Woher kommen alle Wesen? Worin ruhen alle Wesen? Wer bist du und wer sind alle Wesen? Darum geht es im vierten Kapitel der Bhagavad Gita.
Das 14. Kapitel wird Yoga der drei Gunas genannt. Krishna beschreibt in dem 14 Kapitel die drei Gunas: Sattva, Rajas und Tamas und wie du erkennen kannst, ob du gerade im Sattva, im Rajas oder im Tamas bist. Ihm geht es darum, dass du lernst dich von Tamas und Rajas zu lösen, Sattva zu stärken und Sattva zu transzendieren. Aber bevor er zum Thema der Gunas kommt, spricht er zunächst davon, dass du jenseits aller Gunas bist.
Im Folgenden werden die ersten 4 Verse des 14 Kapitels erläutert, und das, was man sich vor und nach der Beschäftigung mit den 3 Gunas bewusst machen sollte.
Kapitel 14, Vers 1: Krishna sprach: „Ich werde dir noch einmal diese höchste Erkenntnis darlegen. Das allerbeste Wissen, dessen Kenntnis alle Weisen nach diesem Leben zur höchsten Vollkommenheit gelangen lies.“
Er will Arjuna sagen, dass man durch das höchste Wissen zur Vollkommenheit kommt, die Befreiung erfährt und zur Gottverwirklichung kommt. Dieses höchste Wissen führt dich zur Gottverwirklichung und er sagt noch einmal, dass dies nichts Neues ist. Es gibt schon viele Weisen und viele Munis, die durch diese Erkenntnis die Gottverwirklichung erreicht haben.
Kapitel 14, Vers 2: Krishna sprach: „Menschen, die dadurch, dass sie in dieser Erkenntnis Zuflucht gesucht haben, zur Einheit mit mir gelangt sind, werden weder zur Zeit der Schöpfung geboren, noch werden sie zur Zeit der Auflösung zerstört.“
Hier sagt Krishna Arjuna, dass es Moksha, die Befreiung, gibt. Die Befreiung erreichst du, indem du zur höchsten Erkenntnis kommst, also die Einheit mit dem Göttlichen erreichst. Krishna spricht über die Einheit mit „mir“, damit meint er das Göttliche. Die höchste Erkenntnis nimmt Zuflucht zur höchsten Erkenntnis. So kommst du zur höchsten Einheit und wenn du diese Einheit erreicht hast, dann passiert dir niemals etwas. Selbst wenn sich das ganze Universum auflösen wird, wird es dir nichts ausmachen. Auch wenn das Universum neu beginnt, wirst du nicht neu geschaffen. Moksha, die Befreiung, ist eine endgültige Befreiung.
Kapitel 14, Vers 3: Krishna sprach: „Mein Schoß ist das große Brahman. In ihn lege ich den Keim. Daraus, oh Arjuna, werden alle Wesen geboren.“
Es gibt das unendliche Purusha, das höchste Bewusstsein und dann gibt es Prakriti, diese Natur. Er spricht von mahad, also dem Großen. Mahad ist ein Ausdruck aus der Sankhya-Philosophie. Prakriti ist mahad, das Große, noch bevor Prakriti sich in die Einzelseelen/Einzelteile manifestiert, bevor in Prakriti letztlich das parinama beginnt, also die ständige Veränderung. Purusha schaut in dieses Große hinein, in das Selbst. Dieses Selbst ist letztlich Krishna und damit auch Purusha und damit Brahman. Wenn dieses Selbst in mahad - Prakriti - hineinschaut, dann entsteht ein Keim, aus dem alle Wesen entstehen. So ursprünglich und unendlich Brahman ist, so ursprünglich unendlich ist Prakriti. Purusha schaut in Prakriti hinein, Prakriti bewegt sich und innerhalb dieser Prakriti entstehen scheinbar Einzelwesen, die letztlich nichts anderes sind als Manifestationen des Göttlichen.
Kapitel 14, Vers 4: Krishna: „Für alle Formen, die entstehen, oh Arjuna, in jeglichem Mutterschoß ist Maha Brahman der große Schoß und ich (das Selbst), bin der Samen spendende Vater.“
Hier ist eine Analogie von Vater und Mutter. Bewusstsein, Purusha und Shiva und gelten als männlich. Diese Welt, somit Shakti und Maya sowie Prakriti sind alle weiblich. Zum einen gibt es das Unendliche und das Ewige, welches das Bewusstsein ist. In dieses Unendliche und Ewige kommt nichts hinein, aber es gibt auch Prakriti. Vedanta würde sagen Prakriti ist die Manifestation von Purusha und Jagad ist die Welt. Sie ist nur eine scheinbare Modifikation von Brahman. Gott ist hinter allem, denn Gott ist das Bewusstsein, Gott ist die Natur, Gott ist auch die Einzelseele und alles ist letztendlich Gott. In diesem Bewusstsein kannst du vielleicht gleich weiter verweilen, oder zum Beispiel darüber meditieren, dass es ein unendliches Bewusstsein gibt und die ganze Welt eine einzige Prakriti ist. Purusha und Prakriti sind miteinander verbunden und jede Einzelseele ist Manifestation des Göttlichen. Überall ist nur dieses eine Göttliche.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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