Anahata Nada, der innere Klang, ist eine der wichtigsten Meditationstechniken in der Hatha Yoga Pradipika.

 

Der Anahata Nada Konzentration gebührt große Ehrerbietung  

  1. Vers:

Nun beginne ich die Praxis von Anahata Nada, dem inneren Klang, so wie es durch Goraksha Natha beschrieben wurde. Dies ist sogar von denjenigen akzeptiert worden, denen es unmöglich war, die Wahrheit zu verwirklichen und die nicht die Shastras studiert haben.

Jetzt will Svatmarama eine bestimmte Meditationstechnik beschreiben, und zwar Anahata Nada. Anahata heißt der ‚nicht angeschlagene‘ und nada heißt ‚Klang‘. Wenn ich jetzt z. B. dieses Glas mit dem Finger anschlage, dann hört man etwas. Das Glas wird angeschlagen.

Aber es gibt eben auch den nicht-angeschlagenen Klang, den inneren Klang. Auf diesen kann man sich konzentrieren ‒ und so tiefere Bewusstseinsebenen erfahren.

 

Obgleich das jetzt fast das Ende der Hatha Yoga Pradipika ist (Das ist jetzt der 65. Vers des 4. Kapitels, das geht ja nur bis zum Vers 114), sagt Svatmarama: Diesen Teil kann man sogar als Unerfahrener üben.

Er sagt hier, selbst wenn man ungebildet ist, mudhana (Es könnte auch ‚töricht‘ heißen oder ‚träge‘. Hier heißt es ‚ungebildet‘), dann kann man das trotzdem üben. Und selbst wer noch nicht die Wahrheit wirklich erkennen konnte, auch der kann das üben.

Und diese wurde gelehrt von Goraksha, also einem großen Natha und Meister. Das ist auch Upasana, eine Form der Verehrung. Diese Anahata Nada Konzentration ist also ein wichtiges Mittel und wir sollten es mit großer Ehrerbietung angehen.

 

 

Anahata Nada als ein Verfahren um zu Moksha zu gelangen 

  1. Vers:

Adinatha schlug verschiedene Verfahren vor, die alle noch vorhanden sind. Von diesen ist meines Erachtens das Hören von Anahata Nada das beste von allen.

Es wird auch gesagt, Adinatha hat ein Viertel tausend Wege zur Erreichung von Laya bekannt gemacht. Eigentlich ist es sa-pada-koti, das heißt 11/4 mal 10 Millionen. Koti ist 10 Millionen und sa-pada ist 11/4. Also 12.500.000 verschiedene Arten gibt es, die gelehrt wurden von Adinatha und Shiva, um zu Laya, um zur Ruhe des Geistes zu kommen.

Und dort ist besonders diese Konzentration, Anusandhana, auf Nada, den inneren Klang, ganz besonders gut. Svatmarama sagt sogar, unter allen Techniken um zur Ruhe des Geistes zu kommen ist diese mukhyatama, also besonders vorzüglich und gut.

 

Er will uns also hier den Mund wässrig machen. Was auch heißen soll, es gibt so viele Methoden; hier sagt er, es gibt 12.500.00. In einer anderen Interpretation, vielleicht auch in einer anderen Handschrift stehen nur 25.000. Es gibt auch noch die andere Aussage: Es gibt so viele Wege, wie es Pilger gibt.

Aber es gibt so viele spirituelle Praktiken, die von Gott kommen. Und hier unterscheidet sich Svatmarama von manchen anderen, die sagen, nur so kommt man zu Gott, nur so kommt man zur Befreiung.

Wege sind viele, Wahrheit ist eins. Namen sind viele, aber das Göttliche ist eins.

 

Trotzdem kann man von seinem Weg besonders überzeugt sein. So werden z. B. die Vaishnavas sagen, dass man durch das Mahamantra am schnellsten zu Gott kommt. Und die Shiva-Bhaktas werden sagen, dass „Om Namah Shivaya“ einen am schnellsten zu Gott führt. Die Vedantis werden sagen, dass durch dauerhafte Viveka, Unterscheidungskraft, man am schnellsten zu Jnana, zum Wissen kommt, und das führt zu Moksha.

 

So sagt die Bhagavad Gita, dass man am schnellsten zu Moksha kommt, indem man sein Dharma erfüllt und sich mit nichts identifiziert.

Und Svatmarama nennt ja vorher auch Asanas und Pranayama und Mudras und schon andere Meditationstechniken, die auch alle zur Befreiung führen.

Und hier sagt er, die Konzentration auf den inneren Klang ist besonders gut.

Shambhavi Mudra als Methode, Anahata Nada zu hören

 

  1. Vers:

In Muktasana sitzend, Shambhavi Mudra ausführend sollte der Yogi mit gesammeltem Geist auf den Ton im Inneren seines rechten Ohres hören.

Muktasana ist eine der Sitzhaltungen, und es gibt verschiedene Variationen von Muktasana. Bei Yoga Vidya nennen wir es typischerweise Muktasana, wenn die beiden Beine voreinander liegen, so hat es uns auch Swami V. erklärt. Mukta heißt ja ‚befreit‘, das heißt die Beine sind nicht gekreuzt, sondern mukta, befreit.

Brahmananda sagt in seinem Kommentar, dass Siddhasana letztlich gemeint ist, wenn Svatmarama von Muktasana spricht.

Es gibt also jetzt verschiedene Methoden, wie wir den inneren Klang hören. Im 67. Vers sagt Svatmarama: Übe Shambhavi Mudra und richte deinen Geist auf die inneren Klänge, also auf nada antahstha. Manchmal nennt er Anahata, aber hier ist es Antahstha, die im Inneren, anta, befindlich, sta. Und dort sei konzentriert, eka-dhih.

Was heißt das also? Du begibst dich im Grunde genommen in Shambhavi Mudra und dann konzentrierst du dich auf den inneren Klang. Eventuell hörst du ihn im rechten Ohr. Eventuell hörst du ihn, als ob du ihn im Herzen hörst. Deshalb heißt es ja auch Anahata Chakra ‒ das Chakra, wo der unangeschlagene Klang gehört wird. Manche hören es auch im linken Ohr.

Und dann lass dich davon absorbieren.

 

Kurze Anleitung zu Anahata Nada im Kontext mit Shambhavi Mudra:

Sitze ruhig und gerade, schließe die Augen, atme 2-3mal tief ein und aus. Jetzt öffne die Augen und schaue zur Nasenspitze. Lasse jetzt den Atem ganz ruhig werden, schaue weiter zur Nasenspitze und konzentriere dich auf dein Herz in der Mitte der Brust. Halte einen Teil des Bewusstseins im Herzen, schaue weiter zur Nasenspitze, und jetzt konzentriere dich auf dein rechtes Ohr. Vielleicht spürst du dort einen Klang. Schaue weiter auf die Nasenspitze, spüre das Herz, höre den Klang im rechten Ohr oder wo auch immer du einen Klang hören kannst. Genieße dieses Gefühl von Freude im Herzen, Ruhe des Geistes, Anahata Nada, innerer Klang.

Om Shanti

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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