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Im Yoga sprechen wir manchmal von Gott. Und da ist es nicht immer einfach zu verstehen, was wird eigentlich im Yoga unter Gott verstanden. Sanskritbegriffe wie Brahman, Purusha, IshwaraIshta Devata sind unterschiedliche Konzepte, beziehen sich auf unterschiedliche Erfahrungen, und im Deutschen verwenden wir dort einfach den Ausdruck „Gott“ dafür. Und wenn man im Yoga den Ausdruck „Gott“ hört, muss man auch aufpassen, dass man nicht einfach die bisherigen Konzepte dort überträgt, insbesondere dann, wenn man mit dem Ausdruck wenig anfangen kann.


Der Ausdruck „Gott“, wenn wir es allgemein betrachten, beinhaltet einfach, dass es eine höhere Wirklichkeit gibt, die hinter dem ganzen Universum steht, die im Inneren von jedem Menschen wirkt, die sich ausdrückt durch alles Wirken in der Natur und die irgendwie erfahrbar ist. Letztlich ist Gott eine Erfahrungssache. Yogis würden sagen, es ist keine Glaubensfrage, denn Glauben wissen wir nicht und manche sagen, nach dem Tod haben wir Gewissheit. Ob wir nach dem Tod Gewissheit haben, können wir in diesem Leben nicht wissen. Wir können aber in diesem Leben etwas erfahren. Manchmal übersetzt man dann auch Gott als das Transzendente, als das Numinose, das Nichtbegreifbare. Manchmal wird gesagt, es ist die höhere Wirklichkeit, es ist die kosmische Energie, es ist die göttliche Mutter. Und jeder Mensch erfährt das irgendwie anders.

Für den einen ist Gott letztlich die Schönheit in der Natur. Wir können zwar sagen, von der Evolutionsbiologie können wir vieles verstehen, warum was ist, aber warum wir es letztlich als schön empfinden. Yogis würden sagen, Gott ist erfahrbar als Satyam, Shivam, Sundaram. Gott ist erfahrbar als Sundaram, als Schönheit. Gott ist erfahrbar als Shivam, als Liebe, als Güte. Wenn wir einen Menschen vom Herzen her lieben oder wenn wir eine besondere Liebe empfangen, dort irgendwo hat, glaube ich, jeder das Gefühl, da leuchtet jetzt das Göttliche auf. Satyam – Gott ist die höhere Wahrheit und Wirklichkeit hinter allem. Die Welt ist nach Meinung aller spirituellen Traditionen nicht einfach irgendwo ein Zufallsprodukt. Und keine Physik kann uns wirklich erklären, wie diese Welt entstanden ist. Yogis würden sagen, hinter der Welt ist letztlich Gott, das Göttliche. Und es ist auch erfahrbar und zwar in jedem Teil der Schöpfung. Diese höhere Wirklichkeit können wir erfahren.

Gott kann aber auch Ishwara sein, ein persönlicher Gott. Das heißt, im Sinne von, man kann eine Beziehung aufbauen zu Gott. Wir können das Wirken von Gott oder Göttin oder kosmischem Bewusstsein oder höhere Wirklichkeit, wie auch immer wir es nennen wollen, wir können das irgendwo spüren, erfahren. Und nicht nur erfahren abstrakt, als Schönheit, als Güte, als Liebe, als irgendwo dahinterliegende Wirklichkeit, sondern man kann mit Gott auch in Kommunikation treten. Manchen fällt das leichter, manchen weniger leicht. Und manche haben mehr die abstrakte Gottesvorstellung ohne persönlich, die anderen haben eine eher persönliche und das ist das, was ihnen am meisten sagt.

Diese persönliche Beziehung, wenn sie da ist, können wir weiter ausbauen. Auf eine gewisse Weise können wir sagen, eine der vielen Wirkungen des Yoga und aller Yogapraktiken ist auch, uns zu öffnen für die Erfahrung der höheren Wirklichkeit. Wenn wir Asanas üben, die Körperstellungen, die sind natürlich ausgesprochen gesund. Sie sind in vielen Studien erwiesenermaßen gut gegen Rückenprobleme, Kopfweh, sie sind gut gegen Bluthochdruck, Schlafstörungen, sie helfen bei so vielem Verschiedenen. Aber die Asanas und die Tiefenentspannungstechniken helfen auch, Spannungen zu lösen, sie helfen, Bewusstheit auszudehnen, sie helfen, mehr Energie zu haben. Und wenn wir die Spannungen lösen, mehr Bewusstheit haben, mehr Energie haben, dann können wir in einer Asana oder in der Tiefenentspannung Zugang bekommen zu einer höheren Wirklichkeit. Sie manifestiert sich als Freude, sie manifestiert sich als Ausdehnung, als Verbundenheit, als Liebe und das können wir dann eben auch bezeichnen als Erfahrung des Göttlichen.

Wenn wir Mantras singen – Mantrasingen hilft zunächst mal, Spannungen abzubauen, Mantrasingen hilft, Energien zu aktivieren, Menschen können die Chakras spüren, wenn sie regelmäßig Mantras singen. Manchmal schon beim ersten Mal, manchmal braucht es ein paar Mal. Manchmal muss auch erst der Widerstand gegen das Neue überwunden werden und dann spürt man, ja, da passiert was mit Chakras. Aber dann irgendwann ist es nicht mehr einfach Chakras, sondern irgendwo ist es Freude, ist es Liebe, man spürt, ja, es gibt etwas Höheres. Und da wird auch wieder das Göttliche erfahrbar.

Meditation. Am Anfang, wenn man meditiert, spürt man erst die Knie und den Rücken und die Schultern, als nächstes spürt man all die Gedanken, die da sind, dann spürt man verschiedene Reinigungserfahrungen, denn Meditation führt ja auch zur Selbsterkenntnis, auch im relativen Sinne. Wir spüren also alles Mögliche, was dort in unserem Geist noch so vor sich geht. Und dann wird irgendwann der Geist ruhiger. Vielleicht nur einen Bruchteil einer Sekunde, vielleicht ein paar Sekunden, vielleicht auch länger. Und in dieser Ruhe hat man plötzlich das Gefühl: „Ja, ich öffne mich für eine höhere Wirklichkeit. Sei es, mein höheres Selbst, die Tiefen meiner Seele, die Intuition.“ Sei es, dass man sich öffnet nach oben und das Gefühl hat: „Da ist ein Segen, da ist eine Gnade, da ist ein Licht, da ist das, worin ich geboren bin.“ Und manchmal ist dort einfach eine Gewissheit, eine Gewissheit, das Universum macht Sinn, ohne dass wir es genau konkret beschreiben können. Es ist nur einfach eine Gewissheit, die da ist: „Das Universum macht Sinn und ich bin darin geborgen und darauf kann ich vertrauen.“ Das kommt in der Meditation früher, später, irgendwann auf die ein oder andere Weise. Und so können wir sagen, die verschiedenen Yogapraktiken helfen uns auf verschiedenen Ebenen, Gesundheit, emotionales Gleichgewicht, mehr Energien, all das ist empirisch nachweisbar, sie helfen uns, mehr Zugang zu unserer Kraft zu bekommen, mutiger zu sein, sie helfen uns auf so vielen Ebenen, und sie helfen uns auch, Zugang zu finden zu einer höheren Wirklichkeit, die wir in Ermangelung eines anderen Wortes als Gott bezeichnen können oder wie auch immer wir wollen.


Hari Om Tat Sat

 

 

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

 

 

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Tags: Sukadev, gott, tägliche inspiration

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