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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute erzähle ich etwas über Raja Yoga.

Raja Yoga ist einer der sechs großen Yogawege. Raja heißt wörtlich König, Herrscher. Raja Yoga ist der Yoga, der uns helfen will, Herrscher über uns selbst und über unser Leben zu werden.

Viele Menschen sind mit einer Art Opfermentalität aufgewachsen. Entweder sind unsere Eltern schuld oder unsere Großeltern oder unsere Lehrer oder unsere Mitschüler. Die Eltern sind schuld, weil sie uns falsch aufgezogen haben, die Großeltern sind schuld, weil sie uns die falschen Gene gegeben haben, die Lehrer sind natürlich immer schuld und die Umgebung sowieso.

Zweifelsohne gibt es große Einflüsse von Genen, durch die Eltern, von Lehrern, von den Erfahrungen, die wir alle haben. Aber Raja Yoga sagt, dass wir unser Leben selbst in die Hand nehmen können. Wir haben Einfluss darauf, wie wir denken, wie wir fühlen, wie wir uns verhalten. Raja, das Konzept des Königs, des Herrschers. Es besagt aber auch, dass wir keinen absoluten Einfluss darauf haben. Es sei denn, wir werden irgendwann zum absoluten Raja.

Auch ein König oder eine Führungspersönlichkeit hat nicht die vollkommene Kontrolle über jeden ihrer Untertanen. Aber was ein Raja, eine Führungspersönlichkeit in unserem eigenen Kopf vermag, das ist zunächst mal herauszufinden: „Was gibt es alles an Fähigkeiten in mir? Was gibt es alles an Anteilen in mir? Was habe ich alles für besondere Möglichkeiten?“

Und damit können wir lernen, manches davon stärker zu entwickeln, es in einer guten Weise einzusetzen, anderes etwas schwächer werden zu lassen und die Tendenzen, die sich besonders stark vordrängeln, ein bisschen in den Hintergrund zu setzen. Wir sind den vielen Reiz-Reaktionsketten nicht hilflos ausgeliefert. Wir können unsere Neigungen und Stimmungen ändern. Dazu gibt es im Raja Yoga eine Menge von Möglichkeiten.

Ein Aspekt im Raja Yoga ist es, seine eigenen Fähigkeiten, seine eigenen Möglichkeiten zu würdigen, sie kompetent einzusetzen und einen gewissen Einfluss darauf auszuüben, wie wir auf Situationen reagieren. Ein wichtiger Begriff im Raja Yoga ist Freiheit. Es geht darum, frei zu sein in den Entscheidungen, in den Reaktionen, in den Handlungen, sogar bis zu einem gewissen Grad frei zu sein, welche Stimmung wir gerade haben. Ein zweiter wichtiger Aspekt des Raja Yoga ist die Erweckung von schlafenden Talenten und Fähigkeiten. Raja Yoga sagt, dass in jedem Menschen sehr viel mehr Fähigkeiten stecken, als wir es für möglich halten. Im Raja Yoga gibt es ja eine wichtige Schrift, das so genannte Yoga Sutra. Da gibt es ein ganzes Kapitel, das beschreibt, was alles noch an Talenten im Menschen drin sein könnte und wie wir die erwecken können. Raja Yoga will uns aus dem kleinen Denken: „Ich kann dieses nicht und jenes nicht und mir ist alles zu viel und ich habe keine Energie usw.“ herausholen und uns sagen: „Du kannst Herrscher über dein Leben sein. Du hast so viele Möglichkeiten und Fähigkeiten, und so viele Schätze ruhen noch in dir. Die wollen sich alle noch entfalten.“ Es gilt, diese zu fördern und in den Alltag zu integrieren.

Natürlich, der höchste Aspekt des Raja Yoga ist, Herrscher über den Geist zu werden in dem Sinne, die Gedanken auch mal zur Ruhe bringen zu können. Also auch die Fähigkeit zu haben, einen Moment lang wirklich gar nichts zu denken. Volle Bewusstheit zu haben und dabei vollkommen ruhige Gedanken. Das ist das erhabendste Ziel im Raja Yoga: Sich seiner selbst bewusst werden.

Der König, das ist das Bewusstsein, das Selbst, die wahre Natur. Wenn es gelingt, die Gedanken zur Ruhe zu bringen und jenseits der Identifikation mit den Gedanken zu kommen, dann erfahren wir, wer wir wirklich sind, unsere wahre Natur.

Die großen Raja Yogis, die in der Lage waren, ihren Geist ganz zur Ruhe zu bringen, haben gesagt: Die wahre Natur ist Satchidananda, Sein, Wissen, Glückseligkeit. In Wahrheit sind wir unendliches Sein, nicht begrenzt vom Körper, nicht begrenzt von Geburt und Tod. Wir sind ewig und unendlich. Wir sind unendliches Wissen und wir sind unendliche Wonne. Aus dieser Erfahrung von großen Meistern stammt auch eine simple Sache für den Alltag: Wann immer wir uns mehr bei uns selbst fühlen wollen, gilt es, den Geist ein klein wenig mehr zur Ruhe zu bringen. Wann immer wir ein klein wenig mehr glücklich sein wollen, gilt es, den Geist zu konzentrieren. In dem Maße, in dem es uns gelingt, den Geist etwas mehr zur Ruhe zu bringen, in dem Maße ruhen wir bei uns selbst, sind wir verankert in uns selbst, fühlen wir uns verbunden mit allen Wesen, voller Freude und Wonne.

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: bedeutung, entwicklung, glück, inspirationen, jnana, mantra, sivananda, sukadev, tägliche, vedanta, Mehr...wahrheit, weisheit, wissen

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