mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Ein bekanntes amerikanisches Buch zum Thema „Mystik“ lautet „Practise the presence of God“. Auf Deutsch zu übersetzen: „Praktiziere die Gegenwart Gottes“.

 

Gott ist allgegenwärtig, allmächtig, allwissend. Diese Aussagen finden wir in allen Religionen, Kulturen, Philosophien. Nur, wie können wir uns dieser Allgegenwart Gottes bewusst werden? Da gilt es, das zu praktizieren und das können wir praktizieren auf verschiedenste Weisen. Man kann es z.B. machen, indem man morgens anfängt, zu meditieren. Und wir können natürlich meditieren von verschiedenen Standpunkten aus. Wir können den Atem beobachten und sagen, das entspannt. Wir können es im Sinne von Achtsamkeit tun und uns ganz bewusst werden, was dort alles abläuft, im Sinne von, wir können uns lösen von unseren Reiz-Reaktionszwängen, wir können uns lösen von ständigem Nachdenken, Analysieren, Beurteilen und das ist ein wichtiger Aspekt der Meditation.

 

Wir können aber auch sagen, wir meditieren, um während der Meditation uns der Gegenwart Gottes bewusst zu werden. Jetzt Gegenwart Gottes zu spüren und ihrer bewusst zu werden, sind zwei Sachen. Zum einen ist, wir selbst wollen uns der Gegenwart Gottes bewusst werden. Und zum zweiten ist irgendwo eine Gnade, ein Segen da, dass wir es tatsächlich erreichen können. Die meisten der Anwesenden sind schon längere Zeit auf dem Weg. Gut, manche mögen vielleicht den Ausdruck „Gott“ nicht mögen, mögen vielleicht die Urmutter, die kosmische Energie, das höhere Bewusstsein, die höhere Wahrheit sagen. Manche haben einen tiefen Bezug zu dem Ausdruck „Gott“. Und alle wissen, es ist nicht so, dass wir einfach sagen können, so wie: „Ja, jetzt würde ich gerne was essen und dann geht man irgendwo an den Kühlschrank und kriegt irgendwas oder geht in ein Geschäft und kauft sich was.“ Wobei die Geschäfte sind auch nicht immer offen und der Kühlschrank mag auch nicht immer voll sein, deshalb, ganz so, immer klappt es auch nicht. Und in früheren Gegenden, z.B. es wurde ja gerade ein afrikanisches Lied gesungen, nicht immer ist immer alles da.

 

So ähnlich auch, wenn wir Gott rufen, mal spüren wir ihn, mal spüren wir ihn nicht. Aber wir können selbst eben schauen: „Ja, ich will mich an Gott wenden und dann bitte ich darum, ist es möglich, Gott zu erfahren.“ Und so können wir auch die Meditation so beginnen, indem wir sagen: „Lieber Gott, lass mich Dich heute Morgen in der Meditation spüren.“ Und dann schauen wir, ist es heute Morgen möglich? Wenn es nicht möglich ist, können wir mindestens unsere Gedanken beobachten, wir können uns auf ein Chakra konzentrieren, ein Mantra wiederholen. Wir können lernen, uns nicht zu identifizieren mit allem, was dort abläuft, und zwischendurch können wir wieder sagen: „Lieber Gott, liebe höhere Wirklichkeit, wenn es möglich ist, lasse mich Dich erfahren.“

 

Wir können das während der Asanas dann wiederholen, wir können Asanas praktizieren. Asanas haben ja auch tolle Wirkungen für Entspannung und Dehnung und Kraftentwicklung und gegen Rückenprobleme und Kopfweh und sie geben uns ein schönes Gefühl und wir haben mehr Energie. Und zwischendurch können wir wieder fragen: „Lieber Gott, wenn es möglich ist, lasse mich Dich erfahren.“ Immer wieder in einer Asana können wir das spüren. Und immer wieder können wir es entweder spüren oder, wenn es jetzt nicht sein soll, dann konzentrieren wir uns wieder auf die Atmung, richten das Bewusstsein zur Kehle oder zum Herzen oder zum dritten Auge oder spüren die Dehnung oder ziehen uns noch ein bisschen weiter rein, beobachten: „Wo habe ich jetzt noch Verspannungen? Wie könnte ich die lösen und wie komme ich noch ein bisschen weiter?“ Und dann wieder einen Moment: „Ich möchte die Gegenwart Gottes erfahren.“

 

Später am Tag, z.B. wenn wir essen, können wir uns bewusst sein, Essen ist nicht einfach nur Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff in bestimmten Konsistenzen, sondern auch dort, Essen ist auch ein heiliger Akt und wir können ihn mit Dankbarkeit verbinden, wir können ihn mit Bewusstheit verbinden. Und dieses Wunder, man hat dort etwas zu Essen, man schluckt es, es verwandelt sich zum Körper, es schmeckt, es entsteht alles Mögliche. Wir können uns auch dort bewusst werden: „Ja, da ist die Gegenwart Gottes.“ Und auch hier wiederum, manchmal spürt man es mehr, manchmal spürt man es weniger. Wenn wir es weniger spüren, können wir mindestens bewusst essen, wir können mindestens etwas Dankbarkeit empfinden. Wir können die Nahrung bewusst auswählen, wir können jeden Bissen dreißig Mal kauen, wir können darauf achten, dass wir nicht zu schnell essen. Und zwischendurch wieder die Gegenwart Gottes spüren.

 

Wenn man spazieren geht, kann man zwischendurch schauen: „Ja, da ist der Himmel, großartig und wunderbar.“ Ich glaube, heute Nacht hat es wieder geschneit. Es erscheint jetzt mindestens so, als ob – wobei ich nicht weiß, ist es Spiegelung oder nicht. Also, vermutlich ist wieder Schnee draußen. Wir können uns den Schnee anschauen, wir können den Schnee als Symbol der Reinheit Gottes nehmen. Und wir können das Staunen lernen. Wir können uns diese Schönheit anschauen und uns Gottes Gegenwart bewusst machen. Wenn wir einen Menschen sehen, können wir uns bewusst machen, im Herzen aller Wesen wohnt Gott. Wir können einen Moment lang Gott in dem Herzen des Menschen spüren. Und so ist dieses Prinzip, „Practise the presence of God“ etwas, was eine wunderschöne Übung ist, eine freudevolle und eine liebevolle Übung ist. Und immer vor dem Hintergrund, es gehören zwei dazu, um die Gegenwart Gottes zu spüren: Das Individuum, das darum bittet, „möge ich die Gegenwart Gottes spüren“ und letztlich Gott, der sich spüren lässt. Und so gilt es, mit Bewusstheit und dann mit Demut das immer wieder am Tag zu praktizieren und so den Tag immer mehr zu füllen mit Momenten göttlicher Gegenwart, bis wir irgendwann dazu kommen, dass wir morgens aufwachen, Gott spüren, abends einschlafen, Gott spüren und den ganzen Tag Gott spüren.
Hari Om Tat Sat

 

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

 

 

 

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 130 X ANGESCHAUT

Tags: Sukadev, tägliche inspiration

Kommentar

Sie müssen Mitglied von mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen