Je nach vorherrschender Guna im Moment des Todes geht man in unterschiedliche Welten ein. Darüber spricht Krishna ab dem 14 Vers des 14 Kapitels. Er möchte uns damit ermahnen und auch ermutigen. Sorge dafür, dass du insgesamt sattwig bist und lerne auch, wie du deinen Geist sattwig bekommen kannst. Spätestens im Moment des Todes sollte dein Geist sattwig sein.
Kapitel 14, Vers 14: „Wenn der Verkörperte dem Tod begegnet, während Sattwa vorherrscht, gelangt er zu den makellosen Welten derer, die das Höchste kennen.“
Wenn du also stirbst, während in deinem Geist Sattwa vorherrscht, dann kommst du zu den höheren Welten. Es wäre wichtig deinen Geist in Sattva zu bringen, wenn du merkst, dass du deinen Körper verlässt. In einem vorherigen Kapitel hat Krishna eine Anleitung dafür gegeben, was du tun kannst, wenn du stirbst. Wenn du merkst, dass der Tod kommt, kannst du erst einmal loslassen und alle anderen Menschen der Obhut Gottes anvertrauen und wissen, dass deine Aufgabe zu Ende ist. Dann kannst du deinen Geist in dein Herz hinein bringen, sodass der Geist nicht mehr nach außen strahlt. Spüre dort die Gegenwart des Göttlichen, spreche vielleicht ein Gebet oder ein Mantra und bringe deinen Geist hoch zum dritten Auge und wiederhole das OM oder dein persönliches Mantra.
So erzeugst du einen sattwigen Gemütszustand und mit diesem sattwigen Gemütszustand verlässt du dann diesen physischen Körper und wirst begleitet von Lichtwesen. Du kommst in die höheren, makellosen Welten derer, die das Höchste kennen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, wenn dein Karma weitgehend aufgebraucht ist, dann wird der Rest deines Karmas verbrannt. Du wirst die Erleuchtung erlangen und mit dem Unendlichen verschmelzen. Oder du bist eine Weile in diesen höheren Welten und kommst dann mit einem sattwigen Gemütszustand in das nächste Leben, sodass du relativ zügig mit Yoga in Kontakt kommen kannst und zügig die Gottverwirklichung erreichst.
Kapitel 14, Vers 15: „Wer in Rajas auf den Tod trifft, wird unter denen wiedergeboren, die an Handlung verhaftet sind. Wer in Tamas stirbt, wird im Schoß der Vernunftlosen wiedergeboren.“
Wenn du in rajas bist, dann wirst du bei denen wiedergeboren, die in der Handlung und dem Karma verhaftet sind. Rajasige Gedanken vor dem Tod können sein, dass du noch vieles hättest tun können und müssen. Warum dir dies oder jenes passiert ist und was du alles falsch gemacht hast. Wenn du mit solchen Gedanken stirbst, wirst du in einer Familie wiedergeboren werden, die vieles haben will. Du wirst dort wiedergeboren werden, wo Menschen von Wünschen getrieben sind, was sie alles gerne hätten und was alles geschehen müsste. Sie beschweren sich vielleicht, warum etwas so ist, wie es ist. Vermutlich würde man sagen, dass recht viele Leute rajasig sind.
Wenn du in Tamas stirbst, also irgendwo in Dunkelheit, Verzweiflung und Sinnlosigkeit, dann wirst du im Schoße der Vernunftlosen wiedergeboren. Man könnte es auch so deuten, dass man in einen tierischen Körper wiedergeboren wird. Es muss nicht unbedingt ein Tier sein, sondern auch Menschen welche selber wenig Antriebskraft haben, Menschen, welche träge und vielleicht nicht sehr klug sind, die keine größeren Wünsche haben. Sie vegetieren einfach so dahin. Man kann die „Vernunftlosen“ verschieden interpretieren. Mudha, also Verwirrte. Wenn du zum Ende deines Lebens depressiv und mutlos bist, dann kann es sein, dass du im nächsten Leben in eine Familie wiedergeboren wirst, welche mutlos und depressiv ist. Es gilt dort dann wieder herauszukommen.
Was passiert, wenn Menschen Suizid begehen? Jemand, der Selbstmord begeht, ist nicht im sattwigen Gemütszustand und auch nicht im rajasigen. Denn ein rajasiger Gemütszustand heißt, dass man Wünsche hat und denkt, dass man sie erfüllen kann. Man ist getrieben und will einiges tun. Jemand, der Suizid begeht, ist eher jemand, der tamasig ist. Früher hieß es bei den Katholiken: Wer Suizid begeht, der landet in der Hölle, als Schlimmstes. Sie sollten dann nicht einmal im Kirchenfriedhof beerdigt werden. Heute sind die Kirchen viel mitfühlender geworden und es wird auch nicht gesagt, dass man nach dem Suizid in die Hölle kommt. Es wird ein besonders mitfühlender Gottesdienst gemacht. Ich selbst war bei so einem Gottesdienst dabei und die Worte, die der Pfarrer gefunden hat, waren sehr schön und tröstend. So hat sich das gebessert, aber auch vom Standpunkt der Reinkarnationslehre, sollte man keinen Suizid begehen.
Denn das, wovor man weggelaufen ist und warum man sich das Leben genommen hat, ist das Grundthema im nächsten Leben. Man landet vielleicht nicht in der Hölle, sondern wird irgendwo in einer niederen Astralwelt sein, mit anderen, die ihr Leben auch auf so eine negative Weise beendet haben. Vielleicht ist es auch heilsam, wenn man feststellt, dass man nicht alleine damit ist. Es heißt also, dass man nach dem Tod von den Menschen angezogen wird, die ähnlich sind wie man selbst. Oder man wird von seiner Familie angezogen. Es kann mal das eine sein und mal das andere. Vielleicht wird man von seiner früheren verstorbenen Familie getröstet, die dort auf einen wartet. Vielleicht trifft man auf andere, die vielleicht auch Suizid begangen haben, wie eine Selbsthilfegruppe in der Astralwelt. Vielleicht bekommt man Einsicht, welche die Aufgaben waren und arbeitet im nächsten Leben daran weiter.
Deshalb ist es wichtig in diesem Leben die tamasigen Themen bewusst anzugehen. Warte nicht zu lange dafür, denn du weißt nie, wann der Tod kommt. Du kannst vielleicht überlegen, wie du deinen Geist zügig in Sattwa bringen kannst, wenn plötzlich der Tod kommt. Sei darauf vorbereitet und probiere es einmal aus. Kannst du mit Willenskraft aus einer Gier, Wut, Mutlosigkeit und Verzweiflung den Geist in wenigen Minuten in Sattwa bringen? Es ist gut zu wissen, dass ich mich immer aus einem rajasigen Zustand in Sattwa bringen kann, wenn ich wollte. Und ein spiritueller Aspirant sollte das lernen.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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