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„Krishna der Geheimnisvolle, Lichtvolle“

Gott hat viele Namen, viele Formen, viele Manifestationen. Eine davon nennt sich Krishna und Krishna heißt wörtlich „der Dunkle, der Geheimnisvolle“. Das steht auch dafür, dass Gott letztlich schwer zu beschreiben ist. Er ist schwer zu erklären, schwer, intellektuell zu beschreiben. Obgleich es ganze Theologien gibt, die versuchen zu erklären, was ist Gott. Ganze Philosophien, wie die Vedanta Philosophie. Oder ganze praktische Bücher: „Wie kommen wir dazu, Gott zu verwirklichen.“
Trotzdem, Gott bleibt geheimnisvoll. Es ist eine Angelegenheit des Herzens und im Herz können wir ihn spüren. Ein anderer Name für Krishna und damit für Gott ist Vasudeva. „Deva“ heißt wörtlich „der Lichtvolle, der Leuchtende, Strahlende“. „Vasu“ steht für alle Geschöpfe. Gott ist das Licht aller Geschöpfe und Gott erleuchtet den Weg aller Geschöpfe. Und obgleich Gott dunkel, geheimnisvoll ist, ist Krishna oder eben auch Vasudeva, leuchtend. Er ist in uns, dies Licht der Liebe im Herzen. Er ist das Licht der Intuition in unserem Intellekt. Er ist das Licht letztlich, mit dem wir das Göttliche auch überall sehen und erkennen können.
Dann ist er Yashodha Bhal. Yashodha ist die Mutter von Krishna. „Bhala“ heißt „der Sohn“. Yashodha Bhal, wie wir es eben in dem Lied gehört haben, heißt „Sohn von Yashodha“.
Und Yashodha in der Mythologie ist die Ziehmutter von Krishna, noch nicht mal die leibliche Mutter von Krishna. Da steckt auch eine gewisse Symbolik dahinter. Es gibt auch Devaki, als die eigentliche Mutter von Krishna. Aber die war gefangen genommen worden und im Gefängnis. Und da hieß es, wenn gesehen worden wäre, dass sie ein Kind geboren hätte, wäre sie umgebracht worden. Lange Geschichte. Jedenfalls hat ihr Mann, der Vater von Krishna, deshalb Krishna kurz nach der Geburt weggetragen und zu Yashodha gebracht, die ihn dann adoptiert hat.
Das heißt aber auch, (die meisten Menschen, die hier anwesend sind, sind ja nicht j in Indien geboren und mit Krishna aufgewachsen. Manche sind atheistisch erzogen, manche christlich, manche auf andere Weise, manche in einer eher engeren Gottesvorstellung oder weiteren) wir können Gott auch zu einem späteren Zeitpunkt unseres Lebens adoptieren auf eine gewisse Weise. Zwar ist Gott allumfassend, ewig, überall, aber wenn wir uns damit nicht von Kindheit an beschäftigt haben, können wir irgendwann Gott in unserem Herzen adoptieren oder man könnte auch sagen, die Energie von Gott zulassen.
Gott spielt auf verschiedene Weisen mit uns. Es gibt viele wunderbare Geschichten von Yashodha. Krishna war nicht nur einfach ein freundliches Kind. Vielleicht im Unterschied zu Rama, einer anderen Manifestation von Vishnu und damit von Gott. Rama war immer freundlich, immer zuvorkommend und höflich. Er war eigentlich das artigste Kind, das man sich vorstellen konnte. Krishna war das unartigste Kind, das man sich vorstellen kann. Heute würde man vermutlich sagen, er hat unter ADS, Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, gelitten. Er konnte nie stillsitzen, hat immer alles Mögliche gemacht und so spielt Gott auch mit uns.
Immer dann, wenn wir die Vorstellung haben, jetzt sollte doch alles in Ruhe sein, dann wirft Gott wieder alles über den Haufen. Damit hält er uns auf unseren Zehen. So wie Swami Vishnu dann gesagt hat: „God keeps you on your toes“. Gott hält uns auf den Zehenspitzen, dass wir es uns nicht zu gemütlich machen. Es geht darum, wir wollen Gott erkennen, wir wollen Gott erfahren, wir wollen Gott fühlen.
Und so hat Krishna immer wieder die Aufmerksamkeit von Yashodha auf sich gezogen und sich immer eigenartig verhalten und Krishna hat so immer wieder Yashodha erinnert daran, dass Gott das Wichtige ist. Nicht diese und jene Pflicht, sondern in dieser Pflicht auch Gott.
Höhepunkt der Geschichte von Krishna und Yashodha ist schließlich so: Yashodha hat den Krishna mal aufgefordert, er soll den Mund aufmachen. Denn Krishna hatte angeblich Schlamm gegessen. Und das darf natürlich ein Kind nicht tun. Dann sagte Krishna: „Mami, ich hab nichts Schlechtes gemacht.“ Sagte Yashodha: „Öffne deinen Mund!“ Und Krishna öffnete den Mund. Was sah Yashodha dort? Zunächst sah sie nur den Schlund, dann sah sie aber das ganze Universum und sie sah das Unendliche und sie sah die Vergangenheit und die Gegenwart und die Zukunft, sie sah sich in der Zukunft, in der Gegenwart. Sie sah die ganze Erde, das ganze Universum. Sie sah den Anfang und das Ende vom Universum. Schließlich sah sie die volle Transzendenz. Gut, danach sagte Yashodha: „Danke, mach deinen Mund wieder zu.“ Und da steckt auch viel dahinter.
Letztlich, wir können Gott im Alltäglichen sehen. Manchmal in etwas ganz Banalem. Viele Eltern können das durchaus erleben, dass sie in ihrem Baby plötzlich Gott sehen.
Aber dann muss auch anschließend der Alltag wieder kommen. Auch nach dieser Erfahrung der Transzendenz. Ganz einfach sagt Yashodha: „Danke, mach den Mund wieder zu.“ Und so geht das Leben auch dann weiter, wenn wir mal die transzendente Erfahrung gemacht haben.
Wir haben ja in diesem wunderschönen Lied gehört, Krishna in seinen verschiedenen Aspekten, wie er unser Herz berührt. Wie wir uns letztlich darum kümmern, Gott zu verwirklichen. Gott kümmert sich um uns und richtet immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf Sich oder man kann auch sagen auf Es, das Absolute, oder auf Sie, die kosmische Mutter. Jedenfalls auf das Transzendente, das sich immer wieder bemerkbar machen will.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

Kommentar von christa am 7. März 2009 um 3:58pm
wundervolle erklärung danke

Kommentar

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