mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Konzentration und Meditation – ein Weg zur Befreiung

Ich lese etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Meditation“.

Swami Sivananda schreibt:

„Ein tugendhaftes Leben zu führen, ist nicht ausreichend für die Gottesverwirklichung. Meditation ist unbedingt notwendig. Ein gutes, tugendhaftes Leben bereitet den Geist als taugliches Instrument für Konzentration und Meditation vor. Konzentration und Meditation führen schließlich zur Selbstverwirklichung. Mit Hilfe der Meditation kannst du Selbstverwirklichung erlangen. Mit ihrer Hilfe kannst du in den göttlichen Zustand hineinwachsen. Mit Meditation kannst du dich aus den Fesseln des Geistes befreien und die Unsterblichkeit erfahren. Meditation ist ein großartiger Weg zur Befreiung, Moksha. Sie ist eine mysteriöse Leiter, die von der Erde zum Himmel reicht, vom Irrtum zur Wahrheit, von der Dunkelheit zum Licht, vom Schmerz zur Wonne, von der Ruhelosigkeit zu immerwährendem Frieden und von der Unwissenheit zur höchsten Erkenntnis, von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit.“

Hier beschreibt Swami Sivananda, was Meditation im Tiefen bedeutet. Mit der Meditation wollen wir erfahren, wer wir wirklich sind, Selbsterkenntnis. Wobei Selbsterkenntnis nicht heißt, sich selbst erkennen als eine Person, die die und die Größe hat und die und die Eigenschaften hat und die und die Fähigkeiten und diese Bedürfnisse und die und die Talente. Auch da kann Meditation natürlich helfen. In dem Moment, wo der Geist ruhig wird, bekommt man mehr Zugang auch zu sich in diesen relativen Aspekten. Aber Selbsterkenntnis, hier die Übersetzung für Atmajnana, also die Erkenntnis unseres wahren Selbst, die wirkliche direkte Erfahrung und Erkenntnis, wer wir wirklich sind. Und diese Erkenntnis heißt, wir sind nicht der physische Körper, wir sind nicht die Persönlichkeit, wir sind nicht all dieses Mögen und Nichtmögen und all diese Fähigkeiten und Unfähigkeiten. Wir sind das unsterbliche, ewige Selbst. Und diese Selbsterkenntnis heißt, die Erfahrung von sich selbst als unsterbliches Wesen. Der physische Körper ist sterblich. Er hat einen Anfang, er hat ein Ende, und zwischendurch eine ganze Menge Höhen und Tiefen. Die Psyche hat Höhen und hat Tiefen. Die Energien, Prana hat Höhen und Tiefen. Emotionen, haben die auch Höhen und Tiefen? Höhen, Tiefen, größere und kleinere Intensitäten all dort. In der Meditation wollen wir uns erfahren als unendliches, ewiges Wesen, welches jenseits ist von all dem. Und so wie wir jetzt Kleidung anhaben, so hat dieses unsterbliche Wesen eine Persönlichkeit an und einen Körper an. Oder so, wie wir eine Puppe nehmen können und mit der Puppe irgendwo ein Schauspiel aufführen, so haben wir diesen Körper als unseren Schauspielkörper, mit dem wir in dieser Welt Erfahrungen machen, Dinge bewirken und letztlich uns dann wieder erfahren als das unendliche Selbst. Daher sagt er, Meditation, einWeg zur Befreiung, zu Moksha. Eine mysteriöse Leiter, die von der Erde zum Himmel reicht. Himmel, jetzt verstanden als höhere Bewusstseinsebenen. Also, Normalbewusstsein ist ein Bewusstsein der Begrenztheit. Und er sagt hier, das ist auch ein irrtümliches Bewusstsein. Wir sind nicht der Körper, auch wenn es so erscheint. So ähnlich wie, angenommen, wir träumen, dann können wir denken, wir wären ein Schmetterling. Wenn wir aufwachen, wissen wir, „ich war nie ein Schmetterling gewesen, es war ein Traum“. Und so ähnlich, jetzt mögen wir denken, wir sind dieser Körper und diese Psyche mit all ihren Besonderheiten. Und dann in der Meditation, wenn wir tiefer gehen, können wir erfahren, das waren wir nicht, sind wir nicht, wir sind das unsterbliche Selbst. Vom Schmerz zur Wonne, also von Dukha zu Ananda. Das äußere Leben hat auch seine schönen Momente und seine weniger schönen Momente, wechselt ab. Mal ist es schön, mal ist es weniger schön. Jetzt seid ihr hier im Ashram, für die meisten ist das schön. Und der ein oder andere ist auch im Ashram und vielleicht tun Knie und Rücken weh vom vielen Sitzen, vielleicht nicht ganz so schön. Man kann also sogar gleichzeitig schöne und weniger schöne Erfahrungen machen. Sukha, Dukha wechselt sich ab. Aber wir wollen nicht von Dukha zu Sukha, sondern zu Ananda. Und Ananda ist unsere wahre Natur. Und auch wenn wir nicht gleich in der Meditation voll dazu kommen, dass wir uns dauerhaft erfahren und vollständige Erkenntnisse bekommen, obgleich das ist jetzt das, was irgendwann mal kommen wird. Aber so andeutungsweise können wir Ananda in der Meditation spüren, ohne dass uns irgendjemand was gibt, ohne dass wir irgendwas erreichen, ohne dass jemand freundlich zu uns ist, ohne dass jemand uns irgendwie was gekauft hat oder ein Geschenk gegeben hat. Es reicht aus, unseren Geist zur Ruhe zu bringen, und dann erfahren wir uns selbst als Ananda. Mindestens andeutungsweise. Und das haben die meisten von euch ja inzwischen erfahren, die meisten sind ja schon eine Weile auf dem spirituellen Weg. Ihr hattet schon mindestens Momente einer solchen Meditationserfahrung, wo ihr euch selbst als Ananda erfahren habt. Dann kann man über diese Erfahrung auch nachdenken und sich bewusst machen: „Ja, tatsächlich, ich bin Ananda. Da will ich wieder hin.“ Und selbst wenn es jetzt vielleicht, weil man Aufgaben im Leben hat, und manchmal, für die Aufgaben im Leben ist es gut, ein bisschen unwissend zu sein. Wenn wir vielleicht noch nicht zur vollen Verwirklichung kommen können, wir können tief im Hinterkopf sagen: „Ja, ich bin immer Ananda. Was mache ich mir eigentlich so viele Sorgen? Ich mache mir so viel Sorgen, was der über mich denkt und ob das klappt und jenes klappt. Ich habe meine Aufgaben, gut, die erledige ich so gut, wie ich kann, tue es auf dieser Welt, aber ich weiß, Ananda, das ist meine wahre Natur.“ Und eigentlich können wir dort jederzeit eintauchen. Einen Moment gedankliche Stille, einen Moment zu dem kommen, was jenseits der Gedanken ist, in dem Moment ist Ananda da. Damit ist Frieden da, damit ist Erkenntnis da, damit ist die Erfahrung der Ewigkeit da.

Hari Om Tat Sat

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 182 X ANGESCHAUT

Tags: Konzentration, Meditation, Sukadev, tägliche inspiration

Kommentar

Sie müssen Mitglied von mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen