man solle die Luft nur solange anhalten, wie man anschließend langsam ausatmen kann. Dies ist natürlich auch körperlich anstrengend, deshalb kann man den Atem auch nicht zu lange anhalten. Es gibt ein paar Sekunden, in denen man diese unglaubliche Erfahrung hat, anschließend atmet man aus.

Manche Menschen machen es auch so: sie üben Mahavedha und bleiben danach ein paar Minuten ruhig sitzen und genießen diesen Zustand sehr tiefer Meditation.

Vers 29: „Dies ist Mahavedha und verleiht, wenn ausgeübt, große Siddhis. Das bringt auch die Falten und grauen Haare, die als Folgen des Alterns auftreten zum Verschwinden. Deshalb wird diese Übung sehr geschätzt.“ Es gibt auch noch eine andere Übersetzung. „Die Praxis von Mahavedha verleiht großartige Kräfte, Siddhis. Es löscht Falten, graues Haar und Greisenzittern aus und wird von den besten der Yogis praktiziert.“

 

Ziel von Mahavedha

So will uns Svatmarama diese Übungen schmackhaft machen. Es geht letztlich darum, die Unsterblichkeit zu erreichen, Gott zu verwirklichen und die Erleuchtung zu erlangen. Aber Hatha Yoga wirkt eben auch auf anderen Ebenen. Vielen Menschen üben Hatha Yoga hauptsächlich wegen der Gesundheit, dem Wohlbefinden, der geistigen Ruhe und für mehr Energie. Hatha Yoga will uns aber über die Dualität hinausführen.

Hatha Yoga selbst, gerade wenn es um Pranayamas, Mudras und Bandhas geht, will uns zum höchsten Bewusstseinszustand führen. Ob jetzt tatsächlich alle Falten verschwinden ist eine andere Sache. Interessanterweise sehen die Yogameister, die viel Hatha Yoga üben, mit 70 und 80 Jahren sehr viel jünger aus als andere. Menschen, die viel Hatha Yoga üben werden im Alter nicht so sehr unter Demenz leiden, haben weniger neurologische Probleme. Hatha Yoga hilft tatsächlich bis ins hohe Alter gesund und voller Energie zu sein. Aber vom Standpunkt des Yoga ist die Bewusstseinserweiterung wichtiger. Große Siddhis heißt verschiedene große Kräfte und Fähigkeiten.

 

Mahavedha als fortgeschrittene Technik

Natürlich ist Mahavedha keine Übung, die du einfach so für dich übst. Bei Yoga Vidya üben wir Mahavedha als Teil der Bhastrika Mudra Reihe. Man beginnt mit 3 Runden Kapalabhati, 20 bis 40 Minuten Wechselatmung und danach übt man die Bhastrika Mudra Reihe. Sie beginnt mit Mahamudra, dann folgt Mahavedha, dann folgt Shakti Chalini, dann folgt Lola Mudra dann Bhujangini Mudra. Dies sind die fünf Mudras, die wir bei Yoga Vidya im Rahmen der fortgeschrittenen Kundalini Yoga Seminare und auch im fortgeschrittenen Pranayama üben. Nicht für Anfänger, sondern eben für Fortgeschrittene.

Man kann natürlich alle 10 Mudras der Hatha Yoga Pradipika in dessen Reihenfolge praktizieren. Damit sie die Wirkung haben, braucht es schon eine große Konzentration des Geistes. Allein die mechanische Übung reicht nicht aus. Zum Abschluss nochmal, wie Mahaveda geht:

Schritte des Mahavedha

Du atmest erst vollständig ein, dann übst du Mahabandha (Mulabandha, Uddhyana Bandha und Jalandharabandha), dann gibst du die Handflächen oder Fäuste auf den Boden, hebst das Becken leicht und konzentrierst dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen.

Oder Mahavedha Variation Nr. 2: Du hebst und senkst das Becken. Auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten: eine so, dass nur der Kanda Punkt berührt wird, die zweite, dass das ganze Becken gehoben und gesenkt wird, und die dritte wäre, Mahavedha bzw. Shakti Chalini ohne die Zuhilfenahme der Hände zu üben. Manchmal ergibt sich die letzte Variante ganz von selbst, wenn man Bhastrika übt.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika, Kapitel 3 Verse 19-24

Svatmarama schreibt in Vers 19: „ Mahabandha wird wie folgt beschrieben: presse die Yoni mit dem linken Knöchel und lege den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel.“

Yoni ist beim Mann der Bereich zwischen Hodensack und Anus, das Perineum und bei der Frau der hintere Teil der Scheide. Dann legst du den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel, und zwar so, dass die Ferse am Schambein ist. Also erst einmal Siddhasana einüben.

 

Vers 20: „Nachdem du den Atem eingezogen hast, presse das Kinn fest gegen die Brust, ziehe den Anus-Schließmuskel zusammen und konzentriere dein Denken auf die Sushumna.“

Du atmest ein, ziehst das Kinn gegen die Brust und ziehst alle Beckenbodenmuskeln zusammen und nicht nur die Anusmuskeln. Und damit keiner denkt, dass dies nur etwas Physisches ist, sagt er hier: konzentriere dein Denken auf die Sushumna.

 

Vers 21: „Nachdem du den Atem so lange wie möglich angehalten hast, solltest du ganz langsam ausatmen. Übe das zuerst auf der linken und dann auf der rechten Seite.“

Du hast also abwechselnd zunächst den linken Fuß unten und danach den rechten, zumindest wenn du Mahabandha üben willst. Meistens machst du Mahabandha ja als Teil der Wechselatmung, Surya Bedha oder andere Pranayamas. Svatmarama hat ja schon im 2. Kapitel öfters erwähnt, dass man Mahabandha mit den einzelnen Pranayamas verbindet.

Vers 22: „Manche denken, dass Jalandharabandha in diesem Fall nicht angewendet werden soll und die Zunge fest gegen die Wurzeln der Schneidezähne gepresst werden soll.“

Sanskrit Bedeutung der Worte:

Man soll Vayu (die Luft) und damit auch Prana einatmen, das Kinn auf Hridaya (das Herz) pressen. Es geht also nicht nur darum das Kinn zu senken, sondern sich dabei auf das Herz zu konzentrieren. Und dann geht es auch darum, dass man den Geist auf den mittleren Kanal, die Sushumna konzentriert.

Im 22. Vers sagt er dann, dass man manchmal Kantha Bandha – ein anderer Name für Jalandharabandha - (das Halsbandha) nicht üben soll, sondern stattdessen Raja Tandasa Jihvaja Bandha (der Zungenverschluss). Dieser geschieht, indem du die Zungenspitze an die Schneidezähne gibst und dann die Zungenoberseite an den Gaumen und dann so tust, als ob du schlucken willst, dann hast du Jihva Bandha. Mahabandha kann die Kombination sein aus Jalandharabandha (Kinnverschluss) mit Mulabandha (Beckenbodenverschluss) und leichtem Uddhyana Bandha. Oder du übst nur Jihva Bandha mit Mulabandha und Uddhyana Bandha. Und du könntest auch Uddhyana Bandha weglassen.

Vers 23: „Dieses Mahabandha, also mit Jihva Bandha kombiniert, das große Siddhis gewährt, stoppt die Aufwärtsbewegung des Pranas durch alle Nadis außer durch die Sushumna.“

Übst du Mahabandha heißt es, dass die Sushumna (der Zentralkanal) geöffnet wird, und alle anderen Nadis werden oben und unten geschlossen. Mit Mulabandha kann das Prana nicht nach unten wegströmen, mit Jalandhara und Jihva Bandha kann das Prana nicht nach oben wegströmen. Aber mit Jalandharabandha wird die Halswirbelsäule aufgerichtet, durch Mulabandha kommt das Prana in die Sushumna, durch Uddhyanabandha fließt es durch die Sushumna weiter nach oben.

Sanskrit Bedeutung der Worte

So entstehen Maha Siddhis (großartige Fähigkeiten). Übst du Mahabandha dann entsteht Maha Siddhi

Vers 24: „Dies befreit uns von den großen Schlingen des Königs Yama und bewirkt die Vereinigung der drei Nadis Ida, Pingala und Sushumna. Es befähigt auch den Geist zwischen den Augenbrauen fixiert zu halten.“ Khala Pasham habandha, Vimochana Vijakshanaha, triveni sangamam dhathe, kedaram prapayen manaha.”

Dieses Bandha hilft einen zu befreien von Pasha Kala (der Schlinge des Todes). Dies ist ein kleines Wortspiel: Mahabandha (Verschluss oder Fessel)befreit von Kala Pasha (der Fessel des Todes und der Zeit). Wenn die Kundalini in der Sushumna ist, damit verschwindet die Zeit. Und dann wird Triveni Sangama erreicht (dass sich Ida, Pingala und Sushumna in Mulabandha vereinigen). Dies führt zu einer Ruhe des Geistes. Manchmal wird auch gesagt: Dies bewirkt, dass Manas (der Geist) Prapayet (geführt wird) zum Kedara (der Ort von Shiva = der Punkt zwischen den Augenbrauen).

Es ist aber nicht unbedingt nur der Punkt zwischen den Augenbrauen gemeint: übst du Mahabandha dann löst sich Ida und Pingala, öffnet sich Sushumna und der Geist ist beim Ort von Shiva und damit bei Gott.

So ist Mahabandha eine hochwirksame Mudra. Kombinierst du die Pranayamas mit Mahabandha werden sie erheblich wirksamer. Du merkst, wie viel mehr Energie du hast und wie viel Ruhe dein Geist erlangen kann.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika Kapitel 3, Verse 10-18

Svatmarama schreibt über die Mahamudra, die große Mudra, in den Versen 10 bis 18 und ist somit eine der am gründlichsten beschriebenen Mudras in der Hatha Yoga Pradipika. Darin kannst du die Wertschätzung sehen, die Svatmarama dieser Übung zuteilt.

 

Vers 10: „Atha Maha Mudra. Padamulena vamina, yonim sampidia dakshinam, prasaritam padam kritvita, karabhyam dhara yet dritam.” Drücke die linke Ferse gegen den Beckenboden, also gegen Yoni, gegen den Damm, gegen das Perineum und strecke das rechte Bein aus. Fasse mit beiden Händen den Fuß.

 

Bedeutung der Sanskrit Worte:

Atha (jetzt) Maha Mudra (die großartige Mudra). Padamulena (mit der Ferse) Vamina (der linken) Sampidia (drückst du) gegen Yoni (als Frau zum hinteren Teil der Scheide, als Mann gegen den Damm also zwischen Hodensack und Anus). Dakshina (das rechte Bein drückst du, streckst du aus) und prasaritam (du haltest fest) padam (den Fuß) Karabhyam (mit den beiden Händen) dharayet (du hältst den rechten Fuß) Dhritam (fest).

 

Vers 11: „Praktiziere den Halsverschluss und dann halte den Atem an und lenke die Energie nach oben. Das erweckt die Kundalini, die sich wie eine Schlange aufrichtet, wenn man sie mit einem Stock berührt.“

Du machst dort also Jalandhara Bandha. Wie sieht nun die gesamte Übung aus, die Svatmarama beschreibt: Du gibst die linke Ferse unter Yoni, das Perineum. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dafür. Du kannst das linke Knie nach außen geben, in die Nähe des rechten Knies oder mit einem Kissen das Gesäß stützen. Dazu gibt es mehrere Videos von mir, in denen ich Mahamudra genauer beschreibe. Du streckst das rechte Bein aus und fasst mit beiden Händen an den Fuß, typischerweise an die Zehen und mindestens einen oder beide Daumen auf den großen Zeh. Du atmest ein und gibst das Kinn zur Brust.

Das führt dazu, dass die Kundalini erwacht. So ähnlich wie eine Schlange, die eingerollt ist und wenn man sie mit einem Stock berührt, dann richtet sie sich auch auf. Was sollte man noch machen: den Atem anhalten und die Energie (Vayu) nach oben lenken. Man setze Kantha Bandha (den Verschluss der Kehle), man halte den Atem an und richte Vayu (den Lebenshauch) Urdhvadas (nach oben) z.B. indem man Mulabandha und Uddhyana Bandha übt.

Dann sagt er: „So richtet sich sofort die Kundalini Kraft auf und dann entsteht der Zustand der Leblosigkeit.“

Rijvi Bhuta (gerade) tata (so) bhavet (wird aktiv) Kundalini Shakti. Und so entsteht auch Avastha (ein Zustand jenseits des Todes). Oder hier wird auch gesagt: dann werden die beiden feinstofflichen Energiekanäle Dvidbhuta werden wie tot. Was heißen soll, dass das Prana nicht mehr in Ida und Pingala geht.

Mahamudra führt also dazu, dass das Prana in die Sushumna geht und nach oben geht, die Kundalini erwacht und die restlichen Nadis werden wie tot d.h. das Prana tritt aus ihnen heraus.

 

Vers 13: „Dann soll der Yogi sehr langsam und nicht schnell ausatmen. Mahamudra wird auf diese Weise von den höchst Weisen beschrieben.“ Erst folgt also der physische Körper, danach übst du mit deinem Bewusstsein, dann merkst du etwas, das mit Kundalini geschieht, irgendwann kommt der physische Körper wieder und du musst ausatmen. Wenn du langsam ausatmest, schickst du deine Energie nach oben. Du bist dir bewusst: Dieses Mahamudra wurde von den Maha Siddhas gelehrt, die die großen Lehrer des Hatha Yoga sind. Deren Energie ist auch dahinter.

 

Vers 14: „Dieses Mahamudra wurde wahrlich von den großen Siddhas aufgezeigt. (Dies hat er schon in den vorigen Versen gesagt). Es zerstört die großen Kleshas und überwindet die Unausgeglichenheit der Doshas, den Tod und noch vieles mehr. Und aus diesem Grunde nennen es die besten der vollkommenen Meister wahrlich das großartige Siegel – Mahamudra.

 

Bedeutung der Sanskrit Worte

Die Vibuddha (die Weisen) die Uttama (die besten der Weisen) Vadanti (nennen es) Mahamudra (das große Siegel). Warum? Weil es hilft, über die Maha Kleshas (die 5 großen Leiden) hinauszuwachsen. Vielleicht erinnerst du dich an das 2. Kapitel des Yoga Sutra, wo Patanjali von den Kleshas spricht: Avidya (Unwissenheit), Asmita (Identifikation) Raga (Mögen) Dvesha (Nichtmögen) Abhinivesha (Furcht vor dem Vergehen). Diese kannst du alle durch Mahamudra überwinden. Ist die Kundalini erwacht und der Geist zur Ruhe in einer anderen Bewusstseinsebene, ist Leid verschwunden. Auch alle Ungleichheiten der Doshas und auch Marana (der Tod) spielen keine Rolle mehr. Ist dein Bewusstsein in einer anderen Ebene, dann ist alles andere überwunden. Und dies geschieht auch mit Mahamudra, das deshalb großartig genannt wird.

 

Vers 15: „Nachdem auf der linken Seite geübt wurde, soll der Yogi auf der rechten Seite üben. Sobald die Anzahl der Runden auf beiden Seiten gleich wird, soll der Yogi das Mudra lösen.“ Hier gibt es 2 Möglichkeiten: Du kannst entweder abwechseln – erst Mahamudra mit dem linken Bein, dann mit dem rechten oder du kannst 5 Runden linkes Bein und 5 Runden rechtes Bein machen. Eine Runde ist dabei immer Einatmen, Anhalten und Ausatmen.

 

Vers 16: „Da für einen Yogi nichts gesund oder ungesund ist, verzehrt er alles mit viel Geschmack oder ohne Geschmack. Er wird sogar ein schreckliches, verzehrtes Gift wie Nektar verdauen.“ Dieser Vers soll beschreiben, wenn du erst einmal dein Prana beherrscht, dann spielt der physische Körper nicht mehr die große Rolle. Im 1. und 2. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika hat Svatmarama großen Wert daraufgelegt, dass du dich sehr sattvig ernährst. Hier sagt er dann, wenn du erst einmal dein Prana beherrscht, dann ist dies nicht mehr ganz so wichtig. Natürlich kann man diesen Vers auch anders interpretieren.

Denn es geht ja auch um Freiheit. Essen heißt nicht nur physisches Essen, sondern was hier letztlich auch steht ist Bhukta, das etwas mit Bhoga (Genuss) zu tun hat. Man könnte so sagen: letztlich kannst du, wenn du dein Prana auf eine andere Ebene bringst, alles genießen. Da gibt es manches, das ist Pathya (heilsam) und anderes, das Apathya (unheilbar) ist. Manchmal geschehen schöne Dinge, manchmal unschöne. Manchmal sind Menschen freundlich, manchmal unfreundlich. Sie loben dich, manchmal kritisieren sie dich. Manchmal hat das Leben verschiedenste Geschmacksrichtungen, dann scheint es fade zu sein.

 

Für einen Yogi spielt das alles keine Rolle. Ihm ist es nicht mehr wichtig, ob Menschen nett oder nicht nett sind, ob Karma leicht oder schwer ist, ob das, was du tust, faszinierend ist oder nicht. Hast du erst einmal Herrschaft über den Geist und das Prana brauchst du dich nicht mehr über äußere Dinge zu beschweren. Für dich wird alles verdaut und damit alles integriert. Du lernst von allem, egal ob es ein Visham Ghoram (schreckliches Gift) ist oder Piyusha (Nektar). All das ist auch ein Zeichen, dass du im Hatha Yoga voranschreitest.

Zu Anfang musst du sehr aufpassen und alles muss sehr sattvig sein. Aus Mitgefühl zu anderen Wesen wirst du natürlich auch weiter auf Fleisch usw. verzichten und du wirst die schlimmsten Dinge nicht essen: kein Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak und Bewusstseins-vernebelnde Drogen wirst du natürlich nie mehr zu dir nehmen. Aber bei anderen Dingen wird es irgendwann nicht mehr ganz so wichtig, darauf zu achten. Lerne dein Prana zu beherrschen, dann geht manches leichter. Zu Anfang deiner intensiven Hatha Yoga Praxis musst du auf deine Umgebung achten und wie und mit wem du sprichst. Nach einer Weile wird alles gehen. Du wirst Gift zu Nektar transformieren.

 

Vers 17: „Übst du Mahamudra dann werden Krankheiten verschwinden wie Schwindsucht, Lepra, Verstopfung, Bauch und Unterleibskrankheiten, Verdauungsstörungen usw.“ Da lobt er jetzt noch Mahamudra als ein wirksames Mittel gegen alle Arten von Erkrankungen.

 

Vers 18: „Man sagt, dieses Mahamudra erzeugt großartige Kräfte (Siddhi) im Menschen. Deshalb sollte es sorgfältig geheim gehalten und darf nicht an jeden weitergegeben werden.“ Svatmarama spricht Mahamudra erwecke die Kundalini, führt zum Verstummen der verschiedensten körperlichen Erkrankungen, führt zur Ruhe des Geistes, zu Samadhi. Es ist etwas, dass dir alle Siddhis gibt (übernatürlichen Kräfte). All das durch eine einfache Mudra, wo du einfach das linke Bein ausstreckst und das linke zwischen Geschlechtsorgan und Anus gibst. Es scheint als eine großartige Behauptung. Aber vergiss nicht, er erwähnt auch noch ein paar andere Sachen: Du ziehst das Prana nach oben. Das Mahamudra ist eben nicht perfektioniert, wenn du deinen Körper perfektioniert hast. Letztlich damit Mahamudra funktioniert musst du dein Prana schon so unter Kontrolle haben, dass du es tatsächlich hochziehen kannst. Du machst die körperliche Bewegung und dann ziehst du das Prana durch die Sushumna nach oben. Dann erwacht die Kundalini und dann hast du all diese großartigen Wirkungen. Probier es aus.

Mehr Informationen über Mahamudra und wie du es genau ausführen kannst, findest du auf unseren Internetseiten www.yoga-vidya.de. Du lernst genaueres über Mahamudra und seine Variationen, wenn du zu unseren Kundalini Intensivseminaren kommst oder die Yoga Vidya Yogalehrer Ausbildung besuchst.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika, Kapitel 3, Verse 5-9

Svatmarama schreibt: „Deshalb sollte der Yogi voll Enthusiasmus die Praxis der Mudras praktizieren, um die große Göttin zu wecken, die am Eingang zu Brahmas Tür schläft.“

Bedeutung der Sanskrit Worte:

Tasmat (deshalb) sollte der Yogi Abhyasa (praktizieren) Prayatnena (mit Anstrengung, Bemühung, Enthusiasmus) und Sarva (mit aller Anstrengung). Manchmal wenn du fortgeschrittenes Hatha Yoga übst, musst du dich bemühen, nicht immer ist es nur schön, manchmal ist es auch Disziplin. Nicht umsonst heißt Hatha auch Bemühung und Anstrengung. Gerade die Mudras bedeuten einiges an Geduld. Viele Menschen üben Mudras eine Weile und denken, Svatmarama übt sie über alle Maßen, so viel spüre ich gar nicht. Aber du musst durchhalten und letztlich weiter üben und praktizieren, und irgendwann merkst du, was für großartige Wirkungen sie haben. Es gilt also diese zu praktizieren.

Und so wirst du Prabhodhyetu (die Göttin erwecken). Die Göttin ist natürlich die Kundalini. Es ist wichtige, dass du mit Ehrerbietung praktizierst. Du machst nicht irgendwelche Übungen, um irgendein Feuer zu entzünden, sondern die Kundalini ist eine göttliche Kraft. Sie ist eben eine Göttin, die du durch Hingabe, durch Bhakti erwecken oder indem du sagst, die Pranayamas und Mudras sind meine Form der Gottesverehrung, meine Form von Gottesdienst – Puja.

Diese solltest du wecken und warum? Sie schläft (Supta) am Eingang (Mukha) von der Tür zu Brahman (Brahmadvara). Also wenn du zu Brahman kommen willst, zum Absoluten, dann musst du die Mudras praktizieren. Damit erweckst du die Kundalini und sie öffnet dir das Tor zu Brahman, zum Absoluten.

 

Bedeutung und Arten von Mudras

Welche Mudras gibt es? Es gibt sehr viele Mudras. Svatmarama spricht hier von 10 Mudras. Ich werde sie gleich erwähnen, sie sind ja im 6. und 7. Vers erläutert. Ein paar Worte zur Bedeutung von Mudra. Mudra wird oft als Siegel übersetzt, was etwas öffnet oder auch verschließt. Eine Mudra hilft, dass du Zugang bekommst zu etwas Subtilem. Wenn Svatmarama von Mudras spricht, dann sind es kombinierte Energielenkungs- und Erweckungsübungen. Typischerweise eine Verbindung von Atemübungen, Körperhaltungen, Konzentrationsübungen, Zungenübungen usw. Mit diesen Mudras soll eine große Wirkung auf den ganzen Körper erzielt werden.

Es gibt aber auch noch ganz andere Mudras wie die Fingermudras: das Chin Mudra, das Vishnu Mudra usw. Ich habe ja schon eine ganze Mudrareihe mit über 100 oder 200 Videos veröffentlicht, wo ich die Fingermudras vorgemacht und besprochen habe. Dann gibt es auch noch die sogenannten kleinen Mudras wie Zungenmudras, Augenmudras, Kehlmudras, Beckenbodenmudras, Bauchmudras, Rumpfmudras und Armmudras. Viele kleine Körperübungen um Auswirkungen auf das Prana zu haben. In der Hatha Yoga Pradipika werden aber 10 Mudras mit größeren Wirkungen beschrieben.

Vers 6: „Mahamudra, Mahabandha, Mahavedhas, cha Khechari, Uddyanam, Mulabandhash, Cha Bandho Chalandhara  Bidaha“.

 

Vers 7: „Karane Viparitakhya Vajroli Shakti Chalanam, Idamhim Mudra Dashakam Chara Marana Nashanam.“

 

 Die 10 Mudras

Hier spricht er also über die Mudra Dashaka (die Gruppe von Zehn, die Zehnheit der Mudras). Diese 10 Mudras sind: Mahamudra, Mahabandha, Mahaveda, Kecchari, Uddiyana, Mulabandha, Jalandarabandha, Viparita Karani, Vajroli, Shakti Chalana – manchmal auch Shakti Chalani genannt.

Einige davon kennst du schon. Im dritten Kapitel hat er auch schon von Uddhiyana Bandha Mudra, (das Hochziehen des Bauches) hilft, dass das Prana von unten nach oben strömt. Mulabandha ist der Wurzelverschluss, der dazu führt, dass Ida und Pingala im Muladhara Chakra mit der Sushumna verbunden werden und dass Apana Vayu nach oben strömt.

Jalandhara Bandha ist der Kehlverschluss, der verhindert, dass das Prana durch Ida und Pingala nach oben geht. Es führt dazu, dass die Sushumna geöffnet wird. Diese drei Bandhas verbindest du ja beim Pranayama und sie werden zusammen als Mahabandha bezeichnet.

Mahamudra ist eine besonders machtvolle Mudra, wo du ein Bein streckst und dann verschiedenen andere Hand-, Zungen-, Augenbewegungen machst, Atemübungen und Konzentration. Mahaveda ist das große Erwachen. Khechari hat etwas mit der Zunge zu tun. Viparita Karani ist eine Umkehrstellung. Vajroli wird manchmal als Übung des roten Tantras bezeichnet, wie du die Sexualenergie umkehren kannst. Es gibt aber auch andere Variationen von Vajroli Mudra, die letztlich das Prana in die Sushumna nach oben bringen. Shakti Chalana wörtlich das Bewegen, das In-Gang-bringen der Shakti, das Erwecken der Kundalini ist auch noch eine eigene, besondere Übung.

Mit diesen Maha Dashakan möchten wir uns in den nächsten Versen der Hatha Yoga Pradipika beschäftigen. Zunächst aber welche Wirkung hat Mudra Dashaka.

 

Warum man diese Mudras üben sollte sagt Svatmarama in der 2. Hälfte des 7. Verses: „Idam Mi Mudra Dashakam Chara Manana Nashanam“.

 

Das Sanskrit ist so schön in der Hatha Yoga Pradipika. Svatmarama ist auch ein Poet. Aber ich werde mich jetzt beherrschen und nicht zu sehr über die Schönheit der Sanskrit Sprache sprechen, sondern über den Inhalt:

 

Die Bedeutung der Sanskrit Worte

Idam (Dies) ist bekannt als Mudra Dashakam. Man übt diese, um ein Mittel zu haben zur Vernichtung (Nashana) von Alter (Jara) und Tod (Marana). Die Mudras wollen einem helfen über Alter und Tod zu siegen. Dies heißt aber nicht physische Unsterblichkeit, denn der Körper stirbt. Auch Svatmarama lebt heute zumindest nicht mehr im physischen Körper. Und damit ist aber auch schon klar, was Sieg über Alter und Tod heißt, dass du erfährst: Ich bin nicht der Körper und so weißt du, du bist unsterblich. Solange du denkst, du bist der Körper, wirst du sterben und bist dem Alter, Krankheit und dem Tod unterworfen. Aber die Erfahrung „ich bin nicht der Körper“ hilft dir, Alter und Tod zu überwinden. Daneben gilt auch in einem etwas wörtlicheren Sinn: Jemand, der Hatha Yoga intensiv praktiziert, hat eine Klarheit des Geistes, hat ein Prana, eine Lebensenergie, eine Offenheit, einen Enthusiasmus und eine Fähigkeit vieles zu ändern.

 

Vers 8: „Diese wurden von Shiva gewährt und verleihen die 8 Siddhis.“

Die ursprüngliche Hatha Yoga Pradipika kannte keine Verszählung. So ähnlich wie, wenn man einen Roman schreibt oder ein Wissenschaftler eine Abhandlung schreibt. Später wenn der Lehrer dem Schüler das beibringen will, dann gibt er dem ganzen Text Ziffern. Wir kennen dies auch in der Bibel. Manchmal gibt es auch unterschiedliche Ziffern: Vers…des … Kapitels. Heute haben sich Katholiken und Evangelische weitestgehend geeinigt, aber es gab Zeiten, in denen dies nicht so klar war. So findet man eine unterschiedliche Verszählung – manchmal wird eine Zeile in einem Doppelvers (shloka) gezählt und manchmal zu einem anderen. So wird z.B. in Swami V.'s Hatha Yoga Pradipika nur ein Halbvers zum 8. Vers gezählt, so wie oben beschrieben. Dafür ist der 9. Vers umso länger mit 3 Halbversen.

 

In einer anderen Ausgabe steht im 8. Vers: „Vom ersten Lehrmeister (Adinatha) wurde gesagt, dass die 8 übernatürlichen Kräfte aus der Praxis der göttlichen Mudras entstehen.“ Der 2. Halbvers, der noch dazu gehört: „Die Mudras sind geliebt von allen vervollkommnenden Wesen und sogar von den Göttern (Maruts) schwierig zu erlangen.“

 

Bedeutung der Sanskrit Worte

Adinatha uditam (Diese wurden von Shiva gelehrt). Damit will Svatmarama sagen, dass nicht er diese Mudras erfunden hat, sondern sie sind uralt und von Shiva selbst gegeben worden zusammen mit allen anderen Hatha Yoga Übungen. Und dann heißt es, sie sind Divya (göttlich) und Pradayaka (sie verleihen) Ashta Aishwarya (die 8 großen Herrlichkeiten). Die 8 großen Siddhis sind dann eben Anima (die Fähigkeit ganz klein zu werden), Mahima (die Fähigkeit ganz groß zu werden), Garima (die Fähigkeit ganz schwer zu werden), Laghima (die Fähigkeit ganz leicht zu werden), Prapti (die Fähigkeit alle Wünsche zu verwirklichen), Prakamya (unwiderstehlicher Wille), Ishitva (große Vornehmheit) und Vashitva (Beherrschung aller Dinge).

 

Die Siddhis

Du kannst sie auf unterschiedliche Weise interpretieren. Wir finden zum Teil Hanuman in der Ramayana, der all diese Siddhis hatte. Er konnte sich ganz klein machen und dann unter der Tür durchgehen. Er konnte sich riesengroß machen und dann diesen Berg auf die Hände nehmen. Hanuman konnte sich auch sehr schwer machen. Es gibt die berühmten Geschichten, ich glaube, es ist in der Mahabharata, wo Bhima seinen Halbbruder Hanuman trifft. Aber Hanuman hat die Gestalt eines alten Affen und Bhima voller Eingebildetheit befiehlt dem Affen aus dem Weg zu gehen. Der Affe bleibt sitzen oder liegen und dem Bhima gelingt es nicht einmal den Schwanz des Affen zu bewegen. Er ist so schwer. Und so lehrt der Hanuman dem Bhima eine Lektion. Laghima (ganz leicht, schweben) und so konnte Hanuman auch in der Luft fliegen.

Interpretation der Siddhis

Du kannst dies auch so interpretieren, dass du Anima sein kannst, dich klein machen kannst und anderen den Vortritt geben kannst und du dich nicht in den Vordergrund drängen musst. Aber du hast auch die Fähigkeit zu Mahima: wird eine Führungspersönlichkeit, Projektleiter(in) gebraucht und du weißt, es gibt niemand anderes, der es besser macht als du, dann übernimm die Verantwortung und werde Führungspersönlichkeit oder Projektleiter und steh auf. Garima: manchmal ist es angemessen auf deinem Standpunkt zu beharren. Luther stand einst vor dem Reichstag zu Worms und soll gesagt haben: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott stehe mir bei“. Er steht zu seiner Meinung egal, was geschieht. Aber manchmal muss man auch nachgeben und den Standpunkt des anderen annehmen und Laghima werden, also leicht werden. So sind dies die verschiedenen Fähigkeiten, die man bekommt, wenn man die verschiedenen Mudras übt.

 

Versuchung der Siddhis

Swami V. legt in seinem Kommentar einen gewissen Wert darauf, dass wir uns nicht zu sehr mit diesen Siddhis beschäftigen. Es ist auch wie eine Versuchung. Wenn du viel praktizierst, hast du viel Prana und könntest andere beeindrucken. Du könntest Gegenstände schweben lassen, du könntest andere heilen, du könntest über Telepathie wissen, was in den Gedanken der anderen vorgeht. Du kannst Auras lesen, kannst in die Zukunft schauen, kannst auf Astralreisen gehen, kannst in Kontakt treten mit Feinstoffwesen usw. Das kann auch gefährlich werden. Es kann dich zum einen zur Arroganz verleiten und du musst wissen, auch in den feinstofflichen Wesen sind nicht alle wirklich Engelswesen. Selbst die Engel sind deshalb Engel, weil sie noch nicht die Vollkommenheit erreicht haben. Die Engel helfen Menschen so lange sie auf den Anfangsstufen sind. Aber wenn du in höheren Ebenen bist, können die Engel dich in Versuchung führen.

Die indischen Schriften sind voll von Geschichten und Mythen, wo ein Yogi große Herrschaft über den Geist bekommt und dann wird Indra, der König aller Götter alarmiert und denkt, jetzt muss ich etwas tun, um ihn in Versuchung zu führen. Und dann schickt Indra dieser Person eine himmlische Nymphe. Der Yogi wird vielleicht durch die Schönheit verführt und vergisst seine Yoga-Praktiken. Oder es kommt jemand und spricht despektierliche Bemerkungen. Dann wird der Yogi plötzlich ärgerlich und verliert so seine Kräfte. Es gibt viele andere Weisen, wie Indra oder andere Devas den Yogi in Versuchung führen können. Sei dir also bewusst, wenn du besondere Kräfte bekommst, kann dies ablenken und eine Versuchung sein. So wurde insbesondere Swami V. nie müde zu sagen: „Lasst euch nicht von Siddhis in Versuchung führen.“

 

Hier sagt er auch noch: „Die Mudras werden von allen vollkommenen Wesen geliebt und sind sogar von den Maruts schwer zu erlangen.“ Maruts sind die Windgötter oder andere, die schon Yoga praktizieren. Es geht ja darum Prana zu beherrschen, Prana ist auch der Wind. Man könnte auch sagen, was durch Pranayama nicht zu erreichen ist, das geht durch die Mudras. Er will uns also den Mund wässrig machen die Mudras wirklich zu üben.

 

Vers 9: „Die Techniken der Mudras sollen sorgfältig geheim gehalten werden wie eine Truhe voller Juwelen. Mit niemandem soll darüber gesprochen werden, genauso wenig wie über den Sex mit einer Frau aus guter Familie.“ Swami V. hat hier noch eine andere Ausdrucksweise: „Sie sollte sorgfältig geheim gehalten werden wie eine Schatztruhe voll mit Diamanten und niemanden verraten werden, genauso wie das illegitime Verhältnis mit einer verheirateten Frau aus gutem Hause.“

Svatmarama gebraucht an mehreren Stellen in der Hatha Yoga Pradipika eine leicht anzügliche Sprache. Zum Teil hat er die Absicht, dass die nicht ernsthaften Aspiranten sich daran festhalten und dann vielleicht voller Empörung nicht weiterlesen. Sie sind zum Teil wie eine Versuchung, wie ein Test.

 

Sorgfältige Auswahl der Mudras für die Praktizierenden

Aber worum geht es jetzt insbesondere: Man soll die Mudras geheim halten, nicht allen weitererzählen. Wenn es um fortgeschrittene Techniken des Hatha Yoga geht, muss man schauen, wem man was gibt. Nicht umsonst lernst du bei der Yoga Vidya Yogalehrerausbildung nicht Mudras, Bandhas und fortgeschrittene Pranayamas anzusagen, sondern du lernst sie selber auszuführen. Willst du diese lehren, dann musst du auch eine bestimmte Weiterbildung mitmachen wie „Unterrichten von fortgeschrittenem Pranayama und Kundalini Yoga“. Dort lernst du auch wer für diese fortgeschrittenen Techniken bereit ist. Jesus hat ja schon den Ausdruck geprägt: „Wirf nicht die Perlen vor die Säue“. So sei dir also bewusst, die fortgeschrittenen Mudras sind eben für fortgeschrittene Aspiranten gedacht und nicht für Anfänger.

Trotzdem übe diese 10 Mudras und du wirst wunderbare Wirkungen haben und sie helfen dir für die Meditation und die höheren Bewusstseinsebenen. Ich werde jetzt in den weiteren Vorträgen die weiteren Mudras des 3. Kapitels behandeln. Aber ich werde sie nicht so sorgfältig beschreiben, dass du sie mitmachen kannst. Die Mudras kannst du z.B. beim 2-wöchigen Sadhana Intensiv lernen, welches ich in der 2. Junihälfte gebe, oder auch im Kundalini Yoga Fortgeschrittene, die wir bei Yoga Vidya im Sommer oder zwischen den Jahren haben. Ich werde sie andeuten und die Wirkungen wie sie in der Hatha Yoga Pradipika beschrieben werden, erzählen. Aber für ein genaueres Lernen musst du schon selbst in den Ashram kommen, z.B. nach Bad Meinberg.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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YVS453 Sushumna, der leere Pfad

Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika Kapitel 3, Verse 3 und 4

 

Svatmarama schreibt in Vers 3: „Dann fließt das Prana durch die königliche Straße: Sushumna. Dann verbleibt der Geist ausgesetzt und der Yogi überlistet den Tod.“                                                

Bedeutungen der Sanskrit Worte

Tada (dann) fließt Prana Vasya (getragen werdend, fließt) durch den Pfad der Leere -Shunya (Leere) Padavi (Pfad). Den Pfad der Leere kann man auf zweierlei Art beschreiben: zum einen ist es die Ruhe des Geistes – erwacht die Kundalini dann wird der Geist ruhig und du erfährst Samadhi. Eine zweite Interpretation, die hier beschrieben wird, es ist die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule - erwacht die Kundalini dann kann auch das Prana durch die Sushumna fließen.

Tada (dann) wird diese zu Raja (König) Patha (Weg)zum Königsweg. Und wenn so die Kundalini durch den Königsweg der Sushumna fließt, dann wird Chitta (der Geist) Niralamba (alleinstehend) vollkommen ruhig, objektlos.

Tada (dann) folgt Vanchana (das Entrinnen) von Kala (der Zeit). Es wird manchmal übersetzt: also überlistet der Yogi den Tod, man könnte aber auch sagen: dann kommst du jenseits aller Zeit. Solange dein Geist im Normalbewusstsein ist, erfährst du Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Du erfährst dich getrennt von anderen, du bist in der Dreidimensionalität von Höhe, Länge und Breite. Du spürst das Kommen und das Vergehen. Aber geht das Prana in die Sushumna und erwacht die Kundalini, dann kommst du in den Zustand der vollkommenen Leere. Der Geist wird vollkommen ruhig, du transzendierst alle Zeit, du erfährst die Ewigkeit.

 

Vers 4: „Sushumna, die große Leere, die Brahmarandhra, die große Straße, der brennende Grund, Shambhavi, und der mittlere Pfad, alle beziehen sich auf ein und dasselbe.“

Dies ist ein wichtiger Vers, wenn du indische Mythen verstehen willst. Es ist wie ein kleiner Schlüssel. Wenn du indische Mythen hörst und es wird eine große Straße erwähnt z.B. Maha Patha über die irgendjemand geht, dann ist damit die Sushumna gemeint. Oder du liest etwas von der großen Leere (Shunya Padavi – der Pfad der Leere) dann ist auch damit die Sushumna gemeint. Oder du liest irgendwo, dass sich jemand auf Shmashana (Verbrennungsplatz) aufgehalten hat, dann ist dies auch nichts anderes, als dass die Kundalini erwacht und die Sushumna sich öffnet. Oder wenn du etwas über die Mythen von Shambhavi (die zu Shiva gehörende) hörst, bezieht sich dies auch auf die Kundalini, die erwacht ist.

Oder wenn du irgendwo in einem Mythos liest, dass Menschen den Madhya (der mittlere) Marga (Pfad) den mittleren Weg gehen, dann sind dies alles spirituelle, mythologische Bezeichnungen für dasselbe, nämlich für die Sushumna.

Somit ist die Sushumna als Ort wichtig, wo die ganzen Chakras sind, als Ort, wo die Kundalini erwacht und dann erwachen die verschiedenen Chakras und alle Fähigkeiten entstehen. Aber am wichtigsten ist: Der Geist wird vollkommen ruhig und du erfährst die Ewigkeit, du gehst jenseits von Zeit und Raum, erfährst die absolute Einheit. Daher übe Pranayamas und Mudras – so erlangst du die Erleuchtung.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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 Kommentar zum 3. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika, Vers 1-2

Svatmarama schreibt in Vers 1: „Wie Ananta, der Schlangengott, das ganze Universum mit seinen Bergen und Wäldern trägt, so ist die Kundalini die wesentlichste Stütze aller Yoga-Praktiken.“

Sanskrit Begriffe des Verses

Sowie (Yat) Ha Nayaka Ahi oder eben auch Hinayaka (der Anführer der Schlangen) Adhara (die Stütze) des ganzen Universums ist, genauso ist aber auch die Kundalini (die geringelte Schlangenkraft) Adhara (die Stütze) aller Yogapraktiken und aller Tantras. Es gibt also Ananta und es gibt einen der vielen Schöpfungsmythen. Dort existiert das Weltenmeer und auf diesem ist Ananta der Schlangengott und Vishnu, aus dessen Nabel ein Lotus kommt. Dieser Lotus ist letztlich Lakshmi und aus diesem Lotus kommt Brahma heraus, der die ganze Welt träumt. So ist die Grundstütze des gesamten Universums Ananta, die Weltenschlange, die Grundlage der ganzen Welt mit allen irdischen Gegenständen (Dahtri) oder auch der ganzen Erde mit ihren Vanas (Wäldern) und Shaila (Bergen). Genauso ist Kundalini Adhara (die Grundlage) von allen Yogas und Tantras.

Wenn es darum geht die Verwirklichung erreichen, musst du etwas mit der Kundalini machen. Ohne Kundalini Erweckung gibt es keine Bewusstseinserweiterung, keine Erfahrung Gottes und keine Erfahrung des Überbewusstseins. Kundalini ist das Entscheidende.

Kundalini Erweckung heißt nicht notwendigerweise, dass die Wirbelsäule heiß wird und du anfängst zu hüpfen oder dass du in eigenartige Körperbewegungen kommst. Sondern es heißt, dass die Sushumna sich öffnet, das Prana dort hineingeht und wenn die Kundalini erwacht und in die höheren Chakras geht, erfährst du Bewusstseinserweiterung. Das kann mit dramatischen Erfahrungen verbunden sein, mit durchgeschüttelt sein, mit Hitze, mit automatischen Einnehmen von Asanas, Mudras, Bandhas und Pranayamas. Es kann aber auch schrittweise und harmonisch geschehen. Aber die Kundalini ist letztlich die Grundlage für alles Yoga und für alles Tantra.

 

Vers 2: „Wenn die Kundalini schlummert, wird sie durch die Gunst des Gurus geweckt, und alle Lotusse (Chakras, Energiezentren) und alle Granthis (Knoten) werden durchstoßen.“

Sanskrit Begriffe des Verses

Supta (die schlafende) Kundalini wird erweckt (Jagrat) durch die Gnade (Prasadena) des Guru. Vielleicht kennst du Prasad, die Speise, die am Ende des Arati vergeben wird. Prasada ist eine Gnade, eine Gunst Gottes. Du isst das Prasad und nimmst an, dass du über das Essen die Gunst Gottes mitisst und so dir einverleibst. Du verehrst Gott und so öffnest du die Kanäle und die Gnade Gottes kann in und durch dich fließen. Und so sagt er hier eben auch: durch die Gnade des Gurus wird die Kundalini erweckt.

Natürlich er sagt dies in einem Kapitel, wo fortgeschrittene Praktiken beschrieben werden. Natürlich musst du eine ethische Lebensführung haben, Yama und Niyama, Asanas üben. All dies hat er im 1. Kapitel beschrieben. Du musst Kriyas üben, Reinigungstechniken, Pranayamas, Atemübungen, all das hat er im 2. Kapitel beschrieben und dann übst du Mudras, das beschreibt er jetzt im 3. Kapitel. Aber die Kundalini Erweckung ist nicht etwas, was nur durch physische Bemühung geschieht, sondern letztlich geschieht es durch Gnade. Wenn du praktizierst, mache es immer auch mit Hingabe. Sei demütig, bitte Guru und Gott um Hilfe. So übe intensiv und bitte um Hilfe, so kann die Gnade wirken, die hilft, dass Kundalini erwacht.

Und dann (Tada) werden durchstoßen (Bhidyante) Sharvani Padmani (alle Lotusse – alle Chakras) und auch Granthayah (die drei Knoten). Dies sind die drei Granthis, die drei Knoten in der Sushumna, die es zu durchstoßen gilt. Dann kommt Bewusstseinserweiterung Schritt für Schritt. Übe intensiv und bitte um Führung und Gnade. Dann sind die Erfahrungen großartig.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Hatha Yoga Pradipika

Einführung in das 3. Kapitel und Überblick

 

Das dritte Kapitel hat als Hauptthema Mudras. Zuvor spricht Svatmarama aber über die Kundalini, die subtile, schlafende Schlangenkraft im Menschen. Er will im 3. Kapitel beschreiben, wie du die Kundalini erweckst und sie mittels Mudras lenken kannst.

So schreibt er erst, was Kundalini ist, was das Erwachen der Kundalini bedeutet, wie du die verschiedenen Chakras öffnen kannst. Dann spricht er über die 10 Mudras, die er hauptsächlich andeutet. Ich nehme vor allem das Buch meines Meisters zur Hatha Yoga Pradipika zur Hilfe. Ich habe ihn persönlich häufig über die Hatha Yoga Pradipika sprechen hören, allerdings hat er einige Verse ausgelassen, übersprungen, weil sie Teil des roten Tantras sind und er sich selbst als Swami, als Mönch nicht darüber äußern wollte.

Zum Schluss geht es über die höchsten der Mudras und letztlich auch über die Meditation, wo er beschreibt, dass über die Mudras der Geist in tiefe Meditation fällt und so dann Gott verwirklicht wird.

Das 3. Kapitel ist das am meisten kryptisch beschriebene von allen Kapiteln. Letztlich kannst du mit den Anweisungen von Svatmarama nicht wirklich diese Praktiken üben. Ich werde es teilweise knapp erläutern, aber es gibt ja auch eine längere Videoreihe von mir, in der ich die Mudras praxisnah erläutere und dich dazu anleite. Dies findest du alles auf unseren Internetseiten www.yoga-vidya.de. Auch gibt es entsprechende Seminare.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

वपुः कृशत्वं वदने प्रसन्नता
नादस्फुटत्वं नयने सुनिर्मले
अरोगता बिन्दुजयोऽग्निदीपनं
नाडीविशुद्धिर् हठसिद्धिलक्षणम् ॥७८॥

vapuḥ kṛśatvaṁ vadane prasannatā
nāda-sphuṭatvaṁ nayane su-nirmale… arogatā bindu-jayo’gni-dīpanaṁ
nāḍī-viśuddhir haṭha-siddhi-lakṣaṇam

vapus : (des) Körpers; kṛśatvaṁ : Schlankheit; vadane : (des) Gesichts; prasannatā : Klarheit, Reinheit, Heiterkeit; nāda : (des inneren, „unangeschlagenen“) Klanges; sphuṭatvaṁ : (das) Offenbarsein, (die) Vernehmbarkeit; nayane : Augen; su-nirmale : äußerst (Su) klare, glänzende („fleckenlose“); arogatā : Gesundheit („Nicht-Krankheit“); bindu : (über den) Samen(fluß, „Tropfen“); jayaḥ : Meisterschaft („Sieg“); agni : (des Verdauungs-)Feuers; dīpanaṁ : (das) Stimulieren („Entfachen, Auflodernlassen“); nāḍī : (der feinstofflichen Energie-)Kanäle; viśuddhiḥ : (die) Reinigung, Reinheit; haṭha : (im) Hatha); siddhi : (für) Erfolg, Vervollkommnung; lakṣaṇam : (all dies ist ein) Zeichen, Kennzeichen

Ein schöner Körper, Schlankheit, Ruhe im Gesicht, Manifestation des inneren Klangs und Klarheit in den Augen, | Freiheit von Krankheiten, Sieg über die Triebe (Bindu), zähmung des inneren Feuers, Reinigung der Energiekanäle (Nadi), sind die Kennzeichen vom Erfolg in Hatha-Yoga

 

Übe Meditation am Ende der Pranayama-Praxis

Swatwarama schreibt in diesem Vers:

„Die Kennzeichen von Erfolg im Hatha Yoga sind: ein schöner Körper, Schlankheit, Ruhe im Gesicht, Manifestation des inneren Klangs und Klarheit in den Augen, Freiheit von Krankheiten, Sieg über die Triebe, Zähmung des inneren Feuers, Reinigung des Energiekanäle.“            

In der Sankrit Übersetzung des Verses bedeuten die einzelnen Worte:

Lakshana (die Zeichen) von Siddhi (Vervollkommnung und Erfolg) im Hatha Yoga: Vapu (des Körpers). Oft wird dies mit einem schönen Körper in Verbindung gebracht. Krisha (schlank) Tva jemand, der viel Hatha Yoga übt, kann auch schlank sein. Man hat Prasannata Vadana (eine Klarheit im Gesicht, einen ruhigen Gesichtsausdruck).

In einer anderen Übersetzung steht dazu: die Sprache ist beredsam. Vadana steht für Gesicht. In der eigentlichen Übersetzung ist es der Mund. Man kann das Gesicht auf die Augen beziehen oder man interpretiert es als Gesicht, was mit dem Mund zusammenhängt: Klarheit und Reinheit des Mundes ist eine Klarheit des Gesichtsaudrucks. Man könnte sagen, ein Leuchten und Strahlen kommt vom Gesicht her oder man kann gut sprechen.

Es gibt Spuddha (eine Vernehmbarkeit) von Nada (innerer Klang). Wenn Hatha Yoga fortschreitet hörst du den inneren Klang, der den Geist zur Ruhe bringen kann. Shundhyu Mala Nayana sind die klaren, glänzenden Augen. Arogata ist der Zustand von Gesundheit und Jaya ist die Meisterschaft. Mit Bindu ist die Mondenergie gemeint.

Swami Satyananda spricht vom Bindu (Punkt, Tropfen) im Hinterkopf als der Sitz der Mondenergie. In der Bihar School of Yoga wird viel Wert auf Bindu gelegt. Somit wird Bindu als die harmonisierende Mondenergie oder die sexuelle Energie angesehen. Wenn man viel Pranayama übt, hat man Herrschaft über die sexuelle Energie. Dies kann in zwei Richtungen gehen: in Svatmaramas Zeit hat man sich vom Hatha Yoga versprochen, dass die sexuelle Energie steigt. Gerade Männer wollen manchmal mehr sexuelle Energie haben. Aber man kann es auch umgekehrt üben, sodass man nicht Sklave der Triebe ist. Man kann Bindu somit meistern.

Dann führt es auch zu Dipana Agni, zum Auflodern lassen des Verdauungsfeuers. Agni steht für Feuer, Enthusiasmus, Begeisterung und Ausstrahlung. Agni ist zudem Tejas, ein Strahlen. Es kann zur Nadireinigung kommen. Dies wird mit Vishuddhi Nadi, der Reinigung der feinstofflichen Nadis, zum Ausdruck gebracht.

Dies ist eine ganze Menge an Wirkungen. Hatha Yoga soll dazu führen, dass du gesünder bist, du Ausstrahlung hast, zu einer Ruhe des Geistes gelangst und zu einer inneren Begeisterung führen. Du kannst erreichen, dass Kraft in deinen Worten ist. Ein Feuer und ein Strahlen können in dir entfacht werden. Du hast das Gefühl der Reinheit, als ob etwas in dir fließt. Du nimmst es als Fluss durch dich hindurch wahr. Dies ist die Wirkung von Hatha Yoga, daher übe es. Ganz besonders solltest du Pranayama üben.

 

Zusammenfassung des 2. Kapitels

Dies war der letzte Vers des 2. Kapitels. Svatmarama hat zu Anfang über Prana, die Lebensenergie gesprochen. Er hat gesagt, durch die Herrschaft über den Atem beherrscht du die Lebensenergie und somit den Geist.

Dann sprach er über die Nadis, die Energiekanäle und über die Wechselatmung, die ganz besonders für die Reinigung der Nadis wichtig ist. Weiterhin hat er über die Shat Kriyas, die 6 Reinigungstechniken, gesprochen sowie über die 8 Maha Kumbhakas: Surya Bhedana, Ujjayi, Sitkari, Shitali, Bhastrika, Bhramari, Murccha und Plavini.

Wenn du genauer wissen willst, wie und in welcher Reihenfolge du das üben kannst, besuche z.B. die Yoga Vidya Lehrerausbildung, ein Kundalini Yoga Seminar oder praktiziere mit einem Videokurs fortgeschrittenes Pranayama und Kundalini Yoga.

Danach ist Svatmarama auf die Kevala Kumbhaka eingegangen, wenn das Prana ganz ruhig ist und der Atem fast von selbst aussetzt. Er hat empfohlen am Ende des Pranayamas zu meditieren, um die Vollkommenheit zu erreichen. Diese ist im Hatha Yoga nicht nur die geistige Vollkommenheit, sondern ein gesunder, strahlender Körper. Du hast Ausstrahlung und kannst viel bewirken.

 

Hatha Yoga Pradipika Portal

Alle Verse der Hatha Yoga Pradipika findest du auf unserem Hatha Yoga Pradipika Portal: schriften.yoga-vidya.de. Dort sind die verschiedenen Schriften, die ich kommentiert habe. Unter dem Link der Hatha Yoga Pradipika findest du dann alle Verse auf Sanskrit, in Devanagari und in der Umschrift. Rezitationen, die Wort für Wort Übersetzung, mehrere Übersetzungen und Kommentare von Brahmananda, mir und künftig vielleicht noch anderen, in Textform, als Video und Audio, sind vorhanden. Somit kannst du viel Inspiration für Hatha Yoga bekommen und hoffentlich regelmäßig, intensiv, mit Konzentration und Freude praktizieren.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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  1. Vers

कुम्भकप्राणरोधान्ते कुर्याच् चित्तं निराश्रयम्
एवम् अभ्यासयोगेन राजयोगपदं व्रजेत् ॥७७॥

kumbhaka-prāṇa-rodhānte kuryāc cittaṁ nirāśrayam… evam abhyāsa-yogena rāja-yoga-padaṁ vrajet

kumbhaka : (durch die) Atemverhaltung; prāṇa : (des) Atems, (der) Lebensenergie; rodha : (des) Anhaltens („Einsperrens“); ante : am Ende; kuryāt : man mache; cittaṁ : (den) Geist; nir-āśrayam : frei von (allen) Objekten („Stützen“); evam : so, auf diese Weise; abhyāsa : (der) Übung, Wiederholung; yogena : durch die Methode; rāja-yoga : (des) königlichen Yoga; padaṁ : (den) Zustand (“Ort”); vrajet : man erreicht

Am Ende des Prana-Anhaltens durch Kumbhaka, soll der Yogi den Geist frei machen. | So erreicht er durch diese Praxis den Zustand des Raja-Yoga.

 

Übe Meditation am Ende der Pranayama-Praxis

Svatmarama sagt:

Am Ende der Kumbhaka-Praxis sollte man seinen Geist von allen Gegenständen abziehen, was immer es auch sein mag.

Die Sanskrit-Worte sind: Anta (am Ende) von Kumbhaka und Prana rodha (der Praxis des Anhaltens des Atems) kuryat (mache man) Chitta (den Geist) Nirashraya (frei von allen Objekten). So (evam) Abhyasa (auf diese Übung) erreichst du die Stufe (Pada) des Raja Yoga.

Am Ende des Pranayama meditiere. Die Meditation geht ganz einfach am Ende des Pranayama. Wenn du eine halbe, ein oder zwei Stunden Pranayama geübt hast, ist es gut, mindestens ein paar Minuten in der Stille zu verharren. Ziehe deinen Geist von allem Konkreten ab und genieße die Stille und die Ruhe. Übe das immer am Ende deiner Pranayama Praxis. Wenn du jeden Tag intensiv Asanas und Pranayama übst und am Ende dieser Praxis den Geist zur Ruhe bringst, erreichst du die Stufe des Raja Yoga: Die Herrschaft über den Geist, die Erfahrung des Herrschers, frei von äußeren Umständen, eins mit dem Unendlichen und Ewigen.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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  1. Vers

राजयोगपदं चापि लभते नात्र संशयः
कुम्भकात् कुण्डलीबोधः कुण्डलीबोधतो भवेत्
अनर्गला सुषुम्णा हठसिद्धिश् जायते ॥७५॥

 

rāja-yoga-padaṁ cāpi labhate nātra saṁśayaḥ… kumbhakāt kuṇḍalī-bodhaḥ kuṇḍalī-bodhato bhavet… anargalā suṣumṇā ca haṭha-siddhiś ca jāyate

rāja-yoga* : (des) königlichen Yoga; padaṁ : (den) Zustand („Ort“); ca : und; api : auch, sogar; labhate : er erlangt, erreicht; na : nicht; atra : hier (über); saṁśayaḥ : (besteht ein) Zweifel; kumbhakāt : aufgrund der Atemverhaltung; kuṇḍalī : (der) Kundali(ni); bodhaḥ : (erfolgt das) Erwachen; kuṇḍalī : (der) Kuṇḍaliṇī; bodhataḥ : aufgrund des Erwachens; bhavet : wird; an-argalā : frei (an-) von Hindernissen; suṣumṇā : (die) Sushumna ca : und; haṭha : (im) Hatha; siddhiḥ : Erfolg, Vervollkommnung; ca : und; jāyate : es entsteht

Und darüber hinaus erreicht [der Yogi] den Zustand des Raja-Yoga, darüber gibt es keinen Zweifel. Durch Kumbhaka wird die Kundalini erweckt und durch die erweckte Kundalini wird die Sushumna frei von Hindernissen und Vollkomenheit im Hatha-Yoga entsteht.

 

*Anmerkung: Zu einer Definition des Begriffes Rajayoga in diesem Zusammenhang vgl. die Anm. zu Kap. 4 Vers 103.

 

Hatha Yoga und Raja Yoga

Svatmarama schreibt:

Durch Pranayama erreicht der Yogi den Zustand des Raja Yoga, darüber gibt es keinen Zweifel. Durch Kumbhaka wird die Kundalini erweckt und durch die erweckte Kundalini wird die Sushumna frei von Hindernissen und Vollkommenheit im Hatha-Yoga entsteht.

Hier beschreibt er: Wozu Pranayama dient.

Wir befinden uns bei den letzten Versen des 2. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika. Die letzten vier Verse sind ein Zusammenfassung: „Wozu wirkt Pranayama?“

Er will uns zum Schluss noch einmal motivieren. „Durch Pranayama wird Raja Yoga erreicht. Raja Yoga bedeutet die Fähigkeit, deinen Geist zu beherrschen.“

Raja heißt Herrscher. Raja Yoga wird manchmal gleichgesetzt mit Patanjali Yoga, der Yoga des Geistes. Zum Raja Yoga kannst du sagen: „Die Einheit erlangen durch Herrschaft über alles.“ Dieser Raja Yoga pada wird erreicht.

Man könnte diesen 75. Vers auf den 74. Vers beziehen, wo es um Kevala Kumbhaka geht. Zudem kann man sagen, dass sich der 75. Vers allgemein auf das bezieht, was das ganze 2. Kapitel beschrieben hat. Pranayama ist hier das Stichwort.

Durch Pranayama erreichst du den Zustand des Raja Yoga, eine Herrschaft des Geistes.

Dann sagt er weiter: Kumbhakat (durch die Atemverhaltung) entsteht Bodha (das Erwachen) der Kundalini. Aufgrund Bodhatah (des Erwachens) der Kundalini wird die Sushumna an-argala (frei von Hindernissen). Ca (und so) kommt dann Siddhi (Erfolg, Vervollkommnung) im Hatha Yoga, jayate (so entsteht) Erfolg im Hatha Yoga.

Übe Khumbaka, übe Pranayama. Das hilft dir deinen Geist zu beherrschen. Es erweckt die Kundalini, öffnet die Sushumna und alle Chakras. Damit erreichst du die Vollkommenheit.

 

  1. Vers

हठं विना राजयोगो राजयोगं विना हठः
सिध्यति ततो युग्मम् आनिष्पत्तेः समभ्यसेत् ॥७६॥

haṭhaṁ vinā rājayogo rāja-yogaṁ vinā haṭhaḥ… na sidhyati tato yugmam ā niṣpatteḥ samabhyaset

haṭhaṁ : (den) Hatha; vinā : ohne; rāja-yogaḥ : (der) königliche Yoga; rāja-yogaṁ* : (den) königlichen Yoga; vinā : ohne; haṭhaḥ : Haṭha; na : nicht; sidhyati : hat Erfolg, gelingt; tataḥ : daher, deshalb; yugmam : beide („als Paar“); ā : bis; niṣpatteḥ : zur Vollendung (des Rāja-Yoga); samabhyaset : man soll üben, praktizieren (sam + ahbi + as)  

Ohne Hatha-Yoga gelingt kein Raja-Yoga, ohne Raja-Yoga gelingt kein Hatha-Yoga. | Daher soll [der Yogi] beides praktizieren, solange er den Erfolg nicht erreicht hat.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass hier (atra) unter dem Wort (Shabda) RajaYoga die im vierten Kapitel (ChaturthaUpadesha) gelehrt werdenden (vakṣyamāṇa) Techniken (Sadhana) zu verstehen sind, die in Form (Rupa) von UnmaniShambhavi Mudra usw. den ebenfalls als Rajayoga bezeichneten höchsten Zustand (Param Padam) herbeiführen: rāja-yoga-sādhane ‚tra rāja-yoga-śabdaḥ … rāja-yoga-sādhanaṃ caturthopadeśe vakṣyamāṇam unmanī-śāmbhavī-mudrādi-rūpam.

 

Hatha Yoga und Raja Yoga

Man kann nicht ohne Hatha Yoga Vollendung im Raja Yoga erlangen und umgekehrt. Deshalb sollte er beide erlangen bis er Vollkommenheit erreicht hat.

Hier sagt er:

Raja Yoga ist nicht möglich ohne Hatha Yoga, Hatha Yoga geht nicht ohne Raja Yoga. Übe beides zusammen. Hatha Yoga (Asanas, Pranayama usw.) und Raja Yoga (also Meditation, Ethik im Alltag usw.) sollten zusammen ausgeübt werden.

Im 1. Kapitel hat Svatmarama über Yamas und Niyamas gesprochen, im 4. Kapitel spricht er über Meditation. Du könntest sagen, dass Svatmarama eigentlich Raja und Hatha Yoga wiedergibt. Sicherlich ist Patanjali im Yoga Sutra sehr viel ausführlicher über die Techniken, wie du mit deinem Geist umgehst. Svatmarama sagt nur „Beachte die Yamas und Niyamas“, aber nicht wie du das machst. Patanjali beschreibt, welche Hindernisse auf dem Weg der Geistesbeherrschung auftauchen, wie du diese beherrschst, wie du Gründe des Leidens überwinden kannst und wie du ein ethischer Mensch wirst.

Es ist gut, zum einen an deinem Geist zu arbeiten und zum zweiten Hatha Yoga zu üben. Daher (tatah) übe yugma (beides). Übe so lange Hatha Yoga und Raja Yoga zusammen bis zu Nishpatti (zur Vollendung).

 

Eine Ergänzung:

Wann immer du Hatha Yoga übst, achte auf deinen Geist, übe eine sattwige Konzentration. Wann immer du Raja Yoga übst, achte auf deinen Körper. Du kannst in der Meditation bewusst gerade sitzen und auf deinen Atem achten. Im Alltag kannst du verschiedenen Atemübugen, Körperhaltungen, Entspannungstechniken und Mudras nutzen, um einen Einfluss auf den Geist zu haben. Beides zusammen wirkt besonders gut. Körper und Psyche hängen miteinander zusammen. Über deine Psyche beeinflusse deinen Körper und über Körperübungen beeinflusse deine Psyche. Wenn du an beidem parallel arbeitest, sind die Fortschritte besonders groß.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

प्राणायामस् त्रिधा प्रोक्तो रेचपूरककुम्भकैः
सहितः केवलश् चेति कुम्भको द्विविधो मतः ॥७१॥

prāṇāyāmas tridhā prokto reca-pūraka-kumbhakaiḥ… sahitaḥ kevalaś ceti kumbhako dvividho mata

prāṇa-āyāmaḥ : (die) Atemzügelung; tridhā* : in dreifacher Weise; proktaḥ : wird gelehrt; reca : (in Form von) Ausatmung (Recaka-Prāṇāyāma*, d.h. Atemverhaltung nach erfolgter Ausatmung); pūraka : Einatmung (Pūraka-Prāṇāyāma*, d.h. Atemverhaltung nach erfolgter Einatmung); kumbhakaiḥ : (und) Atemverhaltung (Kumbhaka-Prāṇāyāma*, d.h. Atemverhaltung ohne vorhergehende Aus- oder Einatmung); sahitaḥ : verbunden (mit Aus- bzw. Einatmung, dies entspricht nach Brahmānandas Kommentar Recaka- bzw. Pūraka-Prāṇāyāma); kevalaḥ : isoliert, unabhängig (von Aus- bzw. Einatmung, dies entspricht nach Brahmānandas Kommentar Kumbhaka-Prāṇāyāma); ca : und; iti : so, somit; kumbhakaḥ : (die) Atemverhaltung; dvividhaḥ* : (als) von zweierlei Art; mataḥ : wird erachtet („geschätzt“)

Es wird gesagt, dass es drei Arten von Pranayama (gibt): Ausatmung, Einatmung und Anhalten. | Das Anhalten selbst wird als zweigestalt angenommen: verbunden und isoliert.

 

Svatmarama schreibt:

Es gibt drei Arten von Pranayama: Rechaka Pranayama, Puraka Pranayama und Kumbhaka Pranayama. Und von Kumbhaka gibt es zwei Arten: Sahita und Kevala.

Von diesem Vers gibt es verschiedene Interpretationen. Er ist eine Analogie zum Yoga Sutra, wo Patanjali sagt: Pranayama besteht aus Einatmen, Anhalten und Ausatmen. Mit fortlaufender Praxis wird es verlängert und immer feiner.

Hier sagt Svatmarama:

Pranayama hat drei Arten von Atemzügelungen:

Es gibt Prana-ayamah tridha (die dreifache Weise der Atemzügelung), wie sie gelehrt wird. Es gibt Recha, Puraka und Kumbhaka: beim Pranayama atmet man ein (Puraka), man atmet aus (Rechaka) und man hält die Luft an (Kumbhaka).

Brahmananda (er hat den Kommentar, den Jyotsna, Ende des 19. Jhds. geschrieben) hat gesagt: Es gibt bestimmte Pranayamas, wo Rechaka (ausatmen) wichtig ist. Es gibt solche wo Puraka (das Einatmen) besonders wichtig ist. Es gibt solche, wo Kumbhaka besonders wichtig. Man könnte einfach nach Patanjali sagen: Pranayama (Atemübungen) bestehen aus bewusster Steuerung von Einatmen, Ausatmen und Anhalten.

Dann sagt Svatmarama: Das Anhalten (Kumbhaka) gibt es in zwei Weisen (Dvividha – zweierlei Gestalt). Es gibt Sahita (verbunden mit bestimmter Aus- und Einatmung) und Kevala (etwas, was ohne Ein- und Ausatmung geschieht).

 

  1. Vers

 

यावत् केवलसिद्धिः स्यात् सहितं तावद् अभ्यसेत्
रेचकं पूरकं मुक्त्वा सुखं यद् वायुधारणम् ॥७२॥

yāvat kevala-siddhiḥ syāt sahitaṁ tāvad abhyaset… recakaṁ pūrakaṁ muktvā sukhaṁ yad vāyu-dhāraṇam

yāvat : solange bis; kevala : (in der) isolierten (Atemverhaltung); siddhiḥ : Erfolg, Vervollkommnung; syāt : sich einstellt („ist“); sahitaṁ : (die) verbundene (Form der Atemverhaltung); tāvat : solange; abhyaset : man soll üben, praktizieren; recakaṁ : (vorherige) Ausatmung; pūrakaṁ : (oder) Einatmung; muktvā : ohne („verlassen habend“);sukhaṁ : leicht (erfolgt); yad : wenn; vāyu : (der) Luft („Wind“); dhāraṇam : (das) Anhalten (Fortsetzung in Vers 73)

Bis Perfektion in Kevalakumbhaka erreicht ist, soll der Yogi Sahitakumbhaka üben. | Wenn er einmal Ausatmung (Rechaka) und Einatmung (Puraka) der Luft hinter sich gelassen hat, wird das Anhalten (Dharana) mit Leichtigkeit [sich einstellen].

 

Svatmarama schreibt im folgenden Vers:

Solange der Yogi noch nicht bis zu Kevala Kumbhaka kommt, sollte er Sahita praktizieren.

In Sanskrit: Yavat (solange) Siddhi (Erfolg) noch nicht erreicht ist in Kevala, sollte man Abhyasa (üben) Sahita Kumbhaka (Kumbhaka, welches verbunden ist mit Rechaka, mit der Ausatmung und mit Puraka, der Einatmung. Das Anhalten kommt dann mit einer Leichtigkeit. Man kann auch sagen: Wenn man das Einatmen und Ausatmen verlassen hat (Muktva), folgt ganz leicht (Sukha) die Konzentration (Dharana).

 

Welche Bedeutung steckt hinter dieser Aussage?

Bei Kevala Kumbhaka gibt es zwei Arten:

Es gibt bewusstes Kevala Kumbhaka und automatisches Kevala Kumbhaka.

Angenommen du gehst in die Meditation und der Geist wird ganz ruhig. In diesem Zustand kommt Kevala Kumbhaka von selbst. Das Ein- und Ausatmen hört fast von selbst auf. Du spürst fast nicht mehr. Dein Atem ist ganz ruhig und kaum zu spüren. Manche Anfänger in der Meditation bekommen es dann sogar kurzfristig mit der Angst zu tun. Es können Empfindungen sein, die mit den Aussagen „ich ersticke jetzt und atme gar nicht mehr“, einhergehen.

Du brauchst gar keine Angst zu haben. Wenn Kevala Kumbhaka von selbst kommt, ist das ein wunderschönes Zeichen, dass dein Prana sehr ruhig geworden ist. Du kannst dich jetzt in die Meditation hinein sinken lassen. Wenn du das große Glück hast, dass Kevala Kumbhaka von selbst geschieht, lass dich von der Ruhe des Geistes in tiefe Freude führen, in Ausdehnung und in die Erfahrung der göttlichen Gegenwart.

Die zweite Form von Kevala Kumbhaka ist ein bewusstes Reduzieren von der Ein- und Ausatmung. Du kannst bewusst Kevala Kumbhaka üben. Damit Kevala Kumbhaka sich einstellt, solltest du erst Sahita Kumbhaka üben, die verschiedenen Pranayamas, wo du einatmest, anhältst und ausatmest. Zu diesen Pranayamas gehören Kapalabathi, die Wechselatmung und die Ashta Maha Kumbhakas (Suryabedha, Ujjayi, Sitkari, Sitali, Bhastrika, Bhramari, Murcha, Plavini). Wenn du diese regelmäßig übst, dann wird dein Prana unter Kontrolle gebracht. Dein Prana geht in die Sushumna und es entsteht Kevala Kumbhaka von selbst.

Wann immer du Pranayama übst, solltest du zum Schluss der Pranayama-Sitzung Kevala Kumbhaka üben. Manchmal brauchst du danach nur ein paar Mal tief ein- und auszuatmen. Deine Konzentration ist auf das dritte Auge gerichtet. Der Atem hört fast auf und du fühlst dich in einer anderen Bewusstseinsebene. Konzentration (Dharana) und Meditation (Dhyana) geschehen von selbst.

 

  1. Vers

प्राणायामोऽयम् इत्य् उक्तः वै केवलकुम्भकः
कुम्भके केवले सिद्धे रेचपूरकवर्जिते ॥७३॥

prāṇāyāmo’yam ity uktaḥ sa vai kevala-kumbhakaḥ… kumbhake kevale siddhe reca-pūraka-varjite

prāṇa-āyāmaḥ : (der) Atemzügelung; ayam : diese (Art; iti : so; uktaḥ : wird genannt; saḥ : sie; vai : wahrlich, bekanntlich, gewiss; kevala-kumbhakaḥ : islolierte Atemverhaltung; kumbhake : Atemverhaltung; kevale : (wenn die) isolierte; siddhe : gemeistert ist; reca : Ausatmung; pūraka : (und) Einatmung; varjite : frei von (Fortsetzung in Vers 74)

Dieses Pranayama, das zuvor beschrieben wurde, ist sicherlich Kevala-Kumbhaka. | Wenn Perfektion in dem für sich stehenden Anhalten erlangt wurde, besteht Freiheit von Aus- und Einatmung.

 

Diese Art des Pranayama ist sicherlich Kevala Kumbhaka. Wenn Perfektion in dem für sich stehenden Anhalten erlangt wurde, besteht Freiheit. Diese Freiheit ist zudem die Freiheit von der Aus- und Einatmung.

Den Versen liegen viele Doppeldeutigkeiten zu Grunde. Hier zählt Swami Vishnu nur einen Halbvers zum 73. Vers. Im Gegenzug dazu wird der 74. Vers etwas länger. Ich folge jetzt der Verszählung, wo zwei Halbverse zu diesem 73. Vers gehören.

Im Sanskrit steht: Diese (ayam) Pranayama (Atemzügelung) wird Kevala Kumbhaka genannt. Es ist eine natürliche Atemanhaltung. Kevala heißt sowohl natürlich, wie auch isoliert.

Es ist eine Atemverhaltung (Kumbhaka), die isoliert (Kevala) gemeistert werden kann. Sie ist frei von Rechaka und Puraka (der Aus- und Einatmung). Diese Pranayama ohne Rechaka und Puraka, wo du gar nicht bewusst die Ein- und Ausatmung steuerst und einfach nur in dieser Ruhe bist, ist Kevala Kumbhaka.

 

  1. Vers

तस्य दुर्लभं किंचित् त्रिषु लोकेषु विद्यते
शक्तः केवलकुम्भेन यथेष्टं वायुधारणात् ॥७४॥

na tasya dur-labhaṁ kiñ-cit triṣu lokeṣu vidyate… śaktaḥ kevala-kumbhena yatheṣṭaṁ vāyu-dhāraṇāt

na : nicht; tasya : für einen solchen (Yogi); dur-labhaṁ : (das) schwer zu erlangen (ist); kiñ-cid : irgend etwas; triṣu : in den drei; lokeṣu : Welten; vidyate : es gibt; śaktaḥ : (ein Yogi, der) fähig (ist); kevala-kumbhena : (zur) islolierten Atemverhaltung; yathā-iṣṭaṁ : nach Belieben („wie gewünscht“); vāyu : (der) Luft (“Wind”); dhāraṇāt : aufgrund des Anhaltens (Fortsetzung in Vers 75)

Für diesen ist nichts was in den drei Welten bekannt wäre schwer zu erreichen, | der das Kevala-Kumbhaka, das Anhalten der Luft wie hier beschrieben, beherrscht.

Wenn dieses Kumbhaka ohne irgendein Rechaka oder Puraka gemeistert worden ist, gibt es nichts mehr in den drei Welten, was man nicht erlangen könnte. Man kann seinen Atem durch Kumbhaka anhalten, so lange man möchte.

 

Was ist die Wirkung von Kevala Kumbhaka?

Im Sanskrit: Tasya (für einen solchen Yogi) gibt es na (nicht) kim chid (irgend etwas) in den Trisu Lrokesu (drei Welten), das Durlabha (schwer zu erlangen) wäre.

Ein Yogi, der fähig ist (ein Shakta – jemand, der die Fähigkeit, die Energie hat) zu Kevala Kumbhaka, der kann yatha ishta (ganz nach Belieben, wie gewünscht) die Luft anhalten (Vayu dharana).

Eine weitere Übersetzung ist, dass er ganz nach Belieben in die Konzentration kommen kann. Kevala Kumbhaka führt dazu, dass du in die tiefe Konzentration hineinkommst. Wenn du erst einmal diese tiefe Konzentration hast, brauchst du nichts anderes mehr.

„Durlabha“ könnte ein Hinweis auf andere Schriften sein, wo manches als Durlabha bezeichnet wird. Beispielsweise sagt Shankaracharya im Viveka Chudamani: „Drei Dinge sind Durlabha (schwer zu erlangen) und kommen nur durch die Gnade Gottes und gute Taten in Tausenden von Leben: Das erste ist eine menschenwürdige Geburt, das zweite ist die Sehnsucht nach Befreiung und das dritte ist die liebevolle Führung durch einen guten Meister, durch eine große Seele.“

Hier sagt jetzt Svatmarama „Nichts ist mehr Durlabha, nichts ist mehr schwer zu erlangen, wenn du Kevala Kumbhaka beherrschst.“

Wenn du durch Pranayama, durch die Atemübungen, dein Prana so ruhig gemacht hast, dass du nicht mehr ein- und ausatmen musst und die Ein- und Ausatmung verschmilzt, dann wird dein Geist vollkommen ruhig. Bei einer vollkommenen Ruhe des Geistes besteht eine volle Freude.

Man könnte die Interpretation weiter fortführen. Patanjali spricht im 3. Kapitel des Yoga Sutra von den sogenannten Vibudhis, den außergewöhnlichen Fähigkeiten des Yogis.

Er sagt dort: „Wenn du Konzentrationsfähigkeit hast, kannst du Samya üben. Wenn du Samya üben kannst, kannst du Jaya (Herrschaft) und Wissen (Prajna) über alles bekommen.“

Übe zunächst Pranayama, dann übe Kevala Kumbhaka und gehe tiefer in die Meditation. Somit wird nichts mehr schwer.

 

  1. Vers

 

राजयोगपदं चापि लभते नात्र संशयः
कुम्भकात् कुण्डलीबोधः कुण्डलीबोधतो भवेत्
अनर्गला सुषुम्णा हठसिद्धिश् जायते ॥७५॥

rāja-yoga-padaṁ cāpi labhate nātra saṁśayaḥ… kumbhakāt kuṇḍalī-bodhaḥ kuṇḍalī-bodhato bhavet… anargalā suṣumṇā ca haṭha-siddhiś ca jāyate

rāja-yoga* : (des) königlichen Yoga; padaṁ : (den) Zustand („Ort“); ca : und; api : auch, sogar; labhate : er erlangt, erreicht; na : nicht; atra : hier (über); saṁśayaḥ : (besteht ein) Zweifel; kumbhakāt : aufgrund der Atemverhaltung; kuṇḍalī : (der) Kundali(ni); bodhaḥ : (erfolgt das) Erwachen; kuṇḍalī : (der) Kuṇḍaliṇī; bodhataḥ : aufgrund des Erwachens; bhavet : wird; an-argalā : frei (an-) von Hindernissen; suṣumṇā : (die) Sushumna ca : und; haṭha : (im) Hatha; siddhiḥ : Erfolg, Vervollkommnung; ca : und; jāyate : es entsteht

Und darüber hinaus erreicht [der Yogi] den Zustand des Raja-Yoga, darüber gibt es keinen Zweifel. Durch Kumbhaka wird die Kundalini erweckt und durch die erweckte Kundalini wird die Sushumna frei von Hindernissen und Vollkomenheit im Hatha-Yoga entsteht.

 

*Anmerkung: Zu einer Definition des Begriffes Rajayoga in diesem Zusammenhang vgl. die Anm. zu Kap. 4 Vers 103.

 

Dann wird die Stufe von Raja Yoga erlangt. Rāja-yoga-padaṁ cāpi labhate nātra saṁśayaḥ. Übersetzt heißt dies: So wird Raja Yoga erlangt. Durch Kumbhaka wird die Kundalini erweckt und durch die erweckte Kundalini wird die Sushumna frei von Hindernissen und Vollkommenheit im Hatha-Yoga entsteht.

Bei diesem Vers, steht manchmal ein Teil als eigenständiger Vers. Es kann zudem sein, dass Teile davon miteinander verbunden sind.

 

Welche Wirkung erzeugt das Üben von Kevala Kumbhaka?

Du erreichst den Zustand der Ruhe des Geistes, die Kundalini erwacht, die Sushumna wird geöffnet und du erreichst den Zustand der Vollkommenheit.

Über die Beziehung zwischen Raja Yoga und Hatha Yoga schreibt Svatmarama in den nächsten Versen.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

अथ प्लाविनी
अन्तः प्रवर्तितोदारमारुतापूरितोदरः
पयस्य् अगाधेऽपि सुखात् प्लवते पद्मपत्रवत् ॥७०॥

atha plāvinī-
antaḥ-pravartitodāra-mārutāpūritodaraḥ… payasy agādhe’pi sukhāt plavate padma-pattra-vat

atha : nun (folgt); plāvinī : Plavini (das „Vollpumpen“); antar : ins Innere (des Körpers); pravartita : geleiteter („gesendeter“); udāra : vorzüglicher, ausgezeichneter; āpūrita : vollständig gefüllt ist (mit); udaraḥ : (ein Yogi, dessen) Bauch; payasi : Wasser; agādhe : auf tiefem („nicht seichtem“); api : sogar; sukhāt : mühelos, leicht; plavate : er schwimmt, schwebt; padma : (eines) Lotus; pattra-vat : wie das Blatt

Nun Plavini: Voll von bester Luft in den Bauch geschluckt, | schwimmt (der Yogi) mit Leichtigkeit wie ein Lotus-Blatt sogar auf tiefem Wasser.

 

Plavini und seine Wirkungen

Svatmarama schreibt:

Nachdem er die Lungen vollständig mit Luft angefüllt hat, bis sie aufgeblasen sind, bewegt sich der Yogi auf Wassern von großer Tiefe wie ein Lotusblatt. Das ist Plavini.

Plavini, eine der acht Kumbhakas (Atemübungen) im Hatha Yoga, wird hier sehr kryptisch beschrieben. Er sagt: Atha Plavini, was soviel bedeutet wie jetzt Plavini. Plavini kann man übersetzen mit „Vollpumpen des Körpers“. Es hat auch etwas zu tun mit Plava (Floß). Plavini ist etwas „das schwimmt“. In der Übersetzung kann es ein Floß sein, das schwimmt. Plavini kann letztlich mit der „Floßübung“ übersetzt werden.

Er schreibt: Jetzt folgt die Floßübung.

 

Was macht man bei dieser Übung?

Man füllt das Innere des Körpers (Antar) vorzüglich oder ausgezeichnet (Udara) mit Maruta ( Luft, Wind). Dies geschieht apurita (vollständig). Dann sagt er: Ein Yogi, dessen Bauch (Udara) so gefüllt ist, der kann auf Payasi (Wasser) von großer Tiefe (Agadha) sogar Sukhat (mühelos) plavate (schwimmen). Dies geschieht ähnlich wie Pattra (das Blatt) von Padma (einem Lotus). Hier gebraucht er ein Wortspiel: Udara heißt „vorzüglich, prächtig und ausgezeichnet“ und zudem „Bauchhöhle, Hohlraum und Bauch“.

Natürlich könntest du das tatsächlich ausprobieren. Wenn du im Schwimmbad bist, kannst du in den Lotus gehen, deine Hände hinter dem Kopf falten und dich in dieser Position auf das Wasser legen. Du atmest dann sehr tief ein. Darauf atmest du wenig Luft aus und ein. Du hältst die ganze Zeit die Lungen relativ gut gefüllt. In die gut gefülltes Lungen atmest du etwas ein und aus. Mit dieser Technik kannst du ganz bequem und anstrengungslos auf dem Wasser schweben. Wenn du genügend Körperspeck hast, geht das natürlich ohne dass du Plavini übst. Viele Menschen können „Toter Mann“ im  Schwimmbad spielen ohne unterzugehen. Im Salzwasser geht es noch sehr viel leichter.

Wenn du Plavini übst, hat das eine zusätzliche Wirkung. Wenn du vollständig mit Luft angefüllt bist und in die gefüllten Lungen wenig Luft ein- und ausatmest, kannst du probieren, dein Herz weit zu machen und dich zur Himmelsenergie öffnen. Das kann ein ganz überwältigendes Gefühl geben. Es kann ein Gefühl von Freude, Weite, Leichtigkeit und Verbindung entstehen.

Das geht besser, wenn das Schwimmbad nicht zu voll ist. Du kannst bei dieser Übung in eine Art Ekstase geraten. Du solltest nicht so weit gehen, dass du dein Bewusstsein verlierst, das ist im Schwimmbad eher ungünstig. Ich habe von niemandem gehört, für den das gefährlich gewesen wäre. Irgendwann atmest du vielleicht aus, wenn du in Ohnmacht fällst. Dann wachst du wieder auf, wenn das Wasser in die Nase geht und deine Reflexe sind sofort wieder da. Du kannst diese Übung in der beschriebenen Form ausprobieren.

Plavini ist zudem eine Übung, die als Pranayama im Sitzen geübt werden kann. Sie kann auch in die Asanas (Körperstellungen) integriert werden. Sie besteht daraus, dass du tief einatmest und deine Lungen füllst. Dann atmest du in die gefüllten Lungen sanft ein und aus. Es gibt gute Gründe, warum Plavini die letzte der ashta Kumbhakas (Atemübungen) ist, die Svatmarama beschreibt: Es ist gerade vor der Meditation eine schöne Übung. Während der Meditation trifft dies ebenfalls zu. Wenn dein Geist zu sehr wandert, dann übe Plavini. Der Geist wird sehr wach und ruhig.

Plavini gehört zu den fortgeschrittenen Atemübungen, die in einfacher Variation von anderen geübt werden kann.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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  1. Vers

अथ मूर्च्छा
पूरकान्ते गाढतरं बद्ध्वा जालन्धरं शनैः
रेचयेन् मूर्च्छाख्येयं मनोमूर्च्छा सुखप्रदा ॥६९॥

 

atha mūrcchā-
pūrakānte gāḍhataraṁ baddhvā jālandharaṁ śanaiḥ… recayen mūrcchanākhyeyaṁ mano-mūrcchā sukha-pradā

atha : nun (folgt); mūrcchā : Murchha („Ohnmacht, Gerinnen“); pūraka : (der) Einatmung; ante : am Ende; gāḍhataraṁ : ganz fest; baddhvā : setzend („bindend“); jālandharaṁ : Jalandhara; śanaiḥ : langsam, allmählich; recayet : man atme aus; mūrcchanā : Murchhana; ākhyā : (hat den) Namen; iyaṁ : dieses (Kumbhaka); manas : (des nach außen gerichteten) Geistes; mūrcchā : (es führt zur) Ohnmacht („Gerinnen, Erstarren“); sukha-pradā : (und) verleiht Glück, Freude

Nun Murcha: Am Ende der Einatmung, Jalandhara-Bandha maximal fest gesetzt, | soll (der Yogi) sehr langsam ausatmen. Dieses, bekannt als Murcha, garantiert Mentale Ohnmacht und Wohlgefühl.

 

Murccha und seine Wirkungen

Svatmarama schreibt:

Nun Murccha. Am Ende von Puraka führe Jalandhara Bandha durch und atme langsam aus. Das ist Murchha Kumbhkaka. Es bringt den Geist in einen Zustand der Ruhe und schenkt Wonne.

 

Wie geht Murccha?

Du atmest erst sehr tief ein, dann senkst du den Kopf und beim Ausatmen hältst du den Kopf unten. Dabei atmest du sehr langsam aus. Murccha gehört zu den Pitta reduzierenden Übungen.

Eine Variation von Murccha kannst du üben, um Ärger zu reduzieren. Ich nenne es die Ärger-Transformations-Atmung. Wenn du dich über irgendetwas geärgert hast, dann atme zügig ein und danach sehr langsam aus. Diese Übung kannst du auch gut in der Öffentlichkeit machen. Du musst nicht unbedingt den Kopf nach hinten geben. Wenn du fünf- bis zehnmal sehr langsam ausgeatmet hast, wirst du merken, dass dein Ärger verflogen ist. Du hast neue und mehr Energie in dir.

Murccha kannst du zudem als Heuschnupfen-Überwindungsatem üben: Wenn du Heuschnupfen hast, kannst du den Heuschnupfenreiz überwinden, indem du zügig einatmest und so langsam ausatmest wie es nur geht. Es sollte sehr langsam und vollständig erfolgen. Vielleicht hast du gerade einen Niesreiz und du wirst vorher durch das Niesen unterbrochen. Ist dies der Fall, dann probiere es erneut. Wenn du fünf- bis zehnmal extrem langsam ausatmest, sind danach der Nies- und Heuschnupfenreiz sowie die tränenden Augen verschwunden. Dies kannst du ruhig etwas fokussieren. Probiere es aus!

Svatmarama beschreibt hier eine spezielle Form von Murccha. Es handelt sich um Atha Murccha. Murccha hat verschiedene Bedeutungen und wird oft als „Ohnmacht“ oder „Gerinnen“ übersetzt. Murccha heißt Freude und Verzückung. Die „Übung, die zur Verzückung führt“ ist Folgende: Er sagt: Purakante (am Ende der Einatmung) setzt du ganz fest Jalandhara Bandha (Kopf senken). Dann atmest du shanai (sehr langsam und allmählich) aus (Recayet). Dieses (iyam) Kumbhkaka Akhya (hat den Namen) Murccha.

 

Warum heißt es Murccha (oder murchhana)?

Weil es zu Manas Murccha führt, zu einer Ruhe (zum Gerinnen) des Geistes und zu Sukha Prada (zu großer Erfahrung von Glück). Prada heißt hier „Gabe von“ oder „Verleihung von“ und Sukha heißt „Freude“.

Murccha ist eine Übung, um Freude zu erfahren. Es handelt sich um eine Übung, die du machen könntest, wenn du dich trostlos fühlst. Man könnte sagen: Gegen Depressivität hilft jede Atemübung, weil sie mehr Energie erzeugt. Insbesondere Bhramari und Murccha sind sehr hilfreich, um mehr Freude im Geist zu haben.

 

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  1. Vers

अथ भ्रामरी
वेगाद् घोषं पूरकं भृङ्गनादं
भृङ्गीनादं रेचकं मन्दमन्दम्
योगीन्द्राण्?अम् एवम् अभ्यासयोगाच्
चित्ते जाता काचिद् आनन्दलीला ॥६८॥

atha bhrāmarī-
vegād ghoṣaṁ pūrakaṁ bhṛṅga-nādaṁ
bhṛṅgī-nādaṁ recakaṁ manda-mandam… yogīndrāṇām evam abhyāsa-yogāc
citte jātā kā-cid ānanda-līlā

atha : nun (folgt); bhrāmarī : Bhramari („Bienenton, Bienensummen“); vegāt : schnell; ghoṣaṁ : (und) geräuschvoll; pūrakaṁ : (man vollführe die) Einatmung; bhṛṅga : (einer) männlichen schwarzen Biene; nādaṁ : (verbunden mit dem) Klang; bhṛṅgī : (einer) weiblichen schwarzen Biene; nādaṁ : (verbunden mit dem) Klang; recakaṁ : (man vollführe nach der Atemverhaltung die) Ausatmung; manda-mandam : ganz langsam; yogi : (der) Yogins; indrāṇām : der besten („Fürsten“); evam : so, auf diese Weise; abhyāsa : (dieser) Übung, (der) Wiederholung; yogāt : durch die Methode; citte : im Geiste; jātā : entsteht („ist entstanden“); kā-cid : ein unbeschreibliches („gewisses“); ānanda : (von) Glückseligkeit; līlā : Spiel

Nun Bhramari: Die Einatmung (erfolgt) schnell, mit einem brummenden Ton, wie der männlichen Biene, die Ausatmung sehr langsam mit dem Ton der weiblichen Biene. | Durch genau diese Praxis entsteht ein kleines Spiel der Wonne im Geist, vom Herrn der Yogis (gesandt).

 

Bhramari und seine Wirkung

Bhramari ist die sechste der acht Maha Kumbhakas, der acht großartigen Übungen der Hatha Yoga Pradipika.

Svatmarama schreibt:

Fülle dich schnell mit Luft an, wobei du den Ton einer männlichen Biene machst. Dann atme wieder aus, wobei du den Ton einer summenden weiblichen Biene machst. Dadurch, dass sie dies regelmäßig praktizieren, fühlen die großen Yogis eine unbeschreibliche Freude in ihrem Herzen.

Die einzelnen Worte auf Sanskrit:

Atha Bhramari: Jetzt folgt der Bienenton. Bhramari ist der Klang einer Biene, das Bienensummen. Die Atemübung heißt tatsächlich Bhramari, das Bienensummen. Er sagt, dass man Vega (schnell) und ghosa (geräuschvoll) einatmen (Purakha) soll und dabei Nada (den Klang) einer Bhringa (einer männlichen schwarzen Biene).

Ich muss zugeben, dass ich nicht genau weiß, wie eine männliche schwarze Biene klingt, aber ich weiß wie Bhramari gemacht wird. Du machst den schnarchenden Klang. Svatmarama empfiehlt, dies relativ zügig zu machen Du kannst die Übung auch langsamer durchführen. Diese Variante gibt es ebenfalls. Er empfiehlt es sehr schnell zu machen. Das Ausatmen erfolgt dann langsam summend. Man vollführe dort nach der Rechaka (Atemverhaltung) Manda-manda (etwas ganz langsames). Das wird so interpretiert, dass du erst einatmest, anschließend anhältst und dass du danach ganz langsam die Ausatmung machst.

Erst wird Puraka (Einatmung) Vega und Ghosha (schnell und geräuschvoll) mit dem Klang einer männlichen schwarzen Biene (Bhringa) vollzogen. Nach der Atemverhaltung, du hältst anschließend die Luft an, machst du den Klang einer Biene und atmest dabei ganz langsam aus. Das langsame Ausatmen ist hier besonders von Wichtigkeit. Beim langsamen Ausatmen wirst du zu einem Yogi Indrana, zu einem „Herr der Yogis“.

Man könnte aber auch sagen, dass diese Übung geschickt worden ist vom Herrn der Yogis. Diese Abhyasa (Übung) und dieser yogat (diese Methode) führen zu Ananda lila, zu einem Spiel von Freude in Chitta (im Geist). In der Übersetzung, der Swami V. folgt heißt es hier: im Herzen, denn letztlich ist Freude des Geistes eine Freude im Herzen.

Bhramari (die Biene) will dir helfen, Freude zu bekommen und Herr (er sagt hier: Fürst) der Yogis zu werden. Das soll bedeuten, dass Bhramari dir hilft, eine grundlose Freude zu bekommen und frei zu werden.

Im Yoga geht es häufig um Freiheit. Wir wollen uns lösen von der Abhängigkeit vom Lob oder Tadel anderer, von der Freundlichkeit anderer und davon, ob es in der Welt gut oder schlecht zu geht. Wir lernen Techniken, die uns helfen, jederzeit Energie zu haben, jederzeit voll Freude zu sein und letztlich jederzeit zu einem höheren Wissen zu kommen. So werden wir unabhängig von den Höhen und Tiefen des Lebens und von den Beziehungen zu anderen Menschen, die sich immer wieder verändern. Das heißt nicht, dass wir uns zurückziehen, sondern dann tun wir das, was nötig ist, mit Freude, Liebe und Energie als Instrument Gottes. In der Bhagavad Gita sagt Krishna dies immer wieder.

Bhramari ist eine der Möglichkeiten, wie du Freude empfinden kannst, eine gewisse Unabhängigkeit und eine gewisse innere Stärke bekommst. Probiere es aus!

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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  1. – 67. Vers

Bhastrika und seine Wirkungen

Was ist Bhastrika?

Wie wird Bhastrika geübt?

Wie häufig sollte es geübt werden?

Welche Wirkungen hat Bhastrika?

Über diese Fragen schreibt Svatmarama in der Hatha Yoga Pradipika in ingesamt 8 Versen (59 - 67). Diese ausführlichen Informationen zeigen, wie wichtig Svatmarama Bhastrika hält. Es ist die einzige der Ashta Khumbhakas, welche in mehr als drei Versen beschrieben wird. Er befasst sich mit dieser Atemtechnik fast dreimal so lang wie mit den anderen Pranayamas.

Vorweg gesagt, handelt es sich bei Bhastrika in der fortgeschrittenen Form, wie Svatmarama diese beschreibt, um eine Übung, die nicht für jeden geeignet. Du solltest wissen, was du tust.

Die Kommentare zur Hatha Yoga Pradipika sollen keine Übungsanleitung für dich sein. Sie enthalten weitere Informationen und stellen detaillierte Ausführungen dar, wenn du die Übungen schon kennengelernt hast (z.B. in der Yoga Vidya Yogalehrerausbildung oder in einem fortgeschrittenen Kundalini Yoga Seminar.) Du erfährst dort mehr Details und Konzentrationshilfen. Deine Stärke und vielleicht deine Motivation für deine Praxis wird höher werden.

 

  1. Vers

अथ भस्त्रिका
ऊर्वोर् उपरि संस्थाप्य शुभे पादतले उभे
पद्मासनं भवेद् एतत् सर्वपापप्रणाशनम् ॥५९॥

atha bhastrikā-
ūrvor upari saṁsthāpya śubhe pāda-tale ubhe… padmāsanaṁ bhaved etat sarva-pāpa-praṇāśanam

atha : nun (folgt); bhastrikā : Bhastrika („Blasebalg“); ūrvor : (die gegenüberliegenden) Oberschenkel; upari : auf; saṁsthāpya : man lege („gelegt  habend“); śubhe : sauberen, reinen („schönen“); pāda : (der) Füße; tale : (nach oben gekehrten) Sohlen; ubhe : die beiden; padma-āsanaṁ : (der) Lotussitz; bhavet : ist („soll sein“); etad : dies; sarva : allen; pāpa : Übels; praṇāśanam : (er bewirkt das) Vernichten

Nun Bhastrika: Nachdem die beiden Fußsohlen auf passende Weise auf der Mitte der Oberschenkel platziert sind, | ist der Lotussitz eingenommen. Dieser zerstört alle Sünden.

 

Svatmarama sagt: Nun folgt Bhastrika. Bringe die Füße auf die gegenüberliegenden Schenkel. Das wird Padmasana genannt und beseitigt alle Beschwerden.

Für Bhastrika ist Padmasana (der Lotus) hilfreich. Bhastrika soll dir helfen, alle Probleme zu beseitigen. Dafür rentiert es sich, den Lotus zu lernen. Natürlich kannst du Bhastrika in anderen Sitzhaltungen machen. Manchmal gibt es fortgeschrittene Bhastrika-Variationen, die mit Mudras verbunden sind. Hier kommen das Shakti Chalini Mudra oder Maha Veda zum Einsatz. Dabei ist es hilfreich, wenn du im Lotus bist. Manchmal kann es bei Bhastrika passieren, dass der Körper anfängt zu hüpfen. In diesem Fall ist diese Sitzposition ein besonders guter Sitz. Es lohnt sich den Lotus zu probieren und ihn zu erlernen. Versuche, ob du den Lotussitz lernen kannst.

 

  1. Vers

सम्यक् पद्मासनं बद्ध्वा समग्रीवोदरः सुधीः
मुखं संयम्य यत्नेन प्राणं घ्राणेन रेचयेत् ॥६०॥

samyak padmāsanaṁ baddhvā sama-grīvodaraḥ su-dhīḥ… mukhaṁ saṁyamya yatnena prāṇaṁ ghrāṇena recayet

samyak : auf die rechte Weise; padma-āsanaṁ : (den) Lotussitz; baddhvā : einnehmend („gebunden habend“); sama : gerade (ist); grīvā : (dessen) Hals; udaraḥ : (und) Bauch; su-dhīḥ : (der) verständige (Yogi); mukhaṁ : (den) Mund; saṁyamya : verschließend; yatnena : eifrig, kraftvoll („mit Anstrengung“); prāṇaṁ : (den) Atem, (die) Atemluft; ghrāṇena : durch die Nase; recayet : entlasse (“entleere” ric, Fortsetzung folgt in Vers 61)

Nachdem er ordentlich den Lotussitz gefaltet hat, den Nacken und Bauch aufgerichtet, | soll der Weise, den Mund geschlossen, kraftvoll den Lebenshauch durch die Nase ausatmen.

 

Nachdem er diese Stellung eingenommen hat, sollte er den Mund schließen und durch die Nasenlöcher ausatmen, bis er den Druck auf dem Herzen, der Kehle und dem Gehirn fühlt.

In einer anderen Übersetzung heißt es: Nachdem er ordentlich den Lotus gefaltet hat und den Nacken und den Bauch aufgerichtet hat, soll der Weise – den Mund geschlossen – kraftvoll den Lebenshauch durch die Nase ausatmen.

Man soll in der rechten Weise (Samyak) Padmasana (den Lotussitz) Baddhva (einnehmen, eingenommen haben).

Nimm den Lotussitz ein, wenn es möglich ist. Halte den Hals (Griva) gerade (Sama). Der Bauch (Udara) ist entspannt und locker. Sei ein Sadhi (ein verständiger Yogi). Verschließe (Samyama) den Mund (Mukha) und dann atme kräftig (Yatnena) durch die Nase (Ghranena) den Atem (Prana) aus (Recayet).

Es gibt hier zwei mögliche Übersetzungen.

Zum einen: Halte den Rücken gerade und atme fest aus.

Die andere Übersetzung lautet: Atme so fest aus, dass du es im Herzen, in der Kehle und im Kopf spürst.

 

  1. Vers

यथा लगति हृत्कण्ठे कपालावधि सस्वनम्
वेगेन पूरयेच् चापि हृत्पद्मावधि मारुतम् ॥६१॥

yathā lagati hṛt-kaṇṭhe kapālāvadhi sa-svanam… vegena pūrayec cāpi hṛt-padmāvadhi mārutam

yathā : (Fortsetzung von Vers 60:) sodass (in der Ausatmung); lagati : (der Atem) fühlbar ist (“berührt, sich anschmiegt”); hṛd : (im) Herzen; kaṇṭhe : (und) in der Kehle; kapāla : (zum) Schädel; avadhi : bis hin („bis zur Grenze“); sa-svanam : geräuschvoll (“mit Geräusch”); vegena : heftig, schnell, energisch; pūrayet : er atme ein; ca : und; api : auch (wieder,); hṛt-padma : (in den) Herz-Lotus; avadhi : bis; mārutam : (die) Luft („Wind“)

Auf diese Weise wird ein sehr lauter Ton im Herz, in der Kehle und im Herzen verspürt. | (Der Yogi) soll dann auch schnell den Lebenshauch einatmen nach unten zum Lotus im Herzen.

 

Der Yogi sollte den Atem mit einem zischenden Laut einziehen, bis er gegen das Herz schlägt. Dabei sollte er die ganze Zeit seinen Körper und seinen Kopf aufgerichtet halten.

Eine andere Übersetzung:

Auf diese Weise wird ein sehr lauter Ton im Herzen und in der Kehle verspürt. Der Yogi sollte dann schnell den Lebenshauch einatmen und ihn nach unten zum Lotus im Herzen ziehen.

Man kann sagen: Beim Ausatmen entsteht ein lauter Ton. Bei der Einatmung ist dies ebenso der Fall. Beim Einatmen gibt es zwei verschiedene Übersetzungen. Die Verszählung ist hier nicht eindeutig. In den Ur-Manuskripten scheint es der Fall zu sein, dass gar keine Verszählung vorhanden war. Es stellt sich die Frage, welche Zeile man zu welchem Doppelvers zählt.

Zur weiteren Durchführung wird gesagt: Der Rücken ist gerade. Du atmest fest ein und fest aus bis man das Ganze kräftig spürt. Dies sollte keine genaue Übungsanleitung. Die Stichworte, die festzuhalten sind, wären: Kräftig machen, lauter Ton und den Rücken gerade machen!

Es gibt verschieden Varianten bei Bhastrika:

*  Man geht beim Einatmen leicht in die Rückwärtsbeuge und beim Ausatmen leicht in die Vorwärtsbeuge.

* Man hebt  beim Einatmen die Arme und beim Ausatmen senkt man sie.

* Man hebt beim Einatmen die Ellbogen und senkt sie beim Ausatmen.

* Beim Einatmen gibt man die Arme nach vorne und beim Ausatmen beugt man die Ellbogen und gibt die Arme nach hinten.

* Beim Einatmen die Schultern heben und beim Ausatmen senken.

Svatmarama schreibt hier, dass man den Körper gerade halten soll. Eigentlich spricht er nur von einer gerade Wirbelsäule. Er sagt: „halte die Wirbelsäule gerade und übe nur das, was den Klang erzeugt.“

 

  1. Vers

पुनर् विरेचयेत् तद्वत् पूरयेच् पुनः पुनः
यथैव लोहकारेण भस्त्रा वेगेन चाल्यते ॥६२॥

punar virecayet tad-vat pūrayec ca punaḥ punaḥ… yathaiva loha-kāreṇa bhastrā vegena cālyate

punar : wieder ; virecayet : man atme aus; tad-vat : so, auf diese Weise; pūrayet : man atme ein; ca : und; punaḥ punar : wieder (und) wieder, immer wieder; yathā : so wie; eva : genau; loha-kāreṇa : vom Schmied („Eisen-Macher“); bhastrā : (der) Blasebalg; vegena : heftig, schnell, energisch; cālyate : bewegt wird

Wieder soll (der Yogi) genauso ausatmen und einatmen, wieder und wieder. | Genauso wie der Blasebalg des Hufschmiedes schnell gepumpt wird.

 

Genau beschrieben sagt dieser Vers:

Wieder sollte er den Atem einziehen und ausatmen wie zuvor angewiesen. Mache weiter, immer wieder, so schnell wie der Schmied seinen Blasebalg bearbeitet.

Der Atem sollte eingezogen werden. Die Ausatmung erfolgt wie zuvor angewiesen. Führe diese Übung in dieser Hinsicht weiter fort. Vergleiche deinen Rhythmus mit einem Schmied, der seinen Blasebalg bearbeitet.

Es ist ein ständiges Ausatmen und Einatmen. Für Anfänger bedeutet das meistens 15 – 20 Ausatmungen. Fortgeschrittene können bis auf 30 – 50 Ausatmungen erhöhen. Es gibt schnellere und langsamere Variantionen von Bhastrika.

 

  1. Vers

तथैव स्वशरीरस्थं चालयेत् पवनं धिया
यदा श्रमो भवेद् देहे तदा सूर्येण पूरयेत् ॥६३

tathaiva sva-śarīra-sthaṁ cālayet pavanaṁ dhiyā… yadā śramo bhaved dehe tadā sūryeṇa pūrayet

tathā : so, auf diese Weise; eva : genau; sva-śarīra-sthaṁ : (die im) eigenen Körper befindliche; cālayet : er bewege; pavanaṁ : Atemluft, Prana („Wind“); dhiyā : mit seinem Geist, seiner Vorstellung; yadā : wenn; śramaḥ : Ermüdung, Erschöpfung; bhavet : sein sollte; dehe : im Körper; tadā : dann; sūryeṇa : durch das rechte Nasenloch („die Sonne“); pūrayet : er atme ein

Genau so soll der Lebenshauch im eigenen Körper mit Achtsamkeit bewegt werden. | Wenn Müdigkeit sich im Körper einstellt, dann soll (der Yogi) durch das rechte Nasenloch einatmen.

 

Der Yogi soll das Prana durch Rechaka und Puraka in seinem Körper in Bewegung halten. Wenn er müde wird, sollte er durch das rechte Nasenloch einatmen.

Es ist wichtig, dass man nicht nur die Atemluft in Bewegung hält, sondern auch das Prana. Du atmest ein und du atmest aus. Wie ein Blasebalg füllt und leert sich der Körper.

Es ist nicht nur Luft, es handelt sich um Prana, was sich dabei bewegt. Wenn du in dieser Hinsicht mit voller Achtsamkeit Bhastrika machst, spürst du wie dein ganzer Körper mit Prana pulsiert. Du machst das so lange, wie du kannst. Wenn du nicht mehr fest ein- und ausatmen kannst und du merkst, dass es schwierig wird, dann atmest du durch das rechte Nasenloch ein.

Suryena bedeutet durch das rechte Nasenloch („die Sonne“) einatmen (purayet: atme ein).

 

  1. Vers

यथोदरं भवेत् पूर्णम् अनिलेन तथा लघु
धारयेन् नासिकां मध्यातर्जनीभ्यां विना दृढम् ॥६४॥

yathodaraṁ bhavet pūrṇam anilena tathā laghu… dhārayen nāsikāṁ madhyā-tarjanībhyāṁ vinā dṛḍham

 

yathā : (Fortsetzung von Vers 63:) sodass; udaraṁ : (der) Bauch; bhavet : sei; anilena : mit Luft („Wind“); tathā : so, auf diese Weise (atme man durch das rechte Nasenloch ein); laghu : rasch; dhārayet : man verschließe („halte“ dann); nāsikāṁ : (die) Nase; madhyā : (von) Mittelfinger; tarjanībhyāṁ : (und) Zeigefinger; dṛḍham : fest

Auf diese Weise wird der Bauch mit Luft gefüllt. | Dann soll (der Yogi) schnell die Nase fest zuhalten ohne Mittel und Zeigefinger.

 

Der Bauch wird mit Luft gefüllt nach dieser Art und Weise. Darauf soll der Yogi die Nase fest zuhalten ohne den Mittel- und Zeigefinger.

In einer anderen Aussage heißt es an dieser Stelle, dass der Mittel- und Zeigefinger eingebracht wird. Hier scheint es zwei Traditionen zu geben. In der Übersetzung von Swami V. heißt es, man sollte seine Nase mit Daumen, Ring- und kleinem Finger schließen. In der anderen Übersetzung heißt es „ohne“. Diese zwei verschiedenen Varianten gibt es tatsächlich.

Du kannst nach dem festen Ein- und Ausatmen rechts vollständig einatmen, Bauch und Brust füllen und alle drei Bandhas üben. Dabei kannst du entweder den Daumen am rechten Nasenloch und den kleinen und den Ringfinger am linken Nasenloch (bzw. Nasenflügel) haben. Die Anhaltephase geschieht so lange wie möglich. Dann erfolgt die Ausatmung links. Ein festes Aus- und Einatmen ist auch möglich. Du atmest rechts ein, hältst die Luft an und senkst die Hände wieder.

 

  1. Vers

विधिवत् कुम्भकं कृत्वा रेचयेद् इडयानिलम्
वातपित्तश्लेष्महरं शरीराग्निविवर्धनम् ॥६५

vidhi-vat kumbhakaṁ kṛtvā recayed iḍayānilam… vāta-pitta-śleṣma-haraṁ śarīrāgni-vivardhanam

vidhi-vat : vorschriftsgemäß („wie die Vorschrift ist“); kumbhakaṁ : (die) Atemverhaltung; kṛtvā : nachdem (er) ausgeführt hat; recayet : er atme aus; iḍayā : durch Ida (den im linken Nasenloch endenden „Mondkanal“); anilam : (die) Luft („Wind“); vāta : (übermäßiges) Vata („Wind“); pitta : (und übermäßiges) Pitta („Galle“); śleṣma-haraṁ : (das) beseitigt (Hara, übermäßigen) Schleim; śarīra : (im) Körper; agni : (des Verdauungs-)Feuers; vivardhanam : (und führt zur)  Zunahme

Nachdem (der Yogi) die Atemübung wie beschrieben durchgeführt hat, soll er durch das linke Nasenloch den Lebenshauch ausatmen. | (Diese Atemübung) gleicht Dysbalancen mit Neigung zur Unstetheit, zum Aufbrausen, Trägheit aus und entfacht das innere Feuer.

 

Zur Erläuterung

Nachdem der Yogi die Atemübung wie beschrieben durchgeführt hat, sollte er durch das linke Nasenloch den Lebenshauch ausatmen. Diese Atemübung gleicht Dysbalancen aus, die durch ein Übermaß von Vata, Pitta und Kapha entstanden sind und steigert das Verdauungsfeuer.

Man sollte Kumbhaka (das Luftanhalten) Vidhi-vat (wie es Vorschrift ist) üben. Dies sagt aus, dass mit allen drei Bandhas: Mula-Bhanda, Uddiyana-Bhanda und Jalandhara-Bhandha, und danach Rechaka (ausatmen) durch idaya (durch das linke Nasenloch, den „Mondkanal“), geübt werden soll.

 

Welche Wirkungen treten ein?

Das beseitigt (Hara) alle Probleme, die durch ein Übermaß von Vata, Pitta oder Shleshma (ein anderer Ausdruck für Kapha) entstehen. Wenn du irgendwelche Probleme hast, die durch ein zu viel Vata, Pitta oder Kapha verursacht sind, dann übe jeden Tag Bhastrika.

 

Welche weiteren Wirkungen sind die Folge?

Vivardhanam (es führt zur Zunahme) von Sharira Agni (dem Verdauungsfeuer) im Körper.

Bhastrika ist sehr wichtig für die Überwindung eines Übermaßes von den Doshas und von Agni. Dabei ist es egal, welche Doshas erhöht sind.

 

  1. Vers

कुण्डली बोधकं क्षिप्रं पवनं सुखदं हितम्
ब्रह्मनाडीमुखे संस्थकफाद्यर्गलनाशनम् ॥६६॥

kuṇḍalī-bodhakaṁ kṣipraṁ pavanaṁ sukhadaṁ hitam… brahma-nāḍī-mukhe saṁstha-kaphādy-argala-nāśanam

kuṇḍalī : (die) Schlangenkraft („die Geringelte“); bodhakaṁ : (diese Praxis) erweckt; kṣipraṁ : schnell; pavanaṁ : reinigt; sukha-daṁ : verleiht ein Glücksgefühl; hitam* : (ist) wohltuend, gesund (für alle drei Doshas); brahma-nāḍī : (vom) Brahmanadi (genannten Energiekanal); mukhe : am Eingang („Mund“); saṁstha : die sich befinden; kapha : (wie) Kapha („Schleim“); ādi : usw.; argala : Hindernisse; nāśanam : beseitigt

Diese Atmung erweckt schnell die Kundalini, ist angenehm und lohnend. | Sie baut die Widerstände aus Schlacken und anderem, die am Eingang von Brahma-Nadi stehen ab.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass Bhastrika für alle (Sarva Menschen bzw. Konstitutionstypen) gut (Hita) ist, weil sie (ein Übermaß) aller drei (Tri) Doshas beseitigt bzw. „raubt“ (Hara -tvāt): tri-doṣa-haratvāt sarveṣāṃ hitaṃ.

 

Das bringt die Kundalini schnell hoch, es reinigt die Nadis beträchtlich, es ist angenehm und es ist die nützlichste von allen Kumbhakas. Es beseitigt den Schleim, der am Mund der Sushumna ist.

 

Die einzelnen Sanskrit-Wörter in der näheren Betrachtung:

Kundali bodhaka: durch diese Praxis wird  die „Geringelte“ (die Kundalini) erweckt. Sie wird schnell (kshipra) erweckt. Bhastrika will die Kundalini erwecken.

 

Was macht es noch?

Sie ist reinigend (pavana).

 

Was reinigt sie?

Sie reinigt alles: den Physischen Körper, den Astralkörper und den Kausalkörper. Im Kommentar wird manchmal gesagt, dass insbesondere alle Nadis gereinigt sind. Es ist sukha-da (erzeugt ein Glücksgefühl), und es ist hita (wohltuend, gesund). Dies ist für alle drei Doshas gleich geltend. Hita ist ein Ausdruck aus dem Ayurveda. Es steht für etwas, was für alle drei Doshas gut ist und sie zur Harmonie führt. Außerdem beseitigt (nashana) es alle argala (Hindernisse). Insbesondere beseitigt es den Schleim, der sich am Mukha (Mund, Eingang) vom brahmanadi (von der Sushumna oder dem feinstofflichen Energiekanal in der Wirbelsäule), befindet (samstha).

Bhastrika ist sehr gesund, weil es ein Übermaß von Vata, Pitta oder Kapha überwindet, außerdem Agni (das Verdauungsfeuer) erhöht. Weil es die verschiedenen Schlacken (Unreinheiten beseitigt) ist es angenehm, führt zu einem schönen Gefühl, erweckt die Kundalini und öffnet die Sushumna.

 

  1. Vers

सम्यग् गात्रसमुद्भूतग्रन्थित्रयविभेदकम्
विशेषेणैव कर्तव्यं भस्त्राख्यं कुम्भकं त्व् इदम् ॥६७॥

samyag gātra-samudbhūta-granthi-traya-vibhedakam… viśeṣeṇaiva kartavyaṁ bhastrākhyaṁ kumbhakaṁ tv idam

samyak* : fest, in einer Linie liegend; gātra** : (im) Körper; samudbhūta : (die) entstanden sind; granthi*** : Knoten; traya*** : (der) drei („Dreiheit“); vibhedakam : (es bewirkt das) Aufbrechen, Durchbohren; viśeṣeṇa : besonders; eva : gewiss, ganz; kartavyaṁ : ist (daher) zu praktizieren; bhastrā : Blasebalg; ākhyaṁ : namens („mit Namen“); kumbhakaṁ : Atemverhaltung; tu : aber; idam : diese

Diese Atemübung, die Bhastrika genannt wird, soll wahrlich umsomehr durchgefüht werden, | (da) sie die drei Hindernisse der aufsteigenden Kundalini, die im physischen Körper existieren, völlig durchstößt.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt Samyak als dṛḍhī-bhūtāṃ „fest geworden, verfestigt“. Es wäre auch möglich „in einer Linie liegend“ zu verstehen.

**Anmerkung: Brahmananda ergänzt, dass „im Körper“ (Gatra) sich hier auf die in der Körpermitte (GatraMadhya) befindliche Sushumna bezieht: gātre gātra-madhye suṣumnāyām.

*** Brahmananda zählt die „drei Knoten“ (Granthi-Traya) auf, sie erscheinen in Form (Rupaka) von Brahma Granthi, Vishnu Granthi und Rudra Granthi: granthi-trayaṃ bahma-granthi-viṣṇu-granthi-rudra-granthi-rūpakaṃ.

 

 

Dieses Bhastrika sollte besonders praktiziert werden, weil es das Prana befähigt, alle drei Granthis, die in der Sushumna verankert sind, zu durchbrechen.

Es gibt die Granthis, die traya-Granthi („Dreiheit“ der Granthis). Diese befinden sich in einer Linie im Körper. In der Sushumna gibt es die drei Granthis. Man sollte Bhastrika besonders zusammen mit der Atemverhaltung praktizieren, weil es die drei Granthis überwindet.

Die drei Granthis sind Brahma Granthi, Vishnu Granthi und Shiva Granthi.

  1. Brahma-Granthi ist der Knoten (oder die Blockade) in der Sushumna oberhalb vom Muladhara Chakra und steht für die Schwierigkeit, über eine Erfahrung in der physischen Welt hinaus zuwachsen.
  2. Vishnu Granthi ist der Granthi um das Herz, um das Vishudda Chakra und um dessen ganzen Bereich. Er steht für die Schwierigkeit, über eine egobehaftete Betrachtungsweise hinauszugehen und für die Schwierigkeit, über Zeit und Raum hinauszugehen.
  3. Schließlich steht das Rudra-Granthi oberhalb des Ajna Chakras für die Schwierigkeit, über eine Gotteserfahrung mit Dualität zur Erfahrung der Einheit zu kommen.

Diese drei Granthis gilt es zu überwinden. Natürlich wirst du sie nur durch Bhastrika nicht vollständig überwinden. Damit steht auch ein Bewusstseinsprozess in Verbindung. Bhastrika ermöglicht dir das überhaupt. Wenn erst einmal das Prana in der Sushumna ist, dann stellt sich nicht mehr die Frage, ob du nur der Körper bist. Du erfährst dich selbst als Feinstoffwesen. Wenn die Sushumna wirklich geöffnet ist, dann stellt sich nicht mehr die Frage, ob du Ego, ein Individuum bist. Du bist dir des Wissens, dass du voller Liebe und Freuden bist, verbunden mit allem. Schließlich weißt du auch: Ich bin eins mit dem Unendlichen, das ewige Bewusstsein.

Svatmarama lobt Bhastrika über alle Maßen. Meine Empfehlung lautet ebenfalls: Sei regelmäßig in Pranayama, in Asanas und in Meditation.

An dieser Stelle folgen paar Hinweise:

Wenn du Pranayama nicht kennst, versuche nicht, nach diesen Beschreibungen Bhastrika zu machen. Vielmehr solltest du diesem Rat folgen und an einer Yoga Vidya Yogalehrerausbildung teilnehmen. Sowohl in der 4-wöchigen als auch in der 2-jährigen Ausbildung lernst du, Bhastrika in der korrekten Ausführung kennen.

Oder mache an einem Kundalini-Yoga-Mittelstufen-Wochenende (besser noch an einer Mittelstufen-Woche) mit. Danach nehme an einer Kundalini-Yoga-Intensiv-Praxis teil. So lernst du die Übungen richtig. Normalerweise musst du erst drei Runden Kapalabhati, 20 Minuten Wechselatmung mit Bandhas und richtiger Konzentration üben, bevor du 3 oder 5 Runden Bhastrika machen kannst.

Zudem solltest du täglich mindestens eine halbe Stunde Asanas üben und mindestens 20 Minuten meditieren. Deine Ernährung sollte sattwig sein, ohne Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak und bewusstseinsverändernde Drogen. Dein ganzes Leben sollte sattwig ausgerichtet sein. Bei Befolgung dieser Ratschläge, werden diese Übungen besonders stark wirken.

Lerne die Atemübungen richtig, lerne sie schrittweise zu üben und praktiziere sie mit Intensität. Praktiziere dann in besonderem Maße Bhastrika. Du wirst merken, welch großartige Wirkung du erfahren kannst.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

अथ शीतली
जिह्वया वायुम् आकृष्य पूर्ववत् कुम्भसाधनम्
शनकैर् घ्राणरन्ध्राभ्यां रेचयेत् पवनं सुधीः ॥५७॥

atha śītalī-
jihvayā vāyum ākṛṣya pūrva-vat kumbha-sādhanam… śanakair ghrāṇa-randhrābhyāṁ recayet pavanaṁ su-dhīḥ

atha : nun (folgt); śītalī : Shitali; jihvayā : über die Zunge; ākṛṣya : einziehend; pūrva-vat : wie zuvor (in Vers 49 beschrieben); kumbha : (der) Atemverhaltung; sādhanam : (dann folgt die) Praxis; śanakais : langsam, allmählich; ghrāṇa : (der) Nase; randhrābhyāṁ : durch die beiden Löcher;  recayet : entlasse (“entleere”); pavanaṁ : (den) Atem („Wind“); su-dhīḥ : (der) verständige (Yogi)

Nun Sitali: Den Lebenshauch über die Zunge hineingesaugt, wird der Atem wie zuvor (beschrieben) angehalten. | (Nun) soll der Weise sanft durch beide Nasenlöcher den Lebenshauch (wieder) ausatmen.

 

Svatmarama schreibt:

Nun folgt Shitali. Sauge den Lebenshauch über die Zunge hinein. Halte dann den Atem so, wie zuvor beschrieben. Dann atme der Weise sanft durch beide Nasenlöcher den Lebenshauch wieder aus.

Die Übung ist relativ klar: Die Zunge wird gerollt und über die Zunge wird eingeatmet. Der Atem wird kurz angehalten und anschließend über die Nase ausgeatmet.

Was bewirkt diese Übung?

Die Wirkungen werden im nachfolgenden Vers erläutert.

 

  1. Vers

गुल्मप्लीहादिकान् रोगान् ज्वरं पित्तं क्षुधां तृषाम्
विषाणि शीतली नाम कुम्भिकेयं निहन्ति हि ॥५८॥

gulma-plīhādikān rogān jvaraṁ pittaṁ kṣudhāṁ tṛṣām… viṣāṇi śītalī nāma kumbhikeyaṁ nihanti hi

gulma : (wie) krankhafte Anschwellung im Unterleib, Unterleibsgeschwulst; plīhan : Milz(vergrößerung); ādikān : und andere, usw., („zum Anfang habend“); rogān : Krankheiten; jvaraṁ : Fieber; pittaṁ : (ein Übermaß an) Pitta („Galle“); kṣudhāṁ : Hunger; tṛṣām : Durst; viṣāṇi : Gifte; śītalī : Shitali; nāma : namens; kumbhikā : Atemverhaltung; iyaṁ : diese; nihanti : vernichtet („schlägt nieder“); hi : gewiss

Ohne Zweifel geht die Atemübung, die Sitali genannt wird Vergiftungen, | Vergrößerung der Drüsen, wie Milz und so weiter, Krankheiten, Fieber, Neigung zur aufbrausender Natur, Hunger und Durst an.

 

Dieses Kumbhaka, Shitali genannt, zerstört Beschwerden des Unterleibs, der Milz und andere Beschwerden, wie auch Fieber, sowie alle Erkrankungen, die durch ein Übermaß von Pitta entstehen. Auch Hunger, Durst und die üblen Folgen von Giften, wie z.B. Schlangengift.

Es wird die Hauptwirkung von Shitali beschrieben, die Überwindung von einem Übermaß an Pitta.

Im Ayurveda spricht man von den drei Doshas, Vata, Pitta und Kapha.

Shitali und Sitkari überwinden beide. Einem Übermaß an Pitta wird entgegengewirkt.

Shitali hilft zu beruhigen. Wenn du zu viel Feuer spürst, bei Reizbarkeit, wenn du wütend bist, eine Neigung zu Entzündungen besteht und wenn du eine Getriebenheit in dir spürst, kann das Üben von  Shitali dir helfen, zur Ruhe zu kommen.

Weitere Informationen unter erhältst du unter wiki.yoga-vidya.de/Shitali.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

अथ सीत्कारी
सीत्कां कुर्यात् तथा वक्त्रे घ्राणेनैव विजृम्भिकाम्
एवम् अभ्यासयोगेन कामदेवो द्वितीयकः ॥५४॥

atha sītkārī-
sīt-kāṁ kuryāt tathā vaktre ghrāṇenaiva vijṛmbhikām… evam abhyāsa-yogena kāma-devo dvitīyakaḥ

atha : nun (folgt,); sīt-kārī : Sitkari; sīt-kāṁ : (den Laut) „sīt“; kuryāt : man mache; tathā : und, so; vaktre : (beim Einatmen) in den Mund); ghrāṇena : durch die Nase; eva : nur, allein, ausschließlich; vijṛmbhikām : (die) Ausatmung; evam : so, auf diese Weise; abhyāsa : (der) Übung, Wiederholung; yogena : durch die Anwendung, das Mittel, die Methode; kāma-devaḥ : Liebesgott; dvitīyakaḥ : (man wird ein) zweiter

Nun Sitkari: Sitkari soll auf diese Weise ausgeführt werden: Im Mund, durch den die Luft eingeatmet wird (und ausgeatmet) ausschließlich durch die Nase. | Durch diese Praxis wird (ein Yogi) ein zweiter Gott der Liebe.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda ergänzt, dass in diesem Vers die Atemverhaltung (Kumbhaka) mitzuverstehen ist (avagantavya), obwohl sie nicht ausdrücklich genannt wird (anukto ‚pi), insofern Sitkari zu den (Ausführungsformen von) Kumbhaka gehört (kumbhaka-tvāt): kumbhakas tv anukto ‚pi sīt-kāryāḥ kumbhaka-tvād evāvagantavyaḥ, vgl. auch die Anmerkung zu Vers 52.

 

Svatmarama schreibt:

Indem man die Zunge zwischen die Lippen setzt und den Atem mit einem zischenden Ton in den Mund zieht, sollte die Puraka (Einatmen) gemacht werden und dann Rechaka (Auusatmen) nur mit beiden Nasenlöchern. Dies wird Sitkari genannt. Durch das Wiederholen oder Ausüben dieser Übung wird man zu einem zweiten Gott der Schönheit.

Beim Einatmen macht man einen zischenden Laut. Man gibt die Zungenunterseite an die Schneidezähne, atmet durch die Seiten des Mundes ein und rollt die Zunge quer. Anschließend atmet man durch die Nase aus. Durch diese Übung wird man zu einem zweiten Liebesgott.

Swami Vishnu hat es hier übersetzt als einen zweiten Gott der Schönheit.

Wie kann man zu einer solchen Wirkung kommen?

Sitkari hilft, dass der Körper von Unreinheiten frei wird. Es trägt dazu bei, dass die Mondenergie harmonisiert wird und beruhigt das Pitta Dosha. Pitta ist das Feuer. Wer zu viel Feuer hat, der verbrennt und es kann zu vorzeitigem Altern führen.

Wer eine zu große feurige Intensität hat, der stößt andere ab.

Wenn dagegen dieses beruhigende Prana stärker wird, dann bekommt man eine gute Ausstrahlung.

Allgemein ist zu sagen: Pranayama erhöht Charisma, die Ausstrahlung. Eine gute Ausstrahlung wird als Schönheit wahrgenommen und es führt zu einer gewissen Anziehungskraft.

Das ist durchaus eine gewisse Gefahr und auch etwas, was missbraucht werden kann.

Gerade von männlichen Yogis, kann manchmal die Gefahr des Missbrauchs ausgehen. Diesem sollte entgegengewirkt werden.

Wer viel Pranayama übt, hat eine starke Ausstrahlung und das führt auch manchmal zu einer Attraktivität und zu einer sexuellen Anziehungskraft.

Davor sollte man sich hüten, insbesondere wenn man Unterrichtender ist, das auszunutzen.

Sitkari hilft, dass man sich regeneriert, dass man eine Ausstrahlung hat und sich leicht fühlt.

 

  1. Vers

योगिनी चक्रसंमान्यः सृष्टिसंहारकारकः
क्षुधा तृषा निद्रा नैवालस्यं प्रजायते ॥५५॥

yoginī : (der) Yoginis (mächtige, zauberkundige weibliche Yogis); cakra : (im) Kreise; sammānyaḥ : (er) steht in Ehren; sṛṣṭi : (von) Schöpfung, Aussendung; saṁhāra : (und) Auflösung, Zerstörung, Zurückziehung (des Geschaffenen); kārakaḥ : (er ist der) Vollführer, Erschaffer; na : nicht, weder; kṣudhā : Hunger; na : nicht, noch; tṛṣā : Durst; nidrā : Schlaf, Schläfrigkeit; na : nicht, noch; eva : gewiss; ālasyaṁ : Trägheit, Schlaffheit, Energiemangel; prajāyate : entsteht (ihm)

yoginī-cakra-sammānyaḥ sṛṣṭi-saṁhāra-kārakaḥ… na kṣudhā na tṛṣā nidrā naivālasyaṁ prajāyat

(Solch ein Yogi) wird von den weiblichen Yogis verehrt, er ist der Urheber von Manifestation und Auflösung. | (Für ihn) gibt es keinen Hunger, noch Durst, noch Schlaf, nicht einmal Nachlässigkeit.

 

Es bedeutet:

Genau dieser Yogi wird von den weiblichen Yogis verehrt. Er ist Urheber sowohl von Manifestation als auch von Auflösung. Für ihn gibt es keinen Hunger, keinen Durst, keinen Schlaf und keine Trägheit oder Schmerz.

Svatmarama schreibt, sowohl für die Yogis als auch für die Yoginis gilt, dass wer viel Prana hat, bei allen in Ehren steht. Er ist Vollführer von Schöpfung und Auflösung. Wenn du dieses machtvolle ruhige Prana hast, kannst du viel bewirken. Aber du kannst auch viel auflösen.

Es gibt manchmal Menschen, die schon über einen längeren Zeitraum etwas gemacht haben, aber irgendwie nicht die Kraft haben, es zu beenden.

Manchmal kommt dann die Kraft „Jetzt, nun mache ich Schluss damit!“ Manchmal ist ein Ende mit Schrecken besser, als ein Schrecken ohne Ende.

Wer ein positives Prana hat, der hat eine positive Ausstrahlung, der kann viel bewirken, Dinge anfangen und beenden.

Aber er ist nicht betroffen durch Hunger und Durst. Dies steht sowohl für physischen als auch für geistigen Hunger und Durst.

Wenn du in dir bemerkst, eine innere Unruhe, eine innere Gier, Durst oder Gedanken unbedingter Wünsche treten in Erscheinung, dann ist es gut, dies durch Sitkari zu beruhigen.

Gier und Getriebenheit kann durch Sitkari beruhigt werden. Es hilft, dass du nicht schläfrig wirst. Es hat eine erfrischende Wirkung. Trägheit, Schlaffheit und Energiemangel werden überwunden.

 

56.Vers

भवेत् सत्त्वं देहस्य सर्वोपद्रववर्जितः
अनेन विधिना सत्यं योगीन्द्रो भूमिमण्डले ॥५६॥

bhavet sattvaṁ ca dehasya sarvopadrava-varjitaḥ… anena vidhinā satyaṁ yogīndro bhūmi-maṇḍale

bhavet : (es) entsteht; sattvaṁ : Festigkeit, Stärke; ca : und; dehasya : des Körpers; sarva : allen ; upadrava : Übeln, Gebrechen, Widrigkeiten; varjitaḥ : (er wird) frei von; anena : mit dieser; vidhinā : Methode; satyaṁ : (er wird) wahrlich; yogi : (unter den) Yogins; indraḥ : (ein) Fürst; bhūmi-maṇḍale : auf dem Erdenkreis

Das Reine des Köpers wird frei von allen Verunreinigungen. | Durch diese Technik wird der Yogi wahrlich wie ein Gott der Himmel auf dem Erdkreis.

 

Es entsteht eine Reinheit des Körpers und der Körper wird frei von allen Verunreinigungen. Durch diese Technik wird der Yogi wahrlich wie ein Gott der Himmel auf dem Erdkreis.

Verschiedene Krankheiten werden bereinigt. Durch Sitkari wird der Körper gesund. Es wird eine Reinheit erlangt und eine Festigkeit. Mit dieser Methode wird der Yogi wahrlich ein Fürst auf dem Erdkreis.

Du wirst zum Raja Yogi. Du beherrschst deine Emotionen, deine Wünsche und Gedanken. Du hörst auf, Sklave zu sein.

Übe Pranayama und praktiziere Sitkari!

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

अथ उज्जायी
मुखं संयम्य नाडीभ्याम् आकृष्य पवनं शनैः
यथा लगति कण्ठात् तु हृदयावधि सस्वनम् ॥५१॥

atha ujjāyī-
mukhaṁ saṁyamya nāḍībhyām ākṛṣya pavanaṁ śanaiḥ… yathā lagati kaṇṭhāt tu hṛdayāvadhi sa-svanam

atha : nun (folgt); ujjāyī : Ujjayi; mukhaṁ : (den) Mund; saṁyamya : geschlossen habend; nāḍībhyām : durch beide Nasenlöcher („Energie-Kanäle“); ākṛṣya : einziehend; pavanaṁ : (den) Atem („Wind“); śanais : langsam, allmählich; yathā : so dass; lagati : (der Atem) fühlbar ist („berührt, sich anschmiegt“); kaṇṭhāt : von der Kehle (abwärts); tu : aber; hṛdaya : (zum) Herzen; avadhi : bis („bis zur Grenze“); sa-svanam : geräuschvoll („mit Geräusch“, Fortsetzung folgt in Vers 52) 

Und nun Ujjayi: Der Mund wird verschlossen. Langsam wird der Lebenshauch durch beide Nasenlöcher hineingesogen, | so dass er wahrlich von der Kehle bis nach unten zum Herzen mit einem lauten Geräusch in Kontakt kommt.

 

Svatmarama schreibt:

Während du den Mund schließt, ziehe das Prana durch die Nasenlöcher mit Geräusch ein, bis der Atem den Raum von der Kehle bis zum Herzen füllt.

Führe Kumbhaka wie zuvor aus und atme durch Ida aus. Das wird Ujjayi genannt. Ujjayi sollte gehend oder sitzend praktiziert werden. Sie beseitigt alle Beschwerden von den Nadis und führt zu einer Harmonisierung der Doshas.

Mit anderen Worten:

Du atmest durch beide Nasenlöcher ein. Der Mund ist geschlossen. Du stellst dir vor, dass du insbesondere von der Kehle bis zum Brustkorb alles füllst, hierfür ist die vollständige Atmung erforderlich. Du atmest vollständig ein. Dein Bauch und die Brust sind vollständig gefüllt. Diesen Vorgang machst du langsam und sehr ruhig.

 

  1. Vers

पूर्ववत् कुम्भयेत् प्राणं रेचयेद् इडया तथा
श्लेष्मदोषहरं कण्ठे देहानलविवर्धनम् ॥५२॥

pūrva-vat kumbhayet prāṇaṁ recayed iḍayā tathā… śleṣma-doṣa-haraṁ kaṇṭhe dehānala-vivardhanam

pūrva-vat* : wie zuvor (in Vers 49 beschrieben); kumbhayet : er halte (den Atem) an; prāṇaṁ : (den Lebens-)Atem Prana; recayet : er entlasse (“entleere”); iḍayā : durch Ida (den im linken Nasenloch endenden „Mondkanal“); tathā : und; śleṣma : (hervorgerufen durch) Schleim (bzw. Kapha); doṣa-haraṁ : (das) beseitigt Störungen; kaṇṭhe : in der Kehle; deha : (im) Körper; anala : (das Verdauungs-)Feuer; vivardhanam : (und) vermehrt

Wie zuvor (beschrieben) soll (der Yogi) den Atem anhalten. Dann soll er durch das linke Nasenloch ausatmen. | Dieses zerstört eine Neigung zur Trägheit in der Kehle und aktiviert das Körper-Feuer.

 

*Anmerkung: „Wie zuvor“ (pūrva-vat) verweist hier auf die Ausführung von Kumbhaka, wie sie im ersten Halbvers von Vers 49 beschrieben wird.

 

 

Man sollte das Prana anhalten. Es ist beim Pranayama üben sehr wichtig zu wissen, dass es sich nicht nur um Luft handelt und der Körper aktiv ist, sondern du wirklich sehr bewusst auf Prana bist.

In einem Buch über Pranayama hab ich sämtliche körperlichen Dinge bis ins Detail gelesen, die dort ausführlich beschrieben wurden. Im Nachhinein haben mir diese genauen Beschreibungen die Lust am Pranayama genommen.

Mich persönlich interessiert weniger die Körperübung, mich interessiert das Prana. Genaue Überlegungen anzustellen, wie der Brustkorb ist, was die Schultern machen und welche Beckenbodenmuskeln angespannt werden, wo die Lage der Zunge ist, wie ist die Zunge und habe ich jetzt genau die richtigen Muskeln angespannt usw. macht das Pranayama zum Schluss nur zur Körperübung.

Ich habe gerne meinem Meister nach Details gefragt. Er hatte eine gute Mischung. Er sagte mir öfter: „Don´t worry about details, concentration is most important.“ In der Übersetzung heißt dies: „Mach dir nicht so viele Gedanken über Details, Konzentration ist am wichtigsten.“

Ich bin mir selbst bis heute dankbar, dass ich ihm trotzdem über Details gefragt habe und er sie mir auch schrittweise erzählt hat.

Ich bin ihm unendlich dankbar, dass er mir die Details nicht immer gleich erzählt hat. Sondern dass er mich immer wieder darauf hingewiesen hat: „Denke daran, wenn du Pranayama machst, dann ist es Herrschaft über das Prana. Denke daran, dass du dich konzentrierst und dass du auf Mantra achtest, auf Visualisierung, auf Konzentration, dass du Prana spürst und nicht nur körperlich.“

Du übst Kumbhaka wie vorher beschrieben mit allen drei Bandhas. Bei Ujjayi in der fortgeschrittenen Variante atmest du mit dem Kehllaut ein. Während der Einatmung kannst du schon Mula Bandha üben. Beim Anhalten übst du alle drei Bandhas. Anschließend atmest du links aus. Wenn du diesem Vorgehen folgst, werden alle Störungen, bedingt durch ein Übermaß an Kapha, beseitigt.

Es gibt einfache Variationen von Ujjayi Kumbhaka. Nach dem du ein paar Runden die Wechselatmung geübt hast, atme ein paar Atemzüge lang einfach tief ein mit diesem Ujjayi-Geräusch. Halte die Luft sanft an und atme wieder links aus. Oder du kannst das Ujjayi-Geräusch in die Wechselatmung integrieren. Das gleiche ist in den Asanas möglich. Ujjayi, auch als Ujjayi-Atem bekannt, hilft ein Übermaß von Kapha zu reduzieren.

Kapha, aus dem Bereich der Ayurveda, hat diese Doppelbedeutung Kapha Dosha, ein Übermaß an Schleim. Ujjayi ist gut gegen verschiedene Formen von Erkältung und verschiedenen Formen von Kehlproblemen.

Dieses bewirkt die Überwindung der Probleme von Kapha Dosha, wie auch von allen Problemen in der Kehle.

Ujjayi hilft zum einen Kapha Dosha zu reduzieren.

Zum anderen hilft es, dass das Verdauungsfeuer vermehrt wird.

 

  1. Vers

नाडीजलोदराधातुगतदोषविनाशनम्
गच्छता तिष्ठता कार्यम् उज्जाय्य् आख्यं तु कुम्भकम् ॥५३॥

nāḍī-jalodarā-dhātu-gata-doṣa-vināśanam… gacchatā tiṣṭhatā kāryam ujjāyy ākhyaṁ tu kumbhakam

nāḍī : (in den) Energie-Kanälen, Gefäßen, Adern; jala-udara : Wassersucht („Wasser-Bauch“); ā-dhātu : bis hin zu (den) Körpergeweben; gata : (die) sich befinden; doṣa : Störungen; vināśanam : (es) beseitigt, vertreibt; gacchatā* : gehend; tiṣṭhatā* : (oder auch) stehend; kāryam : soll ausgeführt werden, ist zu praktizieren; ujjāyī : Ujjayi; ākhyaṁ : (welche) genannt wird; tu : aber; kumbhakam : (diese) Atemverhaltung

Die Atemübung, die als Ujjai bekannt ist zertört Disbalancen in Verbindung mit den Energiekanälen, dem Wasserhaushalt und den körperlichen Grundeigenschaften. | (Ujjai) kann sicherlich in Bewegung und in Ruhe praktiziert werden.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda ergänzt, dass Ujjayi im Gehen bzw. Stehen ohne (Rahita) Bandhas praktiziert werden soll (Kartavya): gacchatā tiṣṭhatā tu bandha-rahitaḥ kartavyaḥ.

 

Ujjayi zerstört alle Ungleichheiten der Energiekanäle des Wasserhaushaltes und der körperlichen Grundeigenschaften.

Ujjayi kann man sowohl sitzend wie auch gehend ausführen.

Insgesamt ist Ujjayi sehr gut für die Gesundheit, insbesondere indem Kapha Dosha harmonisiert und Agni erhöht wird. Dadurch werden verschiedene Unreinheiten überwunden und das ist gut für alle Körpergewebe.

 

Wie führt man es aus?

Man geht, steht oder sitzt bei der Ausführung.

Man kann diesen Ujjayi-Atem, mindestens das Kehlgeräusch, nicht nur im Sitzen, sondern zwischendurch beim Gehen und Stehen üben.

Diese Atmung ist eine Übung, die du im Alltag ausführen und integrieren kannst. Sie sorgt für die Ruhe des Geistes, mehr Energie, mehr Harmonie und ein besseres Verdauungsfeuer.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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  1. Vers

सूर्यभेदनम्
आसने सुखदे योगी बद्ध्वा चैवासनं ततः
दक्षनाड्या समाकृष्य बहिःस्थं पवनं शनैः ॥४८॥

atha sūrya-bhedanam-
āsane sukha-de yogī baddhvā caivāsanaṁ tataḥ… dakṣa-nāḍyā samākṛṣya bahiḥ-sthaṁ pavanaṁ śanaiḥ

atha : nun (folgt); sūrya-bhedanam : Sūrya-bhedana („Durchstoßen des Sonnen-Kanals”); āsane : Sitz(unterlage); sukha-de : auf (einer) bequemen, „Bequemlichkeit gebenden“; yogī : (der) Yogi; baddhvā : nachdem (er) eingenommen hat; ca : und, aber; eva : gewiss; āsanaṁ : (eine geeignete) Sitz(haltung); tataḥ : dann; dakṣa-nāḍyā : durch den rechten (Daksha) Nasengang („Energie-Kanal“); samākṛṣya : einziehend („ansichziehend“); bahiḥ-sthaṁ : (die) außerhalb (Bahis) befindliche; pavanaṁ : Luft („Wind“); śanaiḥ : langsam, allmählich (Fortsetzung folgt in Vers 49.

Nun Suryabedha: Der Yogi soll einen bequemen Sitz einnehmen und darin verweilen, dann | soll er langsam die äußere Luft durch das rechte Nasenloch einsaugen.

 

Svatmarama schreibt:

Der Yogaübende möge einen bequemen Sitz einnehmen und lange darin verweilen. Dann soll er langsam die äußere Luft durch das rechte Nasenloch, Pingala Nadi, einatmen. Das ist Surya Bheda.

Man kann diese Übung Surya Bheda oder Surya Bhedana nennen.

Bheda hat etwas mit Durchstoßen zu tun. Surya ist die Sonne. Surya Bheda wird übersetzt als ein „Durchstoßen des Sonnenkanals“.

Man atmet immer rechts ein. Das ist Pingala Nadi. Surya Nadi ist der Sonnenkanal.

Dann sollte man durch den rechten Nasengang oder Energiekanal, die außen befindliche Pavana einziehen. Pavana heißt sowohl Luft, als auch Wind und Prana.

Bei Surya Bheda wird langsam eingeatmet und nicht schnell. Langsam und allmählich atmet man Luft und Prana ein.

Bei der Wechselatmung kennst du es, dass du relativ zügig einatmest, vier Mal solange die Luft anhältst und zwei Mal so lange, wie die Einatmung dauerte, die Luft ausatmest.

 

49.Vers

आकेशाद् आनखाग्राच् निरोधावधि कुम्भयेत्
ततः शनैः सव्यनाड्या रेचयेत् पवनं शनैः ॥४९॥

ā keśād ā nakhāgrāc ca nirodhāvadhi kumbhayet… tataḥ śanaiḥ savya-nāḍyā recayet pavanaṁ śanaiḥ

ā : bis zu; keśāt : (den) Haaren; ā : bis zu; nakha : (der Fuß-)Nägel; agrāt : (den) Spitzen; ca : und; nirodha : (unter) Verschluss, Kontrolle; avadhi : bis (er den Atem spürt), „bis zur Grenze“;  kumbhayet : er halte (den Atem); tataḥ : dann, danach; śanais : langsam, allmählich; savya-nāḍyā : durch den linken (Savya) Nasengang (“Energie-Kanal”); recayet : er entlasse („entleere“); pavanaṁ : (den) Atem („Wind“); śanaiḥ : langsam, allmählich

Nun soll der Yogi den Lebenshauch anhalten, bis er bis zu den Haarspitzen und Fingernägeln still wird. | Danach soll er den Lebenshauch langsam durch das linke Nasenloch ausatmen.

 

Es bedeutet: Nun soll der Yogi das Prana im Körper halten. So lange bis er von den Haar- und Fingerspitzen mit Prana durchströmt wird. Danach sollte er das Prana langsam durch das linke Nasenloch ausatmen.

Man hält das Prana bis zu den Haaren und bis zu den Fußnägeln. Dies ist eine schöne Beschreibung. Wenn du in Surya Bheda bist, stell dir vor, das Prana von den Zehen bis zu den Haarspitzen pulsiert. Das Ganze spürst du und hältst es an. Der Atem, Kumbhaka, wird gehalten, bis du spürst, dass das Prana von unten bis oben da ist. Danach gilt es durch den linken Nasengang auszuatmen. Mit dieser Methode entleert man Pavana, den Wind, das Prana. Es geschieht langsam und allmählich.

 

  1. Vers

कपालशोधनं वातदोषघ्नं कृमिदोषहृत्
पुनः पुनर् इदं कार्यं सूर्यभेदनम् उत्तमम् ॥५०॥

kapāla-śodhanaṁ vāta-doṣa-ghnaṁ kṛmi-doṣa-hṛt… punaḥ punar idaṁ kāryaṁ sūrya-bhedanam uttamam

kapāla : (des) Schädels; śodhanaṁ : (dieses) Reiniguns(smittel); vāta : (von) Vata („Wind“); doṣa-ghnaṁ : (welches) Störungen vertreibt; kṛmi : (die durch) Würmer (hervorgerufen werden); doṣa-hṛt : (und auch solche) Störungen (Dosha) vertreibt; punaḥ punar : wieder (und) wieder, immer wieder; idaṁ : dieses; kāryaṁ : soll durchgeführt werden, ist zu praktizieren; sūrya-bhedanam : Sūrya-bhedana (“Durchstoßen des Sonnen-Kanals”); uttamam : vorzügliche

Dieses vorzügliche Suryabheda soll immer wieder geübt werden. Es reinigt den Schädel, zerstört die Neigung zur Unstetigkeit und beseitigt die Plage von Parasiten.

 

Eine Klarheit des Geistes kommt durch Surya Bhedana. Wenn du unklar, verwirrt oder unruhig bist, dann übe besonders Surya Bhedana. Außerdem vertreibt sie alle Störungen von Vata Dosha. Wenn du zu viel Vata hast, übe insbesondere Surya Bheda. Dies hilft gegen ein Übermaß von Vata und gegen Störungen durch den Befall von parasitären Würmern.

Übe es regelmäßig immer und immer wieder. Übe es, wenn du ein Übermaß an Vata hast oder wenn du eine Klarheit des Geistes brauchst.

Es gibt verschiedene Formen von Surya Bheda.

Als Mittelstufen Praxis kannst du ein paar Runden Surya Bheda üben nach der Wechselatmung. Einfach rechts einatmen, anhalten und inks ausatmen. Im Gegensatz zur Wechselatmung erhöhst du hierbei die Länge der Einatmung.

Die Länge der Einatmung ist bei Surya Bheda am wichtigsten. Mache diese so langsam wie es dir möglich ist. Stelle dir vor, dass du Prana einatmest und Sonnenenergie fließt. Dann halte die Luft an solange wie möglich und spüre das Prana pulsieren. Spüre vielleicht die Sonnenenergie pulsieren bis zu den Zehennägeln und bis zu den Haaren. Danach atme links aus, rechts ein und links aus.

In der fortgeschrittenen Stufe übst du Surya Bheda mit allen drei Bandhas.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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  1. bis 47. Vers

Was sind die drei Bandhas?

Welche Wirkungen haben sie?

Wann sollte man sie üben?

Darüber spricht Svatmarama ab Vers 45 des 2. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika

 

  1. Vers

पूरकान्ते तु कर्तव्यो बन्धो जालन्धराभिधः
कुम्भकान्ते रेचकादौ कर्तव्यस्तूड्डियानकः ॥४५॥

pūrakānte tu kartavyo bandho jālandharābhidhaḥ… kumbhakānte recakādau kartavyas tūḍḍiyānakaḥ

pūraka : (der) Einatmung; ante : am Ende; tu : aber, jedoch; kartavyaḥ : ist auszuführen; bandhaḥ : (der) Verschluss; jālandhara : Jalandhara (das „Halten des Netzes“); abhidhaḥ : namens („mit Namen“); kumbhaka : (der) Atemverhaltung; ante : am Ende; recaka : (der) Ausatmung; ādau : am Anfang; kartavyaḥ : ist auszuführen; tu : aber, jedoch; uḍḍiyānakaḥ : Uddiyanaka bzw. Uddiyana (Bandha, das „Auffliegen“) 

Wahrlich, am Ende der Einatmung soll Jalandhara-Bandha durchgeführt werden, | mit dem Anhalten und am Beginn der Ausatmung das was als Uddiyana-Bandha bekannt ist.

 

Anmerkung: Dieser Vers wird hinsichtlich seiner Grammatik und Metrik ausführlich im Sanskrit Kurs Lektion 51 behandelt.

 

Am Ende der Einatmung, Puraka, soll der Jalandhara Bandha praktiziert werden und am Ende von Kumbhaka, des Anhaltens, Beginn von Recaka, des Ausatmens, sollte man Uddiyana Bandha praktizieren.

Durch schnelle Kontraktion des Beckenbodens, Mula Bandha, und Strecken des Rückens, Uddiyana Bandha, soll Prana in der Sushumna zum Fließen gebracht werden.

Demnach gibt es drei Bandhas, die zusammenhängend als Maha Bandha, ein großartiger Verschluss,  bezeichnet werden.

Der Begriff Maha Bandha bezeichnet alle drei und einzeln werden sie als die drei Bandhas bezeichnet.

Hierzu gehören Jalandhara Bandha, Uddiyana Bandha und Mula Bandha.

Mula heißt Wurzel. Es ist der Wurzelverschluss, das Zusammenziehen der Beckenbodenmuskeln, Anusschließmuskeln, Geschlechtsmuskeln, Muskeln des Perineums und Muskeln des Harnleiters.

Uddiyana heißt hoch fliegen. Das heißt, der Bauch wird nach oben gegeben, nach hinten und oben.

Jalandhara ist der Wasserhaltungsverschluss. Jalan hat etwas mit Wasser zu tun.

Beim Kinnverschluss atmest du vollständig ein und nach dem Einatmen kommt das Kinn auf den Brustkorb, der Brustkorb ist gewölbt und die Schultern sind nach hinten gezogen.

Die genauen Erklärungen zu den einzelnen Ausführungen kannst du auf den Internetseiten www.yoga-vidya.de finden.

 

Was sagt Svatmarama zu diesem Thema?

Wann sollte man diese Bandhas üben?

Man sollte Puraka, am Ende der Einatmung, Jalandhara Bandha üben.

Eine Übersetzung von Jala ist, dass es etwas mit Wasser zu tun hat. Korrekt ist hier aber die Übersetzung von Jala als das Halten des Netzes. Dies bedeutet durch die Haltung, dass der Brustkorb nach oben und das Kinn gesenkt ist, alle Energie oberhalb von der Kehle gehalten wird. Jalandhara Bandha wird nach der Einatmung die ganze Zeit während des Luftanhaltens geübt.

Dann sollte man außerdem am Ende des Anhaltens, Kumbhaka der Übung hinzufügen. Am Anfang der Ausatmung wird Uddiyana Bandha geübt.

Das ist eine etwas fortgeschrittenere Variation.

Bei Yoga Vidya sagen wir das nicht an. Wenn du schon eine Weile die drei Bandhas geübt hast, kannst du es in deine Praxis integrieren. Bei der Wechselatmung kannst du kurz noch einmal den Unterbauch stärker hinein ziehen, bevor du ausatmest und dann atmest du aus.

Uddiyana Bandha wird am Ende des Anhaltens geübt. Dabei wird ein kurzer kleiner Impuls gegeben. Du spürst manchmal wie Prana durch die Sushumna nach oben geschleudert wird. Du spürst plötzlich das Agnia Chakra oder das Sahasrara Chakra stärker. Hierfür wird ein kleiner Impuls gegeben kurz bevor du ausatmest.

 

  1. Vers

अधस्तात् कुञ्चनेनाशु कण्ठसङ्कोचने कृते
मध्ये पश्चिमतानेन स्यात् प्राणो ब्रह्मनाडिगः ॥४६॥

adhastāt kuñcanenāśu kaṇṭha-saṅkocane kṛte… madhye paścima-tānena syāt prāṇo brahma-nāḍigaḥ

adhastāt : des Beckenbodens (des Bereiches „unten“); kuñcanena : (gleichzeitig) mit (dem) Zusammenziehen; āśu : schnell; kaṇṭha : (der) Kehle; aṅkocane : (wenn das) Zusammenziehen; kṛte : ausgeführt wird („wurde“); madhye : in der (Körper-)Mitte; paścima : (nach) hinten; tānena : (zusammen) mit dem Einziehen („Ausdehnen“ des Bauches); syāt : sollte; prāṇaḥ : (der Lebens-)Atem, (die) Lebensenergie Prana; brahma-nāḍi-gaḥ : (durch) Brahmanadi (Brahmas Energiekanal, Sushumna) fließen („gehen“, Ga)   

Durch schnelle Kontraktion des Beckenbodens (Mulabandha), gleichzeitiges Durchführen von Anspannung der Kehle (Jalandharabandha) | und Strecken des Rückens (Uddiyanabandha), soll der Lebenshauch in der Sushumna zum Fließen gebracht werden.

 

In diesem Vers sagt er:

Durch schnelle Kontraktion des Beckenbodenmuskels bzw. in dem du gleichzeitig den Beckenbodenmuskel anspannst und die Kehle zusammen ziehst, während du hinten lang ziehst und den Bauch vorne hochziehst, so geht Prana in Brahma Nadi, in den Energiekanälen, in die Mitte der Sushumna.

Dies sind die drei Dinge, die du nach dem Einatmen übst. Du übst gleichzeitig Mula Bandha, Jalandara Bandha und Uddiyana Bandha während du die Luft anhältst. Bevor du ausatmest, verstärkst du Uddiyana Bandha.

Er gebraucht hier eine weitere Variante.

Du könntest einfach sagen, beim Anhalten übe erst nur Jalandara Bandha. Dann kurz vor der Ausatmung, kommt Uddiyana Bandha hinzu. Fortgeschrittener und machtvoller ist es, beim Anhalten alle drei Bandhas zu üben und kurz vor dem Ausatmen, bevor du Jalandara Bandha löst, einmal kurz Uddiyana Bandha stärken, dann den Kopf heben und ausatmen.

Achte dabei darauf, dass die Wirbelsäule gestreckt ist.

Es ist wichtig, hier nicht einzusinken. Er sagt, von besonderer Wichtigkeit sei das Strecken des Rückens.

Die Brustwirbelsäule ist aufgerichtet, der Unterbauch eingezogen und der Kopf gesenkt. Der Körper ist majestätisch aufgerichtet und das Kinn leicht gesenkt. Mula und Uddiyana Bandha werden gesetzt. Dann stelle dir vor, dass das Prana, die Lebensenergie, durch die Sushumna fließt.

 

  1. Vers

आपानमूर्ध्वमुत्थाप्य प्राणं कण्ठादधो नयेत्
योगी जराविमुक्तः सन्षोडशाब्दवया भवेत् ॥४७॥

apānam ūrdhvam utthāpya prāṇaṁ kaṇṭhād adho nayet… yogī jarā-vimuktaḥ san ṣoḍaśābda-vayā bhavet

apānam : Apana; ūrdhvam : (durch Mula Bandha) aufwärts, nach oben; utthāpya : ziehend („hinaufdrängend“); prāṇaṁ : Prana; kaṇṭhāt : von der Kehle; adhas : (durch Jalandhara Bandha) abwärts, nach unten; nayet : möge leiten; yogī : (der) Yogi; jarā : (vom) Alter; vimuktaḥ : befreit; san : seiend; ṣoḍaśa-abda : (das eines) Sechzehnjährigen (ist); vayas : (wie einer, dessen) Alter; bhavet : er wird

Nachdem er die absteigende Energie nach oben gehoben hat, soll der Yogi die aufsteigende Energie von der Kehle nach unten leiten. Der Yogi wird völlig frei von Altersschwäche und bekommt die Kraft eines 16-jährigen.

 

Die Übersetzung  sagt:

Durch das Hochziehen der Apana nach oben und das Hinunterbringen des Pranas von der Kehle wird der Yogi ein Jüngling von 16 Jahren, für immer vom Alter befreit.

Die Interpretation ist folgende:

Bei Apana geht es darum, die nach unten steigende Energie nach oben zu bringen. Normalerweise geht Apana nach unten.

Über die fünf Prana Vayus findest du auf unseren Internetseiten noch mehr Informationen.

Diese fünf Vayus gilt es zu kontrollieren durch die verschiedenen Asanas, Pranayamas, Bandhas und Mudras.

In diesem Vers spricht er besonders von Apana, das nach unten fließende Prana, welches auch verantwortlich ist für die Ausscheidungsorgane, für Sexualität, Menstruation, Geburt usw.

Diese kannst du während der Atemübungen nach oben bringen.

Prana und Apana werden in der Mitte des Körpers gehalten. Dadurch, dass Apana nicht nach unten fließt und Prana nicht nach oben, fließen Prana und Apana durch alle Nadis zwischen Muladara Chakra und Vishuda Chakra. Sie reinigen dabei alle Nadis, die es in der Mitte des Körpers gibt.

Danach kann die Kundalini erwachen und durch die Sushumna nach oben gehen.

Diese Phase, in der Apana nach oben und Prana nach unten gebracht werden, hilft auch, dass beide sich regenerieren.

Apana steht im Kontext mit der Mondenergie, die nach unten geht. Prana steht in Verbindung mit der Sonnenenergie, die nach oben gerichtet ist. So wird Sonnen- und Mondenergie regeneriert und harmonisiert.

Das ist ein wiederkehrendes Thema in der Hatha Yoga Pradipika, wo es darum geht, sich vom Alter zu befreien und ein Jüngling zu sein.

Zur Zeit von Svatmarama muss es populär gewesen sein, wie ein 16-Jähriger zu sein.

Die Zahl 16 oder wie ein 16-jähriger zu sein, hat verschiedene Bedeutungen.

Zum einen gilt die Jugend als eine Zeit, in der man in der Blüte seiner Kräfte ist. Im Westen würde man vielleicht sagen, dass das die 20-jährigen sind. Die Jüngeren sind offen für Neues und sie sind bereit, vieles zu bewirken. Jugendliche wollen viel lernen und viel bewirken.

Menschen ab einem gewissen Alter wollen nicht mehr so viel lernen, sie haben eine Neigung zu glauben, sie wissen schon alles. Sie verlieren die Neugier und finden sich ab mit dem Leben so wie es ist.

Man könnte das als Altersweisheit bezeichnen. Es ist gut, so wie es ist. Wobei es hierbei unterschiedliche Variationen gibt. Die einen finden sich damit ab, im Sinne des Verstehens, die anderen nehmen es eher hin, als eine Art Kapitulation, bei der alles keinen Sinn mehr hat.

Svatmarama will uns ermutigen, zu sein wie die jüngeren Menschen. Wir sollten bereit sein Neues zu lernen, einen offenen Geist haben und zu wissen, dass es einiges gibt, was durch mich noch bewirkt werden soll.

Dazu will uns Pranayama führen. Durch Prana bleibt die Klarheit des Geistes und die Offenheit für Neues erhalten bzw. wieder erhalten.

Die Bereitschaft einiges zu lernen und die Bereitschaft einiges zu bewirken rückt hier an vorderste Stelle.

In Bezug auf die Zahl 16 bzw. den 16-jährigen gibt es noch weitere Mythen.

Zum einen gibt es Krishna in der Bhagavad Gita. Von Krishna heißt es, dass er alle 16 Strahlen hat, alle 16 Fähigkeiten.

Mit der Zahl 16 muss es sich hier nicht unbedingt um einen 16 jährigen Jüngling handeln. Man könnte es deuten, dass du jemand wirst, der alle 16 Fähigkeiten und Kräfte entfalten kann. Neben dem Alter kann man sagen, dass es sich auf die göttlichen Kräfte bezieht, die Krishna vollständig verkörpert hat.

Das Shodasa Mantra ist eine Bezeichnung für das Maha Mantra, das Hare rama hare krishna, welches 16 Wörter umfasst, die alle Namen von Vishnu sind. Weiterhin kann man es deuten, wenn sich jemand ganz auf die göttliche Mutter bezieht mit ihren 16 besonderen Kräften.

Demnach steckt in diesem Vers sehr viel mehr als das, was wir typischerweise interpretieren.

  1. Man fühlt sich jugendlich durch Pranayama.
  2. Insgesamt 16 Fähigkeiten und Kräfte werden hier interpretiert.
  3. Wir wollen zu einem reinen Instrument des Göttlichen werden.

Übe Pranayama! Übe die drei Bandhas! Du wirst viel Ruhe des Geistes haben, Fähigkeiten des Geistes entwickeln und du wirst Offenheit haben. Dein Geist wird wach und aktiv gehalten bis ins hohe Alter. Du kannst auch im fortgeschrittenem Alter viel Gutes bewirken.

Das verspricht uns Svatmarama hier mit diesen Versen.

Du kannst jeden Tag offen und bereit sein, Neues zu lernen. Du kannst dir jeden Tag bewusst sein, durch mich will sich einiges Gutes manifestieren.

Frage dich, was habe ich heute bewirkt? Was will ich heute bewirken? Das hält deinen Geist jung. Übe Pranayama!

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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