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„Cogito ergo sum“ – eine falsche Formel regiert die Welt

© 2015 Text: Bhajan Noam 

Der fatale Satz des französischen Philosophen René Descartes „je pense, donc je suis“ oder in der verkürzten lateinischen Form „cogito ergo sum“ = „ich denke, also bin ich“, den er 1641 in seinen Meditationes de prima Philosophia formulierte und als nicht widerlegbares, nicht kritisierbares Fundament titulierte, hat in den Menschen aller nachfolgenden Generationen, die diesen Satz in den Schulen direkt oder indirekt eingetrichtert bekamen, erheblichen Schaden angerichtet.

 

Descartes hat seinen Satz in späteren Ausführungen umgekehrt, indem er sagte: „Die Voraussetzung um denken zu können ist, dass ich sein muss.“ Diesen Satz hat aber scheinbar niemand gelesen oder er wurde missachtet, weil er einfach zu banal klingt. Natürlich. Das versteht doch jedes Kind: Es muss mich geben, damit ich denken, reden, essen, schlafen kann. Ein solcher Satz ist der hohen Philosophie abträglich. Philosophie ist Verstand, ist Ego. Das Ego liebt das Einfache nicht. Mit was soll sich der Verstand denn beschäftigen, wenn alles einfach ist? Das Ego ist ehrgeizig, will sich beweisen, will Ruhm, will Macht. Der Verstand will auf dem Thron sitzen. In sofern ist „Ich denke... , also bin ich“ nur folgerichtig.

 

Nicht das schlichte Sein macht den Menschen aus, es muss kompliziertes Denken sein, das den Menschen in den Himmel hebt – aber eigentlich in die Hölle befördert. Descartes war ein Mann, man muss ihn entschuldigen. Eine Frau hätte schlicht gesagt: Ich fühle, ich empfinde, ich spüre, also bin ich.  So war die Welt viele Jahrtausende. So war die Welt, als die Frauen noch eine größere Rolle spielten. So war die Welt der Menschen, als sie noch mehr in Harmonie mit der Natur lebten. Die Natur denkt nicht. Ein Baum grübelt nicht nach, aber er empfindet. Er empfindet zum Beispiel Schmerz, wenn ihm ein Ast abgesägt wird. Er empfindet Freude, wenn ein Kind in seine Zweige klettert und sich die Äpfel schmecken lässt. Wenn ein Vogel ein Nest hoch oben in seiner Krone baut, jubelt sein Herz. Die Natur ist voller Gefühle – und voll Mitgefühl für alle Wesen.   

 

„Cogito ergo sum“ hat den Mann endgültig an die Macht gepuscht. Und was daraus in großer Geschwindigkeit entstanden ist, kann jeder sehen. Die Welt ist seit Descartes industrialisiert worden und der Mensch wurde versachlicht. Er wurde zur Handelsware und zum Spekulationsobjekt an der Börse. Banken erigieren als Phallussymbole in den Himmel. Kanonen und Raketen sind die Perversion der Perversion gleicher Symbolik. Kirchentürme, Minarette rufen Zwist und Uneinigkeit in die Lande. Ein unschuldiges Sein in der Einheit mit dem Göttlichen und dem Natürlichen ist seither fast gänzlich verloren gegangen. Der Verstand mit seinem kalten rationalen Denken hat den Menschen bereits abgeschafft, ohne dass der Mensch selbst, der doch der eigentliche Meister ist, es bemerkte.

 

Am Denken an sich ist nichts verkehrt. Es ist eine Tätigkeit wie das Verdauen. Beachtet die Ähnlichkeit zwischen Darmwindungen und Gehirnwindungen! Beide sind zum Verdauen gedacht. Der eine verdaut die materielle Nahrung, die unseren Körper versorgt, der andere verdaut die  Sinneseindrücke, damit wir uns sicher in dieser Welt zurechtfinden. Die ursprünglichen Vorgänge im Gehirn begannen wir seit Descartes mit Energie zu überfüttern. Seither haben wir Verdauungsprobleme. Das Ego leidet an Blähungen. Pfarrer Kneipp empfahl ableitende Maßnahmen, Wasserkuren. Wasser verbindet uns wieder mit dem weiblichen Element. Quellen, wild fließende Bäche und Flüsse, sowie ganz besonders das Meer wecken tiefe Gefühle in uns und bringen zumindest kurzzeitig den Verstand zum Schweigen.

Es ist Zeit umzukehren, heimzukehren, wieder Frieden zu schließen mit der Welt der Gefühle, mit unserem Herzen. Es ist Zeit zurückzukehren in die Wahrheit, in die Liebe, in die Schönheit, Geborgenheit und Harmonie der Göttlichen Einheit. OM Shanti.

 

- Bhajan Noam -

 

 

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

 

 

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Tags: Bhajan_Noam, Denken, Descartes, Einheit, Gefühle, Herz, Liebe, Philosoph

Kommentar von cosmodeva am 23. Juli 2015 um 10:32am

Danke für deine Inspiration.

"Den Geist transzendieren" Wie geht das?
Ein gerade gut passenden Beitrag von Sukadev gefunden:
http://mein.yoga-vidya.de/profiles/blogs/den-geist-transzendieren

Auch das Herz Sutra zeigt den Weg, finde ich: OM GATE GATE PARAGATE PARASAMGATE BODHI SVAHA – („Gegangen,gegangen, hinübergegangen, ganz und gar hinübergegangen, erleuchteter Geist“)

http://www.religion.ch/web/images/stories/pdf/herz%20sutra%20-%20be...

"Der Leere entgeht nichts. Dies ist die große Befreiung, denn was uns eigentlich
gefangen hält, ist die Welt der zugeschriebenen Bedeutungen, in der wir leben.
Wenn diese Bedeutungen abgezogen werden, können wir in der reinen Dimension
der Leere leben, vollkommen frei, aller Beschränkungen enthoben."

Den Geist transzendieren?
Also Ich nehme ihm einfach den Ball(die Begriflichkeit) weg.

Interessantes Thema.

Liebe Grüße

Kommentar von CHINMAYA Claudia Maria Urech am 23. Juli 2015 um 12:20pm

Mon ésprit est calme, donc je suis! Mein Geist ist ruhig, also bin ich! So ham!
Interessanter Artikel, schönes Foto!
Danke
Claudia (Noah)

Kommentar von cosmodeva am 23. Juli 2015 um 3:30pm

Hallo Claudia,
ich würde sagen: ich trinke eine Schale Tee, also bin ich.

"Der Teeweg"

Der Teeweg wird zu einem festen Regelsystem, in dem man Angst hat einen Fehler zu machen oder den Stolz hat etwas "besser" zu können als Andere.
Die Regeln sind aber etwas ganz natürliches und harmonisches, weil sie uns helfen "eine Schale Tee zu trinken".
Ich habe das Beispiel hier gelesen: http://www.teeweg.de/de/religion/diamant.htm

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