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„Raghu Pati Raghava Raja Ram“ war ein Lieblingslied von Mahatma Gandhi und auch von Swami Vishnudevananda. Mahatma Gandhi war ja in vielerlei Hinsicht wie eine Verkörperung von Rama. Rama ist der Aspekt der Ethik, der Wahrhaftigkeit, der Aspekt von Liebe, Mitgefühl, Freude und gesellschaftlichen Engagements.

Rama soll ja vor vielen Tausend Jahren gelebt haben, er war ein Königssohn, der aber einen großen Teil seines Lebens im Exil und im Wald verbracht hat. So wie wir vielleicht manchmal das Gefühl haben, dass wir uns irgendwie im Exil befinden, wenn wir nicht wirklich in uns verankert sind. Wir müssen mit verschiedenen Dämonen in uns ringen, sie transformieren, umwandeln und Frieden schließen. Das hat auch Rama getan.

Mahatma Gandhi hat zu diesem Lied, „Raghu Pati Raghava Raja Ram“, noch einen weiteren Vers gesungen: „Ishwara Allah Tere Nam Sabako Sanmati De Bhagavan“. Ishwara und Allah sind zwei Namen, aber letztlich gibt es nur eine höchste Wirklichkeit. Ob wir jetzt Gott Ishwara nennen oder Allah oder Gottvater, Gottsohn, Manitu, Rama oder Shiva – das spielt keine große Rolle. Es gibt letztlich nur eine Wahrheit. Die meisten großen Religionen sagen, es gibt nur einen Gott. Nur - warum streiten sie sich dann, welcher Gott der Richtige ist? Wenn es doch nur einen gibt.

Wir haben nur einen irdischen Vater und nur eine Mutter. So ähnlich haben wir auch nur einen göttlichen Vater. Man kann auch sagen, wir haben einen göttlichen Vater und eine göttliche Mutter, aber das sind auch wieder nur zwei Prinzipien der einen kosmischen Wirklichkeit. Das alles können wir uns immer wieder bewusst machen. Es gibt nur eine unendliche Wirklichkeit. Es gibt verschiedene Namen und verschiedene Vorstellungen, die wir uns von Gott machen können, aber es gibt nur eine kosmische Wahrheit.
Swami Vishnu hat auch noch einen weiteren Vers an dieses Mantra drangehängt, den er zusätzlich auf Englisch komponiert hat und auf Deutsch, Spanisch und Französisch hat singen lassen: „Der Wege sind viele, aber Wahrheit ist Eins. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Der Namen sind viele, aber Gott ist Eins. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Jesus Buddha ist Sein Name, liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Allah Krishna ist Sein Name, liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Das konnte dann sehr lange gehen, denn Swami Vishnu kannte sehr viele Namen von verschiedenen Religionen und Swami Vishnu war auch der Meinung, dass man die Wahrheit auf verschiedene Weisen sehen kann: „Unity in diversity, Einheit in Verschiedenheit“, war sein Motto.

Selbst wenn zwei Menschen ein sehr ähnliches Glaubenssystem haben, letztlich ist es doch sehr unterschiedlich. Wenn ihr schon mal mit zwei fundamentalistischen Christen gesprochen habt, obgleich das ja eine konkrete Richtung wäre, äußern sie sich meist irgendwie unterschiedlich. Sie werden zwar vielleicht die gleichen Bibelverse zitieren, aber wenn man sie fragt, was sie darunter verstehen, wenn man vom auswendig Gelernten wegkommt, wenn es wirklich zum Verständnis kommt – dann versteht es doch jeder anders. Beim Yoga ist das von vorne herein angelegt. Es gibt verschiedene Yoga Wege. Aber egal, welchen man nimmt, sie haben alle das eine Ziel.

Swami Vishnu war auch der Meinung, dass wir uns gegenseitig respektieren und verschiedene Wege erkennen sollten. Nicht das, was manche dann immer wieder probiert haben: eine Universalreligion zu schaffen. Manche Religionswissenschaftler sagen, dass Mohamed probiert hat, eine Religion zu schaffen, um Christen, Juden und die arabischen Stammesreligionen zu einer Religion zu führen. Das war vielleicht sogar eine Offenbarung, so heißt es. Aber was dann nachher dabei herausgekommen ist, war Krieg. Sobald man also sagt, man vertrete die allumfassende, einzige Religion, dann hat man wieder ein Problem. Wann auch immer jemand versucht hat, aus mehreren Religionen eine einzige zu schaffen – es hat kaum funktioniert. Wir können aber erkennen, dass verschiedene Religionen ihre Berechtigung haben und letztlich auch, dass verschiedene Menschen aus verschiedenen Religionen verschiedene Sachen zusammensuchen, um etwas zu finden, was für sie stimmig ist. Darüber wird manchmal geschimpft: „Das ist der spirituelle Supermarkt. Menschen nehmen sich die Dinge raus, die ihnen passen.“
Im Grunde genommen hat das aber jeder gemacht. Jesus kam aus dem Judentum. Er hat vermutlich einiges aus dem hellenistischen Gedankengut genommen, Genauso Paulus, der nachher das Christentum vielleicht mehr geformt hat, als Jesus selbst. Der Aspekt der Entsagung kam vielleicht sogar aus dem Buddhismus. Die Vorstellung, dass demnächst der jüngste Tag kommt, ist aus dem Manichäismus, aus Persien. So haben sich dort verschiedene Strömungen verbunden, in einer göttlichen Offenbarung.
Auch Swami Sivananda – und damit das traditionelle Yoga - hat moderne Medizin, moderne Wissenschaft integriert. Er war in einer christlichen Missionsschule und so kann man dort in vielerlei Hinsicht christlichen Einfluss erkennen. Auch das allumfassende Gebet ist ja in der Intonation so ein bisschen wie das „Vater unser“. Swami Sivananda hat versucht, christliche, hinduistische, moslemische und buddhistische Religionen - also die verschiedenen Weltreligionen, die in Indien gegenwärtig waren - miteinander zu verbinden. Und er hat versucht, die verschiedenen Yogawege in den verschiedenen Traditionen zu verbinden.

Und so muss jeder seinen eigenen Weg finden, auf seine Weise sich entwickeln in Respekt und Hochachtung vor der Wahrheit anderer, im Bewusstsein, dass letztlich hinter allem eine allumfassende Wahrheit steckt.

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: Glauben, Religion, bedeutung, inspirationen, mantra, sukadev, tägliche

Kommentar von Yoga Vidya Münster/ Mangala am 17. Juli 2010 um 4:27pm
Hallo Sukadev,

in vielen Dingen kann ich dir zustimmen. Sicher muß jeder Mensch seinen Weg finden und gehen ( ".. geh auf den Weg, den ich dir zeigen werde..."Gen12) aber es gehört auch dazu diesen Weg nicht allein zu gehen, sondern in Gemeinschaft mit den Menschen, die ihn vor mir, jetzt mit mir und nach mir gehen werden, Einwichtiger Bestandteil sind die Glaubenserfahrungen die so entstehen und tradiert werden (z. B. in den religiösen Schriften wie die Bibel,...) Da kann ich mir dann nicht einfach "aussuchen" was mir bequem und stimmig erscheint und die unbequemen Wahrheiten zur Seite schieben. Das ist dann nähmlich wirklich ein religiöser Supermarkt. Es ist verlockend zu sagen, das ist meine Erfahrung und alles was mir unbequem ist (z.B. das Kreuz) hat nichts mit mir zu tun. Ich kann das allumfassende Gebet gut beten, denn es drückt vieles von dem aus, was mir wichtig ist, aber wie steht es z.B. mit "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben...". Selbst wenn ich sage, diese Götter sind "nur" Aspekte des EINEN, dann bekomme ich doch bei dem eine oder anderen Mantra Bauchschmerzen. So geht es mir mit einigen Aspekten der spirituellen Tradition bei Yoga Vidya, wenngleich ich mich dort andererseits sehr "zuhause" fühle.
Schalom Steffi

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