Es ist ein Kurzvortrag. Es ist letztlich eine Wiederholung. Dies ist ein Vortrag über das zweite Kapitel des Yoga Sutra.
Patanjali schreibt hier Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi sind die acht Glieder des Yoga.
Also Yama, gerne genannt als die Ethik im Umgang mit Anderen. Wenn du Yoga, Einheit erreichen willst, geht es auch darum ethisch umzugehen mit anderen Menschen, das ist Yama. Dann geht es auch darum, eine innere Disziplin zu haben, das ist Niyama. Man könnte sagen, Niyama ist deine persönliche Disziplin.
Dritter Aspekt ist Asana. Asana hat verschiedene Bedeutungen. Asana heißt zum einen Sitzhaltung für die Meditation, zum zweiten ist Asana auch eine Körperhaltung im Alltag, so kannst du auch deinen Gemütszustand modulieren durch Modulieren deiner Körperhaltung. Wenn zum Beispiel selbstbewusster sein willst, dann richte dich auf, wenn du vielleicht etwas niedergedrückter sein willst, dann sinke etwas zusammen. Asanas sind natürlich auch die Hatha Yoga Stellungen, also Kopfstand, Schulterstand, Vorwärtsbeuge, Drehsitz und so weiter. Und Asana ist auch eine innere Haltung.
Das vierte ist Pranayama. Pranayama also Atemübungen, auch Atemherrschaft, aber auch Herrschaft über die Lebensenergie. Pranayama ist zum einen die Regulierung des Atems in der Meditation. Es sind aber auch die Atemübungen, die dir helfen mehr Energie zu bekommen und Konzentration des Geistes zu bekommen. Du kannst auch mit einfachen Atemübungen im Alltag deinen Gemütszustand beeinflussen. Und du kannst mit fortgeschrittenen Hatha Yoga Pranayama die Kundalini erwecken und damit höhere Bewusstseinsebenen erreichen.
Das nächste, das fünfte, ist Pratyahara. Pratyahara, wörtlich zurückziehen der Sinne, Pratyahara ist auch die Fähigkeit deinen Geist nach innen zu richten. Die natürliche Tendenz des Geistes nach außen zu gehen, zu widerstehen, nach innen zu gehen.
Pratyahara heißt zum einen, dass du in der Meditation deinen Geist abziehen kannst von äußeren Ablenkungen. Dass es dich also nicht mehr stört, wenn dein Nachbar hustet oder wenn irgendwo ein Autogeräusch hörbar ist oder mal in einem Raum ein Handy klingelt, obgleich diese natürlich in allen Meditationsräumen normalerweise abgeschaltet sein sollten. Aber falls es passiert, dass doch jemand das vergessen hat, du hältst Ruhe. Pratyahara noch mehr würde heißen, du denkst auch nicht, was im Alltag so alles geschieht. Pratyahara heißt auch im Alltag in der Lage zu sein, deine Sinne zurückzuziehen. Wenn du zum Beispiel irgendwo vorbeigehst an einem Kleiderladen und du siehst etwas Schönes, was die gefällt, dann gehst du einfach weiter. Und wenn du irgendwo spürst, oh, ich müsste da doch noch hingehen, bist du in der Lage deine Sinne davon zurückzuziehen. Oder wenn du irgendwo an einem Restaurant vorbeigehst und du riechst da irgendwie etwas ganz Tolles, du musst dem nicht gleich folgen und dir kaufen. Pratyahara, also die Sinne zurückziehen können. Also allgemein sich zurückziehen können.
In einem noch weiteren Sinne heißt Pratyahara auch die Fähigkeit mal eine Weile dich zurückzuziehen, zum Beispiel in einen Ashram, zum Beispiel um eine Schweigephase zu haben, in ein Schweige-Retreat zu gehen. Das ist auch eine Form von Pratyahara. Der Ausdruck Retreat ist ja auch genauso doppelseitig wie Pratyahara. Retreat kann auch heißen, dass zum Beispiel Soldaten den Rückzug antreten und genauso Pratyahara kann auch Rückzug eines Heeres zum Beispiel sein, um eine Niederlage zu vermeiden. So ist Retreat aber auch letztlich der Rückzug zu intensiver spiritueller Praxis. All das schwingt auch in Pratyahara mit.
Dharana ist die Konzentration, letztlich die Fähigkeit einen Gedanken festzuhalten im Geist. Dharana kommt von Dhri, das heißt festhalten, die Fähigkeit bei einem Geistesinhalt zu bleiben. Dharana wird deshalb gerne auch als Meditation bezeichnet, das Training dieser Konzentrationsfähigkeit. Dharana heißt aber auch Konzentration im Alltag.
Das nächste ist Dhyana. Dhyana hat letztendlich auch etwas mit Dhi zu tun und das heißt etwas mit Erleuchtung und tief von etwas erfüllt sein, ergriffen sein. Dhyana wird manchmal übersetzt als Meditation, Kontemplation, ich übersetze es gerne auch als Absorption. Wenn du dich also hinsetzt in die Meditation und vollständig darin aufgehst und nicht abgelenkt bist, große Freude erfährst, dann ist das Dhyana. Auch im Alltag kannst du in den Dhyana Zustand rutschen, wenn du in das sogenannte Flow-Erlebnis kommst. Das ist das Gefühl ganz absorbiert zu sein, nicht du bist es mehr, der etwas tut, sondern es geschieht durch dich. Du bist nicht mehr nur Beobachter, du bist auch nicht derjenige der überlegt, du bist vollkommen absorbiert, Dhyana.
Und schließlich gibt es Samadhi, der überbewusste Zustand. Samadhi, wo du durch vollkommene Ruhe des Geistes zur Erleuchtung kommst. Das sind die acht Glieder des Yoga.
Ja, soweit für heute. Wenn du das alles nachlesen willst, kannst du auch mein Buch anschauen „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ und natürlich haben wir bei Yoga Vidya auch Raja Yoga Seminare. Es gibt das Wochenende Raja Yoga 1 über das erste Kapitel des Yoga Sutra, Raja Yoga 2 über das zweite Kapitel, Raja Yoga 3, du errätst es, geht über das dritte Kapitel, Raja Yoga 4 über das vierte Kapitel. Wir haben auch 9tägige Yogalehrerweiterbildung zum Raja Yoga. Und noch wichtiger ist, du setzt diese Prinzipien um.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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