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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute mit der Geschichte eines Schülers.
Es war einmal ein junger Aspirant und er war irgendwo unzufrieden mit seinem Leben. Er dachte: „So, wie es läuft, ist nicht schön. Es muss etwas Tieferes geben im Leben.“ Und er schaute seine Schulkameraden an, er schaute seine Eltern an, er schaute so, womit sich Menschen vergnügten, er sah, wie es seinen Großeltern ging und er dachte: „Das kann nicht alles gewesen sein im Leben. Es muss mehr geben als das. Trinken, Schlafen, ein bisschen Vergnügen, ein bisschen gutes Essen und ein bisschen Familie, ein bisschen Tanzen. Irgendwann fallen die Zähne aus und kommen Runzeln und irgendwann tun alle Gelenke weh.“ Vermutlich ist das aber heute auch so ähnlich. Und dann irgendwann ist es zu Ende.

Dann kam irgendwann ein Wandermönch vorbei und der sagte: „Es gibt eine höhere Wahrheit. Es gibt eine höhere Wirklichkeit die ist erfahrbar. Ein Weg, sie zu erfahren, ist die Wiederholung eines Mantras.“ Er wiederholte ein paar Mal „Om Namo Narayanaya“ und unser junger Aspirant hörte das. Die anderen im Dorf achteten da nicht weiter darauf, es war halt mal was Neues, dass da jemand vorbeikam und was erzählte, aber dass das irgendeine Bedeutung hatte, hatte keiner gedacht. Nur unser junger Aspirant dachte: „Ja, das wäre doch was.“ Dann dachte er, ohne weitere Instruktionen haben zu können: „Ja, dieses Mantra will ich auch etwas intensiver wiederholen. Da gehe ich jetzt mal weg von Zuhause.“ Und so verließ er das Dorf und ging einen Fluss entlang, in der Mitte des Flusses war eine kleine Insel und dann dachte er, „Ja, da ist es jetzt richtig. Da stört mich keiner.“ Er schwamm rüber. Auf der Insel waren Bananenstauden und Mangobäume, er hatte also genügend zu Essen, er brauchte sich dort keine Sorgen zu machen. Jetzt fing er an, das Mantra zu wiederholen. Aber es war schon lange her, dass er es wirklich gehört hatte und aus seiner Erinnerung wiederholte er: „Om Namo Nayanaya, Om Namo Nayanaya“. Und so wiederholte er das für viele Monate mit großer Intensität und Hingabe und beständig lauterer Stimme.

Eines Tages kam diesen Fluss entlang ein Pandit, ein Sanskritgelehrter. Der war einer, der wirklich die Schriften kannte, der die Mantras ganz exakt kannte, der alle Unterschiede zwischen a und aa und na und nah und cha, chha, sa und alle Sandhiregeln der Grammatik kannte. Im alten Indien war es üblich, dass es solche Wettstreite gab: Wer ist der beste Sanskritgelehrte? Sanskritschriften, die sind nicht ganz so einfach und Sanskritworte werden aneinandergereiht und da weiß man nicht, wo fängt welches Wort an und wie ist es, wie wird es ausgesprochen. Er war gerade wieder von so einem Wettstreit zurückgekommen, hatte mal wieder gewonnen, war ganz zufrieden und er ließ sich auf dem Boot von zwei Ruderern dort entlang fahren. Als er dann dort ankam, hörte er plötzlich von der Insel: „Om Namo Nayanaya, Om Namo Nayanaya, Om Namo Nayanaya“. Sein Trommelfell platzte fast. Er, der so genau geschult war, zwischen na und nah und a und aa zu unterscheiden, welcher die Schriften genau rezitieren konnte, hörte einen grässlichen Klang. Außerdem dachte er: „Ein gutes Werk muss man auch tun.“ Also bat er seine Ruderer, sie mögen ihn an das Ufer dort rudern. Er ging auf die Insel und der junge Aspirant verneigte sich vor diesem großen Pandit und sagte: „Oh Meister, schön, dass du da bist. Danke, dass du kommst.“ Dann sagte der Pandit: „Was wiederholst du dort eigentlich?“ „Ein Mantra. Das habe ich mal vor langer Zeit von einem Wandermönch gehört.“ „Was du dort wiederholst ist kein Mantra, das ist grässlich.“ „Meister, lehre mich.“ „Das Mantra heißt Om Namo Narayanaya. Das erste a ist lang, naa. Das zweite ist auch lang, raa .Nicht Nayanaya, sondern Naaraa. Das nächste ist ya. Das nächste ist naa. Und dann folgt ya. Om Namo Narayanaya. Nicht Nuranaya, nicht Nayanaya, nicht Naraynaya und auch nicht Narayanayan, es ist Narayanaya.“ Er wiederholte es noch ein paar Mal: „Om Namo Narayanaya“. Unser junger Aspirant wiederholte es mit ihm. Dann sagte der Gelehrte: „ Du brauchst es auch nicht so laut zu wiederholen. Korrektheit der Aussprache, das ist das Wichtige.“ „Oh, danke Meister für die großen Lehren.“

Dann ließ unser Pandit sich wieder von seinen Ruderern wegrudern. Eine Weile noch hörte er so leise: „Om Namo Narayanaya“, dann hörte er nichts und plötzlich wurde es lauter wieder: „Om Namo Nayanaya, Om Namo Nayanaya“. Er dachte: „Was kann man machen? Die Ignoranz der Menschen ist grenzenlos.“ Dann drehte er sich um, denn eigenartigerweise wurde das immer lauter und da er flussabwärts mit einer relativ guten Geschwindigkeit fuhr, war das eigentlich komisch. Er drehte sich um und was sah er dort? Unser junger Aspirant rannte auf dem Fluss zu ihm hin. Jetzt wurde er neugierig und ließ seine Ruderer anhalten. Noch auf dem Fluss stehend verneigte sich der Aspirant und sagte: „Om Namo Nayanaya. Oh Meister, Om Namo Nayanaya, ich habe leider vergessen, wie man das Mantra richtig ausspricht. Om Namo Nayanaya. Aber ich weiß, wenn ich mein bisheriges Mantra mit großer Intensität und Hingabe an Gott wiederhole, dann ist alles möglich.“ In diesem Moment zerfiel der gesamte Stolz unseres Pandits zu Asche. Er wurde erschüttert an seinem ganzen Körper und erzitterte. Er erkannte die gesamte Hohlheit seines Gelehrtentums. Er verneigte sich vor dem jungen Aspiranten, der immer noch auf der Oberfläche des Flusses stand, bat ihn, ob er bei ihm Schüler werden könne, ließ seine Ruderer ihn dort hinfahren, entließ sie, wurde eine Weile Schüler bei unserem jungen Aspiranten. Er lernte von ihm Hingabe, Gottesverehrung und Vertrauen, brachte aber auch unserem jungen Aspiranten die Mantras korrekt bei. Weil dieser Pandit ein Schriftgelehrter war und später ein Buch über seine Erfahrungen schrieb, kennen wir diese Geschichte dieses Aspiranten.
Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: geschichte, inspiration, mantra, meister, sukadev, tägliche, yoga

Kommentar von sabine am 19. Januar 2011 um 12:06pm
Ja, so ist das!!! :-)
Kommentar von Peter am 20. Januar 2011 um 12:12pm
ja, .... also keine Angst, wenn man mal schief, krumm oder falsch singt.

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