Die Praxis von Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang, die Meditation auf den inneren Klang. Kommentar zum 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika ab Vers 82
Svatmarama empfiehlt im 4. Kapitel verschiedene Meditationstechniken. Besonders umfangreich beschreibt er Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang. In einigen Versen, ab Vers 82, beschreibt er auch verschiedene Stufen der Meditation. Ich will diese Verse durchgehen und dich im Anschluss daran zu einer Meditation anleiten, welche diese verschiedenen Stadien der Meditation verbindet. Dieser Vortrag und diese Meditationsanleitung sind etwas länger, als die vorigen. Bei den vorigen ging es ja jeweils nur um einen Vers.
- Vers:
Der Meditierende muniḥ, der seine Ohren mit seinen Fingern verschlossen hat, sollte seine Aufmerksamkeit auf den Anahata-Klang, der sich an den im inneren wahrgenommenen richtet, richten, bis er den Turya-Zustand erreicht.
Also hier erst einmal eine einfache Aussage. Konzentriere dich zunächst, schließe die Ohren und es gibt ja verschiedene Mudras. Es gibt zum Beispiel Yoni Mudra, wo du alle deine Sinne verschließt. Dieses Yoni Mudra hat er an einer anderen Stelle beschrieben. Du kannst aber auch einfach Karna Mudra ausführen. Karna heißt Ohr, Karna Mudra heißt, du schließt die Ohren mit deinen Daumen. Dabei kannst du die Finger entspannen oder die Finger ausstrecken und du drückst so mit den Daumen die Ohrknöpfe zu. Du könntest auch ein oder zwei Stühle nehmen und so die Ellbogen auf den Stuhlsitz abstützen oder es gibt ja auch den Yoga Danda, den Yoga Stab, der eine Astgabel ist, wo du die Ellbogen aufstützen kannst und so kannst du längere Zeit die Ohren schließen. Eine moderne Variante, die auch funktioniert, ist Ohrstöpsel zu verwenden. Also etwas, was die Ohren so verschließt, dass du keinen äußeren Klang hörst. Manche haben sogar einen bestimmten Kopfhörer, der die äußeren Klänge komplett ausblendet. Du könntest sagen, wenn du mit den Daumen auf die Ohrknöpfe drückst, dann hilft das auch, einen bestimmten Reflexpunkt zu aktivieren und das hat noch weitere Wirkung. Andererseits ist es eben auch anstrengend für die Arme und ich kenne es zum Beispiel, dass ich gerne, insbesondere, wenn ich an einem Ort meditiere, wo es laut ist, Ohrstöpsel nutze oder natürlich auch in Höhlen gehe, wo es ganz ruhig ist und dann ist natürlich der innere Klang besonders leicht hörbar.
Also hier im 82. Vers beschreibt er es ganz einfach: Sorge dafür, dass alle äußeren Klänge ausgeschaltet sind, zum Beispiel, indem du die Daumen auf die Ohrknöpfe gibst und dann konzentriere dich auf diesen inneren Klang. Also du hörst dhvaniṃ, den Klang und darauf richte cittaṃ deinen Geist. Mache das so lange, bis du den Zustand padaṃ von sthira, von Festigkeit und Ruhe erlangst. Man könnte sagen, bis du Samadhi erreichst, aber mindestens bis dein Geist vollkommen ruhig ist. Also der 82. Vers wäre erst einmal einfach. Sorge dafür, dass du keinen äußeren Klang hörst, zum Beispiel, indem du die Ohrknöpfe mit dem Daumen verschließt und dann konzentriere dich auf den inneren Klang, bis dein Geist beständig wird oder bis du Samadhi erreichst.
Jetzt geht es aber noch weiter. In den nächsten Versen sagt er erst einmal, welche Auswirkungen das hat und gibt dann ein paar zusätzliche Tipps.
Im 83. Vers sagt er: Das Wahrnehmen des Klanges, dass auf diese Weise praktiziert wird, überwältigt und übertönt nach und nach alle äußeren Geräusche. Der Yogi, der so die Unbeständigkeit seines Geistes überwindet, wird in 15 Tagen glücklich werden.
Also hier sagt er, man kann das Üben des nādaḥ machen, also, wie er hier sagt abhyasyamānaḥ: Es wird geübt und was wird geübt? Die Meditation und die Meditation wird geübt auf nādaḥ, auf den inneren Klang. Das kann schließlich dazu führen, dass alles Äußere überdeckt wird. Also bāhyam: alles Äußere, dhvanim: alle Geräusche werden überdeckt. Was auch heißen kann, wenn du eine Weile mit diesem Verschluss Karna Mudra übst, wird der innere Klang immer hörbarer werden und selbst dann, wenn du die Hand dann herunternimmst, kannst du dich stärker auf den inneren Klang konzentrieren. Also, auch wenn du den inneren Klang verspürst, ohne die Ohren zu verschließen, um so besser. Wenn du dich regelmäßig darauf konzentrierst, dann ist es eine solche Freude, dass äußere Ablenkungen dir nichts mehr anhaben können.
- Vers:
Während der ersten Stadien des Übens werden verschiedene Klänge laut wahrgenommen. Aber bei fortschreitender Übung werden diese Klänge immer zarter.
Also, zu Anfang prathama hörst du śrūyate in der Praxis abhyāse von nādaḥ verschiedene Arten von Klängen und die können gewaltig sein mahān. Aber dann, wenn die Praxis abhyāse voranschreitet vardhamāne, dann hörst du sūkṣma-sūkṣmakaḥ, immer feinere, immer zartere Klänge. Das ist auch eine Form der Konzentration, d. h. du hörst erst einmal die lauteren Klänge und inmitten der lauten Klänge hörst du sūkṣma, einen zarteren Klang und dann konzentrierst du dich auf diesen zarteren Klang.
- Vers:
Zu Beginn ähneln die Klänge, denen des Ozeans, dann den Wolken und dem Gewitter, schließlich ähneln sie der Kesselpauke und werden immer ähnlicher einer jharjhara, einer besonderen Trommel, schließlich werden sie wie eine mardala, also eine spezielle Trommel, dann wie ein Muschelhorn śaṅkha, schließlich wie eine Glocke und ein Horn. Hier sind verschiedene Instrumente genannt, die in Indien bekannt sind. Aber gehen wir erst einmal der Reihe nach durch. Also, zu Anfang, in den ersten Stadien können verschiedene machtvolle Klänge entstehen mahān und so sagt er ādau: zu Anfang werden Klänge gehört wie jaladhi. Also jala ist ja Wasser. Wie jaladhi Wasser im Ozean, also wie Wellen des Ozeans, Ozeanrauschen. Dann können solche kommen wie jīmūta und jīmūta ist eigentlich Wolke. Wolke kann heißen Gewitter, also wie ein Gewitter, wie ein Donnern kann dort kommen.
Oder dann ein Klang wie bherī. Das ist eine bestimmte Form der Trommel, hier besetzt als Kesselpauke. Dann gibt es jharjhara, eine andere Form von Trommel. Es folgt sambhavāḥ. Dort kommen dann weitere Klänge und die kommen dann ins mittlere Stadium. Also zu Anfang dieses Rauschen des Ozeans, Gewitterdonnern, danach wie Kesselpauken und Trommeln. Dann wird es etwas subtiler. Dann kommt eben der mittlere Zustand madhye und in diesem Zustand sind es wie mardala, subtilere Trommeln. Weiter geht es zum śaṅkha. Es ist wie das Muschelhorn. Dann kommt es zu ghaṇṭā, also zu Glocken und schließlich zu einem besonderen Horn: kāhala-jāḥ. Das sind die Stadien, erst die lauteren und dann die subtileren, die höheren Klänge.
- Vers
Dort heißt es: Am Ende gleichen sie jenen von läutenden Glocken, von Klingeln von Flöten, der Vina und der Bienen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Klänge aus der Mitte des Körpers heraus vernommen. Also es kommt dann ante, das ist das letzte Stadium. Dort kommt kiṅkiṇī und das ist ein Glöckchen, also nicht mehr die große Glocke, sondern ein Glöckchen. Dann folgt dort auch wie eine Flöte vaṃśa. Vaṃśa ist die Rohrflöte, auch Venu genannt. Dann folgt vīṇā, ein subtiles Saiteninstrument oder bhramara und bhramara ist eine Biene. Das sind eben die Töne niḥsvanāḥ, die etwas subtiler sind und so iti entstehen verschiedene nānā Arten vidhāḥ von nādāḥ von Klängen. Diese werden gehört śrūyante in der Mitte madhya-gāḥ des Körpers deha.
- Vers
Sogar, wenn die lauten Klänge der Wolken und der Kesselpauken gehört werden, sollte man versuchen, seine Aufmerksamkeit auf die feineren Klänge zu richten. Das ist ein Prozess des Nada Yoga oder des Anhata Nada Dhyana – der Meditation auf den inneren Klang. Zuerst kommen die lauteren Klänge und dann richtet man die Aufmerksamkeit auf die feinen Klänge.
- Vers
Man sollte seine Aufmerksamkeit von den lauten auf die subtileren Klänge lenken, aber nicht auf andere Objekte. Immer wieder, wenn der Geist an etwas anderes denkt, bringt man zunächst die Konzentration auf die lauten Klänge und dann auf die subtileren Klänge.
- Vers
Der Geist fixiert sich selbst auf nāde, zu welchem er zuerst hingezogen wird, bis er eins wird mit diesem. Also es geht auf diesen inneren Klang. Der innere Klang nāde wird dazu führen, dass der Geist Freude empfindet und weil der Geist Freude empfindet, will er dort bleiben. So geht er schließlich zu vilīyate, er löst sich auf.
- Vers
Wie eine Biene sich beim Trinken des Honigs der Pflanzen sich nicht um den Duft kümmert, so kümmert sich der in nāde absorbierte Geist nicht um sinnesfreudige Objekte. Also indem der Geist ganz in diesem Klang aufgeht, kann er sich lösen von allem anderen.
- Vers
Der spitze, eiserne Stachel von nāde kann den Geist wirksam zügeln. Gleich einem Elefanten, der in dem angenehmen Garten der Sinnesobjekte wandelt. Angenommen, ein Elefant ist in einem Garten. Dann kann er letztlich durch die eisernen Stacheln des Mahut, des Elefantenreiters oder demjenigen, der sich um den Elefanten kümmert, unter Kontrolle gehalten werden. Du kennst dich jetzt nicht aus, wie in Indien Elefanten gezähmt werden und wie ein kleiner Mensch letztlich einen ganzen Elefanten beherrschen kann. Da gibt es einen sogenannten eisernen Stachel und mit diesen niśita aṅkuśah, eines der Instrumente, mit denen der Mahut einen Elefanten beherrschen kann. So ähnlich kann der ganze Geist beherrscht werden durch die Praxis des nāde, die Konzentration auf den inneren Klang.
- Vers
Wird der Geist seiner unbeständigen Natur beraubt, mit dem Band von nāda gebunden, wird ein Zustand extrem hoher Konzentration erreicht und der Geist wird vollkommen ruhig, wie ein Vogel, der aufhört, seine Flügel zu bewegen. Hier wird gesagt, über den Weg der nāda wird der Geist absolut ruhig und hört auf, sich zu bewegen.
- Vers
Der Yogi, nach dem höchsten Yoga strebend, sollte alle Gedanken aufgeben und mit einem sorgfältig konzentrierten Geist Nada Yoga oder Nada Laya ausüben, also über die Kraft des inneren Klanges zu einer vollkommenen Ruhe kommen.
- Vers
Nada ist wie eine Falle, mit dem man einen Hirsch fängt. So wird der Geist gefangen. Mit Nada kann der Geist vollkommen ruhig gemacht werden, ähnlich wie eine Antilope gefangen wird.
- Vers
Nāda ist wie der Riegel eines Stalles, welcher das Pferd vom Herumwandern abhält. Ein Yogi sollte daher täglich die Konzentration auf nāda üben. Svatmarama gibt also jetzt einige Vergleiche. Ein Pferd ist normalerweise unruhig und ist schwer zu fangen. Wenn es im Stall ist, kann es aber in Ruhe gehalten werden. So ähnlich hilft nāda, dass der Geist vollkommen ruhig ist.
- Vers
Der Geist gewinnt die Eigenschaft von fest gemachten Quecksilber. Er ist ausgetrocknet, wenn er seiner Unbeständigkeit beraubt ist. Gemeinsam mit dem Schwefel des nāda durchstreift er dann den Akasha, den Brahman-Raum. Es gibt Quecksilber. Ich hatte das schon einmal in einem anderen Kommentar geschrieben. Quecksilber ist normalerweise bei Raumtemperatur flüssig und kann nicht festgehalten werden. Jetzt gibt es einen chemischen Prozess, der manchmal auch als alchemistischer Prozess bezeichnet wird. Dort nimmt man eben Schwefel und dieser Schwefel ist ausgetrocknet, also verbrannt. Der Schwefel wird mit diesem Quecksilber auf eine bestimmte Weise vermischt und dann wird Quecksilber fest. So ähnlich ist es auch mit dem Geist. So ähnlich, wie Quecksilber durch verbrannten Schwefel und andere Methoden fest wird, so ähnlich wird der Geist fest durch die Konzentration auf Anahata Nada und dann sollte man in Akasha aufgehen, in den inneren Raum und sollte auf diese Weise letztlich Brahman erfahren.
- Vers
Der Geist ist wie eine Giftschlange. Löst du aber alle Unbeständigkeit auf, indem du nur auf nāda hörst, schweift er nirgendwohin. Also der Geist ist im Normalfall wie eine Giftschlange. Er kann dich ständig vergiften. Er bringt dir alle möglichen Gedanken, Überlegungen und Erwartungen und du fühlst dich gekränkt und du bist sauer und alles Mögliche. Also aus dem Geist heraus kommt soviel Gift. Aber wenn du den Geist vollkommen ruhig machst, dann schweift er nirgendwo hin. Also schauen wir bei diesem Vers die Worte noch einmal genau an, denn hier gibt es auch unterschiedliche Übersetzungen:
śravaṇataḥ man hört nāda, den inneren Klang und dann vergisst der Geist sarvam alles andere und vergisst dann auch die innere Form antar-aṅga von wo bhujaṅgamaḥ die Schlange. So wird der Geist eka-agraḥ vollkommen konzentriert und läuft dhāvati kutra cid nirgendwo anders hin.
- Vers
Das Feuer, welches ein Stück Holz verbrennt, erlischt, sobald der Wald abgebrannt ist. So wird auch der auf Nada konzentrierte Geist in dieses absorbiert. Gut, also im Sanskrit-Vers steht nichts vom ganzen Wald. Da steht nur: Es gibt ein Feuer vahniḥ und das verbrennt pravartitaḥ an einem Holzscheit kāṣṭhe. Aber wenn dieser verlischt śāmyati, dann wird er zusammen mit dem Holzscheit vollkommen ruhig. Also das Feuer brennt dann am Holzscheit und wenn das Feuer letztlich das Holzscheit verbrannt hat, verschwindet auch das Feuer. So ähnlich, der Geist cittaṃ konzentriert sich auf nāde, den inneren Klang. Irgendwann löst sich nāde auf und dann wird auch der Geist vollkommen ruhig. Laya, er erreicht den Zustand von Ruhe oder hier heißt es: līyate er löst sich auf, zusammen mit dem Klang.
- Vers
Wird antaḥ-karaṇa, das innere Instrument, der Geist, vollkommen ruhig stabdha angezogen sakta durch den inneren Klang nāda wie Glocken ghaṇṭā usw. ādi, dann wird der Geist vollkommen ruhig, ähnlich wie die Antilope, die durch den Pfeil erlegt wird. Also er gebraucht jetzt zum Teil etwas eigenartige Symbole, aber er will uns letztlich auf verschiedene Art und Weise animieren: Konzentriere dich auf den inneren Klang! Der innere Klang kann helfen, den Geist vollkommen ruhig zu machen.
Und jetzt der 100. Vers
Ein etwas längerer Vers, bestehend aus 3 Teilversen.
anahatasya shabdasya dhvanir ya upalabhyate
dhvaner antar gatam jneyam jneyasyantar gatam manah
manas tatra layam yati tad vishnoh paramam padam
Hier sagt er: Die Erkenntnis ist völlig durchdrungen durch den inneren hörbaren Anahata-Ton. Der Geist ist völlig von Erkenntnis durchdrungen. Dort, wo der Platz des alles durchdringenden, allmächtigen Gottes ist, dort wird der Geist zur absoluten Ruhe gebracht. Also hier wieder, es geht darum:
Dhvaniḥ den Klang des anāhatasya des inneren nicht angeschlagenen śabdasya Tons zu hören. Wenn dieser wahrgenommen wird upalabhyate, dieser antar-gataṃ innere dhvaneḥ Ton, dann gilt es jñeyaṃ zu erkennen, was wirklich zu erkennen ist. Im Inneren, innerhalb des manas befindet sich nochmals manas. Aber diesen gilt es aufzulösen layaṃ. Und wenn das erlangt ist yāti, dann folgt der höchste Zustand paramaṃ padam. Das ist der Zustand von Vishnu. Mit anderen Worten: Dieser Zustand der Erleuchtung, dieser Zustand Gottes kommt, wenn der Geist Moksha erreicht.
Ja, das ist also die Praxis von Anahata Nada Dhyana – die Konzentration auf den inneren Klang und jetzt kannst du dieses üben.
Theoretisch müsstest du jetzt erst die Ohren schließen mit den Daumen, aber dann hörst du nicht, wie ich es weiter ansage. So werde ich es jetzt ansagen und du könntest vielleicht mit den Daumen nur die Ohren berühren. Das hat auch schon eine gewisse Wirkung. Wenn du so teilweise den äußeren Klang ausschaltest, aber mich dennoch hörst, dann hörst du, wann immer ich schweige, den inneren Klang.
Setze dich also so hin, dass du die nächsten Minuten ruhig und entspannt sitzen kannst. Einen Moment, schließe die Augen. Atme ein paar Mal mit dem Bauch ein und aus. Jetzt nimm deine Daumen und berühre so deine Ohrknöpfe. Eventuell lege die anderen Finger ab. Während du mit deinen Fingern die Ohren sanft schließt, hörst du vielleicht einen inneren Klang.
Wenn du willst, kannst du jetzt auch 30 Sekunden lang die Ohren ganz schließen und so den inneren Klang hören. Nach etwa 30 Sekunden lasse wieder die Ohren etwas geöffnet, sodass du etwas hören kannst.
Gerade, wenn du die Ohren oder die Ohrknöpfe mit den Daumen ganz schließt, hörst du insbesondere laute Klänge. Du hörst Klänge, wie das Rauschen des Ozeans oder ein Donnern oder wie Trommeln. Vielleicht hast du das eben gehört.
Dann kannst du entweder wieder die Ohren schließen und 30 Sekunden die Ohren, also die Ohrknöpfe geschlossen halten und dich dann auf den inneren Klang konzentrieren, der etwas sanfter ist. Ein Klang wie eine Glocke oder ein Muschelhorn oder der Klang einer Muschel, die du an dein Ohr hältst. Vielleicht kennst du das: So eine Muschel an ein Ohr halten, gibt auch einen inneren Klang. Manchmal geht das auch, ohne die Ohrknöpfe zu schließen. Jetzt also entweder schließe wieder die Ohrknöpfe oder ohne die Ohrknöpfe. Versuche so, diesen mittleren Klang zu hören, der sich vielleicht anhört wie der Klang einer Muschel, die du an dein Ohr hältst oder wie eine sanfte Glocke.
Der nächste Schritt ist, Sukshma Klänge zu hören. Vielleicht hörst du einen hohen Klang, wie den Klang eines Glöckchens oder einen ganz subtileren sanften Ton im Inneren. Dort richte deine Aufmerksamkeit hin und ignoriere die Laute. So kannst du immer weiter voranschreiten, immer subtilere Klänge zu hören. Sei ganz fasziniert von diesen inneren Klängen und irgendwann wird dein Geist ganz ruhig. Du erreichst Laya, die absolute Stille, die jenseits aller Klänge ist.
Höre also jetzt den inneren Klang. Dein Geist ist ganz absorbiert in der Wahrnehmung des inneren Klanges.
Vielleicht hörst du noch subtileren Klang oder die Stille jenseits des Klanges. Verschmelze mit dem inneren Klang oder der inneren Stille.
Das war Anahata Nada Dhyana – die Meditation auf den inneren Klang. Eine der vielen Variationen, die Svatmarama im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika vorschlägt und vielleicht willst du sie ja auch ein paar Mal zu Hause üben. Nochmals die einzelnen Schritte:
Du nimmst deine Daumen und schließt mit den Daumen die Ohrknöpfe, indem du darauf drückst. Dabei entstehen dann Geräusche, wie zum Beispiel das Donnern oder Meeresrauschen oder auch wie ein lautes Trommeln. Konzentriere dich zunächst auf diesen lauten Klang, der entsteht und dann höre subtilere Klänge, wie die Klänge von lauteren Glocken oder wie mittel laute Trommeln und anschließend konzentriere dich auf noch subtilere Geräusche, wie eine Flöte oder eine hohe Glocke oder wie eine Vina oder wie ein hoher Klang. Manchmal geht das leichter, indem du erst feste draufdrückst. Beim festen Draufdrücken entstehen mehr lautere Klänge. Wenn du weniger fest draufdrückst, entstehen subtilere Klänge und wenn du die Hand abnimmst, entsteht dieser höchste Klang. Dann gehe immer tiefer in diese Klänge hinein, bis schließlich der Geist ganz ruhig wird und so erfährst du Freude, Ruhe des Geistes, kommst irgendwann zum vollständigen Beruhigen des Geistes: Laya, auch genannt Raja Yoga, auch genannt Sthira und so erfährst du höchste Bewusstseinsebenen.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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