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Im Yoga lernen wir insbesondere, auch in der Gegenwart mehr zu sein. Und wenn wir mehr in der Gegenwart sind, kann das verschiedene Wirkungen haben. Ich will zwei davon herausgreifen. Die eine ist, wir können gelassener werden, und die zweite ist, wir können intensiver leben. Die beiden scheinen sich zu widersprechen, denn gelassener heißt ja, wir sind nicht so von den Hochs und Tiefs beeinflusst. Wir können es lernen, eine Beobachterposition einzunehmen. Und das ist z.B. etwas, was sich gerade als heilsam gezeigt hat bei Schmerztherapie, auch in der Psychologie, in der Psychotherapie. Gerade in der so genannten kognitiven Verhaltenstherapie gibt es gerade so eine große Strömung, die praktisch ausgerechnet in der früher eher materialistisch orientierten kognitiven Verhaltenstherapie die spirituelle Wende fast herbeiführt.

Also, wir lernen, im Hier und Jetzt zu sein, die Dinge zu beobachten. Man lernt es, seine Emotionen anzuschauen, zu beobachten, man braucht sie nicht zu verdrängen, man braucht nicht so viel darüber nachzudenken. Man lernt, zu erkennen: „Ich bin nicht die Emotionen. Ich kann einen Standpunkt einnehmen jenseits davon und kann sie beobachten, kann sie zulassen, ohne davon überwältigt zu werden.“ Und genauso eben auch in der Schmerztherapie, man lernt: „Schmerzen mögen da sein, und vielleicht ist kurzfristig nichts daran änderbar, aber ich muss deshalb mir nicht zu viel Sorgen dort machen. Ich kann lernen, ich kann mich davon lösen, ich kann einen Standpunkt einnehmen jenseits davon und deshalb gelassener umgehen.“ Und das kann man mit vielen Aspekten seines Lebens tun. Wir können lernen, es zu beobachten und zu einem Standpunkt zu kommen, der jenseits ist all dieser Veränderungen.

Das ist ein Standpunkt, der im Yoga auch als Sakshi Bhav bezeichnet wird oder im Buddhismus wäre es der Vipassana Aspekt. Und in beiden Traditionen kann man es als den Achtsamkeitsaspekt bezeichnen. Dann gibt es aber einen zweiten und das ist, das, was wir machen, mit ganzem Herzen zu tun. Das, was wir machen, mit Liebe zu tun. Und das, was wir erleben, bewusst zu erleben.

Viele Menschen, wenn sie z.B. in dieser wunderschönen Frühlingsnatur spazieren gehen, erleben den Frühling nicht so intensiv, weil sie viel nachdenken. Gut, spazieren gehen eignet sich auch manchmal gut zum Nachdenken. Aber wenn wir ganz bewusst da sind, ganz bewusst gehen, bewusst atmen, bewusst riechen, bewusst spüren, bewusst hören, dann kann ein Frühlingsspaziergang zu einer spirituellen Erfahrung werden. Yogis sagen ja im Grunde genommen, wir sind eins, wir sind verbunden, wir sind letztlich in Liebe und Freude mit allem verbunden und das Göttliche ist überall wahrnehmbar. Und wenn wir ganz im Hier und Jetzt sind, ist es erfahrbar. In einer Yogastunde, was die Yogastunde besonders schön macht, ist, wenn wir ganz in der Gegenwart da sind.

Atmung ist letztlich Gottesdienst. Einatmen und ausatmen, darin kann Gott erfahren werden, was auch immer man darunter verstehen will. Man kann auch sagen, Liebe erfahren werden, Verbundenheit erfahren werden. Mit jedem Atemzug stehen wir letztlich in Verbindung mit allem drum herum. Wir können das bewusst wahrnehmen, wir können es spüren. Mit jedem Schluck, den wir trinken, kann Gotteserfahrung da sein. Zugegeben, wenn ich jetzt zu euch spreche, ist nicht das Trinken, was mir das gibt, sondern wenn ich jetzt zu euch spreche und irgendwo mich mit euch verbunden fühle, das ist die spirituelle Erfahrung. Gut, das Trinken mache ich jetzt, dass ihr vielleicht ein visuelles Zusatzerlebnis habt, so könnt ihr euch darauf einstellen. Wenn wir das, was wir machen, mit Herzen machen, in der Gegenwart, mit Bewusstheit, dort ist immer eine spirituelle Erfahrung dabei. Und wenn wir Yoga üben, können wir das häufiger machen. Und wenn man in den Asanas das erfährt, wenn man es ab und zu mal ganz bewusst erfährt, weil man bewusst geht, bewusst isst, bewusst kommuniziert, dann wird das zu einer Fähigkeit, die man entwickeln kann, eine Fähigkeit, Gott, die göttliche Erfahrung oder wie auch immer man es ausdrücken will, immer wieder häufiger zu erfahren. Und das ist auch das, was zwischenmenschliche Erfahrung schön macht, Herzensverbindung. Wenn wir mit einem Menschen sind, wirklich ganz da sein, vom Herzen, und dann, auch das führt zu einem intensiveren Erleben.

Hari Om Tat

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

 

 

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Tags: Sukadev, tägliche inspiration

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