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Ich will etwas lesen aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna und Arjuna. Wir sind im 9. Kapitel und ab dem Vers 16 beginnt Krishna mit dem, was man als Vibhuti Yoga bezeichnen kann. Eins der Kapitel, das 9. oder das 10., hat auch den Namen „Vibhuti Yoga“. „Vibhuti“ heißt „die göttlichen Herrlichkeiten, die Großartigkeit“. Man könnte es auch anders ausdrücken: Staunen lernen. Eine Weise, wie wir Gott wahrnehmen können und uns Gottes bewusst werden können, unser Herz öffnen können und unser Herz verbinden können mit etwas Höherem, ist Staunen. Das haben wir oft im Alltag vergessen, es ist alles so normal. Aber wir vergessen, dass eigentlich nichts wirklich normal ist. Wenn man ein einziges Blatt anschaut, es ist etwas Großartiges. Und man kann es auf sich wirken lassen. Die Farbe grün – gerade jetzt ist ja die grüne Jahreszeit. Vor einem Monat war die bunte Jahreszeit, da hat alles geblüht. Jetzt ist die grüne Jahreszeit. Alles wird grün, langsam auch dunkelgrün. Und da ist eine besondere Kraft und Schönheit drin, wenn man einfach dieses Grün auf sich wirken lässt. Und wenn man vom wissenschaftlichen Standpunkt ausgeht und schaut, was alles da drin ist. Angefangen vom Chlorophyll und wie die ganzen Säfte der Pflanze transportiert werden und wie das Sonnenlicht umgewandelt wird in Pflanze und die Pflanze dann das weitergibt und dann die Tiere davon leben können, oder das ganze kompostiert. Also jeder Komposthaufen ist ein unglaubliches Wunder der Schöpfung und wenn man das sieht, kann man auch staunen. Wir können es erfühlen und durch das Erfühlen merken wir, da ist mehr dahinter als nur das Stoffliche. Dort ist das Prana, dort ist die Lebensenergie, da ist Mutter Erde, da ist die kosmische Energie dahinter. Wir müssen uns ab und zu mal am Tag Momente geben, wo wir staunen. Und über das Staunen, diese Herrlichkeit Gottes erfahren. Staunen gehört übrigens, laut moderner Psychologie, zu den Grundemotionen des Menschen. Und gehört zu den Emotionen, die den Menschen dauerhaft glücklicher macht, wenn er sie öfter mal hat. Also Menschen, die regelmäßig staunen, sind insgesamt glücklicher als solche, die das seltener tun.
Wir können dieses Staunen durchaus üben. Er nennt es deshalb ein Yoga. Es ist nicht etwas, das hat man oder man hat es nicht, oder es ist möglich oder es ist nicht möglich, sondern der Yoga des Staunens – Vibhuti Yoga – ist einer der, man kann sagen, 18 Yogas, die Krishna in der Bhagavad Gita empfiehlt. Und er empfiehlt zunächst mal das Staunen in besonderen Dingen. Und ich werde jetzt so ein paar Sachen vorlesen, wo Krishna sagt, da kann man z.B. Gott erkennen, das Selbst erkennen, oder wenn Krishna jetzt als Inkarnation Gottes spricht, sagt er: „Du kannst Mich dort erkennen.“ Er hatte vorher gesagt: „Ich bin in allem.“ Darüber habe ich gestern, ich glaube gestern Abend, kurz gesprochen.
Er sagt: „Ich bin Kratu, das Weisheitsopfer, ich bin Yajna, die Feuerzeremonie.“ Also in Ritualen können wir auch durchaus staunen. Wir können dort das auf uns wirken lassen. Das hat diese Herzöffnung dabei und es ist auch etwas, was wir nicht ganz verstehen können. Wenn wir hier z.B. Homas oder Pujas machen, meistens gebe ich eine Erklärung. Aber keine Erklärung kann wirklich erklären, was dabei vorgeht.
„Ich bin die Speise.“ Also Gott ist das Essen. Auch das ist eigentlich eine großartige Sache. Dort gibt’s was und das essen wir und davon leben wir. Das Essen selbst ist etwas Großartiges.


„Ich bin das Heilkraut.“ Dass gegen jede Krankheit irgendein Kraut gewachsen ist, ist auch etwas Erstaunliches. Die Kräuter wachsen ja nicht deshalb, weil sie irgendjemand gebastelt hat, damit sie für den Menschen dort gut sind. Kräuter wachsen. Und dass die Kräuter dann heilen können, ist was Großartiges. Wer Magenbeschwerden hat und einen Kamillentee trinkt – etwas ganz Banales, das die meisten kennen – das wirkt dann. Wieso wirkt es? Wir können dabei staunen. Natürlich könnte man auch sagen, jede Arznei. Auch das ist etwas Erstaunliches.
„Und ich bin alle Pflanzen.“ Also die Heilkräuter. Aber Gott ist nicht beschränkt auf die Heilkräuter. Auch die Giftpflanzen – auch das ist was Großartiges.
„Ich bin das Mantra. Ich bin die geschmolzene Butter. Ich bin das Feuer. Ich bin die Opfergabe.“
Hari Om Tat Sat
Einen Moment Stille. Vielleicht können wir einen Moment lang den Vögeln lauschen und staunen.
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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