Kleshas, die Ursachen des Leidens und ihre Überwindung - Woher kommt Leiden? Was sind die Gründe für die Leiden des Menschen? Wie kannst du diese Gründe überwinden? Wie kannst du glücklich sein?

 

Kommentar Vers 2 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. सभाणधबावनाथ्य िेशतनकू यिाथिय ॥ २॥

samadhibhavanarthah kleshatanukaranarthashch

Kriya Yoga vermindert die Kleshas und führt zu Samadhi.

Im 1. Vers des 2. Kapitels hat Patanjali gesagt, Kriya Yoga besteht aus Tapas, Svadhyaya und Ishvarapranidhana. Kriya Yoga, der Yoga der Tat. Die Grundpraktiken am Anfang des Yoga heißt spirituelle Praxis -  Tapas. Studium der Schriften und Introspektion -  Svadhyaya. Und die Hingabe an Gott - Ishvarapranidhana. Wozu sind sie da?

Bhavana - ein gewisser Gemütszustand

Atha - der irgendwie geeignet ist für Samadhi

 

Wenn du Kriya Yoga übst, verändert das schrittweise deinen Geist, so dass du Samadhi irgendwann erreichen kannst. Übe regelmäßig, sei sehr bewusst auf dem Weg, lese die Schriften, verehre Gott. Es führt dich irgendwann zu Samadhi. Nutzt mir das, in der Zeit bis zu Samadhi. Patanjali sagt, ja. Es hilft dir auch um die Ursachen des Leidens zu überwinden.

Patanjali folgt auch dem Buddhismus. Buddha sagt, er hat einen Weg gefunden, um das Leid zu überwinden. Manchmal wird gesagt, das Patanjali ein Zeitgenosse von Buddha war. Die meisten sagen, er hat ein paar hundert Jahre später gelebt.

Yoga Sutra und die Lehren von Buddha gleichen sich, oder ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Patanjali spricht hier, es geht um die Überwindung der Kleshas. Die Kleshas sind die Ursache des Leidens. Willst du Leid überwinden, dann übe Kriya Yoga.

Kommentar Vers 3 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. अणवद्याणस्मतायागिषे ाणबणनवशे ा् िेशा् ॥ ३॥

avidyasmitaragadveshabhiniveshah kleshaah

Was sind die 5 Kleshas, die Ursachen des Leidens:

  • Avidya - Unwissenheit
  • Asmita - Identifikation
  • Raga - mögen, Gier, Anhaftung, Wünsche
  • Dvesha - nicht mögen, Abneigung, Hass
  • Abhinivesha - Furcht vor dem Vergehen

 

Es beginnt mit Avidya, Unwissen. Vidya heißt Wissen. Es ist nicht Ungebildetheit, sondern Unwissenheit, wer du wirklich bist. Deine wahre Natur ist Purusha, das reine Selbstbewusstsein. Du bist nicht der Körper, nicht die Psyche nicht die Emotion, nicht die Gedanken. Du bist das unsterbliche Selbst. Wenn du nicht mehr weißt, wer du bist, dann bist du in Avidya.

Dann folgt Asmita, Identifikation mit dem Körper, mit deiner Psyche usw. Aus diesen Identifikationen kommt dann Raga, Anhaftung und Wünsche und Dvesha, Abneigung. Wenn du dich z.B. identifizierst mit deiner Klugheit, dann hast du einen Wunsch. Dann möchtest du, dass andere dich anerkennen für deine Klugheit. Du hast den Wunsch, dass du mit deiner Klugheit etwas bewirken kannst. Dvesha du magst jetzt nicht stumpfsinnige Tätigkeiten oder das andere sagen, du wärest dumm. Du magst nicht dass andere deinen Intellekt bezweifeln.

Und Abhinivesha, Furcht vor dem Vergehen. Du hast Angst dass du deine Klugheit verlierst. Du hast Angst davor durch deine stumpfsinnige Tätigkeit, und umgeben sein, mit Menschen die nicht richtig denken können. Angst das auch du deinen Intellekt verlierst. Wenn du ein gewisses Alter erreichst und feststellst, du vergisst das ein oder andere, hast du plötzlich eine riese Angst vor Demenz. Im Grunde könnte man sagen alles Leiden hat etwas damit zu tun.

Beispiele

Angenommen jemand identifiziert sich mit seiner Klugheit und er identifiziert sich überhaupt nicht mit seiner Haarpracht. Dann sagt ihm jemand: „Du hast aber eine komische Frisur heute, hast du dich gar nicht gekämmt“. Der sich jetzt mit seinem Intellekt identifiziert macht das überhaupt nichts und  fragt sich, was hat der andere überhaupt, gibt es nichts Wichtigeres als die Frisur ist.

Angenommen jemand hat Zeitschriften durchforstet und mit fünf Friseuren gesprochen und jetzt denkt er, er hat die optimale Frisur. Und dann sagt jemand: „Was ist dir mit deinen Haaren passiert“. Dann folgt sofort große Angst.

Wichtig ist Asmita, es kann sein was du tatsächlich hast, es kann auch etwas sein, was du nicht hast. Gibt Menschen, die denken sie können nicht singen. Sie haben die Identifikation mit der Unfähigkeit zu singen. Raga, sie wollen nicht aufgerufen werden zum Singen. Dvesha, sie haben eine Abneigung dafür mit anderen zu singen. Abhinivesha, sie haben Angst davor, das sie doch aufgerufen werden zum Singen.

Man kann sich auch mit dem Identifizieren was man glaubt nicht zu haben, Asmita.  Oft entspricht das eben auch nicht der Wahrheit. Du kannst dich auch besonders identifizieren mit deiner Mutterrolle. Als liebevolle Mutter, willst du, das es deinem Kind gut geht, das es sich gut entwickelt usw. Du magst gar nicht, dass dein Kind in Schwierigkeiten kommt. Du magst nicht, wenn du nicht genügend Zeit hast, um dich um dein Kind zu kümmern. Du magst nicht, wenn dein Chef dich länger auf der Arbeit aufhält, Dvesha. Abhinivesha, du hast große Angst, das deinem Kind etwas geschieht, oder auf Abwege gerät, oder einen Unfall hat und stirbt. Deshalb sagst du: „ Geh nicht zu schnell, zieh dich warm an“, all die Ratschläge die Mütter typischerweise geben.

Wie würde eine yogische Mutter mit all dem umgehen. Sie würde sagen, ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman. Das wäre Vidya. Das Kind ist auch das unsterbliche Selbst. Ich habe einen Körper und das Kind hat einen Körper und ich habe eine gewisse Verantwortung. Ich weiß, das Kind hat sein eigenes Karma, sein eigenes Dharma und seinen eigenen Charakter. Ich werde mich bemühen so gut ich kann, mit großer Liebe, Verbindung und Dankbarkeit. Aber das Kind geht seinen eigenen Weg. Und wenn das Kind einen anderen Weg geht, als ich es gern hätte, okay. Wenn das Kind eine andere Weise für richtig hält, okay.

Wenn mir das Kind vorher genommen wird und in die Astralwelt eingeht, um durch eine andere Mutter geboren zu werden, auch okay. Meine Emotionen werden sicherlich darunter leiden, aber ich bin das unsterbliche Selbst.

Identifikation

Du kannst dich mit allem möglichen identifizieren. Du kannst dich z.B. identifizieren mit deiner Yogalehrtätigkeit. Du vergisst dass du das unsterbliche Selbst bist. Du identifizierst dich mit, ich bin ein guter und fordernder Hatha Yoga Lehrer und schaffe es, die Menschen über die Grenzen hinauszubringen und sie in Asanas hineinzubringen, die sie vorher nicht konnten (Raga).

Du magst Menschen unterrichten, die das auch machen wollen und können und die bereit sind etwas auszuprobieren (Dvesha). Du magst nicht, wenn einige in deiner Gruppe, Nacken-, Schultern- oder sonstige Probleme haben, die ständig nichts mitmachen und den Gruppenfluss irgendwo stören.  Denn dann sagst du vielleicht für dich ist es besser nicht den Kopfstand, Schulterstand usw. zu machen, Raga. Du willst dafür gelobt werden, das Menschen sagen: „Wow, ich habe wieder etwas gelernt, bei dir lerne ich so viel, ich habe mich so entwickelt“ Dvesha.

Du magst nicht, das andere sagen: „Was, du machst ist kein Yoga, ist einfach nur Wettbewerbssport“. Das kränkt dich in deiner Seele, Dvesha. Abhinivesha, Furcht vor dem Vergehen. Du hast Angst, dass Teilnehmer nicht mehr kommen. Es gibt in Deutschland immer mehr Menschen die alt sind, weniger junge. Vielleicht wird deine Art von Yoga bald nicht mehr gefragt sein, Abhinivesha. Furcht vor dem Vergehen.

Du hast Angst, du wirst älter, deine Stimme hat nicht mehr den Enthusiasmus, du kannst nicht mehr den Handstand, den Skorpion vormachen und im Pfau geht es auch nicht mehr so gut. Du denkst, was soll jetzt werden. Wenn du dich vorher über die fortgeschrittenen Art definiert hast, Abhinivesha.

Oder du hast dich mit deinem Yogalehrersein definiert, der therapeutisch  tätig ist, der Menschen helfen kann mit vielen Schwierigkeiten. Du identifizierst dich, vielen Menschen bei körperlichen Schwierigkeiten damit umzugehen, Asmita.

Und du magst es, wenn Leute dich um Hilfe bitten, wenn du Menschen tatsächlich helfen kannst und sie berichten, wie toll sie über Nacken-, Hüft-, Rücken-, Schulter-, Knieprobleme hinweg gekommen sind. Du magst es, wenn Asthma verschwunden ist bei den Teilnehmern oder die Diabetes überwunden wurde usw., Dvesha.

Du magst es nicht, wenn Menschen sagen, dass deine Stunde zu langweilig und zu sanft ist und das du zu viel redest anstatt den Fluss der Stunde in Gang zu halten, Dvesha. Du hast Angst, dass du nicht mehr helfen kannst. Wenn du dich sehr um kranke Menschen kümmerst, sind die Grenzen zur medizinischen Behandlung recht fliesend.

Du hast Angst, dass sich irgendwer meldet, du eine Abmahnung bekommst. Du hast Angst, dass du mal was Falsches machst, und verklagt wirst und dann bist du als Yogalehrer gescheitert. Oder du hast Angst, vor vernichtender Kritik. Nicht nur das du sie nicht magst, Dvesha. Du kannst daraus eine Angst haben, Abhinivesha.

Ein guter Yogalehrer weiß, ich bin das unsterbliche Selbst. Die anderen sind auch das unsterbliche Selbst, Vidya. Du hast jetzt die Rolle des Yogalehrenden. Vielleicht hast du die Rolle des enthusiastischen fordernden Lehrers oder der liebevollen Therapeutin (Kümmerin). Du machst es so gut du kannst und lässt anschließend los.

Kriya Yoga um Verhaftungen zu reduzieren

Patanjali hat gesagt, das Kriya Yoga hilft die Leid verursachenden Verhaftungen zu reduzieren. Kriya Yoga heißt zum einen Svadhyaya.

Selbststudium, etwas Gutes kennen und wissen. Du löst die Identifikation und die Unwissenheit, du erkennst all diese Dinge. Du willst nicht aus Raga und Dvesha handeln, nicht aus Ängsten und nicht aus Identifikation. Svadhyaya, ich bin das unsterbliche Selbst.

Tapas heißt etwas tun. Tapas kann auch heißen bewusst etwas anderes zu machen. Z.B. jemand der sehr enthusiastisch und fordernd unterrichtet gibt auch mal eine sehr sanfte und entspannende Stunde, so dass die Identifikation nicht zu stark wird. Wenn du der fürsorglich  Lehrer  bist, auch mal etwas fordernder zu werden und zu schauen, das geht auch, Tapas. Ishvarapranidhana, loslassen und alles Gott darbringen.

So könntest du bei allem was du tust überlegen, handele ich aus Raga und Dvesha, aus mögen und nicht mögen. Handle ich aus Furcht, Abhinivesha oder handele ich aus der Identifikation heraus. Oder tue ich es um Gott zu dienen, um etwas Gutes zu tun. Und lasse los.

 

Kommentar Vers 4 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. अणवद्या ऺत्रे भ उ् त्तयषे ा ं प्रसप्तु तनणुवणच्छिोदायािाभ ॥् ४॥

avidya kshetram uttareshan

prasuptatanuvichchhinnodaranam

Avidya ist die Ursache von allen darauf folgenden Kleshas, ob sie schlafend, schwach, überwunden oder voll wirksam sind. Alle Probleme beginnen mit Avidya - Unwissenheit.

 

 

Kommentar Vers 5 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. अणनत्याशणुचदु्खानात्मस ुणनत्यशणुचसखु ात्मख्याणतयणवद्या ॥ ५॥

anityashuchiduhkhanatmasu

nityashuchisukhatmakhyatiravidya

Was ist Unwissenheit? Durch Avidya, Unwissenheit hält man das vergängliche, das unreine, das leidvolle, das Nicht-Selbst fälschlicherweise für das Ewige, das Reine, das Freudvolle, das Selbst.

 

Hier haben wir die verschiedenen Unwissenheiten:

 

  1. Anitya nicht ewig (Nitya, ewig) Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen.

Hier hältst du das Nicht-Ewige für das Ewige. Du denkst das ist der Körper, weil du dich mit dem Körper identifizierst. Du hast Angst, dass dieser vergeht und du willst den Körper dauerhaft haben.

Oder du identifizierst dich mit der Yogalehrer Rolle und hoffst dass diese ewig dauert.

Das Vergängliche – Körper ist vergänglich, Psyche, Temperament, Wünsche, Beziehungen, dass womit du dich identifizierst, ist vergänglich. Alles ändert sich. Wenn du das, was veränderlich ist, für ewig hältst, dann kommst du in Probleme. Alles fließt, alles verändert sich, außer deinem eigenen Selbst.

So gilt es über Anitya hinaus zu wachsen und du dir bewusst bist, was ist wirklich ewig. Löse dich vom Nicht-Ewigen.

  1. Ashuchi hältst du für Shuchi und das Shuchi für Ashuchi. (Das Unreine) Manchmal denken Menschen, ich bin ein ärgerlicher Typ. Du identifizierst dich mit etwas Unreinem. Aber du bist kein Unreiner Typ, du bist das unsterbliche Selbst, du bist Atman. In deinem Geist, ist vielleicht eine Neigung dich zu ärgern.
  2. Duhkha, du hältst das was eigentlich leidvoll ist, für freudvoll. Und das was freudvoll ist, hältst du für leidvoll. In Geld, in Essen ist keine Freude. In deinem Selbst da ist die wahre Freude.

Löse dich von dem was vergänglich ist. Dein Körper, dein Reichtum wird vergehen. Die Beziehungen zu anderen Menschen werden sich verändern, zu hoffen, dass dies ewig sein muss, führt zu Problemen. Vidya, du weißt du bist das Unsterbliche, du bist nicht der Körper und nicht die Psyche. Sei dir bewusst das wahres Glück im Inneren zu finden ist und nicht im Äußeren.

 

Kommentar Vers 6 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. दृग्दशनय शक्त्योयके ात्मतवे ाणस्मता ॥ ६॥

drigdarshanashaktyorekatmatevasmita

Asmita ist die Identifikation des Sehenden mit dem Instrument des Sehens.

Asmita ist die Identifikation mit Körper und Psyche. Du hast einen Körper und Psyche aber du bist nicht dein Körper und Psyche. Nicht umsonst spricht Shankaracharya vom Antahkarana, dem inneren Instrument als den Geist. Unser Körper ist Bahirkarana, das äußere Instrument.

In einem weiteren Sinne gibt es noch so viel mehr Identifikationen. Du könntest dir auch bewusst sein, womit identifizierst du dich. Nicht nur identifizierst du dich mit dem was ist, sondern du identifizierst dich auch mit dem Bild von dem was ist. Es gibt Menschen die haben sogenannte Körperwahrnehmungsstörungen. Die sind z.B. sehr dünn und denken sie seien zu dick. Oder es gibt Menschen die denken, sie seien hässlich und sie gelten als äußerst attraktiv.

Es geht auch umgedreht. Es gibt Menschen die denken, sie hätten ein besonderes Gitarrenspiel-Talent und eigentlich spielen nicht im Rhythmus und schräg. Es gibt Asmita, mit dem was tatsächlich ist und dem was nicht ist. Asmita geht noch weiter. Du identifizierst dich nicht nur mit Körper und Psyche, auch mit deinem Besitz. Meine Kamera, mein Smartphone, mein Hemd, meine Brille, mein Haus, mein Auto..

Beispiele für Identifikation:

 

  • Identifikation mit Landschaft. Ich bin ein waschechter Nieder-Bayer.
  • Identifikation mit Beruf. Ich bin ein Yogalehrer, ein Banker.
  • Identifikation mit Bildungsgrad. Ich bin ein Universitätsabsolvent.
  • Identifikation mit Rollen. Ich bin ein guter Schauspieler.
  • Identifikation mit anderen Menschen. Eltern identifizieren sich mit ihren Kindern, Partner mit ihren Partner.
  • Menschen identifizieren sich mit ihrem Unternehmen.
  • Spirituelle Aspiranten identifizieren sich mit ihrem Yoga Center und der spirituellen Gemeinschaft, wo sie leben und lernen.

 

All das ist Asmita, die Identifikation. Asmi heißt ich bin (Brahman). Asmita heißt Ich-Bin-Heit. Alles ist eine Illusion.

Kommentar Vers 7 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. सखु ानशु मी याग् ॥ ७॥

sukhanushayi raagah

Raagah ist das was am Vergnügen haftet. Das was du denkst, was dir Vergnügen bereitet, führt zu Raagah.

 

 

Kommentar Vers 8 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. दु्खानशु मी िषे ् ॥ ८॥

duhkhanushayi dveshah

Duhkha, Abneigung ist das, was am Schmerz haftet. Dveshah heißt Abneigung. Du hast eine Abneigung vor dem, wo du denkst, dass es dir Schmerzen bereitet.

 

 

Kommentar Vers 9 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. स्वयसवाही णवदुषोऽणऩ तथारूढोऽणबणनवशे ् ॥ ९॥

svarasavahi vidushopi tatharudho bhiniveshah

Furcht vor dem Tod, ist der fortgesetzte Wunsch zu leben, von dem sogar der Weiße beherrscht wird. Furcht vor dem Tod Abhinivesha, auch Furcht vor dem Vergehen.

 

Hier sagt Patanjali, sogar Weiße haben Angst davor. Es gibt nicht nur die Angst vor dem Vergehen des physischen Körpers, sondern auch mit dem womit du dich identifizierst.

 

Kommentar Vers 10 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. त े प्रणतप्रसवहमे ा् सक्ष्मू ा् ॥ १०॥

te pratiprasavaheyah sukshmah

Die subtilen Formen der schmerztragenden Leiden der Kleshas, können durch das zurückführen auf ihren Ursprung vermieden werden.

 

Eine Möglichkeit eine subtile Weise, die Kleshas zu überwinden, ist sich erst einmal bewusst zu werden, wo kommt es her. Z.B. Du hast dich furchtbar darüber aufgeregt, was dein Chef gesagt hat. Du bist im Leiden drin. Jetzt könntest du die Kleshas anwenden. Warum  hat mich das jetzt so aufgeregt. Das wäre eine Form von Svadhyaya, Selbststudium oder Beobachtung, Introspektion.

Patanjali hat am Anfang des 2. Kapitels gesagt, das durch Kriya Yoga, dazu gehört auch Svadhyaya, Kleshas gemildert werden können.

Beispiel

Der Chef hat dich kritisiert. Warum hat dich das gestört. Ich habe vergessen, dass ich das unsterbliche Selbst bin, in der Tiefe des Wesens des Chefs ist das unsterbliche Selbst. Wir sind alle Brahman. Wir sind in einer Art Intro-Theater, in einer Art Schauspiel. Wenn du das wissen würdest, ist der Ärger sofort weg. Jetzt kannst du weiter gehen.

Womit habe ich mich identifiziert. Du hast dich vielleicht damit identifiziert, dass du ein sorgfältiger Mensch bist und dass du Dinge gründlich machst, Asmita. Dein Raga ist, du hast etwas gemacht und willst das dies anerkannt wird. Du magst es nicht, wenn Dinge dahin vertagt werden, Dvesha. Jetzt sagt dein Chef, dass du dich in Kleinigkeiten verheddert hättest , du künftig das große Ganze im Blick behalten müsstest. Und nicht so die Kleinigkeiten beachten, sondern das Ganze. Das hat dich schwer gekränkt. Denn dein Selbstbild ist, du bist ordentlich. Besser du machst es richtig, als zu viel angehen.

Der Chef hat dich jetzt dafür kritisiert. Da kommt Abhinivesha ins Spiel. Du hast vielleicht Angst, deinen Job zu verlieren. Oder wenn das so weiter geht, du kritisiert wirst, wirst du ins Burnout kommen. Du kannst krank werden, kannst keine Leistung mehr bringen.

Dann hast du noch mehr Angst. Wenn du krank wirst, wird dein Frau/Mann die Hochachtung vor dir verlieren. Dann kann die Beziehung in die Brüche gehen. Dann kannst du dich nicht um dein Kind richtig kümmern, dann geht es deinem Kind schlecht.

Dann wird die Alterssicherung nicht richtig sein. Dann werden deine Eltern mit dir unzufrieden sein. Abhinivesha, so viel wird vergehen. So viele Ängste kommen. Wenn du das erst einmal durchschaut hast, dann kannst du anfangen zu lachen.

Du kannst sagen: „Ich bin das unsterbliche Selbst“. Ich habe meine Aufgaben und mache sie so gut ich kann. Mein Glück hängt nicht davon ab. Also löse dich von Asmita.

Dann sieh es einmal umgekehrt. Es ist vielleicht ganz schön, dass mein Chef mich darauf aufmerksam gemacht hat. So habe ich festgestellt, wie sehr ich mich mit dieser Ordentlichkeit, Gründlichkeit identifiziere. Danke dass ich das jetzt weiß und loslassen kann und etwas ändere. Danach kannst du mit Tapas herangehen und dich nicht mehr in Einzelheiten verheddern. Dann kannst du es so gut wie möglich machen und dann loslassen, Ishvarapranidhana.

Wenn du in den nächsten Tagen irgendwo leidest, dich über etwas ärgerst, traurig oder niedergeschlagen bist oder Ängste hast, dann wende dieses System der fünf Kleshas an. Erkenne du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.

 

Kommentar Vers 11 des 2. Kapitel von Yoga Sutra von Patanjali

  1. ध्यानहेमास्तिृत्तम् ॥ ११॥

dhyanaheyastadvrittayah

Die Aktiven Formen der Kleshas können durch Meditation vermieden werden.

 

Hier sagt Patanjali, übe jeden Tag Meditation. Im Laufe der Zeit  wird dir das auch helfen, die Kleshas zu überwinden. Wenn du dich in der Meditation, als das Unsterbliche, das Ewige erfährst, als reines Bewusstsein, als Sat Chit Ananda, dann wirst du dich im Alltag weniger identifizieren.

Auf diese Weise kannst du beobachten, worüber du dich aufregst, wo deine Probleme sind, was dich in Emotionen und ins Leid führt. Schaue wie die Kleshas dort sind und führe es zurück zum Ursprung.

Meditiere jeden Tag. Langfristig wird die Meditation helfen, alles mögen und nicht mögen, alle Ängste, alle Identifikationen zu überwinden.

Meditation führt dich zur höchsten Erfahrung des Selbst. Meditation führt dich zu deiner wahren Natur, zur Verwirklichung deines Selbst, zu Moksha Kaivalya, zur Gottverwirklichung.

Das nächste Mal geht es um Karma und dem Sinn des Lebens, auch des relativen Lebens.

Mehr zu diesen und anderen Kommentaren findest du in meinem Buch „Die Yoga Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“.

Seminare zum Thema Yoga Sutra findest du bei Yoga Vidya. Es gibt auch eine 9tägige Weiterbildung zum Thema Raja Yoga. Es gibt Wochenendseminare zum Raja Yoga 2. Dort kannst du mehr lernen zum 2. Kapitel vom Yoga Sutra. Oder du kannst auch eine Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya machen. www.yoga-vidya.de

Die Kommentare ausführlich unter schriften.yoga-vidya.de

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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