Sukadev Bretzs Beiträge (6039)

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Das 3. Kapitel hat folgende Hauptthemen:

  • Kundalini
  • Kundalini-Erweckung
  • die 10 Mudras

 

Svatmarama spricht davon, dass letztlich die Kundalini entscheidend ist für alle Yogapraktiken. Die Kundalini muss erweckt werden, um zu Samadhi zu kommen, um die höchste Erkenntnis zu bekommen, damit der Geist ruhig wird und du Unmani Avastha erreichst.

Wie erweckst du die Kundalini? - Indem du diese 10 Mudras übst:

  1. Maha Mudra
  2. Maha Bandha
  3. Maha Veda
  4. Khechari
  5. Uddiyana
  6. Mula Bandha
  7. Jalandhara
  8. Viparita Karani
  9. Vajroli
  10. Shakti Chalini

 

Er spricht einige Verse über die Maha Mudra (großartige Mudra). Sie soll helfen, dass die Energie in die Sushumna tritt und die Kundalini erwacht. Alle Mudras – so sagt er am Ende des 3. Kapitels – wollen letztlich die Kundalini erwecken.

Es gibt die Mudras, die wie eine Mudra-Reihe sind, wie Maha Bandha, Maha Veda und Shakti Chalini. Diese drei, die letztlich zusammenhängen, übt man eine nach der anderen.

Khechari Mudra erwähnt Svatmarama über viele Verse. Im 4. Kapitel sagt er ja dann, dass die Khechari Mudra auch einleitend zur Meditation geeignet ist und in Samadhi führt.

Von besonderer Wichtigkeit sind die drei Bandhas, die auch einzeln als Mudras bezeichnet werden: Uddiyana, Mula und Jalandhara Bandha. Er erwähnt auch, dass wir die Umkehrhaltung (Viparita Karani Mudra) bis zu drei Stunden halten können, um uns gänzlich zu erneuern und zu regenerieren.

Die Vajroli Mudra hat noch zwei Untervariationen: Sahajoli und Amaroli. Deren genaue Bedeutung beschreibt er erst einmal von einem rottantrischen Aspekt aus und danach im übertragenen Sinne, was sie als spirituelle Praxis bedeuten.

Am Ende des 3. Kapitels beschreibt er nochmals, dass es wichtig ist, Kundalini zu erwecken: „Der Yogi, der sein Leben an Brahman ausrichtet, der eine gemäßigte und reine Nahrung befolgt, der kann innerhalb von 40 Tagen Vollkommenheit erlangen und die Kundalini erwecken.“

Er sagt hier also, dass es relativ schnell geht.

Aber die Vorbereitungen, die ein Yogi, der Brahmachariya übt (was sowohl Enthaltsamkeit für einen gewissen Zeitraum heißen kann – hier ja 40 Tage -, als auch ausgerichtet an Brahman), und dann die Mudras intensiv praktizieren.

Also: Mudras üben!

 

Weiterhin sagt er, dass es gilt, die Kundalini zu erwecken und dafür Bhastrika zu praktizieren. Man muss aber auch im Yama (ethische Regeln) gefestigt sein. Ethik ist wichtig, und so können wir Zeit und Tod und alles überwinden. Dann erreicht man die Vollkommenheit, egal durch welche Mudra. Indem wir so Kundalini erwecken, kommen wir zu Raja Yoga (königlichen Vereinigung), zur Ruhe des Geistes.

Dann sagt er noch: „Man bekommt zum einen durch die Mudras die Siddhis (außergewöhnliche Kräfte), und wir bekommen die Fähigkeit, über alle Sterblichkeit hinauszuwachsen.“

So möchte ich dich noch einmal ermutigen, auch die Mudras zu üben. Bei Yoga Vidya lehren wir insbesondere die Chakra-Mudra-Reihe sowie die Bhastrika-Mudra-Reihe – zwei Mudra-Reihen, die besonders machtvoll sind und am Ende des Pranayama nochmals viel bewirken können.

Übe Pranayama, übe Mudras – dann wird die Meditation fast von selbst kommen.

Ich wünsche dir viel Inspiration. Praktiziere Hatha Yoga vom spirituellen Standpunkt aus, und du wirst tiefe Wirkung erfahren.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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In diesem Kapitel geht es um

  1. Prana
  2. die Theorie des Prana
  3. Pranayama (Atemübungen)
  4. die Kriyas (die Reinigungsübungen im Hatha Yoga)

 

Der 1. Vers des 2. Kapitels lautet:

„Nachdem sich der Yogi in den Asanas vervollkommnet hat, sollte er in Übereinstimmung mit den von seinem Guru dargelegten Anweisungen Pranayama praktizieren, seine Sinne unter Kontrolle halten und dabei durchwegs eine zuträgliche und maßvolle Ernährung einhalten.“

Hier erwähnt Svatmarama einiges:

Es gilt schon, Asanas zu üben. Vollkommenheit in den Asanas heißt natürlich nicht, dass du sehr flexibel sein musst oder den Kopfstand beherrschen musst. Es heißt, dass du die Asanas so weit beherrschst, dass du in der Asana entspannen kannst, bewusst atmen kannst und konzentriert bist, dass du durch die Asanas eine innere Stärke und Leichtigkeit bekommen und eine gewisse Entspannung erfahren hast. All das ist wichtig, damit Pranayama wirkt.

 

Dann sagt er, dass du von deinem Lehrer Pranayama lernen musst. Allein durch das, war er im Buch sagt, kannst du Pranayama nicht lernen. Es reicht auch nicht aus, nur Pranayama zu üben – auch ansonsten solltest du deine Sinne beherrschen, und die sattvige Ernährung ist gerade für die Wirkung von Pranayama wichtig. Nicht umsonst sagen wir bei Yoga Vidya, dass es zwar einfache Atemübungen gibt, die du machen kannst, egal wie du dich ernährst, aber die fortgeschrittenen Pranayamas – insbesondere wenn du sie mit den drei Bandhas oder den Bija-Mantras verbindest, oder Energie-erweckende Übungen wie Bhastrika oder die Mudras – darfst du nur machen, wenn du dich wirklich an die sattvige Ernährung hältst. Das sollte dich jetzt nicht davon abhalten, fortgeschrittenes Pranayama zu üben, sondern es sollte dich motivieren, wirklich kein Fleisch, keinen Fisch, keinen Alkohol, keine bewusstseinsverändernden Drogen und kein Nikotin zu dir zu nehmen.

In den nächsten Versen erwähnt Svatmarama, dass der Geist erst dann ruhig wird, wenn das Prana ruhig und subtiler geworden ist und letztlich, wenn das Prana in die Sushumna (den mittleren Energiekanal) eingeht. Lebendigkeit heißt viel Prana.

Nur wenn das Prana fließt, wenn die Nadis gereinigt sind und dann das Prana in die Sushumna (die feinstoffliche Wirbelsäule) geht, dann kannst du in tiefe Meditation kommen, dann kommst du in Unmani Avastha, den Zustand jenseits des Geistes, in Samadhi.

Als Nächstes beschreibt er die Wechselatmung. Er will dich motivieren, wirklich regelmäßig Wechselatmung zu üben. Sie ist die machtvollste Übung, die Nadis wirklich zu reinigen.

 

Mein Tipp wäre:

  • Praktiziere jeden Tag mindestens 20 Minuten die Wechselatmung.
  • Praktiziere vorher 3 Runden Kapalabhati.
  • Übe jeden Tag 20–30 Minuten Asanas.
  • Praktiziere jeden Tag 20–30 Minuten Meditation.

 

Wenn du das ein halbes Jahr lang machst, dann spürst du Prana, du spürst eine gewisse Leichtigkeit und Reinheit, und dein Geist hat eine Stärke, die unbeschreiblich ist. Praktiziere!

Svatmarama sagt sogar, dass es gut sei, für eine gewisse Zeit viermal am Tag die Wechselatmung zu üben. Wenn du das ausprobieren willst, dann mache mal das „Sadhana intensiv“ mit, welches wir bei Yoga Vidya in der zweiten Junihälfte haben, dort lernst du tatsächlich, viermal am Tag Wechselatmung zu üben, und du merkst wie intensiv das wirkt.

So hat er die Wechselatmung und deren Wirkungen beschrieben:

  1. als eine Übung, die dich von allen körperlichen, energetischen und geistigen Beschwerden befreit hat,
  2. die Nadis sind gereinigt.
  3. Du strahlst und leuchtest, du bist voller Freude
  4. Du bist sehr viel gesünder.

Dann sagt er: „Wenn du trotz Wechselatmung noch nicht gereinigt bist, dann übe die Kriyas. Wenn du in irgendeiner Form krank bist, wenn du irgendeines der drei Doshas (Vata, Pitta oder Kapha) zu viel hast, dann ist es wichtig, dass du die Kriyas (Reinigungsübungen) übst.“

 

Er beschreibt die sechs Reinigungsübungen:

  1. Dhauti – Magenreinigung
  2. Basti – Enddarmreinigung
  3. Neti – Nasenreinigung
  4. Trataka – Augenreinigung
  5. Nauli – Darmreinigung, vor allem Dünndarmreinigung
  6. Kapalabhati – Lungenreinigung

 

Er spricht über die Wirkungen und sagt auch, dass diese so wirkungsvoll sind, dass man es kaum beschreiben kann, wie wirkungsvoll es ist – also übe sie. Wer diese 6 Kriyas übt, hat sehr schnell Erfolg, wenn er Pranayama übt. Wenn du also bisher Pranayama geübt hast und noch nicht so sehr die tiefen Wirkungen gespürt hast, dann solltest du vielleicht doch erst die Kriyas üben.

Dann erwähnt er noch Gaja karani Kriya – auch das ist eine Übung, die Teil der gesamten Kriyas ist.

Danach sagt Svatmarama: „Jetzt ist Zeit, die fortgeschrittenen Pranayamas zu üben. Wird das Prana beherrscht und sind die Nadis gereinigt, dann kann das Prana in die Sushumna eintreten, und dann kommst du in Samadhi, Unmani Avastha.“

 

Dann geht er auf die acht Kumbhakas ein, also auf die acht fortgeschrittenen Pranayamas. Diese sind:

  1. Surya Bheda
  2. Ujjayi
  3. Sitkari
  4. Shitali
  5. Bhastrika
  6. Murccha
  7. Plavini
  8. Bhramari

 

Er beschreibt die Wirkungen und die Ausführungen.

Von all diesen Übungen gibt es natürlich sanftere und fortgeschrittene Variationen. Wenn du sie in ihren sanften Variationen kennenlernen willst, dann kannst du das z. B. im Pranayama-Kurs Mittelstufe lernen. Dort habe ich diese Pranayama-Übungen so beschrieben, wie man sie mit Mittelstufen-Teilnehmern üben kann, wie du sie auch üben kannst, selbst wenn du nicht so fortgeschritten bist. Wenn du lernen willst, wie du dieses Pranayama in seinen fortgeschritten Variationen üben kannst, dann mache entweder eine Kundalini-Yoga-Intensiv-Mittelstufen-Woche mit, oder eine Kundalini-Intensiv-Praxis-Woche, oder eben das Sadhana-Intensiv. Oder mache den 8-wöchigen Kurs „Fortgeschrittenes Pranayama und Kundalini-Yoga“ als Videokurs auf unseren Internet-Seiten mit.

Ich werde jetzt nicht auf die einzelnen Pranayamas eingehen. In besonderem Maße lobt er Bhastrika (den Blasebalg) – das ist die wichtigste aller fortgeschritten Pranayamas. In einem bestimmten Stadium der Praxis kann man Bhastrika sehr häufig machen, also sehr viel häufiger als nur ein- oder zweimal am Tag. „Die Bhastrika erweckt die Kundalini. Sie beseitigt alle Beschwerden, die durch ein Übermaß an Vata, Pitta oder Kapha kommen. Bhastrika steigert Agni (das Verdauungsfeuer). Sie ist sehr angenehm, reinigt die Nadis, öffnet die Sushumna, beseitigt den Schleim am Mund der Sushumna. Bhastrika lässt die Granthis (die Knoten) öffnen, und letztlich kommt dadurch tiefe Meditation.“

 

Nach den 8 Maha Khumbhakas, den 8 großen Atemübungen, beschreibt er Kevala Kumbhaka, die vollkommene Ruhe des Atems, welche dann in die Meditation führt. „Am Ende vom Pranayama sollte man immer meditieren, den Geist von allem abziehen und so Raja Yoga erlangen.“

Er beschreibt noch die Wirkung von Pranayama und will uns so motivieren, Pranayama zu üben. Und dazu möchte auch ich dich nochmals ermutigen: Übe wirklich regelmäßig Pranayama. Die Wirkung von Pranayama kann nur in hohen Höhen gelobt werden – probiere es aus, und probiere es immer wieder aus und intensiviere die Praxis: Zum einen, indem du sie bewusster machst, zum Zweiten, indem du sie mit großer Konzentration machst, und zum Dritten, indem du tatsächlich auch immer wieder mehr übst.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Ich habe schon über jeden Vers der Hatha Yoga Pradipika gesprochen und habe auch die gesamte Hatha Yoga Pradipika zusammengefasst – hier jetzt noch einmal einiges über das 1. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika.

 

Svatmarama fängt an, Shiva (Adinatha) zu grüßen, den ursprünglichen Lehrer des Hatha Yoga. Er sagt: „Shiva hat Parvati Hatha Vidya (die Weisheit des Hatha Yoga) gelehrt. Im Hatha Yoga geht es darum, zum Raja Yoga zu kommen, zur höchsten Erfahrung des Selbst.“

So will er uns zum Anfang eine gewisse Einstellung geben: Wann immer du Hatha Yoga praktizierst, dann grüße zunächst Gott und grüße deinen Meister, und sei dir bewusst, warum du Yoga übst: Um zur Erleuchtung zu gelangen.

Im 3. Vers sagt er: „Hatha Yoga ist ein Licht für all diejenigen, die etwas verwirrt sind inmitten verschiedenen Weltanschauungen. Allen Menschen, die nicht in der Lage sind, ihren Geist zur Ruhe zu bringen, kann Hatha Yoga helfen.“ Damit will er sagen, dass Hatha Yoga weltanschaulich neutral ist. Du kannst Hatha Yoga üben, egal welcher Weltanschauung oder welcher religiösen Anschauung du folgst oder auch welcher philosophischen Strömung du angehörst, oder auch wenn du einfach nur verwirrt bist. Letztlich geht es darum, zu üben – dann erfährst du, und über Erfahrung weißt du, worum es wirklich geht.

 

Im 10. Vers sagt Svatmarama: „Hatha Yoga ist eine beschützende Zuflucht und für alle, die an irgendetwas leiden. Egal ob du körperliche, energetische, geistige, emotionale oder spirituelle Leiden hast – Hatha Yoga ist immer hilfreich. Egal, welche spirituelle Praxis du machst – Hatha Yoga ist eine gute Basis.“ Also auch, wenn du buddhistische Meditation übst oder Bhakti Yoga (Gottesverehrung) praktizierst, oder auch wenn du dem Vedanta Weg (der höchsten Erkenntnis) folgst – Hatha Yoga ist immer eine gute Basis. Hatha Yoga kann wie die Schildkröte sein, die die Welt trägt, also eine Grundpraxis, die jeder anderen Praxis eine feste Basis gibt.

Er erwähnt, was du machen kannst, wenn du für dich selbst praktizierst: „Wann immer du praktizierst – die Zeit der Praxis sei ganz für dich.“ Wenn du praktizierst, dann sage allen anderen Menschen Bescheid, dass du nicht gestört werden willst, sodass du für dich allein bist. Menschen haben viel zu tun, aber du brauchst vielleicht täglich eine oder zwei Stunden für deine spirituelle Praxis, wo dich niemand stören soll.

 

Dann spricht er über die Yamas und Niyamas im Hatha Yoga. Er spricht von 10 Yamas und 10 Niyamas, weitet also die Yamas und Niyamas des Yoga Sutra aus. Du kannst natürlich davon ausgehen, dass Svatmarama das Yoga Sutra des Patanjali gekannt hat, er bezieht sich ja an mehreren Stellen darauf. Es geht ihm aber darum, dass keine Zweideutigkeit da ist. So spricht er nicht nur von Ahimsa (keinen Schaden zufügen), sondern auch von Mitgefühl, Mitleid und gutem Tun für andere. Er spricht nicht nur davon, dass man praktizieren soll, sondern dass man auch geradewegs voranschreiten soll. Er spricht nicht nur allgemein über Shauchas, sondern auch über richtige Ernährung, d. h. er nimmt die Ernährung in die Yamas und Niyamas auf. Und er spricht auch nicht nur (wie Patanjali) über die Hingabe an Gott, sondern auch über die Verehrung der Gottheit, die Wiederholung des Mantras und auch über den Glauben an Gott. Und da manche Menschen sich vielleicht überfordert fühlen von all dem, was Yoga von einem verlangt, erwähnt er auch Frohsinn als einen wichtigen Niyama: „Freue dich, schreite mutig voran, lächle.“ Oder wie Swami Sivananda immer sagte: „Freue dich, tanze vor Freude.“ Svatmarama spricht nicht vom Tanzen, aber „Freue dich, du bist auf dem spirituellen Weg. Schreite voran, mache dir nicht zu viel schlechtes Gewissen, wenn du nicht so vollkommen bist, wie du denkst, dass du sein müsstest. Praktiziere, schreite voran, vergiss die Vergangenheit, und mache dir immer wieder neue Vrata (gute Vorsätze).“

 

Dann erwähnt er die Asanas (Körperstellungen). Er erwähnt einige Asanas, sie sind jedoch vielleicht der Teil vom Hatha Yoga, den Svatmarama am wenigsten beschreibt. Er geht letztlich davon aus, dass du die Asanas sowieso von deinem Lehrer lernen musst, und spricht mehr über ihre Wirkungen. Sie sollen einen stark machen und frei von Beschwerden, sie sollen zu einem Gefühl von Leichtigkeit führen. Frei von Beschwerden heißt auch frei von Spannungen – über Asanas willst du eine Entspannung erlangen. Damit nachher Prana fließen kann, brauchst du einen entspannten Körper.

Asanas wollen auch den Körper stark machen: Wenn die Kundalini erwacht, dann muss der Körper darauf vorbereitet sein, und dafür dienen die Asanas.

 

Asanas wollen dich subtil machen. Es gibt einen Unterschied, ob du ins Fitness-Studio gehst und dort Kraft, Ausdauer und Flexibilität trainierst und nachher zur Entspannung in die Sauna gehst (dann hast du auch den ganzen Körper trainiert), oder ob du eine Stunde Asanas und Tiefenentspannung geübt hast. Asanas lassen dich leicht fühlen. Es hilft dir, dich zu öffnen und Zugang zu finden zu subtileren Energien.

Er spricht weiter über die Wirkungen von Asanas insbesondere auf Vata, Pitta und Kapha, auf Agni und Ama, und er erwähnt auch, dass du dich bei den Asanas darauf konzentrieren kannst, was energetisch passiert.

Etwas ausführlicher spricht er über die Vorwärtsbeuge, den Drehsitz und den Pfau. Dann erwähnt er auch noch Siddhasana, Padmasana, Simhasana und Vajrasana als die Sitzhaltungen, denn wenn es nachher zum Pranayama geht ist es wichtig, dass man gut sitzt.

 

Zum Ende dieses Kapitels spricht er nochmals ausführlich über die Ernährung.

Was heißt gesunde Ernährung?

  • Nicht zu viel essen.
  • Bewusst essen.
  • Dankbar sein und das ganze Essen Gott darbringen.
  • Gesunde Nahrung zu essen.
  • Weglassen, was nicht gut ist.

 

Er macht noch weitere Empfehlungen, was du nicht tun solltest, wenn du intensiv praktizierst – während der intensiven Praxis gilt es, verschiedene Dinge zu beachten.

Die allerletzten Verse ermutigen noch einmal zum Üben: „Jeder, der aktiv Yoga praktiziert, wird ein Siddha, ein Vollkommener – nicht jemand, der faul ist, der einfach nur liest, der viel redet oder der sich einfach nur kleidet wie ein Yogi. Unermüdliches Praktizieren ist das Geheimnis des Erfolgs.“

Im 67. Vers sagt er: „Praktiziere die Asanas, die Atemübungen und die Mudras so lange, bis du Raja Yoga erreicht hast, die königliche Vereinigung, die vollkommene Einheit.“

 

Das war die Essenz des 1. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika.

Die ganze Hatha Yoga Pradipika mit allen Versen, Sanskrit-Devanagari-Umschrift, Rezitationen, Wort-für-Wort-Übersetzungen und verschiedenen Kommentare findest du auf schriften.yoga-vidya.de

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Ich habe jetzt einige Dutzend Vorträge über die Verse der Hatha Yoga Pradipika gehalten. Hier noch einmal ein paar zusammenfassende Worte zur gesamten Hatha Yoga Pradipika und dann zu den einzelnen Kapiteln.

Hatha Yoga Pradipika ist die bekannteste klassische Schrift des Yoga. Sie ist vermutlich im 14. Jhd. n. Chr entstanden und auf einen Yogi namens Svatmarama zurückzuführen. Dieser gilt als ein selbstverwirklichter Meister. Er heißt nicht nur Svatmarama, sondern er ist derjenige, der sein Selbst erfahren hat: Sva (das Eigene) Atma (Selbst) Rama (sich daran erfreut), also ein Selbstverwirklichter. Svatmarama hat die Hatha Yoga Pradipika geschrieben. Pradipika heißt „Licht, Leuchte“ – das Licht auf Hatha Yoga.

 

Zum Anfang des 1. Kapitels sagt er, dass er die Hatha Yoga Pradipika geschrieben hat, um Menschen zum Raja Yoga zu führen. Das Wort Raja Yoga hat mehrere Bedeutungen. Heute kennen wir es hauptsächlich als den Yogaweg des Patanjali, als den psychologischen Yogaweg der Selbstbeherrschung. So gilt die Hatha Yoga Pradipika als Hilfsmittel, um die Selbstbeherrschung zu erlangen. Hatha Yoga Pradipika ist aber auch eine Schrift, die Raja Yoga i.S.v. „Königlicher Vereinigung“ erreichen will – Raja heißt auch „königlich“, und Yoga „Vereinigung“. An manchen Stellen der Hatha Yoga Pradipika wird Raja Yoga gleichbedeutend mit Samadhi gebraucht. Hatha Yoga ist also ein Übungssystem, um zur Befreiung, zur Einheit zu kommen.

 

Hatha Yoga hat verschiedene Wurzeln.

Man kann Hatha Yoga üben

  1. für die Gesundheit, wie es im Ayurveda gemacht wird
  2. um Siddhis (außergewöhnliche Kräfte) zu erlangen
  3. um Ausstrahlung zu bekommen,
  4. für die Gelassenheit und Ruhe des Geistes

 

Svatmarama geht auch auf all diese Wirkungen ein. Aber besonders wichtig – so sagt er – ist die Übung von Hatha Yoga, um zur Selbstverwirklichung zu kommen, zu Moksha, zur Befreiung.

Wie kommen wir dorthin? „Durch Üben“, sagt Svatmarama. Es gilt zu üben, nicht so viel zu reden oder zu überlegen, nicht so sehr auf Kleidung zu achten – es gilt zu praktizieren.

Was gilt es zu praktizieren? Zunächst gibt es vorbereitende Praktiken. Dies sind Yama und Niyama, also bestimmte Ethik und bestimmte persönliche Disziplin.

 

Svatmarama erwähnt die 5 Yamas von Patanjali:

  1. Ahimsa – nicht verletzen
  2. Satya – Wahrhaftigkeit
  3. Aparigraha – die Abwesenheit von Gier, Unbestechlichkeit
  4. Brahmacharya – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten
  5. Asteya – nicht stehlen

Satya (Wahrhaftigkeit) ist ein besonders wichtiger Vers. Es gilt auch, ehrlich und offen zu sein.

Svatmarama erzählt dann auch noch etwas über die persönliche Disziplin, er schließt aber auch uneigennützige Nächstenliebe, Mitgefühl, Erfüllen seiner Pflichten und das Beschäftigen mit spirituellen Schriften in die Yamas und Nyamas mit ein. Von besonderer Wichtigkeit ist ihm, dass man nicht so viel schwätzt und Klatschgeschichten erzählt, dass man keine schlechte Gesellschaft pflegt, dass man also darauf achtet, wie man mit anderen umgeht.

Auch die Ernährung ist ihm besonders wichtig:

  • kein Fleisch
  • kein Fisch
  • kein Alkohol
  • keine bewusstseinsverändernden Drogen
  • keine Zigaretten, Tabak
  • keine vergorene Nahrung zu sich nehmen
  • nichts zu sich nehmen, was zu salzig, sauer oder bitter ist

Weiterhin sagt Svatmarama, dass Hatha Yoga Weltanschauung-übergreifend ist. Du musst keiner besonderen Glaubensrichtung angehören.

Dann gilt es zu praktizieren.

 

Im 1. Kapitel erwähnt Svatmarama das Üben von Asanas.

 

Im 2. Kapitel erwähnt er, dass Prana und Geist eng zusammenhängen. Daher gilt es, Prana (die Lebensenergien) zu steuern. Wie können wir die Lebensenergien steuern? Indem wir Pranayama (Atemübungen) üben.

Er erwähnt hier zunächst Nadi Shodana, die Reinigungsübungen für die Nadis. Die Nadis müssen gereinigt werden, weil nur dann die eigentlichen Pranayamas gut wirken.

Danach spricht er über die Kriyas, die körperlichen Reinigungstechniken – in der Sprache der Naturheilkunde also die ausleitenden Verfahren. Er erwähnt die 6 Hauptkriyas und dann noch eine zusätzliche Kriyas.

Danach sagt er, wer mit seinen Doshas (Bioenergien) in Harmonie ist, diese also in Prakriti sind, dann braucht man die Kriyas nicht. Wer jedoch Unruhe in den Doshas hat oder krank ist, oder auch träge oder verschleimt ist, der solle die Kriyas machen. Er hat aber auch einen Trost für diejenigen, die Kriyas nicht mögen: Man kann auch alle Unreinheiten allein durch Pranayama beseitigen!

So empfiehlt er Pranayama, er erwähnt die 8 sog. Maha Kumbhakas (große Weisen, die Luft anzuhalten), also die 8 Übungen des Pranayama. Er erklärt ihre Wirkungen und sagt: „Übe Pranayama. So wird dein Prana ruhig. Ist dein Prana ruhig, dann ist auch dein Geist ruhig, dann kannst du meditieren.“

 

Hauptthema des 3. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika sind Kundalini und Mudra.

Durch die Erweckung der Kundalini ist Meditation und Samadhi möglich. Es gilt, die Kundalini zu erwecken. Aber um die Kundalini zu erwecken, muss man zuerst einen starken Körper haben (durch Asanas). Es gilt die Nadis zu reinigen (durch Asanas, richtige Ernährung, Ethik und Pranayama). Wenn man das geübt hat, ist man für die Mudras bereit.

Er erwähnt dann die 10 Hauptmudras und sagt, wie wir mit ihnen üben können.

Am Ende des Kapitels sagt er dann: „Wenn du durch die Übung der Mudras die Kundalini erweckt hast, dann kommt Samadhi fast von selbst.“

 

Hier sind wir schon im 4. Kapitel. Dieses hat als Thema „Dhyana und Samadhi“.

Svatmarama sagt: „Letztlich geht es im Hatha Yoga darum, den Geist zur Ruhe zu bringen, ins Überbewusstsein zu kommen und dann Mukhti (Befreiung) zu erreichen.“

 

Wie geht das?

Zum einen: Ist die Kundalini erwacht, dann führt sie einen von selbst zu Samadhi.

Er stellt aber auch spezielle Meditationstechniken vor, insbesondere Shambhavi Mudra, auch Khechari Mudra kann in die Meditation und Samadhi führen. Von besonderer Wichtigkeit für ihn ist Laya Yoga (der Yoga der Auflösung) und Nada Yoga (der Yoga des Klanges). Er empfiehlt insbesondere Anahata Nada Dhyana, die Meditation über den inneren Klang. Er verbringt viele Verse damit, uns verschiedene Formen von Anahata Nada Dhyana nahezulegen.

Zum Abschluss dieses Kapitels beschreibt er die Wirkungen: Was geschieht, wenn du über eine der Meditationstechniken den Geist in Laya (vollkommene Ruhe) gebracht hast? - du erreichst Samadhi, du erreichst Mukti (die Befreiung), und du wirst zum Jivan Mukhta, zum lebendig Befreiten. Dann hast du alle Ziele deiner Bestrebungen erlangt – alle Sehnsüchte des Menschen gehen letztlich in Richtung Samadhi. So ermutigt er uns, zum höchsten Samadhi zu kommen.

An ein paar Stellen hat Svatmarama ein paar kleine Seitenhiebe gegenüber Menschen, die es sich zu einfach machen. Er sagt: „Einfach nur ein paar Worte über Vedanta zu sagen – das reicht nicht aus. Nur ein bisschen überlegen, um zur Erkenntnis zu kommen – das reicht nicht aus. Es muss lebendige Erfahrung sein. Nur jemand, der Samadhi erfahren hat, nur der kann auch Dhyma haben. Und nur wer Samadhi erfahren hat, hat vollkommene Bhakti. Letztlich: Hingabe, Wissen, Samadhi und vollkommene Freiheit – alle bedingen einander. Es gilt zu praktizieren.“

Dazu will uns Svatmarama immer wieder ermutigen: praktiziere, praktiziere, praktiziere!

 

Er weiß, dass es nicht nur Menschen gibt, die Erleuchtung erlangen wollen. Deshalb lockt er mit Versprechen: Mit Hatha Yoga Übungen kann man auch Krankheiten heilen. Man kann seine Doshas wieder in ihr natürliches Gleichgewicht bringen. Man kann Agni, das Verdauungsfeuer, erhöhen und alle Amas (Blockaden, Verspannungen und Stoffwechselprodukte und Schlacken) beseitigen. Wir können einen gesunden und schlanken Körper haben und jugendlich sein. Es gilt, Asanas, Pranayama, Mudras und die Kriyas zu praktizieren. Er macht uns den Mund wässrig und will uns letztlich motivieren, indem er auch an einigen Stellen sagt, dass durch die Hatha Yoga Übungen die sexuelle Anziehungskraft steigt. Er sagt aber natürlich auch, dass Brahmacharya wichtig ist – er spielt damit ein bisschen.

 

An manchen Stellen will er uns auch etwas vor den Kopf schlagen. Manchmal gebraucht er eine anzügliche Sprache, oder er sagt Dinge, die offensichtlich nicht so schön sind, löst dies aber dann ein paar Verse später auf. Dies ist ein Zeichen dafür, dass ein Lehrer seine Schüler auch auf die Probe stellen muss.

 

Er sagt an einigen Stellen auch, dass wir Siddhis (außergewöhnliche Fähigkeiten) erreichen können, z. B. ganz klein oder ganz groß zu werden, auf Astralreise zu gehen und vieles andere. Indem er darüber spricht, will er uns etwas ködern.

Er verspricht uns auch Ruhe des Geistes. „Menschen versuchen ihren Geist zu beruhigen – aber durch Hatha Yoga erreichst du es wirklich.“ Er spricht davon, dass wir große Kräfte und geistige Stärke bekommen. „Indem wir auf diese Weise unseren Geist und unser Prana beruhigen, brauchen wir uns über nichts mehr aufzuregen. Ein Yogi, der einen gewissen Grad erreicht hat, wird unabhängig davon, was andere Menschen über ihn denken und sagen und mit ihm tun. Er wird unabhängig von allem Karma und nicht mehr beeinflusst von den Höhen und Tiefen des Lebens.“ Die Bhagavad Gita würde sagen: Ein Yogi kennt nachher sein Karma.

„Er tut, was zu tun ist, aber er ist nicht mehr gezwungen, ist nicht mehr besessen von etwas – sondern er ist frei (Moksha, Mukti). Darum geht es, und das kannst du erreichen – praktiziere, praktiziere, praktiziere. Das ist das Geheimnis des Erfolges. Egal ob du jung, alt oder sehr alt bist, ob du gesund, kränklich oder krank bist, ob du flexibel bist oder steif: Egal, was dein geistiger, körperlicher oder energetischer Zustand ist – mit regelmäßiger Praxis von Hatha Yoga kannst du Erfolg haben.“

Das sagt uns Svatmarama immer wieder: „Darüber besteht kein Zweifel, also übe und praktiziere.“

Hari Om Tat Sat

Om Shanti Shanti Shanti

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Reden über Yoga ohne Erfahrung der Einheit ist Geplapper. Kommentar zum letzten Vers der Hatha Yoga Pradipika, 4. Kapitel, 114. Vers

Svatmarama sagt:  Solange das Prana nicht in die Sushumna gelangt und Brahmarandhra durchstößt, solange Bindu nicht fest wird durch das Kontrollieren des Prana, solange Chitta, der Geist, nicht mit dem Objekt, auf das meditiert wird, Brahman, verschmilzt, solange sind jene, die über Yoga und Dhyana sprechen, nichts als eitle Schwätzer und törichte Menschen.

 

Hier will uns also Svatmarama sagen: Alles Reden über Yoga, alles Reden über Meditation ist letztlich Geplapper. Es gilt Samadhi zu erlangen. Und was heißt, Samadhi zu erlangen? Das heißt, dass Prana in die Sushumna eintritt, also in den mittleren Kanal und es geht darum, dass es dann zu Bramarandhra (praviśati) geht, also zum höchsten Energiekanal. Es gilt, dass dieser Lebensatem letztlich über madhya-mārge, den mittleren Pfad nach oben geht, in praviśati, ins Sahasrara Chakra und damit in die Öffnung zu Brahman und dann muss man letztlich zum binduḥ kommen, also zum Samen von allem. So muss prāṇa-vāta, der Lebenshauch muss beherrscht werden prabandhāt, er muss beherrscht werden. Dann folgt dhyāne, dann folgt die Meditation. Dann folgt letztlich saha-ja, der angeborene natürliche Zustand. Den gilt es, zu erlangen, indem eben der Geist verschmilzt mit dem höchsten Prinzip, mit dem höchsten tattvaṃ. Wenn dieses nicht erlangt ist, dann ist, wenn jemand über jñānaṃ spricht, über Erkenntnis spricht, dann ist das letztlich wie Heuchelei und Geschwätz.

Hier wendet sich Svatmarama nochmal mit vehementen Worten dagegen, dass Menschen sagen, einfach nur zu überlegen: „Wer bin ich?“, und einfach nur zu sagen „Aham Brahmasmi“ bringt gar nichts. Nur zu sagen: „Ich erkenne das höchste Selbst, indem ich darüber nachdenke.“ ist letztlich Geplapper und Heuchelei.

 

Auf eine gewisse Weise wendet er sich ein bisschen gegen die Vedantins, die einfach sagen: „Frage, wer bin ich, erkenn dein Selbst und sei frei!“, die nur sagen, dass nur Worte sind. Ja, man kann durch Vedanta auch die Gottverwirklichung erreichen. Aber nicht, wenn es nur Worte sind und nicht, wenn es nur Behauptungen sind. Jnana ist dann erreicht, wenn auch Prana in die Sushumna geht und wenn der Geist in Brahmarandhra eingeht und wenn Brahman verwirklicht ist. Letztlich muss Jnana zur Verwirklichung führen und so kann man sagen: Vedanta und Jnana Yoga muss auch zur Erweckung der Kundalini führen und zu Nirvikalpa Samadhi. Nur dann ist es Freiheit. Ansonsten ist es Heuchelei und Plapperei.

 

Umgekehrt: Hatha Yoga Übungen zu üben und einfach nur zu schauen, ob man dadurch schön wird oder ob man es besser übt, als andere, ist auch unsinniges Tun. Nur dann, wenn wir über intensive Praxis, nicht Verhaftung und uneigennütziges Dienen und durch intensives Leben unseres Dharmas und dabei verhaftungslose Praxis und Gottesverehrung unseren Geist zur Ruhe bringen und die Kundalini erwecken und dann das höchste Chakra aktivieren, dann erreichen wir Nirvikalpa Samadhi. Erst dann, wenn wir Nirvikalpa Samadhi erreicht haben, dann ist das Ziel des Lebens erfüllt. Bis dahin sollte man demütig sein.

 

Svatmarama sagt ja an einigen Stellen, Übung ist wichtig. Es ist nicht so wichtig, welche Weltanschauung wir haben. Es ist nicht so wichtig, welchen religiösen, spirituellen Hintergrund wir haben oder nicht haben und es ist nicht so wichtig, über so vieles nachzudenken. Wichtig ist die Praxis. Übung macht den Meister, die Meisterin. So sagt er es ja am Ende des ersten Kapitels. Er sagt auch: Übe mit der richtigen Einstellung, Ehrerbietung gegenüber dem Göttlichen, Ehrerbietung gegenüber der Tradition selbst, Ehrerbietung gegenüber den Meistern des Yoga. Das ist wichtig. Dann übe, so gut du kannst und indem du systematisch übst, kommst du irgendwann zur Verwirklichung. Dann löst sich alles andere auf. Also strebe, praktiziere, übe. Übung macht den Meister, Übung macht die Meisterin. Das Streben nach Vollkommenheit ist das einzige Streben, das es wirklich wert ist. Alles andere ist nur relativ.

 

HARI OM TAT SAT

iti hatha yoga pradipikayam samadhi lakshanam nama chaturthopadeshah

OM OM OM

 

Das war also der Abschlussvers der Hatha Yoga Pradipika. Ich werde nochmals die 4 Kapitel der Hatha Yoga Pradipika zusammenfassen und die Hatha Yoga Pradipika als Ganzes. Du kannst dich also noch auf ein paar Verse zur Hatha Yoga Pradipika freuen bzw. auf ein paar Vorträge zur Hatha Yoga Pradipika.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Svatmarama beschreibt, was es heißt, wenn du Samadhi erreichst. Welche Auswirkungen hat Samadhi. Er will uns dadurch motivieren, Samadhi zu erlangen, alles zu tun, um den höchsten Bewusstseinszustand zu erlangen.

Im 108. Vers sagt er:

Der Yogi, der Samadhi erreicht, ist nicht erfüllt von Todesangst, wird durch seine Handlungen nicht mehr gebunden, ist jenseits allen Karmas. Dieser Yogi kann durch nichts beeinflusst werden, wenn du in Samadhi bist, er sagt yogī yuktaḥ samādhinā, der Yogi, der die volle Konzentration erlangt hat yuktaḥ, der in der Lage ist, Samadhi zu erreichen, der wird nicht verschlungen von kālena von der Zeit. Wenn du zum Beispiel in Samadhi bist und selbst, wenn du aus Samadhi rauskommst, dann machen dir die Veränderungen nichts aus. Menschen sind mal freundlich zu dir, weniger freundlich. Es ist mal schönes Wetter und mal weniger schönes Wetter. Du bist mal in besserer Gesundheit, mal in weniger guter Gesundheit. Das sind alles letztlich die sogenannten Dualitäten, die Dvandvas, wie es die Bhagavad Gita sagt. Das ist letztlich die Zeit. Zeit heißt kommen und gehen. Anstatt dich zu bemühen, das äußere Leben so zu regulieren, dass alles gut ist (Das wird trotzdem nicht gelingen!), ist es klüger, nach Samadhi zu streben. Dann machen dir die Veränderungen des Lebens nichts mehr aus.

Dann sagt er auch na bādhyate: Du wirst auch nicht mehr beeinträchtigt durch Karma oder du bist auch na sādhyate nicht unterworfen durch Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Zum einen binden dich deine Handlungen nicht und das Karma, dass du erfährst, ist auch nicht mehr für dich wichtig. Schließlich gilt auch na sādhyate, du bist nicht unterworfen von kena api von irgend jemandem. Also wenn du Samadhi erreichst, dann bist du frei. Andere können dir nichts mehr anhaben, weder durch ihre Worte, noch durch ihre Taten, noch durch ihre Gedanken, noch durch das, was andere machen.

Anstatt dich also darüber zu beschweren, was andere dir antun, ist es viel klüger, dass du spirituell praktizierst und dass du dich bemühst, Samadhi zu erreichen. Nur durch Samadhi kommst du dahin, wo du wirklich hin willst: zur vollständigen Freiheit. Yogī yuktaḥ samādhinā: Der Yogi soll sich vollständig konzentrieren und Samadhi erreichen.

 

Vers 109

Der Yogi, der in Samadhi ist, riecht, schmeckt, sieht, fühlt, hört nichts und ist sich auch seiner selbst und anderer nicht bewusst. Also in Samadhi selbst bist du über alles Relative. Du bist über gandhaṃ Geruch hinausgewachsen, über Geschmack hinausgewachsen, auch über Berührung und Klang und natürlich auch, alles, was zu sehen ist. Also auch hier würde gelten: Anstatt dich darüber zu beschweren, dass es irgendwo zu schlecht riecht oder dass es zu laut ist oder dass es zu hell ist oder dass Menschen zu viel Krach machen: Das sind alles dumme Ausreden des Geistes.

Stattdessen bemühe dich, den Geist zur Ruhe zu bringen und dann macht dir all das nichts aus. Du könntest auch sagen: Bemühe dich auch, insgesamt den Geist zur Ruhe zu bringen und dann wirst du unabhängig von Geruch, Klängen, Geschmäckern und das, was du siehst und was du fühlst. Du wirst sogar so weit gehen, dass du dich selbst nicht mehr wahr nimmst und auch andere Menschen nicht mehr wahr nimmst. Yogī yuktaḥ samādhinā: Der Yogi, der vollkommen konzentriert ist in der Versenkung, der geht jenseits von allen Sinneseindrücken und ihn macht weder etwas aus, was in ihm selbst den Ursprung hat, noch das was andere Menschen mit einem machen.

 

 

Vers 110

Der Yogi wird als Jivanmukta bezeichnet, als lebendig Befreiter, wenn sein Geist weder schläft, noch wacht, wenn er frei ist von Erinnerung und Nicht-Erinnerung und wenn er jenseits ist von allen Verlusten und keine Angst vor der Zukunft hat.

Es gibt vom 110. Vers verschiedene Bedeutungen. Lasst uns schauen, was hier steht in den eigentlichen Versen.

Eva saḥ, wahrlich der ist ein muktaḥ, ein Befreiter. Er ist ein asau, ein Yogi. Wann? Letztlich, wenn der cittaṃ nicht da ist, wenn er also über den Geist hinausgewachsen ist. Und zwar, sowohl jenseits von suptaṃ Schlaf, als auch jāgrat Wachen und er ist varjitam frei geworden von smṛti von Erinnerung und von vismṛti Vergessen und er ist auch gegangen, jenseits vom Entstehen und Verschwinden.

 

Gut, cittaṃ smṛti kann man auch sagen, in Samadhi selbst gibt es keine Erinnerung und auch keine Zukunft, und letztlich: Warum erwähnt er all das? Vermutlich sagt er das deshalb, weil er uns sagen will: Wenn du im Samadhi bist und dann dort rauskommst, dann bist du ein Mukta. Wenn du ein Mukta bist, dann macht dir weder die Vergangenheit etwas aus, noch die Zukunft. Du bedauerst nicht mehr, was andere dir angetan haben, du grollst nicht mehr den Menschen, die nicht freundlich waren und du grollst auch nicht mit deinem Schicksal. Ein Yogi in Samadhi ist muktaḥ, befreit. Er ist im Frieden mit seiner Vergangenheit, Frieden mit den anderen Menschen und er hat jetzt auch keine Angst mehr vor der Zukunft und er hat jetzt auch keine Hoffnung auf die Zukunft im Sinne, dass er denkt: Ich werde glücklich sein in der Zukunft. Er ist JETZT glücklich und so ist derjenige, der in Samadhi ist, ein Befreiter. Ihn belastet nichts mehr aus der Vergangenheit, nichts mehr in der Zukunft, nichts mehr, was aus ihm selbst kommt, nichts mehr, was andere machen und nichts mehr, was Karma ihm antun könnte.

 

  1. Vers

Ein Yogi der in Samadhi ist, fühlt weder Hitze noch Kälte, keinen Schmerz und kein Vergnügen, keine Achtung oder Nichtachtung. Also wer Samadhi erreicht hat, dem ist es nachher egal: Hitze oder Kälte. Mag mal jemand zu intensiv den Raum gelüftet haben und es ist zu kalt geworden: Ein Yogi, der Samadhi erreicht hat, der wird dadurch nicht in seinem Glücksgefühl reduziert. Es mag einmal sehr warm sein, weil jemand die Heizung zu sehr aufgedreht hat oder weil es Sommer ist oder weil man in Indien ist: Dem Yogi macht das nichts aus. Ihm macht auch nichts aus duḥkhaṃ, also weder, wenn Leiden und Schmerzen kommt, noch sukhaṃ, äußeres Vergnügen kommt. Im Kontext duḥkhaṃ sukhaṃ ist ja duḥkhaṃ Schmerz und sukhaṃ ist Vergnügen. Der Yogi ist jenseits davon und er ist auch jenseits von mānaṃ und apamānaṃ, also von Lob und Tadel oder Ehre oder Schmach. Ihm macht es nichts mehr aus, wenn andere ihn loben oder sie loben oder nicht beachten. Das ist eben immer wieder wichtig, dass man sich dessen bewusst macht.

Ich erlebe es immer wieder, dass auch Menschen, die jahrelang Yoga üben, gekränkt sind wegen Kleinigkeiten, dass sie sich aufregen, weil ihnen nicht die richtige Aufmerksamkeit geschenkt wird, ihnen nicht die richtige Anerkennung geschenkt wird.

Es gilt immer wieder sich bewusst zu machen: Zum einen natürlich, wenn wir Samadhi erreicht haben, dann sind wir über diesen Dingen aber, gerade wie es auch die Bhagavad Gita sagt, lerne systematisch, gleichmütig zu sein gegenüber Erfolg und Nicht-Erfolg, gegenüber Lob und Tadel, Ehre und Schmach, Vergnügen und Schmerz, Hitze oder Kälte. Auch das brauchst du, damit die Yogaübungen überhaupt Früchte tragen und damit du wirklich in Samadhi kommen kannst. Also die Frucht von Samadhi ist, Freiheit von Vergnügen, Schmerz, Lob und Tadel, Ehre, Schmach, Freiheit von Karma und Freiheit davon, was andere Menschen über dich denken und mit dir anstellen wollen. Aber um zu Samadhi zu kommen, gilt es auch, systematisch daran zu arbeiten. Also übe Asana, Pranayama, Mudra, Bhanda, Meditation, Mantra usw. übe uneigennütziges Dienen, verehre Gott, lerne Verhaftungslosigkeit, aber besonders: Lerne Gleichmut gegenüber Vergnügen, Schmerz, Hitze, Kälte, Lob und Tadel, Ehre, Schmach und den Höhen und Tiefen des Lebens.

 

112

Wahrlich, derjenige ist ein Mukta, ein Befreiter, der mit all seinen Indriyas und Antahkaranas klar und unbewölkt in Jagrat Avastha wie im Schlaf, ohne Einatmung und Ausatmung, verharrt.

Oder eine andere Übersetzung ist: Ein in Samadhi Vertiefter erscheint wie ein Schlafender und ist ohne Einatmung und Ausatmung. Er ist wirklich befreit.

Diesen Vers kann man auf verschiedene Weisen interpretieren. Zunächst einmal heißt es: Der Yogi ist zum einen wie ein Schlafender supta-vat, aber gleichzeitig wie ein Wachender, also wach heißt: Bewusstsein ist da, Tiefschlaf heißt: Es gibt keine Wahrnehmung von Welt und von Gedanken. Der Yogi im Samadhi ist vollkommen wach, aber ohne irgendeinen Gedanken, reines Bewusstsein ohne Gedanken. Und so ist hier auch kein niśvāsa und ucchvāsa, weder Einatmung, noch Ausatmung, damit kein Werden und kein Vergehen. Es ist wörtlich zu verstehen: In Samadhi hört typischerweise die Atmung praktisch auf. Es ist aber auch im übertragenen Sinn verstanden. Kein Aufnehmen und kein Abgeben mehr. In Samadhi selbst: vollkommene Einheit, vollkommene Bewusstheit ohne irgendeinen Gedanken.

 

113

Der Yogi, der den Samadhi Zustand erreicht hat, kann durch kein Mittel mehr getötet werden und er hat auch alle Naturkräfte überwunden. Er ist unerreichbar für Wiedergeburt und Karma.

Hier steht so einiges und da steht noch eine Menge mehr als das, was ich eben übersetzt hatte. Swami V. Übersetzung sagt ja auch: Ein Yogi, der Samadhi erreicht hat, ist unverwundbar durch alle Shastras, d. h. durch alle Waffen. Die gesamte Welt hat keine Macht über ihn. Er steht auch über den Kräften von Mantras und Tantras, hier verstanden als Beschwörungen und magischen Kräften.

 

Schauen wir nochmal, was genau steht.

Also yogī yuktaḥ samādhinā: Der Yogi, der in vollständiger Konzentration Samadhi erreicht hat, er ist avadhyaḥ, er ist nicht zu töten, er ist unverwundbar durch sarva śastrāṇām durch alle Waffen.

Ein Yogi ist jenseits des Todes. Gut, der Körper ist natürlich auch sterblich. Auch Mahatma Gandhi ist durchaus getötet worden, und viele sagen, er war ein Yogi, der Samadhi erreicht hat. Man könnte sagen, bei Swami Sivananda wurde auch ein Mordanschlag verübt, der ist nicht gelungen. Swami Sivanandas Karma war noch nicht zu Ende. Ein Yogi ist nicht zu töten, ist eventuell sogar wörtlich zu verstehen. Es gibt auch die Aussage, dass gegen Shankaracharya ein Mordanschlag verübt worden ist. Aber das Schwert ist zerbrochen an Shankara.

 

Ein Yogi hat eine große Kraft. Aber, es ist in jedem Fall im übertragenen Sinne zu verstehen. Der Yogi weiß, er ist unsterblich. Deshalb kann er nicht getötet werden. Er ist auch nicht zu beherrschen, er ist aśakyaḥ, er ist unbezwingbar durch sarva dehinām, durch alle verkörperten Wesen. Was auch heißt, ein Yogi, der Samadhi erreicht hat, hat eine solche Freiheit erreicht, keiner kann ihn manipulieren. Er weiß, niemand kann ihm etwas anhaben. Er tut letztlich sein Dharma, aber hat keine Angst vor irgend jemanden, er ist nicht von anderen zu manipulieren oder zu beherrschen. Der Yogi ist auch agrāhyaḥ: Er ist nicht zu manipulieren und zu greifen durch mantra und yantrāṇāṃ, also weder durch Zaubersprüche noch durch magische Diagramme. Was auch heißen soll: Der Yogi ist unabhängig, er ist vollkommen frei.

Ich lese vielleicht noch diese letzten Verse auf Sanskrit. Sie haben auch eine besondere Bedeutung und vielleicht kannst du die Kraft dieser Verse auch auf dich wirken lassen. Also von 108 bis 113

 

khadyate na cha kalena badhyate na cha karmana

sadhyate na sa kenapi yogi yuktah samadhina 

na gandham na rasam rupam na cha sparsham na nihsvanam

natmanam na param vetti yogi yuktah samadhina

chittam na suptam no jagrat smriti vismriti varjitam

na chastam eti nodeti yasyasau mukta eva sah

na vijanati shitoshnam na duhkham na sukham tatha

na manam nopamanam cha yogi yuktah samadhina

svastho jagrad avasthayam supta vad yo’vatishthate

nishvasochchhvasa hinash cha nishchitam mukta eva sah

avadhyah sarvashastranam ashakyah sarva dehinam

agrahyo mantra yantranam yogi yuktah samadhina

HARI OM TAT SAT

 

Mache dir also bewusst, alle Ängste verschwinden, wenn du durch Samadhi zum Jivanmukta geworden bist. Du wirst vollkommen frei. Nichts kann dir mehr etwas anhaben. Daher strebe nach Samadhi, strebe nach Jivanmukti, strebe danach, ein Jivanmukta zu werden, ein lebendig Befreiter. Nur das erfüllt all deine Sehnsüchte. Verschwende nicht soviel Zeit mit so vielem anderen äußeren Sicherheiten, äußerem Erfolg, mit Aufregen gegenüber dem, was andere sagen oder tun. Aufregen gegenüber dem, was geschieht oder nicht geschieht. Strebe nach Vollendung. Das wird die Sehnsüchte erfüllen und dich zur vollkommenen Freiheit führen, zu Satchidananda – Sein, Wissen, Glückseligkeit.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Unmani-Avastha und seine Wirkung – Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ab Vers 103

Unmani-Avastha ist der Zustand Avastha; jenseits des Geistes Unmani. Svatmarama beschreibt immer wieder in den verschiedenen Kapiteln der Hatha Yoga Pradipika, dass das Ziel des Hatha Yoga ist, die Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung, jenseits des Geistes zu kommen, zu verschmelzen mit dem Göttlichen an sich. Er gibt dem verschiedene Namen. Unter anderem nennt er das Unmani-Avastha, der Zustand jenseits des Geistes. Das 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika hat besonders als Thema Meditation Dhyana und dann Samadhi Überbewusstein, welches zu Unmani-Avastha, zum Zustand jenseits des Geistes, führt.

Und so ist das Ziel des Hatha Yoga, mit Körperübungen, Atemübungen, Mudras und Meditationstechniken in Verbindung mit Reinigungsübungen, Yamas und Niyamas, einem ethischen Lebensstil und guter Ernährung zum höchsten Bewusstsein zu kommen.

 

Der 103. Vers beginnt mit iti nādānusandhānam, das heißt, hier endet die Unterweisung bezüglich der Meditation auf den inneren Klang. Dann geht es weiter und sagt, alle Hatha Yoga Praktiken dienen nur zur Erlangung von Raja-Yoga. Diejenigen, die Raja-Yoga erlangt haben, werden Herr über den Tod.

Also sarve, alle Hatha Yoga Praktiken, also alles haṭha (Hatha-Yoga) und all seine Übungen upāyāḥ, alle Mittel des Hatha Yoga sind dazu da, laya den Geist zur Auflösung zu bringen und sie helfen, Erfolg zu haben siddhaye in rāja-yoga, also im königlichen Yoga. Rāja-yoga wird oft übersetzt als die königliche Ruhe des Geistes, die königliche Verschmelzung. Raja-Yoga heißt zum einen der Yoga zur Herrschaft des Geistes oder die ganzen Übungen, die geistigen Übungen des Yoga, Patanjali Yoga. Aber Raja-Yoga wird oft auch interpretiert als ein Synonym für Samadhi bzw. für Paramapada, also für den höchsten Zustand und so dienen alle Praktiken des Hatha Yoga dazu, den Geist zur Ruhe zu bringen und letztlich zum Zustand zu kommen, der Erleuchtung. Wer diesen Raja-Yoga erreicht hat, dieser Mensch puruṣaḥ, wird zu kāla vañcakaḥ, denjenigen, der den Tod überlistet hat.

 

Ich hatte schon bei vielen Kommentaren darüber gesprochen, dass Svatmarama relativ häufig darauf eingeht, dass man mit Yoga Techniken den Tod überwinden kann und Tod hat ja so viele verschiedene Bedeutungen. Physischer Tod kommt irgendwann und wenn du erkannt hast, dass du das unsterbliche Selbst bist, spielt der physische Tod für dich keine Rolle mehr. Aber es geschieht noch so viel Anderes. Du kannst deinen Besitz verlieren, Menschen gehen aus deinem Leben oder bestimmte berufliche Errungenschaften vergehen. Diese äußere Welt ist immer dem Tod unterworfen. Aber durch Yoga gelingt es dir, etwas zu erfahren, was jenseits aller Veränderung ist. Was auch immer in der Veränderung ist, führt zu Leid, wenn du dich daran verhaftest. Wenn du aber erkennst, dass dein Glück nicht abhängig davon ist, dann kannst du gegenüber den Wechselfällen des Lebens gleichmütig sein. Dazu ermutigt dich Svatmarama in diesen Versen.

 

  1. Vers

Der Geist ist letztlich der Samen. Hatha ist das Feld und Gleichmut ist das Wasser. Das Zusammenwirken dieser drei führt dazu, dass die sich sonst langsam fortbewegende Unmani jetzt gut und schnell gedeiht.

Also es gibt hier verschiedene Ausdrücke. Es gibt hier zum Beispiel tattvaṃ. Tattvaṃ könnte man sagen, die wahre Natur, das so sein oder auch der Geist ist bījaṃ, das ist der Same. Dann ist ha-ṭhaḥ letztlich kṣetram das Feld und dann audāsīnyaṃ, die Gleichgültigkeit ist jalaṃ, das Wasser. Also es gibt also das Feld und das Feld ist letztlich ha-ṭhaḥ, alle Hatha Yoga Praktiken. Manchmal wird auch gesagt, dass ha und ṭhaḥ letztlich das Gleichgewicht von Sonne und Mond ist, Surya und Chandra ist Gleichgewicht von Prana und Apana, und diese beiden sind also Pranayama und alle Hatha Yoga Praktiken.

Also es gibt ein Feld und das ganze Feld ist letztlich das Feld des Hatha Yoga und hier ist als Same der Geist. Dieser Same kann wachsen, wenn du Leidenschaftslosigkeit hast. Das ist dann das Wasser und wenn du das machst, diese drei zusammenbringst, dann kann auch Unmani Avastha immer weiter wachsen. Und unmanī ist letztlich kalpa-latikā, also das Wunschbäumchen. Dieses Wunschbäumchen bedeutet: Es ist das, was du brauchst, um die tiefe Sehnsucht zu erfüllen. Also mit anderen Worten: Letztlich sehnst du dich nach unendlicher Freude. Das ist der Wunsch, den du eigentlich hast. Der kann nicht erfüllt werden, indem du mehr Geld hast, indem du mit den richtigen Menschen zusammen bist, indem du Erfolg hast, indem Andere dein Tun anerkennen. Wirklichen Erfolg hast du, wenn du mit voller Konzentration Hatha Yoga übst und dabei Vairagya übst, also Leidenschaftslosigkeit, Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit.

 

  1. Vers

Durch das ständige Üben von Konzentration auf Nada, den inneren Klang, verschwindet die Anhäufung des Übels, des Leids und aller Sünden. Geist und Prana werden sicher in Niranjana absorbiert. Schauen wir an, was dort steht:

Also sadā zu jeder Zeit nāda-anusandhānāt  gilt es, die Konzentration auf den inneren Klang zu üben. Wenn du das machst, verschwindet kṣīyante das pāpa. Pāpa heißt Sünde und Leid usw., und zwar sañcayāḥ, die Anhäufung davon. Vielleicht kennst du Sanchita Karma, das angehäufte Karma. Das muss verschwinden. Es löst sich auf vilīyete im Makellosen nirañjane und es löst sich dann auf, wenn citta und mārutau, also Geist und Marut und damit das Prana zur Ruhe kommen.

Also übe Nada Anusandhana, also die Konzentration auf den inneren Klang. So gehst du jenseits all dessen, was dich in die Gier hineinbringt, was zu allem Übel und Leid führt. Löse dann deinen Geist auf, löse dein Prana auf, indem du zur Ruhe kommst und so erfährst du reine Freude.

 

  1. Vers

Während Unmani Avastha ist der Körper vollkommen ruhig, wie ein Holzklotz. Der Yogi hört jetzt gar keine Klänge mehr, noch nicht einmal die Klänge einer Muschel oder auch einer großen Trommel. Also wenn du in Unmani Avastha gekommen bist, wenn du im Samadhi bist, dann bist du jenseits des inneren Klangs und deine Konzentration wird so tief, dass du noch nicht einmal etwas hörst, wenn in deiner unmittelbaren Umgebung laute Klänge sind, wie ein Muschelhorn oder eine Pauke oder eine laute Trommel. Dein Körper wird vollkommen bewegungslos.

 

  1. Vers

Der Yogi, der jenseits gelangt ist von allen Zuständen und jenseits gelangt, ist von allen Gedanken, wird befreit von allem. Er ist ein Mukta, ein im Leben Befreiter. Also hier sagt er: In diesem Unmani Avastha, in diesem Zustand jenseits des Geistes ist er vinirmuktaḥ, befreit von sarva avasthā, von allen Zuständen. Es gibt jetzt verschiedene Zustände, es gibt zum Beispiel Jagrad, den Wachzustand, es gibt Traumzustand Svapna, es gibt den Tiefschlaf Sushupti und dann gibt es noch weitere Zustände, zum Beispiel Murchha, den Versenkungszustand. Dann gibt es auch noch Marana, das ist der Zustand des Todes, manchmal als Bewusstlosigkeit bezeichnet. Gut, also es gibt verschiedene Avasthas, in denen der Mensch ist und dieser Zustand, der Unmani Avastha ist, ist jenseits aller relativen Zustände. Dabei ist vivarjitaḥ, man ist ledig aller cintā Gedanken und damit zusammen-hängenden Sorgen und der yogī ist dann wie ein Toter mṛta-vat. Aber er ist dann auch befreit. Er ist ein muktaḥ und er ist befreit. Diese Befreiung ist jenseits von allem Zweifel, von allem saṃśayaḥ.

 

Hier will er uns also motivieren: Übe und praktiziere. Irgendwann erreichst du Unmani Avastha. Damit gelangst du über alle Sorgen, über alles Leid hinaus. Du wächst über alles Karma hinaus, alle Probleme, alle Schwierigkeiten. Es gibt nichts mehr, was dir Sorgen bereiten müsste. Das ist also das Ziel des Hatha Yoga, das Ziel von jedem Yoga. Nur so erreichst du die tiefe Sehnsucht, die du hast: unendliche Freude, unendliche Einheit, Ewigkeit, ein Zustand jenseits aller Bedingtheit ist erreichbar. Du kannst zum Mukta werden, zum Befreiten in diesem Leben, zum Jivanmukta. Es gilt zu praktizieren.

 

HARI OM TAT SAT

Und mache dir immer wieder bewusst: Es gibt die Gottverwirklichung, die Selbstverwirklichung, Erleuchtung, Unmani Avastha genannt oder auf so viele andere Weisen genannt und es ist wert, alle Anstrengungen zu machen, um dorthin zu kommen.

Übe! Übe! Übe!

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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Durch Konzentration auf den inneren Klang wird der Geist ruhig. Irgendwann kommst du aber zu einem Zustand jenseits des inneren Klangs. Dann erreichst du dein wahres Selbst und dieses wahre Selbst ist eins mit Brahman dem Absoluten. So beschreibt es Svatmarama im Vers 101 und 102 im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika. 

Vers 101 lautet: Solange die Vorstellung von Klängen da sind, solange wird auch Raum wahrgenommen. Wenn die Klänge verschwinden, dann entsteht der Zustand Parabrahma, Paramatma.

Hier geht es also um die nächsten Schritte der Anahata Nada Dhyana, also der Konzentration auf den inneren Klang. In den letzten Versen hat ja Svatmarama darüber gesprochen. Er hat gesprochen, dass man sich die Ohrknöpfe zuhält, dass man sich dann auf den lauten Klang konzentriert, dann auf einen subtileren Klang, schließlich auf den subtilsten Klang. Vielleicht wenn man die Hände nach unten gibt und es keinen äußeren Klang gibt oder der Klang so subtil ist, dass er sich nur auf den äußeren Klang konzentriert, dass die inneren nicht hörbar sind, dann kommt irgendwann die Fähigkeit, ganz mit diesem inneren Klang zu verschmelzen. Der Geist wird sehr ruhig. Ist dieser Geist sehr ruhig und nur noch innerer Klang da, dann gehst du in diese innere Ruhe, dieser innere Raum voller Ruhe. In diesem Raum ist letztlich innerer Klang erfahrbar. Irgendwann verschwinden aber auch die Klänge und dann geht man ein in Paramatma, also das höchste Selbst und dieses höchste Selbst ist, geht ein mit Parabrahma also in den höchsten Brahman, also dem höchsten Bewusstsein.

 

Im 102. Vers heißt es dann:

Was auch immer man in diesem Zustand der Nada Meditation hören mag, es immer die Kraft der Shakti. Parameshvara ist das, welches formlos ist und das ist letztlich der höchste Zustand. Also, Nada ist Klang und Klang ist Shakti, Shakti, die kosmische Energie. Jenseits der Shakti ist Parameshvara und Parameshvara ist letztlich Shiva. Vielleicht erinnerst du dich, im Tantra gibt es diese Shiva-Shakti-Philosophie. Shakti ist die kosmische Energie und Shiva ist das reine Bewusstsein. Nada und Bindu ist eine andere Ausdrucksweise. Bindu ist der innere Punkt, von dem alles ausgeht und Nada ist der Klang und so ist Shiva wie Bindu und Nada ist wie Shakti. Solange du Klänge hörst bist du in der Shakti, wenn du jenseits der Klänge bist, dann bist du in Parameshvara.

 

Er sagt also auch hier, wie auch immer die Form ist eines Nadas, eines Klanges, wird es letztlich Shakti. Aber wenn dieser Klang zu Ende geht, also wenn Anta kommt, dann kommst du jenseits aller Kategorien und dann bist du in Niragraha, jenseits aller Formen und das ist wahrhaftig Parameshvara, der höchste Gott und damit Shiva und damit reines Bewusstsein. Also nach der Konzentration auf den Klang kommt letztlich Paramatma, Parabrahma und damit Parameshvara.

Vielleicht noch ein kleiner Tipp, wenn du zu Yoga Vidya gehst, dort gibt es in der Shivalaya verschiedene Meditationsräume. Dort gibt es insbesondere die Shiva Höhle wo es sehr ruhig ist, dort könntest du die Anahata Nada Meditation sehr gut üben. Zunächst die Ohren verschließen, indem du die Daumen auf die Ohrknöpfe gibst, dann hörst du den lauten Klang wie das Rauschen des Ozeans, den Donner oder laute Trommeln, danach lässt du langsam die Ohrknöpfe los, du hörst einen subtileren Klang, schließlich senkst du die Hände ganz, du hörst den intensiven subtilen Flöten Klang oder Vina Klang oder Glöckchen Klang. Lass den Geist ganz damit verschmelzen, irgendwann gehe zu dem, was jenseits aller Klänge ist, zu Parabrahma, zu Paramatma, zu Parameshvara, dem höchsten Bewusstseinszustand.

OM Shanti

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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Die Praxis von Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang, die Meditation auf den inneren Klang. Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika  ab Vers 82

Svatmarama empfiehlt im 4. Kapitel verschiedene Meditationstechniken. Besonders umfangreich beschreibt er Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang. In einigen Versen, ab Vers 82, beschreibt er auch verschiedene Stufen der Meditation. Ich will diese Verse durchgehen und dich im Anschluss daran zu einer Meditation anleiten, welche diese verschiedenen Stadien der Meditation verbindet. Dieser Vortrag und diese Meditationsanleitung sind etwas länger, als die vorigen. Bei den vorigen ging es ja jeweils nur um einen Vers.

 

  1. Vers:

Der Meditierende muniḥ, der seine Ohren mit seinen Fingern verschlossen hat, sollte seine Aufmerksamkeit auf den Anahata-Klang, der sich an den im inneren wahrgenommenen richtet, richten, bis er den Turya-Zustand erreicht.

Also hier erst einmal eine einfache Aussage. Konzentriere dich zunächst, schließe die Ohren und es gibt ja verschiedene Mudras. Es gibt zum Beispiel Yoni Mudra, wo du alle deine Sinne verschließt. Dieses Yoni Mudra hat er an einer anderen Stelle beschrieben. Du kannst aber auch einfach Karna Mudra ausführen. Karna heißt Ohr, Karna Mudra heißt, du schließt die Ohren mit deinen Daumen. Dabei kannst du die Finger entspannen oder die Finger ausstrecken und du drückst so mit den Daumen die Ohrknöpfe zu. Du könntest auch ein oder zwei Stühle nehmen und so die Ellbogen auf den Stuhlsitz abstützen oder es gibt ja auch den Yoga Danda, den Yoga Stab, der eine Astgabel ist, wo du die Ellbogen aufstützen kannst und so kannst du längere Zeit die Ohren schließen. Eine moderne Variante, die auch funktioniert, ist Ohrstöpsel zu verwenden. Also etwas, was die Ohren so verschließt, dass du keinen äußeren Klang hörst. Manche haben sogar einen bestimmten Kopfhörer, der die äußeren Klänge komplett ausblendet. Du könntest sagen, wenn du mit den Daumen auf die Ohrknöpfe drückst, dann hilft das auch, einen bestimmten Reflexpunkt zu aktivieren und das hat noch weitere Wirkung. Andererseits ist es eben auch anstrengend für die Arme und ich kenne es zum Beispiel, dass ich gerne, insbesondere, wenn ich an einem Ort meditiere, wo es laut ist, Ohrstöpsel nutze oder natürlich auch in Höhlen gehe, wo es ganz ruhig ist und dann ist natürlich der innere Klang besonders leicht hörbar.

 

Also hier im 82. Vers beschreibt er es ganz einfach: Sorge dafür, dass alle äußeren Klänge ausgeschaltet sind, zum Beispiel, indem du die Daumen auf die Ohrknöpfe gibst und dann konzentriere dich auf diesen inneren Klang. Also du hörst dhvaniṃ, den Klang und darauf richte cittaṃ deinen Geist. Mache das so lange, bis du den Zustand padaṃ von sthira, von Festigkeit und Ruhe erlangst. Man könnte sagen, bis du Samadhi erreichst, aber mindestens bis dein Geist vollkommen ruhig ist. Also der 82. Vers wäre erst einmal einfach. Sorge dafür, dass du keinen äußeren Klang hörst, zum Beispiel, indem du die Ohrknöpfe mit dem Daumen verschließt und dann konzentriere dich auf den inneren Klang, bis dein Geist beständig wird oder bis du Samadhi erreichst.

Jetzt geht es aber noch weiter. In den nächsten Versen sagt er erst einmal, welche Auswirkungen das hat und gibt dann ein paar zusätzliche Tipps.

 

Im 83. Vers sagt er: Das Wahrnehmen des Klanges, dass auf diese Weise praktiziert wird, überwältigt und übertönt nach und nach alle äußeren Geräusche. Der Yogi, der so die Unbeständigkeit seines Geistes überwindet, wird in 15 Tagen glücklich werden.

Also hier sagt er, man kann das Üben des nādaḥ machen, also, wie er hier sagt abhyasyamānaḥ: Es wird geübt und was wird geübt? Die Meditation und die Meditation wird geübt auf nādaḥ, auf den inneren Klang. Das kann schließlich dazu führen, dass alles Äußere überdeckt wird. Also bāhyam: alles Äußere, dhvanim: alle Geräusche werden überdeckt. Was auch heißen kann, wenn du eine Weile mit diesem Verschluss Karna Mudra übst, wird der innere Klang immer hörbarer werden und selbst dann, wenn du die Hand dann herunternimmst, kannst du dich stärker auf den inneren Klang konzentrieren. Also, auch wenn du den inneren Klang verspürst, ohne die Ohren zu verschließen, um so besser. Wenn du dich regelmäßig darauf konzentrierst, dann ist es eine solche Freude, dass äußere Ablenkungen dir nichts mehr anhaben können.

 

  1. Vers:

Während der ersten Stadien des Übens werden verschiedene Klänge laut wahrgenommen. Aber bei fortschreitender Übung werden diese Klänge immer zarter.

Also, zu Anfang prathama hörst du śrūyate in der Praxis abhyāse von nādaḥ verschiedene Arten von Klängen und die können gewaltig sein mahān. Aber dann, wenn die Praxis abhyāse voranschreitet vardhamāne, dann hörst du sūkṣma-sūkṣmakaḥ, immer feinere, immer zartere Klänge. Das ist auch eine Form der Konzentration, d. h. du hörst erst einmal die lauteren Klänge und inmitten der lauten Klänge hörst du sūkṣma, einen zarteren Klang und dann konzentrierst du dich auf diesen zarteren Klang.

 

  1. Vers:

Zu Beginn ähneln die Klänge, denen des Ozeans, dann den Wolken und dem Gewitter, schließlich ähneln sie der Kesselpauke und werden immer ähnlicher einer jharjhara, einer besonderen Trommel, schließlich werden sie wie eine mardala, also eine spezielle Trommel, dann wie ein Muschelhorn śaṅkha, schließlich wie eine Glocke und ein Horn. Hier sind verschiedene Instrumente genannt, die in Indien bekannt sind. Aber gehen wir erst einmal der Reihe nach durch. Also, zu Anfang, in den ersten Stadien können verschiedene machtvolle Klänge entstehen mahān und so sagt er ādau: zu Anfang werden Klänge gehört wie jaladhi. Also jala ist ja Wasser. Wie jaladhi Wasser im Ozean, also wie Wellen des Ozeans, Ozeanrauschen. Dann können solche kommen wie jīmūta und jīmūta ist eigentlich Wolke. Wolke kann heißen Gewitter, also wie ein Gewitter, wie ein Donnern kann dort kommen.

 

Oder  dann ein Klang wie bherī. Das ist eine bestimmte Form der Trommel, hier besetzt als Kesselpauke. Dann gibt es jharjhara, eine andere Form von Trommel. Es folgt sambhavāḥ. Dort kommen dann weitere Klänge und die kommen dann ins mittlere Stadium. Also zu Anfang dieses Rauschen des Ozeans, Gewitterdonnern, danach wie Kesselpauken und Trommeln. Dann wird es etwas subtiler. Dann kommt eben der mittlere Zustand madhye und in diesem Zustand sind es wie  mardala, subtilere Trommeln. Weiter geht es zum śaṅkha. Es ist wie das Muschelhorn. Dann kommt es zu ghaṇṭā, also zu Glocken und schließlich zu einem besonderen Horn: kāhala-jāḥ. Das sind die Stadien, erst die lauteren und dann die subtileren, die höheren Klänge.

 

  1. Vers

Dort heißt es: Am Ende gleichen sie jenen von läutenden Glocken, von Klingeln von Flöten, der Vina und der Bienen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Klänge aus der Mitte des Körpers heraus vernommen. Also es kommt dann ante, das ist das letzte Stadium. Dort kommt kiṅkiṇī und das ist ein Glöckchen, also nicht mehr die große Glocke, sondern ein Glöckchen. Dann folgt dort auch wie eine Flöte vaṃśa. Vaṃśa ist die Rohrflöte, auch Venu genannt. Dann folgt vīṇā, ein subtiles Saiteninstrument oder bhramara und bhramara ist eine Biene. Das sind eben die Töne niḥsvanāḥ, die etwas subtiler sind und so iti entstehen verschiedene nānā Arten vidhāḥ von nādāḥ von Klängen. Diese werden gehört śrūyante in der Mitte madhya-gāḥ des Körpers deha.

 

  1. Vers

Sogar, wenn die lauten Klänge der Wolken und der Kesselpauken gehört werden, sollte man versuchen, seine Aufmerksamkeit auf die feineren Klänge zu richten. Das ist ein Prozess des Nada Yoga oder des Anhata Nada Dhyana – der Meditation auf den inneren Klang. Zuerst kommen die lauteren Klänge und dann richtet man die Aufmerksamkeit auf die feinen Klänge.

 

  1. Vers

Man sollte seine Aufmerksamkeit von den lauten auf die subtileren Klänge lenken, aber nicht auf andere Objekte. Immer wieder, wenn der Geist an etwas anderes denkt, bringt man zunächst die Konzentration auf die lauten Klänge und dann auf die subtileren Klänge.

 

  1. Vers

Der Geist fixiert sich selbst auf nāde, zu welchem er zuerst hingezogen wird, bis er eins wird mit diesem. Also es geht auf diesen inneren Klang. Der innere Klang nāde wird dazu führen, dass der Geist Freude empfindet und weil der Geist Freude empfindet, will er dort bleiben. So geht er schließlich zu vilīyate, er löst sich auf.

 

  1. Vers

Wie eine Biene sich beim Trinken des Honigs der Pflanzen sich nicht um den Duft kümmert, so kümmert sich der in nāde absorbierte Geist nicht um sinnesfreudige Objekte. Also indem der Geist ganz in diesem Klang aufgeht, kann er sich lösen von allem anderen.

 

  1. Vers

Der spitze, eiserne Stachel von nāde kann den Geist wirksam zügeln. Gleich einem Elefanten, der in dem angenehmen Garten der Sinnesobjekte wandelt. Angenommen, ein Elefant ist in einem Garten. Dann kann er letztlich durch die eisernen Stacheln des Mahut, des Elefantenreiters oder demjenigen, der sich um den Elefanten kümmert, unter Kontrolle gehalten werden. Du kennst dich jetzt nicht aus, wie in Indien Elefanten gezähmt werden und wie ein kleiner Mensch letztlich einen ganzen Elefanten beherrschen kann. Da gibt es einen sogenannten eisernen Stachel und mit diesen niśita aṅkuśah, eines der Instrumente, mit denen der Mahut einen Elefanten beherrschen kann. So ähnlich kann der ganze Geist beherrscht werden durch die Praxis des nāde, die Konzentration auf den inneren Klang. 

 

  1. Vers

Wird der Geist seiner unbeständigen Natur beraubt, mit dem Band von nāda gebunden, wird ein Zustand extrem hoher Konzentration erreicht und der Geist wird vollkommen ruhig, wie ein Vogel, der aufhört, seine Flügel zu bewegen. Hier wird gesagt, über den Weg der nāda wird der Geist absolut ruhig und hört auf, sich zu bewegen.

 

  1. Vers

Der Yogi, nach dem höchsten Yoga strebend, sollte alle Gedanken aufgeben und mit einem sorgfältig konzentrierten Geist Nada Yoga oder Nada Laya ausüben, also über die Kraft des inneren Klanges zu einer vollkommenen Ruhe kommen.

 

  1. Vers

Nada ist wie eine Falle, mit dem man einen Hirsch fängt. So wird der Geist gefangen. Mit Nada kann der Geist vollkommen ruhig gemacht werden, ähnlich wie eine Antilope gefangen wird.

 

  1. Vers

Nāda ist wie der Riegel eines Stalles, welcher das Pferd vom Herumwandern abhält. Ein Yogi sollte daher täglich die Konzentration auf nāda üben. Svatmarama gibt also jetzt einige Vergleiche. Ein Pferd ist normalerweise unruhig und ist schwer zu fangen. Wenn es im Stall ist, kann es aber in Ruhe gehalten werden. So ähnlich hilft nāda, dass der Geist vollkommen ruhig ist.

 

  1. Vers

Der Geist gewinnt die Eigenschaft von fest gemachten Quecksilber. Er ist ausgetrocknet, wenn er seiner Unbeständigkeit beraubt ist. Gemeinsam mit dem Schwefel des nāda durchstreift er dann den Akasha, den Brahman-Raum. Es gibt Quecksilber. Ich hatte das schon einmal in einem anderen Kommentar geschrieben. Quecksilber ist normalerweise bei Raumtemperatur flüssig und kann nicht festgehalten werden. Jetzt gibt es einen chemischen Prozess, der manchmal auch als alchemistischer Prozess bezeichnet wird. Dort nimmt man eben Schwefel und dieser Schwefel ist ausgetrocknet, also verbrannt. Der Schwefel wird mit diesem Quecksilber auf eine bestimmte Weise vermischt und dann wird Quecksilber fest. So ähnlich ist es auch mit dem Geist. So ähnlich, wie Quecksilber durch verbrannten Schwefel und andere Methoden fest wird, so ähnlich wird der Geist fest durch die Konzentration auf Anahata Nada und dann sollte man in Akasha aufgehen, in den inneren Raum und sollte auf diese Weise letztlich Brahman erfahren.

 

  1. Vers

Der Geist ist wie eine Giftschlange. Löst du aber alle Unbeständigkeit auf, indem du nur auf nāda hörst, schweift er nirgendwohin. Also der Geist ist im Normalfall wie eine Giftschlange. Er kann dich ständig vergiften. Er bringt dir alle möglichen Gedanken, Überlegungen und Erwartungen und du fühlst dich gekränkt und du bist sauer und alles Mögliche. Also aus dem Geist heraus kommt soviel Gift. Aber wenn du den Geist vollkommen ruhig machst, dann schweift er nirgendwo hin. Also schauen wir bei diesem Vers die Worte noch einmal genau an, denn hier gibt es auch unterschiedliche Übersetzungen:

śravaṇataḥ man hört nāda, den inneren Klang und dann vergisst der Geist sarvam alles andere und vergisst dann auch die innere Form antar-aṅga von wo bhujaṅgamaḥ die Schlange. So wird der Geist eka-agraḥ vollkommen konzentriert und läuft dhāvati kutra cid nirgendwo anders hin.

 

  1. Vers

Das Feuer, welches ein Stück Holz verbrennt, erlischt, sobald der Wald abgebrannt ist. So wird auch der auf Nada konzentrierte Geist in dieses absorbiert. Gut, also im Sanskrit-Vers steht nichts vom ganzen Wald. Da steht nur: Es gibt ein Feuer vahniḥ und das verbrennt pravartitaḥ an einem Holzscheit kāṣṭhe. Aber wenn dieser verlischt śāmyati, dann wird er zusammen mit dem Holzscheit vollkommen ruhig. Also das Feuer brennt dann am Holzscheit und wenn das Feuer letztlich das Holzscheit verbrannt hat, verschwindet auch das Feuer. So ähnlich, der Geist cittaṃ konzentriert sich auf nāde, den inneren Klang. Irgendwann löst sich nāde auf und dann wird auch der Geist vollkommen ruhig. Laya, er erreicht den Zustand von Ruhe oder hier heißt es:  līyate er löst sich auf, zusammen mit dem Klang.

 

  1. Vers

Wird antaḥ-karaṇa, das innere Instrument, der Geist, vollkommen ruhig stabdha angezogen sakta durch den inneren Klang nāda wie Glocken ghaṇṭā  usw. ādi, dann wird der Geist vollkommen ruhig, ähnlich wie die Antilope, die durch den Pfeil erlegt wird. Also er gebraucht jetzt zum Teil etwas eigenartige Symbole, aber er will uns letztlich auf verschiedene Art und Weise animieren: Konzentriere dich auf den inneren Klang! Der innere Klang kann helfen, den Geist vollkommen ruhig zu machen.

 

Und jetzt der 100. Vers

Ein etwas längerer Vers, bestehend aus 3 Teilversen.

anahatasya shabdasya dhvanir ya upalabhyate

dhvaner antar gatam jneyam jneyasyantar gatam manah

manas tatra layam yati tad vishnoh paramam padam

 

Hier sagt er: Die Erkenntnis ist völlig durchdrungen durch den inneren hörbaren Anahata-Ton. Der Geist ist völlig von Erkenntnis durchdrungen. Dort, wo der Platz des alles durchdringenden, allmächtigen Gottes ist, dort wird der Geist zur absoluten Ruhe gebracht. Also hier wieder, es geht darum:

Dhvaniḥ den Klang des anāhatasya des inneren nicht angeschlagenen śabdasya Tons zu hören. Wenn dieser wahrgenommen wird upalabhyate, dieser antar-gataṃ innere dhvaneḥ Ton, dann gilt es jñeyaṃ zu erkennen, was wirklich zu erkennen ist. Im Inneren, innerhalb des manas befindet sich nochmals manas. Aber diesen gilt es aufzulösen layaṃ. Und wenn das erlangt ist yāti, dann folgt der höchste Zustand paramaṃ padam. Das ist der Zustand von Vishnu. Mit anderen Worten: Dieser Zustand der Erleuchtung, dieser Zustand Gottes kommt, wenn der Geist Moksha erreicht.

Ja, das ist also die Praxis von Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang und jetzt kannst du dieses üben.

 

Theoretisch müsstest du jetzt erst die Ohren schließen mit den Daumen, aber dann hörst du nicht, wie ich es weiter ansage. So werde ich es jetzt ansagen und du könntest vielleicht mit den Daumen nur die Ohren berühren. Das hat auch schon eine gewisse Wirkung. Wenn du so teilweise den äußeren Klang ausschaltest, aber mich dennoch hörst, dann hörst du, wann immer ich schweige, den inneren Klang.

Setze dich also so hin, dass du die nächsten Minuten ruhig und entspannt sitzen kannst. Einen Moment, schließe die Augen. Atme ein paar Mal mit dem Bauch ein und aus. Jetzt nimm deine Daumen und berühre so deine Ohrknöpfe. Eventuell lege die anderen Finger ab. Während du mit deinen Fingern die Ohren sanft schließt, hörst du vielleicht einen inneren Klang.

Wenn du willst, kannst du jetzt auch 30 Sekunden lang die Ohren ganz schließen und so den inneren Klang hören. Nach etwa 30 Sekunden lasse wieder die Ohren etwas geöffnet, sodass du etwas hören kannst.

 

Gerade, wenn du die Ohren oder die Ohrknöpfe mit den Daumen ganz schließt, hörst du insbesondere laute Klänge. Du hörst Klänge, wie das Rauschen des Ozeans oder ein Donnern oder wie Trommeln. Vielleicht hast du das eben gehört.

Dann kannst du entweder wieder die Ohren schließen und 30 Sekunden die Ohren, also die Ohrknöpfe geschlossen halten und dich dann auf den inneren Klang konzentrieren, der etwas sanfter ist. Ein Klang wie eine Glocke oder ein Muschelhorn oder der Klang einer Muschel, die du an dein Ohr hältst. Vielleicht kennst du das: So eine Muschel an ein Ohr halten, gibt auch einen inneren Klang. Manchmal geht das auch, ohne die Ohrknöpfe zu schließen. Jetzt also entweder schließe wieder die Ohrknöpfe oder ohne die Ohrknöpfe. Versuche so, diesen mittleren Klang zu hören, der sich vielleicht anhört wie der Klang einer Muschel, die du an dein Ohr hältst oder wie eine sanfte Glocke.

Der nächste Schritt ist, Sukshma Klänge zu hören. Vielleicht hörst du einen hohen Klang, wie den Klang eines Glöckchens oder einen ganz subtileren sanften Ton im Inneren. Dort richte deine Aufmerksamkeit hin und ignoriere die Laute. So kannst du immer weiter voranschreiten, immer subtilere Klänge zu hören. Sei ganz fasziniert von diesen inneren Klängen und irgendwann wird dein Geist ganz ruhig. Du erreichst Laya, die absolute Stille, die jenseits aller Klänge ist.

Höre also jetzt den inneren Klang. Dein Geist ist ganz absorbiert in der Wahrnehmung des inneren Klanges.

Vielleicht hörst du noch subtileren Klang oder die Stille jenseits des Klanges. Verschmelze mit dem inneren Klang oder der inneren Stille.

 

Das war Anahata Nada Dhyana – die Meditation auf den inneren Klang. Eine der vielen Variationen, die Svatmarama im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika vorschlägt und vielleicht willst du sie ja auch ein paar Mal zu Hause üben. Nochmals die einzelnen Schritte:

Du nimmst deine Daumen und schließt mit den Daumen die Ohrknöpfe, indem du darauf drückst. Dabei entstehen dann Geräusche, wie zum Beispiel das Donnern oder Meeresrauschen oder auch wie ein lautes Trommeln. Konzentriere dich zunächst auf diesen lauten Klang, der entsteht und dann höre subtilere Klänge, wie die Klänge von lauteren Glocken oder wie mittel laute Trommeln und anschließend konzentriere dich auf noch subtilere Geräusche, wie eine Flöte oder eine hohe Glocke oder wie eine Vina oder wie ein hoher Klang. Manchmal geht das leichter, indem du erst feste draufdrückst. Beim festen Draufdrücken entstehen mehr lautere Klänge. Wenn du weniger fest draufdrückst, entstehen subtilere Klänge und wenn du die Hand abnimmst, entsteht dieser höchste Klang. Dann gehe immer tiefer in diese Klänge hinein, bis schließlich der Geist ganz ruhig wird und so erfährst du Freude, Ruhe des Geistes, kommst irgendwann zum vollständigen Beruhigen des Geistes: Laya, auch genannt Raja Yoga, auch genannt Sthira und so erfährst du höchste Bewusstseinsebenen.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Was ist Nada Anusandhana? Und wie übt man es? Und zu welchen Wirkungen führt das? Es geht hier weiter um den inneren Klang, es geht um Meditation über den inneren Klang. Und Svatmarama, der Autor der Hatha Yoga Pradipika erläutert welche Auswirkungen es hat.

Der 81. Vers lautet:

Große Yogis, die Samadhi durch Konzentration auf Nada ausüben, erfahren eine von ihrem Herzen aufsteigende Freude, die jede Beschreibung übertrifft und die nur der große Meister, der große Guru zu kennen vermag.

Also, Freude kommt im Herzen, das sagt er nämlich, es entsteht Ananda, große Glückseligkeit und diese große Glückseligkeit Vardhamana wächst in Hrid, im Herzen. Und diese Glückseligkeit kommt durch Samadhi, also die Versenkung auf Nada den inneren Klang. Oder das andere ist Anusandhana, die Konzentration, die Aufrichtung der Aufmerksamkeit auf Nada. Wenn diese Anusandhana auf den Klang sich vertieft, dann entsteht Samadhi, die Versenkung, die Tiefe der überbewussten Zustände. Und so wirst du zu Yogishvara, also Herr der Yogis. Und was bewirkt das? Das bewirkt die große Ananda, die Glückseligkeit im Herzen. Und das ist natürlich unzugänglich, jenseits von Vada, also der Sprache. Und diese große Glückseligkeit kennt insbesondere der Guru, der Meister. Dies ist also eine besondere Konzentration, eben auf den inneren Klang. Man könnte auch sagen, wie die Fortsetzung der vorherigen Verse, wo eben Svatmarama gesprochen hat über Anahata Nada Dhyana.

 

Meditation auf den inneren Klang. Und du kannst das jetzt auch üben, du kannst jetzt einen Moment lang Nada Anusandhana üben und schauen, ob dich das vielleicht zur Freude, Ananada in deinem Herzen führt.

Sitze ruhig und gerade. Atme ein paarmal tief mit dem Bauch ein und aus. Konzentriere dich jetzt auf dein Herz Chakra, in der Mitte der Brust. Wenn du willst, schaue dabei auch mit den Augen nach unten Richtung Herz bzw. Richtung Nasenspitze. Reduziere die Menge an Luft, die du ein und ausatmest, Kevala Kumbhaka. Wenn du willst, kombiniere das mit Khechari Mudra, gib die Zungenspitze nach hinten Richtung Kehle und ziehe dann die Zungenspitze Richtung Kehle nach unten. Lächle dabei. Konzentriere dich auf dein Herz Chakra, Hrid Chakra. Vielleicht hörst du jetzt einen inneren Klang. Sei es auf dem rechten Ohr oder auf dem linken Ohr oder auf beiden. Konzentriere dich jetzt gleichzeitig auf den Klang und das Herz. So spürst du Freude, Ananda in deinem Herzen. Verschmelze ganz mit dieser inneren Freude. Genieße diese Freude, werde zu dieser Freude.

„STILLE“

OM OM OM

 

Das war Nada Anusandhana Dhyana. Die Konzentration auf den inneren Klang in Verbindung mit Konzentration auf Ananda, Freude im Herzen. Im Herz Chakra, Hrid Chakra.

Eine einfache Meditation. Hier rät also Svatmarama, sich auf das Herz zu konzentrieren, hier ist die Freude. Im vorherigen Vers hat er empfohlen, sich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren. Und du kannst diese Hrid Chakra Meditation auch verbinden mit einem Mantra oder verbinden mit einer Visualisierung. Oder du kannst es eben auch so machen wie Svatmarama es empfiehlt, Konzentration im Herzen, dann konzentriere dich auf den Klang der entsteht, dann konzentriere dich auf die Freude, die du im Herzen verspürst. Verschmelze mit dieser Freude, so kommst du in Samadhi und Unmani in den Zustand von unbeschreiblicher Freude. Probiere es aus.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Bhru Dhyana – Die Meditation auf den Punkt zwischen den Augenbrauen.

Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika, 4. Kapitel, 80. Vers und hier geht es um Bhru Dhyana. Dhyana heißt Meditation, Bhru ist der Punkt zwischen den Augenbrauen. Svatmarama beschreibt im 4. Kapitel verschiedene Meditationstechniken und Bhru Dhyana ist eine der Techniken, die er besonders wertschätzt.

 

  1. Vers; 4. Kapitel – Hatha Yoga Pradipika

unmany avaptaye shighram bhru dhayanam mama sanmatam

raja yoga padam praptum sukhopayo’lpa chetasam

sadyah pratyaya sandhayi jayate nadajo layah

 

Deutsche Übersetzung – 80. Vers; 4. Kapitel:

Ich halte die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen für den besten Weg. Unmani Avastha – das Überbewusstsein, den höchsten Bewusstseinszustand – innerhalb kurzer Zeit zu erreichen. Sogar für schwache Geister ist dies ein leichter Weg, um zu Raja-Yoga, zur Kontrolle des Geistes zu gelangen. Der aus Nada hervorgehende Laya-Zustand bringt unmittelbare Erfahrung.

Schauen wir die Sanskrit-Wörter dieses Verses an:

 

Also um zu erreichen avāptaye, unmanī also diesen Zustand jenseits des Geistes, und zwar auf schnelle Weise śīghraṃ ist nach der geschätzten Meinung von mir, also von Svatmarama mama, also von Svatmarama, hochgeschätzt Sammata. Ist was besonders hochgeschätzt? Bhrū dhyānaṃ . Bhrū heißt der Punkt zwischen den Augenbrauen. Bhrū ist eigentlich Augenbrauen, aber wenn von Bhrū gesprochen wird, ist es das Zentrum zwischen den Augenbrauen, auch Trikuti genannt und wozu führt dieser. Er führt auf sukha, auf leichte Weise, und zwar ist es ein Mittel upāyaḥ, um den Zustand des rāja-yoga zu erreichen. Raja-Yoga heißt ja hier immer, die königliche Vereinigung und es ist einfach sukha und angenehm und es ist sogar geeignet für alpa cetasām, also diejenigen, die keine gute Fähigkeit des Geistes haben. Und es führt sadyaḥ sofort zu pratyaya zu einer unmittelbaren Erfahrung und sandhāyī verbindet zügig zum höchsten Selbst jāyate und so entsteht nāda-jaḥ layaḥ, der Zustand der Auflösung, der geboren ist aus nāda-jaḥ. Nāda-jaḥ ist der innere Klang.

 

Ja und so kannst du dich konzentrieren auf den Punkt zwischen den Augenbrauen und danach konzentrierst du dich auf den inneren Klang und danach kommt die innere Auflösung. Du kannst das jetzt auch ausprobieren.

Sitze ruhig und gerade. Schließe einen Moment lang die Augen. Atme ein paar Mal tief ein und aus. Jetzt konzentriere dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Du kannst dabei entweder nur die Aufmerksamkeit hinbringen oder du kannst auch mit den Augen nach oben schauen, hoch zum Punkt zwischen den Augenbrauen. Lächle dabei nach oben zum Punkt zwischen den Augenbrauen, vielleicht übe auch Khechari Mudra, gib die Zunge nach hinten. Übe Kevala Kumbhaka, atme sanft ein und aus. Vielleicht spürst du jetzt ein sanftes Pulsieren im Punkt zwischen Augenbrauen, vielleicht siehst du dort ein Licht und während du weiter sanft ein und ausatmest, Zunge nach hinten gibst, die Konzentration zum Punkt zwischen Augenbrauen gibst, werde dir bewusst, ob du einen inneren Klang spürst. Höre diesen inneren Klang, gleichzeitig Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen und den inneren Klang. Lass dich ganz absorbieren in diesen inneren Klang. Und hinter diesen inneren Klang ist die reine Stille. Layah – Sei absorbiert in der inneren Stille. Höre die Stille, spüre die Stille, siehe, rieche, schmecke diese Stille, werde zu dieser Stille, ein paar Minuten lang.

OM OM OM

 

Das war Bhru Dhyana, die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Eine der Konzentrationsformen, eine der Meditationsformen, die Svatmarama in der Hatha Yoga Pradipika erwähnt. Viele der Meditationstechniken, die bei Yoga Vidya beliebt sind und die Swami V. gelehrt hat, stammen aus der Hatha Yoga Pradipika. Svatmarama empfiehlt zum einen die Konzentration auf das Herz. Er empfiehlt die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, er empfiehlt die Konzentration auf den inneren Klang, die Konzentration auf die Leere. Er empfiehlt die Konzentration auf Ka, die Unendlichkeit, die Ewigkeit und er empfiehlt auch die Konzentration auf layah, die innere Auflösung. So gibt es verschiedene Meditationstechniken und gerade Bhru Dhyana, die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen ist für viele Menschen ein einfacher Weg, den Geist zur Ruhe zu bringen und Zugang zu Intuition zu bekommen.

 

Du kannst natürlich Bhru Dhyana, die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen auch verbinden mit Trataka, also das Konzentrieren auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, indem du mit den Augen dorthin schaust. Du kannst aber auch Bhru Dhyana üben bei entspannten Augen und du kannst auch Bhru Dhyana verbinden mit der Wiederholung eines Mantras, wie z.B. OM oder OM namah shivaya.

Konzentriere dich auf das Licht, dass du siehst, wenn du dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrierst oder auf das sanfte Pulsieren und du kannst dir auch Verschiedenes visualisieren im Punkt zwischen den Augenbrauen. Es gibt also verschiedene Methoden, wie du Bhru Dhyana üben kannst. Die einfachste ist, so wie es Svatmarama beschreibt. Es ist letztlich eine Form der Achtsamkeitsmeditation, in Verbindung mit Achtsamkeitslenkung. Du konzentrierst dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen: Bhru. Dann spürst du, was du dort fühlen oder sehen kannst. Dann wirst du dir bewusst, ob du einen inneren Klang hören kannst: Anahata Nada. Konzentriere dich auf diesen inneren Klang und du ermöglichst es, dem inneren Klang, den Geist in die Ruhe zu führen, letztlich in die Auflösung: Laya. Und in dieser inneren Auflösung kommst du zu Unmani: zum Zustand des Geistes, jenseits des Geistes oder letztlich zum Bewusstsein ohne Geist, und dies kann dich letztlich in Samadhi, ins Überbewusstsein führen.

Probiere es aus, experimentiere mit verschiedenen Formen von Bhru Dhyana, verschiedenen Meditationen auf den Punkt zwischen den Augenbrauen und schreibe vielleicht in den Kommentaren, welche dieser Techniken dir am besten tut und mit welchen du die besten Erfahrungen machst.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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YVS491 Nishpatti Avastha - HYP IV 76-79

Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika ab dem 76. Vers, Hatha Yoga Pradipika 4. Kapitel

 

Eine kleine Wiederholung: Svatmarama hat gesagt in jeder Yoga Praxis gibt es vier verschiedene Stadien, es gibt Arambha Avastha, Vorbereitungsstadium wo man sich mit der Praxis etwas vertraut macht. Ghata Avastha, der Zustand wo man offen ist und wo man die Praxis beginnt zu üben und wo man sich anfüllt mit der Wirkung der Praxis. Das dritte ist Parichaya, wo man angefüllt ist und die kumulierte Wirkung spürt, wo man merkt, was die Praxis alles bewirkt, wo man eine Vertrautheit hat. Die vierte wäre dann Nishpatti, letztendlich die Vollkommenheit, man hat es erreicht, man geht über die Praxis hinaus in einen transzendenten Zustand.

Und Svatmarama, nachdem er im 69. Vers diese Avastha beschrieben hat, sagt, in allen Praktiken gibt es diese. Dann beschreibt die vier Stadien der Anahata Nada Meditation, also die Konzentration auf den inneren Klang. Und ich hatte bei dem Kommentar dieser Verse gesagt, Svatmarama interpretiert diese gleich sehr tief. Es ist letztlich eine tiefe Praxis. Und so beschreibt er jetzt den höchsten Zustand Nishpatti Avastha. Ich will den 76. Vers zunächst lesen, dann auf einige Sanskrit Begriffe eingehen, letztlich ist Vers 76. bis 79. zum Nishpatti Avastha.

 

Das Prana, das Rudra Granthi im Ajna Chakra bezwungen hat, fließt zum Sitz von Ishwara. Dann setzt das vierte Stadium Nishpatti ein, indem Flöten und Klänge der Vina gehört werden.

Schauen wir mal, was im Sanskrit steht: Artha Nishpatti Avastha. Rudra Granthi, also der Rudra Knoten, Granthis sind die Knoten und Rudra Granthi ist letztlich oberhalb vom Ajna Chakra. Im vorigen Avastha nämlich im Parichaya Avastha ist die Konzentration beim Ajna Chakra. Und jetzt gilt es von dieser Konzentration zur Sahasrara Chakra Konzentration zu kommen. Und so muss also Rudra Granthi durchstoßen werden, dann kommt man zum Sitz von Shiva oder auch Ishwara, Gott. Also es gilt Rudra Granthi zu öffnen, dann kommen wir zum Sahasrara Chakra. Sahasrara Chakra ist Sitz von Shiva und dann geschieht es, dass das Prana nach oben kommt. So erreichen wir Nishpatti den Zustand der Vollendung. Und dort hört man den Klang einer Flöte oder auch Venu. Venawa die Flöte, Venu die Kurzform davon. Und man erhört auch den Klang einer tönenden Vina.

Also diese höchste Stufe Nishpatti Avastha heißt, man zieht die Energie durch die Sushumna bis zum Sahasrara Chakra, von dort hört man zuerst den Klang einer Vina, wenn du sie nicht kennst, kannst du sie im Internet suchen. Einfach Vina eingeben, dort wird es Videos und Audios geben, wo du sie hörst oder auch eine Flöte, und zwar eine Bambusflöte, was ja die indische Flöte ist.

 

  1. Vers:

Wird der Geist eins mit dem Objekt der Konzentration, wird dies Raja Yoga genannt. Der Yoga Meister der Schöpfung und Zerstörung wird ebenbürtig mit Ishwara.

 

  1. Vers:

Mukti oder nicht, hier besteht ununterbrochene Glückseligkeit, die Wonne, die aus Laya entsteht, kann nur durch das Üben von Raja Yoga erlangt werden.

Also schauen wir uns nochmal den 77. Vers an. Letztlich ist das ja die Folge von Nishpatti Avastha, zunächst kommen die Klänge von Vina oder der Flöte, aus diesem Klang entsteht dann die Einheit von Chitta und Atman, d. h. der Geist erreicht die Einheit. D. h. Chitta, der Geist vereinigt sich. Das ist dann Raja Yoga, die königliche Einheit und in dieser königlichen Einheit kommt man übers Rechte hinaus, Schöpfung und Samhara, Auflösung und dadurch wird der Yogi vergleichbar mit Ishwara und damit zu Gott selbst. Er geht nämlich über Schöpfung und Zerstörung hinaus.

Und im 78. Vers wird unaufhörliche Freude erreicht, also es kommt unaufhörliche Freude. Das heißt jetzt auch, man mag das erst mal Mukti, Befreiung nennen oder auch nicht. Es gibt immer wieder Leute die argumentieren, die sagen Verzückungszustände, Glückszustände, das ist noch nicht Mukti. Es gilt darüber hinauszukommen. Also er sagt egal, ob das jetzt Mukti ist oder nicht, in jedem Fall ist hier jetzt schon ununterbrochene Freude und Glückseligkeit. Und hier gibt es Laya, die Absorption des Geistes und jetzt sagt er, das ist der Ursprung davon und hier entsteht ein wonnevoller Zustand und der ist dann Raja Yoga, die königliche Einheit.

 

Und 79. Vers:

Jener der von Raja Yoga nichts wissen will und nur Hatha Yoga üben will, vergeudet nach meiner Ansicht seine Tatkraft vergebens. Also er sagt, es gilt den königlichen Yoga zu üben und nicht einfach nur Hatha Yoga Praktiken zu üben. Aber natürlich könnte man es auch interpretieren, wer nur die Übungen praktiziert ohne jemals zu dieser königlichen Einheit zu kommen, der hat noch nicht den Erfolg seiner Bemühungen erlangt. Und hier warnt er uns auch.

Es reicht nicht aus, nur Asanas und Pranayama Mudras zu üben, es gilt mit der Intensität zu üben und der Sehnsucht zu Einheit zu kommen. Und nicht den Geist wandern lassen. Nicht während der Hatha Yoga Praxis den Tag zu verplanen und nachzudenken, was gewesen ist. Das ist nicht Raja Yoga, da hat man zwar Übungen, die mögen auch gesund sein, aber wir wollen zur königlichen Einheit kommen. Wir wollen letztlich zu Nishpatti kommen, zum inneren Zustand der Ruhe.

 

So will ich jetzt dich gleich anleiten zu einer kurzen Meditation, Nishpatti Avastha Anahata Nada Meditation.

Setze dich also ruhig und gerade hin. Schließe die Augen, atme ein paarmal tief ein und aus. Ziehe jetzt beim Einatmen Energie hoch durch die Sushumna zum Ajna Chakra. Ein Moment halte die Luft an im Ajna Chakra mit Mula Bandha und bringe die Zungenspitze ans Gaumendach. Ausatmen und Konzentration auf Sahasrara Chakra und Raum darüber. Wieder einatmen, ziehe die Energie vom Ajna Chakra zum Muladhara Chakra, kurz die Luft anhalten mit Mula Bandha und Nabho Mudra. Und ausatmen schicke die Energie hoch zum Sahasrara Chakra. Einatmen durch Sushumna zum Ajna, anhalten im Ajna mit Mula Bandha und Nabu Mudra, ausatmen Bewusstheit hoch zum Sahasrara Chakra. Kurz die Luft anhalten, Sahasrara Chakra. Jetzt atme ganz sanft aus Kevala Kumbhaka, halte die Konzentration im Sahasrara Chakra und Raum darüber. Vielleicht siehst du ein Licht oberhalb des Kopfes, ein göttliches Licht, vielleicht hörst du einen inneren Klang. Vielleicht hörst du den Klang, eine Vina oder den Klang einer indischen Bambusflöte. Oder einfach nur einen hohen Klang. Lass dich ganz absorbieren in diesem inneren Klang. Sei dir bewusst, in diesem Klang und diesem Licht oberhalb des Scheitels ist göttliche Wonne erfahrbar, göttliche Gegenwart. Einheit, Verbindung und Unendlichkeit. Königliche Vereinigung, Raja Yoga.

„STILLE“

OM OM OM

 

Und nochmal der Hinweis, du findest die gesamte Hatha Yoga Pradipika auch mit Sanskrit Text sowohl mit Devanagari als auch mit Umschrift, Wort für Wort und Übersetzungen mit Erläuterungen von Swami V., Swami Brahmananda und mir in verschiedenen Versionen. Du findest all das auf schriften.yoga-vidya.de.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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YVS490 Parichaya Avastha - HYP IV 74-75

Vers 74

Svatmarama spricht über Parichaya Avastha, die 3. Stufe der Praxis von Anahata Nada Yoga, also der Praxis des inneren Klanges.

Die 4 Stufen des Anahata Nada Yoga

  • Stufe 1: Arambha Avastha, die Vorbereitung, bei der man sich vertraut macht
  • Stufe 2: Gatha Avastha, man ist offen, bereit zu lernen, übt besonders achtsam, man füllt sich an wie einen Topf
  • Stufe 3: Parichaya Avastha, man spürt die angefüllte Wirkung, man praktiziert regelmäßig, man ist vertraut
  • Stufe 4: Nishpatti Avastha, Zustand der Transzendenz und der Vollkommenheit

Theoretisch sind die 4 Stufen für alle Yogapraktiken gedacht, aber Svatmarama interpretiert schon die erste Stufe als ziemlich hoch, gerade wenn es um die Anahata Nada Meditation geht.

 

Wie sieht die 3. Stufe von Anahata Nada aus?

Svatmarama sagt, im 3. Stadium, Parichaya Avastha, wird ein Klang wie von einer Trommel (Mardala) im Akasha, das zwischen den Augenbrauen liegt, wahrgenommen. Vayu, das Prana, fließt zu Mahashunya, welches der Sitz aller Siddhis (außergewöhnliche Kräfte) ist.

 

Erläuterung anhand des Sanskrit-Textes

Atha (es folgt) Parichaya Avastha – der innere Zustand des Anfüllens. Dieser ist Tritiya, also der 3. Zustand. Und hier Vijneya (erfährt man) etwas, und zwar Vihayas – im Raum. Damit gemeint ist laut dem Kommentator Brahmananda der Raum zwischen den Augenbrauen. Das ergibt Sinn, denn im 1. Zustand Arambha Avastha war die Konzentration im Herzen, im 2. Zustand Gatha Avastha im Vishudda Chakra. Logischerweise geht die Konzentration nun also zum Raum entweder zwischen den Augenbrauen oder in der Mitte des Kopfes. Du kannst dich sowohl auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrieren, als auch Mitte der Stirn oder Mitte des Kopfes. Und dort hörst du dann Mardala Dhvani, den Klang einer Trommel.

Im vorigen Vers sprach Svatmarama von einer Bheri (Kesselpauke) und einem Gedröhn, nun ist es eine Mardala. Es wäre gut, sich den Klang der beiden Instrumente einmal anzuhören (z. B. im Internet). Dies führt in Mahashunya – die große Leere. Dort ist Samashraya – die Wohnstätte von Sarva Siddhi – allen außergewöhnlichen Kräften. Das 3. Stadium der Anahata Nada Meditation ist also die Konzentration auf das 3. Auge bzw. Mitte des Kopfes, und dort Konzentration auf den inneren Klang. Dieser innere Klang kann dann so sein wie der Klang einer Mardala.

Viele Menschen hören dies auch wie ein lautes (rhythmisches) Om. Der Klang wird so groß, dass keine anderen Gedanken mehr da sind. Das führt dann zu Shunya – der Leere, in der nichts mehr da ist außer diesem unendlichen Klang. Und dieser unendliche Klang führt dann zu Siddhi – zur Vollkommenheit.

 

Vers 75:

„Sind schließlich alle Schwierigkeiten überwunden, dann zeigen sich unmittelbar die Freuden des Geistes als reine Verzückung. Und diese ist ohne Sünde, ohne Qual, ohne Alter, Krankheit, Hunger und Schlaf.“

 

Erläuterung anhand des Sanskrit-Textes

Tada (dann) folgt Ananda – große Freude im Chitta – Geist. Und so erreicht der Yogi Sahajananda – höchste Glückseligkeit.

Es gibt auch noch eine andere Interpretation, die Swami V. folgt: Ist das Glück des Geistes überwunden, dann folgt das Glück des Atman, also chittananda jitva. Ist die Freude des Geistes überwunden, dann folgt Sahajananda, dann folgt die natürliche, die eigentliche Glückseligkeit.

Der Geist hat auch einiges an Freuden, die wir manchmal als Gegenteil sehen: Ananda – die Freude des Selbst, und Sukha – das Vergnügen. Aber an anderer Stelle haben wir gesehen, dass die Trennung dieser beiden Worte nicht so eindeutig ist. Svatmarama hat an anderer Stelle auch Sukha gleichbedeutend mit der Freude des Selbst übersetzt bzw. verwendet. Hier gibt es Chitta Ananda, das ist die Freude des Geistes, und es gibt stattdessen Sahajananda – die tiefste Glückseligkeit. Was auch bedeutet, dass es manchmal kleine Freuden gibt, mit denen man sich identifiziert, auch in der Yogapraxis. Wenn man diese Identifikation verliert, kommt man in die eigentliche Freude Sahajananda. Die Chittananda ist Ananda (die Freude) von Chitta (des Geistes) (nicht zu verwechseln mit Chidananda – die Glückseligkeit des reinen Bewusstseins). Man könnte auch sagen, die Freude, die im Geist reflektiert ist. Es ist die reflektierte und damit die bedingte Freude. Die Freude, die du z. B. empfindest, wenn dich jemand lobt, ist eine bedingte Freude. Wenn dich jemand kritisiert, ist sie wieder weg. Oder die Freude, die du empfindest, wenn du etwas Gutes isst, ist Chittananda, die reflektierte Freude im Geist. Sie hört auf, sobald du ein versalzenes Gericht isst. Oder auch, wenn du von dem guten Essen zu viel isst, sodass du dich später voll fühlst und Verdauungsprobleme bekommst.

Aber Sahajananda, die höchste Freude, ist nicht mehr bedingt. In diesem Glückszustand bist du frei von Dosha (allen Fehlern und Störungen). Vom Ayurveda her würde man auch sagen frei von Dosha Duhkha, von allen Leiden, die entstehen durch gestörte Doshas. Du bist auch befreit von Jara  (Alter), von Vyadhi (Krankheit), von Kshudha (Hunger und Gier) und von Nidra (Schlaf, Schläfrigkeit und Müdigkeit).

Es gilt also, den glückseligen Zustand zu erreichen, der über die Vergnügen des Geistes kommt. Und diesen erreichst du in der 3. Stufe Parichaya Avastha.

 

Anleitung zur Parichaya Avastha Anahata Nada Meditation

Auch wenn du noch nicht bereit bist, vollständig in Samadhi zu kommen, ist dies eine Übung, die dir helfen kann, nicht bedingte Freude zu erfahren.

Rezitation Vers 75:         „chittanandam tada jitva sahajananda sambhavah |

dosha duhkha jara vyadhi kshudha nidra vivarjitah“

 

Sitze ruhig und gerade. Atme ein paar Mal tief ein und aus.

Beim Einatmen stelle dir vor, du atmest Prana über Ida und Pingala zum Muladhara Chakra.

Halte die Luft an mit Mula Bandha.

Beim Ausatmen schicke das Prana und die Shakti durch die Sushumna zum Ajna Chakra.

Halte kurz die Lungen leer und spüre Ajna.

Atme nun sanft ein und aus.

Spüre das Ajna Chakra, entweder den Punkt zwischen den Augenbrauen/ Mitte der Stirn oder den Raum in der Mitte des Kopfes.

Shunya – die Leere.

Höre dort den Klang einer Trommel oder ein ständig sich wiederholendes Om.

Höre den inneren Klang.

Richte die Aufmerksamkeit auf den unendlichen Raum im Ajna Chakra.

Genieße Sahajananda, die natürliche Glückseligkeit.

(Stille)

Om Om Om

 

Diese Meditation kannst du auch als Einleitung für deine normale Meditation benutzen. Oder als zusätzliche Meditation, z. B. am Ende vom Pranayama oder am Ende deiner Yogapraxis.

Oder du nutzt sie als zusätzliche tägliche Meditation zu deiner normalen 20 bis 30 minütigen Meditation. Sie kann dir helfen, eine besondere Stille und eine besondere Freude zu erfahren.

Ich wünsche dir Sahajananda, die natürliche innewohnende Freudenerfahrung.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

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YVS489 - Ghata Avastha - HYP IV 72-73

Ghata Avastha ist der zweite Schritt der Yoga Praxis. Die vier Schritte der Yoga Praxis sind ja Arambha Avastha, Vorbereitung. Dann Ghata Avastha, die Erfüllung, das Üben, die Aufnahmebereitschaft. Dann Parichaya Avastha, also das Füllen, die Vervollkommnung der Praxis, man übt regelmäßig, erfährt die kumulierte Wirkung. Schließlich Nishpatti Avastha, jenseits aller Grenzen, die Vollkommenheit.

 

Svatmarama bezieht jetzt dieses Konzept der vier Avasthas auf die Anahata Nada Meditation, die er hier allerdings in sehr fortgeschrittener Form beschreibt. Schon im ersten Stadium, also in Arambha Avastha wird Brahma Granthi durchstoßen. Der Yogi erfährt große Freude im Herzen und er hat ein Strahlen und Leuchten. Und so können wir uns bewusst sein, das sind schon fortgeschrittene Wirkungen, aber wir können es natürlich auch auf sanfte Weise üben, auch wenn wir nicht diese fortgeschrittenen Wirkungen haben.

 

Aber lasst uns jetzt hören, was Svatmarama dort sagt. Im zweiten Stadium Ghata Avastha wird das Prana eins mit Nada und gelangt in das mittlere Chakra. Der Yogi wird dann in der Asana fest, sein Geist wird geschärft und er wird ebenbürtig mit den Devas. Also im zweiten Stadium schon sehr weit. Schauen wir noch einmal, was im Sanskrit steht: Artha Ghata Avastha, der Topf Zustand, der zweite Zustand, ist Dvaita also Zweiter. Hier gilt, dass Vayu vereinigt ist mit Apana. Also Prana und Apana werden vereinigt. Diese kommen dann in Madhya, in den Mittleren, manchmal wird gesagt Chakra, das wird manchmal gesagt, dass das die mittlere Nadi ist, also Sushumna Nadi. Also Prana und Apana gehen in die Sushumna und von dort steigen sie nach oben. Und dann hört man diesen inneren Klang. Im ersten Stadium also in Arambha Avastha dort ist ja schon das Prana hochgestiegen, wenn dieses Prana hochsteigt, dann geht es immer weiter nach oben, das ist die Vorbereitung für Ghata Avastha. Die Asana wird also sehr fest, also die Körperstellung wird fest und bewegungslos. Der Yogi wird Jnani, zum Weisen. Er wird Sama gleich den Devas, den Göttern. Man könnte es auch übersetzen, er erlangt göttliche Weisheit. Das ist jetzt eigentlich ähnlich wie Arambha Avastha nur, dass es tiefer geht. Es ist nicht nur wie bei Arambha Avastha, dass es nur Freude ist, sondern es entsteht auch Weisheit.

 

  1. Vers:

Auf diese Weise wird Vishnu Granthi durchstoßen. Dies ist ein Zeichen, dass allerhöchste Glückseligkeit folgen wird, das ist der Name für den Raum, der in der Kehle ist. Es wird ein Gemisch von verschiedenen Tönen, ähnlich dem Klang einer Kesselpauke vernommen.

Also jetzt schauen wir nochmal was im Sanskrit steht: Vishnu Granthi wird durchstoßen. Und so gibt es ein Anzeichen Sushaka, das Paramananda, höchste Glückseligkeit erfahren wird. Es wird erfahren in der außerordentlichen Leere, insbesondere in der Kehle und dort hört man wie ein Stampfen und Gedröhne wie bei Kesselpauken, dieser Klang entsteht dort.

Das ist also Gatha Avastha und wenn du magst, kannst du das gleich als Übung mitmachen. Ich werde gleich die Übung ansagen und danach kannst du sie mitmachen, du kannst entweder ein paar Minuten mitmachen oder dann einfach in die Stille gehen. 

 

Sitze also ruhig und gerade, atme ein paarmal tief ein und aus. Beim Einatmen ziehe die Energie gleichzeitig von Ida und Pingala zum Muladhara Chakra. Halte kurz die Luft an mit Mula Bandha, spüre Muladhara Chakra. Beim Ausatmen schicke die Energie durch die Sushumna bis zum Vishuddha Chakra in der Kehle. Dann atme wieder ein durch Ida und Pingala zum Muladhara Chakra, halte kurz die Luft an, übe Mula Bandha, atme aus, schicke Bewusstheit, Prana und Shakti durch die Sushumna hoch zum Vishuddha Chakra. Halte kurz die Luft an, spüre Vishuddha Chakra. Wiederum atme ein durch Ida und Pingala zum Muladhara Chakra, halte die Luft an mit Mula Bandha, ausatmen schicke die Energie durch Sushumna bis Vishuddha Chakra, halte die Luft an, Halswirbelsäule und Kehle. Halte jetzt die Konzentration in Vishuddha Chakra, Halswirbelsäule und Kehle, lasse das Atmen sanft werden Kevala Kumbhaka. Höre den inneren Klang und im inneren Raum der Kehle. Vielleicht hörst du ein lautes Gedröhne, vielleicht hörst du den Klang wie Pauken, wie Kesselpauken oder Trommeln. Vielleicht auch nur einfach einen hohen Klang. Wenn aber möglich absorbiere dich in den lauten Klang, das laute Gedröhne in Klang von Pauken und Trommeln. Und lass diesen lauten Klang dich in Paramananda führen. Große Freude, große Ausdehnung, Freude, Unendlichkeit, Ewigkeit.

„STILLE“

OM OM OM

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Arambha Avastha ist das erste Stadium jeder Yoga Praxis. Das ist das erste Stadium insbesondere in der Anahata Nada Praxis. Darüber schreibt Svatmarama im 70. und 71. Vers des 4. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika.

Im ersten Zustand Arambha Avastha, wenn Brahma Granthi (Knoten) durchstoßen wird, werden die durch im Herzen aufsteigenden verschiedenen lieblichen Töne im Anahata Chakra, welches sich in der Mitte des Körpers befindet, wahrgenommen. Also jetzt schauen wir nochmal was im Sanskrit steht: Artha Arambha Avastha – jetzt wird der erste Zustand der Anfangszustand beschrieben, Arambha heißt ja Anfangszustand. Und dieser erfolgt, wenn Brahma Granthi, der Brahma Knoten durchstoßen wird.

Brahma Granthi ist der Knoten oberhalb vom Muladhara Chakra. Es gibt verschiedene Aussagen. Svatmarama in seinem Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika sagt, sogar Brahma Granthi befindet sich im Herz Chakra. Es gibt unterschiedliche Aussagen, letztlich die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule ist voller Knoten, voller Unreinheiten. Dort kann man mehrere herausgreifen, man könnte auch sagen, oberhalb von jedem Chakra befindet sich ein neuer Granthi und manche dieser Granthis werden als Brahma, Vishnu und Shiva Granthi bezeichnet. Und unterschiedliche Hatha Yoga Schriften lokalisieren dann Brahma, Vishnu und Shiva Granthi an unterschiedlichen Regionen. Auch Svatmarama selbst spricht in der Hatha Yoga Pradipika an verschiedenen Stellen über die Granthis. Brahma Granthi wird an einer anderen Stelle oberhalb von Muladhara Chakra bezeichnet, eben erst, wenn Brahma Granthi z. B. durch Bhastrika geöffnet ist, kann Kundalini erwachen und in die Sushumna eintreten. Es ist, nicht, dass es sich widerspricht, sondern welche der Granthis, Knoten und Unreinheiten über den Chakras als Brahma, Vishnu und Shiva Granthi bezeichnet wird, gibt es unterschiedliche Nomenklaturen. Es gibt es ja auch, dass manchmal die gleiche Übung verschiedene Namen hat und manchmal der gleiche Name verschiedene Übungen bezeichnet. Swami V. hat es uns gerne erläutert, Brahma Granthi ist oberhalb vom Muladhara Chakra und steht für die Schwierigkeit von der materialistischen, äußeren Welt herauszukommen und in einen subtileren Bewusstseinszustand zu kommen.

 

Dann gibt es als zweites Vishnu Granthi oberhalb des Anahata Chakras und dieses Vishnu Granthi steht für die Schwierigkeit einer letztlich ichbezogenen Wahrnehmung, die in Zeit und Raum ist, zu einer subtileren Wahrnehmung zu kommen. Man könnte sagen, in die Kausalebene. Und schließlich gibt es Rudra Granthi oberhalb des Ajna Chakras und Rudra Granthi steht für die Schwierigkeit aus einer dualistischen Wahrnehmung von transzendenter Wonne zur nicht dualistischen Erfahrung der Unendlichkeit zu kommen. So könnte man auch hier sagen, Brahma Granthi wird durchstoßen, dadurch wird Muladhara Chakra geöffnet, auch Swadhisthana und Manipura, und dann öffnet sich Anahata Chakra. So entsteht Ananda große Glückseligkeit. Man hört dort ein Geklingel wie von Glöckchen. Diesen inneren Anahata Devani Klang hört man, also Anahata Devani wird gehört, wenn Brahma Granthi durchstoßen ist, dann erfährt man Ananda und Freude. Und diese Freude spürt man dann in der Mitte des Körpers.

 

Das erste Stadium Anahata Nada Technik ist schon relativ viel. Du kannst dir das so vorstellen, wenn du das in der Praxis machst. In den vorherigen Versen wurde zum einen erklärt Shambhavi Mudra mit Anahata Nada Meditation zu verbinden und er hat auch Shanmukhi Mudra verbunden mit Anahatha Nada Konzentration. Der erste Schritt wäre, du öffnest Brahma Granthi, du ziehst das Prana bewusst in die Sushumna und dann hörst du einen sanften Klang wie von Glöckchen, Geklingel von sanften Glöckchen.

 

  1. Vers.

Sobald die Klänge wahrgenommen werden, ist der Yoga, welcher einen strahlenden Körper besitzt und süßen Atem ausströmt, frei von sämtlichem Leid und sein Herz ist erfüllt, sein Inneres wird frei. Also schon dieser erste Arambha Avastha ist hier schon etwas recht Hohes. In diesem Arambha Avastha, inneres Klingeln, Prana hat Brahma Granthi durchströmt, große Freude ist da. Es strahlt und leuchtet, wer aus dieser Meditation kommt, ist strahlend und leuchtend und strömt sogar einen angenehmen Atem aus. Herz ist voller Freude, ist erfüllt, Sampurna ist erfüllt und so ist dieser Klang in der Leere zu hören.

Wenn du willst, kannst du das jetzt kurz üben, ich gebe eine kurze Anleitung und danach kannst du für einen Moment in die Stille gehen. Ich würde dir ein paar Minuten geben, wenn du willst, kannst du auch länger üben.

 

Sitze also ruhig und gerade für Arambha Avastha Nada Meditation, ruhig und gerade, atme ein paarmal tief ein und aus, stelle dir beim Einatmen vor, dass du links und rechts in Klang Ida und Pingala Prana hinunter atmest bis zum Muladhara Chakra. Dann halte kurz die Luft an, halte die Energie im Muladhara Chakra und beim Ausatmen schicke Prana bewusst zum Anahata Chakra zur Herzgegend. Wieder einatmen durch Ida und Pingala hinunter zum Muladhara. Mache Mula Bandha, Energie im Muladhara Chakra, Ausatmen bewusst Energie zum Anahata Chakra, Herzgegend. Ein Moment Stille. Einatmen wieder rechts und links zum Muladhara Chakra, rechts zum Muladhara Chakra, ein Moment Mula Bandha, Einatmen durch Sushumna zum Anahata Chakra. Jetzt atme ganz sanft ein und aus, bringe deine Konzentration ganz zum Anahata Chakra, spüre Ananada große Freude. Vielleicht hörst du Anahata Nada, den inneren Klang im Herzen.

„STILLE“

OM OM OM

 

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Hier geht es um die vier Avasthas, die vier Zustände der spirituellen Praxis. Man könnte auch sagen, die vier Stufen der spirituellen Praxis. Svatmarama schreibt ganz einfach: In allen Yogapraktiken gibt es vier Stadien, nämlich Arambha Avastha, Ghata Avastha, Parichaya Avastha, Nishpatti Avashta.

Arambha ist wörtlich Beginn und Anfang, so ist also der erste Avastha, der erste Zustand Arambha, also Beginn und Anfang. Dann folgt der zweite Zustand, das ist dann Ghata Avastha. Ghata heißt wörtlich Topf, Ghata Avastha heißt also, man nimmt das Ganze auf. Dann folgt der dritte Zustand der Parichaya Avastha, das heißt es gibt eine gewisse Vertrautheit und Anhäufung. Parichaya heißt, es hat etwas mit Vertrautheit und Anhäufung zu tun. Der vierte Zustand ist Nishpatti Avastha, also der Zustand der Vollendung und Vollkommenheit.

In allen Yogatechniken gibt es eine Chatuchtaya, eine Vierheit von Zuständen. Was auch immer du praktiziert, zuerst gibt es immer den Beginn, die Vorbereitung als Arambha. Dann gilt es, dass du ganz offen bist wie ein Ghata, ein Topf, Ghata Avastha. Wenn du das dann regelmäßig mit einem offenen Geist praktizierst, kommst du zu Parichaya, zu einer gewissen Vertrautheit, die Praktiken häufen sich an in ihrer Wirkung. Und schließlich kommt es bei Nishpatti Avastha zur Vollendung, zur Vollkommenheit. Nie hat etwas mit Nichts zu tun, mit nichts Beschränkten mehr und so führt jede Technik zur Vollkommenheit.

 

Also angenommen du willst Kapalabhati lernen, dann gilt es zuerst einmal Arambha im Sinne von beginnen sich vertraut machen wie geht das. Dann gilt es, dich ganz zu öffnen wie ein Topf, d. h. offen zu sein innerlich, bereit zu sein für diese Praxis und so häufst du einiges an Wirkung. Schließlich wird sich diese Wirkung immer mehr anhäufen, dann bist du im Parichaya Avastha, also der Zustand der Vertrautheit, wo du mehr und mehr die Wirkung spürst. Und Nishpatti Avastha ist dann die Vollendung die Vollkommenheit wo du über alle Grenzen hinaus gehst zum Unendlichen und Ewigen.

 

Was jetzt die verschieden Avasthas im Anahata Nada Yoga sind, darüber spricht er dann in den nächsten Versen. Aber egal was du übst, es gibt immer die vier Avasthas, der Beginn und die Vorbereitung Arambha, eine gewisse Aufnahmebereitschaft für das Üben, also Ghata Avastha, dann folgt die Vertrautheit und das Praktizieren und dadurch die Wirkung anhäufen durch Parichaya Avastha, was heißt, du musst lange üben und das führt dann irgendwann zur Vollendung Nishpatti Avatha, die gerade bei dann bei allen Yogapraktiken letztlich in Samadhi mündet.

 

Im Grunde genommen egal welche Praxis du machst, sie mündet immer in Samadhi. Sogar, wenn du die Vorwärtsbeuge machst. Am Anfang lernst du, wie du sie richtig machst, das wäre letztendlich Arambha äußerlich, wie macht man sie. Dann öffnest du dich wie ein Topf, du bist bereit, du bist neugierig, was sie bewirkt, Offenheit, Ghata Avastha. Dann übst du sie sehr intensiv und durch regelmäßiges Ausüben der Vorwärtsbeuge sammelst du viel Prana. Die Sushumna öffnet sich, Prana kann in die Nadis hineingehen und letztlich in die Sushumna eintreten. Du spürst die feinstoffliche Wirbelsäule, irgendwann erwacht die Kundalini und du erreichst Samadhi und so geht es im Grunde genommen mit jeder Praxis. Sie lernen mit offenem Geist ausführen, regelmäßigen praktizieren, die Wirkung häuft sich an und irgendwann kommst du in Samadhi.

Beim nächsten Vers geht es dann um Anahata Nada und Laya Yoga und wie das funktioniert dann beim nächsten Mal.

 

Du kannst nun überlegen, welche Yogapraktiken du machst und in welchem Stadium du dich befindest, bist du gerade dabei etwas Neues zu ergründen Arambha Avastha, bist du dabei etwas was du neu hast schon etwas zu praktizieren Ghata Avastha, bist du schon mit einigem vertraut und spürst die kumulierte Wirkung Parichaya und gibt es vielleicht schon eine Praxis, die dich in die Transzendenz führt Nishpatti.

 

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Shanmukhi Mudra und Anahata Nada Konzentration

Kommentar und Anleitung zum 68. Vers des 4. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika

 

Wir sind in einem Teil der Hatha Yoga Pradipika, wo Svatmarama eine seiner wichtigsten Meditationstechniken vorstellt, nämlich die Anahata Nada Konzentration, die Konzentration auf den inneren Klang.

Er hat in einem vorigen Vers gesprochen über Anahata Nada Konzentration in Kombination mit Shambhavi Mudra. Hier geht es in Verbindung mit Shanmukhi Mudra, die auch als Yoni Mudra bezeichnet wird.

Svatmarama schreibt:

Schließe Ohren, Nase, Mund und Augen, und dann hörst du einen deutlichen, klaren Ton in der Sushumna.

Es gibt noch eine andere Übersetzung hier:

Schließe Shravana Puta, das heißt die Löcher der beiden Ohren. Schließe auch das Paar (Yugala) der Augen (Nayana). Dann schließe auch Grana, die Nasenlöcher. Und schließe Mukhana, den Mund. Das mache mit einer gereinigten Shuddha, Sushumna. In dem Kanal (saranau) hörst du (shruyate) sehr deutlich (sputa) einen makellosen (amalah) Nada bzw. Klang.

Zunächst musst du natürlich schon Pranayama machen, um die Sushumna zu reinigen, dann kannst du dich darauf konzentrieren.

 

Anleitung zu Shanmukhi Mudra und Anahata Nada Konzentration

Zunächst zur Technik von Shanmukhi Mudra bzw. Yoni Mudra: Du nimmst kleinen Finger und Ringfinger und gibst diese um die nach vorne gestülpten Lippen. Dann nimmst du die Mittelfinger und legst sie sanft an die Mulde, die oberhalb der Nasenflügel ist, ohne die Nase zu schließen. Dann gibst du die Zeigefinger bei geschlossenen Augen auf die Augenlider. (Eventuell kannst du auch die Zeigefinger auf der Nasenwurzel ablegen, sodass du nicht in Versuchung kommst, auf die Augen zu drücken). Und danach drückst du mit den Daumen die Ohrknöpfe zu.

Danach konzentrierst du dich auf die Wirbelsäule, von Steißbein bis Scheitel. Und während du dich auf die Wirbelsäule konzentrierst, hörst du vielleicht innere Klänge.

Bei vielen passiert es, dass, während sie so sitzen, irgendwann die Arme etwas schwer werden, die Schultermuskeln sind angestrengt. Manche lassen den Kopf leicht nach unten hängen, dann ist es angenehmer für die Schultern. Andere nehmen einen Stuhl. Typischerweise ist die Sitzfläche des Stuhls so hoch, dass du die Ellenbogen abstützen kannst. Es gibt auch bestimmte Yoga Dandas, Yoga Stäbe, mit denen du die Ellenbogen abstützen und so längere Zeit sitzen kannst.

Ich werde dich zunächst zu Yoni Mudra anleiten, was auch Shanmukhi Mudra ist, danach konzentrierst du dich auf die gesamte Wirbelsäule, vom Steißbein bis zur Verlängerung, Scheitel, und dann hörst du den inneren Klang, Anahata Nada.

 

Sitze ruhig und gerade, atme 2-3mal durch, während du kleinen Finger und Ringfinger um die Lippen gibst, die Mittelfinger oberhalb der Nasenlöcher an die Nase anlehnst (sodass du noch ganz sanft atmen kannst, nicht die Nase verschließen). Dann gib die Zeigefinger auf die Augenlider und berühre zunächst mit den Daumen nur die Ohrknöpfe.

Lasse jetzt den Atem sanft fließen, Kevala Kumbhaka. Spüre gleichzeitig vom Steißbein bis zur Scheitelgegend die Sushumna. Höre den inneren Klang von Steißbein bis Scheitelgegend.

Du wirst gleich diesen Klang noch mehr hören, wenn du die Ohrknöpfe schließt. Konzentriere dich auf die Sushumna von Steißbein bis Scheitel. Und jetzt drücke auf die Ohrknöpfe, dass du nichts Äußeres mehr hörst.

 

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Anahata Nada, der innere Klang, ist eine der wichtigsten Meditationstechniken in der Hatha Yoga Pradipika.

 

Der Anahata Nada Konzentration gebührt große Ehrerbietung  

  1. Vers:

Nun beginne ich die Praxis von Anahata Nada, dem inneren Klang, so wie es durch Goraksha Natha beschrieben wurde. Dies ist sogar von denjenigen akzeptiert worden, denen es unmöglich war, die Wahrheit zu verwirklichen und die nicht die Shastras studiert haben.

Jetzt will Svatmarama eine bestimmte Meditationstechnik beschreiben, und zwar Anahata Nada. Anahata heißt der ‚nicht angeschlagene‘ und nada heißt ‚Klang‘. Wenn ich jetzt z. B. dieses Glas mit dem Finger anschlage, dann hört man etwas. Das Glas wird angeschlagen.

Aber es gibt eben auch den nicht-angeschlagenen Klang, den inneren Klang. Auf diesen kann man sich konzentrieren ‒ und so tiefere Bewusstseinsebenen erfahren.

 

Obgleich das jetzt fast das Ende der Hatha Yoga Pradipika ist (Das ist jetzt der 65. Vers des 4. Kapitels, das geht ja nur bis zum Vers 114), sagt Svatmarama: Diesen Teil kann man sogar als Unerfahrener üben.

Er sagt hier, selbst wenn man ungebildet ist, mudhana (Es könnte auch ‚töricht‘ heißen oder ‚träge‘. Hier heißt es ‚ungebildet‘), dann kann man das trotzdem üben. Und selbst wer noch nicht die Wahrheit wirklich erkennen konnte, auch der kann das üben.

Und diese wurde gelehrt von Goraksha, also einem großen Natha und Meister. Das ist auch Upasana, eine Form der Verehrung. Diese Anahata Nada Konzentration ist also ein wichtiges Mittel und wir sollten es mit großer Ehrerbietung angehen.

 

 

Anahata Nada als ein Verfahren um zu Moksha zu gelangen 

  1. Vers:

Adinatha schlug verschiedene Verfahren vor, die alle noch vorhanden sind. Von diesen ist meines Erachtens das Hören von Anahata Nada das beste von allen.

Es wird auch gesagt, Adinatha hat ein Viertel tausend Wege zur Erreichung von Laya bekannt gemacht. Eigentlich ist es sa-pada-koti, das heißt 11/4 mal 10 Millionen. Koti ist 10 Millionen und sa-pada ist 11/4. Also 12.500.000 verschiedene Arten gibt es, die gelehrt wurden von Adinatha und Shiva, um zu Laya, um zur Ruhe des Geistes zu kommen.

Und dort ist besonders diese Konzentration, Anusandhana, auf Nada, den inneren Klang, ganz besonders gut. Svatmarama sagt sogar, unter allen Techniken um zur Ruhe des Geistes zu kommen ist diese mukhyatama, also besonders vorzüglich und gut.

 

Er will uns also hier den Mund wässrig machen. Was auch heißen soll, es gibt so viele Methoden; hier sagt er, es gibt 12.500.00. In einer anderen Interpretation, vielleicht auch in einer anderen Handschrift stehen nur 25.000. Es gibt auch noch die andere Aussage: Es gibt so viele Wege, wie es Pilger gibt.

Aber es gibt so viele spirituelle Praktiken, die von Gott kommen. Und hier unterscheidet sich Svatmarama von manchen anderen, die sagen, nur so kommt man zu Gott, nur so kommt man zur Befreiung.

Wege sind viele, Wahrheit ist eins. Namen sind viele, aber das Göttliche ist eins.

 

Trotzdem kann man von seinem Weg besonders überzeugt sein. So werden z. B. die Vaishnavas sagen, dass man durch das Mahamantra am schnellsten zu Gott kommt. Und die Shiva-Bhaktas werden sagen, dass „Om Namah Shivaya“ einen am schnellsten zu Gott führt. Die Vedantis werden sagen, dass durch dauerhafte Viveka, Unterscheidungskraft, man am schnellsten zu Jnana, zum Wissen kommt, und das führt zu Moksha.

 

So sagt die Bhagavad Gita, dass man am schnellsten zu Moksha kommt, indem man sein Dharma erfüllt und sich mit nichts identifiziert.

Und Svatmarama nennt ja vorher auch Asanas und Pranayama und Mudras und schon andere Meditationstechniken, die auch alle zur Befreiung führen.

Und hier sagt er, die Konzentration auf den inneren Klang ist besonders gut.

Shambhavi Mudra als Methode, Anahata Nada zu hören

 

  1. Vers:

In Muktasana sitzend, Shambhavi Mudra ausführend sollte der Yogi mit gesammeltem Geist auf den Ton im Inneren seines rechten Ohres hören.

Muktasana ist eine der Sitzhaltungen, und es gibt verschiedene Variationen von Muktasana. Bei Yoga Vidya nennen wir es typischerweise Muktasana, wenn die beiden Beine voreinander liegen, so hat es uns auch Swami V. erklärt. Mukta heißt ja ‚befreit‘, das heißt die Beine sind nicht gekreuzt, sondern mukta, befreit.

Brahmananda sagt in seinem Kommentar, dass Siddhasana letztlich gemeint ist, wenn Svatmarama von Muktasana spricht.

Es gibt also jetzt verschiedene Methoden, wie wir den inneren Klang hören. Im 67. Vers sagt Svatmarama: Übe Shambhavi Mudra und richte deinen Geist auf die inneren Klänge, also auf nada antahstha. Manchmal nennt er Anahata, aber hier ist es Antahstha, die im Inneren, anta, befindlich, sta. Und dort sei konzentriert, eka-dhih.

Was heißt das also? Du begibst dich im Grunde genommen in Shambhavi Mudra und dann konzentrierst du dich auf den inneren Klang. Eventuell hörst du ihn im rechten Ohr. Eventuell hörst du ihn, als ob du ihn im Herzen hörst. Deshalb heißt es ja auch Anahata Chakra ‒ das Chakra, wo der unangeschlagene Klang gehört wird. Manche hören es auch im linken Ohr.

Und dann lass dich davon absorbieren.

 

Kurze Anleitung zu Anahata Nada im Kontext mit Shambhavi Mudra:

Sitze ruhig und gerade, schließe die Augen, atme 2-3mal tief ein und aus. Jetzt öffne die Augen und schaue zur Nasenspitze. Lasse jetzt den Atem ganz ruhig werden, schaue weiter zur Nasenspitze und konzentriere dich auf dein Herz in der Mitte der Brust. Halte einen Teil des Bewusstseins im Herzen, schaue weiter zur Nasenspitze, und jetzt konzentriere dich auf dein rechtes Ohr. Vielleicht spürst du dort einen Klang. Schaue weiter auf die Nasenspitze, spüre das Herz, höre den Klang im rechten Ohr oder wo auch immer du einen Klang hören kannst. Genieße dieses Gefühl von Freude im Herzen, Ruhe des Geistes, Anahata Nada, innerer Klang.

Om Shanti

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ab Vers 51

Das vierte Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ist ein Kapitel, wo Svatmarama relativ umfangreich über Samadhi spricht, und er spricht immer wieder davon, immer wieder von anderer Warte aus. Die Verse gleichen sich zum Teil. Er spricht davon, um uns den Mund wässrig zu machen, dass wir Sehnsucht haben, diesen höchsten Zustand zu erreichen.

 

Ankommen in Brahmarandhra

Svatmarama schreibt im 51. Vers:

Wird der Atem von außen eingestellt, wird auch der Atem im Innern des Körpers absorbiert, daran besteht kein Zweifel.

Danach wird das Prana mit dem Geist in Brahmarandhra beständig.

Luft strömt in den Körper hinein, Luft strömt hinaus. Wenn wir aber aufhören, dass dieser Atem ein- und ausströmt und ihn innerlich halten und äußerlich halten, eine Ruhe haben, dann wird auch der Geist ruhig.

Im Normalfall atmen wir ein und aus. Und so gibt es den äußeren Atem, wir atmen nach außen, und den inneren Atem, wir atmen nach innen. Man könnte auch sagen, es gibt den inneren Atem, wo das Prana in die ganzen Körperfunktionen hineinströmt, und es gibt den äußeren Atem, d. h. wir nehmen Luft ein und aus.

 

So ähnlich gibt es die innere und die äußere Atmung, da sprechen auch die westlichen Physiologen von. Wir können auch Prana aufnehmen und wieder abgeben, innerlich. Aber all diese sollen zur Ruhe kommen in der tiefen Meditation.

Wenn also die Bewegung von Prana zur Ruhe kommt, dann geht alles in die Sushumna, d. h. in die feinstoffliche Wirbelsäule. Dann geht auch der Geist in die Absorption. Und dann entsteht Sthira, die Unbeweglichkeit und die Beständigkeit sowohl des Pranas als auch des Geistes.

Es gilt also den Atem zur Ruhe zu bringen, es gilt den Fluss des Pranas zur Ruhe zu bringen ‒ dann kommen wir zur Ruhe des Geistes und zur Ruhe des Pranas.

 

 

Das Prana und den Geist zur Ruhe bringen

 

  1. Vers:

Auf diese Weise, indem man Tag und Nacht übt, wird Prana unter Kontrolle gebracht. Steigert man diese Übung, wird der Geist ruhig und unbeweglich.

Es gilt also Abhyasa, immer wieder üben. Und was gilt es zu üben? Wir wollen Vayu, den Wind, und damit das Prana auf dem Weg zur Ruhe bringen. Wir wollen abhyasaj jiryate, regelmäßig üben, damit sich das auflöst. Und wir wollen es Tag und Nacht üben. Dann wird auch der Geist zur Ruhe kommen.

 

Es gilt also, immer wieder zu üben.

Im Normalfall übst du Asana, Pranayama, Meditation ein- oder zweimal am Tag für 1–2 Stunden. Aber es gibt Phasen, in denen du deine Praxis erhöhst. Und das ist auch etwas Wichtiges: Nimm dir jedes Jahr 1 oder 2 Wochen für intensive Praxis.

Natürlich sind Ausbildungen wichtig, Weiterbildungen sind wichtig, viel zu lernen ist wichtig. Menschen kennenlernen, Länder kennenlernen ist wichtig. Wohnung renovieren ist auch wichtig.

 

Fallen des Geistes

Sehr viel wichtiger ist aber intensive Praxis. Lass kein Jahr verstreichen, ohne dass du nicht mindestens ein oder zwei Wochen intensiv praktiziert hast.

Und in der Zeit rege dich nicht auf, ob das Wetter gut ist, ob das Essen gut ist, ob Menschen freundlich zu dir sind oder nicht. Das sind alles Fallen des Geistes.

Schaffe die Bedingungen so ideal wie möglich ‒ und dann übe Tag und Nacht. Gut, du wirst auch mal schlafen müssen, aber praktiziere intensiv!

Kooperiere nicht mit dem Geist, der, wenn du in den Ashram fährst, plötzlich 20 Ideen hat, warum ausgerechnet jetzt die Praxis nicht so gut geht. Vielleicht hast du Rückenprobleme, vielleicht ist der Yogalehrer nicht so, wie du es gerne hättest, vielleicht ist es zu kalt, zu warm, zu viele, zu wenige Menschen, zu rücksichtslose Menschen oder zu was-auch-immer.

Geist lässt sich tausend Ausreden einfallen. Kooperiere mit keiner.

Praktiziere intensiv, um Prana zur Ruhe zu bringen, dann bringst du den Geist zur Ruhe und dann erfährst du höchste Bewusstseinsebenen.

 

Amrita ‒ der Nektar der Gnade

 

  1. Vers:

Man sollte den Körper von Kopf bis Fuß mit dem Nektarstrom des Mondes füllen.

Dann wird man mit einem ausgezeichneten Körper, großer Stärke und Mut ausgestattet.

Man fülle, plavayet, man überschwemme den Körper, deha, mit Amrita, mit großem Nektar, und zwar von den Fußsohlen bis zum Kopf. Dann erreichst du, sidhyati, einen mahakaya, einen großartigen Körper, mahabala, eine großartige Kraft, und mahagraha, außergewöhnliche Kühnheit und Tapferkeit.

Der Vers fällt jetzt etwas aus dem Rahmen. Vorher hat er gesagt, du kommst jenseits von Körper, du kommst jenseits von Psyche, du kommst in einer Unbedingtheit. Aber Svatmarama kennt letztlich den Menschen. Menschen fragen: Und was hab ich davon? Und so sagt er: ja, einen großartigen Körper, großartige Kräfte, sowohl körperlich wie auch psychisch.

Gerade im Khechari Mudra spürst du also irgendwann, wie Nektar, Gnade, Segen strömen. Den kannst du als Amrita bezeichnen oder auch als Soma. Dieser Nektar ist wie das potenzierte Kapha-Element im Ayurveda, er regeneriert auch alles. Er ist nicht nur gut um Freude zu erfahren, Wonne zu erfahren, er ist auch etwas Heilendes.

 

 

Sich von der Kundalini zum höchsten Zustand führen lassen 

  1. Vers:

Indem man den Geist in die Shakti, die Kundalini, legt und die Shakti mittels Meditation in den Geist, vereinigt man sie und Shakti erregend lenkt man den Blick mit dem Antahkarana auf den Geist und erreicht den höchsten Zustand, das Ziel von Dhyana.

Du bringst also deinen Geist zur Kundalini, also zur Shakti. Auf diese Weise lässt du dann deinen Geist von der Kundalini führen. Das sind so diese zwei Schritte.

 

Oder eigentlich sind es mehrere Schritte: Erst übst du viel Asana, Pranayama und Mudras. Dann bringst du das Prana in die Sushumna. Dann spürst du deine Shakti vielleicht in der untersten Wirbelsäule. Bringe deinen Geist dort hinein. Und wenn du deinen Geist zur Kundalini bringst, dann wird deine Kundalini noch stärker werden, sie wird pulsieren und vibrieren.

Jetzt lasse deinen Geist durch die Kundalini führen. Dann bringst du deinen Geist selbst nach oben in die höheren Chakras. Du bringst den Blick nach oben, sagt Svatmarama hier, und du bringst dein Manas nach oben ‒ und dann kommt die Kundalini noch weiter.

Also noch mal die Schritte: Du übst Asana und Pranayama, du bringst das Prana in die Sushumna, du spürst die Kundalini, du bringst deinen Geist zu dieser Kundalini hin, dann wird die Kundalini stärker und heftiger, und dann lässt du die Kundalini deinen Geist führen. Wenn du merkst, dass die Kundalini nach oben führt, richte jetzt deinen Geist zum Ajna und Sahasrara Chakra. So strömt die Kundalini noch weiter nach oben und so kommst du zu paramam pada, zum höchsten Bewusstseinszustand ‒ zum höchsten Zustand, der jenseits von allem ist.

So meditiere über den Höchsten, so erfährst du den höchsten Zustand.

 

 

Ausdehnung in den unendlichen Raum 

  1. Vers:

Platziere Atma in Akasha und Akasha in die Mitte Atmans. Indem man alles in die Form von Akasha bringt, sollte man an nichts anderes denken.

Akasha heißt Raum, Atman ist das Selbst. Brahman ist wie Akasha, Brahman ist unendlich.

Und so ist das eine Meditationstechnik, die man dann auch nutzen kann. Wenn wir vorher sagen, wir bringen den Blick nach oben und kommen zu Dharana, zu Dhyana, lösen wir jetzt alle konkrete Konzentration auf und bringen den Geist in die Unendlichkeit. Sei dir bewusst, in dieser Unendlichkeit, dort ist Atman ‒ das unendliche Selbst.

Und so sei dir bewusst: Alles, was im unendlichen Raum ist, ist in dir. Und du selbst bist im unendlichen Raum. Das Unendliche, der ganze Raum bist du. Und du bist dieses Unendliche.

Wir haben ja bei Yoga Vidya auch die Ausdehnungsmeditation. Das ist letztlich eine Meditation, die diesen Vers ausdrückt. Du dehnst deine Bewusstheit schrittweise immer weiter aus. Indem du deine Bewusstheit immer weiter ausdehnst, erfährst du dich, als Unendliches.

Das ist ein wichtiger Schritt dieser Khechari Mudra Meditation, die Svatmarama beschreibt. Aber es kann auch etwas sein, was du unabhängig davon übst.

 

 

Ein Yogi ist zugleich im und außerhalb des Körpers 

  1. Vers:

Der Yogi ist innen und außen leer wie ein Topf im unendlichen Raum. Er ist auch vergleichbar mit einem Topf im Ozean: innen und außen voll.

Letztlich ist der Körper wie ein Krug. So wie bei einem Krug im Ozean Wasser im Inneren und im Äußeren ist, so bist du im Körper und du bist außerhalb des Körpers. Du bist nicht beschränkt auf den Körper. Du bist im Körper und du bist außerhalb des Körpers.

Ein Yogi ist in der Lage, seinen Körper zu spüren, auch seinen individuellen Geist zu spüren, seine Aufgaben zu erledigen. Er kann aber jederzeit sein Bewusstsein ausdehnen und sich erfahren als das Selbst von allen Wesen, als unendlich im Raum.

 

 

Alle Gedanken aufgeben 

  1. Vers:

Man sollte in der äußeren Natur an nichts denken. Auch persönliche Gedanken sollten aufgegeben werden. Überhaupt sollten sämtliche Gedanken, subjektiver und objektiver Natur, aufgegeben werden.

Das halte ich für eine besonders schöne Übersetzung. Es gibt auch noch eine einfachere:

Man sollte weder innerhalb noch außerhalb der Welt sein und soll alles Sinnen und Trachten lassen. Stattdessen sollte er an nichts denken.

Aber die Übersetzung bei Swami V. ist etwas korrekter: nicht sollte man denken an, kartavya cintana, an bahya, an äußere Dinge. Und genauso, tatha, sollte man auch nicht denken an innere Dinge, an Antara. Und insgesamt sollte man parityajya, aufgeben, cintayet, das Denken an irgendetwas.

In der Meditation sollte man also zum einen nicht an Äußeres denken: Was habe ich zu tun? Was denkt der andere über mich? Was ist dort und was soll das bedeuten? Und warum hustet mein Nachbar usw.

Man sollte auch nicht an Inneres denken: Was hat jetzt das lila Licht in meiner Stirn zu tun? Warum spüre ich jetzt in der rechten Hälfte der Brust etwas? Was macht mein linkes Knie? Und warum ist mein Geist gerade unruhig?

Letztlich sollte man an gar nichts denken.

 

Das kannst du dir auch manchmal, in höheren Stufen der Meditation sagen. Was immer dich in die Meditation geführt hat, nachher musst du deinen Geist auch davon lösen. Irgendwann musst du von allen Gedanken loskommen ‒ und dann bist du im echten Samadhi.

 

 

Die ganze Welt ist nur Schöpfung des Denkens 

Im 58. Vers wird es sogar etwas philosophisch. Svatmarama zitiert einen Vers aus dem Yoga Vasishtha:

Diese ganze Welt und alle Pläne des Geistes sind nur Schöpfung des Denkens. Lege dieses Denken ab und nimm Abschied von allen Vermutungen. So, oh Rama, erlange die Stille.

Hier ist auch der Sanskrit-Text sehr schön:

sankalpa matra kalanaiva jagat samagram

 

Diese äußere Welt, jagat, ist nur, matra, ein Werk, kalana, von sankalpa, von Vorstellungen. Aber auch die innere Welt ist nichts anderes als ein Spiel des Geistes.

Sankalpa matra matim, daher utsrija, gib auf, das Spiel des Geistes ‒ und komme zum Zustand von nirvikalpa, jenseits aller Gedanken. Gib dich ganz diesem Zustand jenseits des Geistes hin ‒ und erlange so Frieden, oh Rama.

Dieser Vers ist also ein Zitat aus dem Yoga Vasishtha 3.101.39 und hier wird auch Svatmarama sich in den Jnana Yoga begeben.

 

Letztlich wird auch im Yoga Vasishtha über Pranayama geschrieben. Manche sagen auch, Yoga Vasishtha sei die älteste Schrift, die Pranayama beschreibt. Und Svatmarama bezieht einige Schriften mit ein. Er hatte vorher gesagt, oh Parvati, damit hat er eine tantrische Schrift zitiert. Hier zitiert er den Vasishtha im Yoga Vasishtha.

Das äußere Universum wird also durch unsere Gedanken geschaffen, und auch das innere Universum. Mache dir das bewusst. Manchmal regst du dich über irgendwas Äußeres auf. Aber es ist deine eigene Welt, die all das schafft.

Und auch die innere Welt ‒, wenn du so denkst, was noch alles zu tun ist oder wie gut oder wie schlecht es ist, dein Selbstbild ‒ all das ist auch geschaffen durch deine Sankalpas, durch deine Gedanken.

Aber es gibt etwas, das jenseits von allem Wandelbaren ist. Dort gilt es hinzukommen, das gilt es zu erreichen und darum sollte man sich bemühen.

 

Auflösen des Geistes in Atman 

  1. Vers:

Der Geist wird, wenn er auf Atman konzentriert ist, eins mit diesem, wie Kampfer mit der Flamme und Salz mit dem Wasser des Ozeans eins werden.

Svatmarama sagt hier, der Geist kann mit Atman verschmelzen. Letztlich gibt es keinen Geist ohne Atman. Wenn kein Bewusstsein da ist, gibt es auch kein Denken. Das Denken braucht Atman.

Atman kann ohne Denken existieren. Du kannst reine Bewusstheit sein ohne Gedanken. Aber Gedanken können nicht ohne Atman sein.

Du kannst also deinen Geist in Atman absorbieren, im höchsten Selbst, so ähnlich wie Kampfer sich mit der Flamme verschmilzt und auflöst und so ähnlich wie Salz und Wasser im Ozean eins werden. Salz kommt letztlich aus dem Ozean und löst sich auf im Ozean.

So ähnlich kommen Geist, Gedanken und Emotionen aus dem Selbst und werden wieder eins mit dem Selbst.

 

Über die Dualität hinauskommen 

  1. Vers:

Alles, was gesehen und erfahren wird, wird das Wissen genannt. Und die Fähigkeit des Wissens wird als Geist bezeichnet.

Wenn Wissen und Kenntnisse verloren gehen, besteht keine Dualität mehr.

Das ist ein etwas komplexerer Vers, der aber in der Bedeutung ganz einfach ist. Zunächst gibt es Erfahrbares. Jneya ist das, was erfahren, gewusst werden kann. Svatmarama sagt: jneyam sarvam, alles, was erfahren wird, pratita, wird bewusst.

Wir sehen, wir erfahren also etwas, wir kennen es. Und all das führt zu jnana, zu einer gewissen äußeren Erkenntnis. Und dieses Kennen, wenn wir Äußeres wahrnehmen und dann zu einem inneren Wissen kommen, das ist alles manas, das ist alles Geist.

 

Wenn man jetzt aber diesen Prozess des Erfahrens und auch des Erkennens zur Ruhe bringt, dann bleibt nichts mehr übrig. Man wird dann über die Dualität hinauskommen. Es bleibt also keine Dualität übrig. Nanyah pantha dvitiyakah: ‚Es bleibt nicht ein anderer Weg der Dualität übrig‘.

Solange du also etwas wahrnimmst und darüber nachdenkst und dann zu Vorstellungen kommst, ist das der Geist. Wenn es dir aber gelingt, entweder nichts mehr wahrzunehmen oder auf das Wahrgenommene nicht mehr nachzudenken, bist du jenseits der Dualität.

Wenn du willst, kannst du daraus eine Übung machen: Du könntest zwischendurch mal probieren, wahrzunehmen ohne Worte zu formulieren. Ohne zu überlegen, nachzudenken oder in dir zu sprechen.

So überwindest du eine gewisse Form der Dualität. Und schließlich in Samadhi ist es natürlich so, keine Gedanken, keine Worte, keine Bilder, kein Nachdenken, auch kein äußeres Erkennen.

Es gibt einfach nur reine Bewusstheit, weit wie der Raum.

 

Unmani Avastha, jenseits von aller Dualität 

  1. Vers:

Der Geist nimmt lebende und nicht lebende Dinge des Universums wahr. Verliert sich der Geist im Unmani Avastha, besteht keine Dualität mehr.

Es gibt Drishya, das wahrnehmbare Universum, und es gibt auch das Bewegliche, Sa Chara, und es gibt Achara, die unbeweglichen Dinge. Sa Chara kann man auch bezeichnen als Lebewesen, die sich aus sich selbst heraus bewegen, Achara sind die Dinge, die sich nicht aus sich selbst bewegen. Es gibt also durch den Geist das wahrnehmbare Objekt und die ganze Welt mit all ihren Objekten.

Es ist aber möglich, in einen Zustand zu kommen, Bhava, der jenseits des Geistes ist, Unmani. Und dann gibt es keine Dvaita mehr, dann gibt es keine Dualität, keine Zweiheit mehr.

So gilt es also, in den Unmani-Zustand zu gehen. Und dort bist du jenseits von aller Dualität.

 

Kaivalya ‒ absolute Freiheit 

  1. Vers:

Wenn alle Vorstellungsobjekte aufgegeben werden, wird der Geist dem Wesen nach zu Satchidananda. Wird der Geist in diese Form gebracht, bleibt Kaivalya ‒ Befreiung und Absolutheit ‒ bestehen.

Der Yogi wird vom Wesen her zum nondualistischen Atman.

Jneya, die erfahrbaren, vastu, Dinge, werden aufgelöst, man gibt sie auf, parityaga, und das führt dann zur Auflösung des Geistes. Wenn diese Auflösung des Geistes geschehen ist, dann entsteht Kaivalya: absolute Freiheit.

So ähnlich wie auch Patanjali im Yoga Sutra sagt, yogash chitta vritti nirodhah, Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist, tada drashtuh svarupe vasthanam, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen, ‒ das ist also die gleiche Aussage.

 

 

Viele Weisen, um zu Samadhi zu kommen 

  1. Vers:

Die großartigen Menschen, die Acharyas, die großen Lehrer, gewannen vor Zeiten erst selbst Erfahrungen in den verschiedenen Methoden, die zu Samadhi führen. Danach gaben sie diese Erfahrungen weiter.

Es gibt also, eva, in dieser Weise, nana, verschiedene vidha, Arten und Mittel, upaya, die vollständig und zutreffend sind. Diese haben die großen Meister aus ihrer, sva, eigenen, anubhava, Erfahrung bekommen. Sie sind auf diese Weise zur Versenkung gekommen. Und diese marga, diese Wege haben sie weiter gelehrt. Sie sind ganz große mahatmas, große Seelen.

Es gibt also viele Weisen um zu Samadhi zu kommen. Das sagt Svatmarama hier ausdrücklich. Große Meister haben Samadhi selbst erlangt und sie haben Samadhi gelehrt.

 

 

Gruß an Manonmani ‒ liebevolle Verehrung und Hingabe 

  1. Vers:

Ich grüße in tiefer Verehrung die Sushumna, die Kundalini und den Nektar, der von Chandra fließt. Dir, oh Manonmani, große Kraft, Energie und intelligenter Lebensgeist, gilt mein Gruß.

Damit drückt Svatmarama auch aus, um zum Höchsten zu kommen ist auch Bhakti wichtig ‒ Hingabe.

Und Svatmarama hat viele Hingaben hier: Er sagt, wir verehren die Sushumna, dort wollen wir das Prana hinbringen. Wir verehren die Kundalini, wir wollen sie erwecken. Wir verehren auch den Nektar, den Sudha, der von oben nach unten strömt.

So verehren wir auch Manonmani, das heißt den geistlosen Zustand des Geistes. Und wir verehren also auch Samadhi, diesen Zustand, den wir erreichen wollen. Wir verehren natürlich auch die Maha Shakti, die große Energie. Und wir verehren auch Chit, das Bewusstsein an sich, und Atman, das höchste Selbst.

Damit wird uns wieder bewusst, Hatha Yoga ‒ und auch Meditation ‒ ist nicht nur etwas Mechanisches, nicht nur ein kaltes Zur-Ruhe-Bringen. Es braucht auch Verehrung, es braucht Liebe. Es braucht Intensität, aber wir wollen uns auch öffnen für Gnade und Segen.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika, ab Vers 43

 

  1. Vers

In diesem Vers geht es um Khechari Mudra. Khechari ist die Mudra, mit der wir uns im Raum bewegen. Achara heißt bewegen, und Khe steht für Raum, Himmel, Unendlichkeit.

Khechari Mudra und die Auswirkungen, die das hat, insbesondere auf Soma (den inneren Nektar), auf Sushumna (die feinstoffliche Wirbelsäule), und natürlich soll all das zu Turya führen.

 

In diesem 43. Vers sagt Svatmarama:

Fließt das Prana ungehindert durch das rechte und linke Nadi und zum Punkt zwischen den Augenbrauen, wird das Khechari Mudra vollkommen. Darüber besteht kein Zweifel.

Beginne also mit Atta Khechari – jetzt Khechari Mudra. Dann gibt es Madhya (die Mitte), die Mitte zwischen Savia (links) und Dakshina (rechts). Also Nadista (in die mittlere Nadi). Im Originaltext steht nichts von links und rechts in den Augenbrauen, sondern in die mittlere Nadi, in die Sushumna.

Wir lassen also den Maruta (das Prana) in die mittlere Nadi fließen, und dann stellt sich an diesem Ort Khechari Mudra ein.

 

Vermutlich hast du dir ja schon die Kommentare zu den anderen Versen der Hatha Yoga Pradipika angeeignet. Im 3. Kapitel gibt es viel über Khechari Mudra. Die Khechari Mudra, wie sie dort beschrieben wird, ist die Zunge nach hinten, durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schauen und den Kopf leicht nach hinten halten. Es gibt das Lagu Khechari Mudra, und es gibt das Maha Khechari. Lagu ist nur die Zunge nach unten geben – das beruhigt das Vishuddha Chakra, beruhigt den Geist und hilft auch, Ida und Pingala zu harmonisieren. Dann gibt es die große Khechari, wo auch der Kopf nach hinten gerichtet wird und man durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schaut.

 

Svatmarama sagt hier: Die eigentliche Khechari ist, wenn Prana in der Sushumna ist, wenn also nicht mehr links und rechts – dann ist wirklich Khechari, das Verweilen im unendlichen Raum.

 

  1. Vers

Wird Prana Vayu ins Surya, welches zwischen Ida und Pingala liegt, eingezogen, und verweilt Prana dort bewegungslos, dann erreicht Khechari Mudra wirkliche Beständigkeit.

Es gilt, Anila (das Prana, den Lebenshauch, den Wind – Svatmarama gebraucht immer wieder neue Ausdrücke dafür) in Shunya (in die Leere, in die Mitte – Madhya) zwischen Ida und Pingala zu bringen. Diese Mitte (Shunya) wird manchmal auch als Surya (Sonne) bezeichnet, aber eigentlich ist es Shunya, die Leere. Wenn dieses Prana in dieser Sushumna ist, dann stellt sich gewiss Khechari Mudra ein. Khechari Mudra ist also dann, wenn Prana in die Sushumna eintritt.

 

  1. Vers

Jene Mudra wird also Khechari genannt. Sie wird im Raum zwischen dem Sonnenkanal und dem Chandra-Kanal, also zwischen Sonne- und Mondkanal, ausgeführt. Dieser Raum ist auch als Vijoma Chakra bekannt.

In der Mitte zwischen Sonne und Mond, ohne irgendeine Stütze, dort ist der unendliche Raum, und hier ist Vijoma Chakra. Es gibt die inneren Chakras (wie Muladhara, Swadisthana, Manipura, Anahata, Vishuddha, Ajna und Sahasrara), und dann gibt es auch noch Vijoma Chakra, das Chakra des Himmels. Über Khechari Mudra gehst du mit deinem Geist und deinem Bewusstsein in den Himmel und damit in die Unendlichkeit. Dies gelingt, wenn dein Prana in der Sushumna ist.

 

  1. Vers

Die Khechari, welche das Soma zum Fließen bringt, wird von Shiva sehr geliebt. Durch das Bewegen der Zunge nach hinten soll die unvergleichliche, erhabene Sushumna verschlossen werden.

Swami V. sagt hier: Die Khechari Mudra, in welcher der Nektarstrom vom Mond herabfließt, wird von Gott Shiva besonders gemocht. Die Sushumna, die an Größe mit nichts vergleichbar ist, ist die beste der Nadis. Sie muss verschlossen werden, indem man die Zunge nach oben und hinten gegen den weichen Gaumen presst.

 

Soma ist letztlich der geheimnisvolle Trank. Wir finden z. B. in den Veden die Aussage, dass die Devas (Götter, Engelswesen) den Somatrank getrunken haben und so die Unsterblichkeit erreichten. Es heißt auch, dass die Rishis diesen Somatrank getrunken haben. Viele Indologen gehen heute davon aus, dass dies eine Bewusstseins-ändernde Pflanze war, und sie rätseln oft, welche Pflanzen das waren.

Svatmarama sagt hier, dies sei letztlich dieser innere Nektar, so wie Wogen der Glückseligkeit von oben, oder auch wie Gnade, die von oben fließt. Diese kann erreicht werden, wenn der Geist zur Ruhe kommt, z. B. durch Khechari Mudra.

Es wird hier gesagt, sie wird von Shiva valaba (geliebt).

 

Man könnte es aber auch anders ausdrücken: Wenn du Khechari Mudra richtig machst, dann hast du das Gefühl, dass die Gnade von Shiva – und damit von Gott – in dich und durch dich strömt. Das heißt letztlich: Man fülle diese unvergleichliche, göttliche Sushumna. Wie macht man das? Indem man im hinteren Mundraum die Zunge nach hinten gibt.

Khechari Mudra hat also ein äußeres Ausführen: Du gibst die Zunge nach hinten. Und es hat eine innere Einstellung: Das Bewusstsein nach oben, auf den Himmel richten. Und es hat eine Auswirkung: Du hast das Gefühl, dass von oben Gnade und Segen in dich und durch dich hindurch strömt – das ist dann eben der Soma.

 

  1. Vers

Wird die Sushumna vorher von außen durch Einstellung des Pranas verschlossen, führt dies zum vollkommenen Khechari Mudra. Durch häufiges Praktizieren dieser Mudra folgt Unmani Avastha von selbst.

Die Übersetzungen sprechen immer von „verschließen“, aber eigentlich steht dort jeweils „man fülle“. Man fülle also die Sushumna mit Prana, aber das Prana geht dann nicht aus der Sushumna in die anderen Nadis hinein. So entsteht Khechari Mudra, und Khechari Mudra führt zu Unmani, zum Zustand jenseits des Geistes.

So wird also in diesen Versen die Khechari Mudra als Konzentrationsform der Hatha Yoga Pradipika beschrieben.

Svatmarama beschreibt ja mehrere Meditationstechniken. Zum einen sagt er: Am Ende von jedem Pranayama mache den Atem sehr ruhig (Kevala Kumbhaka), löse den Geist von allem – so kommst du in höhere Meditation. Dann sagt er auch: Wann immer das Prana von selbst in die Sushumna geht, entsteht eine höhere Bewusstseinsebene des Geistes von selbst, Samadhi kommt von selbst. Weiterhin hat er in den vorangegangenen Versen verschiedene Shambhavi Mudras erläutert, auch solche, die in die Meditation führen. Und jetzt sagt er: Auch Khechari Mudra führt dich in die Meditation.

 

  1. Vers

Zwischen den Augenbrauen befindet sich der Sitz Shivas, wohin der Geist absorbiert wird. Dies ist bekannt als Turya-Zustand des Bewusstseins. Vom Ausübenden dieser Mudra wird der Tod nicht mehr erfahren.

Du kannst bei der großen Khechari Mudra den Kopf leicht nach hinten geben, die Zunge nach hinten, und dann schaust du durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben. Dabei kannst du dir vorstellen, dass du dort in göttlicher Gegenwart bist, in Shiva. Eventuell siehst du ein Licht – Licht ist ja auch ein Symbol des Shiva Lingams. Djoti Lingam – das Lingam-Symbol von Shiva.

Dann wird der Geist sehr ruhig und ist der Geist sehr ruhig, dann erfährst du Turya, den vierten Bewusstseinszustand (Wachen, Träumen, Tiefschlaf und Turya – Überbewusstsein). Hier gibt es weder Zeit noch Tod.

 

  1. Vers

Khechari Mudra sollte man so lange praktizieren, bis man in den Yoga-Schlaf (Samadhi) gefallen ist. Derjenige, der in diesen Schlaf gefallen ist, hat keine Angst mehr vor dem Tod.

Im Sanskrit steht dort: Apya sed (Man übe) Khechari (die Khechari Mudra) tava (so lange) nyava (bis) Yoga Nidra prasamprabhda (erreicht ist).

Yoga Nidra wird heutzutage meistens bezeichnet als Tiefenentspannungsübung im Liegen. Es gab einen Yogameister (Swami Satyananda), der verschiedene Meditationstechniken miteinander kombinierte und daraus die Yoga Nidra Übungen gemacht hat.

 

In der Hatha Yoga Pradipika ist Yoga Nidra ein anderer Name für Samadhi. Der Geist ist innerlich ruhig und damit „Nidra“, so wie im Tiefschlaf. Aber es ist Yoga, eben Vereinigung. Man übt jetzt die Khechari Mudra – also den Kopf nach hinten, die Zunge nach hinten und durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben schauen – so lange, bis der Geist von selbst ruhig wird. Dann kannst du Zunge und Augen und alles vergessen und in dieser tiefen Meditation (oder Samadhi) verweilen. So kommst du zu einem Zustand jenseits von Körper und Geist, und damit verschwindet natürlich auch das Überwinden von Kala (der Zeit) und damit des Todes. Du kommst zu einer Region jenseits von allem Werden und Vergehen.

 

  1. Vers

Nachdem der Geist freigemacht worden ist, indem er von jedem Objekt der Vorstellung entfernt wurde, sollte man an nichts denken. Dann verbleibt man gewiss wie ein Topf: Innen und außen gefüllt mit Akasha.

Oder in einer anderen Übersetzung:

Befreie den Geist von allen Gedanken. Denke an nichts. Sitze fest und unerschütterlich wie ein Krug im Raum.

Mache Manas Miramlamba (zu einem stütze-losen Zustand), lasse also alles los im Geist, und dann Shintayit (denke) na (nicht) kinshit (an irgendetwas). Dann bist du wie Gatta (wie ein Topf). Es gibt den inneren und den äußeren Raum.

 

Das soll heißen: Der Körper sitzt weiter da, aber dein Bewusstsein ist wie der Raum. Du weißt: Du bist nicht nur im Körper, sondern auch außerhalb des Körpers. Du bist unendlich und ewig.

Dies wären also diese drei Schritte von Khechari Mudra: Zuerst sitzt du, dann gibst du den Kopf leicht nach hinten, die Zunge nach hinten und schaust zum Punkt zwischen den Augenbrauen.

Zunächst übst du vielleicht auch noch Mula bandha, verbindest Ida und Pingala im Muladhara Chakra. Dann ziehe die Energie durch die Sushumna nach oben. Stelle dir vor, dass Prana nach oben steigt. Dann schaue durch den Punkt zwischen den Augenbrauen nach oben (Vyoma Chakra), in die Unendlichkeit. Schließlich löse dich sogar davon, entspanne Zunge und Augen, und erfahre dich als unendliches Bewusstsein ohne jegliche Grenze.

 

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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