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Ich wollte etwas lesen aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna, dem Lehrer und Arjuna, dem Schüler, aus dem 9. Kapitel. Das neunte Kapitel nennt sich „Der Yoga der königlichen Wissenschaft“ und „Der Yoga des königlichen Geheimnisses“. Da steckt also das Wort „Raja“ drin. Raja – König, Herrscher. Und „königliche Wissenschaft“ aus zwei Gründen. Die Wissenschaft, die uns zum Herrscher über unseren eigenen Geist machen will. Letztlich auch die Wissenschaft, die uns verwirklichen lassen will, dass wir das Bewusstsein hinter allem und damit wieder König hinter allem sind. Und es ist ein „königgleiches Geheimnis“. Natürlich kein wirkliches Geheimnis. Steht ja in der Bhagavad Gita geschrieben und die Bhagavad Gita ist in Indien das bekannteste Buch. Aber es ist dennoch ein Geheimnis, denn selbst wenn wir es wissen, ist es nicht ganz so leicht umzusetzen. Es gibt Geheimnisse, die sind deshalb geheim, weil sie keiner weiß und es gibt Geheimnisse, die sind deshalb ein Geheimnis, weil es zwar jeder weiß, aber keiner oder nur wenige umsetzen. Und dass er sagt „königlich“, heißt natürlich auch „das Höchste“, „die höchste Wissenschaft“.


Es gibt kleinere Wissenschaften. Wir können lernen, wie Klima entsteht. Ist auch schon schwierig genug. Oder wir können lernen, wie eine Ameise geht. Und wir können lernen, wie Computer funktionieren. Wir können lernen, wie Buchhaltung geht, wie man schreinert. Man kann lernen, wie man Entspannungskurse gibt. Das sind alles wichtige Dinge, wenigstens in bestimmten Kontexten. Aber das Königliche, die königliche Wissenschaft, ist die Wissenschaft der Selbstverwirklichung. Die Wissenschaft des Höchsten.


Und Krishna spricht dort zu Arjuna, seinem Schüler: „Ich werde dir nun, da du ohne Argwohn bist, das höchste Geheimnis darlegen. Erkenntnis gepaart mit Erfahrung. Wenn du dies erfahren hast, wirst du von allem Leid befreit sein.“ Er sagt eben, worum geht es letztlich? Es geht darum, wir wollen uns von allem Leiden befreien. Krishna behauptet, es ist möglich, einen Zustand jenseits allen Leidens zu erfahren. Und wie kommen wir dort hin? Zum einen über Erkenntnis und zum anderen über Erfahrung. Und beides zusammen, wahre Erkenntnis mit der wahren Erfahrung, führt einem dazu, dass wir von allem Leiden frei werden. Und das ist auch wichtig zu erkennen, beides gehört zusammen. Die Erkenntnis, also durchaus auch das rechte Verständnis, das rechte Verstehen. Auf diese Weise können wir uns selbst fragen: „Wer bin ich?“


Das ist ein Jnana-Yogaweg, letztlich der Selbstbefragung. Und mit Unterscheidungskraft können wir erkennen: „Ich bin nicht der Körper, weil ich den Körper beobachten kann.“ „Ich bin nicht das Prana. Ich kann das Prana, die Lebensenergie, beobachten. Ich kann sie steuern.“ „Ich bin auch nicht die Emotionen. Ich kann die Emotionen beobachten. Ich kann sie auch steuern bis zu einem gewissen Grad. Ich kann mich davon lösen. Ich kann einen Zustand wahrnehmen jenseits der Emotionen.“ „Ich bin auch nicht das Denken. Denken kann ich wahrnehmen und ich existiere auch dann, wenn es mal Perioden gibt, wo vorübergehend kein Gedanke da ist. Also kann ich nicht das Denken sein.“ „Ich bin auch nicht die Persönlichkeit. Persönlichkeit ändert sich, das Ich bleibt gleich. Und ich kann auch meine Persönlichkeit beobachten.“ Das ist also Erkenntnis. Wir können erkennen: „Ich bin all das nicht.“ Aber wir können dann auch erkennen: „Ich bin. Trotz allem. Auch wenn ich alles andere nicht bin, ich bin trotzdem. Wenn es niemanden gäbe der beobachtet, dann könnte ich auch nicht sagen, ich bin nicht die Gedanken.“ Und so dieses philosophische Erkennen, ist ein wichtiger Aspekt.


Und dann folgt der zweite Aspekt und der ist die Bewusstseinserweiterung, wo wir die Einheit mit allem erfahren. Bewusstseinserweiterung ohne Erkenntnis allein, ist auch nicht ausreichend, denn angenommen, jemand hat eine Bewusstseinserweiterung und weiß aber nicht was es ist, dann kann der irgendwo denken, er sei verrückt. Dann macht er vielleicht noch den Fehler und geht zum Psychiater. Dann wird er unter Drogen gesetzt. Dann war er eigentlich ein Heiliger, aber weil er nicht wusste, was dort ist, ist er über Drogen irgendwo zu einer Art Gemüse geworden. Ich weiß nicht, wie vielen Menschen das in unserer westlichen Gesellschaft passiert.


Natürlich die allerhöchste Verwirklichung, die ist in sich ausreichend. Dann wird man nicht mehr irgendwo Bestätigung suchen, was ist das überhaupt. Aber es gibt so einige, die Spontanerweckungen hatten, die jahrelang anschließend erst mal in Problemen waren, weil sie nicht wussten, wie ihnen geschieht. Sie haben kein Ego mehr, sie haben nicht mehr das Gefühl des Ich. Sie fühlen sich mit allem eins und es gibt niemanden, der ihnen erklären kann, was das ist. Trockene Erkenntnis alleine reicht auch nicht aus, aber beides zusammen, die Erkenntnis, im Sinne von auch intellektueller Erkenntnis, Verstehen und das mit der Erfahrung. Das zusammen befreit einen von allem Leid, weil wir sowohl erkennen als auch erfahren: „Ich bin das unendliche Bewusstsein, überall, ewig. Sat-Chid-Ananda – Sein, Wissen und Glückseligkeit. Was auch immer geschieht. Sogar jenseits von Alter, Krankheit, Tod. Ewig eins.“

 
Hari Om Tat Sat

 
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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