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Ein Volksspruch, Patanjali und die Philosophie über das "Warum"

Warum ist die Banane krumm, 
weil keiner in den Urwald zog 
und die Banane grade bog.
Doch mach dir keinen Kummer,
der Schwanz vom Schwein ist krummer.

(Volksweisheit)

© Text: Bhajan Noam

Warum erhebe ich diesen törichten Kinderreim aus dem Volk zu einem Weisheitsspruch? Vielleicht ist das Volk, vielleicht sind ja Kinder gar nicht so dumm, wie wir selbst glauben und es jenen unterstellen. Kinder haben noch einen unmittelbareren Zugang zur Quelle wie die meisten Erwachsenen. Sie sind gerade erst den Tiefen des Allgeistes entstiegen. Dorthin brachten sie die Erfahrungen aus vielen Leben mit und dort wurden sie von allem Unwahren und Unechten gereinigt. Sie bringen also ein Stück ursprüngliche Reinheit und Weisheit mit in dieses Leben und auf diesen nicht besonders kultivierten Planeten.

Es geht in diesem Vers um die Frage "warum?". Auf die Frage "warum?" kann man ganz allgemein nur sehr bruchstückhaft antworten, weil aus jedem Warum ein neues Warum erwächst. Es ist wie bei einem beschnittenen Baum. Du schneidest einen Ast ab und im kommenden Jahr treiben an der Stelle eine Unzahl neue Äste aus. Warum ist eine Energie, die ins Leere zielt. Es ist gar nicht wirklich an einer Antwort interessiert. Das Warum ist sich selbst stets wichtiger als die weiseste Antwort. 

Das haben imaginativ und inspirativ die Weisen erkannt und das hat instinktiv auch das Volk erkannt. Weil die Frage selbst irrational ist, kann sie nur mit einer irrationalen Antwort durchbrochen werden. Mit Unsinn oder mit Schweigen. - Interessant und relevant für unser Leben ist nur das Wie. Das Warum kann uns zwar Hintergründe aufdecken, doch hinter diesen Hintergründen geht es bis in Ewigkeiten weiter. Letztlich bleiben wir im ewig fragenden Intellekt hängen und drehen uns im Kreis.

Ein Warum ist plaudersüchtig. Was macht hingegen ein Wie, das wir ihm hier gegenüberstellen wollen? Das Wie führt uns zu konkreten Antworten, sei es in rein praktischen Bereichen oder im Spirituellen. Das Wie zeigt uns Wege und gibt uns echte Hilfen an die Hand. Das Wie macht uns immer mehr unabhängig, selbständig, eigenverantwortlich. Ein Warum hält uns in ewiger Sklaverei. Deshalb durchkreuzen die Weisen ein Warum oder gehen einfach nicht darauf ein.

Ein Patanjali sagt dir, tue im Yoga Dies und Das und du wirst diesen und jenen Erfolg haben. Er zeigt dir, wie es geht und hat dabei eine ganz klare Hierarchie. Er sagt, tue Dies, dann geschieht Das, tue Das und du schreitest weiter fort zu Jenem. Folgst du Patanjali, ganz ohne ein Warum, folgst du seinem Wie, dann bewegst du dich fast auf einer Schnellstraße zur Erleuchtung. Patanjali zeigt dir diesen Weg, der streng wissenschaftlich und exakt ist. Er hält sich und dich dabei mit keinem Warum auf. Warum ist Zweifel. Warum ist Stagnation. Das Wie ist das mutige und vertrauensvolle Herz, gepaart mit einem immer lichtvoller werdenden Geist. Das Wie ist reine, lichtvolle Energie, ist Kraft, ist Mut, ist vielleicht zu Beginn rajasisch, doch dann immer mehr sattwig. Ein Warum hingegen ist tamasisch und macht nichts weiter als einen trägen, zweifelnden und letztlich trübsinnigen Menschen aus dir.

Lasse das Wie in dir lachen und einen mutigen Helden aus dir formen, der jedem Hindernis mit seinem wachen Geist trotzt, der auf seinem heldenhaften Weg irgendwann in sich selbst zur Lösung geworden ist. Das Wie zeigt dir am Ende den hellen Weg zu dir - und in dir, in der tiefsten Kammer deines Herzens wirst du einst das lichtvolle, alles überstrahlende Große Ganze geborgen finden. 

Warum ist die Banane krumm. Weil dir ein Warum keinen geraden und strahlenden Weg aufzeigen kann. Iss die Banane, ob krumm oder gerade, aber wirf mit ihrer Schale auch das nutzlose Warum weg!

- Bhajan Noam -

© 2015 Text: Bhajan Noam

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com ;

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Tags: Banane, Bhajan_Noam, Energie, Geist, Herz, Kraft, Licht, Mut, Patanjali, Volksspruch, Mehr...Weise, Weisheitsspruch

Kommentar von KArsten am 5. Juni 2015 um 11:22am

Hari OM

Eventuell nur fast eine gute Hinweisung:
mir erscheint sie klar zu einseitig bzw. zu ungenau; besonders wenn es um Menschen geht, die parallel zu Yoga- (und/oder anderen "Weisheits"-)Wegen (noch) durch alltäglichste Aufgaben, Familie, Beruf, usw. (Samsara eben) gebunden sind!
Bis jede/r im Sinne der Bhagavad~Gita völlig losgelöst handelt, dauert ES ja doch ein paar Stunden oder Existenzen :-)

Deshalb für´s "Irdische"! mein spontaner "kindlicher" Ergänzungs-Reim :-)
...
"doch OHNE jedes warum
wird´s auf Dauer ganz~besonders dumm"
...
sowie einige mir wichtig erscheinende Facetten diesbezüglich:

Entsprechend (nicht~nur~)meiner Erfahrungs- & Verständniswelt beeinflusst & erleichtert die Geistige Schau in Richtung "Warum"(- ist es JETZT sooo?) auch jedes parallele oder darauffolgende "WIE" heilsam!!

Aus seiner tiefst~gründigen Schau von Ursache~Wirkung--Zusammenhängen heraus hat ja schon der historische Buddha Shakyamuni in seinen Unterweisungen (z.B. in der ersten Lehrrede sowie im Mahaparanibbana~Sutta) die Bedeutung vom Leiden und von den Ursachen des Leiden aufgeführt.

Der (zu) übliche Begriff das "UNBEWUßTE", bedeutet auch heute in 2015 noch, dass in jedem Menschen
sehr viele ihm/ihr UNBEWUßTE Handlungs- Gefühls- Prägungs--Komplexe wirken bzw. aktiv werden, sobald die entsprechenden Umstände geschehen.
RESPEKT vor all diesem uns jeweils Unbekannten ist auch uns Menschen auf Wegen für Heilung und Bewußtheit und Befreiung not~wendig!

C.G. Jung hat es mal mit folgendem (sinngemäßen) Zitat auf einen wichtigen Punkt gebracht:
"Alles Geschehende dessen mensch sich nicht bewusst wird, kommt ihm/ihr als Schicksal entgegen!"
>>> durch dieses "Prinzip" sehr anstrengend LEIDEND,
erlebe ich seit Jahren immer häufiger auch Menschen, die sich, neben Yoga~Lehrer- und sogar Yoga~"Therapie"-Ausbildung sowie regelmäßigem Sadhana usw.,
eben NICHT verstehend~schauend~heilend mit ihren individuellen unter- & unbewußten Persönlichkeitsanteilen befasst haben.

Von Paramahamsa Ramakrishna ist es klar überliefert, dass er nach! seinen ersten tiefsten Schauungen von KALI noch durch folgendes Erleben gehen "musste":
"... In der ersten Zeit meiner geistigen Übungen konnte ich meinen Schlaf nicht von ihrer Verstrickung lösen, so sehr ich mein Wachbewusstsein auch von allen selbstischen Gedanken befreit hatte. Immer wieder schlich sich die Begierde in meinen Traum. Jahre gingen dahin bis ich schließlich zu vollkommener Reinheit gelangte. ..." (aus " Das Anlitz des Schweigens")

!! Respekt vor, sowie die immer subtilere Schau unserer unter- & unbewußten Aspekte halte ich für sehr wichtig, auch & besonders auf Yoga~Wegen; !!
Als Techniken können z.B. Yoga~Nidra und Chidakash~Dharana aus dem Satyanada~Yoga parallel zu Psyche~Körper-orientierten Heilmethoden u.U. wichtigste "Werkzeuge" sein, die die "üblichen" Möglichkeiten des Integralen Yoga enorm ergänzen können.

Wer allerdings "ewig fragend im Intellekt hängen bleibt"
oder ignoriert "verdrängt" und EINSEITIG mit sogenanntem "positiven Denken" lebt/handelt,
anstatt das vollständige Antahkarana (mit manas ahamkara chitta buddhi) allmählich
immer subtiler~erlebend zu Schauen und losgelöst ordnend zu ERKENNEN,
bleibt m.E. auf einem begrenztem Weg ... doch natürlich ist dies dann einfach die jeweilige "karmische Möglichkeit".
Zum Glück wurde/wird zum Beispiel Holotropes Atmen, Systemisches Aufstellen, Schamanische Heilmethoden u.ä. auch in Yoga~Vidya-Seminaren angeboten.

>>> Die Lockerung/Auflösung körperlich~emotionaler~gedanklicher Komplexe hat auch bei mir persönlich anschließend immer wieder neues Erleben von Segen & Bewußtheit vertieft.

.... insgesamt natürlich ein sehr komplexes Thema, dass lebenspraktisch evtl. in eine mehrjährige Seminar-Struktur oder in "Jahresgruppen" gleichgesinnter Yoginis & Yogis ein heilsames "WIE" entwickeln helfen kann ....

OM TAT SAT

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