Shanmukhi Mudra und Anahata Nada Konzentration

Kommentar und Anleitung zum 68. Vers des 4. Kapitels der Hatha Yoga Pradipika

 

Wir sind in einem Teil der Hatha Yoga Pradipika, wo Svatmarama eine seiner wichtigsten Meditationstechniken vorstellt, nämlich die Anahata Nada Konzentration, die Konzentration auf den inneren Klang.

Er hat in einem vorigen Vers gesprochen über Anahata Nada Konzentration in Kombination mit Shambhavi Mudra. Hier geht es in Verbindung mit Shanmukhi Mudra, die auch als Yoni Mudra bezeichnet wird.

Svatmarama schreibt:

Schließe Ohren, Nase, Mund und Augen, und dann hörst du einen deutlichen, klaren Ton in der Sushumna.

Es gibt noch eine andere Übersetzung hier:

Schließe Shravana Puta, das heißt die Löcher der beiden Ohren. Schließe auch das Paar (Yugala) der Augen (Nayana). Dann schließe auch Grana, die Nasenlöcher. Und schließe Mukhana, den Mund. Das mache mit einer gereinigten Shuddha, Sushumna. In dem Kanal (saranau) hörst du (shruyate) sehr deutlich (sputa) einen makellosen (amalah) Nada bzw. Klang.

Zunächst musst du natürlich schon Pranayama machen, um die Sushumna zu reinigen, dann kannst du dich darauf konzentrieren.

 

Anleitung zu Shanmukhi Mudra und Anahata Nada Konzentration

Zunächst zur Technik von Shanmukhi Mudra bzw. Yoni Mudra: Du nimmst kleinen Finger und Ringfinger und gibst diese um die nach vorne gestülpten Lippen. Dann nimmst du die Mittelfinger und legst sie sanft an die Mulde, die oberhalb der Nasenflügel ist, ohne die Nase zu schließen. Dann gibst du die Zeigefinger bei geschlossenen Augen auf die Augenlider. (Eventuell kannst du auch die Zeigefinger auf der Nasenwurzel ablegen, sodass du nicht in Versuchung kommst, auf die Augen zu drücken). Und danach drückst du mit den Daumen die Ohrknöpfe zu.

Danach konzentrierst du dich auf die Wirbelsäule, von Steißbein bis Scheitel. Und während du dich auf die Wirbelsäule konzentrierst, hörst du vielleicht innere Klänge.

Bei vielen passiert es, dass, während sie so sitzen, irgendwann die Arme etwas schwer werden, die Schultermuskeln sind angestrengt. Manche lassen den Kopf leicht nach unten hängen, dann ist es angenehmer für die Schultern. Andere nehmen einen Stuhl. Typischerweise ist die Sitzfläche des Stuhls so hoch, dass du die Ellenbogen abstützen kannst. Es gibt auch bestimmte Yoga Dandas, Yoga Stäbe, mit denen du die Ellenbogen abstützen und so längere Zeit sitzen kannst.

Ich werde dich zunächst zu Yoni Mudra anleiten, was auch Shanmukhi Mudra ist, danach konzentrierst du dich auf die gesamte Wirbelsäule, vom Steißbein bis zur Verlängerung, Scheitel, und dann hörst du den inneren Klang, Anahata Nada.

 

Sitze ruhig und gerade, atme 2-3mal durch, während du kleinen Finger und Ringfinger um die Lippen gibst, die Mittelfinger oberhalb der Nasenlöcher an die Nase anlehnst (sodass du noch ganz sanft atmen kannst, nicht die Nase verschließen). Dann gib die Zeigefinger auf die Augenlider und berühre zunächst mit den Daumen nur die Ohrknöpfe.

Lasse jetzt den Atem sanft fließen, Kevala Kumbhaka. Spüre gleichzeitig vom Steißbein bis zur Scheitelgegend die Sushumna. Höre den inneren Klang von Steißbein bis Scheitelgegend.

Du wirst gleich diesen Klang noch mehr hören, wenn du die Ohrknöpfe schließt. Konzentriere dich auf die Sushumna von Steißbein bis Scheitel. Und jetzt drücke auf die Ohrknöpfe, dass du nichts Äußeres mehr hörst.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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