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Nichtverhaftetsein an das Zuhause – Bhagavad Gita XII.19 I

Nichtverhaftetsein an ein Zuhause, ist eine Eigenschaft, die Krishna im 19. Vers des 12. Kapitels empfiehlt. Nicht verhaftet an ein Zuhause. Menschen denken: „Nur da bin ich zufrieden.“ Menschen verwenden so viel Energie, um ihr Zuhause so einzurichten. Und Menschen denken: „Nur so kann ich glücklich sein.“ Sei nicht verhaftet. Ich selbst habe viele Jahre in den Zentren von Swami Vishnudevananda gelebt und wurde dort immer wieder von einem Zentrum ins andere versetzt. Oft ohne mehr als 24 Stunden vorher Bescheid zu bekommen. Ich habe einen Anruf bekommen, da hieß es: „Du bist versetzt.“ Von New York nach Los Angeles, von einer Großstadt mitten aufs Land. Ich hatte oft auch gar kein Zimmer gehabt, ich habe im Yogaraum viele Jahre geschlafen. Ich habe zum Teil auf einem Brett oberhalb des Schreibtisches geschlafen, irgendwo in einem Hochbett. Und zum Teil hatte ich sehr arbeitssame Mitarbeiter. Das heißt, ich bin um elf Uhr oben schlafen gegangen, unten haben sie weiter am Computer und der Schreibmaschine gearbeitet. Ich habe festgestellt, egal, wo ich bin, ich kann zufrieden sein. Swami Vishnu hat gerne gesagt: „Die ganze Welt ist euer Zuhause. Seid nicht verhaftet an ein kleineres Zuhause.“ Jetzt überlege, wie du zu deinem Zuhause stehst. Es ist gut, sein Zuhause sattvig einzurichten, dass du dich wohlfühlst. Aber sei nicht verhaftet und wenn nötig, sei bereit, dein Zuhause zu verlassen. Viele Menschen denken immer: „Ja, ich muss noch größeren Wohnraum haben.“ Man könnte so viel mehr Freiheit haben z.B., wenn man wenig Quadratmeter belegt. Manche Menschen denken: „Je mehr Quadratmeter ich in meinem Zuhause habe, umso glücklicher bin ich.“ Eine kleine Wohnung, zwanzig, dreißig, vierzig Quadratmeter, wenn du allein bist oder vielleicht das Doppelte, wenn du zu zweit oder zu dritt bist, reicht vollkommen aus. Jeder Quadratmeter muss bezahlt werden. Dafür musst du mehr Geld verdienen. Dazu musst du mehr arbeiten. Dazu musst du mehr Ängste haben. Jeder Quadratmeter mehr ist mehr Arbeit, ihn sauber zu halten. Einfaches Zuhause ist eine gute Sache, glücklich zu sein. Oder auch wenn du mit einem Partner bist, der will vielleicht das Zuhause anders gestalten als du und vielleicht wirst du deshalb viel Streit dort haben. Überlass dem anderen vieles der Gestaltung des Zuhauses, solange es sattvig ist. Sei zufrieden mit dem, was das Leben bringt. Und wenn du alleine bist, verbringe nicht zu viel Zeit damit, dein Appartement einzurichten. Manche Menschen renovieren ihre Wohnung alle ein bis zwei Jahre, streichen es neu, spachteln usw. Wie viel Energieverschwendung. Wenn du in der Zeit zwei Tage lang intensiv praktizierst, hast du sehr viel mehr davon, du wirst sehr viel glücklicher. Sei einfach in deinem Zuhause, sei einfach in deiner Wohnung. Simplicity, simple living, high thinking, einfach leben, erhaben denken, gehört zu den Eigenschaften, die Swami Sivananda dem Schüler empfiehlt.

Unbearbeitete Niederschrift eines Bhagavad Gita Audio-Vortrags mit Sukadev Bretz. Mehr Infos:

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Tags: Bhagavad Gita, Bhagavad Gita Audio-Vortrag, Sukadev, tägliche inspiration

Kommentar von Turiya am 3. August 2012 um 4:01pm

Ich bin schon immer mit der kleinsten Hütte zufrieden gewesen, ich denke auch, es kommt wirklich nicht darauf an, wie groß oder wie luxuriös ein Zuhause ist, aber es ist doch ein Ort, an den man sich von der Hektik des Alltags zurückziehen kann, es ist der sichere Hafen für die Familie und es ist ein Ort, wo man in eine Gemeinschaft eingebunden ist. Deshalb hat das Zuhause für mich doch, wenigstens ideell, einen recht hohen Stellenwert für mich.

Kommentar von mk am 17. August 2012 um 12:17pm

Yo - Ursual, ich auch, Genuegsamkeit ist der Anfang grossen Reichtums!

Stimm dem Inhalt diese Beitrages grundsaetzlich und fast vorbehaltlos zu, mit einem kleinen Einwand, das fuer die Einstellung der Hablosigkeit, der Haus-und Besitzlosigkeit die letztendlich das Ziel sein sollten, hier in mitteleropaeischen Breiten, a.) schon mal die rein klimatischen Verhaeltnisse enorme Huerden darstellen, das sieht z.B. in Indien, wo diese Lehren herkommen, ganz anders aus!

Dort ist auch die Gesellschaft auf "Einsiedler" und Nomaden eingestellt, dort sind sie akzeptiert, es gibt dieseLebenseinstellung unterstuetzende Enrichtungen, Ashramas, Dhramsala's etc., zieh doch mal hier Eine/r in eine Hoehle, in den Wald, oder in ein unbewohntes Haus, Ruine.... schlaf mal vor/in einer Kirche... unsere Gesellschaft ist ganz anders orientiert und das Individium sieht sich hier weit mehr gesellschaftlichen Zwaengen ausgesetzt als z.B. in Indien oder anderen asiatischen Kulturen!

Hier geht es i.d.R. um "Haben und Sein", wobei das Haben das Sein reguliert, "hast du was, bist du was" und dem Ganzen liegt ein allgemein gefoerdertes, wie zugrunde gelegtes Sicherheitsdenken, alles ist auf "denke mal an spaeter", also auf die Angst "spaeter" also im Alter, hilf-wie mittellos zu sein, aufgebaut ist, obwohl gerade die Gesellschaft der "westlichen Leitkultur" unzaehllige "soziale Einrichtungen und Dienste" bereitstellt!

Hier heisst laut Dekret der Gesetzgebung "Ohne festen Wohnsitz = Obdachlosigkeit" da finden sich die Randerscheinungen in einem Milieu das die unterste Schwelle dieser "Leitkultur" darstellt und von vielen mit Abneigung als mit dem Willen zu Foerderung und Unterstuetzung zu begegnen!

So gibt es z.B. in Australien keine Meldepflicht... was wiederum as"nomadiseren erlaubt, es gibt auch keinen "Personal Auweis", dort reicht der Fuehrerschein oder eine EC-Karte oder aehnliches um sich auszuweisen, also keine gesetzlichen Zwaenge zu Personalien der Person und Wohnsitz!

Hier: kein Wohnsitz, keinen Ausweis, oder mit Eintrag: "ohne festen Wohnsitz", dan gibt es nur schwerlich z.B. ein Konto.... etc. etc. etc.

So werden in unzaehligen indischen Tempeln Mahlzeiten gereicht, es gibt Dharmasala's in denen mittellose Unterkunft finden, nach wenigen Tagen, so die Regel, muessen sie weiterziehen... hier sind das Bahnhofsmissionen oder Asylsheime von Wohlfahrtsverbaenden... die i.d.R. das ganze Gegenteil sind und Auffangbecken der Gestrauchelten dieser Gesellschaft darstellen, die "Abgeschrieben" wurden, weil meist Suchtkrank und als "nicht integrierbar", "unvermittelbar" abgestempelt, sicher gibt es die "Streetworker" und Sozialarbeiter... es ist eben ein ganz anderes Bild, als das Gefuege das in der Kultur besteht aus dem diese Lehren stammen!

Sehr zu begruessen ist in dem Zusammenhang, der Umstand, das z.B. mit dem "YV - Mitarbeiter" Schema eine solche Moeglichkeit, wenn auch mit gewissen, vielleicht notwendigen, Einschraenkungen, geschaffen wurde!

- ॐ -

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Kommentar von Turiya am 17. August 2012 um 6:11pm

Sukadev berichtet ja von seinem eignenen Leben, um dieses Thema auszumalen und zu unterstreichen. Aber es ist das Leben eines einzelnen, der immer entweder in einem Ashram oder in einer Yoag-Gemeinschftaft gelebt hat, in die er eingebunden war und wo er diese von dir, mk, angesprochenen Sicherheiten, also ein Dach über dem Kopf und Essen täglich mit einiger Sicherheit hatte.

Aber nicht jeder lebt alleine und nicht jeder lebt als Mönch oder als Teil einer Yoga Gemeinschaft. Die meisten Menschen in Deutschland gehen irgendeiner Arbeit nach, mit der sie ihr Geld verdienen, haben eine Familie, also zumindest einen Ehepartntner und Kinder und vielleicht auch noch andere Verwandschaft, also z.B. auch alternde Eltern, um die man sich kümmert, dann muss man irgendwo wohnen, also einen Mietvertrag unterschreiben oder ein Haus kaufen, damit verbunden ist oft ein Kreditvertrag mit einer Bank und dann hat man ja auch noch seine Nachbarschaft und andere Bekannte und wenn man dass alles von heute auf Morgen
abschütteln will, also alle Anhaftungen aufgeben will, ist das doch für den deutsch Durchschnittsmenschen gar nicht so einfach.

Deshalb denke ich, muss man als auch hier ein "gesundes" Mittelmaß, angepasst an die örtlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten finden.

Aber es schadet natürlich auch nicht, wieder einmal daran zu erinnern, das man im Materiellen nicht das wahre Glück und echte Befriedigung finden wird und dass es sich einfacher leben lässt, wenn man nicht zu viel materielle Dinge um sich herum anhäuft und auch mit weniger zufrieden ist. Zum Beipsiel wenn man die Möglichkeit hat, ein paar Stunden pro Woche weniger zu arbeiten und dafür mehr Zeit hat, mit der familie zusammen zu sein.

Viele lassen sich halt in den Strudel mit hineinziehen und machen sich nicht wirklich ernsthaft Gedanken, was wirklich wichtiger ist im Leben mehr Geld oder mehr Zeit und wie man das für sich persönlich umsetzen und verwirklichen kann und ich denke da gibt es doch mehr Möglichkeiten als man denkt. Zum Beispiel eben nicht das Haus kaufen und sich für jahrzehnte verschulden und binden oder eben weniger Stunden pro Woche arbeiten oder eine ganz andere Tätigkeit suchen.

Ich selbst habe das für mich umgesetzt und arbeite nur wenig und lebe bescheiden, habe dafür viel Zeit zur freien Verfügung und kann wenn ich will und mir dananch ist ellenlange Beiträge in Foren schreiben ;-)

Kommentar von mk am 17. August 2012 um 6:28pm

@ursula: so hatte ich das auch verstanden, das war eben "mein kleiner Beitrag" zu der eigentlich, wie du richtig schreibst, sehr komplexen Thematik, besonders eben hier in einer Leistungsgesellschaft, darstellt!

Und SICHER ist, das weniger "mehr" ist, ganz sicher, vor allem was die Freiheit und "haben wollen" anbetrifft!

hari bhol!

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