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© 2016 Text und Fotos: Bhajan Noam 

Bleibe, wo du bist. Bleibe in deiner Religion, bleibe in deinem Job, bleibe in deiner Beziehung. Aber schaffe dir ein Refugium in Zeit und Raum für Rückzug, für Stille, für Meditation. Plane täglich eine bestimmte Zeit dafür ein und wähle dir einen angenehmen Ort. Und ganz langsam, Schritt für Schritt, wird sich etwas in dir entfalten, wird sich eine Blütenknospe öffnen, wird ein anfangs kleines Licht größer werden und heller scheinen. Dieses zarte Licht übernimmt nach und nach alles für dich. Dieses Licht ist der göttliche Funke in deinem Herzen, dem alle Weisheit, alle Liebe, alle Kraft innewohnt.

 

Dinge werden sich ändern, doch das sind Äußerlichkeiten. Du aber wirst immer mehr nach innen gehen, zurückkehren in dein wahres Zuhause. Und von dort wirst du auf eine noch völlig unbekannte Weise nach außen wirken. Ein bisher nur gedachtes oder erahntes Einheitsgefühl wird von dir besitzergreifen, wird real von dir erlebt werden. Und alle Rückschritte, die dich zu Anfang zweifeln und verzweifeln ließen, verlieren an Bedeutung. Du hast etwas Unzerstörbares entdeckt: Dich, wie du wirklich bist. Von diesem Punkt wirst du nicht mehr in profane Verstrickungen zurückfallen. Diese Süße ist so unvergleichlich, dass dich nichts anderes mehr verlocken kann.

 

Alles das kann in deinem Alltag geschehen, indem du ihm mit wachsender Bewusstheit die richtige Würze aus Meditation und Liebe beimischst und Ärger und Verdruss allmählich aussiebst als durchschaute Missverständnisse. Bringe eine spirituelle Ruhe und Balance in dein Leben. Dann wird alle Aufregung langsam weichen und der ursprüngliche Frieden kehrt ganz natürlich zu dir zurück. Ich empfehle dazu keine komplizierten Methoden. Eine einfache Meditation, regelmäßig und mit Vertrauen praktiziert, führt dich zurück in dein Herz, in den Geheimen Tempel Gottes.

 

Probiere es mit der Gassho-Meditation, die ich weiter unten beschreiben werde. Sie ist von ihren Ursprung her eine Meditation für das einfache, unwissende aber glaubensstarke Volk. Das Erwachen bedarf nicht des Intellekts. Er ist eher ein Hinderungsgrund. Die Gassho-Meditation ist eine energetische Geschichte, sie setzt bestimmte energetische Prozesse in Gang, die dein System klären, die dein Herz öffnen, dich zentrieren, in deine Mitte bringen. Du musst dabei nichts tun und nichts denken. Alles Denken und Tun, alle Spannungen, alles Schwere wird langsam von dir abfallen und einem immer selbstverständlicher werdenden Geschehenlassen weichen.

 

Darüber hinaus lies die Schriften der Meister. Verschwende keine Zeit mit Sekundärliteratur. Lies die Evangelien, lies Buddhas Lehrreden, lies Rumis Verse, lies Kabir, Osho, Lao Tse, Dschuang Dsi, Basho, Tolstoi, Novalis, Petar Danow, Das Buch des Mirdad von Mikhail Naimy, lies meine Bücher. Lies die Texte der Mystiker, der Sufi-Sheikhs, der Zen-Meister, der vedantischen Lehrer und Weisen. Die spirituelle Welt ist so reich! Lasse all diese Kostbarkeiten dein Herz erobern. Vertraue, liebe, lerne unablässig. Die Existenz ist pure Freundlichkeit - wenn du zu verstehen beginnst, wenn du tiefer und tiefer in sie eindringst.

 

Vernachlässige nicht deine weltlichen Pflichten. Vernachlässige nicht deine Partnerschaft, deine Familie. Im Gegenteil widme ihr mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit, mehr Hinwendung. Sie ist dein eigentliches Feld des Lernens, des aktiven Meditierens, des bewussten Erkennens der allgegenwärtigen Göttlichkeit. Der Göttlichkeit in deiner Frau, in deinem Mann, der Göttlichkeit in deinen Kindern, der Göttlichkeit in deinen Nachbarn und Nächsten. Erwache in den Alltag hinein. Du hast bisher geschlafen und nicht erkannt, nicht wertgeschätzt. Der Alltag ist das Göttliche, der Nektar, die Essenz.

Die Gassho-Meditation

Bei der Gassho-Meditation, einer uralten, weit verbreiteten und besonders bewährten Methode, die ihren Ursprung in Japan hat, bewirkt die speziell eingenommene Haltung (siehe Foto), dass wir nach einigen Minuten in tiefe Stille kommen. Es gibt ein Gesetz, dass im gesamten Universum Gültigkeit besitzt, das heißt: Form = Inhalt. Dieses Gesetz kommt zum Beispiel bei Musikinstrumenten zur Anwendung. Hier bestimmt die Form des Klangkörpers den Ton, seine Kraft, seine Fülle und seinen Charakter. Auch bei Weingläsern ist die Form am Geschmack und Aroma des Weins beteiligt. In östlichen Kampfkunstarten, wie z. B. beim Aikido, macht die geschlossene, immer gerundete Körperhaltung des Kämpfers sein Stehvermögen und seine Kunst des Annehmens, Umleitens und Zurückschickens der Angriffsenergie aus.

Nicht anders verhält es sich bei der Haltung, die wir für die Gassho-Meditation einnehmen. Zunächst setzen wir uns entspannt aufgerichtet in den Meditationssitz oder in den Kniesitz. Dann beginnen wir sanfte, leicht vertiefte Atemzüge in den Bauch zu lenken. Bei dieser Atmung verbleiben wir während der gesamten Meditation, die wenigstens 20 Minuten dauern sollte. Die Hände werden nun zum Namasté vorm Herzen zusammengelegt, wobei die Schultern locker bleiben und die Ellenbogen ohne Anspannung der Arme seitlich nach außen gerichtet sind. Das ist schon das ganze Geheimnis dieser Technik.

Es ist die Form unserer Haltung, die hierbei den inneren Energiestrom lenkt, die seine Richtung und Qualität bestimmt und damit auch seine ruhe- und zugleich kraftvolle Wirkung auf Körper und Geist ausmacht. – Die zusammengelegten Handinnenflächen und die Fußsohlen, die in Rich-tung unseres Körpers zeigen, bewirken, dass keine Energie nach außen abstrahlt. – Der sanft vertiefte Atem reichert Prana an und verstärkt sein inneres Fließen. – Die Mudra der zusammengelegten Hände vor Anahata, unserem Herzchakra, führt zu einer Zentrierung im mittleren Energiezentrum. Anahata ist das Chakra der Mitte, der Ausgewogenheit, der Ausgeglichenheit. Hier sammeln und vereinen sich die Energien der unteren drei mehr erdverbundenen Chakren mit den Energien der oberen drei mehr der kosmischen Kraft zugewandten Chakren. Dabei entsteht eine tiefe Ruhe und Gelassenheit in uns. – Die nach oben zeigenden Finger regen den aufsteigenden Energiestrom in der Sushumna, unserem zentralen Energiekanal in der Wirbelsäule, an. Dieser vermehrt aufsteigende Energiestrom erzeugt ein allmähliches Öffnen von Sahasrara, dem Kronenchakra, das uns mit dem höchsten kosmischen Licht, dem Paramatman-Licht, verbindet. Es spendet uns höchste spirituelle Kräfte, es lässt uns wach sein und dabei klar sehen und fühlen.

In den ersten zehn Minuten mögen die Gedanken noch mehr oder weniger im Vordergrund lärmen, dann jedoch sinken wir in eine angenehme Stille und tiefe Entspannung. Seelisch genährt und gestärkt und energetisch gereinigt und aufgetankt werden wir jedes Mal wie neu geboren aus dieser Meditation in die hiesige Welt zurückkehren.

 

„Was anfangs flüchtig ist, stabilisiert sich.“ Alles Licht und aller Segen der Meister berühre dein Herz und deinen Geist! OM Shanti, Amen.

 

 

- Bhajan Noam -

 

© 2016 Text und Fotos: Bhajan Noam

 

Seiten des Lebens: ww.bhajan-noam.com

 

 

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Tags: Bewusstheit, Beziehung, Bhajan_Noam, Erwachen, Essenz, Familie, Geist, Göttlichkeit, Herz, Kraft, Mehr...Licht, Liebe, Meditation., Meister, Mystiker, Nektar, Partnerschaft, Raum, Refugium, Religion, Weisheit, Zeit

Kommentar von Hannelore/Wuschel am 10. Januar 2016 um 7:48pm

Danke!

Namasté Wuschel

Kommentar von jailakshmi am 14. Januar 2016 um 9:38am

lieber bhajan noam, deine texte lese ich immer wieder gern - wie deine shastras ...
wenn ich die gassho-medi einnehme, kann ich von entspannter arm-und händehaltung nicht reden. klar, werden die hände gehalten durch die arme, ergo anspannung. das halte ich nicht lange durch und hat nichts mit willenskraft zu tun. entspanntes lassen ist hängenlassen, ruhenlassen auf knien, oberschenkeln, das bekommt mir am besten ...
entspannten donnerstag für euch alle - jailakshmi

Kommentar von Bhajan Noam am 15. Januar 2016 um 9:46am

Liebe Jailakshmi, wenn dich die Position der Gassho-Meditation anstrengt, dann ist dein allgemeiner Muskeltonus zu hoch, zumindest in Armen und Schultern. Normalerweise kann man sehr lange ohne geringste Mühe in der Position sitzen. Du könntest es mit einer Übungsfolge probieren, die du hier findest > bhajan-noam.com/PRANAYOGA.html du musst etwas runterscrollen, dann siehst du drei Varianten die Arme über den Kopf zu strecken. Mache es mal eine zeitlang nach dieser Anweisung und du wirst merken, dass sich deine Schultern und Arme allmählich entspannen. Dann ist auch die Gassho-Meditation kein Problem mehr und du erfährst ihre segensvollen Wirkungen. OM Shanti, Bhajan ***

Kommentar von jailakshmi am 15. Januar 2016 um 10:02am

danke, schau gleich mal nach ...hg jailakshmi

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