YVS069 Hindernisse in der Meditation

Meditierst du schon eine Weile, oder meditierst du vielleicht schon länger, oder bist du am Anfang? Dann magst du dich fragen:

„Was kann ich machen, um die Meditation zu vertiefen?“

„Welche Hindernisse gibt es bei der Meditation?“

„Wie kann ich sie überwinden?“

Im Yoga sagen wir: „Meditation ist das Natürlichste überhaupt. Deine wahre Natur ist Sat-Chit-Ananda: Sein, Wissen, Glückseligkeit. Einheit mit Allem, reine Bewusstheit, Freude und Liebe, das ist der natürliche Zustand des Menschen. Und genau das ist die tiefe Meditation.“

Aber es gibt alle möglichen anderen Dinge, die der Mensch auch macht, alle möglichen Verhaftungen, alle möglichen Wünsche, alle möglichen Identifikationen. Und im Grunde genommen könnte man sagen: „Jede Verhaftung, jeder Wunsch, jede Identifikation, all das sind Hindernisse.“

Und wenn wir die Hindernisse überwinden, dann kommen wir zu dem, was wir wirklich sind.

Im Grunde genommen ist Meditation einfach. Es gilt das Störende zu beseitigen, und dann leuchtet deine wahre Natur auf.

Meditation ist also etwas anderes, als wenn du lernen willst, deinen Bizeps zu stärken. Und Meditation ist etwas anderes, als wenn du Englisch oder Informatik lernen willst.

Meditation ist das Natürlichste überhaupt. Und indem du meditierst, kommst du zu dem was du in der Wahrheit bist.

Und so ist der Weg der Meditation im Grunde genommen auch das aus dem Weg räumen von Hindernissen.

Swami Sivananda hat auch ein wunderschönes Buch geschrieben, das heißt Konzentration und Meditation. Vielleicht kennst du es. Das Buch kann ich dir auch empfehlen. Es sind einige hundert Seiten nur über Meditation. Dann gibt es ein besonders langes Kapitel über Hindernisse in der Meditation. Ein langes Kapitel mit vielen Informationen über Meditation. Dieses Kapitel kann ich dir empfehlen, daraus kannst du so vieles lernen.

Wenn du bereits eine Weile meditierst, solltest du dir zwischendurch immer wieder vornehmen, deine Meditation weiter zu vertiefen. Überlege dann ganz konkret: „Was kann ich tun, um meine Meditation zu vertiefen?“

Manchmal hilft es schon, sich das zu überlegen und sich gegebenenfalls einen Plan zu machen, anstatt sich einfach nur hinzusetzen und beim Sitzen irgendwo mit der gewohnten Technik anzufangen und sie nachher doch zu vergessen, oder entweder in einen meditativen Dös-Zustand abzugleiten, oder in einen Nachdenk-Zustand, oder in einen Verwirrtheitszustand.

Stattdessen überlege dir: „Wie will ich heute meditieren? Wie will ich es machen, dass die Mantra-Meditation tiefer ist?“ Und wenn du mit einer Achtsamkeitsmeditation übst: „Wie will ich vermeiden, dass ich mich in der Meditation einfach in anderen Gedanken verliere?“

Im Anschluss an die Meditation überlege: „Wie war meine Meditation heute?“

Und überlege dir: „Wie will ich das nächste Mal meditieren?“ Und dann probiere verschiedenen Techniken aus.

Manchmal ist es gut, anderes auszuprobieren, wenn man mit der bisherigen Technik nicht so gut weiter kommt.

Also falsche Zufriedenheit in der Meditation ist gerade für den erfahrenen Meditierenden ein Hindernis.

Man kann zwar sagen, für die Gesundheit und für psychisches Gleichgewicht ist die Meditation auch langfristig hilfreich, wenn du weder konzentriert bist, noch wach und bewusst, aber du willst ja nicht nur gesünder und harmonischer leben. Letztlich willst du in der Meditation zur Tiefe des Selbst und zu Gott kommen.

Bist du ein(e) erfahrene(r) Meditierende(r), kannst du auch überlegen: „Habe ich Engagement in der Meditation? Überlege ich vor der Meditation, wie ich meditieren kann? Wann habe ich mir das letzte Mal Gedanken gemacht, wie ich meine Meditation vertiefen kann? Und was kann ich tun, um meine Meditation wieder zu vertiefen?“

Im ganzheitlichen Yoga  – den wir bei Yoga Vidya lehren   – sind Meditation, Asanas und Pranayama die drei Hauptpraktiken. Und wenn du in der Meditation weiter kommen willst, solltest du auch ausreichend davon üben.

Am Anfang ist es gut, jeden Tag etwas und einmal in der Woche mehr davon zu praktizieren. Aber im Laufe der Zeit, wenn du in der Meditation vorankommen willst, solltest du schon die Meditation auf 20 Minuten steigern und deine Asana- und Pranayama-Praxis auf mindestens 40 Minuten erhöhen.

Irgendwo fehlt dir vielleicht die Motivation für die Meditation. Du hast eventuell den Wunsch verloren, spirituell zu wachsen. Dann hilft es, dafür zu sorgen, dass du spirituell motiviert bist.

Im Grunde genommen kann man sagen, dass Meditation tiefer wird, wenn du auch spirituelles Interesse hast.

Wie könntest du spirituelles Interesse wieder wecken?

Eine Möglichkeit ist, eine Weile mit Menschen zusammen zu sein, die spirituelles Interesse haben.

Angenommen du bist in der 2-Jährigen Yogalehrer-Ausbildung. Dann triffst du dich typischerweise einmal pro Woche mit anderen. Mache das bewusst, und schaue, dass du dort auch die Gespräche um deine spirituelle Praxis zentrierst.

Du kannst auch regelmäßig in einen Ashram oder an einen Retreat-Ort gehen, wo du zusammen bist mit anderen, die darüber sprechen.

Oder mache das, was du jetzt machst: Schaue dir Videos an, oder höre Audios zum Thema „spiritueller Weg“.

All das, was man auch als Satsang bezeichnet, ist eben auch Inspiration im Zusammensein mit anderen.

Oder lies jeden Tag ein paar Sätze aus einem spirituellen Buch  – zum Beispiel aus dem wunderschönen Buch „Konzentration und Meditation“ von Swami Sivananda. Du wirst merken, die Meditation wird zügig tiefer werden.

Das Nächste wäre auch Viveka (Unterscheidungskraft) im Sinne von, überlege, was dich wirklich langfristig glücklich macht: „Was von dem, was du gerade machst, wird langfristig wirklich wichtig sein? Welche Menschen sind wirklich glücklich? Sind es die, die Geld haben? Sind es die, die mehr ansehen haben? Sind es die, die beruflich erfolgreich sind?“

Du wirst feststellen, dass das nicht wirklich so ist.

Oder sind es die Menschen, die die Erleuchtung erlangt haben, die großen Meister und Meisterinnen? Dann wirst du sagen: „Ja!“

Wenn du so darüber nachdenkst: „Was könnte dich dauerhaft glücklich machen?“

Dann wirst du feststellen, es sind die spirituellen Praktiken.

Und wenn du das weißt, wirst du mit größerem Engagement praktizieren.

Viveka ist also Unterscheidungskraft. Die führt zu Vairagya (Verhaftungslosigkeit) und auch zur Untersuchung der Fragen: „Wer bin ich? Was ist wichtig? Was ist die Welt? Was ist das, was nach dem Tod Bestand hat?“

Es ist öfters gut, das Leben in die rechte Perspektive zu rücken, um dir wichtig und bewusst zu machen: „Spiritualität, das ist besonders wichtig im Leben!“

Tipp: Spiritualisiere dein weltliches Leben und sei dir bewusst, spirituelles Leben ist auch gut für Beruf, Familie und Partnerschaft. Und wenn du wirklich über einen längeren Zeitraum merkst, was du den größten Teil des Alltags tust, ist nicht gut für dich, inspiriert dich nicht, ist im Konflikt zum spirituellen Leben und vielleicht sogar zum ethischen Leben, dann sei konsequent.

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Stark gekürzter Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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