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Ich lese aus der Bhagavad Gita (BhG), dem Zwiegespräch zwischen Krishna, dem Lehrer, und Arjuna, dem Schüler.
Wir sind im 18. Kapitel, 62. Vers, wir kommen langsam zum Schluss der BhG,
und damit zur Essenz der Lehren von Krishna, und Krishna sagt:

„Fliege ihm entgegen – ihm, Gott, dem Göttlichen, dem Kosmischen, dem Universellen, dem höheren Bewusstsein, der kosmischen Energie - um bei ihm Zuflucht zu suchen mit deinem ganzen Wesen, oh Arjuna,
durch seine Gnade wirst du höchsten Frieden und die ewige Wohnstatt erlangen.“

Vor siebzehn Kapiteln hat Arjuna dem Krishna eine Frage gestellt, er wusste nicht genau, was ist seine Pflicht, was ist seine Aufgabe, wie soll er sich entscheiden. Krishna hat Arjuna über viele Kapitel verschiedene Kriterien gegeben,
nach denen er sich entscheiden kann. Aber die Essenz letztlich ist: wir sollten nach bestem Wissen und Gewissen abwägen, und dann wissen, dass wir nicht genau wissen.
Schon Sokrates hat gesagt: „Ich weiß, daß ich nichts weiß.“; mindestens das hat er gewusst.
Und so ähnlich, wir versuchen herauszufinden, was unsere Pflicht ist – gut, manchmal ist es schon klar, es ist nicht so, daß wir immer in der Ungewissheit handeln, aber eben manchmal wissen wir es nicht sicher.
Und dann müssen wir uns irgendwann entscheiden, und dann übergeben wir alles Gott. Und so ist nicht der Weg zum Frieden, dass wir immer das Richtige tun, und dass wir immer vollkommen sind, und niemals auch nur im Geringsten irgendwo etwas tun, was nicht okay ist, das wäre unrealistisch.
Diese physische Welt ist anityam-asukham, also sie ist vergänglich, und außerdem nicht voller Glück.
Und so gibt es nichts – und auch noch asukham, also auch ohne das dort vollständige Reinheit wirklich ist,
die Welt hier ist ein gemischter Ort, das macht ja auch die Faszination aus.
Angenommen, man wäre nur umgeben mit Vollkommenen: wäre das schön? Klingt erst einmal schön.
Aber ich kann euch einmal die Frage stellen:
Angenommen, ihr würdet jetzt einen Kinofilm sehen, und in dem Kinofilm würde jeder nur immer das 100%-ethisch Korrekte machen, und es wäre für alle Handelnden von Anfang bis Ende ganz klar, was sie zu tun hätten. Wer wollte einen solchen Film sehen?
Weil niemand einen solchen Film sehen will, wird er auch nicht produziert. Und so, selbst Gott will es nicht sehen, und deshalb produziert er kein Weltall, das so ist.Sondern diese Welt ist eine gemischte Welt, wo jeder Mensch verschiedene Anteile hat, wo alle Unterschiedliches haben. Gut, es gibt das Konzept des verwirklichten Heiligen, von dem Krishna auch spricht. Und so ist es sehr wohl möglich, die höchste Vollendung zu erreichen, aber das führt dann auch nicht dazu, daß wir stets 100% wissen, was zu tun ist. Aber wir wissen: ich bin das unsterbliche Selbst.
Und solange wir auch das nicht wissen, ist das Leben eigentlich noch faszinierender. Denn dann denken wir manchmal: ja, ich bin das unsterbliche Selbst, und zum anderen Moment denken wir: ich bin ein armer Tropf,
und zwischendurch denken wir noch vieles Andere. Mit all dem müssen wir irgendwo unser spirituelles Leben fasziniert leben.
Und Krishna gibt uns hier eben einen Tipp - unter den vielen anderen, die er in den anderen 800 Versen der BhG ja auch gibt -, Nimm Zuflucht bei Gott, egal, was du machst, nimm Zuflucht bei Gott.
Mit deinem ganzen Wesen, sagt er hier. Also nicht nur mit den guten Anteilen in dir, sondern auch mit dem, was du vielleicht nicht nur als gut interpretierst. Mit deinem ganzen Wesen, mit allen Aspekten sagen wir: "Oh Gott, hier bin ich, und so bin ich halt. Nimm mich an, ich nehme bei dir Zuflucht, wirke durch mich hindurch, und bitte sage mir, was zu tun ist."
Und jetzt hast du es mir nicht so genau gesagt, jetzt werde ich mich dafür entscheiden, ich bringe dir das da.
Und dann sagt er: durch seine Gnade wirst du höchsten Frieden und die ewige Wohnstatt erlangen.
Also er gibt uns hier zwei Versprechen, das erste ist: wir werden so Frieden erlangen, wenn wir uns, unser Handeln auf Gott beziehen.
Und dann sagt er auch, wir werden die höchste Wohnstatt erlangen,
wir werden erfahren, wo unsere eigentliche Wohnung ist, das Selbst, das Unendliche, das Göttliche.
Und hier sagt er auch: durch seine Gnade.
Die höchste Verwirklichung ist eine Mischung aus eigener Anstrengung und Gnade. Es wäre unsinnig zu sagen, wir erreichen die Verwirklichung allein durch Gnade. Warum wäre es unsinnig? Dann könnten wir ja machen irgendwo , was uns in den Sinn kommt. Wenn wir große Lust haben, jemanden umzubringen, bringen wir ihn um,
wir werden jedoch die Verwirklichung erlangen, wenn das die Gnade so erfordert. Also auch wenn z.B. das lutheranische Christentum sehr davon sagt : sola gratia – allein durch Gnade kommen wir dorthin, es wird dennoch auch noch gesagt : sola scriptura – also durch das Studium der heiligen Schrift öffnen wir uns, daß wir die Gnade spüren können. Letztlich ist es Gnade, die uns zum Höchsten führt, aber um diese annehmen und erfahren zu können, dafür gilt es auch, etwas zu tun.

Und so kommt im 63. Vers noch, daß Krishna als Konsequenz davon sagt:

"So ist dir von mir die Weisheit mitgeteilt worden, die geheimer ist als das Geheimnis selbst. Nachdem tu all dies überlegt hast, tue was du willst."

Die Bhagavad Gita sagt er : geheimer als das Geheimste.
Das ist immer so lustig in diesem-, insbesondere in der BhG. Was ist das populärste Buch in Indien ? Die BhG.
Da gibt es zig Millionen, eine Auflage von zig Millionen. Und Krishna war schon zu seinen Lebzeiten irgendwo sehr bekannt, und das Lehrgespräch von Krishna war schon sehr schnell recht bekannt. Es war nie wirklich geheim. Dennoch ist es geheim. Geheim ist es insbesondere dann, wenn man es nicht versteht, es ist vor den Augen, und man kennt es trotzdem nicht. Nur wenn wir wirklich streben, dann erfahren wir dieses Geheimnis.
Und wenn wir all dies getan haben, all dies überlegt haben, dann gilt es zu tun, was wir tief im Herzen spüren.
Ich habe es jetzt etwas salopp übersetzt, aber eigentlich steht dort: yathecchasi. Also nach: ta iccha, tu nach deinem iccha. Und iccha hat verschiedene Bedeutungen. Auf eine Weise kann man sagen, iccha heißt Wunsch, zum anderen heißt es Willen, aber es heißt auch tiefe Herzenssehnsucht, und heißt: das, was du tief im Inneren spürst.
Und so sollten wir unsere viveka nutzen, um zu schauen, was ist ethisch, was ist nicht ethisch, was ist unsere Pflicht, was ist nicht unsere Pflicht, was ist die Aufgabe, was ist sattwig, rajasig, tamasig. Wer diese Dinge kennt, davon hat Krishna gesprochen.Wenn wir all dies abgewogen haben, dann tun wir das, was tief im Herzen in uns ist,
und bringen alles Gott dar.

Hari OM Tat Sat.

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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