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Graf Dürckheim, einer der spirituellen Meister des 20. Jahrhunderts, ein Zen-Meister, Begründer einer eigenen psychotherapeutischen Richtung und gleichzeitig auch einer, der die Verbindung zwischen verschiedenen spirituellen Traditionen gezeigt hat, wurde mal gefragt: „Was ist überhaupt Spiritualität?“ Da hat er geantwortet: „Spiritualität heißt Transparenz zum immanent Transzendenten.“

Da steckt eine ganze Menge drin und im Grunde genommen kann man sagen, darum geht es im Yoga, egal, was wir machen. Die Aussage aller großen spirituellen Traditionen ist, dass es eine Wirklichkeit jenseits der Offensichtlichen gibt. Es gibt eine höhere Intelligenz. Es gibt eine höhere Kraft oder ein höheres Licht, wie auch immer wir es ausdrücken wollen, ein höheres Bewusstsein. Und dieses ist transzendent, das heißt, es geht jenseits von unserer Welt.

Transcendere ist lateinisch und heißt: jenseits gehen von. Also, es geht jenseits von dem, was wir normalerweise mit unseren fünf Sinnen erkennen. Aber es ist gleichzeitig auch immanent. Das Transzendente ist immanent. Es wohnt in allem. Dieses Transzendente ist nicht irgendwo im Himmel, obgleich vielleicht auch dort, sondern sie ist immanent, sie wohnt in allem. Und alles, was wir auf der physischen Welt sehen, riechen, hören, spüren usw., ist nur ein Ausdruck von einer tieferen, höheren Wahrheit. Transparenz heißt durchlässig werden. Und Spiritualität heißt, durchlässig zu werden für diese höhere Wirklichkeit

Da gibt es dann verschiedene Richtungen. Zum einen heißt es, man wird fähig, das Transzendente wahrzunehmen. Man kann alle Dinge als Ausdruck von etwas Höherem wahrnehmen. Wenn man einen Menschen anschaut, wenn man eine Pflanze anschaut, dann können wir uns bewusst werden, dass da eine höhere Kraft ist, die zu mir spricht. Ein Baum ist nicht einfach nur ein Baum, sondern ein Baum ist eine Manifestation einer höheren Kraft. Ein Mensch ist nicht einfach ein Mensch, sondern eine Manifestation einer höheren Kraft. Wir können diese höhere Kraft zu uns sprechen lassen, indem wir diese Bewusstheit haben. Und umgekehrt, wir können diese höhere Kraft ehren und zu ihr Kontakt aufnehmen. Immanent transzendent heißt, dieses Transzendente ist nicht nur außerhalb von uns, sondern es ist auch innerhalb von uns und in uns selbst wahrnehmbar. Spiritualität heißt auch, mehr Kontakt aufzunehmen zu dem, was tief in uns angelegt ist, zu diesem höheren Bewusstsein, zu dem, was wir im Yoga als Satchidananda bezeichnen, also als höhere Wahrheit.

Sat, als große Bewusstheit und intuitives Wissen, Chid, als Ananda, als Freude und Liebe. Und nicht nur wollen wir es in uns spüren und dazu Kontakt aufnehmen, sondern wir wollen diese höhere Wirklichkeit, das immanent Transzendente, auch durch uns hindurch fließen lassen. So wie auch Jesus gesagt hat: „Vater, nicht mein Wille, dein Wille geschehe.“

Jesus hat letztlich zu diesem Höheren gesprochen als Vater. Er hat auch gesagt: „Das Königreich Gottes ist innwendig in euch.“ Das wird auch manchmal anders übersetzt mit: „ist mitten unter euch“. Dieses Höhere ist jetzt in diesem Moment da, es ist in jedem spürbar und wir können dieses Höhere durch uns hindurch fließen lassen. Je mehr wir dazu in der Lage sind, desto schöner wird das Leben, desto inspirierter ist das Leben, desto sinnhafter können wir das Leben erfahren. Und das Schöne am Yoga ist, es gibt uns alle möglichen Techniken und Praktiken, um das tatsächlich zu spüren. Wir beteiligen uns zwar auch bei Yoga Vidya an verschiedenen Forschungsarbeiten über die Wirkung des Yoga, aber das, was Yoga wirklich ausmacht, ist nicht wirklich in Forschungsarbeiten fassbar. Auch wenn manchmal die Psychologen, die Yoga untersuchen, versuchen, diese transzendente Dimension fassbar zu machen. Aber das, was wir erfahren können, wenn wir Hatha Yoga Übungen machen, ist nicht einfach nur eine vornehme Form von Dehnung, um eine höhere Flexibilität zu erreichen, sondern wir lernen, den Körper durchlässig zu machen. Nach einer Yogastunde ist es viel leichter, die Schönheit der Natur wahrzunehmen. Es ist viel leichter, die höhere Wirklichkeit in sich zu spüren. Da hat man viel mehr das Gefühl, dass da irgendetwas ist, was durch mich hindurch wirken will.

Das ist auch beim Mantrasingen so. Warum singen wir Mantras? Ich kann jetzt viel erzählen über Mantras und Chakras und das Sanskritalphabet und die fünfzig Blütenblätter. Wir können über die Wirkung von Klang usw. sprechen, aber die Erfahrung ist relativ einfach. Menschen, die regelmäßig Mantra singen, sagen, sie bekommen dadurch Kontakt zu einer höheren Wirklichkeit, dem immanent Transzendenten. Sie spüren in sich diese Freude. Das ist nicht einfach nur irgendeine Freude, sondern es ist eine transzendente Freude. Sie spüren, dass da eine Kraft durch sie hindurchgeht. Wenn man das Mantra Singen nachwirken lässt, dann merkt man auch in den Mitmenschen, im Himmel und sogar in den Steinen und überall diese Transzendenz, man merkt, dass da etwas Höheres ist. Und so können wir sagen, dass alle Yogapraktiken uns helfen, durchlässiger zu werden für eine höhere Wirklichkeit und damit das Leben als besonders sinnhaft, freudevoll und liebevoll zu erleben.


Hari Om Tat Sat

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

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Tags: bewusstsein, erfahrung, erwachen, geschichte, höheres, meditation, spiritualität, sukadev, transzendenz

Kommentar von D.Jahnke am 14. Februar 2014 um 5:31pm

Wahre Spiritualität ist liebe zu Gott.

Kommentar

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