Auch Rituale, Opferzeremonien, spirituelle und religiöse Rituale können sattwig, rajasig und tamasig sein. Nicht alles, was Menschen im Namen der Religion machen, ist automatisch gut. Krishna gibt in den Versen 11 und Folgende, des 17 Kapitels einige Informationen, wie du selbst dafür sorgen kannst, dass das was du an Ritualen und Zeremonien machst, wirklich rein und erhebend ist.
Kapitel 17 Vers 11
Yajna, das Menschen bringen, ohne eine Belohnung zu erwarten, sowie es in den Schriften geboten ist, in der festen Überzeugung, dass es getan werden muss, ist sattwig und rein.
Yajna hat viele Übersetzungen. Man kann es als Opfer übersetzten, aber Yajna heißt auch einfach Ritual. Man kann es auch als Gottesdienstritual, spirituelles Ritual, oder was man selbst ausführst und etwas, was du darbringst, übersetzen.
Krishna sagt hier: „Ein Yajna ist sattwig, wenn es mehrere Bedingungen erfüllt. Erstens: Du tust es, ohne dafür eine Belohnung zu erwarten. Zweitens: Es entspricht dem, was in den Schriften steht. Drittens: Du tust es, weil es getan werden muss. Dann ist es sattwig.“
Es gibt verschiedene Rituale. Es gibt die Yajna im engeren Sinne, Feuerritual, wie wir es auch bei Yoga Vidya zum Beispiel in den Ashrams machen. In Bad Meinberg haben wir jeden Morgen eine kleine Yajna, Yajna Homa und Havan sind alles ähnliche Begriffe. Yajna im weiteren Sinne ist aber auch wie Puja oder Arati. Und falls du allen Vorträgen, der ganzheitlichen Yogaschule gefolgt bist, hast du schon gelernt, wie du selbst Arati, eine kleine Puja machen kannst, oder wie du dir selbst Rituale zusammenstellen kannst.
Natürlich haben verschiedene Religionen Rituale. Im Christentum gibt es den Gottesdienst, es gibt die heilige Kommunion oder das heilige Abendmahl. Im Islam gibt es das fünfmal tägliche Gebet und es gibt das Freitagsgebet. Und im Judentum gibt es eine Menge von Ritualen, genauso wie auch im Hinduismus und so weiter.
Es gibt also verschiedenste Rituale, die Menschen machen. Wenn du solche Rituale machst, ohne deshalb dafür eine Belohnung zu erhoffen, wenn du es machst, wie es den Schriften entspricht, die du von den Schriften her kennst. Und auch wenn du es einfach machst, weil es einfach getan werden muss, dann ist es sattwig.
Im 18 Kapitel sagt Krishna auch, dass man es machen kann, um sich spirituell zu entwickeln. In einem anderen Kapitel hat er auch davon gesprochen, dass es auch gut ist, Rituale zu machen, um Gott zu erfahren. All das wären sattwige Motive und Handlungen.
Kapitel 17 Vers 12: Krishna:
Das Yajna oh Arjuna, das im Hinblick auf die Belohnung gebracht wird, oder um zu prahlen, erkenne das als rajasige Yajna.
Also eine Opferzeremonie, die man macht, um etwas zu bekommen, ist rajasig. Wenn du ein Feuerritual, eine Puja, Arati, oder Gottesdienst oder eine andere religiöse Praxis/ Ritual ausführst, um gleich Belohnung zu bekommen, oder um zu prahlen, ist das rajasig.
In Indien ist es zum Beispiel üblich, dass man ein Yajna ausführt, um etwas dafür zu bekommen. Es gibt sogar einen bestimmten Moment eines Rituals, wo du ein Sankalpa äußern kannst. In einem spirituellen Sinne, wäre das ein Vorsatz und letztlich eine Bitte um Gottes Führung und eine Bitte darum, dass wir Gott erfahren können.
Du könntest das auch rajasig mache, indem du sagst, dass du diese Puja machst, um etwas zu bekommen. Krishna hat an einer anderen Stelle gesagt, dass es in Ordnung ist, Gott zu verehren, um auch seine eigenen Wünsche zu befriedigen. Das ist natürlich rajasig und besser ist es, wenn du sattwig handelst.
Das Opfer wird als tamasig betrachtet, welches nicht der Anordnungen der Schriften entspricht, wo keine Speisen verteilt werden und das nicht von Mantras Gaben und Glauben begleitet wird. Es gibt drei verschiedene tamasige Opfer und Rituale.
Die Schriften sagen auch, dass du das, was du tust, mit Hingabe tun musst. Also wenn du zum Beispiel ein Arati ausführst und es so gut machst, wie du kannst, du befolgst den Grundsätzen, die du kennst, dann ist das in Ordnung. Aber wenn du weißt, dass im Arati die Kerze oder das Licht im Uhrzeigersinn geschwenkt werden sollen und machst es aus Nachlässigkeit andersherum, dann ist es tamasig. Wenn du weißt, dass man das Arati normalerweise mit der rechten Hand macht und du machst es aus Nachlässigkeit mit der linken, dann ist es auch tamasig.
Wenn du es dagegen nicht weißt und es einfach mit bestem Wissen und Gewissen machst, um Gott zu dienen, dann ist es sattwig. Also wenn du weißt, wie man es richtig machen soll, dann mache es richtig. Die Schriften sagen, dass eben die Bhakti wichtig ist.
Dann sagt Krishna: „Wo keine Speisen verteilt werden“. Man kann das wortwörtlich interpretieren und würde sagen, dass in jedem Ritual Prasad verteilt werden soll. In einem anderen Sinne heißt es auch, dass egal welches Ritual du praktizierst, du es auch für andere machen sollst. Wann immer du ein Ritual machst, machst du es, um Gott zu dienen und auch für andere. Und wenn du ein Ritual nur für dich machst, dann ist es auch tamasig.
Was auch immer du an Ritualen machst, mache es für den Frieden, für das Wohlergehen aller, um die Heilschwingung zu erhöhen und damit du selbst die Kraft bekommst. Anderen etwas Gutes zu tun.
Ein Ritual, was ohne Glaube gemacht wird, ist auch ein tamasiges Ritual. Es ist auch tamasig, wenn du es äußerlich machst. Wenn dein Körper das macht, aber dein Geist nicht dabei ist. Es gibt drei verschiedene Arten von einem tamasigen Ritualen: erstens; nachlässiges Ausführen, zweitens; wenn du es nicht auch für andere tust und das dritte ist, wenn dein Herz nicht dabei ist.
Mache die Rituale mit Herz, mit Liebe, um Gott zu verehren. Mache sie, um anderen etwas Gutes zu tun. Mache die Rituale in der Überzeugung dafür, dass sie getan werden müssen und sei gleichmütig und ohne Erwartungen. Das ist ein sattwiges Ritual.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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