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In Salomons Garten - Alte Weisheit für die heutige Zeit (7)

 
"Aber wer mich (die Weisheit) verfehlt, beraubt sich selber,
all meine Hasser lieben den Tod." 8.36
 
© 2016 Kommentar: Bhajan Noam Begriffe, über die man spricht, wollen definiert sein, sonst ist alles Reden oder Schreiben vergebliche Mühe. Ohne klare Einordnung entwickelt sich bisweilen kein Verständnis beim Gegenüber oder es kommt zu Missverständnissen. Noch heilloser kann es werden, wenn der Lesende oder Hörende glaubt, verstanden zu haben, doch er hat mangels eindeutiger Definitionen gänzlich am Sinn vorbei oder gar das Gegenteil verstanden. Sprache kann ein Weg zu klaren Berggipfeln sein oder ein Sturz in eine dunkle Fallgrube. Deshalb bewegen sich die meisten Menschen verbal auf einer eher seichten Ebene, wo in zweierlei Hinsicht nicht viel passieren kann.
 
In den Sprüchen Salomons steht der Begriff „Weisheit“ im Mittelpunkt. Wir hören dieses Wort, aber jeder hat seine eigene Vorstellung davon oder glaubt unhinterfragt zu verstehen, ohne in sich selbst erforscht zu haben, was dieser Begriff für ihn bedeutet, was er damit assoziiert. Wenn wir hier weiterhin über die Weisheit sprechen, ist es an der Zeit, Klarheit zu erzeugen. – Weisheit lässt sich auf dreifache Weise definieren oder in drei Kategorien bzw. Ebenen einteilen. Die erste Ebene nenne ich „Die Weisheit aus sich selbst heraus“, die zweite lautet „Die Weisheit von Gott“ und die dritte heißt „Die Weisheit des Seins“ oder „Das Namenlose“.

„Die Weisheit aus sich selbst heraus“ entspricht dem allgemeinen Verständnis von Weisheit in unserer Hemisphäre. Wir meinen damit ein Denken, Kommunizieren und Handeln, das wir aus unserer Lebenserfahrung schöpfen. Sie betrifft unsere Charakterbildung und unsere praktisch gelebte Empathie gegenüber den Mitmenschen. Ein Weiser dieser Kategorie ist jemand, der das Leben in seinen Höhen und Tiefen erfahren hat, der über vieles tief nachgesonnen hat, der sich eine gewisse Rhetorik angeeignet hat oder dem es gegeben ist, alleine durch sein schweigendes Dasein Dinge zu bewegen, Menschen zum Nachdenken zu animieren, Streit zu schlichten, eine neue Sicht in den Anwesenden zu wecken. Wir schätzen in der Regel diese Menschen sehr. Sie bereichern mit ihrer Selbstlosigkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft das Dorf, die Gemeinschaft oder die Familie, in der sie leben.

„Die Weisheit von Gott“ kann allmählich, doch meist plötzlich über die unterschiedlichsten Menschen herabkommen. Sie ist eine Berufung oft ohne eigenen Willen, ohne gerechtfertigten Verdienst, ohne stufenweise Heranbildung, ohne eine sichtbare Schulung. Häufig wissen die Betroffen selbst nicht, wie ihnen geschieht. Ihr Mund spricht segensreiche Worte, die nicht ihrem eigenen Denken entspringen. Sie handeln spontan und erleben dabei ihr eigenes Erstaunen darüber. Ihr Verstand reicht nicht an ihre Worte und Taten. In der Bibel wird diesbezüglich von der Weisheit gesprochen, die von Gott eingegeben wird. Wir nennen es allgemein Intuition.

Die dritte Weisheitsebene aber, in der sich ein König Salomon, ein Buddha, ein Jesus bewegen, ist die „Weisheit des Seins“. Sie ist keine Philosophie, keine Lebensklugheit, keine Charakterstärke und keine Herabkunft. Die Weisheit des Seins ist das, worüber ich seit dem ersten Kommentar schreibe. Sie ist ein Angekommensein, ein Erwachtsein oder schlicht das „Namenlose“. Im Sein angekommen ist man eins mit der Existenz, es gibt keine Trennungen mehr – und damit fallen zugleich alle Begriffe. Der Wissende weiß, der Gottessohn, die Gottestochter IST.

Weisheit in diesem Sinn ist frisch, sie ist nie von gestern. Sie schöpft stets jetzt, in diesem alleinigen Augenblick, aus der Quelle des Lebens. Auch die Schöpfung ist neu, sie geschah nicht vor Millionen von Jahren, sie ereignet sich jetzt. Gott erschafft jetzt die Sterne, die du gerade siehst, die Blumen auf den Feldern, die Bäume – jede Blüte, jedes Blatt entquillt in dieser Sekunde der Existenz. Die Weisheit des Seins ist: Jesus hält hier und jetzt seine Bergpredigt für dich, in diesem Augenblick spricht Buddha die heiligen Sutras, Kabir singt heute seine Verse und König Salomon ist ganz leibhaftig in diesem Raum zugegen.

Deswegen kann König Salomon auch als Weisheit in persona auftreten, ihre Worte sind seine Worte, sind Gottes Worte, sind das Lied der Ewigkeit. Wer sie verfehlt, beraubt sich selber. Auch du bist die Weisheit, auch du bist das Göttliche. Entfernst du dich künstlich, beraubst du dich selbst deiner Heimat, deines Seins, welches zugleich das große SEIN ist. „All meine Hasser lieben den Tod“. Wer ist ein Mensch, der hasst? Er ist jemand, der nicht weiß, wie man Liebe anders ausdrückt als durch Ablehnung, Verneinung, Vermeidung. Auch jemand, der hasst, liebt, weil es niemanden gibt, der nicht lieben kann. „All meine Hasser lieben den Tod“, sagt Salomon als Stimme der Weisheit. Sie lieben und suchen den Tod, weil er sie zum Leben führt. Sie kennen die direkte Pforte nicht. – Doch niemand wird schneller zum Liebenden, als der Mensch, der in Hass versunken ist. Niemand wird schneller erwachen, als der Mensch, der den tiefsten Punkt der Nacht bereits erreicht hat.
 
- Bhajan Noam -
 
Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com
 
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Tags: Bewusstsein, Bhajan_Noam, Gott, Herz, Kommentar, Leben, Liebe, Mensch, Salomon, Schulung, Mehr...Spruch, Verständnis, Weisheit

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