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Bhajan Noam liest: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde :בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ

Ein Text aus seinem Buch "CAFÉ KAILASH"
330 Seiten, 20,- € ISBN 978-3-00-046774-5
Hier bestellen: bhajan-noam@gmx.de
Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

Im Anfang

 

Bereshit bara Elohim

et haShamajim

we’et haArez.

 

Im Anfang schuf Gott

den Himmel

und die Erde.

 

„Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ In diesem ersten Satz ist schon alles enthalten, was Religion ausmacht. Was das Leben ausmacht. Wahre Religion ist Leben, wie wahres Leben Religion ist. Gott schuf den Himmel und die Erde. Gott schuf zugleich das Ewige und das Vergängliche. Die Engel und den Menschen. Die Seelen und die Körper. Und der Mensch darf tanzen und träumen mit den Engeln, wie er genauso auch forschen und Wurzeln treiben, sich tief mit der Schönheit und Nützlichkeit der Erde verbinden soll. Phantasieren und planen, beten und arbeiten: erst beides zusammen jeweils ist menschliche Tätigkeit – abgeschaut von Gottes Werk. Arbeit ist Gebet, ist Lied, ist Wahrheit und Schönheit. Planen und Berechnen ist erst nutzvoll, wenn es der Verwirklichung eines Traumes dient.

 

Gottes Traum? Oder des Menschen Traum? Träumt Gott nicht ständig in uns? Träumen wir nicht ständig in Gott? Die Seele wandert in Gottes endlosen Palästen, um die Qualitäten des Lichtes zu erforschen auf dem Weg zum Thron der EINEN SONNE. Der Geist durchbohrt die Dunkelheit und die Nacht wird sternenklar. Gedichte entstehen so, Musik wird so herabgerufen, kostbare Werke tragen die Stempel beider Welten, prägen die Gemüter für immer mit den ewigen Funken, die von überallher lebendig sprühen und älteste Erinnerungen in uns wachrufen. Erinnerungen an lang vergessene Schönheit ohne Makel, an ein kindliches erstes Schauen noch aus ungestörter Symbiose heraus. Ein tiefes Eingetauchtsein im egalitären Meer des Gerechten.

 

Schuf Gott vor langer Zeit – oder erschafft er immer noch? Gott erschuf und erschafft und wird in Ewigkeiten aus dem Uranfang heraus die Welten stetig neu erzeugen und wieder auflösen. Dieser schöpferische Urdrang ist in dir und in mir, in jeder Zelle, in jedem Atom und in jeder Galaxie. Diese Kraft ist unser kosmischer Besitz, doch nur, wenn wir ihn fortwährend und rückhaltlos an das Leben zurückschenken. Als Teilhaber an der unvergänglichen Schöpferkraft, an dem ewig wirkenden Schöpfungsakt sind wir letztlich zu dem Menschen geworden, der heute sein eigenes Wesen und das Wesen Gottes zu verstehen wünscht – um der Liebe willen.

 

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde‘ heißt: Gott hat sich ausgedehnt in den endlosen Raum und zieht unsere Seelen mit hinaus zu den Tänzen der wilden Sternenwelten, und Gott hat sich zusammengezogen in diese Körper aus Staub, hat sich hinabbegeben und mit einbezogen ins Menschsein, ins Weltsein, ins Allervergänglichste, das in Gottes Präsenz jedoch nie welken kann und will, das nur ewig sich wandelt und sein beständiges „Nichts“ dabei geheim in sich verbirgt.

 

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde’ heißt: Tue alle deine Pflichten so gewissenhaft wie Gott die seinen verrichtet. Schaue nach oben, schaue nach unten und schaue um dich und werde wie die Gerechten. Sei demütig und sei ein helles Licht. Ernähre dich und nimm Nahrung an. Lehre und nähre. Gib! Lasse geschehen, wenn die höheren Gesetze walten. Nimm die Dinge tatkräftig in die Hand, wenn der Himmel schweigt. – Nichtwissen, das heute Blindheit ist, ist morgen unsere Weisheit. Gott gleicht dem Meer mit seinen Rhythmen. Das Meer kommt und geht, ist friedvoll und gewaltig und immer fremd und stets vertraut. Doch Gott – und wir in IHM – sind über diesen Rhythmen. Durch Gottes Schweigen hindurch erschallt die tosende Stimme der Offenbarung und SEIN Offenbartes ist die einfältige Stille. Der Mensch, solange er Erdenmensch ist, darf lernen. Deshalb wird er manchmal Schmerz erfahren. Aber es ist in Wahrheit „die Freude der Ausdehnung Gottes“. Und allzu oft wird er eine Freude verspüren, die noch „das Weinen und Entsetzen Gottes über diese Enge“ ist.

 

Mit Religion, mit einem „Bild“ von SICH schenkte uns Gott neue Augen und neue Ohren, da uns die ersten bei SEINEM gewaltigen Schöpfungsakt verloren gingen. Wir ertaubten und erblindeten! Denn wir waren noch zarte und leicht verletzbare Seelen: das Donnern im Mutterleib der Erde war zu gewaltig und das Licht des ersten Himmels zu grell. So gab uns Gott einen anderen Himmel: das Wort und die Schrift. Doch mit IHR empfingen wir zugleich – und zum ersten Mal – auch die Lüge und den Betrug. Aber beide sind Schulen und Universitäten des Himmels. Gott hat sie unmittelbar neben den Tempeln und Synagogen errichtet. Manchmal sind es auch dieselben Gebäude.

 

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde’. Und ER wird gemeinsam mit uns weiterträumen. Im Traum Gebäude um Gebäude errichten, Straßen durch Berge hindurch graben und Täler erhöhen, Türme der Macht und Zentren der Hoffnung begründen, Mauern des Trotzes und der Einsamkeit. Gott spielt mit. Doch zwischen all diesen Mauern pflanzte ER – ganz unscheinbar, wie zufällig – den Baum der Erkenntnis. Gott musste erschaffen, um SICH als Gott und Geschöpf in allem zu erkennen. Himmel und Erde sind SEIN Ein- und Ausatem. Schönheit, Freiheit, Liebe sind die Blüten SEINER Jahreszeiten und der Duft, durch den ER SICH selbst immer neu zur Leidenschaft verführt.

 

Das Erwachen aus dem Traum des Paradieses und das Erwachen aus dem Traum dieser Welt, beides geschieht in diesem einzigen, mystischen Augenblick. Namenlos mit IHM vereint und keiner um den anderen wissend, das zu beenden und DIE FREUDE zu kreieren (und aus noch ein paar anderen Gründen, die nur ER weiß), erschuf Gott nach dem Himmel und der Erde als Drittes die Heilige Thora. Denn würden wir ohne SIE all das Wunderbare und Rätselvolle je erfahren und erfragen und ertragen?

 

Würden wir uns Gedanken machen um unser Sein, um Freundschaft, Liebe, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden, um Intimität und Grenzen, um spirituelles Wachsen, irdischen Fortschritt und den Sinn der alten Traditionen? Mit der Heiligen Thora erst gab Gott dem Menschen die Möglichkeit zu höchster Reife. Himmel und Erde sind Spielplatz und Scheideweg, das Paradies war der Kindergarten, das Leben unter den Völkern waren die vielen kleinen Privatschulen. Die Thora erst ist der Tempel für das Studium des sinnhaften und wahrhaftigen Lebens auf dieser Erde, über welcher der Bogen des Bundes jetzt hell am Himmel strahlt. „Denn ICH bin heilig, so sollt auch ihr heilig sein“, flüstert Gott jeden Moment in unseren gestillten Herzen. Versammelt in nie gekannter Gelöstheit und Fröhlichkeit betritt der Mensch den heiteren Garten der Thora, um, von allem Spekulativen weg, ins Konkrete hineinzuwachsen. Von den Nebeln des einsamen Anfangs in das Licht der Billionen Begegnungen.

 

Und wer ist uns behilflich dabei? Die Vorväter und Propheten in ihrer ganzen Größe, Klarheit und Wahrhaftigkeit, mit all ihren Gedanken, Worten und Taten! Und ebenso mit ihren Fehlern, Schwächen und Sünden: mit ihrer Menschlichkeit. Gott sorgt in allem für den Ausgleich. Gottes Wesen ist Ausgleich, ist stets beides: Glanz und Dunkelheit, Anwesenheit und Abwesenheit. Auch Weisheit und Torheit? Vielleicht. Doch in SEINER höchsten Königswürde. – Und so braucht der Mensch sich niemals unwürdig zu fühlen. Gott wünscht ihn sich als König! Ob in Samt und Seide oder in Lumpen und Fetzen, sein Königtum gründet alleine auf seiner Treue zu Wachheit und Wahrheit. Diese Wahrheit ist ewiges Entdecken und Wiedererkennen. Ein Studium, das gewiss immer fröhlicher macht! Wenn ein Mensch zu einem anderen Menschen findet, lacht Gott, denn der Mensch hat IHN in SEINEM geheimsten Versteck entdeckt. Deshalb lernen wir Thora nie alleine. Deshalb behandeln wir den Fremden, der uns begegnet, wie einen Gesandten Gottes. Deshalb ist das Heiligste die Familie.

 

‚Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.’ Auf unserer langen oder kurzen Reise hier auf Erden lernen wir, immer wacher und dann dankend, preisend und liebend – liebend weil mehr und mehr verstehend – vertrauensvoll in beidem zu leben. So werden auch Lachen und Weinen am Ende eins sein – und SEIN Segen. Amen.

- Bhajan Noam -

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Bhajan_Noam, Gott, Lesung, Liebe, Schönheit, Schöpfung

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