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Ich will heute Morgen ein paar Worte über die sogenannten Körpersamyamas sagen, die Patanjali im dritten Kapitel des Yoga Sutra beschreibt. Sie sind für mich so eine Art Schlüssel um zu verstehen, wie Hatha-Yoga wirkt und zwar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Natürlich hier beim Kinderyoga-Kongress besonders auch wichtig für die Kinder.
Körper und Geist stehen nämlich in einer Beziehung, in einer Verbindung. Und wenn wir Yoga üben, tun wir das nicht nur, um unsere Flexibilität, unseren Kreislauf und unsere Muskelkraft zu verbessern, wenngleich das natürlich auch eine wichtige Rolle spielt. Aber wir üben Yoga auch, um mehr Energie zu haben und um besser entspannen zu können. Wir wollen zu einem geistigen Gleichgewicht finden und geistige Kraft bekommen. Wir wollen unsere verborgenen Stärken und unsere Lebensaufgabe erkennen. Wir wollen Zugang zu einer höheren Wirklichkeit finden und dabei mitfühlende Wesen werden. Und natürlich wollen wir auch, dass unsere Kinder all das erreichen.
Kindern zu sagen: „Du musst so und so sein!“ ist nun kaum erfolgreich. Das war es früher auch nicht unbedingt. Das Beispiel vorleben wäre natürlich besonders gut. Aber zum einen überfordert man sich da als Erwachsener, und zum anderen hat sich gezeigt, dass die Eltern gar nicht so wahnsinnig wichtig sind, wenn es darum geht, wie Kinder sich entwickeln.
Ich habe gerade gestern noch mal einen Artikel gelesen, einen Abschnitt aus einem englischen Buch, wo beschrieben wird, dass die Eltern eigentlich gar nicht so wichtig sind, wie man meistens denkt. Sie sollen sich liebevoll um die Kinder kümmern und ihnen traumatische Erfahrungen er¬spa¬ren. Ansonsten orientieren sich die Kinder meistens an ihren Gleichaltrigen, den sogenannten Peers. Und so wäre es also am klügsten, wenn man versuchen würde, die anderen Kinder zu verändern. Aber das ist noch schwieriger. Wo setzt man also an?
Und da gibt es nun einen Trick und der nennt sich Yoga. Es geht darum, Kindern das Wissen zu vermitteln, dass etwas „von innen heraus“ kommt; dass „von innen heraus“ das kommt, was man eigentlich sucht. Und dieses „Von-Innen-Heraus“ kann dann auch auf andere übergehen. Und genau dieses „Von-Innen-Heraus“, wird ja gerade im Hatha-Yoga gefördert. Wenngleich ethische Erziehung natürlich etwas Wichtiges ist, ist es hilfreich, wenn Menschen über Konzentration nach innen die guten Teile in sich verstärken, anstatt eine Ethik von außen aufokktruiert zu bekommen.
Einige Verse im dritten Kapitel des Yoga Sutra geben da ein paar Anhaltspunkte. Ich habe schon gestern in meiner Einführungsrede ein paar Worte dazu gesagt. Eine Aussage von Patanjali ist, dass man durch Konzentration auf die Nabelgegend Wissen um Aufbau, Struktur und Bedürfnisse des Körpers bekommt. Das heißt, wenn wir uns regelmäßig auf die Nabelgegend kon¬zen¬trieren, bekommen wir einen Zugang zu unseren eigenen Bedürfnissen. Und wenn man nun Kin¬dern beibringt, regelmäßig ihre Bauchgegend zu spüren, würde das dazu führen, dass sie die natürlichen Bedürfnisse ihres Körpers erfahren und erspüren. Und dann fällt es viel leichter, sie dazu zu bringen, weniger Pommes Frites und Cola zu wollen und vielleicht nicht den ganzen Tag mit Nin¬ten¬do und ähnlichen Spielen zu verbringen. Konzentration auf die Nabelgegend führt dazu, dass diese in¬nere Intelligenz aktiv wird, dass Kinder das suchen, was sie brauchen.
Eine zweite schöne Aussage ist, dass Konzentration (oder samyama, liebvolle Achtsamkeit) auf die Herzgegend zum Verständnis des Geistes führt. Wobei der Ausdruck, der dort im Sanskrit steht, eigentlich nicht „Geist“ im Sinne von „Wortgedanken“ ist, son¬dern „Geist“ im Sinne von „Gefühl“, „Spüren“, „Emotionen“, „Bedürfnisse“. Man kann also durchaus versuchen, Menschen mit dem moralischen Zeigefinger zu liebevollen Mitbürgern erziehen, es gibt aber auch geschicktere Methoden.
Insbesondere kann man dies machen, in¬dem man sie dazu bringt, sich regelmäßig auf das Herz zu konzentrieren – ihr eigenes Herz oder das Herz von jemand an¬der¬em. Wenn wir andere verstehen wollen, ist es gut, das Herz der anderen zu spüren. Und auch das kann man im Kinderyoga integrieren: auf spielerische Weise das Herz von jemand anderem zu erspüren.
Dann gibt es die Aussage, dass Konzentration auf das Kehlchakra zum Reduzieren oder zum Auf¬hören von Gier und Durst führt: Manche sind getrieben – Außenorientierung – dafür steht das Wort, das im Sanskrit steht. Und indem wir uns auf das Kehlchakra konzentrieren, führt das dazu, dass wir weniger innere Löcher spüren, die wir von außen füllen müssen, dass es eine gewisse Zufriedenheit gibt. So ist auch die Konzentration hierauf sehr wichtig.
Eine weitere Aussage: Samyama – liebevolle Achtsamkeit auf die Wirbelsäule (kurmanadi) führt zu Festigkeit. Auch das ist in unserer heutigen Zeit wichtig. Natürlich ist auch Anpassungsfähigkeit wichtig, aber ebenso ist Festigkeit von Bedeutung. Und Konzentration auf die Wirbelsäule führt zu dieser Festigkeit und Beständigkeit inmitten einer äußerlich unruhigen Welt.
Ein anderer Vers besagt schließlich, dass Konzentration auf das Licht oberhalb des Kopfes zu Kontakt mit einer höheren Wirklichkeit führt. Damit ist jetzt nicht eine religiös konkret gebundene Wirklichkeit gemeint, sondern etwas, was viele erfahren, wenn sie sich nach oben konzentrieren – eine intuitive Verbundenheit. Auch das kann man spielerisch oder auch durchaus ernsthaft ein paar Sekunden in Kinderyogastunden in¬te¬grie¬ren: die Vorstellung „Licht oberhalb des Kopfes“ und dann entsteht so eine intuitive Verbindung.
Und so wird vieles möglich. Und vermutlich ist es so, dass es nicht nur diese Körper-Samyamas gibt, die starke Wirkung haben, sondern dass auch die Konzentration auf viele andere Teile des Körpers bestimmte wunderbare Wirkungen auf den Geist hat.
Und so wollen wir den heutigen Tag angehen: Mit der Bewusstheit, dass die verschiedenen Hatha-Yoga-Kon¬zen¬tra¬tions¬formen auf den Körper, geistige und spirituelle Wirkungen haben, und dass das eine der Gro߬artig¬kei¬ten des Hatha Yoga ist.



Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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