Gotteserfahrung durch Gottesverehrung

Kommentar zum 9. Kapitel der Bhagavad Gita ab Vers 14

Wie kannst du Gott erfahren? Welche Formen der Gottesverehrung gibt es? Wie kannst du Gott auch im Alltag erfahren? Wie kannst du Gott in jedem Moment spüren und letztlich verwirklichen?

Darum geht es im 9. Kapitel der Bhagavad Gita und insbesondere ab Vers 14 wird Krishna sehr praktisch.

Rezitation der Verse 14 und 15 vor dem eigentlichen Vortrag:

satatam kirtayanto mam
yatantas ca drdha-vratah
namasyantas ca mam bhaktya
nitya-yukta upasate

jnana-yajnena capy anye
yajanto mam upasate
ekatvena prithaktvena
bahudha vishvato-mukham

  1. Vers: „Die großen Seelen lobpreisen mich alle Zeit, streben, sind fest in ihren Vorsätzen, verneigen sich vor mir und verehren mich stets mit unerschütterlicher Hingabe.“

Krishna hatte im dreizehnten Vers von den großen Seelen gesprochen, die sich bewusst sind, dass sie Teil der göttlichen Natur sind, und diese verehren Gott, und sie verehren Gott als den unvergänglichen Ursprung aller Wesen.

Wenn Krishna hier von „Ich“ spricht, meint er Gott, Krishna als Inkarnation, als Avatar Gottes.

Als eine der vielen Inkarnationen, Avatare Gottes.

Und hier sagt er: Wie können wir konkret Gott erfahren, wir können immer wieder Gott lobpreisen, wir können uns immer wieder bewusst machen: Gott ist großartig, hinter allem ist das Göttliche.

Wir können das auch nehmen im Kirtan, zum Beispiel Mantra singen, was ja alles Lobpreis Gottes ist.

Jaya Ganesha, Ehrerbietung an Gott, Shri Ganesha, Oh Gott.

Om Namah Shivaya, Ehrerbietung an Shiva, Krishna Sharanam Mama, Oh Krishna, du bist meine Zuflucht.

Alle Kirtans sind letztlich Lobpreis Gottes. Das können wir auch bewusst machen. Wir können Kirtans natürlich auch singen und hören, weil sie schön sind, und weil sie das Herz berühren.

Wir können es aber auch bewusst als Lobpreis Gottes praktizieren. Dann streben, das heißt, bewusst machen, mein Ziel ist es, Gott zu erfahren. Und danach will ich streben, das will ich umsetzen.

Fest in ihren Vorsätzen, fasse dir auch Vorsätze, zum Beispiel jeden Tag zu meditieren, und dann setze sie um. Jeden Tag Asanas und Pranayama machen – setze es um. Jeden Morgen beim Aufwachen erst einmal ein Gebet sprechen, und einen Moment, alles was du heute tust, Gott darbringen. Fasse einen solchen Vorsatz und setze ihn um. Und jedes Mal bevor du einschläfst, ein Gebet sprechen, und alles, was du am Tag gemacht hast, Gott darbringen, setze es um. Vielleicht magst du jetzt auch einen Moment inne halten und überlegen, ob es Vorsätze gibt, die du vielleicht jetzt fassen willst, und dann, setze sie um.

Es ist oft gut, kleine Vorsätze zu fassen, und diese umzusetzen, als zu große Vorsätze zu fassen, und diese nicht umzusetzen. Daher, fasse einen Vorsatz und setze ihn um. Und dann sagt er: verneigen sich vor mir.

Es gibt den Yoga der Verneigung und der Ehrerbietung. Immer wieder im Großartigen das Göttliche anzusehen. Weiter: Verehre Gott mit unerschütterlicher Hingabe. Unerschütterlich sagt er hier, denn immer wieder gibt es auch Dinge, die einen erschüttern können. Manche Menschen haben ein Vertrauen zu Gott, solange es ihnen gut geht. Wenn es ihnen schlecht geht, ist das Vertrauen erschüttert - wie kann Gott so etwas zulassen?

Oder andere verehren Gott, wenn es ihnen schlecht geht, dann bitten sie um Gottes Hilfe. Aber, wenn es ihnen gut geht, denken sie, okay, es ist doch alles gut und vergessen Gott und erst, wenn es Ihnen schlecht geht, denken sie wieder an Gott.

Unerschütterlich heißt: egal, was geschieht, verehre Gott.

  1. Vers: „Andere bringen auch das Weisheitsopfer dar und verehren mich, der ich alle Gesichter habe, als das Eine, das Andere und das Vielfältige.“

Krishna sagt, es gibt viele Formen der Gottesverehrung, und das sagt er immer wieder. Und er sagt auch immer wieder, dass wir Gott auf unsere Weise verehren können. Und so sagt er, es gibt auch die sogenannten Jnanis, diejenigen, die den Jnana - Yogaweg  gehen.

Man kann sich auch bewusst machen, wenn ich Jnana - Yoga übe, den Yoga der Erkenntnis, kann ich dies auch als Weisheitsopfer darbringen. Das heißt dann Jnana - Yajna. Swami Sivananda hat Jnana - Yajna nochmal anders interpretiert, er hat gesagt, anderen spirituelles Wissen zu bringen, ist auch Jnana - Yajna.

Wenn du Yoga unterrichtest, dann kannst du auch das an Gott weitergeben, oder, wenn ich jetzt diesen Vortrag gebe, und diese ganzen Videos mache, dann ist das auch Jnana - Yajna. Warum gebe ich diese Vorträge? Ich gebe sie als Hingabe an Gott. Ich habe das Gefühl, Gott will, dass das geschieht, Gott hat mich damit beauftragt. So will ich dieses Wissen, das ich jetzt weitergebe, als Jnana - Yajna ansehen, als eine Darbringung von Weisheit für Gott. So kann man auch sagen, wenn du etwas lernst, bringe das Lernen Gott dar. Und wenn du anderen etwas beibringst, mache auch das als Darbringung an Gott.

Wir können Gott verehren in jedem einzelnen Gesicht, und er sagt, der ich alle Gesichter habe. Also, Gott hat verschiedene Gesichter. Es gibt verschiedene Interpretationen hierzu, man könnte zum Beispiel sagen: er ist Krishna, er ist Jesus, er ist Allah, er ist Adonai, der Herr, er ist Manitu, er ist der kosmische Geist, die Weltenseele, die Urmutter. 

Wir können Gott auf so viele verschiedene Weise verehren. Gott hat viele Gesichter. Und Gott manifestiert sich auch in allem in dieser Welt. Deshalb hat Gott so viele Gesichter. Wir können Gott aber auch als den Einen sehen, der Eine, der alles ist, oder eben der Andere, das Andere. Es gibt große Auseinandersetzungen in Religionen und in der Theologie.

Ist Gott transzendent, ist er immanent, sollen wir Gott wahrnehmen, als die Essenz von Allem oder wollen wir Gott als Person sehen? Als der Andere, der mir gegenüber gestellt wird?

Manchmal gibt es von Seiten der monotheistischen Religionen einen gewissen Vorwurf an Vedanta, dass Gott doch ein Gegenüber sei, und dass Gott nicht nur das Innere ist, aber Krishna sagt, man kann Gott verehren als das Eine überall, man kann Gott verehren als der Andere, dem man gegenüber ist, zu dem man beten kann, von dem man die Antwort der Gebete erhofft, dem man alles darbringen kann. Man kann Gott verehren als das Eine, man kann Gott verehren als das Andere, und auch als das Vielfältige.

Es gibt auch Menschen, die Gott in verschiedenen Gestalten wahrnehmen. Diese Menschen sagen, es gibt nicht nur einen Gott, sondern es gibt Krishna, es gibt Rama, es gibt Durga und Lakshmi. Zum Beispiel gibt es im Hinduismus Menschen, die die Vorstellung unterschiedlicher Götter haben. Bei materiellen Wünschen kann man Lakshmi anrufen, wenn man Trost braucht, kann man Durga anrufen, wenn man etwas loslassen möchte, kann man Shiva anrufen, und Krishna kann angerufen werden bei dem Wunsch nach mehr Liebe und Freude. Auch dies ist ein Weg, Gott als das Vielfältige zu verehren.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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