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“Lebe Deine Natur und entfalte Deine Talente”

Im Yoga gibt es manche Begriffe, die sind sehr vielschichtig. Und einer dieser Begriffe ist „Prakriti“. „Prakriti“ wörtlich heißt „Natur“. Das bezieht sich auf die ganze Welt. Im Gegensatz zu Purusha, kann man sagen, unsere wahre Natur. Das Bewusstsein gibt auch Prakriti die relative Natur. Dann ist jetzt besonders interessant, im Individuellem gibt es auch wieder Prakriti, unsere eigene, relative Natur, die auch als Swarbhava oder als Swarupa bezeichnet wird.
Und dort gibt es das Ayurvedasystem, das spricht viel über Prakriti, so unser Temperament, Grundtemperament. Spricht auch von Vikriti, das ist unser gestörtes Temperament. Und Krishna spricht in der Bhagavad Gita öfters über Prakriti. Krishna sagt, wir sollen unserer Prakriti gemäß handeln. Und wir sollen lernen, unsere eigene Natur herauszufinden, aber die dann so auszuleben, dass sie unserem Dharma entspricht. Paulus spricht davon, dass Gott uns Talente gegeben hat und diese Talente sollen wir zum Wohl anderer nutzen. Und so hilft es oft nicht weiter, dass wir uns mit anderen Menschen vergleichen. Wenn wir uns nämlich mit anderen Menschen vergleichen, haben wir sicher andere Talente. Aber wir vergleichen oft die guten Talente des anderen mit unseren weniger guten Talenten. Wenn wir in bestimmten Situationen sind, hilft es oft zu überlegen: „Wie kann ich in der Situation mit meinen besonderen Fähigkeiten und Talenten, mit meiner Prakriti, besonders gut anderen helfen, anderen dienen, meine Aufgabe erfüllen?
Krishna spricht relativ viel von Raga und Dvesa. „Raga“ heißt „mögen“ und „Dvesa“ heißt „nicht mögen“. Und Patanjali erwähnt ja auch, Raga ist das, was an Sukha, am Vergnügen hängt und Dvesa ist das, was am Dukha hängt. Oder wie es die Buddhisten sagen: Schmerz ist nicht vermeidbar. Aber wenn wir daran hängen, keinen Schmerz zu haben, dann wird das zum Leiden.
Wenn wir also zu unserer Prakriti kommen wollen, wenn wir lernen wollen, unsere Natur zu leben, müssen wir das trennen von unserem kleinen Mögen und Nicht-Mögen. Ist nicht so einfach. Kann ich auch nicht lösen jetzt in einer Minute. Aber es ist eine wichtige Unterscheidung. Wir müssen unterscheiden zwischen: Was ist unsere Natur und was ist unser individuelles Mögen und Nicht-Mögen?“
Dann ein nächster Aspekt, und da legt das Ayurveda auch wieder großen Wert darauf, dass wir aufpassen. Auch wenn wir unsere Natur leben, dürfen wir es nicht übertreiben. Denn, wenn wir unsere Natur zu sehr leben, dann führt sie zu Vikriti. Ein Vata-Mensch, ein etwas luftiger Mensch, lebt das vielleicht so: Er liebt einen flexiblen Arbeitsplatz, unterschiedliche Arbeitszeiten, kreativ, er kann all seine kommunikativen Fähigkeiten einsetzen – das ist durchaus eine gute Sache. Nur wenn er es übertreibt, dann hebt er ab, wird nervös, kann nicht mehr schlafen und kriegt dann alle möglichen Krankheiten. Oder ein Pitta-Mensch, feurig und zielorientiert, will alles Mögliche erreichen, immer wieder alles übertreffen. Da ist es gut, dass er diese Natur auch lebt und einsetzt zum Wohl der Menschheit. Und er muss natürlich von seinem individuellen Mögen und Nicht-Mögen abstrahieren. Denn wenn er es übertreibt, ist er irgendwann ärgerlich, reizbar, hat alle möglichen Entzündungen usw. Also, er muss lernen, zwar zu leben, aber nicht zu übertreiben. Genauso beim Kapha-Mensch oder bei allen Mischformen. Das ist ein großes Kunststück des spirituellen Lebens.
Und bei all dem müssen wir aufpassen, dass wir nicht vergessen, was unsere wirklich wahre Natur ist. Shankaracharya leitet sehr schön aus der Bhagavad Gita ab: „Sat-Chid-Ananda Swarupo Ham. Meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.“
Wenn Sri Krishna irgendwo über Swarupa spricht, spricht er eher über die relative Natur. Es ist gut, die relative Natur zu leben, die Talente zu nutzen. Es ist gut, sie zu leben ohne es zu übertreiben. In Balance und in Harmonie zu bleiben. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen Talenten, Fähigkeiten und Mögen und Nicht-Mögen. Und bei all dem bewusst sein, meine wahre Natur ist Sein, Wissen, Glückseligkeit. Unendliches, ewiges Bewusstsein. Jenseits von Körper, Denken, Fühlen. „Ich bin, der ich bin.“
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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