Wie man Energieblockaden lösen kann

Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute geht es wieder um den 3. Vers im 4. Kapitel der Yoga Sutren, mit der Frage, wie man Energieblockaden auflösen kann.

Energie kann fließen, wenn keine Blockaden da sind. Das gilt auf körperlichem Gebiet wie auf allen anderen. Auf körperlichen Gebiet gilt es, die Selbstheilkräfte fließen zu lassen. Auf psychischem Gebiet gilt es, die psychischen Selbstheilkräfte und die innere Energie fließen zu lassen. Es gilt noch mehr bezüglich göttlicher Gnade. Oft fragen wir uns: „Wie erreiche ich die Selbstverwirklichung? Mache ich das durch eigene Anstrengung oder ist es Gnade?“

Darüber haben sich die katholische und die evangelische Kirche Jahrhunderte lang gestritten und die Köpfe eingeschlagen. Hier wird manchmal von christlicher Seite den östlichen spirituellen Traditionen vorgeworfen, sie wollen sich gewaltsam die Befreiung, die Erlösung erzwingen, erarbeiten. Das sei doch gar nicht möglich. Doch dieser Gegensatz ist gar nicht so stark, wie oft angenommen wird.

Man muss schon irgendetwas machen, ganz von selbst geht es letztlich auch nicht. Aber was man macht, ist nichts anderes, als die Blockaden aufzuheben, so dass alle Energien fließen können. Das Ego kann nicht selbst zur Befreiung kommen. Das Individuum kann nicht selbst die Befreiung erreichen, weil es im Zustand der Befreiung gar nicht existieren kann. Aber du kannst als Individuum Blockaden beseitigen und dann kann die göttliche Gnade fließen. Und diese göttliche Gnade, die kann dich zu höheren Bewusstseinsebenen führen.
Ich habe noch keinen erlebt, der mir gesagt hat: „Ich hatte gestern eine tiefe Meditation, eine Gotteserfahrung. Ich habe sie mir aber redlich verdient, weil ich so viel praktiziert habe.“ Wir arbeiten an uns selbst und manchmal kann es sein, dass man Tage, Wochen, Monate, Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte praktiziert hat. Manchmal hat man schönere Erfahrungen, manchmal trockene Erfahrungen, manchmal bekommt man einfach nur durch Meditation etwas mehr Gleichmut, etwas mehr Ruhe, etwas mehr Beständigkeit, und Energie, aber nicht das, was man sich von der Meditation erhofft, nämlich den überbewussten Zustand.

Und dann plötzlich, aus heiterem Himmel, kommt diese wunderbare, großartige Erfahrung von Gottesnähe, eine Vision des Göttlichen, die Transzendierung des Körperbewusstseins, die Erfahrung von Liebe, von Einheit, von Freude. Ein Moment dieser Erfahrung wirkt Tage, Wochen, Monate nach, kann das ganze Leben dauerhaft verändern und bereichern.

Woher kommt dieser große Zustand, nachdem man ja so intensiv strebt? Er kommt aus Gnade. Durch Praxis hat man den Kanal geöffnet und dann fließt diese Gnade. Man hat nicht die Gnade geschaffen, diese Gnade fließt einfach überall. Und so gilt es, immer wieder zu beten und zu praktizieren. Die Analogie hat natürlich auch ihre Grenzen.Es ist nicht so, dass wir jetzt nur hart genug arbeiten müssen und dann wird die Gnade schon fließen. Wir öffnen uns, wir arbeiten etwas an uns selbst, wir bemühen uns, unseren Geist zu öffnen. Egal, mit welcher Technik. Egal, ob wir durch Asanas und Pranayama unsere Nadis reinigen, ob wir durch Bhakti uns Gott hingeben und so unsere Gefühle öffnen, ob wir uns durch Jnana Yoga fragen: „Wer bin ich?“ oder ob wir im Karma Yoga unser Herz öffnen, indem wir anderen Menschen helfen und dienen. All das öffnet uns. Und dann, wenn der Moment gekommen ist, dann fließt die göttliche Gnade und führt uns in höhere Bewusstseinszustände.

Es gilt, das Beste zu tun, was wir machen können, dann loszulassen und auf göttliche Gnade zu vertrauen.

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3
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