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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute lese ich wieder etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, diesmal aus dem Kapitel „Jivanmukta“: Unsere Zukunft. Jivanmukta heißt nämlich „lebendig Befreiter“. Das ist das Ziel der menschlichen Existenz, und die Yogis behaupten sogar, dass wir uns solange inkarnieren werden, bis wir irgendwann zu einem Jivanmukta geworden sind oder zu einem Videhamukta, zu einem Befreiten nach dem Tod. Dann können wir auf ewig aufgewacht mit dem reinen Bewusstsein verschmelzen.

Swami Sivananda schreibt hier aus seiner eigenen Erfahrung:
„Ein Jivanmukta ist ein befreiter Weiser. Er hat zu Lebzeiten Verwirklichung erreicht. Er lebt in der Welt, aber er ist nicht von der Welt. Er weilt immer in der ewigen Wonne des höchsten Selbst. Er ist eins geworden mit Ishwara selbst. Der Jivanmukta, der voll erblühte Jnani, Wissende, ist voll reiner Liebe, Mitgefühl, Barmherzigkeit, außerordentlicher Liebenswürdigkeit und verborgener Kraft und Stärke. Liebe und Glanz strahlen in seine Augen. Der Jivanmukta hat keine selbstsüchtigen Interessen und ist daher frei von Sorgen, Schwierigkeiten, Problemen, Leiden, Kummer und Ängsten. Auch wenn sich Schmerz und dergleichen an seinen Körper heften und auf seinem Gesicht zeigen, krümmt sich sein Geist niemals unter ihnen und ihren Gegensätzen. Er ist kein Sklave seiner Launen. Er ist daher heiter und friedvoll. Seine höheren Vorzüge haben sich entwickelt. Die göttlichen Eigenschaften sind in ihm erwacht. All seine Schwächen und Begrenzungen sind verbrannt. Er strahlt in ursprünglicher Herrlichkeit in seiner wesentlichen Natur und im göttlichen Bewusstsein. Er strahlt nach jeder Richtung hin Frieden und Freude aus. Die wahre Größe eines verwirklichten Yogi kann nicht beschrieben werden.“

Letztlich kann sie erfahren werden, wenn wir selbst diese Vollkommenheit erreichen.
„Seine Augen sind heiter und fest. Seine Handlungen heilig. Seine Sprache lieblich, inspirierend und beeindruckend. Seine Haltung ist hochherzig. Seine Berührung ist reinigend. Sein Blick barmherzig. Seine Gesten erleuchtend. Er ist Sarvavid, allwissend. Das heißt, er hat intuitives, transzendentes Wissen und klare Einsicht in das Herz aller Wesen und Dinge. Man erfährt in seiner Gegenwart ein tiefes Gefühl von Frieden und Harmonie, ein großes Erhobenwerden und Inspiration.“

Wenn wir das hören, dann denken wir oft: „Ist so was für den Menschen überhaupt möglich?“ Und noch wichtiger: „Kann ich das jemals erreichen?“ Wenn wir das Leben großer Heiliger anschauen, wissen wir: „Ja, es ist möglich.“ Menschen können die Begrenzungen von Körper und Geist transzendieren. Der Körper wird dann weiterhin seinen Schwierigkeiten unterworfen sein. Auch große Selbstverwirklichte haben Krankheiten und Schmerzen. Sie haben auch eine Persönlichkeit, sie haben auch Emotionen. Aber sie wissen: „Aham Brahmasmi. Ich bin Brahman. Ich bin dieses Unendliche.“

Aus diesem Unendlichen heraus können sie handeln. Sie wissen, dass der Körper ein Fahrzeug ist, ein Instrument, etwas, wodurch sie in dieser Welt Erfahrungen machen. Sie sind dadurch nicht gebunden und vor allen Dingen, sie sind nicht dieser Körper. Unsere Emotionen kommen mit dem Astralkörper. Den brauchen wir natürlich. Aber wir können auf ihn Einfluss nehmen. Wir können auf Emotionen Einfluss nehmen und eine andere Perspektive dazu einnehmen. Aus den Biographien großer Heiliger wissen wir: „Ja, es ist möglich so zu sein, wie Swami Sivananda es beschreibt.“ Alle großen Heiligen haben eines gemeinsam: Sie sagen: „Auch du kannst die Selbstverwirklichung erreichen. Ich bin nicht ausgewählter als du.“

Dazu braucht es nur drei Dinge. Erstens: Man muss es wollen. Zweitens: Man muss bereit sein, etwas dafür zu tun. Und drittens: Man muss aufhören, alles auf die Zukunft zu verschieben. Wir sind jetzt schon das höchste Selbst. Wir sind jetzt schon Satchidananda. Und wir können das jetzt schon erfahren – zumindest in kleinen Funken und Einblicken. Wenn wir aus dieser Erfahrung handeln, ist unser Leben unendlich bereichert. Und daraus wiederum entsteht eine neue Kraft, die uns tiefe Einsicht gewährt und uns fest in uns selbst verankert.

Interessant ist, dass verschiedene Jivanmuktas unterschiedliche Eigenschaften haben und unterschiedliche Charaktere. Es gibt sehr zurückgezogene Jivanmuktas, die kein Mensch kennt. Es gibt Jivanmuktas, die treten als große verwirklichte Weisen auf die Weltenbühne. Sie haben Millionen von Schülern, so wie Swami Sivananda sie hatte. Es gibt Jivanmuktas, die in einer normalen Familie leben und einen ganz normalen Alltag leben. Das ist sogar die Mehrheit der Jivanmuktas. Es gibt Jivanmuktas, die sind eher emotioneller und andere, die sind eher intellektueller.

Es gibt Jivanmuktas, die sind mehr Vata, mehr Pitta oder mehr Kapha. Es gibt Jivanmuktas, die sind arm. Es gibt Jivanmuktas, die sind in vornehmeren Familien geboren und sehr reich. Aber, in egal welchen Umständen und egal, welches Karma die Jivanmuktas haben: Sie sind verankert in dieser höchsten Weisheit. Sie sind jenseits von Eigennutz und jenseits von Identifikation mit Leiden. Daher strahlen sie ihre Liebe und ihre Freude überall aus.

Du kannst selbst immer wieder in die Stille gehen und dir überlegen: „Wie werde ich sein, wenn ich Jivanmukta bin? Wie wird meine Erfahrung sein? Wie werde ich handeln? In diesem Körper, mit dieser Persönlichkeit, aber dennoch befreit, bewusst in der Einheit und frei von Eigennutz und Gier.“ Stell es dir immer wieder vor. Und dann handle so oft wie möglich danach.

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: bewusstsein, erfahrung, erkenntnis, erleuchtung, göttliche, inspirationen, meditation, samadhi, sivananda, sukadev, Mehr...tägliche, wahrheit

Kommentar von Nataraj am 26. September 2010 um 10:54am
Danke für deine wertvolle Anregung lieber Sukadev :
„Wie werde ich sein, wenn ich Jivanmukta bin? Wie wird meine Erfahrung sein? Wie werde ich handeln?"
Das werde ich gleich mal tun!



Ich habe aber ein bisschen Bedenken zu Swami Sivanandas Meinung (mag sein das er von sich selber spricht, aber ich kann es eben nicht prüfen :
"Der Jivanmukta hat keine selbstsüchtigen Interessen und ist daher frei von Sorgen, Schwierigkeiten, Problemen, Leiden, Kummer und Ängsten. "


Ich vermute , selbst Jesus war nicht frei von selbstsüchtigen Interessen und frei von Sorgen, Schwierigkeiten, Problemen, Leiden, Kummer und Ängsten. (z.B. Jesus im Garten am Ölberg )
Auch so mancher Dickschädel kann von sich behaupten und sich einbilden er sei frei von selbstsüchtigen Interessen und daher für sich und andere feststellen : "Ich habe übrigens Selbstverwirklichung erreicht , jetzt bist du am Zug, du kannst mir folgen. "

Gibt es ein Mittel zu prüfen ob jemand Wahrhaftig ist , wenn er sagt, er habe Selbstverwirklichung bereits erreicht ?
Ist es Legitim einen Lehrer zu prüfen?
Eine Antwort auf diese Frage ist mir sehr wichtig.


Gruß : Caspar
Kommentar von Peter am 26. September 2010 um 10:15pm
Lieber Caspar,

heute war ich in der Kirche und da ging es auch um das gleiche Thema: Glauben und Vertrauen. Die Aussage war hier: "auch wenn du deinen Herrn prüft, wirst du Gründe finden, nicht an ihn glauben zu wollen."
Om Shanti
Peter

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