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Ich lese etwas aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna, dem Lehrer, Inkarnation Gottes, und Arjuna, dem Schüler. Wir sind im 15. Kapitel, 14. Vers. Krishna spricht: "Nachdem ich zum Feuer vaishvanara geworden bin, wohne ich im Körper aller Lebewesen, und in Verbindung mit Prana und Apana verdaue ich die vierfache Nahrung." Im 15. Kapitel spricht Krishna über den Yoga des höchsten Geistes, das ist die Überschrift dieses Kapitels, wo Krishna zunächst sagt, dass Gott das Unendliche ist, das überall ist, ewig, absolut. Dann anschließend sagt er: Wenn wir Gott nicht in allem sehen können, dann können wir Gott in persönlicher Gestalt sehen. Wir können sagen, Krishna ist Gott, oder Jesus ist Gott, oder wir können Gott als Gottmutter oder Gottvater sehen. Und im nächsten Schritt sagt er: Und wir können Gott in den verschiedenen großartigen Dingen sehen, die es überall gibt. Und hier erwähnt er eines, nämlich die Verdauung. Wir nehmen Nahrung zu uns, und über diese Nahrung kann sich der Körper bewegen. Wir nehmen das so als etwas ganz Selbstverständliches hin. Aber wenn wir es genauer analysieren, ist das ein großes Wunder. Und so können wir schon allein im Wunder der Verdauung sehen, dass da etwas Großartiges dahinter ist, letztlich eine kosmische Intelligenz, und diese Intelligenz können wir mit dem Namen „Gott“ benennen.

Im 15. Vers sagt Krishna: "Ich wohne in den Herzen aller. Aus mir kommen Erinnerung und Erkenntnis sowie deren Fehlen. Ich bin in Wahrheit das, was durch alle Veden erfahren werden muss. Ich bin in der Tat der Schöpfer von Vedanta und auch der Kenner der Veden". Also, Krishna als Inkarnation Gottes sagt: „Ich wohne in den Herzen aller.“ Im Herzen von jedem ist Gott. Das gilt vor allem in der Hinsicht, dass jeder Bewusstsein hat. Was einen Menschen wirklich ausmacht, ist Bewusstsein. Man kann inzwischen Roboter herstellen, die genauso aussehen wie Menschen. Man kann Roboter herstellen, die auch sprechen wie Menschen. Man kann Roboter herstellen, die sich bewegen wie Menschen. Man kann Roboter herstellen, die logische Schlüsse ziehen können wie Menschen. Man hat sogar schon irgendwelche Algorithmen eingebaut, dass die Roboter auch unlogisch denken können, das ist ja auch eine besondere Fähigkeit des Menschen. Man hat es aber noch nicht geschafft, alles zusammenzubringen: dass der Roboter also erstens aussieht wie ein Mensch, zweitens sich so bewegen kann wie ein Mensch, drittens so denken kann wie ein Mensch, sowohl so logisch als auch so unlogisch, aber in den nächsten zehn bis zwanzig, vielleicht auch zwanzig bis dreißig Jahren, wird das vermutlich möglich sein. Und dann wird man nicht mehr unbedingt wissen, wer von denen, die hier im Sivananda-Saal zur Meditation sitzen, ein Roboter und wer ein Mensch ist. Aber ein großer Unterschied wird sein, dass Roboter immer noch nicht bewusst sind. Das macht nämlich letztlich Menschsein aus: Der Mensch ist sich bewusst. Und hier steht, dass dieses Bewusstsein, dass hinter allem Lebendigen steckt, letztlich Gott ist. Ich könnte auch sagen, die Klugheit hinter der Erfindung von so einem Roboter, auch das ist Gott. Dann sagt er auch, dass alle Erkenntnis und alles Wissen auch Gott ist. Etwas zu erkennen, ist etwas Göttliches. Sich an etwas zu erinnern, ist auch etwas Göttliches. Dann sagt er etwas Eigenartiges: Ich bin auch das Fehlen von Wissen und Erkenntnis. Manchmal handeln wir ganz klug, und manchmal weniger klug. Manchmal erinnern wir uns an unsere Vorsätze, und manchmal vergessen wir sie. Und es ist zunächst mal leichter, Gott in dem Großartigen zu erkennen. Aber mit ein bisschen Humor kann man auch in der Unintelligenz des Handelns etwas Faszinierendes erkennen. Ich kann mich erinnern, irgendwann vor über 30 Jahren habe ich mal ein Buch gelesen, so ein altes Buch von meiner Großmutter, und das hieß "Über die Dummheit". Dort waren 400 Seiten geschrieben, wie faszinierend menschliche Dummheit letztlich auch ist. Gut, Mensch ist intelligent, Mensch handelt auch sehr töricht, und wir können in beidem letztlich sehen, dass da irgendwas Großartiges ist.

„Ich bin in Wahrheit das, was erfahren werden muss.“ Also, das, worum es geht, das ist letztlich das Göttliche. Und, Gott ist der Schöpfer von Vedanta und den Veden. Damit sagt Gott, dass es der Sinn des Lebens ist, Gott überall zu erkennen. Und er hat uns dafür auch die Mittel gegeben. Er hat dazu die Schriften inspiriert. Es gibt ja in allen Weltreligionen sogenannte offenbarte Schriften, von denen es heißt, dass sie nicht von Menschen gemacht worden sind, sondern dass Gott sie offenbart hat, ob das jetzt die Bibel ist, im Alten oder im Neuen Testament, ob es die Veden sind oder der Koran. Also, er ist die offenbarten Schriften. Aber er ist dann auch Vedanta. Vedanta steht hier für die spirituellen Philosophien, welche die großen Meister verkündet haben. Und letztlich ist er die verschiedenen Praktiken, die uns helfen, zum Höchsten zu kommen. So ist es gut, sich immer wieder daran zu erinnern: Gott ist das Ziel, Gott ist das Mittel, und Gott ist das, was jetzt existiert. Gott ist die verschiedenen Schritte auf dem Weg, aber auch die Hindernisse dorthin. Und so ist alles Lila, göttliches Spiel, was wir mit großer Ernsthaftigkeit und großem Humor leben können und mitspüren können.

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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