mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Ungute sind durch Habgier und Zorn gefesselt – BhG XVI.12

Bhagavad Gita, 16. Kapitel, 12. Vers: „Asa-pasa-satair baddhah kama-krodha-parayanah ihante kama-bhogartham anyayenartha-sancayan.“ Krishna spricht: „Von hundert Stricken der Hoffnung gebunden und der Gier und dem Zorn anheimgestellt, bemühen die asurischen Menschen sich mit ungesetzlichen Mitteln, Reichtum für ihr Sinnesvergnügen anzuhäufen.“

Krishna beschreibt in diesen Versen, wie asurische Menschen sind bzw. auch wie du als asurischer Mensch sein könntest. Und er will dich davor warnen: Sei nicht so! Er sagt so: „Hundert Stricke der Hoffnung.“ Gut, Hoffnung ist ja erst mal was Positives. So wie es in der Bibel heißt: Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Eine positive Hoffnung ist letztlich, irgendwann Gott zu erreichen. Ein guter Glaube ist, dass Gott irgendwo hinter allem steckt. Liebe ist natürlich das Höchste, wie Paulus sagt in einem seiner Briefe. Aber Hoffnung hier ist etwas anderes. Was Krishna hier als Hoffnung heißt, sind alle möglichen Vorstellungen. Man denkt: „Ja, das und das will ich erreichen. Das und das will ich erreichen. Das brauche ich noch unbedingt.“ Ein Mensch, der in dieser Form von Hoffnung ist, lebt nicht in der Gegenwart. Immer wieder denkt er: „Ja, das müsste ich noch erreichen. Das kommt noch irgendwann.“ Und so wie sie irgendetwas erreicht haben, sofort wollen sie mehr. Hundert Stricke der Hoffnung. Und Menschen, die von hundert Stricken der Hoffnung gebunden sind, die leben in der Zukunft, sie können nicht in der Gegenwart das Göttliche wahrnehmen. „Der Gier und dem Zorn anheimgestellt.“ Gier: „Das brauche ich. Das brauche ich. Das brauche ich. Das brauche ich. Usw.“ Und natürlich bekommt man nicht immer das, was man will, und dann kommt Ärger. Und dann ärgert man sich über dies, ärgert sich über jenes. Dann folgen schließlich auch ungesetzliche Mittel. Wenn man nicht mit gesetzlichen Mitteln hinkommt, kommt man zu ungesetzlichen Mitteln. Wobei, wenn Krishna über ungesetzliche Mittel spricht, ist das nicht nur das, was gegen die Rechtsordnung verstößt. Natürlich auch das. Glücklicherweise leben wir ja in einem Rechtsstaat, wo Recht ist, was durchaus auch nach ethischen Prinzipien rechtmäßig ist. Es gab auch Zeiten, da war es anders. Siehe das "Dritte Reich" oder auch andere Zeiten. Unser heutiger Rechtsstaat bemüht sich ja, die Grundethik, die auch die Grundlage hinter der Bhagavad Gita ist, in eine Gesetzesordnung hineinzubringen. Ob das immer in allen Fällen gelingt, ist eine andere Sache. Und man kann schon sagen, unsere Rechtsordnung ist auf der Ethik aufgebaut. Aber was die Bhagavad Gita spricht von ungesetzlich, ist nicht nur, was der Rechtsordnung entspricht, sondern die Ethik geht typischerweise noch weiter. Menschen, die ständig daran denken, dass sie das und das brauchen, die werden sich nicht an Gesetze halten und sie werden sich auch nicht an Ethik halten. Sie wollen Reichtum anhäufen für Sinnesvergnügen, für Macht, für Ansehen usw. Achte darauf, dass du nicht durch irgendwelche Vorstellungen und irgendwelche Gier plötzlich vom rechten Weg abkommst. Dass du nicht plötzlich denkst: „Ah, das brauche ich. Und um das zu erreichen, dazu muss ich das und das tun.“ Immer dann, wenn du dich über irgendetwas ärgerst, bist du irgendwo zu einem Sklaven geworden von irgendeiner Vorstellung, irgendeiner Gier. Und immer dann, wenn du merkst, dass du mehr für dich brauchst als du mit rechtmäßigen, ethischen Mitteln bekommen könntest, da bist du schon wieder auf einem Weg im Sinne von Asura, zum Unguten. Sura heißt ja das Gute, Asura heißt wörtlich das Ungute. Achte also darauf, dass du nicht diesen Tendenzen zum Opfer fällst. Sei dir bewusst, letztlich geschieht, was geschehen soll. Letztlich, habe Vertrauen! Aber erfülle auch deine Bestimmung. Werde nicht faul und träge, sondern sage dir: „Ich bin hier, um zu wachsen. Ich bin hier, um mich zu entwickeln. Ich bin hier, um Gutes zu bewirken. Ich bin hier, um Liebe zu spüren, Liebe zu geben und hinter allem das Göttliche zu sehen.“

Unbearbeitete Niederschrift eines Bhagavad Gita Audio-Vortrags mit Sukadev Bretz. Mehr Infos:

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 106 X ANGESCHAUT

Tags: Bhagavad Gita, Bhagavad Gita Audio-Vortrag, Sukadev, tägliche inspiration

Kommentar

Sie müssen Mitglied von mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen