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Tantrische Liebe

Yoga versucht den Körper mittels des Geistes zu beherrschen und den Geist mittels des Bewusstseins in die Stille zu führen - und so bringt Yoga die Praktizierenden auf seine Weise zum Ziel. Yoga ist durch sein breites Einstiegsspektrum für viele, ja letzlich für alle tauglich und wurde nicht per Zufall zur Massenbewegung. Bis weit in die Geschichte hinein konnte sich Yoga immer wieder großen Zuspruchs erfreuen. Tantra hingegen war und ist nur für Wenige ein Weg. Warum ist das so, wo es doch die Natürlichkeit propagiert, die jeder sich ersehnt und erhofft? Zwischen dem, was Menschen sich ersehnen und was sie sich davon zu erfüllen trauen, liegt ein hoher Berg, angehäuft aus Unwissenheit, Mutlosigkeit, Misstrauen und tiefen Prägungen durch jahrtausendealte bewusste oder unbewusste Fehlerziehung. Um Tantra zu verstehen und nicht sehr schnell misszuverstehen, bedarf es aber deiner wachen Intelligenz, deines mutigen Herzens und deines Vertrauens. Um für Tantra bereit zu sein, bedarf es ebenso eines gewissen Grades an Feingefühl, an Kunstsinn, an Sensibilität und einen nicht urteilenden Verstand. Tantra setzt ganz allgemeine Offenheit vorraus und eine natürliche Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit und Sexualität, die deiner Göttlichkeit nicht widerspricht, sondern sie gerade für dich erfarbar werden lässt. Tantra spricht dein Loslassen an, es arbeitet fast ausschließlich auf der Ebene des Vertrauens, eines intelligenten, sensiblen, wachen Vertrauens. Tantra vertraut. Vertraut dem tiefen Wissen jeder von Gott erschaffenen Zelle, sowie der vollkommenen Weisheit der Körper-Seele-Verstand-Einheit eingebunden in das höchste Sein. Tantra lehrt uns dieses:

Atme ganz entspannt und vertraue der sanften, webenden Kraft des himmlischen Atems in allem, in allen und in dir. Lasse deine Sex-Energie fließen und vertraue ihrer machtvollen Einsicht in die höchsten Dinge. Reiße weder die Lotusknospe gewaltsam auf noch hindere sie am Erblühen. Erlerne vom Wasser Bewusstheit über die Energien in dir. Lausche dem geheimnisvoll flüsternden Regen, dem all seine Gefühle ausplaudernden Plätschern und Rauschen des Baches, der mächtigen Stille der Ströme, den wutentbrannten oder vor Lebensfreude überschäumend tosenden Meereswellen. Erlerne vom Feuer Wachheit und Klarheit. Lasse in deinem Geist die Flammen der Erkenntnisse züngeln und lodern, die Blitze großer Einsichten erstrahlen und die Glut der Weisheit beständig dein Wohlwollen und deine Freundlichkeit nähren. Lerne vom Fels Beständigkeit in der Veränderung und Vergänglichkeit im ewigen Bestehen. Lerne von der gesamten Natur, deren Teil du bist – aber lerne immer mehr den Geist in ihr zu sehen, die Freude in ihr zu spüren und die Liebe aus ihr zu empfangen.

Lasse dich nun mit einem ebenso bewussten Partner auf euer beider „Spielendes Sein“ ein. Da ist kein Erreichenwollen, da ist keine Scheu. Und da darf Scheu sein und der Glaube an ein Ziel. Da ist eine große Offenheit, da ist ein Spenden von Vertrauen. Und da ist Rückzug und Verschlossenheit möglich. Da wird ein Geheimnis sichtbar und greifbar – und entzieht sich auch wieder. Da ist Lachen und Weinen, Freude, Trauer und Wut – und die Erinnerung an die schlichte Freude am Spielen. Da ist große Neugierde, da ist Verlangen, da ist Sehnsucht die sich Erfüllung wünscht. Und da ist lächelnde, beobachtende Gelassenheit. Da entsteht heißes Verschmelzen oder kühlende, erfrischende Auflösung. Da kommen Gipfelorgassmen, Talorgassmen, Freudeorgassmen. Entspanntes Nichtwissen und aufwühlende Erkenntnisse. Triebhaft schwitzend Körper, jenseitig duftende Körper.

Tantra ist eine Reise der Reise wegen. Und diese Reise macht dich freundlicher zu dir, zu deinem Körper, deinem Verstand, achtsamer in deinem Handeln und Denken, liebevoller zu all deinen Mitwesen in diesem großartigen Kosmos. Liebe, Achtsamkeit und Freundlichkeit sind die verheißungsvollen Lichttore, die dich zuletzt in die wahre Wirklichkeit eintreten heißen. Lasse nie nach, dich in all diesem zu üben, aufmerksam zu sein und – paradox - dich von der großen, hellen und dunklen Gelassenheit tiefer und tiefer ergreifen zu lassen.

~ Bhajan Noam ~

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

Ausbildungen: www.bhajan-noam.de

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Tags: Achtsamkeit, Atem, Bhajan_Noam, Glaube, Liebe, Natur, Natürlichkeit, Offenheit, Spiel, Tantra, Mehr...Vertrauen, Yoga

Kommentar von Bhajan Noam am 29. August 2012 um 8:40pm

Susan Byron: Das hättest du nicht besser oder schöner, ermutigender beschreiben können: formvollendet, weise formuliert, lustvoll ohne belehrend, glaubhaft ohne Guru-Getue, leidenschaftlich ohne pathos, fördernd-fordernd ohne aufdringlich... Gut getroffen, B.N., weil wegweisend-vorbildlich selber erlaubt-erlebt, ausgehalten, durchgehalten, durchwandert, verstanden.

Kommentar von Bhajan Noam am 1. September 2012 um 12:25am

Liebe Simone! Danke für Deine Zeilen, in denen Du Dich und Deine Lernprozesse sehr gut reflektierst. Ja, bleibe immer verspielt, bleibe kreativ, das Leben ist ein ununterbrochener phantasievoller Schöpfungsakt. Warte nicht auf eine neue Zeit. Die neue Zeit, wenn sie kommt, kommt durch neue Menschen. Bemerke, dass Du selbst schon einer dieser neuen Menschen bist, auf die du wartest! Dann hört das Warten auf und aller Raum gehört nur noch der Freude, dem wirklichen Leben. Ziemlich weit unten (18. September 2011) gibt es den Artikel "Yoga, Sex und kosmisches Bewusstsein" von mir, der das hier Geschriebene ergänzt. Om Shanti, Bhajan ***

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