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Ich will etwas lesen aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna, und Arjuna, Krishna, dem Lehrer, Inkarnation Gottes, und Arjuna, dem Schüler. Im 11. Vers des 15. Kapitels sagt Krishna: "Die Yogis, die nach Vollkommenheit streben, nehmen ihn im Selbst weilend wahr. Die Unintelligenten ohne Unterscheidungskraft sehen ihn nicht, auch wenn sie danach streben." Oder auch "die Groben und Unintelligenten aber sehen ihn nicht, auch wenn sie danach streben". "Ihn" meint das Höchste, das Göttliche, das höchste Bewusstsein. Er sagt, dass die Yogis ihn wahrnehmen. Also, von einem höheren Bewusstsein zu sprechen, ist nicht einfach nur eine Frage von Philosophie, von Glauben, von Hoffnung oder von Annehmen, sondern von Wahrnehmen. Ramakrishna wurde mal von Vivekananda gefragt: „Du sprichst immer von Gott. Nimmst du Gott wahr, siehst du Gott?“ Und dann lächelte Ramakrishna zurück und sagte: „Ich nehme Gott immer wahr. So wie ich dich jetzt wahrnehme, nehme ich auch Gott immer wahr, nur deutlicher.“ Und dann anschließend sagt er: "Die Groben und Unintelligenten sehen ihn nicht, auch wenn sie danach streben". Grob ist, was jetzt hier steht. Grob ist, wenn wir das Bewusstsein in der grobstofflichen Ebene haben, wenn wir noch voller Unreinheiten sind, wenn wir nur die niederen Chakras aktiviert haben, wenn wir nicht ausreichend Prana haben. Dann nehmen wir das Höhere zunächst mal nicht wahr, selbst wenn wir sagen, ich will es jetzt wahrnehmen. Wir müssen uns reinigen, wir müssen uns öffnen, und dann nehmen wir dieses Höchste auch wahr. Ähnlich finden wir es auch in der Bergpredigt, wo Jesus sagt "Selig sind, die reinen Herzens sind, sie werden Gott schauen".

Im 12. Vers sagt Krishna: "Das Licht, das in der Sonne ist, und die ganze Welt erhellt, das im Mond und im Feuer ist, wisse, dass dies mein Licht ist". Hier gibt er einige Tipps, wie wir Gott wahrnehmen können, wenn es zunächst mal nicht möglich ist, Gott überall zu sehen. Wenn also unser Geist noch etwas grobstofflich ist, wenn unser Herz noch nicht so gereinigt ist, und wir deshalb nicht Gott überall wahrnehmen können, können wir ihn doch mindestens in manchem wahrnehmen. Das ist ein Aspekt, den Krishna in mehreren Teilen der Bhagavad Gita immer wieder betont, was auch als Vibhuti Yoga bezeichnet wird. Ein ganzes Kapitel wird ja auch als Vibhuti Yoga bezeichnet. Und eine einfache Weise, Gott wahrzunehmen, ist, Gott im Licht wahrzunehmen, in der Sonne, im Mond, im Feuer, in Adventskränzen und Kerzen, in Weihnachtsbäumen, in Lichterscheinungen usw.

"Ich durchdringe die Erde und erhalte alle Wesen durch meine Energie. Ich werde zum Wasser und nähre alle Kräuter". Auch dieses ist eine Weise, wie wir Gott wahrnehmen können. Uns mal bewusstmachen, dass dieser Körper hier lebt. Wir können es probieren, physiologisch zu analysieren, aber wenn man genauer nachschaut, ist das schon eine ganz schöne Intelligenz. Dass man einen Finger bewegen kann, dass man essen kann, dass man ausscheiden kann. Dass das gar nicht so selbstverständlich ist, merkt man immer dann, wenn irgendeiner dieser Prozesse nur leicht gestört ist und man dann krank ist. Dass es überhaupt funktioniert, ist ein großes Wunder. In diesem Staunen, das wir in ganzen Lebensvorgängen haben können, in diesem Staunen können wir auch Gott wahrnehmen.
Also, er gibt uns hier zwei Tipps. Der eine ist, dass Gott im Selbst aller Wesen ist. Er ist das Bewusstsein hinter allem. Wenn wir ausreichend mittels Yogapraktiken uns gereinigt haben, dann können wir das tatsächlich so wahrnehmen. Wenn wir noch nicht so weit sind, müssen wir nicht warten, wir müssen nicht alles in die Zukunft verschieben. Wir können Gott jetzt in diesem Moment im Großartigen wahrnehmen. Und dann gibt es da verschiedenes, zwei Tipps in diesen Versen: Wir können Gott im Licht wahrnehmen und in der Intelligenz hinter allem Lebendigen, in der Großartigkeit des Lebens an sich. In den nächsten Versen gibt Krishna dann noch viel mehr Tipps.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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