Was sind die Gunas? Wie sind sie im Alltag zu erkennen? Wie kannst du die Gunas nutzten, um ein reines Leben zu führen?
Wie kannst du dich besonders von dem verdunkelndem und unruhig machendem lösen? Wie kannst du ein glücklicheres Leben führen, ohne an der Erfahrung eines glücklichen Lebens zu hängen? Das ist das Thema der Bhagavad Gita im 14 Kapitel ab Vers 5.
Kapitel 14 Vers 5: Krishna sprach: „Sattva, Rajas und Tamas - diese drei Eigenschaften, oh Arjuna, die aus der Natur stammen, binden das Verkörperte, das Unzerstörbare fest im Körper.“
In dieser Natur, in Prakriti, gibt es die drei Gunas Sattva, Rajas und Tamas. Sattva ist die Reinheit, das Leichte auch das, was Freude reflektiert. Rajas bedeutet Unruhe, Gier und Getriebenheit. Tamas bedeutet wörtlich Dunkelheit, es ist das Träge und Grobstoffliche und das, was letztlich zu Schmerz führt. Sie sind Teil der Prakriti. Wenn du dich mit den Eigenschaften identifizierst, dann wirst du in diesem Körper gebunden.
Daraus entsteht Leid. So gilt es Sattva, Rajas und Tamas zu erkennen und sie zu transzendieren. Dabei gibt es eine Leiter: Man sollte zuerst das grob tamasige überwinden, und es in mehr Rajas transformieren. Überwinde darauf das rajasige und erhöhe das sattvige. Schließich transzendiere auch das sattvige. Du kannst natürlich nicht alles Tamas überwinden, denn solange du im Körper und in dieser Psyche bist wird der Körper irgendwann müde und muss schlafen, deshalb muss etwas Tamas immer da sein. Natürlich hat deine Psyche auch bestimmte Wünsche, was gut ist und was dazu führt, dass du deinen Körper nährst. Etwas Rajas ist auch wichtig. Doch reduziere Tamas, reduziere Rajas, erhöhe Sattva und dann transzendiere Sattva.
Kapitel 14 Vers 6: „Von diesen bindet Sattva, das aufgrund seiner Makellosigkeit strahlend und gesund ist durch Bindung an Glück und Verhaftung an Wissen, oh Makelloser!“
Er beginnt die drei Gunas mit Sattva zu beschreiben und erklärt, dass Sattva selbst etwas ist, was bindet. Aus gutem Grund sagt er das vielleicht zuerst, denn Arjuna ist kein Neuling. Du vermutlich auch nicht, wenn du am 14 Kapitel ab Vers 5 interessiert bist. Wenn du immer noch weiter liest, dann wirst du tieferes Interesse an der Bhagavat Gita haben. Das ist kein Thema für Menschen, welche einfach nur neugierig sind. Also gehe ich davon aus, dass du ein ernsthafter spiritueller Aspirant bist, der bereits ein sattviges Leben führt, oder sich darum bemüht.
Krishna sagt sofort, dass selbst Sattva bindet. Es entsteht eine Verhaftung an Glück und Wissen, denn man will dieses schöne Sattva Gefühl haben. Sattva ist makellos und strahlend und wenn in dir Sattva vorherrscht, ist das etwas Schönes. Es ist ein Gefühl der Leichtigkeit, Freude und Reinheit. Du kannst dich aber an dieses Gefühl binden und du wirst nicht dauerhaft im Sattva sein. Sattva hat auch einen Zugang zur Intuition, wodurch du intuitiv weißt, was das Richtige ist. Wenn du dieses sattwige Gefühl hast, dann weißt du Einiges und wenn aus irgendwelchen Gründen das Sattva nicht mehr da ist, dann ist es verloren und du leidest.
Es kommen Fragen auf wie: „ Warum fühle ich mich nicht mehr so gut? Warum habe ich nicht mehr diese Intuition?“ Sattva ist makellos, strahlend und gesund, weshalb es gut ist sich um Sattva zu bemühen, aber hänge auch nicht an Sattva. Es gibt Menschen, die an Sattva hängen und dann keine Tätigkeiten machen wollen, die nicht sattwig sind. Das erlebt man unter Aspiranten immer wieder, diese wollen sich dann nicht „schmutzig“ machen. Sie wollen nichts Lautes hören und sich keiner Schwingung aussetzten, welche nicht so rein ist. Sie haben keine Lust auf eine Messe zu fahren, um Yoga zu propagieren, weil diese Atmosphären viel zu unruhig sind. Also ist es gut das Leben so sattvig, wie möglich zu gestalten, aber man sollte nicht daran hängen.
Kapitel 14 Vers 7: „Wisse, dass Rajas von der Natur der Leidenschaft ist, die Quelle von Durst nach Sinnesfreuden und Verhaftung. Es bindet, Oh Arjuna den Verkörperten fest durch die Verhaftung an das Handeln.“
Auf eine gewisse Weise gebraucht Krishna hier ein Wortspiel, wie er es häufig macht. Das Rajas hat die Eigenschaft von Raga und Raga heißt Mögen, Wünsche, Verhaftung, Gier usw. Rajas kommt aus Raga und wenn du etwas magst, oder nicht magst ist in dem Moment schon Rajas da. Dann kommt Trisha, also Durst, Gier und Sanga, was Verhaftung heißt. Sobald du Wünsche hast und denkst, dass du sie erfüllen musst, bist du daran verhaftet und es entsteht Durst nach mehr.
Angenommen du stellst fest, dass es eine neue Süßigkeit gibt, welche gut schmeckt und du sie haben willst. Du willst mehr und mehr davon und noch bessere Süßigkeiten. Also Rajas ist die Quelle nach Durst von Sinnesfreuden und daraufhin kommt die Verhaftung. Zum Beispiel hörst du irgendwo, dass jemand eine neue Frucht hat, aber derjenige hat sie aufgegessen und dir nichts übrig gelassen, obwohl du sie haben wolltest. Dann kommt Ärger und Gier auf.
Beobachte genau, wenn Rajas in deinen Geist kommt. Dann kreisen sich deine Gedanken um das Haben wollen und um denjenigen, der dir nicht das gibt was du haben willst. Das ist die Quelle von Leid. Es bindet den Verkörperten durch die Verhaftung fest an das Handeln. Hier gibt es wieder ein Wortspiel: Sanga Karman. Also Verhaftung an das Karma, denn du willst, dass es so ist wie du es gerne hättest. Wenn du einmal gemerkt hast, dass dir etwas gefällt, willst du dass dein Karma so ist, dass du dies auch bekommst. Oder du lebst in einer Spirituellen Gemeinschaft, im Ashram, wo für dich gekocht wird und du willst, dass das gekocht wird, was dir besonders gut schmeckt. Du hoffst auf dieses Karma, du bist gebunden und unzufrieden, wenn es nicht so kommt, wie du es gerne hättest. Du bist nicht nur verhaftet an das Karma, sondern du tust auch etwas um es zu bekommen und bist deshalb auch an das Handeln gebunden. Aus Rajas entsteht Verhaftung. Es entwickeln sich Erwartungen an das Karma, an das was kommen wird.
Kapitel 14 Vers 8: „Wisse jedoch, dass Tamas aus Unwissenheit entstanden ist und alle Wesen täuscht. Es bindet fest, oh Arjuna, durch Unachtsamkeit, Trägheit und Schlaf.“
Tamas heißt zum einen Trägheit, Dunkelheit, Antriebslosigkeit. Es kommt aus Unwissenheit, also Verblendung und führt zur Täuschung, moha. Die Erkenntnis, dass du dich täuschen kannst ist wichtig, denn viele spirituelle Aspiranten und auch nicht spirituelle nicht Aspiranten kommen schnell zu Schlüssen und vergessen, dass vieles aus Unwissenheit und durch Täuschung kommt. Wenn dein Geist dir etwas erzählt, dann hinterfrage: „Woher weißt du das? Bist du sicher, dass das keine Unwissenheit ist und dass du nicht getäuscht bist?“.
Ein Mensch erzählt dir zum Beispiel etwas und sofort triffst du Schlussfolgerungen. Du denkst: „Der mag mich nicht. Er redet hinter meinem Rücken schlecht über mich. Was soll ich von dieser Person halten?“ Der Mensch macht schnell Schlüsse, das kommt häufig aus ajnana und aus moha. Das kommt aus pramada, Nachlässigkeit oder alasya, Faulheit/Trägheit. Anstatt nachzuhaken, glaubst du direkt an die Richtigkeit der Information.
Menschen sind träge und unachtsam und deshalb haken sie nicht nach. Deshalb sind sie in der ajnana und fallen Verblendungen zum Opfer. Das führt zu Tamas, zu Trägheit und Leid. Krishnas Schlussfolgerung hier ist, dass Tamas aus Trägheit kommt. Es ist besonders interessant, wenn man geistesgeschichtliche Verbindungen herstellt: Emanuel Kant hat gesagt, dass Aufklärung der Ausgang des Menschen aus selbstverschuldeter Unwissenheit ist. Unwissenheit wird durch Unachtsamkeit und Trägheit erzeugt. Du musst nicht in Unwissenheit bleiben, sei nicht denkfaul und komme nicht zu vorzeitigen Entschlüssen. Handle nicht aus vorzeitigen Entschlüssen. Frage dich öfters woher du das weißt. Bevor du handelst, denke nach!
14 Kapitel 9 Vers: Krishna:„Sattwa bindet an Glück, Rajas an Handlung, Oh Arjuna. Während Tamas wahrlich alles Wissen verhüllt und an Unachtsamkeit bindet.“
Du willst in dem schönen glückvollen Gemütszustand des Sattwa verharren und das führt dich vielleicht dazu, dass du nicht das tust, was zu tun ist. Vielleicht wirst du arrogant und überheblich, weil du deine Aura nicht schmutzig machen willst und Angst vor negativen Schwingungen der anderen hast. All das ist ein Zeichen, dass du an Sattwa hängst. Bei Rajas hängst du zum einen am Karma und du erwartest, dass etwas so ist, wie du es gerne hättest. Du haftest an der Handlung und tust etwas, um etwas zu erreichen.
Tamas führt zu Unachtsamkeit und verhüllt das Wissen.
14 Kapitel 10 Vers: Krishna sprach: „Sattwa herrscht vor, Oh Arjuna, wenn Rajas und Tamas in den Hintergrund getreten sind. Rajas herrscht vor, wenn Sattwa und Tamas in den Hintergrund getreten sind und Tamas, wenn Rajas und Sattwa in den Hintergrund getreten sind.“
Das heißt, dass es immer Sattwa, Rajas und Tamas gibt. Du kannst nie rein sattwig sein, denn du bist auch nie rajasig und nie tamasig, aber eines herrscht vor, wie zum Beispiel in einem tamasigen Gemütszustand, wo nichts einen Sinn macht. Du hast überhaupt keine Lust auf irgendetwas und denkst, dass du nie wieder glücklich sein wirst. Das ist Unsinn. Du bist vorrübergehend in einem tamasigen Gemütszustand. Du denkst dann - das brauche ich unbedingt um glücklich zu sein und ich werde nie glücklich sein, wenn das so ist. Im Nachhinein wirst du dich aber fragen: „In was für einem Gemütszustand war ich denn?“. Wenn du im sattwigen Gemütszustand bist und denkst, dass du dies nur intensivieren musst um zur Erleuchtung zu kommen, dann wisse, auch dies ist nur vorrübergehend. Denn die Erleuchtung ist kein Gemütszustand.
Du kannst über die Grundlagen von Sattwa, Rajas und Tamas nachdenken. Überlege für dich wie du sattwiger leben kannst. Krishna spricht darüber erst später, aber es gibt tamasige Sprache, welche du reduzieren kannst. Es gibt tamasige Nahrung, welche du nicht essen solltest. Es gibt tamasige Kleidung, welche du nicht tragen solltest. Es gibt eine tamasige Weise die Wohnung einzuräumen, die du sattwig umändern könntest. Es gibt rajasige und damit auch verletzende Sprache, welche du nicht gebrauchen solltest. Es gibt rajasige Nahrung, welche du reduzieren kannst. Es gibt rajasige Musik, welche du nicht hören musst. Es gibt rajasige Nachrichten, welche du auch nicht die ganze Zeit hören musst.
Erhöhe das Sattwa. Realisiere spirituelle Praktiken, welche das Sattwa erhöhen. Iss sattvige Nahrung. Sprich sattvig. Höre Mantra und höre Kirtan singen. Lies spirituelle Bücher. All das hilft deinen Geist sattwiger zu machen. Und obwohl du sattwiger wirst, solltest du nicht an Sattwa hängen. Hinterfrage dich und werde dir bewusst, wenn du zu voreiligen Entschlüssen kommst, die dir moha, Enttäuschung bringen. Hänge nicht am Vergnügen, welches Rajas ist. Schaue, wie häufig du etwas erwartest und somit am Karma hängst. Wie häufig du handelst, um etwas zu tun, statt zu handeln um das Richtige zu machen. Überwinde Rajas.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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