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Resümee BhG Kap. 16 – Yoga des Göttlichen und Dämonischen

Daivasurasampadvibhagayogo nama so’daso’dhyayah. Das sechzehnte Kapitel der Bhagavad Gita wird genannt: „Daivasurasampadvibhagayoga. Der Yoga der Unterscheidung zwischen Daiva und Asura.“ Daiva – göttlich, Asura – dämonisch. Oder anders ausgedrückt, ethisch und unethisch.

Es ist interessant, in der Bhagavad Gita folgt immer auf ein abstraktes Kapitel ein konkretes Kapitel. Vielleicht nicht immer, aber relativ häufig. Im vorigen Kapitel hat Krishna gesagt: „Alles ist Körper Gottes. Das ganze Universum ist ein organisches Ganzes. Es gibt nicht wirklich Gutes und Schlechtes, in Wahrheit ist alles göttlich.“ Jetzt sagt er aber: „Unterscheide zwischen dem Ethischen und dem Nicht-Ethischen.“ Auch wenn letztlich alles Körper Gottes ist, auch wenn letztlich hinter allem die göttliche Gegenwart ist, dennoch gilt es, es ist wichtig, zu unterscheiden zwischen Daiva und Asura, zwischen dem Göttlichen und dem Unethischen.

Es gelten die fünf YamasAhimsa – Nicht-Verletzen, Satya – Wahrhaftigkeit, Asteya – Nicht-Stehlen, Brahmacharya – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten, und Aparigraha – unbestechlich sein. Überlege, nimmst du das ernst? Hältst du dich daran? Ahimsa, im Sinne von Nicht-Verletzten, nicht verletzen in Gedanken, Worten und Tat. Immer wieder denke liebevoll an andere, immer wieder schicke anderen liebevolle Gedanken, habe Verständnis, Einfühlungsvermögen. In deiner Sprache, sei freundlich und einfühlsam. Und in deinen Taten bemühe dich darum, andere nicht zu verletzen. Vollständiges Ahimsa in dieser Welt ist natürlich nicht möglich, aber sei so mitfühlend wie möglich, verletze andere so wenig wie möglich.

Das hat auch Einfluss auf deine Ernährung, es hat Einfluss, wie du mit anderen umgehst, es hat Einfluss darauf, wie du andere erfühlst. Maitri Bhavana, das Gefühl der Freundschaft, das Gefühl der Verbundenheit und der Liebe, ist die Grundlage für Ahimsa. Satya, Wahrhaftigkeit. Lüge andere nicht an, sondern sprich die Wahrheit. Mir scheint es, dass Satya heutzutage am wenigsten beachtet wird unter den Yamas. Menschen gehen sehr leichtfertig mit ihren Worten um. Sie sagen etwas und tun es dann doch nicht. Sie versprechen etwas und tun es dann doch nicht. Zwar heißt es, Ahimsa Paramo Dharma, wenn also Ahimsa und Satya im Widerspruch stehen, dann ist Ahimsa wichtiger. Nichtsdestotrotz, gehe nicht leichtfertig mit dem um, was du sagst. Du willst zu Satya kommen. Satya, Sat, die Verkörperung der höchsten Wirklichkeit. Um die höchste Wirklichkeit zu erfahren, musst du auch Satya im Alltag umsetzen. Wahrhaftig sein, sprich die Wahrheit und halte dich an deine Versprechen und setze deine Vorsätze um.

Asteya, Nicht-Stehlen. Nimm anderen nichts weg. Das heißt natürlich auch, halte dich an die Ethik der Gesellschaft. Ich bin manchmal erstaunt, wenn ich höre, dass spirituelle Aspiranten auf Steuererklärungen lügen, dass sie Sachen herunter laden von spirituellen Künstlern, wozu sie nicht die Berechtigung haben, dass sie behaupten, irgendetwas selbst erfunden zu haben, was sie nicht selbst erfunden haben usw. Asteya ist auch wiederum wichtig. Sei ethisch und verstoße auch nicht gegen Recht und Gesetz, insbesondere wenn du in einer Demokratie und in einem freiheitlichen Rechtsstaat lebst. Auch das heißt Asteya, halte dich auch an die menschliche Ethik, soweit sie mit der göttlichen Ethik in Übereinstimmung ist. Natürlich, in einem Nazi-Regime wäre es ethisch gewesen, gegen die Gesetze zu verstoßen, es wäre ethisches Gebot gewesen, sich nicht an die schreckliche Gesetzgebung in vielerlei Hinsicht zu halten. Da wäre es wichtig gewesen, auch seinen Eid zu brechen, den Eid auf den Führer. Aber in einem demokratischen Rechtsstaat, in dem wir uns glücklicherweise befinden, dort gilt es auch, Recht und Gesetz durchaus zu beachten und es gilt, Asteya zu praktizieren.

Brahmacharya, Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten, ist ein großes Thema, und natürlich ist das ethisch in jeder Zeit unterschiedlich. Wenn man bedenkt, in der Zeit der Bhagavad Gita, in der Mahabharata, gab es viele Formen des menschlichen Zusammenlebens. Es gab durchaus auch Ehen zwischen zwei Menschen, die dauerhaft gehalten haben und wo dieses Paar von Anfang bis Ende zusammengeblieben ist. Es gab auch Ehen zwischen einem Mann und mehreren Frauen. Es gab auch Ehen zwischen einer Frau und mehreren Männern. Die Pandavas hatten sogar ganz interessante Beziehungen, nämlich zu fünft hatten sie eine Frau, die Draupadi, und außer Yudhishthira hatten alle anderen Pandavas noch Nebenfrauen gehabt. Das muss ein sehr komplexes Arrangement gewesen sein. So ähnlich ist das, was Brahmacharya ist, in jeder Zeit etwas anderes. Also Brahmacharya, im Sinne von Vermeidung sexuellem Fehlverhaltens. Heutzutage heißt es normalerweise – und heutzutage auch in Indien seit einigen tausend Jahren – eine feste Zweierbeziehung, aber auch andere Formen menschlichen Zusammenlebens wären theoretisch denkbar. Zweierbeziehung kann auch nicht nur zwischen Mann und Frau sein, kann auch zwischen Frau und Frau und Mann und Mann sein. Im Wesentlichen heißt es, auch in der sexuellen Beziehung, Ahimsa zu üben und Satya zu üben, Nicht-Verletzen und Liebe und wahrhaftig sein.

Der letzte der fünf Yamas ist Aparigraha. Aparigraha heißt, unbestechlich sein. Das heißt, lasse dich nicht bestechen von anderen. Lasse dich nicht in deiner ethischen Klarheit dadurch behindern, dass jemand dir einen Gefallen tut. Zwar gilt auch Geben und Nehmen, Nehmen und Geben als Grundlage des Zusammenlebens. Du schenkst deinen Liebsten etwas und du nimmst auch Geschenke von deinem Liebsten an, aber lasse dich nicht bestechen und durch Geschenke in deiner ethischen Freiheit behindern. Wichtig ist, sei in deiner spirituellen Praxis klar. Übe also die Yamas und die Niyamas, übe Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya und Aparigraha.

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Bhagavad Gita Audio-Vortrags mit Sukadev Bretz. Mehr Infos:

 

 

 

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Tags: Bhagavad Gita, Bhagavad Gita Audio-Vortrag, Sukadev, tägliche inspiration

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