Kommentar zum 3. Kapitel, Verse 44 - 54
Interessanterweise ist die Khechari Mudra die Übung, die in der Hatha Yoga Pradipika mit am ausführlichsten beschreiben wird. Er beschreibt es im 3. und sogar im 4. Kapitel wird sie nochmal erwähnt. Dass er letztlich über 20 Verse mit der Khechari Mudra verbringt, zeigt, dass diese für ihn besonders wichtig ist. Letztlich beschreibt er anhand der Khechari Mudra einiges von der feinstofflichen Physiologie. Du kennst inzwischen Prana (Lebensenergie), die Chakras (die Energiezentren), die Nadis (Energiekanäle). Jetzt beschreibt er etwas über Soma.
Vers 44 in der Übersetzung, der Swami V. folgt: „Derjenige, der mit nach aufwärts gedrehter Zunge verharrt, trinkt den Soma Nektar mit konzentriertem Geist. Er, der Yoga kennt und erfahren hat, wird zweifellos den Tod in 15 Tagen überwinden.“
Sanskrit Bedeutung der Wörter:
Urdhva (nach oben) Jihva (Zunge) Sthira (unbeweglich) Buddhva (der Geist) – die Zunge nach hinten und oben und den Geist auch nach oben. So soll der Geist ganz unbeweglich sein. Dann trinkt man den Nektar. In den vorigen Versen, in denen Svatmarama über Khechari geschrieben hat, nämlich die Verse 32 – 43, hat er sich mehr auf die Aufwärtsbewegung konzentriert: die Zunge, der Geist und das Bewusstsein gehen nach oben. Khe hat etwas mit Himmel, Leere und oben zu tun. Aber wann immer man etwas in eine Richtung übt, geschieht auch die andere Richtung. Indem du den Geist nach oben hin öffnest, strömt dann der Nektar des Mondes nach unten.
Es geschieht das Trinken (Pana) des Mondes (Soma). Wenn man dies einen halben Monat macht (Ardha Masa) dann besiegt (Jayati) man den Tod (Mrityo) und wird zu einem Kenner des Yoga. Er verspricht uns hier natürlich eine Menge. Nur die Zunge nach hinten und Mond trinken, aber da steckt natürlich mehr dahinter. Er sagt, es reicht auch nicht aus, ein einmaliges Erlebnis zu haben, sondern letztlich 2 Wochen intensives Praktizieren, dabei das Bewusstsein immer wieder nach oben bringen, dann bist du dauerhaft darin verankert.
Vers 45: „Was den Yogi betrifft, der seinen Körper täglich mit dem Nektarfluss von Mond stärkt, so mag er sogar von der Schlange Dakshakar gebissen werden, ohne dass das Gift sich in seinem Körper ausbreiten und ihm etwas anhaben kann.“
Gift
Hier beschreibt er subtilere Wirkungen. Wörtlich verstanden könnte man sagen, man muss nur Khechari Mudra üben und dann wird man nicht sterben, wenn einen die Schlangen beißen. Ob dem so ist weiß ich jetzt nicht. In Deutschland gibt es heute weniger Schlangen und auch in Indien gibt es weniger Schlangen als früher. Normalerweise meidet man Gegenden, wo es Schlangen gibt. Das Gift ist nicht nur das physische Gift, wichtiger ist vor allem das geistige Gift. Zum Beispiel können Menschen etwas Schlechtes über einen anderen Menschen sagen, sie können einem die spirituelle Tradition mies machen in der man gerade praktiziert. Menschen können also Gift in seinen Kopf geben. Oder man hat gerade eine gute Beziehung zu einem anderen Menschen und jemand anders erzählt einem etwas und gibt einem Gift. Indem man Khechari Mudra übt und seinen Geist in die Unendlichkeit bringt, wird man immer wieder bedingungslos und man lässt sich nicht so einfach beeinflussen durch das Gift, was einem andere Personen geben.
Natürlich auch im Ayurveda spricht man davon, dass der Soma, der Nektar, das sublimierte Kapha heilend und regenerierend ist. Khechari Mudra erhöht ein sublimiertes Kapha und welches die Regenerationsprozesse des Körpers stärkt. Man kann sagen in der feinstofflichen Physiologie der Hatha Yoga Pradipika gibt es eben zum einen das Prana, die Nadis, die Chakras, die Kundalini und Sonne und Mond.
Sonnen- und Mondenergie
Die Sonnenenergie ist im Bauch und hängt zusammen mit Agni dem Verdauungsfeuer, die Mondenergie ist letztlich im Kopf. Die Mondenergie hat an verschiedenen Stellen eine besondere Wirkung. Zum einen ist sie oberhalb vom Gaumen, zum zweiten ist sie an der Nasenspitze, zum dritten über der ganzen Stirn und zum vierten hinten am Bindu, so nennt es Swami Satyananda, also am Hinterkopf. Von der Seite gesehen bilden all diese Stellen eine Art Halbmond deshalb auch Mondzentrum. Manchmal wird auch Shiva mit einer Mondsichel oberhalb der rechten Augenbraue dargestellt. Die rechte Augenbraue hängt eben mit dem linken Nasenloch zusammen und damit mit Ida. Ida und Pingala werden ja auch als Sonne und Mond bezeichnet. Aber auch Regionen des Körpers sind Sonne und Mond.
Die Sonnenenergie im Bauch ist verantwortlich für Durchsetzungsvermögen, Gestalten, etwas tun, etwas bewirken, Mut zu haben und Willenskraft. Dies ist ein Aspekt des menschlichen Seins. Die Mondenergie entspricht dem Loslassen, dem Regenerieren, dem Vertrauen, der Gnade, dem Segen, dem Geschehen lassen, dem Lernen, der Offenheit, dem Zuhören, der Bereitschaft sich auf einen anderen Menschen einzulassen und auch seine Aufgaben anzunehmen.
Sonnen- und Mondenergie bei Kindern
Und so braucht es beides: Mond- und Sonnenenergie. Es heißt, dass wenn du geboren wirst, kommst du mit einer intensiven Menge von Sonnen- und Mondenergie auf die Welt weshalb die kleinen Kinder zum einen gut wachsen und auch Krankheiten durchaus zügiger heilen, sich von kleinen Unfällen besser regenerieren. Das ist die Mondenergie. Sie lässt den Körper wachsen, das Kind lernen, das Kind heilen, lässt das Kind gute Beziehungen zu seiner Umgebung aufbauen. Dann hat aber das Kind auch große Sonnenenergie. Kinder haben Enthusiasmus, Begeisterung, sie rennen durch die Gegend, machen alles Mögliche, sie werfen mit Dingen usw.
Sonnen- und Mondenergie in späteren Lebensabschnitten
So heißt es, dass sich die Sonnen- und Mondenergie im Laufe des Lebens erst einmal entfaltet. Jugendliche und junge Menschen in ihren Teenager und ihren 20er Jahren wollen viel gestalten, viel tun und bewirken. Dies ist alles die Feuerenergie. Sie sind durchaus auch bereit, sich in Wettbewerb mit anderen zu begeben, wollen sich beweisen und besser sein. Gleichzeitig haben sie aber auch Mondenergie. Sie wollen lernen und ihr Körper hat auch eine gute Regenerationskraft. Menschen in ihren Teenager und 20er Jahren vertragen es durchaus, wenn sie mal eine Nacht nicht schlafen und wenn sie sich sehr stark körperlich fordern. Es gibt eine Regenerationsfähigkeit. Irgendwann ab 30 nimmt das ganze ein wenig ab. Man hat weniger Sonnenenergie. Oft Menschen in ihren 50ern, 60ern und 70er Jahren wollen nicht mehr soviel tun, nicht mehr so viel bewirken, sagen sich manchmal „was soll’s“. Manchmal verbrennt sich das als Altersweisheit. Man ist mehr ruhig und hat gleichzeitig auch weniger Mondenergie, was bedeutet, dass sich der Körper nicht so gut regeneriert. Hat man einen Unfall bleibt dann eher etwas, eine kleine Krankheit kann sich chronifizieren. Es entstehen Falten, Haare werden grau, Zähne fallen aus, Brillen sind notwendig usw. Das heißt der Körper hat weniger Regenerationsfähigkeit und der Geist hat weniger Lernwillen.
Hatha Yoga lädt beide Energien auf
Im Hatha Yoga geht es darum, beide Energien aufzuladen. Letztlich nach der Hatha Yoga Pradipika heißt Alterungsprozess, dass Sonnen- und Mondenergie schwächer werden. Also weniger Gestaltungskraft (Sonne) und weniger Regenerationskraft (Mond). Und so gilt es beides zu stärken und dann bleibt man länger jung. Das ist etwas, was ich immer an den großen Yoga-Meistern bewundere, die ich kenne oder gekannt habe und noch in ihren 90er Jahren geistig sehr neugierig waren, geistig auch über andere Menschen wissen wollten und ernsthaft interessiert waren und sind, und die gleichzeitig weiter auch gestalten wollten. Durchaus anders als wie man es oft in den Schriften liest, wo es heißt, dass in Vanaprastha, also im Alter von 50, 60 man sich langsam zurückzieht, um in Sannyasa, im Alter von 75 nur noch meditiert. Die großen Yoga-Meister, die ich kenne, waren bis in ihre 90er Jahre solche, die weiter merkten, es gibt einiges noch zu tun und zu bewirken. Mit einer gewissen Gelassenheit und als Diener Gottes natürlich.
In diesem Sinne geht es also hier darum, die Mondenergie zu stärken, und das ist eine der Wirkungen der Khechari Mudra. Man könnte auch sagen, dadurch, dass man Sonnen- und Mondenergie aktiviert, kann man länger im Leben lebendig sein und kann man auch mehr Karma in ein Leben hineingeben. Menschen, die Yoga üben, werden zum einen länger leben und zum zweiten werden sie auch länger innerlich lebendig sein, können deshalb auch mehr Karma gestalten, werden deshalb weniger gelangweilt sein und werden auch mehr lernen. So heißt es auch, wer Hatha Yoga übt, kann das Karma von mehreren Leben in ein Leben hineinbringen, was zum einen das Leben interessanter macht und zum anderen helfen kann, in diesem Leben die Gottverwirklichung zu erreichen. Kehren wir zurück zu den Versen der Hatha Yoga Pradipika selbst.
Vers 46: „Ebenso wie ein Feuer nicht ausgeht, solange man Holz nachlegt, wie das Licht in der Lampe nicht ausgeht, solange es durch Öl und den Docht gespeist wird, verbleibt auch Jiva, die individuelle Seele im Körper, solange sie durch die Strahlen des Mondes belebt wird.“ Was also heißen will, solange man die Mondenergie regeneriert, solange sind wir auch lebendig. Khechari Mudra ist eine der Mudras und Hatha Yoga Übungen, die die Mondenergie regenerieren und so einen geistig, energetisch und körperlich jünger hält.
Vers 47: „Er mag täglich das Fleisch einer Kuh essen und Wein trinken, so betrachte ich ihn dennoch als Spross einer höchst vornehmen Familie.“
Vers 48: „Das Wort Go bedeutet auch Zunge. Indem sie in die Öffnung im Gaumen eingeführt wird, isst er das Fleisch der Kuh. Das erlöst von großer Sünde.“
Hier gibt Svatmarama eine esoterische Interpretation einer rot-tantrischen Praxis oder auch einer linkshändigen Praxis, die sogenannten Pancha Makaras, die 5 M’s. Dazu gehört zum einen Fleisch essen, zum zweiten gehört dazu Wein trinken, zum dritten Geschlechtsverkehr mit anderen, mit dem man nicht verheiratet ist. Es gehören noch 2 weitere Dinge dazu. Insbesondere spricht er hier von Fleisch essen und Wein trinken. Dies ist aber nicht wörtlich zu verstehen. Er sagt, die Zunge nach hinten geben, ist das, was man als Fleisch essen bezeichnen kann. Er will letztlich sagen, dass diese linkshändige Tantrapraxis heißt, dass man die Zunge nach hinten gibt. Go bedeutet eigentlich Kuh, aber er sagt hier: Go Shabdini Uddita Jihva (die Zunge ist letztlich Go). Man isst also nicht stets Kuh, sondern man gibt die Zunge nach hinten. Und den Wein trinken, ist eben nicht ein physischer Wein oder berauschende Getränke, sondern das ist den Nektar (Soma) zu trinken. Also Amara Varuni (der Nektar der Unsterblichkeit) ist das, was er im nächsten Vers gebraucht. So sagt er also, indem wir die Zunge nach hinten geben und den Nektar der Unsterblichkeit erfahren, dadurch überwinden wir alle Papas (Sünden) und erfahren Unendlichkeit.“
Vers 49: „Tritt die Zunge in die Öffnung im Gaumen ein so entwickelt sich enorme Hitze im Körper, das bewirkt, dass der Nektar vom Mond zu fließen beginnt. Das nennt man Amara Varuni.“ Varuni wird oft als Wein oder berauschendes Getränk bezeichnet, aber Amara heißt der Nektar der Unsterblichkeit.
Wenn du also in der Khechari Mudra zunächst den Geist nach oben hin ausdehnst, also in Vyoma Chakra oder in Khe in den unendlichen Raum, dann bekommst du plötzlich die Erfahrung, dass von oben Gnade und Segen in dich hineinströmt und eine kühle Brise durch dich hindurch geht, wie die Ganga, der heilige Fluss durch dich hindurch geht, und du fühlst dich wie berauscht und gleichzeitig voller Freude und voller Energie in einem anderen Bewusstseinszustand.
Vers 50: „Bleibt die Zunge, die die Nektarstrahlen des Mondes hervorzubringen vermag, welche salzig, scharf und sauer schmecken und auch der Milch, dem Honig und der gereinigten Butter im Geschmack ähnlich sind, in die Öffnung des Gaumens gepresst, so werden sämtliche Krankheiten und auch das Alter ausgelöscht. Diese Vorgehensweise befähigt ihn dazu, all die Veden und Wissenschaften hervorzubringen und Waffen jedweder Art abzuwehren. Es verleiht ihm Unsterblichkeit und auch die 8 Siddhis und auch die Macht, die Jungfrauen der Siddhis für sich zu gewinnen.“
Erfahrungen durch das einfache Khechari Mudra
Also in diesem Khechari steckt eine ganze Menge. Vom Khechari Mudra gibt es einfache Varianten. Die einfachste Interpretation ist, du gibst die Zunge nach hinten, du dehnst deinen Geist nach oben aus, du bist in der Unendlichkeit. Es kann dir aber auch passieren, dass du das Gefühl hast, dass Nektar und Segen von oben in dich und durch dich hindurchströmt. So sagt er, dass kann jetzt auch zu Geschmackserlebnissen führen, zu subtilen Geschmäckern. Es kann letztlich salzig, scharf und sauer sein. Es kann verschiedenen andere Geschmacksrichtungen haben und es hat diese harmonisierenden Wirkungen und hilft, dass der Körper sich regenerieren kann, Krankheiten heilen können, Alter verschwindet.
Arten von Waffen
Was aber auch heißt, Bewusstsein geht in die Ewigkeit und in die Unendlichkeit und dann verstehst du auch das, was in den Veden steht. Letztlich geht es in den heiligen Schriften darum, Gott zu erfahren. Wenn du Gott erfährst, dann verstehst du, worum es in den heiligen Schriften geht. Wenn du dich selbst als unendlich erfährst, dann werden dir auch Waffen nichts anhaben. Es gibt verschiedene sogenannte Astras. Glücklicherweise leben wir in einer Gesellschaft, wo wenige Menschen andere mit physischen Waffen traktieren. Das war nicht immer so und ist auch nicht in allen Teilen der Welt so. Ist auch nicht in Deutschland immer so gewesen.
Aber es gibt natürlich auch die Waffen des Mundes, wo Menschen dich angreifen, auch vor allen angreifen. Es gibt solche, die hinter deinem Rücken sprechen, es gibt Menschen, die dir Gift einträufeln. Aber wenn du einmal in der Unendlichkeit bist, und weißt, du bist Sat Chid Ananda, dann kann dir all das nichts anhaben. Es gibt vielleicht auch Menschen, die mit irgendwelchen Prana Techniken und negativen Denken, dir negative Energie schicken. In Indien ist dies zum Teil etwas, wovor Menschen sehr viel Angst haben. Und hier sagt Svatmarama: kein Problem, übe Khechari Mudra, verbinde dich mit der Unendlichkeit und Ewigkeit, nichts wird dir etwas anhaben können.
Gut, dann sagt er die Jungfrauen der Siddhas (die kosmischen Kräfte, die du hast) für sich zu gewinnen. Siddha sind die Vollkommenen, die verschiedenen Kräfte haben, die sie aber nicht nutzen, deshalb sind sie weiter Jungfrauen. In diesem Sinne erwirbst du auch verschiedene Kräfte und Fähigkeiten.
Vers 51: „Derjenige, der mit nach oben gewandtem Gesicht und mit der Zunge die Öffnung im Gaumen geschlossen über Kundalini meditiert und die klaren Fluten des Nektarstromes trinkt, der vom Mond im Kopf in den 16-blättrigen Lotus herabfließt, der durch seine Hatha Yoga Pradipika Praktiken die Kontrolle über das Prana erlangt hat, wird zu einem wahren Yogi, frei von jeglicher Krankheit und lebt lange mit einem geschmeidigen, schönen Körper gleich den Fasern eines Lotusstammes.“
Durchführung der Große Khechari Mudra
Hier lässt er jetzt die große Khechari Mudra zu einer Meditationstechnik werden. Er sagt mit nach oben gewandtem Gesicht, also den Kopf nach hinten und Zunge nach hinten und dann zunächst über die Kundalini meditieren, also den Geist nach unten richten. Dann anschließend den Geist nach oben richten, sodass die Kundalini nach oben fließt. Dann wiederum die Mondenergie von oben nach unten strömen lassen. Dieser Prozess in diesen 3 Schritten, der hilft dann, dass der Nektarstrom alles regeneriert, du gesund wirst und den Geist klar hast.
Nochmal die 3 Schritte der Maha Khechari Mudra: Kopf nach hinten, Gesicht nach oben, Zunge nach oben, dann den Geist nach oben bringen zum Unendlichen. Dort eine Weile verharren. Der zweier Prozess ist dann die Energie von oben nach unten strömen lassen. Der dreier Prozess wäre Kopf nach hinten, Zunge nach hinten, dann die Kundalini spüren eventuell das mit Mula Bandha verbinden, die Energie nach oben strömen lassen, dann die Augen nach oben zum Unendlichen führen. Wenn du merkst, dass die Kundalini aktiv geworden ist, bringe sie nach oben zum Unendlichen. Dann anschließend spürst du auf einmal Segen und Ströme der Freude von oben nach unten. Das ist der Nektar. Wenn das geschieht, dann fühlst du dich regeneriert.
Vers 52: „Im Inneren des oberen Teiles von Meru, der Sushumna, ist der Nektar in der innen liegenden Öffnung verborgen. Der Mensch, dessen Intellekt von reiner, sattviger Art ist und nicht verdunkelt von Rajas und Tamas, wird darin die Wahrheit erkennen, seinen eigenen Atman. Es ist der Mund, durch den sich die Flüsse, die Nadis, entleeren können. Vom Mond aus strömt der Nektar, die Essenz des Körpers und die Folge ist der Tod des Sterblichen. Deshalb sollte man das segensreiche, wirksame Khechari Mudra ausführen. Nimmt man sich nicht die Mühe, es zu üben, wird man nie in den Genuss von Kaya Siddhi kommen, das den Körper mit Schönheit, Anmut, Kraft und unüberwindliche Festigkeit ausstattet.“
Wirkungen des Khechari Mudra jenseits der physischen
Hier beschreibt er eine Menge und er beschreibt natürlich auch, dass Khechari Mudra eben nicht etwas ist, das rein physisch ist. Also im inneren des oberen Teiles von Meru, der Sushumna ist der Nektar der innenliegenden Öffnung verborgen. Meru ist diese Mitte und ein anderer Name für die Sushumna. Durch Meru fließt die Energie nach oben. Dann sagt er, es gibt dort eine Öffnung in der Sushumna, Meru, und dort ist eben der Nektar.
Jetzt gilt es sich von Rajas und Tamas zu befreien. So gilt es natürlich auch einen yogischen Lebensweg zu führen, der sattvig ist. Was sowohl äußeres Sattva ist, Ernährung, Körperhygiene, Kriyas, spirituelle Praktiken, mit denen du dich reinigst, ethischer Lebensstil usw. Wenn man sattvig ist, kann man sich letztlich auf diese höheren Chakras Ajna und Sahasrara konzentrieren und dann strömt der Nektar nach unten.
Dann spricht er von Kaya Siddhi. Es gibt sowohl im Hatha Yoga wie auch im Ayurveda eine Technik, die sich Kaya Kalpa (dem Körper eine neue Lebensspanne geben) nennt. Da gibt es verschiedene Techniken und da spielt im Hatha Yoga eben auch die Khechari Mudra eine besondere Wichtigkeit. Khechari Mudra
Vers 53: „In der Sushumna, vor allem in der Öffnung, treffen die 5 Flüsse zusammen, und übertragen göttliches Wissen. Im Hohlraum der Öffnung, die frei ist von Auswirkungen von Avidya (Leid und Täuschung), kann sich Khechari Mudra vervollkommnen.“
Die 5 Öffnungen der Ida, Pingala, Sushumna, ich spreche erst einmal von 5 Flüssen letztlich sind es 7 Flüsse Ganga, Yamuna, Godavari, Saraswati, Narmada, Sindu und Khaveri. Es gibt ja auch die Sapta Sindhava Mantra (Ganga, Yamuna, Godavari, Saraswati, Narmada, Sindu und Khaveri , Namasto Bhyam Namo Namah). Das sind 7 heilige Reinigungsenergien, die 7 besonders wichtigen Nadis entsprechen. Dann ist manchmal von 10 Nadis die Rede und manchmal von 5 Nadis. Es gibt ja auch in Nordindien eine Region, die sich Panjab nennt. Panjab von Pancha, das 5 Stromland. Die 5 äußeren Ströme entsprechen 5 inneren Nadis und 5 inneren Mudras. Die 5 Flüsse werden manchmal auch als diejenigen bezeichnet, die die 5 Elemente tragen. So ähnlich wie auch die 3 Nadis manchmal als jene bezeichnet, die den 3 Gunas oder den 3 Doshas entsprechen. Wenn es 5 Flüsse sind, sind es 5 Elemente und wenn es 7 Flüsse sind, dann sind es die 7 Chakras, die damit in Verbindung sind.
Vers 54: „Die gesamte Evolution lässt sich auf einen Urlaut zurückführen, das Om. Es gibt nur eine wirklich wichtige Mudra, Khechari, nur eine wirklich wichtige Verpflichtung, Dharma, sich von nichts abhängig zu machen. Und letztlich gibt es nur einen wirklichen Avasta, spirituellen Zustand, eben Mano Mani.“
Die Wichtigkeit, Khechari Mudra zu üben
Mit diesem letzten Vers über Khechari Mudra will er beschreiben, wie wichtig es ist, Khechari zu üben. Aus dem Urklang, dem Om, ist das ganze Universum entstanden. Es gibt ja auch im Westen eine Theorie, wie die Welt entstanden ist, ein Urknall. Knall ist ja letztlich ein Urlaut, eine Urschwingung, das ist das Om. Alles läuft letztlich auf das Om hinaus. Alle Mudras laufen letztlich auf Khechari hinaus, dass der Geist im unendlichen Raum verschmilzt und du die Einheit erfährst.
Dharma
Genauso gibt es Dharma, was unter anderem Verpflichtung heißt. Die wichtigste Verpflichtung ist zur Freiheit zu kommen. Dies darfst du nicht vergessen. Es gibt so viele Aufgaben, Verpflichtungen gegenüber Kindern, Partner, Haustieren, Haus und Garten, Gesellschaft, Arbeitgeber, Kunden und viele andere. Diese mögen alle wichtig sein. Man hat Verpflichtungen gegenüber seinem Körper, sich um ihn zu kümmern. Aber die wichtigste Verpflichtung ist Gott zu erfahren, zur Freiheit hinzukommen.
Mano Mani
Und dann natürlich unter allen Avastas, Zuständen, die du so erlebst, geht es letztlich um Mano Mani d. h. um Samadhi. Mache dir nicht so viele Sorgen um die Zustände deines Geistes, woher sie kommen und was sie zu bedeuten haben, sondern richte dich eher danach aus, Unsterblichkeit, Ewigkeit, Samadhi zu erfahren.
Das waren nochmals Verse über die Khechari Mudra, wo es insbesondere um Soma ging, den Nektar, der nach unten strömt und die tiefere Bedeutung der Khechari Mudra. Es ist bemerkenswert, dass letztlich Svatmarama 22 Verse über Khechari Mudra im 3. Kapitel geschrieben hat, was eine ganze Menge sind und er erwähnt es nochmals im 4. Kapitel, was zeigt, wie wichtig dieses Khechari Mudra Svatmarama war. So kannst du dies zum Anlass nehmen vielleicht in deine Pranayama- und Meditationspraxis mindestens kleines und manchmal großes Khechari Mudra zu integrieren und so deine Meditation zu vertiefen.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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