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"Swadhyaya – durch Selbststudium zur Selbsterkenntnis“

Ich wollte etwas lesen aus einem Buch von Swami Sivananda. Es hat aufgeschlagen auf „Swadhyaya“. Swadhyaya heißt Selbststudium.
Und Selbststudium hat verschiedene Aspekte. Swadhyaya gehört zum Raja Yoga, dem Yoga der Gedankenkontrolle. Raja Yoga sagt, wir sind in der Lage, unsere Gedanken zu steuern. Wir sind nicht einfach davon abhängig, dass äußere Umstände sich so entwickeln, dass unser Geist fröhlich wird. Und das ist letztlich auch der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Eine Katze kann sich nicht eines Morgens hinsetzen und sagen: „Ich fühle mich schlecht. Ich würde mich gerne besser fühlen.“ Sie macht instinktiv irgendwas. Vielleicht frisst sie was oder springt dem Herrchen oder Frauchen auf den Schoß – und macht es auf diese Weise. Aber es geschieht instinktiv.
Der Mensch kann sagen: „Ja, so wie mein Geist momentan funktioniert und arbeitet, ist es nicht so gut. Ich hätte gerne etwas anderes.“ Gut, und dann fahren viele dann ins Haus Yoga Vidya, um dann hier einige Techniken zu lernen, mehr Prana zu bekommen, Übungen zu lernen und neue, positive Gewohnheiten zu bekommen.
Gut, das können Menschen immer wieder machen und wir können auch die normalen Wege verlassen, die vielleicht sonst in unserer Umgebung üblich sind. Wir können die instinktive Ebene verlassen. Das ist der große Vorteil des Menschen.
Wir können Rajas werden, wir können zu Herrschern werden. Wir sind in der Lage, unseren eigenen Geist zu steuern. Bis zu einem gewissen Grad. Die Analogie ist ja auch – Raja, König oder Herrscher. Ein Herrscher kann nicht jeden einzelnen seiner Untertanen steuern. So wenig können wir auch jeden einzelnen unserer Gedanken und jeden Aspekt unserer Persönlichkeit steuern. Wie schön das wäre, wenn wir uns jederzeit vollständig verändern könnten, sei auch dahingestellt.
Aber wir können mit dem, was in uns angelegt ist und mit dem, was das Universum uns anbietet, auf einer gewissen Weise spielerisch umgehen. Wir können die Perspektive wechseln und können sagen: „Ich will von einem größeren Ganzen aus handeln.“, „Ich will aus dem Bewusstsein der Einheit heraus handeln.“, und „Ich möchte so meine Persönlichkeit entwickeln, dass ich stets dieses Bewusstsein der Einheit habe. Das ist also das Ganze vom Raja Yoga.
Und im Raja Yoga gibt es die 8 Ashtangas, 8 Stufen. Auf der zweiten Stufe gibt es die sog. fünf Niyamas und dort spielt Swadhyaya eine gewisse Rolle. Selbststudium. Und Selbststudium hat wiederum zwei Aspekte.
Der eine ist, sich selbst zu studieren. Selbstbewusst zu sein. Bewusst werden. Sich zu erkennen auch im relativen Aspekt, um so zu überlegen: „Ja, was habe ich eigentlich in meinem Geist so alles drin?“, „Was habe ich in meiner Persönlichkeit?“
Und darauf aufbauend kann man noch überlegen: „Und was darin möchte ich gerne weiter ausbauen?“, „Was daran möchte ich vielleicht etwas schwächer werden lassen?“, oder „Wie kann ich alle Teile meiner Persönlichkeit in eine gewisse Richtung ausrichten?“


Also ist Swadhyaya ein wichtiger Aspekt. Aber damit Swadhyaya nicht nur zur eigenen Nabelschau wird und wir uns dort nur im Kreis drehen, hat Swadhyaya auch noch eine andere Bedeutung, nämlich das Studium von Schriften. Und zwar das eigenständige Studium von Schriften. Das klingt heute selbstverständlich, dass wir Bücher lesen und dass wir selbst die alten Schriften lesen, wie Bhagavad Gita, Yoga Sutra oder auch die Bibel und die Schriften großer Meister.
Das war früher nicht ganz so selbstverständlich. Wenn Menschen nicht lesen und schreiben konnten und vielleicht nur die Priester die Schriften lesen konnten, waren alle Menschen nur davon abhängig, dass die Priester ihnen diese erläuterten. War ja auch die lutherische Revolution, dass die Menschen die Bibel selbst lesen sollten und nicht nur das, was die Priester ihnen erzählt haben, geglaubt haben. Patanjali, viele hundert Jahre vorher, hat das auch schon gesagt: „Lest selbst die Schriften, sodass ihr also eine gewisse innere Freiheit auch habt. Aber auch, dass ihr nicht in euren eigenen Gedanken euch verheddert.“
Man kann sich nämlich vieles auch vorgaukeln. Und es gibt verschiedene Zeitströmungen und immer wieder Modeströmungen und die müssen sich immer auch an den alten Schriften messen lassen, dass wir nicht die spirituellen Praktiken nach unserem eigenen Gutdünken verändern, sondern dass wir schauen, das was seit Jahrtausenden Menschen zur höchsten Verwirklichung geführt hat, das wird sie auch heute zur höchsten Verwirklichung führen. Sie müssen immer unterschiedlich umgesetzt werden, weil eben die Zeiten sich ändern, aber die Grundlagen bleiben gleich.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

Kommentar von Angela am 15. März 2009 um 12:22pm
Beim Durchlesen des Vortrages kommt mir der Vergleich zu einem Fundament. Ich ziehe immer wieder Vergleiche mit einem Haus. Jedes Haus braucht ein Fundament und wie das Haus hinterher aussieht hängt von Deinen Vorstellungen, von der jeweiligen Mode und vielleicht auch noch von äußeren Umständen(Bauamt etc) ab.
Dieses Fundament ist sehr wichtig, ansonsten würde das Haus zusammenfallen. Die Grundlagen (das Fundament) bleiben und das ist exsistentiell wichtig.
Es ist ein sehr guter Vortrag.
Danke

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