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© 2020 Text und Video: Bhajan Noam - Wer den Atem versteht - und ich bin jetzt seit 30 Jahren atemtherapeutisch tätig - der weiß, dass der Atem nichts als pure Heilkraft ist … und kein Überträger von schlimmen
und Schrecken erregenden Krankheiten.

Meine Ausbildung zum Atemtherapeuten und Atempädagogen ging über ein Studium von fünf Jahren und war neben allem Lernen und Erfahren selbstverständlich auch eine Therapie für mich selbst.

Hier zunächst ein wenig Anatomie und Physiologie:

Die reine Grundfunktion der Lunge besteht darin, Sauerstoff ins Blut zu transportieren und Kohlendioxid abzuführen. Je mehr Sauerstoff die Zellen erhalten, desto förderlicher ist es für unsere körperliche und geistige Gesundheit. Der bewusste Mensch spürt darüber hinaus, dass mit jedem Einatem dem beseelten Leib neues Leben und kosmische Energie eingehaucht wird. Jedes Ausatmen ist ein Reinigungs- und Entgiftungsprozess, wie auch ein Angebot zu allgemeiner Entspannung.

Stress, Konflikte und Anspannung beeinflussen die Atmung auf negative Weise, sie wird dadurch schnell und flach. Bei einem entspannten Geist hingegen ist sie rhythmisch und langsam. Ein ruhiger, tiefer Atem sorgt für entspannte Muskeln, eine harmonische Organtätigkeit, eine gute Durchblutung, einen gesunden Wärmehaushalt, klares Denken und ein heiteres Gemüt. In der Atemruhe zwischen Aus- und Einatmung wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, das mild sedierend auf alle Funktionen wirkt.

Nach der ayurvedischen und chinesischen Wissenschaft ist unser Atem der Träger von Prana oder Qi, der Träger der Lebensenergie. Ohne den Atem, ohne die in ihm enthaltene Energie und ohne den Sauerstoff gäbe es uns gar nicht. Unser Körper wäre ein lebloses Ding. -

Die Atmung ist die einzige Funktion im menschlichen Körper, die automatisch geschieht und die wir ebenso willentlich steuern können. Wie Goethe aber bereits erkannte, wird die Atemluft nicht aktiv von uns eingesaugt, sondern vom Druck der Atmosphäre, von der liebenden Aura von Mutter Erde, in den Körper transferiert. Das heißt, wir brauchen den Atem einfach nur zuzulassen – wie wir auch das Leben entspannt geschehen lassen dürfen. Unsere einzige Aufgabe ist, immer bewusster zu werden und mit wachen Sinnen sowohl uns selbst wie die Welt wahrzunehmen und in ihr mit Dankbarkeit und freundlicher Gesinnung zu wandeln.

Patanjali schrieb sinngemäß: „Pranayama wandelt ein unbewusstes negatives Atemmuster in ein bewusstes und förderliches Atemmuster“. - Pranayama ist der Weg vom Nichtwissen zum Wissen, von der Naturferne zur Natürlichkeit, aus der Kraftlosigkeit hin zur Selbstermächtigung.

Der Atem ist Seele und göttlicher Funke. Atman, die Seele, das Göttliche, ist das gleiche Wort wie Atem, es hat den selben Ursprung. Und deshalb ist Atem gleich Leben.

Mit dem ersten Einatem treten wir ein in diese Welt. Und mit dem letzten Ausatem verlassen wir sie wieder. In der kurzen oder langen Zeit dazwischen trägt uns der Atem durch dieses irdische Leben. Verstehen wir seine Kraft zu empfangen, ist eine Leichtigkeit in uns, eine Verspieltheit, ein Tanzen. Verstehen wir es nicht, bleiben wir unbewusst in einer Dumpfheit - und Schwere bestimmt unser Dasein.

OPFER WERDEN ZU TÄTERN

Ich weiß nicht, wann der Irrsinn begonnen hat, dass Menschen schon bei der Geburt, in ihren ersten Lebensaugenblicken, geschädigt werden. Tatsache ist aber, dass die zu frühe Durchtrennen der Nabelschnur, die allgemeine Praxis ist, jedes Kind für sein ganzes Leben schwächen und schädigen kann.

Und diese in ihrer Kindheit geschwächten und geschädigten Menschen führen die Tradition zwanghaft weiter bei ihren eigenen Kindern und Kindeskindern. Opfer werden fast immer zu Tätern.

Wir reden hier von Fakten!

Der Nabel (etymologischer Ursprung ist „Nabe“, der Mittelteil des Rades, durch das die Achse geht), entsteht nach der Abnabelung und ist eine Vertiefung in der Bauchmitte. Er ist die Stelle, an der beim Embryo während der Schwangerschaft die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden ist und die für das Leben und Wachstum notwendigen Stoffe mit dem Blutkreislauf der Mutter austauscht. Nach der Geburt und dem Durchtrennen der Nabelschnur verwächst der Bauchnabel und verschließt sich. Er ist eine Narbe, da es sich bei der Nabelschnur um Gewebe des Embryos handelt.

Bei einer natürlichen Geburt darf die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren. Das kann 20 bis 30 Minuten dauern. Dabei liegt das Baby entspannt auf dem Bauch der Mutter, beide berühren und begrüßen sich. So kommt ein Kind entspannt und gesund in diese Welt.

Beim traditionellen Durchtrennen der Nabelschnur gibt es graduelle und kulturelle Unterschiede:

1) Man führt das Durchtrennen nach dem Auspulsieren und noch vor der Geburt der Plazenta durch;

2) irgendwann nach der Geburt der Plazenta;

3) nach dem Eintrocknen der Nabelschnur (dauert 1-2 Tage);

4) gar nicht: es wird gewartet, bis der Nabel abheilt und die Nabelschnur von allein abfällt (das ist die sogenannte Lotusgeburt, es kann bis zu 10 Tage dauern).

Während die Nabelschnur noch pulsiert, geschehen folgende Prozesse: Das Baby erhält 30 % mehr Blut (in seinem Köper befinden sich nur 300ml). Mit diesem Blut aus Nabelschnur und Plazenta erhält es den ihm zustehenden Gehalt an roten Blutkörperchen, Eisen, Sauerstoff, Stammzellen und wichtigen Immunstoffen.

Bei einem frühzeitigen oder sofortigen Durchtrennen der Nabelschnur, was in der westlichen Medizin „normal“ ist (in der Regel nach ca. 3 Minuten), passieren drei Dinge:

1) Ausreichend Blut und oben genannte grundlegende Stoffe fehlen dem Kind zu seiner gesunden Entwicklung.

2) Die Nabelschnur versorgt das Kind weiterhin über das Blut aus der Placenta mit Sauerstoff, es kann das Atmen langsam „üben“. Bei einer sofortigen Durchtrennung ist es gezwungen, plötzlich und gewaltsam tief einzuatmen. Der erste Sauerstoff in den noch zarten Lungenbläschen wirkt wie Feuer. Es schmerzt, deswegen schreit das Kind. Ist der erste Atemzug mit einer solch negativen Erfahrung belastet, kann sich das tiefgreifend auf das ganze Leben des Menschen auswirken. Die meisten Menschen atmen flach – und leben auch ebenso flach. Sie schöpfen weder die volle Tiefe des Atems noch die des Lebens für sich aus. Es ist dieser unbewusste erste Schock, der im Energie- und Nervensystem, in muskulären Strukturen und im Emotionalkörper verborgen sie unentwegt begleitet.

3) Die noch pulsierende Nabelschnur ist lebendiges Gewebe. Wird dieses durchschnitten, reagiert der Körper wie bei einem Angriff mit reflektorischem Anspannen der Muskulatur, um sich zu schützen. Das betrifft die Muskeln und das Gewebe um den Nabel herum. Diese Spannung geht tief und löst sich nur selten wieder von alleine auf. Das heißt, dass diese Menschen sie ein Leben lang mit sich tragen. Um den Nabel herum befindet sich der in Japan so bezeichnete „Dantian“. Alle wichtigen Organe sind mit diesem Gebiet reflektorisch verbunden. Ist also der Nabelbereich entspannt, arbeiten die Organe gesund; ist er hingegen angespannt, wirkt sich das auf Dauer negativ auf die Funktion der Organe aus.

Das hier Gesagte heißt runtergebrochen auf einen Satz: Das vorzeitige Durchtrennen der Nabelschnur ist ein Gesamtangriff auf dieses kleine Wesen, seinen Körper, seine Psyche und sein ganzes weiteres Leben.

Diese Sätze predige ich und einige andere schon seit Jahrzehnten. Ich hoffe immer noch, dass sie irgendwann in einer breiteren Öffentlichkeit ankommen und ernst genommen werden.

Erasmus Darwin schrieb bereits im Jahre 1801: „Eine weitere sehr schädliche Praxis ist das zu frühe Abbinden und Durchtrennen der Nabelschnur; diese sollte immer intakt bleiben, nicht nur bis das Kind gleichmäßig atmet, sondern auch bis jede Pulsation der Nabelschnur aufhört. Ansonsten ist das Kind viel schwächer als es sein sollte, ein Anteil Blut verbleibt in der Plazenta, die eigentlich im Kind sein sollte.“

Ähnliches verbreitete der verdienstvolle französische Arzt Frederik Lebojer, der in den 1970er Jahren seine Bücher schrieb, nachdem er bei Indienaufenthalten das natürliche Gebären bei den Inderinnen erlebt hatte. Ihm im Besonderen verdanke ich, dass alle meine Kinder Hausgeburten sind und auf sanfte und natürliche Weise in diese Welt geführt wurden.

Ein weiteres Thema ist die Nase, durch die der Atem ein- und ausströmt und die wie unser gesamter Körper ein wahres Wunderwerk ist.

Nasenhöhle und Rachen bilden die oberen Luftwege. Die unteren Luftwege bestehen aus Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen und den Lungenbläschen, den Alveolen.

Die Luftwege verzweigen sich ganz wunderbar wie die Äste und Zweige eines Baumes - in mehrere Generationen. Und die letzten sieben Verzweigungsgenerationen tragen Alveolen, wie der Baum Blätter, und dienen wie diese dem Gasaustausch. Alle vorgeschalteten Luftwege dienen der Zuleitung, Verteilung, Anfeuchtung, Anwärmung und Reinigung der Atemluft.

Eingeatmete Luft gelangt durch die vorderen Nasenlöcher und den Nasenvorhof in die eigentliche Nasenhöhle und verlässt diese durch die hinteren Nasenlöcher in den Rachenraum. Die Nasenhöhle grenzt an Gaumen, Nasennebenhöhlen und die Schädelbasis. Der gesamte Raum der Nasenhöhle ist mit Schleimhaut ausgekleidet. Charakteristisch für die Nasenschleimhaut ist ein mehrreihiges Epithel, das dicht mit Flimmerhaaren besetzt ist. Im Bindegewebe unterhalb des Epithels befindet sich ein ausgedehntes Drüsengewebe das den Nasenschleim absondert, der die Atemluft anfeuchtet. In der oberflächlichen Schleimschicht, wie zuvor schon in der Nasenbehaarung, bleiben eingeatmete Fremdkörper hängen. Sie werden durch Wellenbewegungen der Flimmerhaare mit gleichmäßiger Geschwindigkeit in Richtung Rachen transportiert. Die stark durchblutete Schleimhaut gibt ihre Wärme an die vorbeiströmende Luft ab wie eine Art Durchlauferhitzer. Jeder hat es schon mal gespürt: Atmen wir im Winter durch die Nase ein, ist die Luft warm, atmen wir dagegen durch den Mund ein, kommt die äußere Kälte mit dem Atem in unsere Lungen.

Die eingeatmete Luft wird in den Nasenhöhlen durch deren Form in ein spiralförmiges Fließen gebracht, dass sich durch die Bronchien und Bronchiolen fortsetzt bis hin zu den Alveolen. Diese Bewegung begünstigt eine bessere Ausnutzung des Atems und stellt zugleich eine Dynamisierung dar, die das Energiepotential des Atems erhöht. - Es ist genau wie beim Blut, das spiralförmig durch die Adern strömt. Alles lebendige bis hin zu den großen Galaxien im All weist diese Form auf.

Eng verbunden mit der Nase ist unser Geruchssinn, der vielfältige Aufgaben in unserem Gesamtorganismus, in unserem körperlichen und seelisch-geistigen Leben erfüllt. Er kann uns warnen, er kann uns irgendwohin locken, er kann unsere Verdauung anregen, unser sexuelles Verhalten bestimmen, er kann uns ein Wohlgefühl vermitteln, genau wie ein Unwohlsein. Wir können jemand riechen oder ihn nicht riechen, was Sympathie oder Antipathie gegenüber dem anderen bedeutet. Gerüche von Kräutern und ätherischen Ölen werden werden seit Jahrtausenden zu Heilzwecken eingesetzt. Ihre Wirkung ist so intensiv, dass sie körperliche und psychische Veränderungen hervorrufen können.

Unser Geruchsorgan sitzt im oberen Nasenraum, im Bereich des Nasendachs. Die dort befindliche Riechschleimhaut dient unserer Geruchswahrnehmung und hat eine Größe von etwa 10 cm2. Das Geruchsorgan mit seinen Riechfasern, Bulbus olfactorius genannt, ist ein vorgeschobener Teil des Gehirns, der direkt unterhalb des Frontalhirns liegt. Durch feine Knochenkanäle ziehen die Riechnerven aus der Nasenhaupthöhle zu den Dendriten von Mitralzellen und Büschelzellen im Bulbus olfactorius. Der Bulbus olfactorius ist histogenetisch gesehen eine Ausziehung der Großhirnrinde.

Er dient der Verarbeitung aller eingehenden Reize der Riechschleimhaut. Er ist nicht nur Filterstation, er wird durch eingehende Informationen aus höheren Hirnzentren beeinflusst und beeinflusst umgekehrt diese mit den aufgenommenen Geruchsinformationen.

Eine Verletzung dieser sehr empfindlichen Region zum Beispiel durch eine äußerst erklärungsbedürftige Probenentnahme, wie es gerade jetzt geschieht, kann nicht absehbare Folgen für den Gesamtorganismus und ebenso die mit allem verwobene Psyche haben.

Aus all dem Gesagten wird vielleicht ersichtlich, dass die Menschheit seit langer Zeit - und bis heute - im Besonderen über den Atem manipuliert wird. Und wie wichtig und im wahrsten Sinn not-wendig es deshalb ist, darüber aufzuklären. - Und in dem Zusammenhang: Auch Pranayama und andere „Atemtechniken“ sind eine Manipulation - wahrscheinlich gut gemeint, doch: lebt der Mensch wieder natürlich, wird auch sein Atem letztlich wieder ganz natürlich. Und damit kehren Wohlbefinden, Bewusstheit und innere Ruhe ein - und, so Gott will, endlich auch ein wirklicher Frieden in dieser Welt.

© 2020 Text: Bhajan Noam

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Anatomie, Atem, Atemtherapeut, Atemtherapie, Bhajan_Noam, Frieden, Physiologie

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