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Swami Sivananda schreibt in diesem Kapitel über Samadhi aus seiner eigenen Erfahrung. „Samadhi“ heißt „der überbewusste Zustand“. Samadhi ist die Erfahrung der Einheit. Samadhi ist die höchste Erfahrung, derer der Mensch fähig ist. Samadhi ist die Erfahrung, die so schön ist, dass, wenn man sie einmal gehabt hat, man immer wieder dorthin zurückfällt. Wenn diese Erfahrung gemacht worden ist, dann transformiert sie alles Sein.
Ich lese gerade ein paar der Überschriften vor, die Swami Sivananda in diesem Kapitel über Samadhi hat.
„Ein Zustand vollkommenen Wachseins.“
Wir haben in unserem Alltag drei Gemütszustände: Wachzustand, Traumzustand und Tiefschlaf.
Im Wachzustand gibt es Subjekt/Objekt-Trennung, das heißt, ich sitze hier, ihr sitzt dort. Und ich bin so groß, ihr seid so groß. Also, es gibt mich, es gibt andere. Subjekt/Objekt-Trennung. Aber es gibt eine gewisse Wachheit. Im Traumschlaf träumen wir und dort besteht alles eigentlich aus dem Subjekt. Also, ich selbst manifestiere mich als alle Objekte im Traum. Es ist eine andere Art von Gemütszustand. Um im Traumzustand erinnere ich mich nicht an den Wachzustand. Dagegen erinnere ich mich im Wachzustand an den Traum. Im Tiefschlaf-Zustand gibt es keine Subjekt/Objekt-Trennung und die Erfahrung von allen Wesen ist gleich. Wenn ich jetzt den Bharata fragen würde, wie seine Erfahrung war, würde er schweigen, weil er eigentlich im Schweigeseminar ist. Aber ich könnte die Suguna fragen, wie ihre Tiefschlaferfahrung ist und ich könnte den Andreas fragen. Und sie würden beide darin übereinstimmen, dass sie mir nicht antworten können. Nicht, weil sie schweigen, sondern weil die Erfahrung des Tiefschlafs nicht in Worte zu fassen ist. Dort gibt es kein Subjekt/Objekt. Es gibt niemanden, der etwas erfährt. Aber dennoch kann man nicht sagen, dass der Schlaf nichts ist, denn wir wachen ja am nächsten Tag auf. Und typischerweise etwas erholter als wir eingeschlafen sind.
Jetzt heißt es, der Samadhizustand ist eine Mischung aus Wachzustand und Tiefschlaf. Aber nicht im Sinne von Traum, sondern er ist Wachzustand im Sinne vollkommenen Wachseins. Er ist eine allumfassende Wachheit. Nichts ist mehr Unbewusst. Wir sind nur Bewusstheit. Es gibt nichts, dessen wir uns nicht bewusst sein könnten. Aber nicht deshalb, weil wir hunderttausend Dinge gleichzeitig dort haben, sondern weil wie im Tiefschlaf die Subjekt/Objekt-Trennung aufgelöst ist. Das heißt, es gibt nicht mehr jemanden, der etwas erfährt, es gibt nur noch unendliche Erfahrung, unendliches Wachsein, unendliches Gewahrsein.
Nächste Überschrift schreibt Swami Sivananda: „Die vierte Dimension“.
Also, Wachen, Träumen, Tiefschlaf – aber auch im Sinne von, jetzt haben wir Länge, Breite und Tiefe. In Samadhi kommen wir in die vierte Dimension jenseits dieser drei.
„Samadhi schenkt Moksha.“
Moksha heißt Befreiung. Also, Samadhi ist nicht einfach nur ein ganz toller Zustand, sondern er hat auch eine dauerhafte transformatorische Wirkung. Das ist auch noch ein Unterschied zwischen Samadhi und Tiefschlaf. Wenn wir in den Tiefschlaf reinfallen, wachen wir am nächsten Tag genauso klug oder dumm auf, wie wir am letzten Tag eingeschlafen sind. Vielleicht ein bisschen erholter. Manchmal mit kleinen Einsichten aus dem Traum.
Aber wenn wir in Samadhi waren, kommen wir raus und sind transformiert. Wir haben erfahren, wer wir wirklich sind. So ähnlich, angenommen, ihr würdet irgendwo aufgewachsen sein, irgendwo in sehr schwierigen Verhältnissen und dort, eines Tages, kommt jemand aus dem Krankenhaus und sagt: „Ja, es gab leider eine Vertauschung von Babys. Du bist nicht hier der Waise, von dem wir die Eltern nicht kennen und der im Krankenhaus dort abgeliefert wurde und deshalb jetzt im Waisenhaus aufgewachsen ist, sondern du bist der Sohn von irgendjemand ganz Besonderem. Und der hat keinen sehnlicheren Wunsch, als dich kennen zu lernen.“ Und erstmals in seinem Leben hat man das Gefühl, es gibt jemand, der sich wirklich um mich kümmert. Jemand, dem ich wirklich zugehöre. Die ganze Zeit hat man gedacht, zu irgendjemandem muss ich doch gehören. Und erstmals hat man dieses Gefühl. Dauerhafte Transformation. Dass es vermutlich nicht alles so einfach sein wird, mag dahingestellt sein. Aber diese eine Erkenntnis, die man dort hat, dass man eben nicht ein Waise ist, der von seiner Mutter dort einfach in der Babyklappe abgeliefert wurde, sondern dass man ein Kind war, das eigentlich von den Eltern hoch geliebt war. Diese eine Erkenntnis ändert das ganze Leben.
Genauso in Samadhi die Erkenntnis, dass wir tatsächlich irgendwo zu Hause sind, nämlich im Unendlichen. Dass es tatsächlich jemanden gibt, der uns liebt, nämlich das unendliche Bewusstsein und zwar dauerhaft, ewig, unbedingt. Das transformiert uns dauerhaft. Auch wenn wir nachher wieder in das Normalbewusstsein zurückkommen und dann so einen Körper an uns hängen haben mit dem wir dann irgendwo in der Welt irgendwas tun müssen und so tun müssen, als ob irgendwie die Welt wichtig sei. Auch wenn wir das dann machen und unser Karma erfüllen und natürlich mit vielen Menschen zusammen sind, oder mit wenigen, dennoch ist es dieses Gefühl der Freiheit. Wir wissen, wo wir wirklich hingehören. Und wir wissen nicht nur, dass wir irgendwo transzendent sind, sondern dass wir auch im Bewusstsein aller Wesen sind.
Swami Sivananda schreibt noch in den nächsten Unterkapiteln, wer Samadhi erreichen kann und wie man ihn erreicht. Das könnt ihr euch selbst durchlesen.
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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