Sukadev Bretzs Beiträge (5994)

Sortieren nach

Svatmarama beschreibt, was es heißt, wenn du Samadhi erreichst. Welche Auswirkungen hat Samadhi. Er will uns dadurch motivieren, Samadhi zu erlangen, alles zu tun, um den höchsten Bewusstseinszustand zu erlangen.

Im 108. Vers sagt er:

Der Yogi, der Samadhi erreicht, ist nicht erfüllt von Todesangst, wird durch seine Handlungen nicht mehr gebunden, ist jenseits allen Karmas. Dieser Yogi kann durch nichts beeinflusst werden, wenn du in Samadhi bist, er sagt yogī yuktaḥ samādhinā, der Yogi, der die volle Konzentration erlangt hat yuktaḥ, der in der Lage ist, Samadhi zu erreichen, der wird nicht verschlungen von kālena von der Zeit. Wenn du zum Beispiel in Samadhi bist und selbst, wenn du aus Samadhi rauskommst, dann machen dir die Veränderungen nichts aus. Menschen sind mal freundlich zu dir, weniger freundlich. Es ist mal schönes Wetter und mal weniger schönes Wetter. Du bist mal in besserer Gesundheit, mal in weniger guter Gesundheit. Das sind alles letztlich die sogenannten Dualitäten, die Dvandvas, wie es die Bhagavad Gita sagt. Das ist letztlich die Zeit. Zeit heißt kommen und gehen. Anstatt dich zu bemühen, das äußere Leben so zu regulieren, dass alles gut ist (Das wird trotzdem nicht gelingen!), ist es klüger, nach Samadhi zu streben. Dann machen dir die Veränderungen des Lebens nichts mehr aus.

Dann sagt er auch na bādhyate: Du wirst auch nicht mehr beeinträchtigt durch Karma oder du bist auch na sādhyate nicht unterworfen durch Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Zum einen binden dich deine Handlungen nicht und das Karma, dass du erfährst, ist auch nicht mehr für dich wichtig. Schließlich gilt auch na sādhyate, du bist nicht unterworfen von kena api von irgend jemandem. Also wenn du Samadhi erreichst, dann bist du frei. Andere können dir nichts mehr anhaben, weder durch ihre Worte, noch durch ihre Taten, noch durch ihre Gedanken, noch durch das, was andere machen.

Anstatt dich also darüber zu beschweren, was andere dir antun, ist es viel klüger, dass du spirituell praktizierst und dass du dich bemühst, Samadhi zu erreichen. Nur durch Samadhi kommst du dahin, wo du wirklich hin willst: zur vollständigen Freiheit. Yogī yuktaḥ samādhinā: Der Yogi soll sich vollständig konzentrieren und Samadhi erreichen.

 

Vers 109

Der Yogi, der in Samadhi ist, riecht, schmeckt, sieht, fühlt, hört nichts und ist sich auch seiner selbst und anderer nicht bewusst. Also in Samadhi selbst bist du über alles Relative. Du bist über gandhaṃ Geruch hinausgewachsen, über Geschmack hinausgewachsen, auch über Berührung und Klang und natürlich auch, alles, was zu sehen ist. Also auch hier würde gelten: Anstatt dich darüber zu beschweren, dass es irgendwo zu schlecht riecht oder dass es zu laut ist oder dass es zu hell ist oder dass Menschen zu viel Krach machen: Das sind alles dumme Ausreden des Geistes.

Stattdessen bemühe dich, den Geist zur Ruhe zu bringen und dann macht dir all das nichts aus. Du könntest auch sagen: Bemühe dich auch, insgesamt den Geist zur Ruhe zu bringen und dann wirst du unabhängig von Geruch, Klängen, Geschmäckern und das, was du siehst und was du fühlst. Du wirst sogar so weit gehen, dass du dich selbst nicht mehr wahr nimmst und auch andere Menschen nicht mehr wahr nimmst. Yogī yuktaḥ samādhinā: Der Yogi, der vollkommen konzentriert ist in der Versenkung, der geht jenseits von allen Sinneseindrücken und ihn macht weder etwas aus, was in ihm selbst den Ursprung hat, noch das was andere Menschen mit einem machen.

 

 

Vers 110

Der Yogi wird als Jivanmukta bezeichnet, als lebendig Befreiter, wenn sein Geist weder schläft, noch wacht, wenn er frei ist von Erinnerung und Nicht-Erinnerung und wenn er jenseits ist von allen Verlusten und keine Angst vor der Zukunft hat.

Es gibt vom 110. Vers verschiedene Bedeutungen. Lasst uns schauen, was hier steht in den eigentlichen Versen.

Eva saḥ, wahrlich der ist ein muktaḥ, ein Befreiter. Er ist ein asau, ein Yogi. Wann? Letztlich, wenn der cittaṃ nicht da ist, wenn er also über den Geist hinausgewachsen ist. Und zwar, sowohl jenseits von suptaṃ Schlaf, als auch jāgrat Wachen und er ist varjitam frei geworden von smṛti von Erinnerung und von vismṛti Vergessen und er ist auch gegangen, jenseits vom Entstehen und Verschwinden.

 

Gut, cittaṃ smṛti kann man auch sagen, in Samadhi selbst gibt es keine Erinnerung und auch keine Zukunft, und letztlich: Warum erwähnt er all das? Vermutlich sagt er das deshalb, weil er uns sagen will: Wenn du im Samadhi bist und dann dort rauskommst, dann bist du ein Mukta. Wenn du ein Mukta bist, dann macht dir weder die Vergangenheit etwas aus, noch die Zukunft. Du bedauerst nicht mehr, was andere dir angetan haben, du grollst nicht mehr den Menschen, die nicht freundlich waren und du grollst auch nicht mit deinem Schicksal. Ein Yogi in Samadhi ist muktaḥ, befreit. Er ist im Frieden mit seiner Vergangenheit, Frieden mit den anderen Menschen und er hat jetzt auch keine Angst mehr vor der Zukunft und er hat jetzt auch keine Hoffnung auf die Zukunft im Sinne, dass er denkt: Ich werde glücklich sein in der Zukunft. Er ist JETZT glücklich und so ist derjenige, der in Samadhi ist, ein Befreiter. Ihn belastet nichts mehr aus der Vergangenheit, nichts mehr in der Zukunft, nichts mehr, was aus ihm selbst kommt, nichts mehr, was andere machen und nichts mehr, was Karma ihm antun könnte.

 

  1. Vers

Ein Yogi der in Samadhi ist, fühlt weder Hitze noch Kälte, keinen Schmerz und kein Vergnügen, keine Achtung oder Nichtachtung. Also wer Samadhi erreicht hat, dem ist es nachher egal: Hitze oder Kälte. Mag mal jemand zu intensiv den Raum gelüftet haben und es ist zu kalt geworden: Ein Yogi, der Samadhi erreicht hat, der wird dadurch nicht in seinem Glücksgefühl reduziert. Es mag einmal sehr warm sein, weil jemand die Heizung zu sehr aufgedreht hat oder weil es Sommer ist oder weil man in Indien ist: Dem Yogi macht das nichts aus. Ihm macht auch nichts aus duḥkhaṃ, also weder, wenn Leiden und Schmerzen kommt, noch sukhaṃ, äußeres Vergnügen kommt. Im Kontext duḥkhaṃ sukhaṃ ist ja duḥkhaṃ Schmerz und sukhaṃ ist Vergnügen. Der Yogi ist jenseits davon und er ist auch jenseits von mānaṃ und apamānaṃ, also von Lob und Tadel oder Ehre oder Schmach. Ihm macht es nichts mehr aus, wenn andere ihn loben oder sie loben oder nicht beachten. Das ist eben immer wieder wichtig, dass man sich dessen bewusst macht.

Ich erlebe es immer wieder, dass auch Menschen, die jahrelang Yoga üben, gekränkt sind wegen Kleinigkeiten, dass sie sich aufregen, weil ihnen nicht die richtige Aufmerksamkeit geschenkt wird, ihnen nicht die richtige Anerkennung geschenkt wird.

Es gilt immer wieder sich bewusst zu machen: Zum einen natürlich, wenn wir Samadhi erreicht haben, dann sind wir über diesen Dingen aber, gerade wie es auch die Bhagavad Gita sagt, lerne systematisch, gleichmütig zu sein gegenüber Erfolg und Nicht-Erfolg, gegenüber Lob und Tadel, Ehre und Schmach, Vergnügen und Schmerz, Hitze oder Kälte. Auch das brauchst du, damit die Yogaübungen überhaupt Früchte tragen und damit du wirklich in Samadhi kommen kannst. Also die Frucht von Samadhi ist, Freiheit von Vergnügen, Schmerz, Lob und Tadel, Ehre, Schmach, Freiheit von Karma und Freiheit davon, was andere Menschen über dich denken und mit dir anstellen wollen. Aber um zu Samadhi zu kommen, gilt es auch, systematisch daran zu arbeiten. Also übe Asana, Pranayama, Mudra, Bhanda, Meditation, Mantra usw. übe uneigennütziges Dienen, verehre Gott, lerne Verhaftungslosigkeit, aber besonders: Lerne Gleichmut gegenüber Vergnügen, Schmerz, Hitze, Kälte, Lob und Tadel, Ehre, Schmach und den Höhen und Tiefen des Lebens.

 

112

Wahrlich, derjenige ist ein Mukta, ein Befreiter, der mit all seinen Indriyas und Antahkaranas klar und unbewölkt in Jagrat Avastha wie im Schlaf, ohne Einatmung und Ausatmung, verharrt.

Oder eine andere Übersetzung ist: Ein in Samadhi Vertiefter erscheint wie ein Schlafender und ist ohne Einatmung und Ausatmung. Er ist wirklich befreit.

Diesen Vers kann man auf verschiedene Weisen interpretieren. Zunächst einmal heißt es: Der Yogi ist zum einen wie ein Schlafender supta-vat, aber gleichzeitig wie ein Wachender, also wach heißt: Bewusstsein ist da, Tiefschlaf heißt: Es gibt keine Wahrnehmung von Welt und von Gedanken. Der Yogi im Samadhi ist vollkommen wach, aber ohne irgendeinen Gedanken, reines Bewusstsein ohne Gedanken. Und so ist hier auch kein niśvāsa und ucchvāsa, weder Einatmung, noch Ausatmung, damit kein Werden und kein Vergehen. Es ist wörtlich zu verstehen: In Samadhi hört typischerweise die Atmung praktisch auf. Es ist aber auch im übertragenen Sinn verstanden. Kein Aufnehmen und kein Abgeben mehr. In Samadhi selbst: vollkommene Einheit, vollkommene Bewusstheit ohne irgendeinen Gedanken.

 

113

Der Yogi, der den Samadhi Zustand erreicht hat, kann durch kein Mittel mehr getötet werden und er hat auch alle Naturkräfte überwunden. Er ist unerreichbar für Wiedergeburt und Karma.

Hier steht so einiges und da steht noch eine Menge mehr als das, was ich eben übersetzt hatte. Swami V. Übersetzung sagt ja auch: Ein Yogi, der Samadhi erreicht hat, ist unverwundbar durch alle Shastras, d. h. durch alle Waffen. Die gesamte Welt hat keine Macht über ihn. Er steht auch über den Kräften von Mantras und Tantras, hier verstanden als Beschwörungen und magischen Kräften.

 

Schauen wir nochmal, was genau steht.

Also yogī yuktaḥ samādhinā: Der Yogi, der in vollständiger Konzentration Samadhi erreicht hat, er ist avadhyaḥ, er ist nicht zu töten, er ist unverwundbar durch sarva śastrāṇām durch alle Waffen.

Ein Yogi ist jenseits des Todes. Gut, der Körper ist natürlich auch sterblich. Auch Mahatma Gandhi ist durchaus getötet worden, und viele sagen, er war ein Yogi, der Samadhi erreicht hat. Man könnte sagen, bei Swami Sivananda wurde auch ein Mordanschlag verübt, der ist nicht gelungen. Swami Sivanandas Karma war noch nicht zu Ende. Ein Yogi ist nicht zu töten, ist eventuell sogar wörtlich zu verstehen. Es gibt auch die Aussage, dass gegen Shankaracharya ein Mordanschlag verübt worden ist. Aber das Schwert ist zerbrochen an Shankara.

 

Ein Yogi hat eine große Kraft. Aber, es ist in jedem Fall im übertragenen Sinne zu verstehen. Der Yogi weiß, er ist unsterblich. Deshalb kann er nicht getötet werden. Er ist auch nicht zu beherrschen, er ist aśakyaḥ, er ist unbezwingbar durch sarva dehinām, durch alle verkörperten Wesen. Was auch heißt, ein Yogi, der Samadhi erreicht hat, hat eine solche Freiheit erreicht, keiner kann ihn manipulieren. Er weiß, niemand kann ihm etwas anhaben. Er tut letztlich sein Dharma, aber hat keine Angst vor irgend jemanden, er ist nicht von anderen zu manipulieren oder zu beherrschen. Der Yogi ist auch agrāhyaḥ: Er ist nicht zu manipulieren und zu greifen durch mantra und yantrāṇāṃ, also weder durch Zaubersprüche noch durch magische Diagramme. Was auch heißen soll: Der Yogi ist unabhängig, er ist vollkommen frei.

Ich lese vielleicht noch diese letzten Verse auf Sanskrit. Sie haben auch eine besondere Bedeutung und vielleicht kannst du die Kraft dieser Verse auch auf dich wirken lassen. Also von 108 bis 113

 

khadyate na cha kalena badhyate na cha karmana

sadhyate na sa kenapi yogi yuktah samadhina 

na gandham na rasam rupam na cha sparsham na nihsvanam

natmanam na param vetti yogi yuktah samadhina

chittam na suptam no jagrat smriti vismriti varjitam

na chastam eti nodeti yasyasau mukta eva sah

na vijanati shitoshnam na duhkham na sukham tatha

na manam nopamanam cha yogi yuktah samadhina

svastho jagrad avasthayam supta vad yo’vatishthate

nishvasochchhvasa hinash cha nishchitam mukta eva sah

avadhyah sarvashastranam ashakyah sarva dehinam

agrahyo mantra yantranam yogi yuktah samadhina

HARI OM TAT SAT

 

Mache dir also bewusst, alle Ängste verschwinden, wenn du durch Samadhi zum Jivanmukta geworden bist. Du wirst vollkommen frei. Nichts kann dir mehr etwas anhaben. Daher strebe nach Samadhi, strebe nach Jivanmukti, strebe danach, ein Jivanmukta zu werden, ein lebendig Befreiter. Nur das erfüllt all deine Sehnsüchte. Verschwende nicht soviel Zeit mit so vielem anderen äußeren Sicherheiten, äußerem Erfolg, mit Aufregen gegenüber dem, was andere sagen oder tun. Aufregen gegenüber dem, was geschieht oder nicht geschieht. Strebe nach Vollendung. Das wird die Sehnsüchte erfüllen und dich zur vollkommenen Freiheit führen, zu Satchidananda – Sein, Wissen, Glückseligkeit.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Unmani-Avastha und seine Wirkung – Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ab Vers 103

Unmani-Avastha ist der Zustand Avastha; jenseits des Geistes Unmani. Svatmarama beschreibt immer wieder in den verschiedenen Kapiteln der Hatha Yoga Pradipika, dass das Ziel des Hatha Yoga ist, die Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung, jenseits des Geistes zu kommen, zu verschmelzen mit dem Göttlichen an sich. Er gibt dem verschiedene Namen. Unter anderem nennt er das Unmani-Avastha, der Zustand jenseits des Geistes. Das 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika hat besonders als Thema Meditation Dhyana und dann Samadhi Überbewusstein, welches zu Unmani-Avastha, zum Zustand jenseits des Geistes, führt.

Und so ist das Ziel des Hatha Yoga, mit Körperübungen, Atemübungen, Mudras und Meditationstechniken in Verbindung mit Reinigungsübungen, Yamas und Niyamas, einem ethischen Lebensstil und guter Ernährung zum höchsten Bewusstsein zu kommen.

 

Der 103. Vers beginnt mit iti nādānusandhānam, das heißt, hier endet die Unterweisung bezüglich der Meditation auf den inneren Klang. Dann geht es weiter und sagt, alle Hatha Yoga Praktiken dienen nur zur Erlangung von Raja-Yoga. Diejenigen, die Raja-Yoga erlangt haben, werden Herr über den Tod.

Also sarve, alle Hatha Yoga Praktiken, also alles haṭha (Hatha-Yoga) und all seine Übungen upāyāḥ, alle Mittel des Hatha Yoga sind dazu da, laya den Geist zur Auflösung zu bringen und sie helfen, Erfolg zu haben siddhaye in rāja-yoga, also im königlichen Yoga. Rāja-yoga wird oft übersetzt als die königliche Ruhe des Geistes, die königliche Verschmelzung. Raja-Yoga heißt zum einen der Yoga zur Herrschaft des Geistes oder die ganzen Übungen, die geistigen Übungen des Yoga, Patanjali Yoga. Aber Raja-Yoga wird oft auch interpretiert als ein Synonym für Samadhi bzw. für Paramapada, also für den höchsten Zustand und so dienen alle Praktiken des Hatha Yoga dazu, den Geist zur Ruhe zu bringen und letztlich zum Zustand zu kommen, der Erleuchtung. Wer diesen Raja-Yoga erreicht hat, dieser Mensch puruṣaḥ, wird zu kāla vañcakaḥ, denjenigen, der den Tod überlistet hat.

 

Ich hatte schon bei vielen Kommentaren darüber gesprochen, dass Svatmarama relativ häufig darauf eingeht, dass man mit Yoga Techniken den Tod überwinden kann und Tod hat ja so viele verschiedene Bedeutungen. Physischer Tod kommt irgendwann und wenn du erkannt hast, dass du das unsterbliche Selbst bist, spielt der physische Tod für dich keine Rolle mehr. Aber es geschieht noch so viel Anderes. Du kannst deinen Besitz verlieren, Menschen gehen aus deinem Leben oder bestimmte berufliche Errungenschaften vergehen. Diese äußere Welt ist immer dem Tod unterworfen. Aber durch Yoga gelingt es dir, etwas zu erfahren, was jenseits aller Veränderung ist. Was auch immer in der Veränderung ist, führt zu Leid, wenn du dich daran verhaftest. Wenn du aber erkennst, dass dein Glück nicht abhängig davon ist, dann kannst du gegenüber den Wechselfällen des Lebens gleichmütig sein. Dazu ermutigt dich Svatmarama in diesen Versen.

 

  1. Vers

Der Geist ist letztlich der Samen. Hatha ist das Feld und Gleichmut ist das Wasser. Das Zusammenwirken dieser drei führt dazu, dass die sich sonst langsam fortbewegende Unmani jetzt gut und schnell gedeiht.

Also es gibt hier verschiedene Ausdrücke. Es gibt hier zum Beispiel tattvaṃ. Tattvaṃ könnte man sagen, die wahre Natur, das so sein oder auch der Geist ist bījaṃ, das ist der Same. Dann ist ha-ṭhaḥ letztlich kṣetram das Feld und dann audāsīnyaṃ, die Gleichgültigkeit ist jalaṃ, das Wasser. Also es gibt also das Feld und das Feld ist letztlich ha-ṭhaḥ, alle Hatha Yoga Praktiken. Manchmal wird auch gesagt, dass ha und ṭhaḥ letztlich das Gleichgewicht von Sonne und Mond ist, Surya und Chandra ist Gleichgewicht von Prana und Apana, und diese beiden sind also Pranayama und alle Hatha Yoga Praktiken.

Also es gibt ein Feld und das ganze Feld ist letztlich das Feld des Hatha Yoga und hier ist als Same der Geist. Dieser Same kann wachsen, wenn du Leidenschaftslosigkeit hast. Das ist dann das Wasser und wenn du das machst, diese drei zusammenbringst, dann kann auch Unmani Avastha immer weiter wachsen. Und unmanī ist letztlich kalpa-latikā, also das Wunschbäumchen. Dieses Wunschbäumchen bedeutet: Es ist das, was du brauchst, um die tiefe Sehnsucht zu erfüllen. Also mit anderen Worten: Letztlich sehnst du dich nach unendlicher Freude. Das ist der Wunsch, den du eigentlich hast. Der kann nicht erfüllt werden, indem du mehr Geld hast, indem du mit den richtigen Menschen zusammen bist, indem du Erfolg hast, indem Andere dein Tun anerkennen. Wirklichen Erfolg hast du, wenn du mit voller Konzentration Hatha Yoga übst und dabei Vairagya übst, also Leidenschaftslosigkeit, Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit.

 

  1. Vers

Durch das ständige Üben von Konzentration auf Nada, den inneren Klang, verschwindet die Anhäufung des Übels, des Leids und aller Sünden. Geist und Prana werden sicher in Niranjana absorbiert. Schauen wir an, was dort steht:

Also sadā zu jeder Zeit nāda-anusandhānāt  gilt es, die Konzentration auf den inneren Klang zu üben. Wenn du das machst, verschwindet kṣīyante das pāpa. Pāpa heißt Sünde und Leid usw., und zwar sañcayāḥ, die Anhäufung davon. Vielleicht kennst du Sanchita Karma, das angehäufte Karma. Das muss verschwinden. Es löst sich auf vilīyete im Makellosen nirañjane und es löst sich dann auf, wenn citta und mārutau, also Geist und Marut und damit das Prana zur Ruhe kommen.

Also übe Nada Anusandhana, also die Konzentration auf den inneren Klang. So gehst du jenseits all dessen, was dich in die Gier hineinbringt, was zu allem Übel und Leid führt. Löse dann deinen Geist auf, löse dein Prana auf, indem du zur Ruhe kommst und so erfährst du reine Freude.

 

  1. Vers

Während Unmani Avastha ist der Körper vollkommen ruhig, wie ein Holzklotz. Der Yogi hört jetzt gar keine Klänge mehr, noch nicht einmal die Klänge einer Muschel oder auch einer großen Trommel. Also wenn du in Unmani Avastha gekommen bist, wenn du im Samadhi bist, dann bist du jenseits des inneren Klangs und deine Konzentration wird so tief, dass du noch nicht einmal etwas hörst, wenn in deiner unmittelbaren Umgebung laute Klänge sind, wie ein Muschelhorn oder eine Pauke oder eine laute Trommel. Dein Körper wird vollkommen bewegungslos.

 

  1. Vers

Der Yogi, der jenseits gelangt ist von allen Zuständen und jenseits gelangt, ist von allen Gedanken, wird befreit von allem. Er ist ein Mukta, ein im Leben Befreiter. Also hier sagt er: In diesem Unmani Avastha, in diesem Zustand jenseits des Geistes ist er vinirmuktaḥ, befreit von sarva avasthā, von allen Zuständen. Es gibt jetzt verschiedene Zustände, es gibt zum Beispiel Jagrad, den Wachzustand, es gibt Traumzustand Svapna, es gibt den Tiefschlaf Sushupti und dann gibt es noch weitere Zustände, zum Beispiel Murchha, den Versenkungszustand. Dann gibt es auch noch Marana, das ist der Zustand des Todes, manchmal als Bewusstlosigkeit bezeichnet. Gut, also es gibt verschiedene Avasthas, in denen der Mensch ist und dieser Zustand, der Unmani Avastha ist, ist jenseits aller relativen Zustände. Dabei ist vivarjitaḥ, man ist ledig aller cintā Gedanken und damit zusammen-hängenden Sorgen und der yogī ist dann wie ein Toter mṛta-vat. Aber er ist dann auch befreit. Er ist ein muktaḥ und er ist befreit. Diese Befreiung ist jenseits von allem Zweifel, von allem saṃśayaḥ.

 

Hier will er uns also motivieren: Übe und praktiziere. Irgendwann erreichst du Unmani Avastha. Damit gelangst du über alle Sorgen, über alles Leid hinaus. Du wächst über alles Karma hinaus, alle Probleme, alle Schwierigkeiten. Es gibt nichts mehr, was dir Sorgen bereiten müsste. Das ist also das Ziel des Hatha Yoga, das Ziel von jedem Yoga. Nur so erreichst du die tiefe Sehnsucht, die du hast: unendliche Freude, unendliche Einheit, Ewigkeit, ein Zustand jenseits aller Bedingtheit ist erreichbar. Du kannst zum Mukta werden, zum Befreiten in diesem Leben, zum Jivanmukta. Es gilt zu praktizieren.

 

HARI OM TAT SAT

Und mache dir immer wieder bewusst: Es gibt die Gottverwirklichung, die Selbstverwirklichung, Erleuchtung, Unmani Avastha genannt oder auf so viele andere Weisen genannt und es ist wert, alle Anstrengungen zu machen, um dorthin zu kommen.

Übe! Übe! Übe!

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Durch Konzentration auf den inneren Klang wird der Geist ruhig. Irgendwann kommst du aber zu einem Zustand jenseits des inneren Klangs. Dann erreichst du dein wahres Selbst und dieses wahre Selbst ist eins mit Brahman dem Absoluten. So beschreibt es Svatmarama im Vers 101 und 102 im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika

Vers 101 lautet: Solange die Vorstellung von Klängen da sind, solange wird auch Raum wahrgenommen. Wenn die Klänge verschwinden, dann entsteht der Zustand Parabrahma, Paramatma.

Hier geht es also um die nächsten Schritte der Anahata Nada Dhyana, also der Konzentration auf den inneren Klang. In den letzten Versen hat ja Svatmarama darüber gesprochen. Er hat gesprochen, dass man sich die Ohrknöpfe zuhält, dass man sich dann auf den lauten Klang konzentriert, dann auf einen subtileren Klang, schließlich auf den subtilsten Klang. Vielleicht wenn man die Hände nach unten gibt und es keinen äußeren Klang gibt oder der Klang so subtil ist, dass er sich nur auf den äußeren Klang konzentriert, dass die inneren nicht hörbar sind, dann kommt irgendwann die Fähigkeit, ganz mit diesem inneren Klang zu verschmelzen. Der Geist wird sehr ruhig. Ist dieser Geist sehr ruhig und nur noch innerer Klang da, dann gehst du in diese innere Ruhe, dieser innere Raum voller Ruhe. In diesem Raum ist letztlich innerer Klang erfahrbar. Irgendwann verschwinden aber auch die Klänge und dann geht man ein in Paramatma, also das höchste Selbst und dieses höchste Selbst ist, geht ein mit Parabrahma also in den höchsten Brahman, also dem höchsten Bewusstsein.

 

Im 102. Vers heißt es dann:

Was auch immer man in diesem Zustand der Nada Meditation hören mag, es immer die Kraft der Shakti. Parameshvara ist das, welches formlos ist und das ist letztlich der höchste Zustand. Also, Nada ist Klang und Klang ist Shakti, Shakti, die kosmische Energie. Jenseits der Shakti ist Parameshvara und Parameshvara ist letztlich Shiva. Vielleicht erinnerst du dich, im Tantra gibt es diese Shiva-Shakti-Philosophie. Shakti ist die kosmische Energie und Shiva ist das reine Bewusstsein. Nada und Bindu ist eine andere Ausdrucksweise. Bindu ist der innere Punkt, von dem alles ausgeht und Nada ist der Klang und so ist Shiva wie Bindu und Nada ist wie Shakti. Solange du Klänge hörst bist du in der Shakti, wenn du jenseits der Klänge bist, dann bist du in Parameshvara.

 

Er sagt also auch hier, wie auch immer die Form ist eines Nadas, eines Klanges, wird es letztlich Shakti. Aber wenn dieser Klang zu Ende geht, also wenn Anta kommt, dann kommst du jenseits aller Kategorien und dann bist du in Niragraha, jenseits aller Formen und das ist wahrhaftig Parameshvara, der höchste Gott und damit Shiva und damit reines Bewusstsein. Also nach der Konzentration auf den Klang kommt letztlich Paramatma, Parabrahma und damit Parameshvara.

Vielleicht noch ein kleiner Tipp, wenn du zu Yoga Vidya gehst, dort gibt es in der Shivalaya verschiedene Meditationsräume. Dort gibt es insbesondere die Shiva Höhle wo es sehr ruhig ist, dort könntest du die Anahata Nada Meditation sehr gut üben. Zunächst die Ohren verschließen, indem du die Daumen auf die Ohrknöpfe gibst, dann hörst du den lauten Klang wie das Rauschen des Ozeans, den Donner oder laute Trommeln, danach lässt du langsam die Ohrknöpfe los, du hörst einen subtileren Klang, schließlich senkst du die Hände ganz, du hörst den intensiven subtilen Flöten Klang oder Vina Klang oder Glöckchen Klang. Lass den Geist ganz damit verschmelzen, irgendwann gehe zu dem, was jenseits aller Klänge ist, zu Parabrahma, zu Paramatma, zu Parameshvara, dem höchsten Bewusstseinszustand.

OM Shanti

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Die Praxis von Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang, die Meditation auf den inneren Klang. Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika  ab Vers 82

Svatmarama empfiehlt im 4. Kapitel verschiedene Meditationstechniken. Besonders umfangreich beschreibt er Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang. In einigen Versen, ab Vers 82, beschreibt er auch verschiedene Stufen der Meditation. Ich will diese Verse durchgehen und dich im Anschluss daran zu einer Meditation anleiten, welche diese verschiedenen Stadien der Meditation verbindet. Dieser Vortrag und diese Meditationsanleitung sind etwas länger, als die vorigen. Bei den vorigen ging es ja jeweils nur um einen Vers.

 

  1. Vers:

Der Meditierende muniḥ, der seine Ohren mit seinen Fingern verschlossen hat, sollte seine Aufmerksamkeit auf den Anahata-Klang, der sich an den im inneren wahrgenommenen richtet, richten, bis er den Turya-Zustand erreicht.

Also hier erst einmal eine einfache Aussage. Konzentriere dich zunächst, schließe die Ohren und es gibt ja verschiedene Mudras. Es gibt zum Beispiel Yoni Mudra, wo du alle deine Sinne verschließt. Dieses Yoni Mudra hat er an einer anderen Stelle beschrieben. Du kannst aber auch einfach Karna Mudra ausführen. Karna heißt Ohr, Karna Mudra heißt, du schließt die Ohren mit deinen Daumen. Dabei kannst du die Finger entspannen oder die Finger ausstrecken und du drückst so mit den Daumen die Ohrknöpfe zu. Du könntest auch ein oder zwei Stühle nehmen und so die Ellbogen auf den Stuhlsitz abstützen oder es gibt ja auch den Yoga Danda, den Yoga Stab, der eine Astgabel ist, wo du die Ellbogen aufstützen kannst und so kannst du längere Zeit die Ohren schließen. Eine moderne Variante, die auch funktioniert, ist Ohrstöpsel zu verwenden. Also etwas, was die Ohren so verschließt, dass du keinen äußeren Klang hörst. Manche haben sogar einen bestimmten Kopfhörer, der die äußeren Klänge komplett ausblendet. Du könntest sagen, wenn du mit den Daumen auf die Ohrknöpfe drückst, dann hilft das auch, einen bestimmten Reflexpunkt zu aktivieren und das hat noch weitere Wirkung. Andererseits ist es eben auch anstrengend für die Arme und ich kenne es zum Beispiel, dass ich gerne, insbesondere, wenn ich an einem Ort meditiere, wo es laut ist, Ohrstöpsel nutze oder natürlich auch in Höhlen gehe, wo es ganz ruhig ist und dann ist natürlich der innere Klang besonders leicht hörbar.

 

Also hier im 82. Vers beschreibt er es ganz einfach: Sorge dafür, dass alle äußeren Klänge ausgeschaltet sind, zum Beispiel, indem du die Daumen auf die Ohrknöpfe gibst und dann konzentriere dich auf diesen inneren Klang. Also du hörst dhvaniṃ, den Klang und darauf richte cittaṃ deinen Geist. Mache das so lange, bis du den Zustand padaṃ von sthira, von Festigkeit und Ruhe erlangst. Man könnte sagen, bis du Samadhi erreichst, aber mindestens bis dein Geist vollkommen ruhig ist. Also der 82. Vers wäre erst einmal einfach. Sorge dafür, dass du keinen äußeren Klang hörst, zum Beispiel, indem du die Ohrknöpfe mit dem Daumen verschließt und dann konzentriere dich auf den inneren Klang, bis dein Geist beständig wird oder bis du Samadhi erreichst.

Jetzt geht es aber noch weiter. In den nächsten Versen sagt er erst einmal, welche Auswirkungen das hat und gibt dann ein paar zusätzliche Tipps.

 

Im 83. Vers sagt er: Das Wahrnehmen des Klanges, dass auf diese Weise praktiziert wird, überwältigt und übertönt nach und nach alle äußeren Geräusche. Der Yogi, der so die Unbeständigkeit seines Geistes überwindet, wird in 15 Tagen glücklich werden.

Also hier sagt er, man kann das Üben des nādaḥ machen, also, wie er hier sagt abhyasyamānaḥ: Es wird geübt und was wird geübt? Die Meditation und die Meditation wird geübt auf nādaḥ, auf den inneren Klang. Das kann schließlich dazu führen, dass alles Äußere überdeckt wird. Also bāhyam: alles Äußere, dhvanim: alle Geräusche werden überdeckt. Was auch heißen kann, wenn du eine Weile mit diesem Verschluss Karna Mudra übst, wird der innere Klang immer hörbarer werden und selbst dann, wenn du die Hand dann herunternimmst, kannst du dich stärker auf den inneren Klang konzentrieren. Also, auch wenn du den inneren Klang verspürst, ohne die Ohren zu verschließen, um so besser. Wenn du dich regelmäßig darauf konzentrierst, dann ist es eine solche Freude, dass äußere Ablenkungen dir nichts mehr anhaben können.

 

  1. Vers:

Während der ersten Stadien des Übens werden verschiedene Klänge laut wahrgenommen. Aber bei fortschreitender Übung werden diese Klänge immer zarter.

Also, zu Anfang prathama hörst du śrūyate in der Praxis abhyāse von nādaḥ verschiedene Arten von Klängen und die können gewaltig sein mahān. Aber dann, wenn die Praxis abhyāse voranschreitet vardhamāne, dann hörst du sūkṣma-sūkṣmakaḥ, immer feinere, immer zartere Klänge. Das ist auch eine Form der Konzentration, d. h. du hörst erst einmal die lauteren Klänge und inmitten der lauten Klänge hörst du sūkṣma, einen zarteren Klang und dann konzentrierst du dich auf diesen zarteren Klang.

 

  1. Vers:

Zu Beginn ähneln die Klänge, denen des Ozeans, dann den Wolken und dem Gewitter, schließlich ähneln sie der Kesselpauke und werden immer ähnlicher einer jharjhara, einer besonderen Trommel, schließlich werden sie wie eine mardala, also eine spezielle Trommel, dann wie ein Muschelhorn śaṅkha, schließlich wie eine Glocke und ein Horn. Hier sind verschiedene Instrumente genannt, die in Indien bekannt sind. Aber gehen wir erst einmal der Reihe nach durch. Also, zu Anfang, in den ersten Stadien können verschiedene machtvolle Klänge entstehen mahān und so sagt er ādau: zu Anfang werden Klänge gehört wie jaladhi. Also jala ist ja Wasser. Wie jaladhi Wasser im Ozean, also wie Wellen des Ozeans, Ozeanrauschen. Dann können solche kommen wie jīmūta und jīmūta ist eigentlich Wolke. Wolke kann heißen Gewitter, also wie ein Gewitter, wie ein Donnern kann dort kommen.

 

Oder  dann ein Klang wie bherī. Das ist eine bestimmte Form der Trommel, hier besetzt als Kesselpauke. Dann gibt es jharjhara, eine andere Form von Trommel. Es folgt sambhavāḥ. Dort kommen dann weitere Klänge und die kommen dann ins mittlere Stadium. Also zu Anfang dieses Rauschen des Ozeans, Gewitterdonnern, danach wie Kesselpauken und Trommeln. Dann wird es etwas subtiler. Dann kommt eben der mittlere Zustand madhye und in diesem Zustand sind es wie  mardala, subtilere Trommeln. Weiter geht es zum śaṅkha. Es ist wie das Muschelhorn. Dann kommt es zu ghaṇṭā, also zu Glocken und schließlich zu einem besonderen Horn: kāhala-jāḥ. Das sind die Stadien, erst die lauteren und dann die subtileren, die höheren Klänge.

 

  1. Vers

Dort heißt es: Am Ende gleichen sie jenen von läutenden Glocken, von Klingeln von Flöten, der Vina und der Bienen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Klänge aus der Mitte des Körpers heraus vernommen. Also es kommt dann ante, das ist das letzte Stadium. Dort kommt kiṅkiṇī und das ist ein Glöckchen, also nicht mehr die große Glocke, sondern ein Glöckchen. Dann folgt dort auch wie eine Flöte vaṃśa. Vaṃśa ist die Rohrflöte, auch Venu genannt. Dann folgt vīṇā, ein subtiles Saiteninstrument oder bhramara und bhramara ist eine Biene. Das sind eben die Töne niḥsvanāḥ, die etwas subtiler sind und so iti entstehen verschiedene nānā Arten vidhāḥ von nādāḥ von Klängen. Diese werden gehört śrūyante in der Mitte madhya-gāḥ des Körpers deha.

 

  1. Vers

Sogar, wenn die lauten Klänge der Wolken und der Kesselpauken gehört werden, sollte man versuchen, seine Aufmerksamkeit auf die feineren Klänge zu richten. Das ist ein Prozess des Nada Yoga oder des Anhata Nada Dhyana – der Meditation auf den inneren Klang. Zuerst kommen die lauteren Klänge und dann richtet man die Aufmerksamkeit auf die feinen Klänge.

 

  1. Vers

Man sollte seine Aufmerksamkeit von den lauten auf die subtileren Klänge lenken, aber nicht auf andere Objekte. Immer wieder, wenn der Geist an etwas anderes denkt, bringt man zunächst die Konzentration auf die lauten Klänge und dann auf die subtileren Klänge.

 

  1. Vers

Der Geist fixiert sich selbst auf nāde, zu welchem er zuerst hingezogen wird, bis er eins wird mit diesem. Also es geht auf diesen inneren Klang. Der innere Klang nāde wird dazu führen, dass der Geist Freude empfindet und weil der Geist Freude empfindet, will er dort bleiben. So geht er schließlich zu vilīyate, er löst sich auf.

 

  1. Vers

Wie eine Biene sich beim Trinken des Honigs der Pflanzen sich nicht um den Duft kümmert, so kümmert sich der in nāde absorbierte Geist nicht um sinnesfreudige Objekte. Also indem der Geist ganz in diesem Klang aufgeht, kann er sich lösen von allem anderen.

 

  1. Vers

Der spitze, eiserne Stachel von nāde kann den Geist wirksam zügeln. Gleich einem Elefanten, der in dem angenehmen Garten der Sinnesobjekte wandelt. Angenommen, ein Elefant ist in einem Garten. Dann kann er letztlich durch die eisernen Stacheln des Mahut, des Elefantenreiters oder demjenigen, der sich um den Elefanten kümmert, unter Kontrolle gehalten werden. Du kennst dich jetzt nicht aus, wie in Indien Elefanten gezähmt werden und wie ein kleiner Mensch letztlich einen ganzen Elefanten beherrschen kann. Da gibt es einen sogenannten eisernen Stachel und mit diesen niśita aṅkuśah, eines der Instrumente, mit denen der Mahut einen Elefanten beherrschen kann. So ähnlich kann der ganze Geist beherrscht werden durch die Praxis des nāde, die Konzentration auf den inneren Klang. 

 

  1. Vers

Wird der Geist seiner unbeständigen Natur beraubt, mit dem Band von nāda gebunden, wird ein Zustand extrem hoher Konzentration erreicht und der Geist wird vollkommen ruhig, wie ein Vogel, der aufhört, seine Flügel zu bewegen. Hier wird gesagt, über den Weg der nāda wird der Geist absolut ruhig und hört auf, sich zu bewegen.

 

  1. Vers

Der Yogi, nach dem höchsten Yoga strebend, sollte alle Gedanken aufgeben und mit einem sorgfältig konzentrierten Geist Nada Yoga oder Nada Laya ausüben, also über die Kraft des inneren Klanges zu einer vollkommenen Ruhe kommen.

 

  1. Vers

Nada ist wie eine Falle, mit dem man einen Hirsch fängt. So wird der Geist gefangen. Mit Nada kann der Geist vollkommen ruhig gemacht werden, ähnlich wie eine Antilope gefangen wird.

 

  1. Vers

Nāda ist wie der Riegel eines Stalles, welcher das Pferd vom Herumwandern abhält. Ein Yogi sollte daher täglich die Konzentration auf nāda üben. Svatmarama gibt also jetzt einige Vergleiche. Ein Pferd ist normalerweise unruhig und ist schwer zu fangen. Wenn es im Stall ist, kann es aber in Ruhe gehalten werden. So ähnlich hilft nāda, dass der Geist vollkommen ruhig ist.

 

  1. Vers

Der Geist gewinnt die Eigenschaft von fest gemachten Quecksilber. Er ist ausgetrocknet, wenn er seiner Unbeständigkeit beraubt ist. Gemeinsam mit dem Schwefel des nāda durchstreift er dann den Akasha, den Brahman-Raum. Es gibt Quecksilber. Ich hatte das schon einmal in einem anderen Kommentar geschrieben. Quecksilber ist normalerweise bei Raumtemperatur flüssig und kann nicht festgehalten werden. Jetzt gibt es einen chemischen Prozess, der manchmal auch als alchemistischer Prozess bezeichnet wird. Dort nimmt man eben Schwefel und dieser Schwefel ist ausgetrocknet, also verbrannt. Der Schwefel wird mit diesem Quecksilber auf eine bestimmte Weise vermischt und dann wird Quecksilber fest. So ähnlich ist es auch mit dem Geist. So ähnlich, wie Quecksilber durch verbrannten Schwefel und andere Methoden fest wird, so ähnlich wird der Geist fest durch die Konzentration auf Anahata Nada und dann sollte man in Akasha aufgehen, in den inneren Raum und sollte auf diese Weise letztlich Brahman erfahren.

 

  1. Vers

Der Geist ist wie eine Giftschlange. Löst du aber alle Unbeständigkeit auf, indem du nur auf nāda hörst, schweift er nirgendwohin. Also der Geist ist im Normalfall wie eine Giftschlange. Er kann dich ständig vergiften. Er bringt dir alle möglichen Gedanken, Überlegungen und Erwartungen und du fühlst dich gekränkt und du bist sauer und alles Mögliche. Also aus dem Geist heraus kommt soviel Gift. Aber wenn du den Geist vollkommen ruhig machst, dann schweift er nirgendwo hin. Also schauen wir bei diesem Vers die Worte noch einmal genau an, denn hier gibt es auch unterschiedliche Übersetzungen:

śravaṇataḥ man hört nāda, den inneren Klang und dann vergisst der Geist sarvam alles andere und vergisst dann auch die innere Form antar-aṅga von wo bhujaṅgamaḥ die Schlange. So wird der Geist eka-agraḥ vollkommen konzentriert und läuft dhāvati kutra cid nirgendwo anders hin.

 

  1. Vers

Das Feuer, welches ein Stück Holz verbrennt, erlischt, sobald der Wald abgebrannt ist. So wird auch der auf Nada konzentrierte Geist in dieses absorbiert. Gut, also im Sanskrit-Vers steht nichts vom ganzen Wald. Da steht nur: Es gibt ein Feuer vahniḥ und das verbrennt pravartitaḥ an einem Holzscheit kāṣṭhe. Aber wenn dieser verlischt śāmyati, dann wird er zusammen mit dem Holzscheit vollkommen ruhig. Also das Feuer brennt dann am Holzscheit und wenn das Feuer letztlich das Holzscheit verbrannt hat, verschwindet auch das Feuer. So ähnlich, der Geist cittaṃ konzentriert sich auf nāde, den inneren Klang. Irgendwann löst sich nāde auf und dann wird auch der Geist vollkommen ruhig. Laya, er erreicht den Zustand von Ruhe oder hier heißt es:  līyate er löst sich auf, zusammen mit dem Klang.

 

  1. Vers

Wird antaḥ-karaṇa, das innere Instrument, der Geist, vollkommen ruhig stabdha angezogen sakta durch den inneren Klang nāda wie Glocken ghaṇṭā  usw. ādi, dann wird der Geist vollkommen ruhig, ähnlich wie die Antilope, die durch den Pfeil erlegt wird. Also er gebraucht jetzt zum Teil etwas eigenartige Symbole, aber er will uns letztlich auf verschiedene Art und Weise animieren: Konzentriere dich auf den inneren Klang! Der innere Klang kann helfen, den Geist vollkommen ruhig zu machen.

 

Und jetzt der 100. Vers

Ein etwas längerer Vers, bestehend aus 3 Teilversen.

anahatasya shabdasya dhvanir ya upalabhyate

dhvaner antar gatam jneyam jneyasyantar gatam manah

manas tatra layam yati tad vishnoh paramam padam

 

Hier sagt er: Die Erkenntnis ist völlig durchdrungen durch den inneren hörbaren Anahata-Ton. Der Geist ist völlig von Erkenntnis durchdrungen. Dort, wo der Platz des alles durchdringenden, allmächtigen Gottes ist, dort wird der Geist zur absoluten Ruhe gebracht. Also hier wieder, es geht darum:

Dhvaniḥ den Klang des anāhatasya des inneren nicht angeschlagenen śabdasya Tons zu hören. Wenn dieser wahrgenommen wird upalabhyate, dieser antar-gataṃ innere dhvaneḥ Ton, dann gilt es jñeyaṃ zu erkennen, was wirklich zu erkennen ist. Im Inneren, innerhalb des manas befindet sich nochmals manas. Aber diesen gilt es aufzulösen layaṃ. Und wenn das erlangt ist yāti, dann folgt der höchste Zustand paramaṃ padam. Das ist der Zustand von Vishnu. Mit anderen Worten: Dieser Zustand der Erleuchtung, dieser Zustand Gottes kommt, wenn der Geist Moksha erreicht.

Ja, das ist also die Praxis von Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang und jetzt kannst du dieses üben.

 

Theoretisch müsstest du jetzt erst die Ohren schließen mit den Daumen, aber dann hörst du nicht, wie ich es weiter ansage. So werde ich es jetzt ansagen und du könntest vielleicht mit den Daumen nur die Ohren berühren. Das hat auch schon eine gewisse Wirkung. Wenn du so teilweise den äußeren Klang ausschaltest, aber mich dennoch hörst, dann hörst du, wann immer ich schweige, den inneren Klang.

Setze dich also so hin, dass du die nächsten Minuten ruhig und entspannt sitzen kannst. Einen Moment, schließe die Augen. Atme ein paar Mal mit dem Bauch ein und aus. Jetzt nimm deine Daumen und berühre so deine Ohrknöpfe. Eventuell lege die anderen Finger ab. Während du mit deinen Fingern die Ohren sanft schließt, hörst du vielleicht einen inneren Klang.

Wenn du willst, kannst du jetzt auch 30 Sekunden lang die Ohren ganz schließen und so den inneren Klang hören. Nach etwa 30 Sekunden lasse wieder die Ohren etwas geöffnet, sodass du etwas hören kannst.

 

Gerade, wenn du die Ohren oder die Ohrknöpfe mit den Daumen ganz schließt, hörst du insbesondere laute Klänge. Du hörst Klänge, wie das Rauschen des Ozeans oder ein Donnern oder wie Trommeln. Vielleicht hast du das eben gehört.

Dann kannst du entweder wieder die Ohren schließen und 30 Sekunden die Ohren, also die Ohrknöpfe geschlossen halten und dich dann auf den inneren Klang konzentrieren, der etwas sanfter ist. Ein Klang wie eine Glocke oder ein Muschelhorn oder der Klang einer Muschel, die du an dein Ohr hältst. Vielleicht kennst du das: So eine Muschel an ein Ohr halten, gibt auch einen inneren Klang. Manchmal geht das auch, ohne die Ohrknöpfe zu schließen. Jetzt also entweder schließe wieder die Ohrknöpfe oder ohne die Ohrknöpfe. Versuche so, diesen mittleren Klang zu hören, der sich vielleicht anhört wie der Klang einer Muschel, die du an dein Ohr hältst oder wie eine sanfte Glocke.

Der nächste Schritt ist, Sukshma Klänge zu hören. Vielleicht hörst du einen hohen Klang, wie den Klang eines Glöckchens oder einen ganz subtileren sanften Ton im Inneren. Dort richte deine Aufmerksamkeit hin und ignoriere die Laute. So kannst du immer weiter voranschreiten, immer subtilere Klänge zu hören. Sei ganz fasziniert von diesen inneren Klängen und irgendwann wird dein Geist ganz ruhig. Du erreichst Laya, die absolute Stille, die jenseits aller Klänge ist.

Höre also jetzt den inneren Klang. Dein Geist ist ganz absorbiert in der Wahrnehmung des inneren Klanges.

Vielleicht hörst du noch subtileren Klang oder die Stille jenseits des Klanges. Verschmelze mit dem inneren Klang oder der inneren Stille.

 

Das war Anahata Nada Dhyana – die Meditation auf den inneren Klang. Eine der vielen Variationen, die Svatmarama im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika vorschlägt und vielleicht willst du sie ja auch ein paar Mal zu Hause üben. Nochmals die einzelnen Schritte:

Du nimmst deine Daumen und schließt mit den Daumen die Ohrknöpfe, indem du darauf drückst. Dabei entstehen dann Geräusche, wie zum Beispiel das Donnern oder Meeresrauschen oder auch wie ein lautes Trommeln. Konzentriere dich zunächst auf diesen lauten Klang, der entsteht und dann höre subtilere Klänge, wie die Klänge von lauteren Glocken oder wie mittel laute Trommeln und anschließend konzentriere dich auf noch subtilere Geräusche, wie eine Flöte oder eine hohe Glocke oder wie eine Vina oder wie ein hoher Klang. Manchmal geht das leichter, indem du erst feste draufdrückst. Beim festen Draufdrücken entstehen mehr lautere Klänge. Wenn du weniger fest draufdrückst, entstehen subtilere Klänge und wenn du die Hand abnimmst, entsteht dieser höchste Klang. Dann gehe immer tiefer in diese Klänge hinein, bis schließlich der Geist ganz ruhig wird und so erfährst du Freude, Ruhe des Geistes, kommst irgendwann zum vollständigen Beruhigen des Geistes: Laya, auch genannt Raja Yoga, auch genannt Sthira und so erfährst du höchste Bewusstseinsebenen.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Was ist Nada Anusandhana? Und wie übt man es? Und zu welchen Wirkungen führt das? Es geht hier weiter um den inneren Klang, es geht um Meditation über den inneren Klang. Und Svatmarama, der Autor der Hatha Yoga Pradipika erläutert welche Auswirkungen es hat.

Der 81. Vers lautet:

Große Yogis, die Samadhi durch Konzentration auf Nada ausüben, erfahren eine von ihrem Herzen aufsteigende Freude, die jede Beschreibung übertrifft und die nur der große Meister, der große Guru zu kennen vermag.

Also, Freude kommt im Herzen, das sagt er nämlich, es entsteht Ananda, große Glückseligkeit und diese große Glückseligkeit Vardhamana wächst in Hrid, im Herzen. Und diese Glückseligkeit kommt durch Samadhi, also die Versenkung auf Nada den inneren Klang. Oder das andere ist Anusandhana, die Konzentration, die Aufrichtung der Aufmerksamkeit auf Nada. Wenn diese Anusandhana auf den Klang sich vertieft, dann entsteht Samadhi, die Versenkung, die Tiefe der überbewussten Zustände. Und so wirst du zu Yogishvara, also Herr der Yogis. Und was bewirkt das? Das bewirkt die große Ananda, die Glückseligkeit im Herzen. Und das ist natürlich unzugänglich, jenseits von Vada, also der Sprache. Und diese große Glückseligkeit kennt insbesondere der Guru, der Meister. Dies ist also eine besondere Konzentration, eben auf den inneren Klang. Man könnte auch sagen, wie die Fortsetzung der vorherigen Verse, wo eben Svatmarama gesprochen hat über Anahata Nada Dhyana.

 

Meditation auf den inneren Klang. Und du kannst das jetzt auch üben, du kannst jetzt einen Moment lang Nada Anusandhana üben und schauen, ob dich das vielleicht zur Freude, Ananada in deinem Herzen führt.

Sitze ruhig und gerade. Atme ein paarmal tief mit dem Bauch ein und aus. Konzentriere dich jetzt auf dein Herz Chakra, in der Mitte der Brust. Wenn du willst, schaue dabei auch mit den Augen nach unten Richtung Herz bzw. Richtung Nasenspitze. Reduziere die Menge an Luft, die du ein und ausatmest, Kevala Kumbhaka. Wenn du willst, kombiniere das mit Khechari Mudra, gib die Zungenspitze nach hinten Richtung Kehle und ziehe dann die Zungenspitze Richtung Kehle nach unten. Lächle dabei. Konzentriere dich auf dein Herz Chakra, Hrid Chakra. Vielleicht hörst du jetzt einen inneren Klang. Sei es auf dem rechten Ohr oder auf dem linken Ohr oder auf beiden. Konzentriere dich jetzt gleichzeitig auf den Klang und das Herz. So spürst du Freude, Ananda in deinem Herzen. Verschmelze ganz mit dieser inneren Freude. Genieße diese Freude, werde zu dieser Freude.

„STILLE“

OM OM OM

 

Das war Nada Anusandhana Dhyana. Die Konzentration auf den inneren Klang in Verbindung mit Konzentration auf Ananda, Freude im Herzen. Im Herz Chakra, Hrid Chakra.

Eine einfache Meditation. Hier rät also Svatmarama, sich auf das Herz zu konzentrieren, hier ist die Freude. Im vorherigen Vers hat er empfohlen, sich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren. Und du kannst diese Hrid Chakra Meditation auch verbinden mit einem Mantra oder verbinden mit einer Visualisierung. Oder du kannst es eben auch so machen wie Svatmarama es empfiehlt, Konzentration im Herzen, dann konzentriere dich auf den Klang der entsteht, dann konzentriere dich auf die Freude, die du im Herzen verspürst. Verschmelze mit dieser Freude, so kommst du in Samadhi und Unmani in den Zustand von unbeschreiblicher Freude. Probiere es aus.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Bhru Dhyana – Die Meditation auf den Punkt zwischen den Augenbrauen.

Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika, 4. Kapitel, 80. Vers und hier geht es um Bhru Dhyana. Dhyana heißt Meditation, Bhru ist der Punkt zwischen den Augenbrauen. Svatmarama beschreibt im 4. Kapitel verschiedene Meditationstechniken und Bhru Dhyana ist eine der Techniken, die er besonders wertschätzt.

 

  1. Vers; 4. Kapitel – Hatha Yoga Pradipika

unmany avaptaye shighram bhru dhayanam mama sanmatam

raja yoga padam praptum sukhopayo’lpa chetasam

sadyah pratyaya sandhayi jayate nadajo layah

 

Deutsche Übersetzung – 80. Vers; 4. Kapitel:

Ich halte die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen für den besten Weg. Unmani Avastha – das Überbewusstsein, den höchsten Bewusstseinszustand – innerhalb kurzer Zeit zu erreichen. Sogar für schwache Geister ist dies ein leichter Weg, um zu Raja-Yoga, zur Kontrolle des Geistes zu gelangen. Der aus Nada hervorgehende Laya-Zustand bringt unmittelbare Erfahrung.

Schauen wir die Sanskrit-Wörter dieses Verses an:

 

Also um zu erreichen avāptaye, unmanī also diesen Zustand jenseits des Geistes, und zwar auf schnelle Weise śīghraṃ ist nach der geschätzten Meinung von mir, also von Svatmarama mama, also von Svatmarama, hochgeschätzt Sammata. Ist was besonders hochgeschätzt? Bhrū dhyānaṃ . Bhrū heißt der Punkt zwischen den Augenbrauen. Bhrū ist eigentlich Augenbrauen, aber wenn von Bhrū gesprochen wird, ist es das Zentrum zwischen den Augenbrauen, auch Trikuti genannt und wozu führt dieser. Er führt auf sukha, auf leichte Weise, und zwar ist es ein Mittel upāyaḥ, um den Zustand des rāja-yoga zu erreichen. Raja-Yoga heißt ja hier immer, die königliche Vereinigung und es ist einfach sukha und angenehm und es ist sogar geeignet für alpa cetasām, also diejenigen, die keine gute Fähigkeit des Geistes haben. Und es führt sadyaḥ sofort zu pratyaya zu einer unmittelbaren Erfahrung und sandhāyī verbindet zügig zum höchsten Selbst jāyate und so entsteht nāda-jaḥ layaḥ, der Zustand der Auflösung, der geboren ist aus nāda-jaḥ. Nāda-jaḥ ist der innere Klang.

 

Ja und so kannst du dich konzentrieren auf den Punkt zwischen den Augenbrauen und danach konzentrierst du dich auf den inneren Klang und danach kommt die innere Auflösung. Du kannst das jetzt auch ausprobieren.

Sitze ruhig und gerade. Schließe einen Moment lang die Augen. Atme ein paar Mal tief ein und aus. Jetzt konzentriere dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Du kannst dabei entweder nur die Aufmerksamkeit hinbringen oder du kannst auch mit den Augen nach oben schauen, hoch zum Punkt zwischen den Augenbrauen. Lächle dabei nach oben zum Punkt zwischen den Augenbrauen, vielleicht übe auch Khechari Mudra, gib die Zunge nach hinten. Übe Kevala Kumbhaka, atme sanft ein und aus. Vielleicht spürst du jetzt ein sanftes Pulsieren im Punkt zwischen Augenbrauen, vielleicht siehst du dort ein Licht und während du weiter sanft ein und ausatmest, Zunge nach hinten gibst, die Konzentration zum Punkt zwischen Augenbrauen gibst, werde dir bewusst, ob du einen inneren Klang spürst. Höre diesen inneren Klang, gleichzeitig Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen und den inneren Klang. Lass dich ganz absorbieren in diesen inneren Klang. Und hinter diesen inneren Klang ist die reine Stille. Layah – Sei absorbiert in der inneren Stille. Höre die Stille, spüre die Stille, siehe, rieche, schmecke diese Stille, werde zu dieser Stille, ein paar Minuten lang.

OM OM OM

 

Das war Bhru Dhyana, die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Eine der Konzentrationsformen, eine der Meditationsformen, die Svatmarama in der Hatha Yoga Pradipika erwähnt. Viele der Meditationstechniken, die bei Yoga Vidya beliebt sind und die Swami V. gelehrt hat, stammen aus der Hatha Yoga Pradipika. Svatmarama empfiehlt zum einen die Konzentration auf das Herz. Er empfiehlt die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, er empfiehlt die Konzentration auf den inneren Klang, die Konzentration auf die Leere. Er empfiehlt die Konzentration auf Ka, die Unendlichkeit, die Ewigkeit und er empfiehlt auch die Konzentration auf layah, die innere Auflösung. So gibt es verschiedene Meditationstechniken und gerade Bhru Dhyana, die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen ist für viele Menschen ein einfacher Weg, den Geist zur Ruhe zu bringen und Zugang zu Intuition zu bekommen.

 

Du kannst natürlich Bhru Dhyana, die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen auch verbinden mit Trataka, also das Konzentrieren auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, indem du mit den Augen dorthin schaust. Du kannst aber auch Bhru Dhyana üben bei entspannten Augen und du kannst auch Bhru Dhyana verbinden mit der Wiederholung eines Mantras, wie z.B. OM oder OM namah shivaya.

Konzentriere dich auf das Licht, dass du siehst, wenn du dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrierst oder auf das sanfte Pulsieren und du kannst dir auch Verschiedenes visualisieren im Punkt zwischen den Augenbrauen. Es gibt also verschiedene Methoden, wie du Bhru Dhyana üben kannst. Die einfachste ist, so wie es Svatmarama beschreibt. Es ist letztlich eine Form der Achtsamkeitsmeditation, in Verbindung mit Achtsamkeitslenkung. Du konzentrierst dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen: Bhru. Dann spürst du, was du dort fühlen oder sehen kannst. Dann wirst du dir bewusst, ob du einen inneren Klang hören kannst: Anahata Nada. Konzentriere dich auf diesen inneren Klang und du ermöglichst es, dem inneren Klang, den Geist in die Ruhe zu führen, letztlich in die Auflösung: Laya. Und in dieser inneren Auflösung kommst du zu Unmani: zum Zustand des Geistes, jenseits des Geistes oder letztlich zum Bewusstsein ohne Geist, und dies kann dich letztlich in Samadhi, ins Überbewusstsein führen.

Probiere es aus, experimentiere mit verschiedenen Formen von Bhru Dhyana, verschiedenen Meditationen auf den Punkt zwischen den Augenbrauen und schreibe vielleicht in den Kommentaren, welche dieser Techniken dir am besten tut und mit welchen du die besten Erfahrungen machst.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

YVS491 Nishpatti Avastha - HYP IV 76-79

Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika ab dem 76. Vers, Hatha Yoga Pradipika 4. Kapitel

 

Eine kleine Wiederholung: Svatmarama hat gesagt in jeder Yoga Praxis gibt es vier verschiedene Stadien, es gibt Arambha Avastha, Vorbereitungsstadium wo man sich mit der Praxis etwas vertraut macht. Ghata Avastha, der Zustand wo man offen ist und wo man die Praxis beginnt zu üben und wo man sich anfüllt mit der Wirkung der Praxis. Das dritte ist Parichaya, wo man angefüllt ist und die kumulierte Wirkung spürt, wo man merkt, was die Praxis alles bewirkt, wo man eine Vertrautheit hat. Die vierte wäre dann Nishpatti, letztendlich die Vollkommenheit, man hat es erreicht, man geht über die Praxis hinaus in einen transzendenten Zustand.

Und Svatmarama, nachdem er im 69. Vers diese Avastha beschrieben hat, sagt, in allen Praktiken gibt es diese. Dann beschreibt die vier Stadien der Anahata Nada Meditation, also die Konzentration auf den inneren Klang. Und ich hatte bei dem Kommentar dieser Verse gesagt, Svatmarama interpretiert diese gleich sehr tief. Es ist letztlich eine tiefe Praxis. Und so beschreibt er jetzt den höchsten Zustand Nishpatti Avastha. Ich will den 76. Vers zunächst lesen, dann auf einige Sanskrit Begriffe eingehen, letztlich ist Vers 76. bis 79. zum Nishpatti Avastha.

 

Das Prana, das Rudra Granthi im Ajna Chakra bezwungen hat, fließt zum Sitz von Ishwara. Dann setzt das vierte Stadium Nishpatti ein, indem Flöten und Klänge der Vina gehört werden.

Schauen wir mal, was im Sanskrit steht: Artha Nishpatti Avastha. Rudra Granthi, also der Rudra Knoten, Granthis sind die Knoten und Rudra Granthi ist letztlich oberhalb vom Ajna Chakra. Im vorigen Avastha nämlich im Parichaya Avastha ist die Konzentration beim Ajna Chakra. Und jetzt gilt es von dieser Konzentration zur Sahasrara Chakra Konzentration zu kommen. Und so muss also Rudra Granthi durchstoßen werden, dann kommt man zum Sitz von Shiva oder auch Ishwara, Gott. Also es gilt Rudra Granthi zu öffnen, dann kommen wir zum Sahasrara Chakra. Sahasrara Chakra ist Sitz von Shiva und dann geschieht es, dass das Prana nach oben kommt. So erreichen wir Nishpatti den Zustand der Vollendung. Und dort hört man den Klang einer Flöte oder auch Venu. Venawa die Flöte, Venu die Kurzform davon. Und man erhört auch den Klang einer tönenden Vina.

Also diese höchste Stufe Nishpatti Avastha heißt, man zieht die Energie durch die Sushumna bis zum Sahasrara Chakra, von dort hört man zuerst den Klang einer Vina, wenn du sie nicht kennst, kannst du sie im Internet suchen. Einfach Vina eingeben, dort wird es Videos und Audios geben, wo du sie hörst oder auch eine Flöte, und zwar eine Bambusflöte, was ja die indische Flöte ist.

 

  1. Vers:

Wird der Geist eins mit dem Objekt der Konzentration, wird dies Raja Yoga genannt. Der Yoga Meister der Schöpfung und Zerstörung wird ebenbürtig mit Ishwara.

 

  1. Vers:

Mukti oder nicht, hier besteht ununterbrochene Glückseligkeit, die Wonne, die aus Laya entsteht, kann nur durch das Üben von Raja Yoga erlangt werden.

Also schauen wir uns nochmal den 77. Vers an. Letztlich ist das ja die Folge von Nishpatti Avastha, zunächst kommen die Klänge von Vina oder der Flöte, aus diesem Klang entsteht dann die Einheit von Chitta und Atman, d. h. der Geist erreicht die Einheit. D. h. Chitta, der Geist vereinigt sich. Das ist dann Raja Yoga, die königliche Einheit und in dieser königlichen Einheit kommt man übers Rechte hinaus, Schöpfung und Samhara, Auflösung und dadurch wird der Yogi vergleichbar mit Ishwara und damit zu Gott selbst. Er geht nämlich über Schöpfung und Zerstörung hinaus.

Und im 78. Vers wird unaufhörliche Freude erreicht, also es kommt unaufhörliche Freude. Das heißt jetzt auch, man mag das erst mal Mukti, Befreiung nennen oder auch nicht. Es gibt immer wieder Leute die argumentieren, die sagen Verzückungszustände, Glückszustände, das ist noch nicht Mukti. Es gilt darüber hinauszukommen. Also er sagt egal, ob das jetzt Mukti ist oder nicht, in jedem Fall ist hier jetzt schon ununterbrochene Freude und Glückseligkeit. Und hier gibt es Laya, die Absorption des Geistes und jetzt sagt er, das ist der Ursprung davon und hier entsteht ein wonnevoller Zustand und der ist dann Raja Yoga, die königliche Einheit.

 

Und 79. Vers:

Jener der von Raja Yoga nichts wissen will und nur Hatha Yoga üben will, vergeudet nach meiner Ansicht seine Tatkraft vergebens. Also er sagt, es gilt den königlichen Yoga zu üben und nicht einfach nur Hatha Yoga Praktiken zu üben. Aber natürlich könnte man es auch interpretieren, wer nur die Übungen praktiziert ohne jemals zu dieser königlichen Einheit zu kommen, der hat noch nicht den Erfolg seiner Bemühungen erlangt. Und hier warnt er uns auch.

Es reicht nicht aus, nur Asanas und Pranayama Mudras zu üben, es gilt mit der Intensität zu üben und der Sehnsucht zu Einheit zu kommen. Und nicht den Geist wandern lassen. Nicht während der Hatha Yoga Praxis den Tag zu verplanen und nachzudenken, was gewesen ist. Das ist nicht Raja Yoga, da hat man zwar Übungen, die mögen auch gesund sein, aber wir wollen zur königlichen Einheit kommen. Wir wollen letztlich zu Nishpatti kommen, zum inneren Zustand der Ruhe.

 

So will ich jetzt dich gleich anleiten zu einer kurzen Meditation, Nishpatti Avastha Anahata Nada Meditation.

Setze dich also ruhig und gerade hin. Schließe die Augen, atme ein paarmal tief ein und aus. Ziehe jetzt beim Einatmen Energie hoch durch die Sushumna zum Ajna Chakra. Ein Moment halte die Luft an im Ajna Chakra mit Mula Bandha und bringe die Zungenspitze ans Gaumendach. Ausatmen und Konzentration auf Sahasrara Chakra und Raum darüber. Wieder einatmen, ziehe die Energie vom Ajna Chakra zum Muladhara Chakra, kurz die Luft anhalten mit Mula Bandha und Nabho Mudra. Und ausatmen schicke die Energie hoch zum Sahasrara Chakra. Einatmen durch Sushumna zum Ajna, anhalten im Ajna mit Mula Bandha und Nabu Mudra, ausatmen Bewusstheit hoch zum Sahasrara Chakra. Kurz die Luft anhalten, Sahasrara Chakra. Jetzt atme ganz sanft aus Kevala Kumbhaka, halte die Konzentration im Sahasrara Chakra und Raum darüber. Vielleicht siehst du ein Licht oberhalb des Kopfes, ein göttliches Licht, vielleicht hörst du einen inneren Klang. Vielleicht hörst du den Klang, eine Vina oder den Klang einer indischen Bambusflöte. Oder einfach nur einen hohen Klang. Lass dich ganz absorbieren in diesem inneren Klang. Sei dir bewusst, in diesem Klang und diesem Licht oberhalb des Scheitels ist göttliche Wonne erfahrbar, göttliche Gegenwart. Einheit, Verbindung und Unendlichkeit. Königliche Vereinigung, Raja Yoga.

„STILLE“

OM OM OM

 

Und nochmal der Hinweis, du findest die gesamte Hatha Yoga Pradipika auch mit Sanskrit Text sowohl mit Devanagari als auch mit Umschrift, Wort für Wort und Übersetzungen mit Erläuterungen von Swami V., Swami Brahmananda und mir in verschiedenen Versionen. Du findest all das auf schriften.yoga-vidya.de.

 

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

YVS490 Parichaya Avastha - HYP IV 74-75

Vers 74

Svatmarama spricht über Parichaya Avastha, die 3. Stufe der Praxis von Anahata Nada Yoga, also der Praxis des inneren Klanges.

Die 4 Stufen des Anahata Nada Yoga

  • Stufe 1: Arambha Avastha, die Vorbereitung, bei der man sich vertraut macht
  • Stufe 2: Gatha Avastha, man ist offen, bereit zu lernen, übt besonders achtsam, man füllt sich an wie einen Topf
  • Stufe 3: Parichaya Avastha, man spürt die angefüllte Wirkung, man praktiziert regelmäßig, man ist vertraut
  • Stufe 4: Nishpatti Avastha, Zustand der Transzendenz und der Vollkommenheit

Theoretisch sind die 4 Stufen für alle Yogapraktiken gedacht, aber Svatmarama interpretiert schon die erste Stufe als ziemlich hoch, gerade wenn es um die Anahata Nada Meditation geht.

 

Wie sieht die 3. Stufe von Anahata Nada aus?

Svatmarama sagt, im 3. Stadium, Parichaya Avastha, wird ein Klang wie von einer Trommel (Mardala) im Akasha, das zwischen den Augenbrauen liegt, wahrgenommen. Vayu, das Prana, fließt zu Mahashunya, welches der Sitz aller Siddhis (außergewöhnliche Kräfte) ist.

 

Erläuterung anhand des Sanskrit-Textes

Atha (es folgt) Parichaya Avastha – der innere Zustand des Anfüllens. Dieser ist Tritiya, also der 3. Zustand. Und hier Vijneya (erfährt man) etwas, und zwar Vihayas – im Raum. Damit gemeint ist laut dem Kommentator Brahmananda der Raum zwischen den Augenbrauen. Das ergibt Sinn, denn im 1. Zustand Arambha Avastha war die Konzentration im Herzen, im 2. Zustand Gatha Avastha im Vishudda Chakra. Logischerweise geht die Konzentration nun also zum Raum entweder zwischen den Augenbrauen oder in der Mitte des Kopfes. Du kannst dich sowohl auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrieren, als auch Mitte der Stirn oder Mitte des Kopfes. Und dort hörst du dann Mardala Dhvani, den Klang einer Trommel.

Im vorigen Vers sprach Svatmarama von einer Bheri (Kesselpauke) und einem Gedröhn, nun ist es eine Mardala. Es wäre gut, sich den Klang der beiden Instrumente einmal anzuhören (z. B. im Internet). Dies führt in Mahashunya – die große Leere. Dort ist Samashraya – die Wohnstätte von Sarva Siddhi – allen außergewöhnlichen Kräften. Das 3. Stadium der Anahata Nada Meditation ist also die Konzentration auf das 3. Auge bzw. Mitte des Kopfes, und dort Konzentration auf den inneren Klang. Dieser innere Klang kann dann so sein wie der Klang einer Mardala.

Viele Menschen hören dies auch wie ein lautes (rhythmisches) Om. Der Klang wird so groß, dass keine anderen Gedanken mehr da sind. Das führt dann zu Shunya – der Leere, in der nichts mehr da ist außer diesem unendlichen Klang. Und dieser unendliche Klang führt dann zu Siddhi – zur Vollkommenheit.

 

Vers 75:

„Sind schließlich alle Schwierigkeiten überwunden, dann zeigen sich unmittelbar die Freuden des Geistes als reine Verzückung. Und diese ist ohne Sünde, ohne Qual, ohne Alter, Krankheit, Hunger und Schlaf.“

 

Erläuterung anhand des Sanskrit-Textes

Tada (dann) folgt Ananda – große Freude im Chitta – Geist. Und so erreicht der Yogi Sahajananda – höchste Glückseligkeit.

Es gibt auch noch eine andere Interpretation, die Swami V. folgt: Ist das Glück des Geistes überwunden, dann folgt das Glück des Atman, also chittananda jitva. Ist die Freude des Geistes überwunden, dann folgt Sahajananda, dann folgt die natürliche, die eigentliche Glückseligkeit.

Der Geist hat auch einiges an Freuden, die wir manchmal als Gegenteil sehen: Ananda – die Freude des Selbst, und Sukha – das Vergnügen. Aber an anderer Stelle haben wir gesehen, dass die Trennung dieser beiden Worte nicht so eindeutig ist. Svatmarama hat an anderer Stelle auch Sukha gleichbedeutend mit der Freude des Selbst übersetzt bzw. verwendet. Hier gibt es Chitta Ananda, das ist die Freude des Geistes, und es gibt stattdessen Sahajananda – die tiefste Glückseligkeit. Was auch bedeutet, dass es manchmal kleine Freuden gibt, mit denen man sich identifiziert, auch in der Yogapraxis. Wenn man diese Identifikation verliert, kommt man in die eigentliche Freude Sahajananda. Die Chittananda ist Ananda (die Freude) von Chitta (des Geistes) (nicht zu verwechseln mit Chidananda – die Glückseligkeit des reinen Bewusstseins). Man könnte auch sagen, die Freude, die im Geist reflektiert ist. Es ist die reflektierte und damit die bedingte Freude. Die Freude, die du z. B. empfindest, wenn dich jemand lobt, ist eine bedingte Freude. Wenn dich jemand kritisiert, ist sie wieder weg. Oder die Freude, die du empfindest, wenn du etwas Gutes isst, ist Chittananda, die reflektierte Freude im Geist. Sie hört auf, sobald du ein versalzenes Gericht isst. Oder auch, wenn du von dem guten Essen zu viel isst, sodass du dich später voll fühlst und Verdauungsprobleme bekommst.

Aber Sahajananda, die höchste Freude, ist nicht mehr bedingt. In diesem Glückszustand bist du frei von Dosha (allen Fehlern und Störungen). Vom Ayurveda her würde man auch sagen frei von Dosha Duhkha, von allen Leiden, die entstehen durch gestörte Doshas. Du bist auch befreit von Jara  (Alter), von Vyadhi (Krankheit), von Kshudha (Hunger und Gier) und von Nidra (Schlaf, Schläfrigkeit und Müdigkeit).

Es gilt also, den glückseligen Zustand zu erreichen, der über die Vergnügen des Geistes kommt. Und diesen erreichst du in der 3. Stufe Parichaya Avastha.

 

Anleitung zur Parichaya Avastha Anahata Nada Meditation

Auch wenn du noch nicht bereit bist, vollständig in Samadhi zu kommen, ist dies eine Übung, die dir helfen kann, nicht bedingte Freude zu erfahren.

Rezitation Vers 75:         „chittanandam tada jitva sahajananda sambhavah |

dosha duhkha jara vyadhi kshudha nidra vivarjitah“

 

Sitze ruhig und gerade. Atme ein paar Mal tief ein und aus.

Beim Einatmen stelle dir vor, du atmest Prana über Ida und Pingala zum Muladhara Chakra.

Halte die Luft an mit Mula Bandha.

Beim Ausatmen schicke das Prana und die Shakti durch die Sushumna zum Ajna Chakra.

Halte kurz die Lungen leer und spüre Ajna.

Atme nun sanft ein und aus.

Spüre das Ajna Chakra, entweder den Punkt zwischen den Augenbrauen/ Mitte der Stirn oder den Raum in der Mitte des Kopfes.

Shunya – die Leere.

Höre dort den Klang einer Trommel oder ein ständig sich wiederholendes Om.

Höre den inneren Klang.

Richte die Aufmerksamkeit auf den unendlichen Raum im Ajna Chakra.

Genieße Sahajananda, die natürliche Glückseligkeit.

(Stille)

Om Om Om

 

Diese Meditation kannst du auch als Einleitung für deine normale Meditation benutzen. Oder als zusätzliche Meditation, z. B. am Ende vom Pranayama oder am Ende deiner Yogapraxis.

Oder du nutzt sie als zusätzliche tägliche Meditation zu deiner normalen 20 bis 30 minütigen Meditation. Sie kann dir helfen, eine besondere Stille und eine besondere Freude zu erfahren.

Ich wünsche dir Sahajananda, die natürliche innewohnende Freudenerfahrung.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

YVS489 - Ghata Avastha - HYP IV 72-73

Ghata Avastha ist der zweite Schritt der Yoga Praxis. Die vier Schritte der Yoga Praxis sind ja Arambha Avastha, Vorbereitung. Dann Ghata Avastha, die Erfüllung, das Üben, die Aufnahmebereitschaft. Dann Parichaya Avastha, also das Füllen, die Vervollkommnung der Praxis, man übt regelmäßig, erfährt die kumulierte Wirkung. Schließlich Nishpatti Avastha, jenseits aller Grenzen, die Vollkommenheit.

 

Svatmarama bezieht jetzt dieses Konzept der vier Avasthas auf die Anahata Nada Meditation, die er hier allerdings in sehr fortgeschrittener Form beschreibt. Schon im ersten Stadium, also in Arambha Avastha wird Brahma Granthi durchstoßen. Der Yogi erfährt große Freude im Herzen und er hat ein Strahlen und Leuchten. Und so können wir uns bewusst sein, das sind schon fortgeschrittene Wirkungen, aber wir können es natürlich auch auf sanfte Weise üben, auch wenn wir nicht diese fortgeschrittenen Wirkungen haben.

 

Aber lasst uns jetzt hören, was Svatmarama dort sagt. Im zweiten Stadium Ghata Avastha wird das Prana eins mit Nada und gelangt in das mittlere Chakra. Der Yogi wird dann in der Asana fest, sein Geist wird geschärft und er wird ebenbürtig mit den Devas. Also im zweiten Stadium schon sehr weit. Schauen wir noch einmal, was im Sanskrit steht: Artha Ghata Avastha, der Topf Zustand, der zweite Zustand, ist Dvaita also Zweiter. Hier gilt, dass Vayu vereinigt ist mit Apana. Also Prana und Apana werden vereinigt. Diese kommen dann in Madhya, in den Mittleren, manchmal wird gesagt Chakra, das wird manchmal gesagt, dass das die mittlere Nadi ist, also Sushumna Nadi. Also Prana und Apana gehen in die Sushumna und von dort steigen sie nach oben. Und dann hört man diesen inneren Klang. Im ersten Stadium also in Arambha Avastha dort ist ja schon das Prana hochgestiegen, wenn dieses Prana hochsteigt, dann geht es immer weiter nach oben, das ist die Vorbereitung für Ghata Avastha. Die Asana wird also sehr fest, also die Körperstellung wird fest und bewegungslos. Der Yogi wird Jnani, zum Weisen. Er wird Sama gleich den Devas, den Göttern. Man könnte es auch übersetzen, er erlangt göttliche Weisheit. Das ist jetzt eigentlich ähnlich wie Arambha Avastha nur, dass es tiefer geht. Es ist nicht nur wie bei Arambha Avastha, dass es nur Freude ist, sondern es entsteht auch Weisheit.

 

  1. Vers:

Auf diese Weise wird Vishnu Granthi durchstoßen. Dies ist ein Zeichen, dass allerhöchste Glückseligkeit folgen wird, das ist der Name für den Raum, der in der Kehle ist. Es wird ein Gemisch von verschiedenen Tönen, ähnlich dem Klang einer Kesselpauke vernommen.

Also jetzt schauen wir nochmal was im Sanskrit steht: Vishnu Granthi wird durchstoßen. Und so gibt es ein Anzeichen Sushaka, das Paramananda, höchste Glückseligkeit erfahren wird. Es wird erfahren in der außerordentlichen Leere, insbesondere in der Kehle und dort hört man wie ein Stampfen und Gedröhne wie bei Kesselpauken, dieser Klang entsteht dort.

Das ist also Gatha Avastha und wenn du magst, kannst du das gleich als Übung mitmachen. Ich werde gleich die Übung ansagen und danach kannst du sie mitmachen, du kannst entweder ein paar Minuten mitmachen oder dann einfach in die Stille gehen. 

 

Sitze also ruhig und gerade, atme ein paarmal tief ein und aus. Beim Einatmen ziehe die Energie gleichzeitig von Ida und Pingala zum Muladhara Chakra. Halte kurz die Luft an mit Mula Bandha, spüre Muladhara Chakra. Beim Ausatmen schicke die Energie durch die Sushumna bis zum Vishuddha Chakra in der Kehle. Dann atme wieder ein durch Ida und Pingala zum Muladhara Chakra, halte kurz die Luft an, übe Mula Bandha, atme aus, schicke Bewusstheit, Prana und Shakti durch die Sushumna hoch zum Vishuddha Chakra. Halte kurz die Luft an, spüre Vishuddha Chakra. Wiederum atme ein durch Ida und Pingala zum Muladhara Chakra, halte die Luft an mit Mula Bandha, ausatmen schicke die Energie durch Sushumna bis Vishuddha Chakra, halte die Luft an, Halswirbelsäule und Kehle. Halte jetzt die Konzentration in Vishuddha Chakra, Halswirbelsäule und Kehle, lasse das Atmen sanft werden Kevala Kumbhaka. Höre den inneren Klang und im inneren Raum der Kehle. Vielleicht hörst du ein lautes Gedröhne, vielleicht hörst du den Klang wie Pauken, wie Kesselpauken oder Trommeln. Vielleicht auch nur einfach einen hohen Klang. Wenn aber möglich absorbiere dich in den lauten Klang, das laute Gedröhne in Klang von Pauken und Trommeln. Und lass diesen lauten Klang dich in Paramananda führen. Große Freude, große Ausdehnung, Freude, Unendlichkeit, Ewigkeit.

„STILLE“

OM OM OM

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Arambha Avastha ist das erste Stadium jeder Yoga Praxis. Das ist das erste Stadium insbesondere in der Anahata Nada Praxis. Darüber schreibt Svatmarama im 70. und 71. Vers des 4. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika.

Im ersten Zustand Arambha Avastha, wenn Brahma Granthi (Knoten) durchstoßen wird, werden die durch im Herzen aufsteigenden verschiedenen lieblichen Töne im Anahata Chakra, welches sich in der Mitte des Körpers befindet, wahrgenommen. Also jetzt schauen wir nochmal was im Sanskrit steht: Artha Arambha Avastha – jetzt wird der erste Zustand der Anfangszustand beschrieben, Arambha heißt ja Anfangszustand. Und dieser erfolgt, wenn Brahma Granthi, der Brahma Knoten durchstoßen wird.

Brahma Granthi ist der Knoten oberhalb vom Muladhara Chakra. Es gibt verschiedene Aussagen. Svatmarama in seinem Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika sagt, sogar Brahma Granthi befindet sich im Herz Chakra. Es gibt unterschiedliche Aussagen, letztlich die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule ist voller Knoten, voller Unreinheiten. Dort kann man mehrere herausgreifen, man könnte auch sagen, oberhalb von jedem Chakra befindet sich ein neuer Granthi und manche dieser Granthis werden als Brahma, Vishnu und Shiva Granthi bezeichnet. Und unterschiedliche Hatha Yoga Schriften lokalisieren dann Brahma, Vishnu und Shiva Granthi an unterschiedlichen Regionen. Auch Svatmarama selbst spricht in der Hatha Yoga Pradipika an verschiedenen Stellen über die Granthis. Brahma Granthi wird an einer anderen Stelle oberhalb von Muladhara Chakra bezeichnet, eben erst, wenn Brahma Granthi z. B. durch Bhastrika geöffnet ist, kann Kundalini erwachen und in die Sushumna eintreten. Es ist, nicht, dass es sich widerspricht, sondern welche der Granthis, Knoten und Unreinheiten über den Chakras als Brahma, Vishnu und Shiva Granthi bezeichnet wird, gibt es unterschiedliche Nomenklaturen. Es gibt es ja auch, dass manchmal die gleiche Übung verschiedene Namen hat und manchmal der gleiche Name verschiedene Übungen bezeichnet. Swami V. hat es uns gerne erläutert, Brahma Granthi ist oberhalb vom Muladhara Chakra und steht für die Schwierigkeit von der materialistischen, äußeren Welt herauszukommen und in einen subtileren Bewusstseinszustand zu kommen.

 

Dann gibt es als zweites Vishnu Granthi oberhalb des Anahata Chakras und dieses Vishnu Granthi steht für die Schwierigkeit einer letztlich ichbezogenen Wahrnehmung, die in Zeit und Raum ist, zu einer subtileren Wahrnehmung zu kommen. Man könnte sagen, in die Kausalebene. Und schließlich gibt es Rudra Granthi oberhalb des Ajna Chakras und Rudra Granthi steht für die Schwierigkeit aus einer dualistischen Wahrnehmung von transzendenter Wonne zur nicht dualistischen Erfahrung der Unendlichkeit zu kommen. So könnte man auch hier sagen, Brahma Granthi wird durchstoßen, dadurch wird Muladhara Chakra geöffnet, auch Swadhisthana und Manipura, und dann öffnet sich Anahata Chakra. So entsteht Ananda große Glückseligkeit. Man hört dort ein Geklingel wie von Glöckchen. Diesen inneren Anahata Devani Klang hört man, also Anahata Devani wird gehört, wenn Brahma Granthi durchstoßen ist, dann erfährt man Ananda und Freude. Und diese Freude spürt man dann in der Mitte des Körpers.

 

Das erste Stadium Anahata Nada Technik ist schon relativ viel. Du kannst dir das so vorstellen, wenn du das in der Praxis machst. In den vorherigen Versen wurde zum einen erklärt Shambhavi Mudra mit Anahata Nada Meditation zu verbinden und er hat auch Shanmukhi Mudra verbunden mit Anahatha Nada Konzentration. Der erste Schritt wäre, du öffnest Brahma Granthi, du ziehst das Prana bewusst in die Sushumna und dann hörst du einen sanften Klang wie von Glöckchen, Geklingel von sanften Glöckchen.

 

  1. Vers.

Sobald die Klänge wahrgenommen werden, ist der Yoga, welcher einen strahlenden Körper besitzt und süßen Atem ausströmt, frei von sämtlichem Leid und sein Herz ist erfüllt, sein Inneres wird frei. Also schon dieser erste Arambha Avastha ist hier schon etwas recht Hohes. In diesem Arambha Avastha, inneres Klingeln, Prana hat Brahma Granthi durchströmt, große Freude ist da. Es strahlt und leuchtet, wer aus dieser Meditation kommt, ist strahlend und leuchtend und strömt sogar einen angenehmen Atem aus. Herz ist voller Freude, ist erfüllt, Sampurna ist erfüllt und so ist dieser Klang in der Leere zu hören.

Wenn du willst, kannst du das jetzt kurz üben, ich gebe eine kurze Anleitung und danach kannst du für einen Moment in die Stille gehen. Ich würde dir ein paar Minuten geben, wenn du willst, kannst du auch länger üben.

 

Sitze also ruhig und gerade für Arambha Avastha Nada Meditation, ruhig und gerade, atme ein paarmal tief ein und aus, stelle dir beim Einatmen vor, dass du links und rechts in Klang Ida und Pingala Prana hinunter atmest bis zum Muladhara Chakra. Dann halte kurz die Luft an, halte die Energie im Muladhara Chakra und beim Ausatmen schicke Prana bewusst zum Anahata Chakra zur Herzgegend. Wieder einatmen durch Ida und Pingala hinunter zum Muladhara. Mache Mula Bandha, Energie im Muladhara Chakra, Ausatmen bewusst Energie zum Anahata Chakra, Herzgegend. Ein Moment Stille. Einatmen wieder rechts und links zum Muladhara Chakra, rechts zum Muladhara Chakra, ein Moment Mula Bandha, Einatmen durch Sushumna zum Anahata Chakra. Jetzt atme ganz sanft ein und aus, bringe deine Konzentration ganz zum Anahata Chakra, spüre Ananada große Freude. Vielleicht hörst du Anahata Nada, den inneren Klang im Herzen.

„STILLE“

OM OM OM

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute

Mehr lesen...

Hier geht es um die vier Avasthas, die vier Zustände der spirituellen Praxis. Man könnte auch sagen, die vier Stufen der spirituellen Praxis. Svatmarama schreibt ganz einfach: In allen Yogapraktiken gibt es vier Stadien, nämlich Arambha Avastha, Ghata Avastha, Parichaya Avastha, Nishpatti Avashta.

Arambha ist wörtlich Beginn und Anfang, so ist also der erste Avastha, der erste Zustand Arambha, also Beginn und Anfang. Dann folgt der zweite Zustand, das ist dann Ghata Avastha. Ghata heißt wörtlich Topf, Ghata Avastha heißt also, man nimmt das Ganze auf. Dann folgt der dritte Zustand der Parichaya Avastha, das heißt es gibt eine gewisse Vertrautheit und Anhäufung. Parichaya heißt, es hat etwas mit Vertrautheit und Anhäufung zu tun. Der vierte Zustand ist Nishpatti Avastha, also der Zustand der Vollendung und Vollkommenheit.

In allen Yogatechniken gibt es eine Chatuchtaya, eine Vierheit von Zuständen. Was auch immer du praktiziert, zuerst gibt es immer den Beginn, die Vorbereitung als Arambha. Dann gilt es, dass du ganz offen bist wie ein Ghata, ein Topf, Ghata Avastha. Wenn du das dann regelmäßig mit einem offenen Geist praktizierst, kommst du zu Parichaya, zu einer gewissen Vertrautheit, die Praktiken häufen sich an in ihrer Wirkung. Und schließlich kommt es bei Nishpatti Avastha zur Vollendung, zur Vollkommenheit. Nie hat etwas mit Nichts zu tun, mit nichts Beschränkten mehr und so führt jede Technik zur Vollkommenheit.

 

Also angenommen du willst Kapalabhati lernen, dann gilt es zuerst einmal Arambha im Sinne von beginnen sich vertraut machen wie geht das. Dann gilt es, dich ganz zu öffnen wie ein Topf, d. h. offen zu sein innerlich, bereit zu sein für diese Praxis und so häufst du einiges an Wirkung. Schließlich wird sich diese Wirkung immer mehr anhäufen, dann bist du im Parichaya Avastha, also der Zustand der Vertrautheit, wo du mehr und mehr die Wirkung spürst. Und Nishpatti Avastha ist dann die Vollendung die Vollkommenheit wo du über alle Grenzen hinaus gehst zum Unendlichen und Ewigen.

 

Was jetzt die verschieden Avasthas im Anahata Nada Yoga sind, darüber spricht er dann in den nächsten Versen. Aber egal was du übst, es gibt immer die vier Avasthas, der Beginn und die Vorbereitung Arambha, eine gewisse Aufnahmebereitschaft für das Üben, also Ghata Avastha, dann folgt die Vertrautheit und das Praktizieren und dadurch die Wirkung anhäufen durch Parichaya Avastha, was heißt, du musst lange üben und das führt dann irgendwann zur Vollendung Nishpatti Avatha, die gerade bei dann bei allen Yogapraktiken letztlich in Samadhi mündet.

 

Im Grunde genommen egal welche Praxis du machst, sie mündet immer in Samadhi. Sogar, wenn du die Vorwärtsbeuge machst. Am Anfang lernst du, wie du sie richtig machst, das wäre letztendlich Arambha äußerlich, wie macht man sie. Dann öffnest du dich wie ein Topf, du bist bereit, du bist neugierig, was sie bewirkt, Offenheit, Ghata Avastha. Dann übst du sie sehr intensiv und durch regelmäßiges Ausüben der Vorwärtsbeuge sammelst du viel Prana. Die Sushumna öffnet sich, Prana kann in die Nadis hineingehen und letztlich in die Sushumna eintreten. Du spürst die feinstoffliche Wirbelsäule, irgendwann erwacht die Kundalini und du erreichst Samadhi und so geht es im Grunde genommen mit jeder Praxis. Sie lernen mit offenem Geist ausführen, regelmäßigen praktizieren, die Wirkung häuft sich an und irgendwann kommst du in Samadhi.

Beim nächsten Vers geht es dann um Anahata Nada und Laya Yoga und wie das funktioniert dann beim nächsten Mal.

 

Du kannst nun überlegen, welche Yogapraktiken du machst und in welchem Stadium du dich befindest, bist du gerade dabei etwas Neues zu ergründen Arambha Avastha, bist du dabei etwas was du neu hast schon etwas zu praktizieren Ghata Avastha, bist du schon mit einigem vertraut und spürst die kumulierte Wirkung Parichaya und gibt es vielleicht schon eine Praxis, die dich in die Transzendenz führt Nishpatti.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Shanmukhi Mudra und Anahata Nada Konzentration

Kommentar und Anleitung zum 68. Vers des 4. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika

 

Wir sind in einem Teil der Hatha Yoga Pradipika, wo Svatmarama eine seiner wichtigsten Meditationstechniken vorstellt, nämlich die Anahata Nada Konzentration, die Konzentration auf den inneren Klang.

Er hat in einem vorigen Vers gesprochen über Anahata Nada Konzentration in Kombination mit Shambhavi Mudra. Hier geht es in Verbindung mit Shanmukhi Mudra, die auch als Yoni Mudra bezeichnet wird.

Svatmarama schreibt:

Schließe Ohren, Nase, Mund und Augen, und dann hörst du einen deutlichen, klaren Ton in der Sushumna.

Es gibt noch eine andere Übersetzung hier:

Schließe Shravana Puta, das heißt die Löcher der beiden Ohren. Schließe auch das Paar (Yugala) der Augen (Nayana). Dann schließe auch Grana, die Nasenlöcher. Und schließe Mukhana, den Mund. Das mache mit einer gereinigten Shuddha, Sushumna. In dem Kanal (saranau) hörst du (shruyate) sehr deutlich (sputa) einen makellosen (amalah) Nada bzw. Klang.

Zunächst musst du natürlich schon Pranayama machen, um die Sushumna zu reinigen, dann kannst du dich darauf konzentrieren.

 

Anleitung zu Shanmukhi Mudra und Anahata Nada Konzentration

Zunächst zur Technik von Shanmukhi Mudra bzw. Yoni Mudra: Du nimmst kleinen Finger und Ringfinger und gibst diese um die nach vorne gestülpten Lippen. Dann nimmst du die Mittelfinger und legst sie sanft an die Mulde, die oberhalb der Nasenflügel ist, ohne die Nase zu schließen. Dann gibst du die Zeigefinger bei geschlossenen Augen auf die Augenlider. (Eventuell kannst du auch die Zeigefinger auf der Nasenwurzel ablegen, sodass du nicht in Versuchung kommst, auf die Augen zu drücken). Und danach drückst du mit den Daumen die Ohrknöpfe zu.

Danach konzentrierst du dich auf die Wirbelsäule, von Steißbein bis Scheitel. Und während du dich auf die Wirbelsäule konzentrierst, hörst du vielleicht innere Klänge.

Bei vielen passiert es, dass, während sie so sitzen, irgendwann die Arme etwas schwer werden, die Schultermuskeln sind angestrengt. Manche lassen den Kopf leicht nach unten hängen, dann ist es angenehmer für die Schultern. Andere nehmen einen Stuhl. Typischerweise ist die Sitzfläche des Stuhls so hoch, dass du die Ellenbogen abstützen kannst. Es gibt auch bestimmte Yoga Dandas, Yoga Stäbe, mit denen du die Ellenbogen abstützen und so längere Zeit sitzen kannst.

Ich werde dich zunächst zu Yoni Mudra anleiten, was auch Shanmukhi Mudra ist, danach konzentrierst du dich auf die gesamte Wirbelsäule, vom Steißbein bis zur Verlängerung, Scheitel, und dann hörst du den inneren Klang, Anahata Nada.

 

Sitze ruhig und gerade, atme 2-3mal durch, während du kleinen Finger und Ringfinger um die Lippen gibst, die Mittelfinger oberhalb der Nasenlöcher an die Nase anlehnst (sodass du noch ganz sanft atmen kannst, nicht die Nase verschließen). Dann gib die Zeigefinger auf die Augenlider und berühre zunächst mit den Daumen nur die Ohrknöpfe.

Lasse jetzt den Atem sanft fließen, Kevala Kumbhaka. Spüre gleichzeitig vom Steißbein bis zur Scheitelgegend die Sushumna. Höre den inneren Klang von Steißbein bis Scheitelgegend.

Du wirst gleich diesen Klang noch mehr hören, wenn du die Ohrknöpfe schließt. Konzentriere dich auf die Sushumna von Steißbein bis Scheitel. Und jetzt drücke auf die Ohrknöpfe, dass du nichts Äußeres mehr hörst.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Anahata Nada, der innere Klang, ist eine der wichtigsten Meditationstechniken in der Hatha Yoga Pradipika.

 

Der Anahata Nada Konzentration gebührt große Ehrerbietung  

  1. Vers:

Nun beginne ich die Praxis von Anahata Nada, dem inneren Klang, so wie es durch Goraksha Natha beschrieben wurde. Dies ist sogar von denjenigen akzeptiert worden, denen es unmöglich war, die Wahrheit zu verwirklichen und die nicht die Shastras studiert haben.

Jetzt will Svatmarama eine bestimmte Meditationstechnik beschreiben, und zwar Anahata Nada. Anahata heißt der ‚nicht angeschlagene‘ und nada heißt ‚Klang‘. Wenn ich jetzt z. B. dieses Glas mit dem Finger anschlage, dann hört man etwas. Das Glas wird angeschlagen.

Aber es gibt eben auch den nicht-angeschlagenen Klang, den inneren Klang. Auf diesen kann man sich konzentrieren ‒ und so tiefere Bewusstseinsebenen erfahren.

 

Obgleich das jetzt fast das Ende der Hatha Yoga Pradipika ist (Das ist jetzt der 65. Vers des 4. Kapitels, das geht ja nur bis zum Vers 114), sagt Svatmarama: Diesen Teil kann man sogar als Unerfahrener üben.

Er sagt hier, selbst wenn man ungebildet ist, mudhana (Es könnte auch ‚töricht‘ heißen oder ‚träge‘. Hier heißt es ‚ungebildet‘), dann kann man das trotzdem üben. Und selbst wer noch nicht die Wahrheit wirklich erkennen konnte, auch der kann das üben.

Und diese wurde gelehrt von Goraksha, also einem großen Natha und Meister. Das ist auch Upasana, eine Form der Verehrung. Diese Anahata Nada Konzentration ist also ein wichtiges Mittel und wir sollten es mit großer Ehrerbietung angehen.

 

 

Anahata Nada als ein Verfahren um zu Moksha zu gelangen 

  1. Vers:

Adinatha schlug verschiedene Verfahren vor, die alle noch vorhanden sind. Von diesen ist meines Erachtens das Hören von Anahata Nada das beste von allen.

Es wird auch gesagt, Adinatha hat ein Viertel tausend Wege zur Erreichung von Laya bekannt gemacht. Eigentlich ist es sa-pada-koti, das heißt 11/4 mal 10 Millionen. Koti ist 10 Millionen und sa-pada ist 11/4. Also 12.500.000 verschiedene Arten gibt es, die gelehrt wurden von Adinatha und Shiva, um zu Laya, um zur Ruhe des Geistes zu kommen.

Und dort ist besonders diese Konzentration, Anusandhana, auf Nada, den inneren Klang, ganz besonders gut. Svatmarama sagt sogar, unter allen Techniken um zur Ruhe des Geistes zu kommen ist diese mukhyatama, also besonders vorzüglich und gut.

 

Er will uns also hier den Mund wässrig machen. Was auch heißen soll, es gibt so viele Methoden; hier sagt er, es gibt 12.500.00. In einer anderen Interpretation, vielleicht auch in einer anderen Handschrift stehen nur 25.000. Es gibt auch noch die andere Aussage: Es gibt so viele Wege, wie es Pilger gibt.

Aber es gibt so viele spirituelle Praktiken, die von Gott kommen. Und hier unterscheidet sich Svatmarama von manchen anderen, die sagen, nur so kommt man zu Gott, nur so kommt man zur Befreiung.

Wege sind viele, Wahrheit ist eins. Namen sind viele, aber das Göttliche ist eins.

 

Trotzdem kann man von seinem Weg besonders überzeugt sein. So werden z. B. die Vaishnavas sagen, dass man durch das Mahamantra am schnellsten zu Gott kommt. Und die Shiva-Bhaktas werden sagen, dass „Om Namah Shivaya“ einen am schnellsten zu Gott führt. Die Vedantis werden sagen, dass durch dauerhafte Viveka, Unterscheidungskraft, man am schnellsten zu Jnana, zum Wissen kommt, und das führt zu Moksha.

 

So sagt die Bhagavad Gita, dass man am schnellsten zu Moksha kommt, indem man sein Dharma erfüllt und sich mit nichts identifiziert.

Und Svatmarama nennt ja vorher auch Asanas und Pranayama und Mudras und schon andere Meditationstechniken, die auch alle zur Befreiung führen.

Und hier sagt er, die Konzentration auf den inneren Klang ist besonders gut.

Shambhavi Mudra als Methode, Anahata Nada zu hören

 

  1. Vers:

In Muktasana sitzend, Shambhavi Mudra ausführend sollte der Yogi mit gesammeltem Geist auf den Ton im Inneren seines rechten Ohres hören.

Muktasana ist eine der Sitzhaltungen, und es gibt verschiedene Variationen von Muktasana. Bei Yoga Vidya nennen wir es typischerweise Muktasana, wenn die beiden Beine voreinander liegen, so hat es uns auch Swami V. erklärt. Mukta heißt ja ‚befreit‘, das heißt die Beine sind nicht gekreuzt, sondern mukta, befreit.

Brahmananda sagt in seinem Kommentar, dass Siddhasana letztlich gemeint ist, wenn Svatmarama von Muktasana spricht.

Es gibt also jetzt verschiedene Methoden, wie wir den inneren Klang hören. Im 67. Vers sagt Svatmarama: Übe Shambhavi Mudra und richte deinen Geist auf die inneren Klänge, also auf nada antahstha. Manchmal nennt er Anahata, aber hier ist es Antahstha, die im Inneren, anta, befindlich, sta. Und dort sei konzentriert, eka-dhih.

Was heißt das also? Du begibst dich im Grunde genommen in Shambhavi Mudra und dann konzentrierst du dich auf den inneren Klang. Eventuell hörst du ihn im rechten Ohr. Eventuell hörst du ihn, als ob du ihn im Herzen hörst. Deshalb heißt es ja auch Anahata Chakra ‒ das Chakra, wo der unangeschlagene Klang gehört wird. Manche hören es auch im linken Ohr.

Und dann lass dich davon absorbieren.

 

Kurze Anleitung zu Anahata Nada im Kontext mit Shambhavi Mudra:

Sitze ruhig und gerade, schließe die Augen, atme 2-3mal tief ein und aus. Jetzt öffne die Augen und schaue zur Nasenspitze. Lasse jetzt den Atem ganz ruhig werden, schaue weiter zur Nasenspitze und konzentriere dich auf dein Herz in der Mitte der Brust. Halte einen Teil des Bewusstseins im Herzen, schaue weiter zur Nasenspitze, und jetzt konzentriere dich auf dein rechtes Ohr. Vielleicht spürst du dort einen Klang. Schaue weiter auf die Nasenspitze, spüre das Herz, höre den Klang im rechten Ohr oder wo auch immer du einen Klang hören kannst. Genieße dieses Gefühl von Freude im Herzen, Ruhe des Geistes, Anahata Nada, innerer Klang.

Om Shanti

 

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ab Vers 51

Das vierte Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ist ein Kapitel, wo Svatmarama relativ umfangreich über Samadhi spricht, und er spricht immer wieder davon, immer wieder von anderer Warte aus. Die Verse gleichen sich zum Teil. Er spricht davon, um uns den Mund wässrig zu machen, dass wir Sehnsucht haben, diesen höchsten Zustand zu erreichen.

 

Ankommen in Brahmarandhra

Svatmarama schreibt im 51. Vers:

Wird der Atem von außen eingestellt, wird auch der Atem im Innern des Körpers absorbiert, daran besteht kein Zweifel.

Danach wird das Prana mit dem Geist in Brahmarandhra beständig.

Luft strömt in den Körper hinein, Luft strömt hinaus. Wenn wir aber aufhören, dass dieser Atem ein- und ausströmt und ihn innerlich halten und äußerlich halten, eine Ruhe haben, dann wird auch der Geist ruhig.

Im Normalfall atmen wir ein und aus. Und so gibt es den äußeren Atem, wir atmen nach außen, und den inneren Atem, wir atmen nach innen. Man könnte auch sagen, es gibt den inneren Atem, wo das Prana in die ganzen Körperfunktionen hineinströmt, und es gibt den äußeren Atem, d. h. wir nehmen Luft ein und aus.

 

So ähnlich gibt es die innere und die äußere Atmung, da sprechen auch die westlichen Physiologen von. Wir können auch Prana aufnehmen und wieder abgeben, innerlich. Aber all diese sollen zur Ruhe kommen in der tiefen Meditation.

Wenn also die Bewegung von Prana zur Ruhe kommt, dann geht alles in die Sushumna, d. h. in die feinstoffliche Wirbelsäule. Dann geht auch der Geist in die Absorption. Und dann entsteht Sthira, die Unbeweglichkeit und die Beständigkeit sowohl des Pranas als auch des Geistes.

Es gilt also den Atem zur Ruhe zu bringen, es gilt den Fluss des Pranas zur Ruhe zu bringen ‒ dann kommen wir zur Ruhe des Geistes und zur Ruhe des Pranas.

 

 

Das Prana und den Geist zur Ruhe bringen

 

  1. Vers:

Auf diese Weise, indem man Tag und Nacht übt, wird Prana unter Kontrolle gebracht. Steigert man diese Übung, wird der Geist ruhig und unbeweglich.

Es gilt also Abhyasa, immer wieder üben. Und was gilt es zu üben? Wir wollen Vayu, den Wind, und damit das Prana auf dem Weg zur Ruhe bringen. Wir wollen abhyasaj jiryate, regelmäßig üben, damit sich das auflöst. Und wir wollen es Tag und Nacht üben. Dann wird auch der Geist zur Ruhe kommen.

 

Es gilt also, immer wieder zu üben.

Im Normalfall übst du Asana, Pranayama, Meditation ein- oder zweimal am Tag für 1–2 Stunden. Aber es gibt Phasen, in denen du deine Praxis erhöhst. Und das ist auch etwas Wichtiges: Nimm dir jedes Jahr 1 oder 2 Wochen für intensive Praxis.

Natürlich sind Ausbildungen wichtig, Weiterbildungen sind wichtig, viel zu lernen ist wichtig. Menschen kennenlernen, Länder kennenlernen ist wichtig. Wohnung renovieren ist auch wichtig.

 

Fallen des Geistes

Sehr viel wichtiger ist aber intensive Praxis. Lass kein Jahr verstreichen, ohne dass du nicht mindestens ein oder zwei Wochen intensiv praktiziert hast.

Und in der Zeit rege dich nicht auf, ob das Wetter gut ist, ob das Essen gut ist, ob Menschen freundlich zu dir sind oder nicht. Das sind alles Fallen des Geistes.

Schaffe die Bedingungen so ideal wie möglich ‒ und dann übe Tag und Nacht. Gut, du wirst auch mal schlafen müssen, aber praktiziere intensiv!

Kooperiere nicht mit dem Geist, der, wenn du in den Ashram fährst, plötzlich 20 Ideen hat, warum ausgerechnet jetzt die Praxis nicht so gut geht. Vielleicht hast du Rückenprobleme, vielleicht ist der Yogalehrer nicht so, wie du es gerne hättest, vielleicht ist es zu kalt, zu warm, zu viele, zu wenige Menschen, zu rücksichtslose Menschen oder zu was-auch-immer.

Geist lässt sich tausend Ausreden einfallen. Kooperiere mit keiner.

Praktiziere intensiv, um Prana zur Ruhe zu bringen, dann bringst du den Geist zur Ruhe und dann erfährst du höchste Bewusstseinsebenen.

 

Amrita ‒ der Nektar der Gnade

 

  1. Vers:

Man sollte den Körper von Kopf bis Fuß mit dem Nektarstrom des Mondes füllen.

Dann wird man mit einem ausgezeichneten Körper, großer Stärke und Mut ausgestattet.

Man fülle, plavayet, man überschwemme den Körper, deha, mit Amrita, mit großem Nektar, und zwar von den Fußsohlen bis zum Kopf. Dann erreichst du, sidhyati, einen mahakaya, einen großartigen Körper, mahabala, eine großartige Kraft, und mahagraha, außergewöhnliche Kühnheit und Tapferkeit.

Der Vers fällt jetzt etwas aus dem Rahmen. Vorher hat er gesagt, du kommst jenseits von Körper, du kommst jenseits von Psyche, du kommst in einer Unbedingtheit. Aber Svatmarama kennt letztlich den Menschen. Menschen fragen: Und was hab ich davon? Und so sagt er: ja, einen großartigen Körper, großartige Kräfte, sowohl körperlich wie auch psychisch.

Gerade im Khechari Mudra spürst du also irgendwann, wie Nektar, Gnade, Segen strömen. Den kannst du als Amrita bezeichnen oder auch als Soma. Dieser Nektar ist wie das potenzierte Kapha-Element im Ayurveda, er regeneriert auch alles. Er ist nicht nur gut um Freude zu erfahren, Wonne zu erfahren, er ist auch etwas Heilendes.

 

 

Sich von der Kundalini zum höchsten Zustand führen lassen 

  1. Vers:

Indem man den Geist in die Shakti, die Kundalini, legt und die Shakti mittels Meditation in den Geist, vereinigt man sie und Shakti erregend lenkt man den Blick mit dem Antahkarana auf den Geist und erreicht den höchsten Zustand, das Ziel von Dhyana.

Du bringst also deinen Geist zur Kundalini, also zur Shakti. Auf diese Weise lässt du dann deinen Geist von der Kundalini führen. Das sind so diese zwei Schritte.

 

Oder eigentlich sind es mehrere Schritte: Erst übst du viel Asana, Pranayama und Mudras. Dann bringst du das Prana in die Sushumna. Dann spürst du deine Shakti vielleicht in der untersten Wirbelsäule. Bringe deinen Geist dort hinein. Und wenn du deinen Geist zur Kundalini bringst, dann wird deine Kundalini noch stärker werden, sie wird pulsieren und vibrieren.

Jetzt lasse deinen Geist durch die Kundalini führen. Dann bringst du deinen Geist selbst nach oben in die höheren Chakras. Du bringst den Blick nach oben, sagt Svatmarama hier, und du bringst dein Manas nach oben ‒ und dann kommt die Kundalini noch weiter.

Also noch mal die Schritte: Du übst Asana und Pranayama, du bringst das Prana in die Sushumna, du spürst die Kundalini, du bringst deinen Geist zu dieser Kundalini hin, dann wird die Kundalini stärker und heftiger, und dann lässt du die Kundalini deinen Geist führen. Wenn du merkst, dass die Kundalini nach oben führt, richte jetzt deinen Geist zum Ajna und Sahasrara Chakra. So strömt die Kundalini noch weiter nach oben und so kommst du zu paramam pada, zum höchsten Bewusstseinszustand ‒ zum höchsten Zustand, der jenseits von allem ist.

So meditiere über den Höchsten, so erfährst du den höchsten Zustand.

 

 

Ausdehnung in den unendlichen Raum 

  1. Vers:

Platziere Atma in Akasha und Akasha in die Mitte Atmans. Indem man alles in die Form von Akasha bringt, sollte man an nichts anderes denken.

Akasha heißt Raum, Atman ist das Selbst. Brahman ist wie Akasha, Brahman ist unendlich.

Und so ist das eine Meditationstechnik, die man dann auch nutzen kann. Wenn wir vorher sagen, wir bringen den Blick nach oben und kommen zu Dharana, zu Dhyana, lösen wir jetzt alle konkrete Konzentration auf und bringen den Geist in die Unendlichkeit. Sei dir bewusst, in dieser Unendlichkeit, dort ist Atman ‒ das unendliche Selbst.

Und so sei dir bewusst: Alles, was im unendlichen Raum ist, ist in dir. Und du selbst bist im unendlichen Raum. Das Unendliche, der ganze Raum bist du. Und du bist dieses Unendliche.

Wir haben ja bei Yoga Vidya auch die Ausdehnungsmeditation. Das ist letztlich eine Meditation, die diesen Vers ausdrückt. Du dehnst deine Bewusstheit schrittweise immer weiter aus. Indem du deine Bewusstheit immer weiter ausdehnst, erfährst du dich, als Unendliches.

Das ist ein wichtiger Schritt dieser Khechari Mudra Meditation, die Svatmarama beschreibt. Aber es kann auch etwas sein, was du unabhängig davon übst.

 

 

Ein Yogi ist zugleich im und außerhalb des Körpers 

  1. Vers:

Der Yogi ist innen und außen leer wie ein Topf im unendlichen Raum. Er ist auch vergleichbar mit einem Topf im Ozean: innen und außen voll.

Letztlich ist der Körper wie ein Krug. So wie bei einem Krug im Ozean Wasser im Inneren und im Äußeren ist, so bist du im Körper und du bist außerhalb des Körpers. Du bist nicht beschränkt auf den Körper. Du bist im Körper und du bist außerhalb des Körpers.

Ein Yogi ist in der Lage, seinen Körper zu spüren, auch seinen individuellen Geist zu spüren, seine Aufgaben zu erledigen. Er kann aber jederzeit sein Bewusstsein ausdehnen und sich erfahren als das Selbst von allen Wesen, als unendlich im Raum.

 

 

Alle Gedanken aufgeben 

  1. Vers:

Man sollte in der äußeren Natur an nichts denken. Auch persönliche Gedanken sollten aufgegeben werden. Überhaupt sollten sämtliche Gedanken, subjektiver und objektiver Natur, aufgegeben werden.

Das halte ich für eine besonders schöne Übersetzung. Es gibt auch noch eine einfachere:

Man sollte weder innerhalb noch außerhalb der Welt sein und soll alles Sinnen und Trachten lassen. Stattdessen sollte er an nichts denken.

Aber die Übersetzung bei Swami V. ist etwas korrekter: nicht sollte man denken an, kartavya cintana, an bahya, an äußere Dinge. Und genauso, tatha, sollte man auch nicht denken an innere Dinge, an Antara. Und insgesamt sollte man parityajya, aufgeben, cintayet, das Denken an irgendetwas.

In der Meditation sollte man also zum einen nicht an Äußeres denken: Was habe ich zu tun? Was denkt der andere über mich? Was ist dort und was soll das bedeuten? Und warum hustet mein Nachbar usw.

Man sollte auch nicht an Inneres denken: Was hat jetzt das lila Licht in meiner Stirn zu tun? Warum spüre ich jetzt in der rechten Hälfte der Brust etwas? Was macht mein linkes Knie? Und warum ist mein Geist gerade unruhig?

Letztlich sollte man an gar nichts denken.

 

Das kannst du dir auch manchmal, in höheren Stufen der Meditation sagen. Was immer dich in die Meditation geführt hat, nachher musst du deinen Geist auch davon lösen. Irgendwann musst du von allen Gedanken loskommen ‒ und dann bist du im echten Samadhi.

 

 

Die ganze Welt ist nur Schöpfung des Denkens 

Im 58. Vers wird es sogar etwas philosophisch. Svatmarama zitiert einen Vers aus dem Yoga Vasishtha:

Diese ganze Welt und alle Pläne des Geistes sind nur Schöpfung des Denkens. Lege dieses Denken ab und nimm Abschied von allen Vermutungen. So, oh Rama, erlange die Stille.

Hier ist auch der Sanskrit-Text sehr schön:

sankalpa matra kalanaiva jagat samagram

 

Diese äußere Welt, jagat, ist nur, matra, ein Werk, kalana, von sankalpa, von Vorstellungen. Aber auch die innere Welt ist nichts anderes als ein Spiel des Geistes.

Sankalpa matra matim, daher utsrija, gib auf, das Spiel des Geistes ‒ und komme zum Zustand von nirvikalpa, jenseits aller Gedanken. Gib dich ganz diesem Zustand jenseits des Geistes hin ‒ und erlange so Frieden, oh Rama.

Dieser Vers ist also ein Zitat aus dem Yoga Vasishtha 3.101.39 und hier wird auch Svatmarama sich in den Jnana Yoga begeben.

 

Letztlich wird auch im Yoga Vasishtha über Pranayama geschrieben. Manche sagen auch, Yoga Vasishtha sei die älteste Schrift, die Pranayama beschreibt. Und Svatmarama bezieht einige Schriften mit ein. Er hatte vorher gesagt, oh Parvati, damit hat er eine tantrische Schrift zitiert. Hier zitiert er den Vasishtha im Yoga Vasishtha.

Das äußere Universum wird also durch unsere Gedanken geschaffen, und auch das innere Universum. Mache dir das bewusst. Manchmal regst du dich über irgendwas Äußeres auf. Aber es ist deine eigene Welt, die all das schafft.

Und auch die innere Welt ‒, wenn du so denkst, was noch alles zu tun ist oder wie gut oder wie schlecht es ist, dein Selbstbild ‒ all das ist auch geschaffen durch deine Sankalpas, durch deine Gedanken.

Aber es gibt etwas, das jenseits von allem Wandelbaren ist. Dort gilt es hinzukommen, das gilt es zu erreichen und darum sollte man sich bemühen.

 

Auflösen des Geistes in Atman 

  1. Vers:

Der Geist wird, wenn er auf Atman konzentriert ist, eins mit diesem, wie Kampfer mit der Flamme und Salz mit dem Wasser des Ozeans eins werden.

Svatmarama sagt hier, der Geist kann mit Atman verschmelzen. Letztlich gibt es keinen Geist ohne Atman. Wenn kein Bewusstsein da ist, gibt es auch kein Denken. Das Denken braucht Atman.

Atman kann ohne Denken existieren. Du kannst reine Bewusstheit sein ohne Gedanken. Aber Gedanken können nicht ohne Atman sein.

Du kannst also deinen Geist in Atman absorbieren, im höchsten Selbst, so ähnlich wie Kampfer sich mit der Flamme verschmilzt und auflöst und so ähnlich wie Salz und Wasser im Ozean eins werden. Salz kommt letztlich aus dem Ozean und löst sich auf im Ozean.

So ähnlich kommen Geist, Gedanken und Emotionen aus dem Selbst und werden wieder eins mit dem Selbst.

 

Über die Dualität hinauskommen 

  1. Vers:

Alles, was gesehen und erfahren wird, wird das Wissen genannt. Und die Fähigkeit des Wissens wird als Geist bezeichnet.

Wenn Wissen und Kenntnisse verloren gehen, besteht keine Dualität mehr.

Das ist ein etwas komplexerer Vers, der aber in der Bedeutung ganz einfach ist. Zunächst gibt es Erfahrbares. Jneya ist das, was erfahren, gewusst werden kann. Svatmarama sagt: jneyam sarvam, alles, was erfahren wird, pratita, wird bewusst.

Wir sehen, wir erfahren also etwas, wir kennen es. Und all das führt zu jnana, zu einer gewissen äußeren Erkenntnis. Und dieses Kennen, wenn wir Äußeres wahrnehmen und dann zu einem inneren Wissen kommen, das ist alles manas, das ist alles Geist.

 

Wenn man jetzt aber diesen Prozess des Erfahrens und auch des Erkennens zur Ruhe bringt, dann bleibt nichts mehr übrig. Man wird dann über die Dualität hinauskommen. Es bleibt also keine Dualität übrig. Nanyah pantha dvitiyakah: ‚Es bleibt nicht ein anderer Weg der Dualität übrig‘.

Solange du also etwas wahrnimmst und darüber nachdenkst und dann zu Vorstellungen kommst, ist das der Geist. Wenn es dir aber gelingt, entweder nichts mehr wahrzunehmen oder auf das Wahrgenommene nicht mehr nachzudenken, bist du jenseits der Dualität.

Wenn du willst, kannst du daraus eine Übung machen: Du könntest zwischendurch mal probieren, wahrzunehmen ohne Worte zu formulieren. Ohne zu überlegen, nachzudenken oder in dir zu sprechen.

So überwindest du eine gewisse Form der Dualität. Und schließlich in Samadhi ist es natürlich so, keine Gedanken, keine Worte, keine Bilder, kein Nachdenken, auch kein äußeres Erkennen.

Es gibt einfach nur reine Bewusstheit, weit wie der Raum.

 

Unmani Avastha, jenseits von aller Dualität 

  1. Vers:

Der Geist nimmt lebende und nicht lebende Dinge des Universums wahr. Verliert sich der Geist im Unmani Avastha, besteht keine Dualität mehr.

Es gibt Drishya, das wahrnehmbare Universum, und es gibt auch das Bewegliche, Sa Chara, und es gibt Achara, die unbeweglichen Dinge. Sa Chara kann man auch bezeichnen als Lebewesen, die sich aus sich selbst heraus bewegen, Achara sind die Dinge, die sich nicht aus sich selbst bewegen. Es gibt also durch den Geist das wahrnehmbare Objekt und die ganze Welt mit all ihren Objekten.

Es ist aber möglich, in einen Zustand zu kommen, Bhava, der jenseits des Geistes ist, Unmani. Und dann gibt es keine Dvaita mehr, dann gibt es keine Dualität, keine Zweiheit mehr.

So gilt es also, in den Unmani-Zustand zu gehen. Und dort bist du jenseits von aller Dualität.

 

Kaivalya ‒ absolute Freiheit 

  1. Vers:

Wenn alle Vorstellungsobjekte aufgegeben werden, wird der Geist dem Wesen nach zu Satchidananda. Wird der Geist in diese Form gebracht, bleibt Kaivalya ‒ Befreiung und Absolutheit ‒ bestehen.

Der Yogi wird vom Wesen her zum nondualistischen Atman.

Jneya, die erfahrbaren, vastu, Dinge, werden aufgelöst, man gibt sie auf, parityaga, und das führt dann zur Auflösung des Geistes. Wenn diese Auflösung des Geistes geschehen ist, dann entsteht Kaivalya: absolute Freiheit.

So ähnlich wie auch Patanjali im Yoga Sutra sagt, yogash chitta vritti nirodhah, Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist, tada drashtuh svarupe vasthanam, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen, ‒ das ist also die gleiche Aussage.

 

 

Viele Weisen, um zu Samadhi zu kommen 

  1. Vers:

Die großartigen Menschen, die Acharyas, die großen Lehrer, gewannen vor Zeiten erst selbst Erfahrungen in den verschiedenen Methoden, die zu Samadhi führen. Danach gaben sie diese Erfahrungen weiter.

Es gibt also, eva, in dieser Weise, nana, verschiedene vidha, Arten und Mittel, upaya, die vollständig und zutreffend sind. Diese haben die großen Meister aus ihrer, sva, eigenen, anubhava, Erfahrung bekommen. Sie sind auf diese Weise zur Versenkung gekommen. Und diese marga, diese Wege haben sie weiter gelehrt. Sie sind ganz große mahatmas, große Seelen.

Es gibt also viele Weisen um zu Samadhi zu kommen. Das sagt Svatmarama hier ausdrücklich. Große Meister haben Samadhi selbst erlangt und sie haben Samadhi gelehrt.

 

 

Gruß an Manonmani ‒ liebevolle Verehrung und Hingabe 

  1. Vers:

Ich grüße in tiefer Verehrung die Sushumna, die Kundalini und den Nektar, der von Chandra fließt. Dir, oh Manonmani, große Kraft, Energie und intelligenter Lebensgeist, gilt mein Gruß.

Damit drückt Svatmarama auch aus, um zum Höchsten zu kommen ist auch Bhakti wichtig ‒ Hingabe.

Und Svatmarama hat viele Hingaben hier: Er sagt, wir verehren die Sushumna, dort wollen wir das Prana hinbringen. Wir verehren die Kundalini, wir wollen sie erwecken. Wir verehren auch den Nektar, den Sudha, der von oben nach unten strömt.

So verehren wir auch Manonmani, das heißt den geistlosen Zustand des Geistes. Und wir verehren also auch Samadhi, diesen Zustand, den wir erreichen wollen. Wir verehren natürlich auch die Maha Shakti, die große Energie. Und wir verehren auch Chit, das Bewusstsein an sich, und Atman, das höchste Selbst.

Damit wird uns wieder bewusst, Hatha Yoga ‒ und auch Meditation ‒ ist nicht nur etwas Mechanisches, nicht nur ein kaltes Zur-Ruhe-Bringen. Es braucht auch Verehrung, es braucht Liebe. Es braucht Intensität, aber wir wollen uns auch öffnen für Gnade und Segen.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika, ab Vers 43

 

  1. Vers

In diesem Vers geht es um Khechari Mudra. Khechari ist die Mudra, mit der wir uns im Raum bewegen. Achara heißt bewegen, und Khe steht für Raum, Himmel, Unendlichkeit.

Khechari Mudra und die Auswirkungen, die das hat, insbesondere auf Soma (den inneren Nektar), auf Sushumna (die feinstoffliche Wirbelsäule), und natürlich soll all das zu Turya führen.

 

In diesem 43. Vers sagt Svatmarama:

Fließt das Prana ungehindert durch das rechte und linke Nadi und zum Punkt zwischen den Augenbrauen, wird das Khechari Mudra vollkommen. Darüber besteht kein Zweifel.

Beginne also mit Atta Khechari – jetzt Khechari Mudra. Dann gibt es Madhya (die Mitte), die Mitte zwischen Savia (links) und Dakshina (rechts). Also Nadista (in die mittlere Nadi). Im Originaltext steht nichts von links und rechts in den Augenbrauen, sondern in die mittlere Nadi, in die Sushumna.

Wir lassen also den Maruta (das Prana) in die mittlere Nadi fließen, und dann stellt sich an diesem Ort Khechari Mudra ein.

 

Vermutlich hast du dir ja schon die Kommentare zu den anderen Versen der Hatha Yoga Pradipika angeeignet. Im 3. Kapitel gibt es viel über Khechari Mudra. Die Khechari Mudra, wie sie dort beschrieben wird, ist die Zunge nach hinten, durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schauen und den Kopf leicht nach hinten halten. Es gibt das Lagu Khechari Mudra, und es gibt das Maha Khechari. Lagu ist nur die Zunge nach unten geben – das beruhigt das Vishuddha Chakra, beruhigt den Geist und hilft auch, Ida und Pingala zu harmonisieren. Dann gibt es die große Khechari, wo auch der Kopf nach hinten gerichtet wird und man durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schaut.

 

Svatmarama sagt hier: Die eigentliche Khechari ist, wenn Prana in der Sushumna ist, wenn also nicht mehr links und rechts – dann ist wirklich Khechari, das Verweilen im unendlichen Raum.

 

  1. Vers

Wird Prana Vayu ins Surya, welches zwischen Ida und Pingala liegt, eingezogen, und verweilt Prana dort bewegungslos, dann erreicht Khechari Mudra wirkliche Beständigkeit.

Es gilt, Anila (das Prana, den Lebenshauch, den Wind – Svatmarama gebraucht immer wieder neue Ausdrücke dafür) in Shunya (in die Leere, in die Mitte – Madhya) zwischen Ida und Pingala zu bringen. Diese Mitte (Shunya) wird manchmal auch als Surya (Sonne) bezeichnet, aber eigentlich ist es Shunya, die Leere. Wenn dieses Prana in dieser Sushumna ist, dann stellt sich gewiss Khechari Mudra ein. Khechari Mudra ist also dann, wenn Prana in die Sushumna eintritt.

 

  1. Vers

Jene Mudra wird also Khechari genannt. Sie wird im Raum zwischen dem Sonnenkanal und dem Chandra-Kanal, also zwischen Sonne- und Mondkanal, ausgeführt. Dieser Raum ist auch als Vijoma Chakra bekannt.

In der Mitte zwischen Sonne und Mond, ohne irgendeine Stütze, dort ist der unendliche Raum, und hier ist Vijoma Chakra. Es gibt die inneren Chakras (wie Muladhara, Swadisthana, Manipura, Anahata, Vishuddha, Ajna und Sahasrara), und dann gibt es auch noch Vijoma Chakra, das Chakra des Himmels. Über Khechari Mudra gehst du mit deinem Geist und deinem Bewusstsein in den Himmel und damit in die Unendlichkeit. Dies gelingt, wenn dein Prana in der Sushumna ist.

 

  1. Vers

Die Khechari, welche das Soma zum Fließen bringt, wird von Shiva sehr geliebt. Durch das Bewegen der Zunge nach hinten soll die unvergleichliche, erhabene Sushumna verschlossen werden.

Swami V. sagt hier: Die Khechari Mudra, in welcher der Nektarstrom vom Mond herabfließt, wird von Gott Shiva besonders gemocht. Die Sushumna, die an Größe mit nichts vergleichbar ist, ist die beste der Nadis. Sie muss verschlossen werden, indem man die Zunge nach oben und hinten gegen den weichen Gaumen presst.

 

Soma ist letztlich der geheimnisvolle Trank. Wir finden z. B. in den Veden die Aussage, dass die Devas (Götter, Engelswesen) den Somatrank getrunken haben und so die Unsterblichkeit erreichten. Es heißt auch, dass die Rishis diesen Somatrank getrunken haben. Viele Indologen gehen heute davon aus, dass dies eine Bewusstseins-ändernde Pflanze war, und sie rätseln oft, welche Pflanzen das waren.

Svatmarama sagt hier, dies sei letztlich dieser innere Nektar, so wie Wogen der Glückseligkeit von oben, oder auch wie Gnade, die von oben fließt. Diese kann erreicht werden, wenn der Geist zur Ruhe kommt, z. B. durch Khechari Mudra.

Es wird hier gesagt, sie wird von Shiva valaba (geliebt).

 

Man könnte es aber auch anders ausdrücken: Wenn du Khechari Mudra richtig machst, dann hast du das Gefühl, dass die Gnade von Shiva – und damit von Gott – in dich und durch dich strömt. Das heißt letztlich: Man fülle diese unvergleichliche, göttliche Sushumna. Wie macht man das? Indem man im hinteren Mundraum die Zunge nach hinten gibt.

Khechari Mudra hat also ein äußeres Ausführen: Du gibst die Zunge nach hinten. Und es hat eine innere Einstellung: Das Bewusstsein nach oben, auf den Himmel richten. Und es hat eine Auswirkung: Du hast das Gefühl, dass von oben Gnade und Segen in dich und durch dich hindurch strömt – das ist dann eben der Soma.

 

  1. Vers

Wird die Sushumna vorher von außen durch Einstellung des Pranas verschlossen, führt dies zum vollkommenen Khechari Mudra. Durch häufiges Praktizieren dieser Mudra folgt Unmani Avastha von selbst.

Die Übersetzungen sprechen immer von „verschließen“, aber eigentlich steht dort jeweils „man fülle“. Man fülle also die Sushumna mit Prana, aber das Prana geht dann nicht aus der Sushumna in die anderen Nadis hinein. So entsteht Khechari Mudra, und Khechari Mudra führt zu Unmani, zum Zustand jenseits des Geistes.

So wird also in diesen Versen die Khechari Mudra als Konzentrationsform der Hatha Yoga Pradipika beschrieben.

Svatmarama beschreibt ja mehrere Meditationstechniken. Zum einen sagt er: Am Ende von jedem Pranayama mache den Atem sehr ruhig (Kevala Kumbhaka), löse den Geist von allem – so kommst du in höhere Meditation. Dann sagt er auch: Wann immer das Prana von selbst in die Sushumna geht, entsteht eine höhere Bewusstseinsebene des Geistes von selbst, Samadhi kommt von selbst. Weiterhin hat er in den vorangegangenen Versen verschiedene Shambhavi Mudras erläutert, auch solche, die in die Meditation führen. Und jetzt sagt er: Auch Khechari Mudra führt dich in die Meditation.

 

  1. Vers

Zwischen den Augenbrauen befindet sich der Sitz Shivas, wohin der Geist absorbiert wird. Dies ist bekannt als Turya-Zustand des Bewusstseins. Vom Ausübenden dieser Mudra wird der Tod nicht mehr erfahren.

Du kannst bei der großen Khechari Mudra den Kopf leicht nach hinten geben, die Zunge nach hinten, und dann schaust du durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben. Dabei kannst du dir vorstellen, dass du dort in göttlicher Gegenwart bist, in Shiva. Eventuell siehst du ein Licht – Licht ist ja auch ein Symbol des Shiva Lingams. Djoti Lingam – das Lingam-Symbol von Shiva.

Dann wird der Geist sehr ruhig und ist der Geist sehr ruhig, dann erfährst du Turya, den vierten Bewusstseinszustand (Wachen, Träumen, Tiefschlaf und Turya – Überbewusstsein). Hier gibt es weder Zeit noch Tod.

 

  1. Vers

Khechari Mudra sollte man so lange praktizieren, bis man in den Yoga-Schlaf (Samadhi) gefallen ist. Derjenige, der in diesen Schlaf gefallen ist, hat keine Angst mehr vor dem Tod.

Im Sanskrit steht dort: Apya sed (Man übe) Khechari (die Khechari Mudra) tava (so lange) nyava (bis) Yoga Nidra prasamprabhda (erreicht ist).

Yoga Nidra wird heutzutage meistens bezeichnet als Tiefenentspannungsübung im Liegen. Es gab einen Yogameister (Swami Satyananda), der verschiedene Meditationstechniken miteinander kombinierte und daraus die Yoga Nidra Übungen gemacht hat.

 

In der Hatha Yoga Pradipika ist Yoga Nidra ein anderer Name für Samadhi. Der Geist ist innerlich ruhig und damit „Nidra“, so wie im Tiefschlaf. Aber es ist Yoga, eben Vereinigung. Man übt jetzt die Khechari Mudra – also den Kopf nach hinten, die Zunge nach hinten und durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schauen – so lange, bis der Geist von selbst ruhig wird. Dann kannst du Zunge und Augen und alles vergessen und in dieser tiefen Meditation (oder Samadhi) verweilen. So kommst du zu einem Zustand jenseits von Körper und Geist, und damit verschwindet natürlich auch das Überwinden von Kala (der Zeit) und damit des Todes. Du kommst zu einer Region jenseits von allem Werden und Vergehen.

 

  1. Vers

Nachdem der Geist freigemacht worden ist, indem er von jedem Objekt der Vorstellung entfernt wurde, sollte man an nichts denken. Dann verbleibt man gewiss wie ein Topf: Innen und außen gefüllt mit Akasha.

Oder in einer anderen Übersetzung:

Befreie den Geist von allen Gedanken. Denke an nichts. Sitze fest und unerschütterlich wie ein Krug im Raum.

Mache Manas Miramlamba (zu einem stütze-losen Zustand), lasse also alles los im Geist, und dann Shintayit (denke) na (nicht) kinshit (an irgendetwas). Dann bist du wie Gatta (wie ein Topf). Es gibt den inneren und den äußeren Raum.

 

Das soll heißen: Der Körper sitzt weiter da, aber dein Bewusstsein ist wie der Raum. Du weißt: Du bist nicht nur im Körper, sondern auch außerhalb des Körpers. Du bist unendlich und ewig.

Dies wären also diese drei Schritte von Khechari Mudra: Zuerst sitzt du, dann gibst du den Kopf leicht nach hinten, die Zunge nach hinten und schaust zum Punkt zwischen den Augenbrauen.

Zunächst übst du vielleicht auch noch Mula bandha, verbindest Ida und Pingala im Muladhara Chakra. Dann ziehe die Energie durch die Sushumna nach oben. Stelle dir vor, dass Prana nach oben steigt. Dann schaue durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben (Vyoma Chakra), in die Unendlichkeit. Schließlich löse dich sogar davon, entspanne Zunge und Augen, und erfahre dich als unendliches Bewusstsein ohne jegliche Grenze.

 

 

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Durch Blickrichtung kannst du eine Wirkung auf den Geist erzielen. Das sind Variationen von Shambhavi Mudra. Welche Wirkung dies haben kann, darüber spricht Svatmarama ab dem 39. Vers des 4. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika.

 

  1. Vers

Blicke mit den Augen zum Licht, indem du die Augenbrauen etwas hochziehst. So nimmst du die Stellung von Shambhavi Mudra ein. Dies führt zu Unmani Avastha, dem Zustand jenseits des Geistes.

 

Oder ein anderer Kommentar:

Hefte den ruhigen Blick auf den Gesichtssinn, schaue also auf die Nasenspitze, und ziehe dabei die Augenbrauen etwas hoch. Der Geist betrachtet – wie zuvor in der Shambhavi Mudra beschrieben – Brahman im Herzen, während es so aussieht als schaue man nach unten. Dies wird Unmani Avastha erzeugen.

 

Was heißt das Ganze?

Svatmarama sagt: Tari (die Pupillen, Tara) richtend (samjoja) auf Djuti (das innere Licht).

Was heißt „den Blick auf das Licht zu richten“?

Hierzu gibt es mehrere Kommentare.

Manchmal wird gesagt, dass es heißt, auf die Nasenspitze zu schauen.

Manchmal heißt es, nach oben zum Punkt zwischen den Augenbrauen zu schauen, oder auf die Stirn.

Vielen Menschen geht es so: Wenn sie die Augen schließen und auf die Stirn schauen, dann sehen sie ein inneres Licht. Und so kann man sagen, dass es tatsächlich drei verschiedene Varianten von Shambhavi Mudra gibt.

Mit offenen Augen beständig auf etwas schauen wie im Tratak, sich dabei aber auf ein Chakra konzentrieren.

Auf die Nasenspitze schauen. Hierbei ist es oft gut, sich auf das Anahata Chakra (Herzchakra) zu konzentrieren. So findest du tiefe Ruhe des Geistes.

Auf den Punkt zwischen den Augenbrauen schauen, also die Augen ganz hoch geben, sodass die Pupillen dort verschwinden. Konzentriere dich auf das Ajna Chakra, die Mitte der Stirn.

 

Zwei Worte zur Vorsicht:

Wenn du Kopfschmerzen verspürst beim Schauen auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, dann mache diese Übung nicht, sondern übe ausreichend Augenübungen.

Wenn du Shambhavi Mudra übst, dann solltest du auch die anderen Yoga-Augenübungen üben, damit du nicht bestimmte Muskeln überlastest – du solltest alle Augenmuskeln benutzen.

 

Weiter geht es:

Nach der vorher gelehrten Methode (Purva Yoga) konzentriere den Geist (Manas Junja).

Hier gibt es mehrere Interpretationen.

Swami V. sagte gerne: Schaue auf die Nasenspitze oder auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, und dann konzentriere dich auf eines der Chakras. Wenn du zur Nasenspitze schaust, dann konzentriere dich zum Herzchakra, und wenn du zum Punkt zwischen den Augenbrauen schaust, dann konzentriere dich auf das dritte Auge.

Weiter: Und das führt (Karaka), ist der Verursacher für Unmani, für den Zustand jenseits des Geistes, und zwar Kshanath (sofort, augenblicklich).

Wenn du magst, kannst du das jetzt gerne ausprobieren. Sitze oder stehe ruhig, richte den Blick auf die Nasenspitze oder auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, und konzentriere dich dann entweder auf das Herz oder die Stirngegend. Erfahre Ruhe des Geistes.

 

  1. Vers

Einige sind den Veden ergeben, andere den Agamas (anderen überlieferten Lehren), während andere in die Logik eingehüllt sind. Aber kaum einer erkennt den Wert dieser Mudra. Mithilfe dieser Mudra können wir das Meer aller Seinszustände überbrücken.

 

Swami Vishnu sagt:

Viele werden irregeleitet durch die verführerischen Versprechungen der Schriften und der Tantras. Einige werden irregeleitet durch vedische Rituale, andere durch Logik. Aber niemand von ihnen weiß um den Wert von Unmani Avastha, der es einem ermöglicht, den Ozean des Seins zu überqueren.

Es gibt also einige, die haben Blendwerk durch Agama (die überlieferten Lehren, z. B. die Veden). Agama sind auch spätere Lehren. Es gibt eine bestimmte Art von Literatur, die nennt sich Agama. Nigama sind die vedischen Texte. Da gibt es ein großes Gedränge von Schriften (Sankula). Und dann gibt es die, die durch philosophische Spekulation (Tarka) oder durch logische Schlussfolgerungen (Muchjanti) verwirrt werden. Aber sie kennen dann eben nicht Taraka, den wahren Retter.

 

Es ist hier etwas Ähnliches wie er es im 1. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika gesagt hat: Hatha Yoga ist wie eine beschützende Zuflucht für die von den drei Arten des Leidens verbrannten Seelen. 

Dann sagt er noch: Hatha Yoga ist wie eine Schildkröte, die die Welt trägt für diejenigen, die verwirrt sind durch die verschiedenen Weltanschauungen.

Svatmarama geht es darum, unabhängig von Weltanschauungen zu einer Erfahrung zu kommen.

Es gibt so viele verschiedene Weisen, wie man Spiritualität sieht, so viele Philosophien und Weltanschauungen, und gerade in Indien gibt es so viele Religionen und innerhalb der Religionen so viele Unterscheidungen. Es gibt auch innerhalb einer bestimmten philosophischen Richtung so viel Untergruppierungen.

Letztlich will er sagen: Es gibt etwas jenseits von all dem, und das ist die lebendige Erfahrung. Und z. B. kann das Shambhavi Mudra helfen, zur Befreiung zu kommen.

 

  1. Vers

Mit halb geschlossenen, auf die Nasenspitze fixierten Augen, mit einem beständigen Geist und mit Sonne und Mond in einen Schwebezustand gebracht, erlangt der Yogi den Zustand, in welchem er die Wahrheit in Form eines strahlenden Lichtes erfährt, welches die Quelle aller Dinge ist und welches das allerhöchste der zu erreichenden Objekte ist. Was noch höheres als dies könnte erwartet werden?

Svatmarama lobt diese Meditationstechnik über alle Maßen. Jetzt geht es tatsächlich auf die Nasenspitze, also Ardha Unmilita, halb (Ardha) geschlossen und Milita lotshana (Augen), dabei Manas (den Geist) sthira (beständig) halten. Nasagra (auf die Nasenspitze) datta (gerichtet), und zwar die Augen. Dabei werden Chandra (der Mond) und Arka (die Sonne) in der Ruhe gehalten. Also: Sonne und Mond werden Linata (zur Auflösung) gebracht, und dabei gibt es auch nicht Panda, einen reglosen Zustand von Körper, Sinne und Geist. Dann gilt es zu meditieren auf Djotis Rupa, auf die Form des Lichtes, und dieses ist überaus strahlend. So kommt man zur höchsten Wahrheit.

 

  1. Vers

Während des Tages und der Nacht sollte man nicht über den Lingam meditieren. Wenn beide in ihrer Tätigkeit gezähmt sind, dann sollte man ihn verehren und darüber meditieren.

Linga ist ein Symbol für Shiva. Das Wort Linga heißt wörtlich Merkmal oder Kennzeichen, es heißt aber auch strahlend und leuchtend. Manchmal wird gesagt, dass die Hatha Yoga Pradipika aus der Shaiva-Tradition ist, dass also diejenigen, die in dieser Tradition geübt haben, Shiva-Verehrer waren, und die abstrakte Form Shiva war eben Shivalinga. Das sieht in etwas so aus wie ein meditierender Mensch, oben gerade und dann – wie die Oberschenkel – in die Breite gehend. Es ist auch ein Symbol für die Verbindung des Göttlichen in die Welt, und aus der Welt zum Göttlichen kommend. Linga ist aber eben auch strahlend und leuchtend.

Svatmarama sagt: Die wahre Verehrung Gottes ist nicht die äußere Verehrung. Die wahre Verehrung Gottes ist, wenn du Sonne und Mond – also die Emotionen – zur Ruhe bringst, du nicht in Sonne (Aktivität, Ärger, Gier) und nicht in Mond (Depressivität, Ruhe) bist. Es gibt noch vieles andere, was Sonne und Mond ist: aufnehmen und gestalten, Aktivität und Passivität, Tag und Nacht, Winter und Sommer usw. Diese zur Ruhe zu bringen, das ist die wahre Gottesverehrung, dann erfährst du Gott.

 

Zum Abschluss werde ich eine kurze Meditationsanleitung machen. Du kannst sie mitmachen, entweder im Sitzen oder theoretisch auch im Stehen. Im Sitzen kannst du natürlich tiefer kommen.

 

Sitze oder stehe ruhig. Atme ein paar mal tief ein und aus. Jetzt öffne die Augen und schaue zur Nasenspitze hin. Halte den Blick ruhig auf der Nasenspitze und spüre dabei in dein Herz hinein. Stelle dir im Herzen ein leuchtendes Licht vor und lasse deinen Geist ganz verschmelzen in der Wonne Brahmans, im Herzen.

Stille.

Om Shanti

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ab Vers 35

Shambhavi Mudra ist eine Technik, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Svatmarama nennt Shambhavi Mudra als eine der Haupttechniken der Meditation. Eine Reihe von Übungen werden als Shambhavi Mudra bezeichnet. Diese beschreibt er in den Versen 35 – 42 des 4. Kapitels.

 

  1. Vers

Die Veden, die Shastras und die Puranas sind wie gewöhnliche Frauen des Volkes.

Die Shambhavi Mudra dagegen ist so selten wie eine angesehene Dame aus guter Familie.

Hier gebraucht Svatmarama wieder eine etwas anzügliche Sprache, die er ja öfters nutzt, um letztlich manche Menschen etwas abzuschrecken. Die Hatha Yoga Pradipika gehört ja zur Tantra-Tradition, und da wird manchmal bewusst etwas gesagt, um sich von der Brahmanen-Tradition etwas abzusetzen.

Die Vedas und die Puranas sind die zwei Hauptschriften, aber es gibt auch viele Shastras (weitere Lehrtexte). Svatmarama sagt, es gibt sehr viele davon, und die sind deshalb wie Samanya, also gewöhnliche Gannikas (eigentlich: Prostituierte), von jedem zu haben. Heutzutage können alle lesen. Dies war zu Svatmaramas Zeit vielleicht nicht so, aber man konnte zumindest sich vorlesen lassen, und die meisten Inder konnten zu der damaligen Zeit durchaus einige Verse rezitieren.

Hören – das ist einfach. Aber Shambhavi Mudra, das ist das Siegel der Gattin von Shiva (Shambu). Aber Shambhavi heißt auch glücksverheißend, Shambhavi Mudra ist die glücksverheißende Mudra, und diese ist Gupta – geheimnisvoll und selten wie Vadhu (eine Frau) aus einer Kula (aus guter Familie), also nicht so einfach zu haben.

Er sagt also: Lesen kann jeder – Hatha Yoga Pradipika ist ja auch eine Shastra, eine Schrift. Die Schrift kannst du einfach lesen. Aber wirklich Shambhavi Mudra zu üben ist nicht ganz so einfach.

 

  1. Vers

Wenn man auf Brahman im Herzen zielt und gleichzeitig den Blick ununterbrochen, ohne mit den Augen zu blinzeln, auf ein äußeres Objekt richtet, wird es Shambhavi Mudra genannt.

Diese Mudra wurde in den Veden und in den Sutras, in den Shastras geheimgehalten, also ursprünglich Atta Shambhavi. Jetzt folgt Shambhavi Mudra.

Was ist Shambhavi Mudra?

Anta Lakhshya, also die Konzentration nach innen, und zwar während (drishti) der Blick (Bahis) nach außen gerichtet ist und nimesha unmesha (Augenniederschlag und Augenaufschlag) bajita (frei) ist, also ohne zu blinzeln – das ist Jeshasa, ist Shambhavi Mudra. Das ist die glücksverheißende Mudra, und sie ist gupita (geheimgehalten) in den Vedas und in den Yogalehrtexten, den Shastras.

 

Das heißt also:

Die Konzentration nach innen richten, während der Blick nach außen geht. Hier gibt es jetzt verschiedene Übungen.

 

Eine Möglichkeit: Du schaust auf etwas und konzentrierst dich auf eines der Chakras. So beschreibt es Swami V.: Shambhavi Mudra besteht darin, den Geist innerlich auf ein Chakra zu fixieren und die Augen auf ein äußeres Objekt zu richten, ohne dabei zu zwinkern. In einer anderen Übersetzung heißt es, „Brahman im Herzen zu halten“, also den Geist nach innen zu richten und im Herzen Brahman zu sehen. Das könntest du, wenn du willst, jetzt gleich probieren. Du schaust auf etwas, das könnte eine Kerzenflamme sein, das Bild von Swami Sivananda oder auch ein Punkt an der Wand sein. Du schaust beständig darauf und konzentrierst dich dabei auf eines der Chakras, z. B. auf der Herzchakra oder auf das Ajna-Chakra oder auf das Vishuddha-Chakra. Damit geht es meist am leichtesten, es geht natürlich auch auf Muladhara, Swadisthana, Manipura oder Sahasrara. Dies ist eine Form der Meditation, die insbesondere geeignet ist, wenn dein Geist zur Unruhe neigt. Wir finden dies auch im Zen, wo man auf eine Wand schaut und gleichzeitig den Geist ruhig hält.

 

Diese Form von Shambhavi Mudra kann übrigens auch etwas sein, mit dem du eine Herzensverbindung herstellen kannst. Wenn du z. B. mystische Erfahrungen machen willst, könntest du einen Baum anschauen, zu ihm hinschauen und dabei dein Herz spüren. Wenn du auf den Baum schaust und dabei mit deinem Herzen spürst, spürst du plötzlich, wie du eine Verbindung hast zu diesem Baum. Du könntest auch auf einen Felsen, einen Altar oder eine Blume schauen und dich dann auf eines der Chakras konzentrieren. Das geht übrigens auch mit einem Partner oder eine Partnerin – du kannst ihm in die Augen schauen und gleichzeitig Herzensverbindung oder Dritte-Auge-Verbindung spüren.

Shambhavi Mudra ist also eine Mudra, die du verwenden kannst, um Herzensverbindung oder Dritte-Auge-Verbindung herzustellen, und um eine mystische Verbindung zu diesem Objekt herzustellen. Oder du kannst Shambhavi Mudra nutzen, um mit einem Menschen Kontakt herzustellen, oder um einfach in der Meditation in die Tiefe zu kommen.

 

  1. Vers

Es handelt sich erst wirklich um Shambhavi Mudra, wenn Geist und Atem des Yogi in ein äußeres Objekt absorbiert sind, und wenn seine Augen, die scheinbar äußere Dinge betrachten, unbeweglich sind. Wird dieser Zustand mithilfe des Guru erreicht, verwirklicht der Yogi den strahlenden Zustand von Shambo, welcher noch höher ist als Shunya (Leere) und doch nicht Leere.

Der Yogi soll also Anta Lakshya, seinen Geist absorbiert halten in einem inneren Konzentrationspunkt. Swami V. interpretiert dieses auch als inneres Chakra. Indem man sich auf ein inneres Meditationsobjekt konzentriert wird auch der Atem vollkommen ruhig, und mit unbeweglichem Blick (drishtja) schaut der Mensch nach außen. Dies ist dann wahrlich das Siegel von Shambhavi, und dieses wird nur erreicht durch Prasada, durch die Gnade des Gurus. So wird Tattva offenbart, die höchste Realität, der Ort von Shabhava (von Shambo, von Shiva), und dies ist sogar jenseits von Shunya und Ashunya (Leere und Nichtleere).

 

  1. Vers

Shambhavi Mudra und Khechari Mudra sind, obgleich sie sich in der Augenrichtung und in der Konzentrationsrichtung unterscheiden, eins in ihrem Resultat. Beide führen zum Zustand der Glückseligkeit, des absoluten Bewusstseins, und dieses wird hervorgerufen durch den Inatman, den absorbierten Geist.

 

Ich gehe die einzelnen Sanskritworte durch:

Es gibt zwei großartige Mudras, die Shri Shambhaviya (die erhabene Shambhavi Mudra), und Khechariya (die Khechari Mudra), und die sind unterschiedlich durch den Dharma, den Ort und die Position der Augen. Aber durch beide entsteht (Bhavet) Citta (des Geistes) Laya (Ruhe), und in dieser Leere entsteht Ananda, die Glückseligkeit, und es entsteht das Wesen (okini) von Wonne (Sukha) und Chit (reiner Bewusstheit).

 

 

Im 3. Kapitel hat Svatmarama sehr viel über Khechari Mudra gesprochen. Khechari Mudra ist zum einen das Zurücknehmen der Zunge, zum anderen auch das Nach-oben-Schauen der Augen und auch den Kopf leicht nach hinten geben, mit dem Gesicht nach oben schauen. Khechari Mudra führt zum Ruhen des Geistes.

Hier spricht er von der Shambhavi Mudra, wo man in die Weite schaut, auf ein bestimmtes Objekt, und dann die Konzentration auf eines der Chakras bringt.

Beides führt den Geist zur Ruhe.

Es gibt noch weitere Shambhavi Mudras, über die er in den nächsten Versen spricht.

 

Shambhavi Mudra wie er es hier bisher beschrieben hat, ist eine Übung, die du vielleicht gleich machen kannst: Man schaut auf ein Objekt und bringt die Konzentration des Geistes auf ein inneres Chakra. Eine einfache Weise, den Geist zur Ruhe zu bringen und zur Freude, und über das Herzchakra ist besonders leicht, oder auch über das dritte Auge. Wenn du magst, kannst du es jetzt gleich machen, ich werde dich gleich dazu anleiten.

 

Suche dir jetzt ein Objekt aus, auf das du beständig schauen willst. Das geht im Stehen wie im Sitzen. Während du beständig dorthin schaust, atme zwei- oder dreimal tief ein und aus, und dann spüre gleichzeitig dein Herzchakra. Schaue auf das Objekt, lasse den Atem sehr ruhig werden und spüre dein Herzchakra. Verweile so lange wie du willst in diesem ruhigen Gemütszustand.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika, Verse 29 – 34

Laya bedeutet

Auflösung

Ruhe des Geistes

Ist der Geist vollkommen aufgelöst und zur Ruhe gebracht, dann erfahren wir unsere wahre Natur.

Lasst uns schauen, was Svatmarama – der Autor der Hatha Yoga Pradipika – schreibt:

 

  1. Vers

Der Geist ist der Herrscher über die Indriyas (die Sinnesorgane).

Prana ist der Herrscher über den Geist.

Laya (das Einziehen) ist der Herr über das Prana.

Dieses Laya ist abhängig von Nada, dem inneren Klang.

So beschreibt Svatmarama, wie wir die Herrschaft über die Sinne bekommen.

Der Geist beherrscht die Sinne. Wenn du ihn in eine bestimmte Richtung lenkst, dann spürst du das Andere nicht. Wenn du z. B. etwas siehst, was dich ärgert, dann schau woanders hin. Oder wenn du Gier nach irgendetwas hast, was eigentlich nicht gut für dich ist, dann ziehe deinen Geist woanders hin. Indriyas können ohne den Geist nichts machen – der Geist ist Herrscher über die Sinne.

Prana ist der Herrscher über den Geist. Wenn ein Geist unruhig ist, dann übe Pranayama. Ist dein Atem über Pranayama ruhig, und ist über Pranayama das Prana ruhig geworden, dann wird auch dein Geist wieder ruhig und dann werden auch die Sinne ruhig.

 

Wie kannst du Prana beherrschen? Hier sagt Svatmarama, dass du direkt Laya üben kannst. Wenn es dir direkt gelingt, den Geist zur Ruhe zu bringen, dann wird auch das Prana unter Kontrolle gebracht. Über das Zur-Ruhe-bringen des Geistes bringst du das Prana unter Kontrolle, dann wird der Geist langfristig ruhiger und dann kannst du auch deine Sinne beherrschen.

 

Wie beherrschst du Laya? Wie erreichst du Laya, die Ruhe des Geistes? Durch Nada, also durch den Klang. Nada bedeutet hier also nicht das „Nichts“ (so wie im Spanischen), sondern Nada bedeutet Klang, und insbesondere ist es Anahata, der innere Klang.

Es gibt zwei Arten von Klang:

Nahata-Klang, der angeschlagene Klang: Wenn ich z. B. mit meinen Händen klatsche, dann entsteht der Klang durch das Anschlagen der Hände. Oder der Klang, der durch das Anschlagen der Trommel entsteht.

Aber es gibt auch Anahata, der nicht angeschlagene Klang. Das ist der innere Klang, der kommt, wenn du den Geist nach innen richtest. Dies ist eine der Haupttechniken der Meditation, die Svatmarama in der Hatha Yoga Pradipika empfiehlt, nämlich die Konzentration auf den inneren Klang.

 

Natürlich empfiehlt er auch Kevala Kumbhaka am Ende der Pranayama-Praxis: Den Atem ganz zur Ruhe kommen lassen, und wenn er zur Ruhe kommt dann löse den Geist von allem Relativen, und dann bist du in der Ruhe.

Er kennt auch die Meditationstechnik, die auf Shambavi Mudra beruht, und er kennt die Ananhata Nada Meditation, die Konzentration auf den inneren Klang. Oder auch das direkte Laya, das direkte Auflösen des Geistes, in dem die Kundalini erweckt ist.

Es gibt also mehrere Hauptmeditationstechniken. Auch aus den Mudras entsteht Meditation. Er sagt auch: Wenn man eine Mudra beherrscht, dann kann die Kundalini erwachen, und dann kommt die Meditation von selbst.

Er sagt also: Ist die Kundalini erweckt, dann wird der Geist von selbst zur Ruhe kommen und dann brauchst du dich in der Meditation nicht bemühen. Oder du kannst das Prana unter Kontrolle bekommen, indem du Laya (Ruhe des Geistes) erzeugst – konkret Manolaya -, und das erreichst du durch Konzentration auf Anahata Nada, den inneren Klang.

 

  1. Vers

Wird der Geist zurückgezogen, dann nennt man dies Moksha, auch wenn dies von manchen bestritten wird. Wie auch immer: Werden das Prana und Manas (der Geist) absorbiert, dann wird eine unbeschreibliche Freude empfunden.

 

Er sagte:

Soyam – diese erwähnte Auflösung des Geistes – ist also Moksha (Befreiung). Ist der Geist vollkommen beruhigt, dann ist Moksha erreicht.

Matantara – es gibt noch andere Yogis, die damit vielleicht nicht einverstanden sind. Im alten Indien gab es die verschiedensten auch intellektuellen Auseinandersetzungen. Es wurde immer wieder gefragt: „Was führt zu Moksha?“ Shankara sagt z. B., dass nur Jnana zu Moksha führt. Die Bhaktas (die großen Gottesverehrer) sagen, dass nur die Hingabe zu Gott zur Gnade Gottes führt, und nur die Gnade Gottes führt zu Moksha. Savatmarama sagt hier nun: egal, was die anderen versuchen dir einzureden – die Ruhe des Geistes führt zu Moksha.

Was passiert, wenn Manas und Prana zu Laya (zur Auflösung) geführt werden? Dann geschieht Kashtshit, eine unbeschreibliche (Ananda) Glückseligkeit (Sampravartate) stellt sich ein.

 

Mit anderen Worten:

Übe die Ruhe des Geistes, dann erfährst du Glückseligkeit.

Willst du glücklich sein, dann beruhige deinen Geist.

Du wirst nicht glücklich, indem du den Wünschen hinterherrennst.

Du wirst nicht glücklich, wenn du probierst andere so zu manipulieren, dass sie tun was du gerne hättest.

Du wirst nicht allein dadurch glücklich, dass du den richtigen Arbeitsplatz, die richtige Wohnung, die richtige Kleidung, das richtige Smartphone usw. findest.

Du wirst glücklich sein, wenn du deinen Geist zur Ruhe bringst.

Deine wahre Natur ist Satchitananda – Sein, Wissen und Glückseligkeit.

Bringe den Geist zur Ruhe, und dann strahlt diese Glückseligkeit.

 

  1. Vers

Ein Yogi, der seine Ein- und Ausatmung eingestellt hat, dessen Sinne absolut ruhig geworden sind, dessen geistige Aktivität eingestellt ist und dessen Emotionen ruhig sind, wird in Laya Yoga Erfolg haben.

Hier beschreibt er verschiedenes, was zu Laya, dieser Ruhe, führt:

Verschwinden muss Shwasa (Einatmung) und Nishwasa (Ausatmung). Normalerweise hast du Ein- und Ausatmung. Aber – wie Svatmarama schon im 2. Kapitel des Yoga Sutra gesagt hat – es gibt auch den Zustand Kevala Kumbhaka, wo das Ein- und Ausatmen fast aufhört, nicht mehr spürbar ist. Wenn man eine Feder (z. B. eine ausgefallene Taubenfeder) vor die Nase eines Yogi hält, dann wird sich diese nicht bewegen. Sogar der Herzschlag wird fast aufhören. Wenn das Prana nämlich nicht mehr in den Körper hineingeht, dann hören auch die physiologischen Funktionen fast auf, der Körper kommt in so etwas wie einem Winterschlaf. Dein Atem wird ruhig.

Dann werden natürlich auch die Sinne ruhig. Wenn sie ganz ruhig sind, du nicht mehr gestört wirst (von lauten Geräuschen oder schlechten Gerüchen, wenn etwas blinkt, wenn es zu heiß oder zu kalt ist) – die Sinne sind beruhigt.

Außerdem ist die geistige Aktivität eingeschränkt. Der Geist ist frei von Veränderungen.

Wenn dies alles da ist, dann gibt es natürlich auch keine Bewegungen des Körpers (Nishtsheshtas) und keine Emotionen.

So sind dann die Dinge und du bist in Laya Yoga, du hast Jajati (Erfolg) im Laya Yoga.

Der Yogi erfährt also Erfolg im Laya, wenn all das ruhig ist. Samadhi ist gekennzeichnet von Bewegungslosigkeit des Körpers und des Atems, Nicht-Wahrnehmen von irgendwelchen Indriyas.

Ich habe einmal an einer Studienreihe über Meditation mitgewirkt, wo EEG und EKG gemessen wurden und alles mögliche andere, und bei manchen Menschen, die ganz tief in die Meditation gehen konnten, gab es keine Veränderungen, wenn plötzlich ein lautes Geräusch erzeugt wurde oder jemand das Fenster aufgerissen hat – der Geist ist vollkommen in der Ruhe.

 

  1. Vers

Sind geistige und physische Aktivitäten nicht mehr vorhanden, tritt der nicht mehr beschreibbare Zustand von Laya ein. Dies kann nur von einem Yogi erfahren werden.

Es gibt einen Zustand, in dem jegliche (Sarva) geistige Veränderung (Sankalpa) verschwunden (Ucchina) ist, und auch Freiheit (Nishesha) von allen (Sheshtita) Bewegungen des Körpers.

Dabei ist nur noch Laya (Auflösung) wahrnehmbar, und diese ist unbeschreiblich. Sie entsteht und ist jenseits des Bereiches der Sprache. Sie ist nicht beschreibbar, sondern nur wahrnehmbar, indem man es selbst erfährt.

Mit anderen Worten: Obgleich Svatmarama jetzt in einigen Versen (es sind letztlich über 30 Verse) versucht zu beschreiben, was es heißt, Ruhe des Geistes und Ruhe des Prana zu bekommen, ist dies nicht wirklich beschreibbar, es ist nur erfahrbar.

Warum schreibt Svatmarama dann so viel darüber? Der Grund ist: Er will uns den Mund wässrig machen. Er will letztlich unsere Sehnsucht nach dieser Befreiung, nach dieser Wonne stärken und uns bewusst machen: Ja, es ist möglich, Samadhi zu erreichen, es ist möglich Moksha zu erreichen, und das ist etwas Großartiges.

 

  1. Vers

Menschen sprechen immer wieder von Laya, aber was ist mit Laya gemeint?

Was ist Laya? In Laya wird Drushti (die geistige Wahrnehmung) zurückgenommen, entfernt. Laya Avidja, welches die 5 Elemente und die 10 Indriyas kontrolliert.  Und auch das Vidja, welches die Jnana-Shakti der Lebewesen ist, geht in den Zustand von Laya, in Brahman über. Wo auch immer Drishti (der innere Blick) verweilt, dort findet Auflösung statt. Der geistige Blick muss also nach innen gerichtet werden, und dann findet Auflösung statt. Wo die Auflösung stattfindet, dort lösen sich die Elemente (brutas), die Indriyas und letztlich auch die scheinbar ewig existierende Unwissenheit auf.

Dann gibt es diese ehrwürdige Shakti, die die lebendigen Wesen in zwei Energien hält, die unsichtbaren und die nicht zu definierenden – all das kommt in die Auflösung, und so erreicht man die höchste Verwirklichung.

Es gibt also Elemente, es gibt Indriyas, es gibt Gedanken, es gibt all das Lebendige – all das gilt es aufzulösen, indem man den geistigen Blick zur Ruhe bringt.

 

  1. Vers

Die Menschen sagen gerne Laya Laya. Was jedoch ist überhaupt der Zustand von Laya? Laya ist der Zustand, in den man über die Meditation auf ein Objekt die Sinnesobjekte vergisst und die Vasanas nicht wieder auftauchen, sondern völlig gestillt sind.

Es gibt hier verschiedene Varianten der Übersetzung.

Menschen sprechen von Laya und von Samadhi – viele wissen aber nicht, wovon sie sprechen. Was ist jetzt dieser Zustand von Laya?

Dort sagt Svatmarama im Vers einfach: Laya heißt das Vergessen von Dingen der sinnlichen Wahrnehmung und wenn sich die Begierden nicht mehr in unser Dasein erheben.

Mein Lehrer hat ergänzt: Laya ist der Zustand in der man über die Meditation auf ein Objekt die Sinnesobjekte vergisst und die Vasanas nicht wieder auftauchen, sondern völlig gestillt sind.

 

Laya ist also Ruhe, das Vergessen von Dingen der sinnlichen Wahrnehmung, keine Begierde, Ruhe des Geistes. Tiefe Meditation ist eine Weise, wie man das erreichen kann.

Wenn dich äußere Dinge zu sehr stören, dann hast du noch nicht Laya erreicht und hast auch nicht die Fähigkeit zu Laya. Es ist nicht so, dass die äußeren Dinge dich stören, sondern deine Reaktionen auf die äußeren Dinge stören dich. Du könntest z. B. probieren: Wann immer du dich aufregst, dann versuche, dich nicht aufzuregen. Natürlich ist es manchmal auch gut, sich aufzuregen, um etwas Äußeres zu ändern. Aber du solltest nicht der Sklave von Reiz-Reaktions-Ketten werden. Viele Menschen haben irgendwelche Tasten, die nur jemand anders drücken muss und schon fangen sie an zu kollabieren, sich zu ärgern usw. Viele Menschen haben Knöpfe, und es gibt andere, die wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen, um einen zur Weißglut zu bringen, zum Aufgeben oder in die Unruhe zu bringen. Das ist unwürdig! Sorge dafür, keine Knöpfe mehr zu haben, die andere drücken können. Du kannst es lernen, dich davon zu lösen.

 

Noch einmal die Aufgabe:

Bemühe dich in der nächsten Woche öfter, deinen Geist zur Ruhe zu bringen, dich zu lösen. Mache das entweder, indem du einfach den Geist zur Ruhe bringst, oder mache es, indem du deinen Geist auf ein bestimmtes Zentrum richtest (Ajna Chakra, Anahata Chakra), oder indem du bewusst deinen Atem beruhigst, z. B. durch 4 Sekunden einatmen und 4 Sekunden ausatmen, oder ein paar Mal tief ein- und ausatmen und dann den Atem zu Kevala Kumbhaka führen und wenig Luft ein- und ausatmen – dann spürst du die innere Ruhe. Auch einfach die Übung von mehr Pranayama verhilft dir zu mehr Ruhe.

 

Hari Om Tat Sat

Hier noch der Hinweis: Alle Verse zur Hatha Yoga Pradipika findest du auf unseren Internet-Seiten: schriften.yoga-vidya.de

Es fällt viel leichter, den Geist zur Ruhe zu bringen, wenn du mal ein paar Tage oder Wochen in einem Ashram verbringst, z. B. in einem der Yoga Vidya Ashrams. Dort ist alles darauf ausgerichtet, dass du tiefer meditieren und viel Pranayama üben kannst.

In Bad Meinberg haben wir auch das Shivalaya Retreatzentrum, wo du auch für dich allein praktizieren kannst, z. B. so, wie es in der Hatha Yoga Pradipika beschrieben wird.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika, ab Vers 21

Svatmarama schreibt weiter zum Thema „Wie kommen wir zur Ruhe des Geistes über Prana-Beherrschung“. Die ganzen Verse bis einschließlich des 28. Verses des 4. Kapitels sind vorbereitende Verse, oder auch eine Wiederholung des Konzeptes von Hatha Yoga:

Über Körper-Beherrschung beherrschen wir das Prana.

Über Prana-Beherrschung beherrschen wir den Geist.

Mit Asanas, Pranayama und Mudras bringen wir das Prana ins Muladhara Chakra, in die  Sushumna.

Fließt das Prana in die Sushumna, dann wird der Geist ruhig, die Kundalini erwacht, und dann entsteht Überbewusstsein, Samadhi und Befreiung.

Dies beschreibt er jetzt auch in den Versen 21 – 28.

 

  1. Vers

Derjenige, der den Atem kontrolliert, kontrolliert auch die Geistestätigkeit.

Derjenige, der Kontrolle über den Geist hat, erlangt auch Kontrolle über das Prana.

Bhavana heißt Lebenshauch, Atem und Prana. Wer Bhavana bhatjate erreicht hat, wer also den Atem und damit auch das Prana beherrscht, der beherrscht auch Manas, den Geist.

Umgekehrt: Wer Manas (den Geist) bhatjate (kontrolliert), der kontrolliert auch den Atem und das Prana.

 

Prana und Geist hängen also zusammen. In einfachen Fällen kennst du das:

Angenommen, du ärgerst dich über etwas oder jemanden – dann schnaufst du typischerweise unruhig.

Angenommen, du hast vor etwas Angst – dann atmest du vielleicht schnell und unruhig.

Einmal angenommen, du bist in einer großen Ruhe des Geistes – dann atmest du ruhig und gleichmäßig.

Der Geisteszustand führt also zu einem Zustand des Pranas, und das hat eine Auswirkung auf den Atem.

Umgekehrt kannst du natürlich den Atem beherrschen und damit den Geisteszustand beherrschen. Es gibt z. B. den Lampenfiebertransformationsatem oder auch den Ärgertransformationsatem (dazu haben wir auch Videos im Internet), und es gibt die vielen Pranayama-Übungen,  mit diesen Atemübungen beruhigst du den Geist. Hast du einen unruhigen, ängstlichen oder ärgerlichen Geist, dann übe Pranayama, und so bekommst du den Geist zur Ruhe.

 

Svatmarama sagt ja auch: Ist jemand in der Lage, seinen Geist ganz zu beherrschen, dann beherrscht er auch sein Prana.

In den vorherigen Versen schien er etwas absolutistisch zu sein, da sagte er: Nur, wer durch Hatha Yoga Übungen sein Prana zur Ruhe bekommt und dadurch die Kundalini erweckt, nur der kommt zu Samadhi.

Hier sagt er aber jetzt auch: Derjenige, der seinen Geist beherrscht – auch durch andere Übungen – der kann auch sein Prana beherrschen und dadurch die Kundalini erwecken. Beides geht zusammen.

Swami Sivananda sagt: Der Jnana-Yogi, der gelernt hat, sich von allen Verhaftungen zu lösen, hat einen so klaren Viveka (Unterscheidungskraft), dass er eine Herrschaft über den Geist hat und allein durch seinen Willen die Kundalini erwecken kann.

  1. Vers

Die zwei Grundlagen des wandelbaren Geistes des Menschen sind alte Eindrücke und Wünsche (Vasana) und Atem bzw. Prana. Wer eines von beiden überwindet, der kann beide zusammen überwinden.

Der Geist (Citta) hat ständige Unruhe, und es gibt ständig Gedanken. Und es gibt Dvaya zweifache (heto) Ursache warum der Geist unruhig ist. Das eine ist Vasana, das sind unterbewusste geistige Eindrücke wie auch Wünsche, und zum zweiten Samirana, welches zum einen der Lebenshauch (Atem) und zum anderen auch das Prana ist. Wenn du eines von beiden zur Ruhe bringst (Ekasmin – eines; Vinashta – zur Ruhe bringst), dann werden beide zur Ruhe gebracht.

 

Angenommen, es gibt keinen Wunsch in deinem Geist, dann ist auch dein Prana ruhig. Oder angenommen, du bringst dein Prana zur Ruhe, dann gibt es auch keine Wünsche im Geist.

Wenn der Geist in seinem gewissen Normalzustand ist, dann taucht plötzlich ein Vasana (Wunsch) auf, und du hast plötzlich eine Unruhe des Geistes. Du magst vielleicht eine gewisse Geistesruhe habe, und dann siehst du jemanden, der dich komisch anschaut oder der ein Wort sagt, was dir nicht gefällt, und dann werden Vasanas belebt und du bist sofort auf 180, unruhig.

Es kann aber auch sein, dass aus irgendwelchen pranischen Gründen dein Geist unruhig wird – seien es astrologische Konstellationen oder Biorhythmen, oder du fängst die Energie eines anderen auf und das macht dich unruhig – dann findest du schon Gründe, dich über irgendetwas aufzuregen.

Manchmal kommt erst die Unruhe des Prana und dann die Suche nach etwas worüber du dich aufregen kannst, und manchmal kommt erst etwas, worüber du dich aufregen kannst, und dann folgt die Unruhe des Prana.

 

Aber: Es liegt an dir! Du kannst deinen Geist zur Ruhe bringen.

Du könntest z. B. sagen „Ich will jetzt ruhig sein“. Hatha Yoga – jetzt Yoga, jetzt Ruhe. Oder du könntest auch sagen: „Es liegt unter meiner Würde, einem Menschen, der mir nicht wohlgesonnen ist, so viel Macht über meinen Geist zu geben“.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Menschen anderen Menschen viel Macht über ihren Geisteszustand geben, insbesondere solchen Menschen, von denen sie annehmen, dass sie ihnen nicht wohlgesonnen sind. Das ist ziemlich unwürdig. Lerne es, dich nicht so von anderen Menschen beeinflussen zu lassen. Mache dich nicht abhängig von den Gedanken, Taten und Worten anderer, insbesondere nicht von denen, die dir nicht wohlgesonnen sind. Du kannst über die Vasanas hinauswachsen. Du kannst über Sankalpas hinauswachsen. Wachse über alle Eindrücke im Unterbewusstsein, alle Samskaras hinaus. Und wenn das nicht über Raja Yoga geht, dann übe eben mehr Pranayama. Du könntest auch anderen dankbar sein, dass sie deinen Geist unruhig machen, weil sie dich damit zu mehr Pranayama-Praxis inspirieren.

Es gelingt, über Pranayama den Geist zu beruhigen.

 

  1. Vers

Wo der Geist absorbiert wird, wird das Prana kontrolliert.

Und wo das Prana kontrolliert wird, wird auch der Geist zur Ruhe gebracht.

Manas kommt zu Villi (zur Auflösung, zur Ruhe), wenn Bhavana li, also wenn der Lebenshauch zur Ruhe gekommen ist.

Und umgekehrt: Kommt der Lebenshauch zur Ruhe, dann kommt auch der Geist zur Ruhe.

Also beruhige entweder dein Prana – dann beruhigt sich dein Geist. Oder beruhige deinen Geist – dann beruhigt sich auch dein Prana.

 

  1. Vers

Zwischen Geist und Prana besteht eine enge Verbindung wie zwischen Milch und Wasser. Wird eines beherrscht, wird auch das andere beherrscht. Wo auch immer das Prana beherrscht wird, dort wird auch der Geist zur Ruhe geführt, und wo auch immer der Geist zur Ruhe geführt wird, so ist auch das Prana zur Ruhe geführt.

Angenommen du hast Milch (es kann auch Sojamilch sein) – dann gibt es auch Wasser. Das Wasser ist automatisch in dieser Milch drin, du kannst nicht die Sojamilch vom Wasser trennen, es gehört zusammen.

Dies ist vielleicht ein etwas eigenartiger Vergleich, aber Sojamilch ist notwendigerweise zusammen mit der Flüssigkeit. Und so gehören auch Geist und Atem zusammen.

Beherrsche den Atem, so beherrschst du das Prana und damit den Geist. Beherrschst du den Geist, so beherrschst du das Prana und damit den Atem.

So kannst du entweder deinen Geist beherrschen oder deinen Atem und dein Prana beherrschen.

 

 

  1. Vers

Wird das eine zurückgehalten, wird auch das andere zurückgehalten.

Handelt das eine, macht das andere desgleichen.

Werden sie nicht aufgehalten, setzen die Indriyas (die Sinne) ihre jeweilige Tätigkeit fort. Werden aber Geist und Prana zum Stillstand gebracht, dann entsteht Moksha, die Befreiung.

Solange also Prana aktiv und Atem und Geist unruhig sind, solange gibt es auch die Indriyas, die Sinne. Wenn die Indriyas aktiv sind, dann siehst du alles, was da ist, und du willst alles mögliche tun. Bei Unruhe des Geistes und des Pranas bist du also in dieser Welt. Bringe eines von beiden zur Ruhe, dann sind beide ruhig, und dann erreichst du Moksha, die Befreiung. Du bist nicht mehr gezwungen, etwas zu tun oder zu erfahren – du bist frei. Samadhi führt zu Moksha, Ruhe des Geistes führt zu Moksha. Herrschaft über das Prana führt zur Ruhe des Geistes und damit zu Moksha.

 

  1. Vers

Die Natur des Geistes ist wie Quecksilber: unbeständig bzw. wechselhaft. Bindet man sie (d. h.: bringt man sie zur Ruhe) – was auf dieser Welt ist unmöglich?

Hier sagt er also: Das Quecksilber ist normalerweise unruhig. Quecksilber ist ja ein Metall, welches bei Raumtemperatur flüssig ist, und damit ist es unruhig. Im Unterschied dazu sind z. B. Gold und Eisen fest. Quecksilber ist dagegen unruhig, und es ist schwer, es wieder aufzufangen.

Svatmarama bezieht sich hier ein bisschen auf einen bestimmten Vorgang der Alchemie, wie man Quecksilber fest machen kann. Dies gilt in Indien als alchemistischer Prozess, welcher sicher auch chemisch erklärbar ist, bei welchem flüssiges Quecksilber mit bestimmten Kräutern verbunden wird, und nachher hat man festes Quecksilber. Daraus kann man sogar Murtis machen, also bestimmte heilige Götterfiguren.

 

Ich Sukadev kannte beispielsweise mal jemanden (einen südafrikanischen Amerikaner), der in Indien eine Zeit verbracht hatte und dort bestimmte Tantriker kennengelernt hatte. Er war bei einem heiligen Ritual dabei, wo flüssiges Quecksilber über mehrere Tage in verschiedenen alchemistischen Prozessen mit verschiedenen Pflanzen und Kräutern verbunden wurde. Nachher hatte er dann einen Shiva-Lingam, der fest war. Den hat er dann in ein Tuch eingewickelt und hat mit ihm jeden Tag Puja gemacht. Dieser Shiva-Lingam hatte eine riesige Ausstrahlung und Aura.

Natürlich gilt es, bei dieser ganzen Sache vorsichtig zu sein. Quecksilber ist ja ein für den Menschen sehr ungesundes Schwermetall, aber es heißt, dass es, wenn es in einem alchemistischen Prozess gebunden wird, dann sogar heilend ist.

Quecksilber ist im Normalfall also unruhig und gesundheitsschädigend, kann sogar giftig und tödlich sein. Aber man kann Quecksilber in einem alchemistischen Verfahren fest machen und damit segensreich und heilend machen.

 

So ähnlich ist es auch mit dem Geist. Er ist normalerweise unruhig, nicht zu fassen. Es ist kaum möglich, den Geist zur Ruhe zu bringen, und er ist letztlich auch giftig. Immer wieder bekommst du Vorstellungen, wie schlimm andere Menschen sind oder wie schlecht du bist. Immer wieder regst du dich über alles mögliche auf, du hast Ärger, bist ängstlich oder kommst in die Depression usw. Der Geist ist also – wie Quecksilber – unruhig und letztlich auch Quelle von viel Leid.

Du kannst aber den Geist ruhig machen. Und ist der Geist ruhig und unter Kontrolle, dann kannst du alles erreichen in  dieser Welt. So wie dieses verfestigte Quecksilber – zumindest in der alchemistischen Mythologie – segenbringend ist für alles mögliche, so ähnlich kannst du mit deinem kontrollierten Geist alles in dieser Welt erreichen. Bringe also deinen Geist unter Kontrolle, und dann kannst du alles erreichen, was zu erreichen ist.

 

  1. Vers

O Parvati, Quecksilber mithilfe von Kräutern in eine feste Form gebracht, und Prana, durch Kumbhaka in einen ruhigen Zustand versetzt, zerstört alle Leiden. Sich selbst so zerstörend bewirkt es, dass kranke Menschen lange leben, und befähigt es, sich in die Luft zu erheben.

Dieser 27. Vers ist letztlich ein Zitat aus einer anderen Schrift. Die meisten tantrischen Schriften sind ja Dialoge zwischen Shiva und Parvati. Shiva (eigentlich das kosmische Bewusstsein) und Parvati (eigentlich Shakti, die kosmische Energie) werden in der indischen Mythologie auch verkörpert dargestellt. Die tantrischen Schriften sind größtenteils Dialoge zwischen Shiva und Parvati. Mal ist Shiva der Lehrer, der Parvati unterweist, mal ist Parvati die Lehrerin, die Shiva unterweist. Und dann gibt es immer irgendeinen Menschen, der das Ganze hört und weitergibt.

 

Hier zitiert Svatmarama aus einer anderen Schrift und sagt:

O Parvati, wenn Quecksilber und Atmung beruhigt sind, dann werden Krankheiten vernichtet, und durch ihre Hilfe wird selbst der Tote wiederbelebt. Was zu Ruhe gekommen ist (Murechitta) vernichtet Harati, die verschiedenen Krankheiten, und sogar Tote können wiederbelebt (Jivati) werden.

Wann geht das? - Wenn etwas gebunden wird, und zwar zum einen Rasa (das Quecksilber), und zum anderen Vaju (der Atem, das Prana).

Also gilt es, das Prana durch Kumbhakas (Atemübungen) zur Ruhe zu bringen. Das vernichtet zum einen alle Krankheiten, und zum anderen hilft es auch, in höhere Bewusstseinsebenen zu kommen: Khechavarta (im Luftraum zu wandeln), was natürlich heißt, sich von der Identifikation mit Körper und Psyche zu lösen und die Unendlichkeit zu erfahren.

 

Trotzdem von mir noch einmal die Warnung, dieses Quecksilber als Analogie zu nehmen und es nicht selbst auszuprobieren, das könnte gefährlich sein.

Pranayama ist hingegen nicht gefährlich, es hilft dir Krankheiten zu überwinden, höhere Bewusstseinsebenen zu erlangen und schließlich Moksha (Befreiung) zu erlangen, und dann ist alles möglich zu erlangen.

 

  1. Vers

Ist der Geist beständig, so ist es auch das Prana, und ist der Atem beständig, so ist auch das Prana ruhig und der Geist ist ruhig. Dann folgt auch die Erhaltung des Bindu, und über die Zurückhaltung des Bindu erreicht man Sattva.

Dieser Vers kann auf verschiedene Weisen interpretiert werden.

Zunächst (so wie bisher): Manas dairiye (aus der Festigkeit des Geistes) kommt stira Vaju, die Ruhe des Pranas, und so wie es im Sanskrit ausgedrückt wird ist dies wechselseitig. Man kann sagen: Die Ruhe des Geistes wird erlangt durch die Ruhe des Prana, und durch die Ruhe des Prana kommt die Ruhe des Geistes.

 

Dann sagt er: Tata Bindu sthira – dadurch kommt die Ruhe von Bindu.

Bindu kann jetzt verschieden interpretiert werden. Es ist zum einen der Same, der Punkt. Man könnte sagen: dadurch kommt man zu dieser Ruhe der Ursprünglichkeit. Manchmal wird aber auch gesagt, dass Bindu die Geschlechtsenergie ist, d. h. wenn Geist und Prana ruhig sind, dann ist man auch frei von sexueller Begierde, und diese Freiheit von sexueller Begierde führt dann auch zu Festigkeit des Körpers und auch  zu Sattva, zu Reinheit.

Man könnte auch sagen: Solange Menschen unter der Herrschaft von sexueller Begierde sind, führt das auch zu Rajas (Unruhe) und Tamas (Depressivität).

Wenn wir Pranayama üben und den Geist unter Kontrolle haben, dann sind wir nicht mehr Sklave der sexuellen Begierde.

Dies ist eine Interpretation, die auch Brahmandra folgt und damit auch Swami V.

Eine andere Interpretation, wo es mehr um die höheren Dinge geht, wäre: Wenn man Geist und Prana unter Kontrolle bekommt, dann erreichen wir Bindu, die Essenz und den Samen des Universums, und damit Brahman. Dann entsteht Sattva (Reinheit) ganz von selbst, und so entsteht auch innere Festigkeit.

 

Hari Om Tat Sat

Der 1. - 28. Vers der Hatha Yoga Pradipika sind eigentlich die vorbereitenden Verse für die weiteren Verse. Svatmarama will uns motivieren, indem er sagt, dass du Samadhi, Befreiung, höchste Glückseligkeit durch tiefe Meditation erreichst. Und du erreichst die tiefe Meditation durch Asana, Pranayama und Mudra. Du erreichst die Tiefe der Meditation, indem du dein Prana unter Kontrolle bringst und damit deinen Geist unter Kontrolle bringst.

Deshalb: Übe jeden Tag Asana, Pranayama, Mudra und Meditation. Richte dein Leben aus auf diese Ruhe des Geistes. All deine Wünsche und all dein Bestreben findet die Erfüllung in Samadhi. Dafür übe!

Hari Om Tat Sat

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...

Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika (Das Licht auf Hatha Yoga, geschrieben von Svatmarama) ab Vers 17

Hatha Yoga Pradipika will uns zu intensiven Praktiken inspirieren, um unser wahres Selbst zu verwirklichen.

 

  1. Vers

Sonne und Mond, so sagt man, bestimmen Tag und Nacht.

Sushumna, sagt man, verschlucke die Zeit.

 

Dies ist ein großartiges Geheimnis.

Surya (die Sonne) und Chandra (der Mond), Chandra massau ist auch der schimmernde Mond. Da ist wieder ein gewisses Wortspiel: Manas ist auch der Geist, und Chandra ist der Mond – massau ist schimmernd, hat aber auch etwas mit dem Geist zu tun.

Surya und Chandra – Sonne und Mond und damit aktive und passive Energie, männlich und weiblich, nach außen und nach innen gehend – die erschaffen die Zeit (Kala).

Diese Zeit ist verbunden mit Rathrindeva, also durch Nacht und Tag, und damit natürlich Vergehen und Entstehen. In dieser Welt sind wir in der Dualität, und diese Dualität ist Surya und Chandra, Tag und Nacht. Das hat natürlich wiederum etwas zu tun mit Ida und Pingala, und auch mit Sonnenzentrum und Mondzentrum. So gibt es letztlich immer wieder Dualität.

Es ist wichtig, dass du das verstehst: In dieser Welt ist Dualität. Es wird nicht immer so sein, wie du es gern hättest. Die Beziehungen zu Menschen sind mal schöner und mal weniger schön. Mal hast du mehr und mal weniger Inspiration. Mal willst du nach außen gehen, mal nach innen. Einmal geschieht Schönes, mal weniger Schönes usw.

Aber du kannst diese Kala, diese Zeit, diese Dualität überwinden, indem du die Sushumna öffnest. Ist die Sushumna geöffnet, dann hast du die Zeit überwunden.

 

Das ist für andere nicht so einfach nachvollziehbar und deshalb ist es Guhja, ein Geheimnis.

Hier wiederholt sich Svatmarama. Bestimmte Dinge sagt er immer wieder, obgleich die Hatha Yoga Pradipika nicht viele Verse hat. Dass er das immer wieder betont, soll heißen, wie wichtig auch die Einstellung zu Hatha Yoga ist, und soll auch zeigen, wie wichtig es ist, uns das immer wieder vor Augen zu führen. Es ist so einfach, immer wieder vom spirituellen Weg abzukommen und sogar Hatha Yoga und Meditation nur noch mechanisch zu üben; oder sich so viel Sorgen zu machen, wie einen andere Menschen sehen; oder auch was geschieht, was nicht so Schönes passiert usw. So schnell sind wir wieder in der Dualität, da ist es immer wieder wichtig, uns bewusst zu machen, dass es etwas jenseits der Dualität gibt. Es gibt einen Zustand, der Niramanda ist, der bedingungslos ist und nichts braucht, und diesen erreichen wir, indem wir unser Prana in die Sushumna bringen.

 

  1. Vers

72000 Nadis sind in diesem Körperkäfig. Sushumna ist die mittlere Nadi, und dort gibt es Shambavi Shakti, die wohlwollende Energie. Diese hat die besondere Eigenschaft, den Yogi mit Freude zu erfüllen.

Die anderen Energiekanäle wie Ida und Pingala sind nicht von großem Nutzen.

Die restlichen sind wertlos.

 

Hier spricht Svatmarama von den 72000 Nadis. Es gibt verschiedene Schriften, die die Anzahl der Nadis manchmal unterschiedlich beschreiben. Diese Nadis sind letztlich dvarhani (Tore) für Prana, für die Lebensenergie. Es gibt dort insbesondere den Hauptenergiekanal, die Sushmna. Sushumna gehört zu Shambo, ist also Shambavi. Shambhavi hat mehrfache Bedeutungen. Zum einen gehört Sushumna zu Shambo, und Shambo ist Shiva, d. h. führt uns zu Shiva und damit zum Göttlichen, zur Erleuchtung. Shambhavi heißt aber auch die Glücksverheißende, die Gütige, die Liebevolle, und so ist Sushumna diejenige, die uns zur Güte führt, die Glücksverheißende. Und dort ist die Shakti, die kosmische Energie. Dann sagt er, diese ist wichtig, Sushumna ist wichtig – dort ist Shambhavi Shakti.

Dann sagt er: Shisha (die Übrigen) sind gewiss (eva) niraretakar – so gut wie ohne Zweck und nutzlos. Er macht es hier etwas radikal, denn er hat ja vorher schon gesprochen, wozu es gut ist, die Sonnenenergie und die Mondenergie zu aktivieren, wie gut es ist, die verschiedenen Übungen zu machen, um verschiedene Siddhis (außergewöhnliche Kräfte) zu bekommen. Er hat davon gesprochen, wie wir mit den Hatha Yoga Übungen gesund werden, die Amas (Unreinheiten) eliminieren, wie wir unsere Doshas ins natürliche Gleichgewicht bringen usw. Er hat uns also in den vorherigen Versen vieles versprochen, auch dass es mit Hatha Yoga durchaus möglich ist, sowohl Broga als auch Mukti zu bekommen, Vergnügen wie auch Befreiung.

Svatmarama hat also schon vieles gesagt, aber hier bringt er es noch einmal auf den Punkt: Eigentlich geht es darum, Samadhi zu erlangen, und das erreichst du, wenn das Prana in die Sushumna geht. Alles andere ist eigentlich Niraretakar, so gut wie nutzlos.

 

  1. Vers

Durch das Bewahren des Pranas, zusammen mit dem Erwecken der Schlangenkraft, durch das Feuer, tritt der Lebenshauch in den Hauptenergiekanal ohne Widerstand ein.

Swami Vishnu übersetzt es so: Jener, der Meister ist im Zurückhalten des Atems, und dessen Feuer im Magen entzündet ist, sollte Kundalini erwecken und in die Sushumna bringen.

 

Es gibt verschiedene Schritte. Zuerst sollte man Pranayama üben, also Atemübungen machen. Man sollte Vaju pareja, also lernen, das Prana zu beruhigen, den Atem zu beruhigen und zu kontrollieren. Dann gilt es, Agni zu beherrschen, das Feuer muss entzündet werden. Mit diesem Feuer kann man dann Kundalini erwecken (brodha). Und dann bringt man letztlich das Prana in die Sushumna, und das geschieht dann ganz natürlich und fast von selbst (anirhodata – ohne besondere Anstrengung).

Übe also Pranayama. Wenn du das tust, gibt es eine Phase, wo Agni stark wie Feuer wird. Dann bringe dieses Feuer mit deinem Bewusstsein ins Muladhara Chakra. Dann ziehe es nach oben, und wenn wir durch dieses Feuer die Sushumna öffnen, wird die Kundalini erwachen und dann kommst du ohne Anstrengungen in höhere Bewusstseinsebenen.

 

  1. Vers

In der Übersetzung von Swami V.:

Gelangt das Prana in die Sushumna, folgt der Manomani-Zustand von selbst. Andere Wege sind bloß nutzlose Bemühungen seitens des Yogi.

 

Wie kommst du zu Manomani? - Indem du das Prana in die Sushumna bringst.

Manomani ist der Zustand der Ruhe des Geistes. Manas ist Geist, Manonmani (so sagt man eigentlich, aber es wird manchmal abgekürzt als Manomani) ist der Zustand der Ruhe des Geistes, oder jenseits des Geistes.

Wie kommst du in diesen Zustand der Ruhe des Geistes? - Indem du Prana fließen lässt (Vahini) in die Sushumna. Dann folgt Siddhi (der Erfolg) in Manonmani. Alles andere ist letztlich nutzlos.

Es gibt, wie ich es in einem anderen Vortrag schon gesagt habe, natürlich verschiedene Weisen, wie du die Gottverwirklichung erreichst.

Svatmarama sagt, du erreichst Gottverwirklichung, wenn du Prana in die Sushumna hinein bringst.

 

Zusammenfassung dieser Phase:

  • Lerne es, dein Prana zu beherrschen.
  • Bringe Prana ins Muladhara Chakra.
  • Öffne die Sushumna.
  • Lass Prana durch die Sushumna nach oben fließen.
  • Lass Prana zu Agni (Feuer) werden.
  • Erwecke so die Kundalini.
  • Ziehe dann die Kundalini nach oben zum Brahmarandra.
  • Dann erreichst du Manonmani – Ruhe des Geistes, Samadhi, Befreiung.

 

Es gibt auch regelmäßig 9-tägige Weiterbildungen für Yogalehrer zu Hatha Yoga Pradipika, wie auch zu den anderen Schriften des Hatha Yoga wie Goraksha Shataka, Shiva Samhita und Gheranda Samhita.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

Mehr lesen...