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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga-Vidya-täglichen Inspirationen! In dieser Reihe geht es um die Yoga Sutren von Patanjali. Heute sind wir im 3. Kapitel, 14. Vers: Es gibt einen gemeinsamen Besitzer aller vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Eigenschaften.

Während du dich spirituell entwickelst und dein normales Leben führst, entwickelst du verschiedene Eigenschaften, verschiedene Charakterfähigkeiten.Du gehst durch verschiedene Gunas hindurch, durch verschiedene Zustände und Eigenschaften. Patanjali nennt das auch „Dharma“. Dharmas sind nicht nur Eigenschaften, sondern auch Verantwortungen und Aufgaben. Aber inmitten dieser Dharmas, inmitten der Aufgaben, die du erledigst, inmitten der verschiedenen Eigenschaften, die du entwickelst, inmitten von allem, was du tust, bleibt etwas gleich. Dieses Etwas nennen wir Purusha. Purusha ist das Wichtigste. Alles andere ist vergänglich. Zwar bleiben bestimmte Kerne in der Persönlichkeit ähnlich oder vielleicht sogar gleich, aber auch deine Eigenschaften ändern sich. Wenn du zurückschaust, welche Eigenschaften du vor 10 Jahren hattest und welche du heute hast, dann wirst du sehen, das sich vieles geändert hat. Auch wenn genauso viel oder mehr gleich geblieben ist.

Was aber auf jeden Fall gleich geblieben ist, ist dein höchstes Selbst. Das ist ein großer Trost, wenn man daran denkt, dass sich sonst alles ändern kann. Ein Mensch in seinen Zwanzigern hat andere intellektuelle Fähigkeiten als jemand in den Dreißigern oder Vierzigern. Jemand, der eine traumatische Erfahrung hatte, wird dadurch geprägt. Er ist vielleicht nicht mehr ganz so spontan und nicht mehr ganz so offen für Neues, weil er immer von dieser Angst begleitet wird.

Ich kann mich erinnern, dass ich irgendwann einmal in Paris vom Flughafen zum U-Bahnhof gegangen bin und dabei überfallen wurde. Jemand raubte mir alles Geld. Bis dahin hatte ich immer ein sehr freundliches Wesen gegenüber jedem gehabt, den ich getroffen habe. Ich habe jedem zugelächelt und es fiel mir leicht, ein positives Gefühl gegenüber allen Menschen zu haben. Aber seither bin ich viel vorsichtiger. Der Mensch, der mich überfallen hatte, der war zunächst mal sehr freundlich gewesen und diese Erinnerung habe ich immer im Hinterkopf. Ich dachte lange: „Der Mensch, mit dem ich gerade rede, könnte auch bloß so freundlich sein, um mich dann auszurauben.“ Mein Umgang mit anderen Menschen war ein anderer geworden. Irgendwann konnte ich auch in dem Menschen, der mich ausgeraubt hatte, Gott zu sehen. So wurde mir klar, dass es gilt, vorsichtig, aber dabei nicht ängstlich zu sein. Denn selbst dann, wenn man ausgeraubt wird, ist man immer Purusha. Auch wenn sich die Gedanken ändern, unser innerstes Selbst bleibt gleich.

Egal, welche Erfahrung dich prägt und egal, welche neue Eigenschaften in dir aktiv werden – gute wie auch weniger wünschenswerte – dein Selbst bleibt immer gleich. Du kannst dir deines tiefsten Selbst immer bewusst sein. Nimm dir einen Moment Zeit, um dir bewusst zu werden, wie sich in den letzten Jahren und Monaten deine Eigenschaften verändert haben. Vielleicht haben sie sich auch durch die spirituelle Praxis zum Positiven gewandelt. Und dann werde dir bewusst, dass trotz all dieser Änderungen dein innerstes Selbst das selbe geblieben ist.

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga-Vorträge als mp3

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Tags: Dharma, Inspirationen, Patanjali, Purusha, Selbst, Sukadev, Sutra, Vidya, Yoga

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