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Hatha Yoga Pradipika, 2. Kapitel, 9. Vers: „Der Yogaübende sollte Puraka, Einatmung, durch das gleiche Nasenloch ausführen, mit dem er Rechaka, Ausatmung, ausführt. Und nachdem er den Atem bis aufs Äußerste angehalten hat, bis er mit Schweiß bedeckt ist oder bis sein Körper zittert, sollte er langsam ausatmen, niemals schnell, da das die Energie des Körpers verringern würde.“

Hier nochmals die Fachausdrücke, die Swatmarama ab dem siebten Vers gebraucht hat. Erstens, Padmasana ist die LotusstellungPrana ist die LebensenergieIda ist das linke Nasenloch und der Energiekanal in der linken Körperhälfte. Pingala ist das rechte Nasenloch bzw. der Energiekanal der rechten Körperhälfte, der am rechten Nasenloch endet. Einatmen ist Puraka, Anhalten ist Kumbhaka, Rechaka ist Ausatmung. All das gilt es, im Gleichgewicht zu halten. Er sagt, man sollte den Atem bis aufs Äußerste anhalten.

Aber zunächst mal, es gilt einatmen und es gilt ausatmen. Auch hier steht wieder, geben und nehmen, empfangen und wieder loslassen. Es heißt auch, dass du nicht einfach nur Dinge ansammelst, sondern das Leben ist in vielerlei Hinsicht ein Rhythmus. Es ist ein Rhythmus zwischen Ida und Pingala. Es ist ein Rhythmus zwischen Dualität, also Ida, Pingala, und Einheit, also Kumbhaka oder Sushumna. Es ist ein Rhythmus zwischen einatmen und damit empfangen, Puraka, und ausatmen und damit loslassen, Rechaka. Und es ist, auch wiederum kann man sagen, ein Rhythmus zwischen Einatmung, Ausatmung und Anhalten, denn einatmen, ausatmen, geben, empfangen, ist ja auch wieder Dualität. Und die Dualität wiederum hat als Polarität die Einheit. Und auch hier gilt wieder, es gibt einen Moment, wo du nicht geben musst und wo du nicht empfangen musst, wo du einfach nur bist. Und so kannst du jetzt darüber nachdenken, ob in deinem Leben Geben und Empfangen im Gleichgewicht ist.

Es gibt manche Menschen, die nehmen immer. Und es gibt manche Menschen, die geben immer und die finden es ausgesprochen schwierig, von jemand anderes etwas anzunehmen. Vielleicht gehörst du zu denen, die sind nämlich unter den Yogaübenden gar nicht so selten. Yogaübende sind ja oft Idealisten, sie wollen etwas Gutes bewirken, sie wollen anderen Gutes tun. Sie vergessen dabei, dass sie auch anderen die Möglichkeit geben sollten, auch ihnen etwas Gutes zu tun. Vom Grundsatz her, wenn dir jemand einen Gefallen tun will, dann nimm ihn an. Wenn dir jemand helfen will, dann nimm die Hilfe an. Und wenn du etwas brauchst, dann bitte um Hilfe. Ja, das ist auch wichtig. Wenn du immer nur gibst, gibst, gibst, dann verhärten sich die Herzen der anderen. Das klingt komisch. Durch das Geben kannst du zwar dein Herz öffnen in Liebe und wenn du gibst, können auch andere Menschen ihr Herz in Liebe öffnen, aber wenn jemand sein Herz öffnet in Liebe, dann will er dir auch etwas geben. Wenn du dann das nicht annimmst, was der andere dir geben will, dann verschließt sich sein Herz wiederum. Das ist etwas Wichtiges.

Du tust anderen Menschen einen Gefallen, indem du von ihnen etwas annimmst. Vielleicht gehörst du aber auch zum Gegenteil, du nimmst immer Dinge an, ohne etwas anderen zu geben. Dann sei dir bewusst, ausgenützt werden will auch keiner. Daher, habe dieses Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen, zwischen etwas für andere tun und Gefallen von anderen annehmen. Aber zusätzlich dazu gibt es auch die Verbundenheit, ohne Geben und Nehmen. Du kannst dich mit Menschen verbunden spüren, einfach so, ohne irgendetwas von ihnen zu wollen und ohne ihnen etwas tun zu müssen, ohne verpflichtet zu sein und ohne andere für dich zu verpflichten, einfach sein. Auch dafür steht wiederum Kumbhaka, das Anhalten. Denke jetzt über diese drei Dinge nach. Denke darüber nach, dass du geben willst. Denke darüber nach, dass du auch bereit bist, von anderen zu empfangen. Und denke darüber nach, wie wichtig es ist, dich verbunden zu fühlen, absichtslos, im Hier, Jetzt einfach sein.

 

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Hatha Yoga Pradipika Audio-Vortrags mit Sukadev Bretz. Mehr Infos:

 

 

 

 

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Tags: Hatha Yoga Pradipika, Hatha Yoga Pradipika Audio-Vortrag, Sukadev, tägliche inspiration

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