mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

In Salomons Garten - Alte Weisheit für die heutige Zeit (6)

Ein Mann der Untat geht umher mit gekrümmtem Munde. Hat Ränke im Herzen, schmiedet Unheil zu aller Zeit; stiftet Zänkereien an. Darum kommt plötzlich sein Sturz; jählings wird er umgebrochen ohne Heilung.“ 6.12,14,15

 

© 2016 Kommentar: Bhajan Noam - Das Schöne an König Salomons Sprüchen ist, in ihnen findet kein Moralisieren statt, es werden nur Fakten aufgezählt und logische Schlüsse gezogen: Dies ist die Ursache, das sind die Wirkungen. Du kannst soundso leben, dich soundso benehmen und daraus wird dies oder jenes entstehen. Du selbst bestimmst dein Leben, du alleine bist verantwortlich für dich und dein Tun. Die Schriften der Weisen, der Propheten und Gottesmänner geben dir die Richtlinien, legen dir auf einfache Weise die kosmischen Gesetze dar. Du bist also informiert, du kannst dich nicht herausreden. Alle Folgen, die dich treffen, sind keine Launen eines ungewissen Schicksals, sondern offensichtliche Auswirkungen deines Denkens, Redens und Handelns. Der Buddha sagte: Wir sind das, was wir denken.
Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit unreiner Gesinnung
und Leid wird dir folgen
wie das Rad dem Ochsen folgt,
der einen Wagen zieht. – Sprich und handle mit reiner Gesinnung
und Glück wird dir folgen
wie dein unteilbarer Schatten.“  Im realen Leben sind die Dinge oft nicht so klar und eindeutig. Aber wir alle können erleben, dass es gerade der Widerspruch in seiner zweifachen Bedeutung ist, der uns auf eine immer höhere Ebene der Wahrheit trägt. „Sie sind ein Volk des Widerspruchs“, sagte Gott über sein Volk durch den Mund des Propheten Ezechiel.

Ein Mann der Untat geht umher mit gekrümmtem Munde. Hat Ränke im Herzen, schmiedet Unheil zu aller Zeit; stiftet Zänkereien an. Darum kommt plötzlich sein Sturz; jählings wird er umgebrochen ohne Heilung.“ – Dieser Spruch König Salomons ist sehr tiefgründig, vieles will er uns mitteilen, deshalb wollen wir ihn uns sorgfältig Wort für Wort anschauen. – „Ein Mann der Untat geht umher mit gekrümmtem Munde.“ – Oberflächlich werden hier zunächst Handlung und Körper- bzw. Gesichtsausdruck nebeneinandergestellt. Die Untat – und der gekrümmte Mund. „Untat“ ist ein Synonym für destruktives, verborgenes, betrügerisches, sittenwidriges, verbrecherisches Handeln. Der „gekrümmte Mund“ ist einerseits eine sichtbar angespannte, verzerrte, verzogene, schiefe Mundstellung und andrerseits ein Ausdruck für verbogene, verfälschte und lügenhafte Worte: die gebeugte Wahrheit. Ein Mann der Untat, ein Verbrecher, ist zwangsläufig auch ein Lügner – und sein Mund zeigt es. Selbst wenn er Lächelt, ist das Lächeln gekrümmt, verzerrt, irgendwie nicht echt, nicht vom Herzen her. Es ist überlegt eingesetzt, es ist eine Strategie. Aber der Kopf kann nur fehlerhaft imitieren, was ein reines Herz auf seine natürliche Weise uns zeigt. 

Auf einer tieferen Ebene ist ein „Mann der Untat“ das Produkt einer barbarischen Erziehung seitens unbewusster Eltern und Lehrer innerhalb einer primitiven, verrohten, unkultivierten Gesellschaft, in der Religiosität und Humanität nicht, oder nur scheinbar, Fuß gefasst haben. Alle Verbrechen, die er plant und durchführt, wurden in seiner Kindheit an ihm begangen. Er wurde misshandelt, er wurde geschlagen, er wurde belogen und betrogen, er wurde alleine gelassen, er wurde seines angeborenen Gewissens beraubt, niemand stärkte ihm das Rückgrat, niemand hielt ihn liebevoll in seinen Armen, niemand flüsterte ihm die Vokabeln der Liebe ins Ohr, niemand lehrte ihn Weisheit, niemand vermittelte ihm die Gesetze der Harmonie, niemand unterwies ihn in das Recht der Brüder- und Schwesterlichkeit  – nur die Gesetze der Gewalt und das Recht des Stärkeren oder Schlaueren, die Paragrafen der Verschlagenheit brachte ihm sein Umfeld von früh an bei. 

Der „Mann der Untat“ ist in Wahrheit unser geheimes Spiegelbild, das Bildnis eines Dorian Gray. Alltäglich betrachten wir mit mehr oder weniger Wohlgefallen unser altvertrautes Spiegelbild im Badezimmer, niemals gehen wir in den Keller, in unsere lang vergessene und verstaubte Abstellkammer, um uns dort in jenem uralten, gefleckten und mehrfach gesprungenen Spiegel einmal mutig entgegenzutreten. Vielleicht wäre uns dann der Mann oder die Frau der Untat auf einmal gar nicht mehr so fremd. Oscar Wilde schreibt in seinem Buch ‚Das Bildnis des Dorian Gray’: „Als der Maler auf die anmutige Gestalt blickte, die er so schön in seiner Kunst gespiegelt hatte, überflog ein Lächeln der Freude seine Züge und schien auf ihnen verweilen zu wollen. Aber er fuhr plötzlich auf, schloss die Augen und drückte die Lider mit den Fingern zu, wie wenn er einen absonderlichen Traum, dessen Erwachen er fürchtete, im Hirne gefangen halten wollte.“ – Auch wir drücken unser Leben lang die Augen vor diesen „absonderlichen Träumen“ zu, weil wir tief in uns wissen, dass es keine Träume, keine Phantasien, keine Wahnbilder sind, dass es nackte Realität ist, die von uns alleine erzeugt wurde und täglich weiterhin erzeugt wird. Wann endlich überschwemmt eine wilde Flut unseren dunklen Keller und spült Wahrheit über Wahrheit Schicht für Schicht unter das Licht des Himmels? 

„Ein Mann der Untat... hat Ränke im Herzen, schmiedet Unheil zu aller Zeit; stiftet Zänkereien an.“ – In einem Herzen, das seines Gewissens beraubt wurde, hat sich die einst reine, ja, heilige Energie nach und nach in kriminelle Energie gewandelt. Herzensenergie ist natürlicherweise eine kühlende, mitfühlende, ausgleichende Energie, doch ohne göttliche Führung kann sie zu einem zerstörenden Feuer werden, das „Unheil schmiedet zu aller Zeit“. – Ein meditativer Mensch, ein Mensch ohne Verlangen sucht sich einen stillen, kühlen Ort im Schatten eines Baumes, um in seinem Herzen dem Göttlichen nahe zu sein. Ein verlangender Mensch, ein unzufriedener Geist, sucht Streit, sucht Reibung, sucht die Hitze des Kampfes, des Krieges. Der Meditierende stiftet Frieden, wo immer er erscheint. Der Unzufriedene stiftet Zwietracht durch seine bloße Anwesenheit. Von ihm geht eine Energie der Zerstörung aus, die in Wahrheit jedoch nichts als ein sehnsuchtsvoller Schrei nach Liebe und Einheit ist. 

„Darum kommt plötzlich sein Sturz; jählings wird er umgebrochen ohne Heilung.“ – Wie lange kann ein gebrochenes Herz überleben? Die Psychologen sagen, dass Liebesentzug, Angst, Stress und alle emotionalen Belastungen ein signifikant höheres Risiko für einen Herzinfarkt bilden wie Rauchen und Bluthochdruck. Oft gibt es keine Vorwarnung oder die leisen Zeichen und Rufe des Köpers werden übersehen und überhört. Wessen Herz, wessen Seele in der Kindheit vergewaltigt wurde, der treibt als Erwachsener unwissend dieses Spiel mit sich selbst und mit anderen weiter. Einzig ein plötzlicher Schock vermag ihn noch aus seiner unbewussten Gewohnheit, aus einem albtraumhaften Dasein zu wecken. Gott lässt seinen Thronsaal nicht auf Dauer verwüsten. Nachdem er mit schier endloser Geduld dem Treiben zusah, wirft er mit lauter Donnerstimme die verirrte Seele an die frische Luft. Der Körper mag dabei zwar „umbrechen ohne Heilung“, doch die Seele darf ihre Wunden in Gottes Licht und Nähe heilen, um in ein neues, etwas bewussteres, etwas höheres Dasein zurückzukehren. Stufe um Stufe lernt sie Vertrauen, lernt sie Hingabe, lernt sie die Gesetze, erfährt sie Weisheit und allumfassende Liebe.

Bhajan Noam -
 
Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com
 
 
****

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 174 X ANGESCHAUT

Tags: Bewusstsein, Bhajan_Noam, Gott, Herz, Hingabe, Kommentar, Leben, Liebe, Mensch, Nähe, Mehr...Salomon, Seele, Spruch, Vertrauen, Weisheit

Kommentar

Sie müssen Mitglied von mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen