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Sollten wir Yoga in einer „einfachen“ Sprache unterrichten?

Ich möchte hier sehr allgemein etwas dazu sagen und nicht auf ein gezieltes Ansagen von Übungen oder Meditationen eingehen. - Da Yoga nicht nur gedacht ist den Körper zu entspannen und fit zu halten, sondern auch den Geist oder Verstand anzuregen und von seiner Enge zu befreien, weiß ich nicht, ob wir beim Unterrichten in eine Art „Kindersprache“ verfallen sollten. Ich habe Meister erlebt, die sich mit Kindern oder ungeübten, vorkenntnisfreien Menschen unterhielten und sich dabei in keiner Weise in einen intellektuellen Tiefflug begaben. Trotzdem oder gerade deswegen sah man, dass sie sehr gut verstanden wurden. 

Wenn das, was auch immer wir sagen, authentisch ist, aus unserer tiefen Einsicht und aus unserem Herzen kommt, wird man uns geistig folgen können. Vielleicht nicht unmittelbar, aber etwas erreicht den Zuhörenden, was jenseits der Worte liegt, was sein Herz bewegt und seine Intelligenz, die jedem innewohnt, belebt. Der Funke der Wahrheit durchdringt alle Mauern. Wer aber nur auswendig gelerntes, also totes Wissen weitergibt, ob mit einfachen oder komplizierten Satzwendungen, kann keine Erkenntnisfunken im anderen erwecken.

Unabhängig davon sollte Sprache in einem gewissen Sinn immer einfach bleiben, ohne dabei den eigenen Wissensschatz und die tiefe Seelenbindung zu verleugnen. Je komplizierter, desto unwahrer ist das, was wir sagen. Wer sich gedrechselt ausdrückt, hat zumeist selbst den Kern nicht verstanden. Er windet sich drum herum und spürt dabei genau, dass etwas nicht stimmt. Andrerseits sollten wir aber niemanden durch vereinfachende und eindeutig scheinende Erklärungen des eigenen Erkenntnismoments berauben. Verbunden mit dem eigenen Herzen und verbunden mit unserem Gegenüber wissen wir, was zu sagen notwendig ist und werden ganz sicher auch verstanden werden.

Ein Nachsatz: Sprache ist wie Architektur. Sie kann zu einem wundervollen äußeren Ausdruck innerer Schönheit werden. Oder sie ist ein Ausdruck unseres zweckorientierten Denkens, dann ist sie sehr kalt, nutzbringend aber ohne Herz und ohne Weisheit. Oft ist sie nur ein Abbild von unserem inneren Chaos. In unser Denken wie in unser Sprechen müssen wir mit jedem Atemzug die Saat der Bewusstheit hineinsäen. So kann geistige Reife entstehen und ein zentriertes Sein, das die Blütendüfte des wahren Lebens versprüht, die jeder Schmetterling und jede Seele sehnlichst suchen.

- Bhajan Noam -      

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

© 2015 Text: Bhajan Noam

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Tags: Bewusstheit, Bhajan_Noam, Blütenduft, Denken, Geist, Herz, Intelligenz, Leben, Reife, Schmetterling, Mehr...Seele, Sprache, Sprechen, Verstand, Wahrheit, Yoga

Kommentar von Thomas N. am 28. Mai 2015 um 6:36am

Es kommt auch auf die Inhalte an.
Sehr oft sind zum Beispiel in Yogastunden zu den Anweisungen zu Bewegungen noch Erklärungen hinzugefügt, die aberfür andere, die gerade nur die Bewegunge ausführen wollen, unnötig sind (und die Konzentration stören können) oder sogar verwirrend sein können.
Das kann man zwar in einer Stunde "mit Erläuterungen" so machen, aber ob man das immer so machen will - mir erscheint das nicht sinnvoll.

Und weiter ist es eine Frage der Ausdrucksform. Wieviel Sanskrit benutzt man in den Bewegungsanweisungen? Ich denke es ist wichtig, hier eine klare Linie zu verfolgen, zum Beispiel: Worte kurz zu übersetzen, aber nicht jedesmal tiefer darauf eingehen.

Wahrheit ist zwar sicher eine Frage der Erkenntnis, aber sie soll ja vermittelt werden. Daher ist es sicher wichtig, immer das Niveau festzulegen, an das man sich richtet.

Om Shanti.

Kommentar von Bhajan Noam am 28. Mai 2015 um 1:58pm

Seht ihr, wie schwierig Sprache ist? Ich habe in meinem ersten Satz darauf hingewiesen, dass es hier nicht um die Anleitung von Hatha Yoga Übungen geht. Für mich ist Yoga, wie ursprünglich gedacht und beschrieben, etwas Ganzheitliches. Hatha Yoga ist ein winziger Ausschnitt davon. Mir geht es um die Persönlichkeit des Yogalehrers/der Yogalehrerin. Was hat er/sie von der Philosophie verstanden und vor allem verwirklicht. Hatha Yoga kann eines von vielen Medien innerhalb des Yoga sein, dieses verwirklichte Wissen zu vermitteln. Das ist der wesentliche Punkt. Asanas sind kein Selbstzweck. Über die Asanas und den Atem können wir die Menschen nach und nach zum Ursprung zurück führen, zur ursprünglichen Verbundenheit mit dem Göttlichen, zur Verbundenheit mit ihrem eigenen Wesenskern. Wie verbunden bin ich als Yogalehrer? Das ist die erste Frage, die sich der Unterrichtende selbst stellen sollte. Und die zweite: Wie kann ich meine spirituelle Erfahrung transportieren? - Darüber schreibe ich in meinem kurzen Artikel, ausschließlich. Ich würde mich freuen, wenn man in den Kommentaren an diese Gedanken anknüpfen würde. OM Shanti.  

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