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Namaste und herzlich willkommen zu den täglichen Inspirationen. Ich möchte heute sprechen über Verhaftung, Anhaftung. Was ist überhaupt Verhaftung? Was ist Anhaftung?

 

Verhaftung und Anhaftung sind Ausdrücke, die in der Bhagavad Gita häufig verwendet werden, die häufig verwendet werden, um das Englische Wort „attachment“ zu übersetzen. Was heißt Verhaftung, Anhaftung? Verhaftung heißt, dass du an etwas hängst, an etwas gebunden bist, was eigentlich vergänglich ist.

 

Du kannst verhaftet sein z.B. an Vorstellungen. Du kannst z.B. die Vorstellung haben, dass etwas so und so sein sollte und auch wenn es anders ist, nimmst du es nicht zur Kenntnis und du schimpfst über andere. Also als erstes hast du eine Verhaftung an eine Vorstellung, du bist gebunden an eine Vorstellung, du kannst sie nicht loslassen. Als zweites kannst du verhaftet sein an Dinge, die dir scheinbar gehören. Du kannst z.B. verhaftet sein an dein Auto. Du kannst verhaftet sein an dein Fahrrad und an deine Kleidung. Das heißt, du möchtest, dass dieses Auto so ist, wie du es gerne hättest, du möchtest, dass es nicht verschwindet. Wenn z.B. ein Kratzer am Auto ist, dann bist du traurig.

 

So siehst du, dass dort eine Verhaftung ist. Oder du bringst das Auto zur Inspektion und der Werkstattinhaber oder der Monteur sagt, „oh, ob wir das Auto nochmal über den TÜV kriegen“ und es gibt dir einen Stich ins Herz. Das heißt, du warst am Auto verhaftet. Du kannst auch an deiner Kleidung verhaftet sein. Du entdeckst das erste Loch in der Kleidung oder einen Flecken, der nicht mehr rausgeht. Wenn dir das einen Stich ins Herz gibt, dann bist du verhaftet an die Kleidung.

 

Du kannst verhaftet sein an Menschen. Es gibt dabei zwei Arten von Verhaftungen. Grundsätzlich kannst du verhaftet sein an Menschen überhaupt, z.B. an deine Frau, deinen Mann, deine Kinder und deine Eltern. Eine gewisse Verhaftung ist menschlich und realistisch gesprochen, ohne eine gewisse Verhaftung wird es schwierig sein, dort überhaupt solche engen menschlichen Beziehungen zu haben. Aber was schwierig ist, ist die Verhaftung an die Vorstellung. Also, du stellst dir vor, dein Kind müsste so und so sein. Es muss z.B. unbedingt Gymnasium machen und anschließend studieren. Aber dein Kind mag das nicht, sondern will stattdessen eher in eine handwerkliche Richtung gehen oder will sich irgendwo zwei Jahre Auszeit nehmen, bevor der eigentliche Beruf ergriffen wird. Du kannst verhaftet sein an die Vorstellungen, wie deine Frau oder dein Mann sein sollte, wie er oder sie zu dir sein sollte, wie es richtig wäre, eine Ehe zu führen. Wie es richtig wäre, dass deine Eltern usw. sind. Das ist alles Verhaftung.

 

Du kannst auch verhaftet sein an eine Vorstellung, wie du selbst zu sein hast. Z.B. du denkst: „So und so müsste ich mich verhalten, so und so müsste es richtig sein.“ Daran kannst du dich auch anhaften, dabei kannst du dich binden. Das Gegenteil wäre, du hältst dich schon an Ethik, aber du stellst öfters mal in Frage: „Sind meine Vorstellungen, die ich davon habe, wirklich die richtigen? Gibt es auch andere Weisen, das zu sehen? Wie könnte ich es anders sehen?“ Du kannst auch verhaftet, also gebunden sein, z.B. an deine Tätigkeit. Z.B. du hast einen Beruf und in dem Beruf werden Dinge so und so gemacht werden. Jetzt gibt es eine Umstellung in der Firma und plötzlich muss alles anders gemacht werden. Wenn dir das sehr unangenehm ist, wenn du darüber schimpfst usw., dann heißt das, du bist gebunden an deine Tätigkeit bisher.

 

Verhaftungslosigkeit würde heißen, du nimmst es an, dass neue Herausforderungen auf dich warten und du anders sein könntest. Und du freust dich auch über die neuen Herausforderungen. Es gibt des Weiteren Verhaftungen und Bindungen an Vorstellungen über das spirituelle Leben. Du bist z.B. vielleicht daran verhaftet, wie ein spiritueller Lehrer zu sein hat. Das Gegenteil von Verhaftung an die Vorstellung über einen spirituellen Lehrer ist eben Offenheit und schauen: „Was kann ich lernen? Was will mir der spirituelle Lehrer sagen? Wie kann ich davon lernen?“ Du kannst verhaftet sein an bestimmte Formen des Sadhana, der spirituellen Praxis. Z.B. du machst deine Asanas immer so.

 

Jetzt hast du einen kleinen Unfall und jetzt geht z.B. einiges nicht, weil dein Handgelenk verstaucht ist. Du kannst dich da furchtbar darüber ärgern oder irgendwo aus Protest gegen das Schicksal gar keine Asanas mehr üben oder du lernst es, das zu tun, was eben geht, dann machst du vielleicht das Sonnengebet nicht mit Unterstützung auf die Hände, sondern auf die Ellenbogen. Du wirst bestimmte Asanas nicht oder anders machen können, aber du kannst weiter spirituell praktizieren. Du kannst verhaftet sein an die Vorstellung, wie fortgeschritten oder nicht fortgeschritten du bist. Du kannst verhaftet, also gebunden sein an Vorstellungen, was zum spirituellen Weg gehört oder nicht.

 

Das Gegenteil von Verhaftung und Bindung ist also Verhaftungslosigkeit, geistige Offenheit, Bereitschaft, alles zu tun und dich selbst auch immer wieder in Frage stellen und Bereitschaft, aus allem was kommt, zu lernen. Verhaftungslosigkeit heißt, Menschen so anzunehmen, wie sie sind, Dinge so anzunehmen, wie sie sich entwickeln. Daher mein Tipp, lerne deine eigenen Verhaftungen kennen, lerne es, dich davon zu lösen und lerne es, ein verhaftungsloses, offenes Leben zu führen, das hilft zu großer Freude. Verhaftungslosigkeit heißt aber auch weiterhin, dich an Ethik zu halten. Es heißt, auch weiter regelmäßig im Sadhana zu sein. Es heißt auch, weiter Vratas, Vorsätze zu fassen und sie auszuführen. Nur an konkreten Vorstellungen, an konkretem Besitz, an konkreten Gedanken über Menschen, daran kannst du lernen, dich zu lösen von Vorstellungen.

 

Om Shanti

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

 

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Tags: Bhagavad Gita, Bhagavad Gita Audio-Vortrag, Sukadev, tägliche inspiration

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